mama, wo'st wesen \ nun mehr tut's nicht / nun tu's nit mehr \ / * ** Ördi, mehr - nich nach __Izmir
Die natürliche Ordnung der Dinge
Schlechte Aussichten:
Weinende Kreaturen,
Fische schreien,
Tote Vögel im Watt.
Nichts hören,
Nichts sehen,
Nichts sagen.
Das große Fressen
Geht zu Ende.
Der Mars steht
Nah den Plejaden,
Der Stier hat seine Hörner
Nun auf uns gerichtet.
Die Konten eingefroren,
Kleingeld geronnen
Zu Staub.
Die natürliche Ordnung
Der Dinge
Ist gestört.
Pandemie-Kakophonie
Ich sagte es dir.
Du sagtest es ihm.
Er sagte es ihnen.
Sie sagten es auch.
Es wurde gesagt.
Wir alle sagten es.
Ihr sagtet es weiter.
Doch
Sie alle kannten
Die Wahrheit nicht.
Das neue Zeitalter
Ein neues Zeitalter hatte begonnen. Niemand hatte daran gedacht, doch nun war es da. Wie konnte es geschehen? Zuerst kam die Sintflut. Nicht die biblische, sondern die neuzeitliche Überflutung ganz West- und halb Mitteleuropas. Auf dem verbleibenden Festland wurde das Autofahren verboten. Die Leute nahmen es hin und bastelten fortan an ihren Booten und Surfbrettern herum, glaubten, das wäre alles. Herr Klopsig arbeitete bei der Bahn, dort genoß er freie Fahrt auf allen Strecken, die von der Sintflut verschont geblieben waren. Das Autoverbot berührte ihn nicht, im Gegenteil, er begrüßte es. Die Regierung fühlte sich ermutigt.
Als nächstes knöpfte sie sich das Trinken vor. Nein, die Zustände der Prohibition kehrten nicht wieder: Es gab keinen Widerstand, keinen Untergrund. Gering alkoholische Getränke wie Bier und Wein blieben legal – verboten wurden Destillate. Die Leute waren so gesättigt und schwach, beschäftigt mit ihren davon schwimmenden Eigentumswohnungen und Liebesgeschichten, daß niemand auf die Idee kam, Schwarzbrennereien zu gründen, um den Stoff für noch mehr Geld zu brennen. Es wäre eine phantastische Umverteilung geworden. Neue proletarische Kreise wären zur Elite aufgestiegen, erst in der Mafia, dann in der Regierung. All das blieb aus.
Statt dessen beschlossen die Oberen, schamlos mutig, das Fallenlassen von Papier auf die Sandwege unter Strafe zu stellen. Was wäre ein Gesetz ohne Strafen anderes als ein hornloses Nashorn? Binnen eines Jahres folgte die Wiedereinführung der Todesstrafe. Die Leute jubelten. Die Todesstrafe wollten sie schon immer zurück haben. Endlich wieder Köpfe rollen sehen. Die Todesstrafe – gepaart mit dem universellen menschlichen Bedürfnis nach Sauberkeit und Ordnung – entsprach vollkommen dem Volkswillen. Von wegen, Demokratie und Diktatur seien Gegensätze. Diktatur erschien den Machthabern als der vollendete Ausdruck der Demokratie: sie war unverstellt und schrankenlos. Eine neue Verfassung wurde verabschiedet: die Verfassung der liberalen Diktatur.
An den gebohnerten, im staubigen Sonnenlicht glänzenden, menschenleeren Sandwegen war zweifelsfrei zu erkennen, daß das neue Zeitalter ausgebrochen war. An den Gullydeckeln wurden Soldaten mit Maschinengewehren postiert, die darüber wachten, daß niemand eine Zigarettenspitze oder ein Papiertaschentuch hineinwarf. Die kleinste Verunreinigung konnte zu einer Verstopfung im Kanalsystem und einer erneuten Überflutung Berlins führen. Das Rauchen im öffentlichen Raum hatte die Regierung im übrigen schon vor der Sintflut unter Strafe gestellt. Die Züge und Schiffe füllten sich mit Gesetzesbrechern, das heißt die Güterzüge und die Containerschiffe.
Der Bahnhofsvorsteher, ein alter Schulkamerad von Herrn Klopsig, ihm seit langem als freundlicher Arbeitskollege vertraut, lächelte. Jetzt hatte er endlich alle Hände voll zu tun. Herr Klopsig lächelte zurück, dachte, er könne, indem er ihm helfe, das System unterminieren. Herr Klopsig sah die furchtsamen Gesichter in den Öffnungen und Ritzen der Waggons. Die lächelnde Visage des Bahnhofwarts. Die gespenstisch glänzenden leeren Straßen.
Zur Demokratie gehörte der Dreck, er zeugte vom Leben. Der Tod hatte keine Zeugen. Nur den Bahnhofswart, der die Weichen so stellte, daß die Waggons direkt in den Schlund des Verbrennungsofens hineinrollten. Und Herrn Klopsig, der mitmachte, um zu protestieren, zu sabotieren. Aber daraus wurde nichts.
Einmal, als der Bahnhofsvorsteher eingeschlafen war, stellte Herr Klopsig die Weiche um und manövrierte den Zug auf ein Abstellgleis, hoffte, daß die zahlenmäßig überlegene Meute der zum Tode verurteilten Sandwegbeschmutzer aufbegehren würde. Statt dessen blickte sie furchtsam, in Schreckstarre, durch die Ritzen im Holz und nichts geschah. Sie fragten demütig, wann die Fahrt weitergehen würde.
Ehe Herr Klopsig sich versah, hatte ein Geheimdienstler den Mißstand erkannt, war hinzugeeilt, lotste den Waggon in den Orkus und feuerte Herrn Klopsig von seiner wunderbaren Arbeitsstelle als Dispatcher bei der Bahn. Beinahe wäre er selbst vorm Tribunal gelandet und verurteilt worden. Diesmal hatte er Glück.
Später erzählte Herr Klopsig, wenn er nach dem Grund seiner kurzzeitigen Arbeitslosigkeit gefragt wurde, er habe seinen Beruf bei der Bahn wegen der Sintflut verloren. Was nur halb stimmte. Tatsächlich fuhren die Züge nach der Sintflut lediglich in Richtung Rußland. Im übrigen Europa waren die Böden zu sumpfig geworden. Herr Klopsig hätte ohnehin seinen Beruf bei der Bahn aufgeben oder nach Osten umziehen müssen. Bald schon hatte er sich eine neue Existenzgrundlage geschaffen.
(geschrieben 2008, wiedergelesen am 21.6.21, in: „Empörte Flut“)
Duldung
Großes Maul und kleines Hirn,
So sind heute leider viele.
Verkleiden sich in feinem Zwirn,
Und spielen mit uns ihre Spiele.
Sie können alles, wissen Bescheid,
Ihr Götze ist einzig das Geld.
Sie glauben an Macht auf ewige Zeit
Und beherrschen uns und die Welt.
Alle paar Jahre dürfen wir wählen,
Ob der oder die uns regiert,
Unsere Stimme soll ja dann zählen,
Wir werden von Blendern verführt.
Es blüht das Geschäft mit den Lügen,
Politik wird es wohl genannt,
Dass Menschen sich selber betrügen,
Ist seit alten Zeiten bekannt.
Wie lange noch werden wir’s dulden,
Wann hören wir zu pennen auf?
Wann zahlen sie ihre Schulden,
Wann endet der Ausverkauf?
Noch spinnen sie ihre Netze,
Noch ist es ihnen nicht bang.
Noch zählen ihre Gesetze,
Aber nicht mehr unendlich lang.
Die Krise
Als Dauergast in unsrem Kreise,
Verstört sie uns auf eigne Weise.
Sie ist zur Regel uns geworden
Für Störungen verschiedener Sorten.
Die Zeitungen benennen diese
Als Grund für alles hier: die Krise.
Als Ursache für alle Sorgen
Beunruhigt sie uns schon am Morgen.
Ob Flüchtende, ob Klimawandel,
Die Schwierigkeit im Weltenhandel,
Das Konto zeigt wieder mal Miese,
Wir wissen nun: schuld ist die Krise.
Trotz allem gibt es schöne Sachen
Und alle Tage was zu lachen.
Das Auf und Ab der Konjunktur
Ist mir egal, denn ich will nur
Dass man mir meine Ruhe ließe,
Ihr könnt mich mal mit eurer Krise.
Leset auf dem Grabstein
Mag sein, im Moment der Todeserwartung, wenn alles eilt, alles in panischer Angst sich durch Flucht zu retten sucht, sich beeilt, über Zäune springt, ohne Hoffnung etwas zu retten, die Mannigfaltigkeit vieler persönlicher Leben, sondern nur ums eigne sich sorgend, wenn im Kopf eines Menschen dasselbe geschieht, was in der Stadt geschieht, die von den hungrigen Wellen flüssigen, geschmolzenen Gesteins überflutet wird, kann es sein, dass im Moment der Erwartung des Endes im Kopf eines jeden mit schrecklicher Schnelligkeit eine solche Erfüllung in Reißen und Riss, Formbruch und Grenzüberschreitung vor sich geht. Und sein kann es , dass im Bewusstsein einer jeden mit derselben schrecklichen Schnelligkeit die Wahrnehmung eines Zustands A in die Wahrnehmung eines Zustands B übergeht, und dass erst dann, im Zustand B, die Wahrnehmung ihre Geschwindigkeit verliert und wahrnehmbar wird, so wie wir die Speichen eines Rads erst dann wahrnehmen, wenn die Geschwindigkeit seiner Drehung unter eine bestimmte Grenze fällt…
Gras
Aber niemand sollte weinen müssen ohne Wein
Aber niemand sollte satt sein mit leerem Bauch
Und Musik ist was dem Tod auf dieser Erde fehlt
Und Musik nun wie der Tod in der Luft ein Hauch
Aber wenn du einen Stengel in der Tasche hast, heißt das
Dieses ganze Leben ist doch gar nicht so schlecht
Wenn ein Ticket für den Silberflügler mit hineinpasst
Der beim Abheben nur seinen Schat_ten da lässt
Wie Preußen die Mongolei eroberte
Schade, dass Wörter älter werden. Dabei werden sie nicht schöner;
Der Sektionsvorsitzende zum Rapport beim Innenminister. Schriftzeichen. Sie haben schon welche, und leider viel bessere als wir. Aber das mache nichts. Tabak- und Alkoholsteuer noch unbekannt, seien sie für Fortschritt noch so offen wie ein Scheunentor. Wie es einstmals der Genosse Lenin ausdrückte – Schritt vor, zwei zurück. Machen wir es also wie damals die Russen mit uns:
– Welcher Verdauungstrakt ist der wichtigste im Kampf?
– Ah, dieser Witz – na, der Kling-, äh Blinddarm…
– Richtig. Und wo klingelt es am lautesten?
– Peter und Paul… Wie war das nochmal… „der Mensch ist ein lachendes Geschöpf; der Mensch ist ein federloser Zweifüßler; der Mensch ist ein…“
– Ja. Und dazu jetzt noch die kyrillischen Buchstaben, wie in plazdarm — dosto –
– primetschatelnosti, äh, also einfach Straßtwutje, hm, äh, also ich frag‘ ‚ ’nfach Jew…
wenn ich sage, dass araignée (Spinne) im Altfranzösischen aragne lautete, fällt mir auf, dass araignée eine aragne ist, die beim Älterwerden ihren schönen Klang verloren hat,
also Zhenja, ja?! Die Sterne am Himmel, immer eine Herausforderung… Am interessantesten immer noch die Kometen, Asteroiden und anderen Irrlichter vorm Astoria… Keine VLs mehr, noch nicht mal Kosmos-Vorlesungen… Die KI nun emanzipiert oder was man so nennt, mensch Egon! Im Staate Dänemark die Lacher immer auf deiner Seite, und der nordeuropäische Bürgerkrieg endlich durch Sprachbarrieren befriedet… Der Traum vom barrierefreien Wohnen findet nun im Theater auf der Bühne statt, sofern’s noch nicht möglich war, sie abzureißen % Denkmalschutz, Zielkonflikte, rouge & noir… Weiße Haut unter schwarzer Seide – schon Rassismus? Die im Wort selbst abgespeicherte Suppe ist selten nicht selbst, was sie brandmarkt
der frank und frei durch seine beiden a eröffnet wird, und dieses >> gnée << ist weder angenehm noch notwendig. Aragne hat genügt.
Die vier Jahreszeiten
nach einer Melodie von Vivaldi
Sind in Vergessenheit geraten : im Herbst
Ernten wir und nehmen Abschied
Im Winter kehrt Ruhe ein : Erholung
Und Grabesstille : im Frühling
Atmen wir auf und streifen die schweren
Jacken ab : die Brust bläht sich
In kitzelnder Luft : die Zipperlein
Weichen : Bakterien
Und Keime fliehen ins Trockene
Um auszutrocknen : der Hals erholt sich
Der Husten hoppelt davon : sagt
Ernsthaft : ihr habt das alles
Vergessen : wenn ihr den Absturz
Der Zahlen seht : freut ihr euch
Auf den Sommer wie Kinder
Und laßt euch belehren : all das
Sei das Werk eurer Disziplin
Nicht der Jahreszeit : was ist das
Für eine Weisheit : die uns einsperrt
Im Herbst und im Winter
Die Sache mit der Solidarität
„Im Staat Zheng lebte ein Schamane namens Ji Xian (Kenner der Gelegenheiten), der wußte, wann die Menschen geboren werden und sterben, überleben und umkommen, wann ihnen Unglück oder Glück widerfährt, ob sie lange leben oder jung sterben, er vermochte dies auf Jahr, Monat, Woche und Tag vorherzusagen, als wäre er ein Geist. Wenn die Einwohner von Zheng ihn erblickten, ließen sie alles stehen und liegen und rannten davon.“ (Zhuangzi, 7.5)
Über die Verteilungsgerechtigkeit zu wachen, gehört zu den menschlichen Urinstinkten: Als Kinder passen wir auf, daß der Kuchen in gleiche Teile geschnitten wird. Die für das Kind existenzielle Angst, zu kurz zu kommen, rührt vom Narzissmus her, der in den ersten Lebensjahren überlebenswichtig ist, um sich in einer Welt von Erwachsenen und Gleichaltrigen zu behaupten. Wenn die Eigenliebe zugunsten von Mitgefühl und Liebe in den Hintergrund tritt, ändert sich das Motiv der Gerechtigkeit. Die Wahrnehmung, daß andere ungerecht behandelt werden, indem sie zu kurz kommen und keine Chance haben, ihr Recht zu erlangen, tritt als neue Qualität hinzu.
In der Corona-Krise wurde unter dem Stichwort der „Solidarität“ das Gerechtigkeitsempfinden des narzisstischen Kindes angesprochen: Wenn wir privat zurückstecken und verzichten sollen, dann sollen auch die großen Betriebe schließen und ihren Beitrag zur „Kontaktvermeidung“ leisten. Wenn die Älteren in den Heimen weggeschlossen und isoliert werden, dann sollen auch die Jüngeren keine Partys feiern und fröhlich durch die Gegend laufen. – Das ist Gerechtigkeit auf der untersten Stufe, „Solidarität“, die vom Neid bestimmt wird und letztlich auf eine große Ungerechtigkeit hinausläuft: Denn für die Älteren ist es unangemessen, in den Heimen eingesperrt zu werden, wie es unverhältnismäßig ist, die Jüngeren ihrer Lebensperspektiven durch das Vorenthalten von Bildung und Arbeit zu berauben. Für beide braucht es andere Wege. So aber leiden die Älteren in Einsamkeit und Elend während ihrer letzten Lebensmonate, in denen sie vor einer Krankheit geschützt werden, und sterben nicht selten an den Folgen der Isolation. Die Jüngeren aber müssen noch Jahre und Jahrzehnte mit dem Trauma der zerbrochenen Perspektive, Schulkarriere oder wegen Pleite aufgegebenen Selbständigkeit leben. Dabei waren sie von keiner Krankheit übermäßig bedroht – der Lockdown war menschengemacht, Menschen tragen für ihn die Verantwortung. Daher das schreiende Gefühl der Ungerechtigkeit. Es ist Zynismus, sie dem Virus zuzuschreiben.
Der künstlich geschürte und verstärkte Generationenkonflikt – mutet er nicht bekannt an? Am Vorabend des Ersten Weltkriegs trafen sich auf dem Hohen Meißner in Hessen 2.500 Jugendliche und Heranwachsende, um in der Natur dem Mief der schwerindustrialisierten Großstädte und dem Militarismus zu entkommen. Sie forderten die Möglichkeit, „aus eigener Bestimmung, vor eigener Verantwortung, mit innerer Wahrhaftigkeit“ ihr Leben zu gestalten: „Die Jugend steht an einem geschichtlichen Wendepunkt. Bisher aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen und angewiesen auf eine passive Rolle des Lernens, auf eine spielerisch-nichtige Geselligkeit, nur ein Anhängsel der älteren Generation, beginnt sie, sich auf sich selbst zu besinnen. Sie versucht, unabhängig von den trägen Gewohnheiten der Alten und von den Geboten einer häßlichen Konvention sich selbst ihr Leben zu gestalten.“ Aufruf zur Teilnahme am Freideutschen Jugendtag auf dem Hohen Meißner, 1913)
Die Corona-Krise läßt sich als Symptom betrachten: als Symptom einer allgemeinen Krise des modernen Menschen, genauer des Menschen in einer normopathischen Gesellschaft (Maaz), der sich nicht nach seiner natürlichen Bestimmung (Zhuangzi) fragt, sondern den auferlegten Pflichten folgt, die ihm Eltern, Lehrer und Chefs übergestülpt haben – des Menschen, der funktionieren will. Diese Funktionslust wird durch die Corona-Maßnahmen infrage gestellt: Politik und Medien nutzen die reale Angst vor dem Virus, um Angst zu schüren, indem sie „den Alarm hochhalten“. Damit werden verdrängte Ängste geweckt, die auf ungelöste innere Konflikte hinweisen (Abhängigkeit, Entfremdung). Das Bewußtwerden dieser Ängste wird vom Ich aktiv abgewehrt a) durch totale Anpassung an die politischen Einschränkungen und die vehemente Verteidigung der angetragenen Unfreiheit oder b) durch Skepsis und Kritik an der einseitigen Darstellung der vermeintlichen Risiken, dabei in Kauf nehmend, als Verräter, Omega, Verschwörungstheoretiker oder Nazi diffamiert zu werden.
Die politische Wirkung besteht in der Polarisierung der Gesellschaft, genauer gesagt in der kognitiven Verstärkung der ökonomisch angelegten Polarisierung. Indem sich die Mehrheit der Bevölkerung in Corona-Gläubige und Corona-Skeptiker, Positiv- und Negativgetestete, Geimpfte und Nichtgeimpfte spaltet, wird der Konflikt auf den Nebenschauplatz der Virusbekämpfung abgelenkt, während die eigentlichen Konflikte der heutigen Zeit aus dem Blick geraten.
„Grundrechte sind nicht nur Abwehrrechte des Einzelnen, sondern sie fungieren über die Verfassungsbeschwerde auch als politische Partizipationserzwingungsrechte von Minderheitengruppen. Parlamentarische Mehrheiten werden gezwungen, andere Belange zu berücksichtigen, jedenfalls sich mit ihnen auseinanderzusetzen, damit das Gesetz nicht vor Gericht scheitert. Föderalismus und Grundrechte beheben auf diese Weise Repräsentations- und Artikulationsdefizite des parlamentarischen Prozesses und sorgen dafür, dass auch ein in Berlin erstarrter politischer Prozess, der nur noch eine Koalitionsvereinbarung „abarbeitet“, oder in der Gewissheit von Modellrechnungen denkt, Anstöße erhält. Für solche Arenen, die Partizipation und Pluralismus pflegen, besteht besonderer Bedarf, wenn sich der politische Prozess vor solchen Anstößen abschottet und auch durch Gerichte nicht dazu gezwungen wird, sie zu verarbeiten.“ schrieb Oliver Lepsius in seinem Beitrag Das verfassungsrechtliche Argument hat es schwer vom 05.02.2021.
Tatsächlich steht die moderne Welt am Scheideweg, sich mittels intelligenter Technik in eine Wohlfühl-und-Fürsorge-Technokratie zu transformieren, die im Kern autoritär bis totalitär, sagen wir technokratisch, ist und dem Profit der führenden Tech-Konzerne dient; oder die Gesellschaft demokratisiert sich weiter in subsidiär verwaltete Minderheiten und Nischensozietäten, in denen Partizipation und Basisdemokratie lebendig entfaltet werden können. Die Tücke der Corona-Strategen besteht darin, die allgegenwärtige latente Gesundheitssorge in eine Angst zu verwandeln. Dafür werden vermeintlich linke, ursprünglich einfach demokratische Werte wie „Solidarität“ und „Partizipation“ als festlich geschmückte Zugpferde vor den Karren der Konzerninteressen gespannt: Jüngere beschränken sich und verzichten für Ältere, Impfstoff für alle… In der gegenwärtigen Umkehrung aller Werte treten autoritäre „Linke“ für Freiheitsbeschneidung, Unterwerfung, Obrigkeitsdenken und das Ausbluten des Mittelstandes ein, während sie Illusionen wie No- oder Zero-Covid hinterher eilen.
These 9: Die Corona-Politik bewirkte unter Berufung auf die „Solidarität“ – die Jüngeren bringen ein Sonderopfer für die Älteren, die Maske schütze nicht mich, sondern die anderen – eine Rechts-Links-Umkehr.
Wurde diese Parole von den Regierungen zunächst nur rhetorisch im Sinne einer prophylaktischen Präventionskommunikationsstrategie gebraucht, um einem Rückfall in die Barbarei vorzubeugen, in der jeder nur sich selbst der nächste ist, lockte die „Solidaritäts“-Propaganda die „Linke“ in die Vorkammern der Macht und reanimierte die Lust am autoritären Staat, der sich anschickt, Gleichheit und Gerechtigkeit auf dem Weg der Verordnung von oben durchzusetzen – gleichsam die Wiederkehr des überwunden geglaubten leninistisch-stalinistisch-maoistischen Programms. Die „Rechte“ dagegen, die in den Jahrzehnte davor nicht zimperlich war, die Staatsgewalt für ihre Zwecke einzusetzen, geriert sich nun als Verteidigerin der individuellen Freiheit…
Statt die Industrie in den Schutz der Bevölkerung einzuspannen, wird die Bevölkerung durch Zermürbung gefügig gemacht, so daß das „Sich-Frei-Impfen“ auch auf große, nicht gefährdete Gruppen, die unter 60jährigen, ausgeweitet wird. Dies führt zu dem Paradox, daß die „Solidarität“, die den Jüngeren in Form eines umfassenden Lebendigkeitsverzichts abverlangt wird, durch Zwangsmaßnahmen aufrechterhalten bleibt, obwohl die vulnerablen Gruppen bereits „durchgeimpft“ sind. Die Jüngeren werden mit dieser Strategie doppelt betrogen und ausgebeutet: Zunächst wurden sie Einschränkungen in Beruf und Bildung unterworfen. Seitdem die verletzlichen Gruppen qua Impfung als geschützt gelten, werden die Einschränkungen nur für sie, nicht aber für die solidarisch in Mithaftgenommenen wieder aufgehoben. Gar keine Rede ist davon, daß bei Jüngeren (<60 J.) die Kosten-Nutzen-Abwägung der Impfung kippt: aufgrund der äußerst winzigen Wahrscheinlichkeit für nicht vulnerable Menschen, tatsächlich eine schwere Atemwegserkrankung (nicht nur ein positives Testergebnis) zu erleiden und daran zu sterben, potenziert sich das Gewicht „seltener“ Nebenwirkungen wie der Hirnvenenthrombosen, Embolien usw. Zum doppelten Betrug an der jüngeren Bevölkerungsmehrheit kommt die Verdopplung des Risikos hinzu, von Impfnebenwirkungen betroffen zu sein, deren Wahrscheinlichkeit umgekehrt proportional zum Alter wächst.
Wie „begründet“ die Politik die Impfung der nicht von Covid gefährdeten Bevölkerung? Natürlich wegen der „Solidarität“ mit den Älteren, denn würde man den Jüngeren die für sie gefährlichere Impfung ersparen, wäre die „Herdenimmunität“ passé.
Wenn ich mit älteren Menschen spreche, wundern sie sich über den Aktionismus der zumeist kinderlosen Politiker: Die Älteren wollen die Chancen ihrer Kinder und Enkel nicht davonschwimmen sehen; eine Politik, die dies zuläßt, empört sie – Reisemöglichkeiten auf die Balearen oder an die Algarve hin oder her. Und die „Herdenimmunität“ ist vermutlich eine Chimäre, wenn das Virus wie in den letzten drei Millionen Jahren im Herbst leicht variiert wiederkehrt. Die Jugendlichen auf dem Hohen Meißner widersetzten sich dem Diktat, indem sie wanderten, sangen und tanzten. Und auch heute gilt wieder: Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren! Tanz bedeutet Leben, Liebe, Freiheit, Kampf, Sehnsucht, Freude, Verzweiflung, Versöhnung, Schönheit und Kraft.
Liebe
für Micha
Zwischen Maß und Übermaß spannt sich eine Brücke
Wie im Märchen Metalle, die sich mischen und nicht
Bewegung, Daseinsweise … Materie, Wesen — 2 K
*
Schädlinge im Gemüsebeet
Schädlinge im Gemüsebeet.
haare im wind
an den meisten tagen
war die kindheit verwaschen
die farben verloren sich
auf dem heimweg
ein blasses kind
lügt sich geschichten
an die wand
sagen sie
manchmal pochen
die worte im kopf
auf gut passt mut
auf brot passt not
mutter trägt eine karierte schürze
darauf reimt sich nichts
nachts schleichen
vanilleträume ums haus
sprachfetzen aus zimt
und weißer schokolade
türmen gedankenberge
ein freches kind
sagen sie
immer das letzte wort
ungereimtes schon im stammbaum
haare im wind
ein verwittertes kind
* * *
Deine Augen – zwei Flügel,
Dein Blick – eine Tür.
Wenn sie mich anschauen
durch einen Tunnel aus Zeit,
wird mein Körper beschleunigt
Richtung nirgendwo.
So ist:
deine Liebe – meine Rakete.
18.04.21
Renaissance staatsmonopolistischer Kontexte
„Was mit Haken und Schnur, Zirkel und Winkelmaß zurechtgerückt wird, ist zurechtgestutzte Natur; was mit Schnur, Leim und Lack wiederhergestellt wird, büßt seine Lebenskraft ein … Die gewöhnliche Natürlichkeit biegt ohne Zuhilfenahme von Haken, richtet gerade ohne Schnur, rundet ab ohne Zirkel, macht rechteckig ohne Winkelmaß, fügt zusammen ohne Leim und Lack, verbindet ohne Stricke.“ (Zhuangzi, 8.2)
Der freie Wettbewerb ist eine lebendige, vorwärtstreibende, schöpferische Angelegenheit. Ihm verdankt die Marktwirtschaft ihre Dynamik. Der Kapitalismus jedoch pervertiert die Marktwirtschaft durch die ihm innewohnende Tendenz, daß der auf dem Markt Erfolgreiche den einmal erwirtschafteten Vorteil in der Regel zur Vervielfachung seines Vorsprungs nutzt – dieser selbstreferentielle Verstärkungsprozeß stimmt strukturell mit dem Zinseszins-Effekt überein und führt ungeregelt mit mathematischer Zwangsläufigkeit zur exponentiellen Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums, der Akkumulation des Kapitals, der Konzentration der Produktionsmittel in der Verfügungsgewalt weniger, der Polarisation und Spaltung der Gesellschaft in eine extrem dünne Glanzschicht der Superreichen und eine wirtschaftlich machtlose Mehrheit der abhängig Beschäftigten (auch wenn sie unternehmerisch selbständig sind, sind sie abhängig von den Aufträgen der Großindustrie). Mit einem Wort: die freie Marktwirtschaft tendiert im Kapitalismus, der sich der feudalen Bindungen, Adelshierarchien und Beschränkungen entledigt hat, zur Monopolbildung – daran konnten auch die Kartellbehörden in den letzten hundert Jahren erstaunlich wenig ändern.
Die Kreativität der kapitalistisch motivierten technischen Innovation war der Trägheit der staatlichen Aufsichtsbehörden meist um Lichtjahre voraus. So konnten aus unscheinbaren, studentischen Hinterhaus- und Garagenfirmen im Siliconvalley die monopolistisch agierenden Tech-Giganten erwachsen. Bevor irgendein Kartellamt dieser Welt Verdacht geschöpft hatte und schneller als alle Konkurrenz, hatten sie innerhalb von zwei Jahrzehnten den Markt der Computersysteme (Microsoft, Apple), Internetwerbung (google, Facebook) und der virtuellen Zahlungsmittel (paypal) erobert. Die Monopolbildung ist das Gegenteil des freien Wettbewerbs. Sie garantiert ungenügenden Produkten (Ford, IBM, MS-DOS, Windows) weltweite Verbreitung, erstickt aufkeimende Konkurrenz, wo sie ihrer habhaft wird und versucht, sich zu verstetigen, indem sie die Kundschaft von ihnen abhängig macht (z.B. Antivirensoftware für Microsoftprodukte). Soweit die klassische marxistische Kapitalismusanalyse.
Zur Kundschaft der Monopole gehört jedoch auch der Staat: auch die staatlichen Organe benötigen technische Geräte, Transportmittel, finanzielle Transaktionen, das Internet, auch sie geraten damit unwillkürlich in Abhängigkeit der zu Monopolen pervertierten Anbieter, die zum Bestimmer mutiert sind. Im Anfangsstadium dieser Abhängigkeit bedient sich der Staat der angebotenen Produkte mit einer gewissen Entscheidungsfreiheit. Das Instrument der Ausschreibung soll den Bieterwettbewerb aufrecht erhalten. In der zweiten Phase der Abhängigkeit sind die Produkte der Monopolinhaber bereits in die staatlichen Organisationsprozesse eingebaut: Indem Behörden beispielsweise Windowssysteme einsetzen, sind sie gezwungen, Antivirensoftware zu beschaffen und zu aktualisieren – auf diese Weise wird der Produktabsatz zum staatlich subventionierten Selbstläufer. Die Monopole müssen ihre Produkte nicht mehr bewerben, sie können durch vermeintliche Innovation (Updates, Versionen) die Nutzer, d.h. auch die staatlichen Behörden, nötigen, regelmäßig erneut bei ihnen einzukaufen. Damit kehrt sich das Verhältnis von Anbieter und Kunde, das den freien Markt kennzeichnet, um: die Wahlfreiheit des Kunden, die den Wettbewerb stimuliert, wird durch Standards beschnitten, die von den Monopolisten gesetzt werden. In der dritten Phase spannen die Monopolisten die Politik aktiv in die Erweiterung ihre Absatzmärkte ein.
Damit staatliche Kampagnen initiiert werden können, bedarf es handfester Krisen. In der Krise ist die Handlungsfähigkeit der Politik gefragt, sucht die Politik die Nähe der Monopole, um dank deren Einfluß die Handlungsfähigkeit des Staates zu beweisen. Das Stolpern von einer Krise in die nächste ist der Normalmodus des Monopolkapitalismus. Jede Krise bringt ihre eigenen Regeln, ihre eigene „Normalität“ hervor. Ölkrise, Kubakrise, Sputnikschock, Wettrüsten, Kriege in fernen Ländern, Finanzkrise, Pandemien – sie alle bringen die westlichen Staaten als Einkäufer in Stellung. Steuergelder werden nicht nur zum Aufbau und zur Unterhaltung von Infrastruktur, die für die Distribution erforderlich ist, aufgewendet, sondern für unmittelbare Großaufträge des Staates – damit sichern die Monopole einerseits ihr Fortbestehen und vertiefen andererseits die Abhängigkeit des Staates. Soweit die leninistische Theorie vom staatsmonopolistischen Kapitalismus:
„Die Kartelle werden zu einer der Grundlagen des ganzen Wirtschaftslebens… Die Kartelle vereinbaren Verkaufsbedingungen, Zahlungstermine u.a. Sie verteilen die Absatzgebiete untereinander. Sie bestimmen die Menge der zu erzeugenden Produkte. Sie setzen die Preise fest. Sie verteilen den Profit unter die einzelnen Unternehmungen… Das ist schon etwas ganz anderes als die alte freie Konkurrenz zersplitterter Unternehmer, die nichts voneinander wissen und für den Absatz auf unbekanntem Markte produzieren … Die qualifizierten Arbeitskräfte werden monopolisiert, die besten Ingenieure angestellt… In seinem imperialistischen Stadium führt der Kapitalismus bis dicht an die allseitige Vergesellschaftung der Produktion heran, er zieht die Kapitalisten gewissermaßen ohne ihr Wissen und gegen ihren Willen in eine Art neue Gesellschaftsordnung hinein, die den Übergang von der völlig freien Konkurrenz zur vollständigen Vergesellschaftung bildet. Die Produktion wird vergesellschaftet, die Aneignung jedoch bleibt privat. Die gesellschaftlichen Produktionsmittel bleiben Privateigentum einer kleinen Anzahl von Personen. Der allgemeine Rahmen der formal anerkannten freien Konkurrenz bleibt bestehen, und der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung wird hundertfach schwerer, fühlbarer, unerträglicher. Der deutsche Ökonom Kestner hat den ›Kämpfen zwischen Kartellen und Außenseitern‹, d.h. Unternehmern, die dem Kartell nicht angehören, ein spezielles Werk gewidmet. Er betitelte sein Werk ›Der Organisationszwang?, während man natürlich, um den Kapitalismus nicht zu beschönigen, von einem Zwang zur Unterwerfung unter die Monopolverbände sprechen müßte. Es ist lehrreich, wenigstens einen flüchtigen Blick auf die Liste der Mittel des gegenwärtigen, modernen, zivilisierten Kampfes um die ›Organisation‹ zu werfen, zu denen die Monopolverbände greifen: 1. die Materialsperre (mit ›die wichtigste Methode des Kartellzwanges‹) 2. Sperrung der Arbeitskräfte durch ›Allianzen‹ (d.h. Vereinbarungen zwischen Kapitalisten und Arbeiterverbänden derart, daß die Arbeiter nur in kartellierten Betrieben arbeiten dürfen) 3. Sperre der Zufuhr; 4. Sperre des Absatzes; 5. Verträge mit den Abnehmern, wonach diese ausschließlich mit kartellierten Firmen Geschäftsverbindungen haben dürfen; 6. planmäßige Preisunterbietung (um die ›Außenseiter‹, d.h. die Unternehmungen, die sich den Monopolinhabern nicht unterordnen, zu ruinieren; es werden Millionen ausgegeben, um eine Zeitlang unter dem Selbstkostenpreis zu verkaufen; 7. Sperrung des Kredits; 8. Verrufserklärung. Wir haben es nicht mehr mit dem Konkurrenzkampf kleiner und großer, technisch rückständiger und technisch fortgeschrittener Betriebe zu tun. Durch die Monopolinhaber werden alle diejenigen abgewürgt, die sich dem Monopol, seinem Druck, seiner Willkür nicht unterwerfen. Im Bewußtsein eines bürgerlichen Ökonomen spiegelt sich dieser Prozeß folgendermaßen wider: ›Auch innerhalb der rein wirtschaftlichen Tätigkeit‹, schreibt Kestner, ›tritt eine Verschiebung vom Kaufmännischen im früheren Sinne zum Organisatorisch-Spekulativen ein. Nicht der Kaufmann kommt am besten vorwärts, der auf Grund seiner technischen und Handelserfahrungen die Bedürfnisse der Kunden am genauesten versteht, der eine latente Nachfrage zu finden und wirksam zu erwecken vermag, sondern das spekulative Genie (?!), das die organisatorische Entwicklung, die Möglichkeit der Beziehungen zwischen den einzelnen Unternehmungen und zu den Banken vorauszuberechnen oder auch vorauszufühlen vermag.‹ In eine menschliche Sprache übertragen, bedeutet das: Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, daß die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor ›herrscht‹ und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in Wirklichkeit bereits untergraben ist und die Hauptprofite den ›Genies‹ der Finanzmachenschaften zufallen. Diesen Machenschaften und Schwindeleien liegt die Vergesellschaftung der Produktion zugrunde, aber der gewaltige Fortschritt der Menschheit, die sich bis zu dieser Vergesellschaftung emporgearbeitet hat, kommt den – Spekulanten zugute. Wir werden weiter unten sehen, wie ›auf dieser Grundlage‹ die kleinbürgerlich-reaktionäre Kritik des kapitalistischen Imperialismus von einer Rückkehr zur ›freien‹ ›friedlichen‹, ›ehrlichen‹ Konkurrenz träumt… Das Herrschaftsverhältnis und die damit verbundene Gewalt – das ist das Typische für die ›jüngste Entwicklung des Kapitalismus‹, das ist es, was aus der Bildung allmächtiger wirtschaftlicher Monopole unvermeidlich hervorgehen mußte und hervorgegangen ist. Die Ausschaltung der Krisen durch die Kartelle ist ein Märchen bürgerlicher Ökonomen, die den Kapitalismus um jeden Preis beschönigen wollen. Im Gegenteil, das Monopol, das in einigen Industriezweigen entsteht, verstärkt und verschärft den chaotischen Charakter, der der ganzen kapitalistischen Produktion in ihrer Gesamtheit eigen ist. ›Je entwickelter eine Volkswirtschaft ist‹, schreibt Liefmann, ein vorbehaltloser Verteidiger des Kapitalismus, ›um so mehr wendet sie sich riskanteren oder ausländischen Unternehmungen zu, solchen, die einer sehr langen Zeit zu ihrer Entwicklung bedürfen, oder endlich solchen, die von nur lokaler Bedeutung sind.‹ Das gesteigerte Risiko hängt in letzter Instanz mit der ungeheuren Zunahme des Kapitals zusammen, das sozusagen überschäumt, ins Ausland strömt usw. Und zugleich bringt das beschleunigte Tempo der technischen Entwicklung immer mehr Elemente des Mißverhältnisses zwischen den verschiedenen Teilen der Volkswirtschaft, immer mehr Chaos und Krisen mit sich. Dieser selbe Liefmann ist gezwungen einzugestehen: ›Wahrscheinlich stehen der Menschheit in nicht zu ferner Zeit wieder einmal große Umwälzungen auf technischem Gebiete bevor, die ihre Wirkungen auch auf die volkswirtschaftliche Organisation äußern werden … In solchen Zeiten grundlegender wirtschaftlicher Veränderungen pflegt sich auch in der Regel eine starke Spekulation zu entwickeln.‹ Die Krisen – jeder Art, am häufigsten ökonomische Krisen, aber nicht nur diese allein – verstärken aber ihrerseits in ungeheurem Maße die Tendenz zur Konzentration und zum Monopol.“ (Lenin, 1917, S. 209 ff.)
Lenin entwickelte die Theorie vom „Stamokap“ (Staatsmonopolistischer Kapitalismus) während des Ersten Weltkriegs im Zürcher Exil. Die Aufteilung der Absatzgebiete mündete in seinen Augen direkt in imperialistischen Ambitionen: Territorien zu erobern und der Warendistribution einzuverleiben. Die territoriale Orientierung der Monopolisten entsprach einem „analogen“ Modus des Wirtschaftens: Eisenbahn und Schiffahrt dienten als Distributionsmittel. Die Kolonialisierung war eine unmittelbare Folge des kapitalistischen Expansionsstrebens. Dazu brauchten die Monopole die Mitwirkung der Staaten. Das Militär wurde vom Steuerzahler finanziert, die Ausbeutung der unterworfenen Länder privatisiert. Die analoge Ausweitung der Absatzgebiete kam an ihre Grenzen, als die Kolonien auf der gesamten Welt aufgeteilt waren. Galt bis dahin, daß die westlichen Binnenmärkte als Konsumtreiber möglichst intakt und liquide bleiben sollten, richtete sich die Konkurrenz der Monopole untereinander nun auf die westlichen Länder selbst – das Resultat war der Erste Weltkrieg, der aus ökonomischer Sicht den Versuch einer Neugliederung der bereits aufgeteilten Kolonialgebiete darstellte.
In der dekolonialisierten, digitalen Welt spielt die physische Eroberung von Territorien keine wesentliche Rolle – es reicht, wenn die technische Infrastruktur (Elektrifizierung, Internet, virtuelle Finanztransaktionen) global zugänglich ist. Wo der Westen noch einmal versucht hat, auf dem Kriegsweg seine Einflußsphäre zu erweitern (Kuba, Vietnam, Chile, Irak, Afghanistan) ist er kläglich gescheitert. Die Erfindung des Internets hat diese Niederlagen vergessen gemacht. Das Internet wurde ursprünglich für militärische Zwecke entwickelt. Es sollte die Kräfte des Westens gegenüber dem flächenmäßig zeitweise überlegenen Sowjetsystem (Rußland, China, Osteuropa) bündeln. Indem es etwa ab dem Jahr 2000 massentauglich wurde, mutierte es zur gigantischen, globalen Distributionsform, um Größenordnungen mächtiger als das in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überwundene, bis heute nicht aufgearbeitete und im Westen begriffene Kolonialsystem. In der ersten Phase seiner ökonomischen Entfaltung offerierte das Internet die Bühne für eine neue Spielart der freien Marktwirtschaft. Amazons „Marketplace“ scheint den Prototyp dieser Plattform für die Neue Ökonomie (New Economy) darzustellen – doch der Eindruck täuscht: Der sogenannte „Marketplace“ gehört bereits zur zweiten Phase der monopolistischen Durchdringung des freien Internetmarktes. Amazon bietet keine neutrale Verkaufsfläche an, vielmehr agiert Amazon selbst als größter Verkäufer und nutzt seine Sonderstellung als Betreiber der Plattform, um den Markt zu beobachten, erfolgreiche Produkte zu kapern und ins eigene Portfolio aufzunehmen – dies ist die konkurrenzvernichtende, erstickende Seite des monopolistischen Wirtschaftens. Wenn die Kartellbehörde die Entwicklung nicht gänzlich verschlafen hätte, hätte sie die Doppelrolle Amazons als Pattformbetreiber und Verkäufer frühzeitig unterbinden und zerschlagen müssen, um der schädlichen Monopolwirkung vorzubeugen.
These 7: Wir befinden uns gegenwärtig in der dritten Phase der Monopolbildung der Internetwirtschaft: die einstigen Startups, die sich in den letzten 20 Jahren zu globalen Monopolisten gemausert haben, sind nun dabei, sich mit staatlichen Strukturen zu verflechten, um ihre digitalen Einflußmöglichkeiten (Absatzmärkte) zu erweitern. Sie nutzen die Deklaration einer Pandemie aus, um hoheitliche Akte wie die Ausstellung eines (Impf-) Passes mit Hilfe privatwirtschaftlicher Technologie zu digitalisieren. Die angepeilte Durchimpfung der gesamten Weltbevölkerung dient als Vehikel, um das eigentliche Ziel zu erreichen: die bisher qua Geburt verbriefte, analoge bürgerliche Existenz (Reise-, Berufs-, Versammlungs-, Meinungsfreiheit usw.) in Abhängigkeit von digitalen Werkzeugen zu bringen.
„Google Adwords“ und „cookies“ wirken angesichts dieser Aktion wie Dinosaurier des Internetmarketings. Wenn es den Tech-Giganten mit Hilfe der staatlichen Organe gelingt, jede physische Person mit einer digitalen Identität zu verlinken, die den Zugang zu den bis zu Beginn des Jahres 2020 als „Grundrechte“ bezeichneten bürgerlichen Freiheiten reguliert, entsteht die Möglichkeit einer technokratischen totalitären Herrschaft. Sie kann einerseits von den Techfirmen genutzt werden, um ihre Produkte noch weiter zu „personalisieren“, auf den Einzelnen zuzuschneiden und passgenauer an die Person zu bringen. Andererseits erhält der Staat dank automatisierter Informationstechnologie die Möglichkeit, sowohl die körperliche als auch die geistige Beweglichkeit jedes Bürgers effizient zu kontrollieren. Wessen Profil den digital gesteuerten staatlichen Vorgaben nicht entspricht, der erhält keinen Zugang mehr zu bisher selbstverständlichen sozialen Räumen (Gastronomie, Hotellerie, Schule, Theater, Kino, Kultur etc.). Wird außer den Personaldokumenten auch das Bargeld zugunsten einer staatlichen digitalen Währung („digitaler Euro“) abgelöst, ist die digitale Abhängigkeit und Kontrollierbarkeit des gläsernen Bürgers perfekt.
Dafür ist es nicht nur gleichgültig, sondern geradezu hilfreich, daß die in den Vordergrund gerückte Impfkampagne holprig verläuft. Daß sich die überstürzt auf den Markt gekippten Impfstoffe in der praktischen Anwendung als unwirksam („Mutanten“) oder unsicher („Hirnvenenthrombosen“) erweisen, macht die Fortführung und Verstetigung des Impfens erforderlich – damit erhält der Staat die notwendige Zeit, um von den bisherigen analogen Personaldokumenten auf Papier („Impfausweis“) oder Plastik („Personalausweis“) auf digitale Dokumente umzurüsten. Geschenkt, daß es in der Anfangsphase zahlreiche Betrüger geben wird, die sich einen gefälschten papiernen Impfausweis beschaffen, den sie in den digitalen Impfausweis 1.0 übertragen lassen werden – Hauptsache, sie sind erfaßt. Die kontinuierliche Auffrischung der Impfung im Halbjahres- oder Jahresrhythmus wird dafür sorgen, daß die Datenqualität der neuen digitalen Identitätszertifikate mit der Zeit besser und genauer wird. Digitaler Impfausweis 2.0 etc. Die Falle schnappt zu.
Zu Beginn des Jahres 2020 verkündeten die Experten, Masken würden nicht vor Viren schützen – es kam die Maskenpflicht; verkündeten die Politiker, es werde keinen Impfzwang geben – es kam die Aufhebung der bürgerlichen Grundrechte und die Bedingung, geimpft zu sein, um sie wiederzuerlangen. Internetindustrie und Gesundheitslobby gehen Bündnisse ein, um die Transformation des Westens in digitale Gesellschaften voranzutreiben. Die Initiative anmaßender Weniger, gestützt auf Impfung und digitale Technologie die Menschheit zu retten, bedient sich massenpsychologischer Manipulationsmethoden und subtiler Propaganda im Stile Edward Berneys. Im Ergebnis steht nicht die Wiedererlangung der bürgerlichen Freiheiten, sondern eine neototalitäre Wende: Sämtliche Bereiche des persönlichen, sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens werden reduziert und auf die digitale Spur gebracht.
Erstaunlich, wie wenig Widerspruch gegen diesen Kurs ertönt. Die parlamentarische Opposition (mit Ausnahme von Rechtsaußen) hat ihre Oppositionsrolle im Zuge der „Pandemiebekämpfung“ aufgegeben und überbietet die amtierende Regierung durch die „Kritik“, daß Impfung und Digitalisierung nicht schnell genug in die Wege geleitet werden oder mangelhaft organisiert seien. Es hat sich eine „kapitalistische Einheitsfront“ herausgebildet, wie ein Satiriker in Anspielung auf die „sozialistische Einheitsfront“ bei Wahlen in der DDR feststellte. Dramatisch daran ist, daß Rechtsaußen auf diese Weise ein Monopol auf Opposition wahrnehmen kann, wenn Linke, Grüne und (zumeist) auch Liberale lediglich versuchen, die Regierung vorwegeilend zu überbieten, ohne Fundamentalopposition zu äußern.
Die Gesellschaft befindet sich im Doppelblind-Versuch: Die ökonomisch Mächtigen glauben an die Technokratisierung der Welt, die politisch Mächtigen an die Pflicht zur Volksfürsorge – die Bevölkerung fürchtet das Virus und blendet die Folgen der rabiaten und zerstörerischen Form der „Pandemiebekämpfung“ mittels Lockdown aus, es sei denn, man selbst gehört zu den Betroffenen und Verlierern, deren Existenz gefährdet ist. Gleichermaßen blenden Politiker die Interessen der profitierenden Konzerne aus, die sie als Teil ihres technokratischen Erlösungsnarrativs betrachten: Testen, Isolieren, Impfen. Tatsächlich wirksame medizinische Maßnahmen, die Exzesse der Krankheit mildern würden, werden zielgerichtet unterlassen, etwa Maßnahmen zur Stärkung des Immunsystems, psychischen Stabilisierung der Älteren usw., da sie patentfrei, kostengünstig und natürlich sind. Aus dem Zusammentreffen der mit doppelter Blindheit geschlagenen Akteure keimt die technologisch gestützte Autokratie (tracking, tracing, genetic modulating).
Es ist die bewährte staatsmonopolistische Schockstrategie, zu der westliche Regierungen auch in der Corona-Krise greifen. Schockstrategien sind im Westen erprobt (Naomi Klein, 2007). Die Medien, ob öffentlich oder privat, reagieren reflexartig und ziehen freudig mit in die Kampagne – sie sind auf Sensationsreize konditioniert. Während Korea, Vietnam, Irak und Afghanistan weit weg erschienen, ist diesmal jedoch die Bevölkerung des Westens direkt betroffen.
Internetkonzerne treiben die gewählten Regierungen vor sich her. Sie brauchen die Gesundheitspanik, um unter den Rahmenbedingungen liberaler Verfassungen den Ausnahmezustand auszurufen und im Sinne der Konzerninteressen durchzuregieren – was nach staatlichen Eingriffen und Maßnahmen aussieht, ist tatsächlich nur die Begleitmusik für die wenigen Solisten, die auf dem monopolisierten Terrain, das von der Marktwirtschaft übrig blieb, für die passende Stimmung sorgen, damit die von Herdenimmunität träumende Masse schweigend und einvernehmlich auf die über Jahrhunderte erstrittenen Grundrechte pfeift – Rebellion, Kampf um die Freiheit wird durch Schockstarre, Panik und stündlich propagierte Todesangst paralysiert – die Bevölkerung ist gefügig geworden.
These 8: Die extreme Minderheit der neuen Superreichen hat die Netzwerke der von ihr abhängigen Erfüllungsgehilfen (Zulieferer, Distribution, die technische Intelligenz, Lobbyisten) global aufgespannt, so daß westliche Regierungen in ihre Abhängigkeit geraten sind und Politik nicht entsprechend des „Wählerauftrags“ (der eine Illusion ist) gestalten können, sondern ihre Maßnahmen in Rücksicht auf die Kartelle ausrichten müssen. Weder Lockdown noch weltweite Impfkampagnen sind ohne Tech- und Pharmaindustrie durchführbar. Umgekehrt braucht die monopolisierte Internetwirtschaft den Staat, um ihre Kampagnen in der Fläche auszuweiten.
Während des Ersten Weltkriegs entwickelte Sigmund Freuds Neffe Edward Bernays einen Acht-Punkte-Plan zur psychologischen Kriegsführung, den er später für Werbekampagnen etwa im Interesse der Tabakindustrie zivil weiter vermarktete (Ziele definieren, Recherchieren, Ziele anpassen, Strategie festlegen, Symbole und Anreize schaffen, Organisationen gründen, Zeitplan festlegen, Durchführung). Er kann als Blaupause für heutige PR-Kampagnen herhalten. Unverblümt plädierte Bernays für die massenpsychologische Manipulation als politisches Mittel in Demokratien:
„Die bewußte und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element der demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diesen unsichtbaren Mechanismus der Gesellschaft manipulieren, bilden eine unsichtbare Regierung, die die wahre herrschende Macht unseres Landes ist. Wir werden regiert, unser Geist wird geformt, unser Geschmack geformt, unsere Ideen vorgeschlagen, größtenteils von Menschen, von denen wir noch nie gehört haben. Dies ist ein logisches Ergebnis der Art und Weise, wie unsere demokratische Gesellschaft organisiert ist. Sehr viele Menschen müssen auf diese Weise zusammenarbeiten, um als reibungslos funktionierende Gesellschaft zusammenleben zu können. Unsere unsichtbaren Gouverneure sind sich in vielen Fällen der Identität ihrer Kollegen im Innenkabinett nicht bewußt. Sie regieren uns durch ihre natürlichen Führungsqualitäten, ihre Fähigkeit, die benötigten Ideen zu liefern, und durch ihre Schlüsselposition in der sozialen Struktur. Unabhängig von der Haltung, die man gegenüber diesem Zustand einnimmt, bleibt es eine Tatsache, daß wir in fast jedem Akt unseres täglichen Lebens, sei es im Bereich der Politik oder der Wirtschaft, in unserem sozialen Verhalten oder in unserem ethischen Denken, von der relativ kleinen Zahl dominiert werden von Personen, die die mentalen Prozesse und sozialen Muster der Massen verstehen. Sie ziehen an den Drähten, die das öffentliche Bewußtsein kontrollieren, nutzen alte soziale Kräfte und erfinden neue Wege, um die Welt zu binden und zu führen.“ (Bernays, 1928)
Daß manipulative Ambitionen in der Corona-Politik eine Rolle spielten, zeigt das berüchtigte, geheime Strategiepapier des deutschen Innenministeriums vom März 2020 – Hauptsache, so schien es Seehofers Maxime zu sein, es kehre wieder Autoritarismus in die freiflottierend liberale deutsche Gesellschaft zurück. Und bitte nicht kleckern, sondern klotzen: schwarze Pädagogik, Kinder erschrecken, indem man ihnen einredet, daß sie am Tod ihrer Großeltern Schuld seien, wurde als Mittel der Wahl gepriesen. Offiziell hat sich die Regierung nie zu dieser Schockstrategie bekannt. Merkel vollstreckte nahezu kommentarlos eine Politik, in der Kinder sozial isoliert, von Bildung ferngehalten und in psychische Zwangssituationen getrieben werden, wenn sie nicht der körperlichen Gewalt in der Familie ausgesetzt sind. Linke Politiker – mit Ausnahme von Sahra Wagenknecht – sind auf diese vermeintlich sachorientierte Politik hereingefallen. Haben früher einmal antikapitalistisch denkende JUSOs wie Olaf Scholz oder ein Ministerpräsident wie Bodo Ramelow ihren Lenin nicht gelesen oder ist der Stamokap-Flügel insgeheim weiterhin von autoritären Träumen beseelt?
Quartett (4)
Fünf sieben fünf
*
Japan, alter Teich:
Ein Frosch springt in das Wasser.
Geräusch der Wellen.
N.N.
Athen, Syntagma
Ein Mann legt sich auf Stufen
Gesicht von Eulen
Quartett (3)
Klang
Blubb! Blubb-blubb, ein Frosch im alten Teich
Hineingesprungen
Hommage für einen Freund durch dessen Augen
f.P.B.
„Gehe weiter. Der Mond wartet.“
„Der Blick in die Mitte ist frei.“
„Mit jedem Schlag kommst du ihm näher.“
„Jahre später fahren wir wieder aufs Meer, irgendwohin, ohne Ziel, begegnen dem Stab, eingewoben in Eis, in Stürmen, beladen mit Muscheln, mit Nacht, zeigend zu einem Pol irgendwo im Schaum.“
„Diese Linien der See, gezeichnet aus Seegras am Strand, eine hinter der anderen, und immer ist noch Platz für eine weitere Linie, davor, dahinter, dazwischen, und dann die Dünen, diese Linien aus Sand, und wieder dahinter liegt der Weg zu unserem Haus.“
*
„Nur der Schnee zeichnete den Kreis wieder, wie jeden Winter, und dieser Kreis war mehr als alle Perlen.“
Was in diesen Augen
Literatur sei?
Eine Bewegung des Körpers, die im Kopf ankommt: Haifischflosse der Hand über dem liegenden Bauchmuskel, Drehung des Arms bis ins Schultergelenk hinein, das Zurückschieben des Wassers in der Höhe bei der Vorwärtsbewegung in Gedanken, auch der Impuls endlich aufzustehen und Finger am Handgelenk über das Papier gleiten zu lassen
Der Entschluss nun aufzuhören, aber den angefangenen Satz noch zu Ende zu denken: das Lied von 1977 / 1989 nochmals auf Vinyl gepresst / vor einer Stunde wiedererkannt, Klumpen im Netz – Bilder, Gefühle / Klavier im Fluss, ein Klavier in einem leeren Zimmer, Kurzschlüsse 2\K// Verbindungen
Wünsche. Die Erfüllung von Wünschen. Die Erfüllung nicht erfüllter Wünsche. Ein Feuer vor einer Gitarre, ohne Theater. Engelstrompete – geblasener Wind aus dem Off. Die Nichterfüllung unerfüllbarer Wünsche. Die Nichterfüllung von was auch immer. Gequatsche. Worum & worüber. Die Gründe wie immer. Das Warum, die Grundlosigkeit. Abgründe. Ende und Anfang mit Haifischflosse. In Freundlichkeit gedenken
Quartett (2)
Bild
Affekt … Vermehrung oder Verminderung?
Eins – zwei – drei, grüner Brei um den Teich.
Ein Frosch – es zuckt – blubb!
Meine liebe Tochter …
Bad Glitzow, den fünfzehnten September 1900.
Meine liebe Tochter,
eigentlich hatte ich heute gar nicht so recht Lust, Dir zu schreiben. Denn was Dein Vater heute wieder abgesondert hat, vermiest und verpestet die Stimmung im Hause ganz gemein. Heute in der Früh fing er schon wieder an, mich mit den Tabletten von Dr. Lauschmann zu traktieren. Ich solle es doch mal versuchen, nur auf den Versuch käme es an, der Frau Schönborn habe es auch geholfen, die Libido sei nach kürzester Zeit gesund und frech zurück gekehrt, sie sei wieder wie ein junges Mädchen, und ihr Gatte sänge Lobeshymnen auf ihren erfrischten Geist. Ich entgegnete ihm, es ginge ihm dabei doch nicht primär um mich, sondern in erster Linie um die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse. Worauf er entnervt die Zeitung auf den Tisch knallte und sagte, Emma, sagte er, das geht uns beide an. Seit Monaten kein liebes Wort, kein Eheleben mehr, es ist zum Verzweifeln … Da wurde auch ich lauter. Carl, rief ich, Carl, deine Kunst als Liebhaber gilt es zu überprüfen in der Sache, und das erledigt sich nicht, indem du mir ein paar Tabletten einflößt. Ja, ich weiß, ich esse zu viel Kuchen. Aber ich würde sofort damit aufhören, wenn du einsehen tätest, es liegt nicht nur an mir. Du musst dazu lernen. Lernen, wie man sich einer Frau – auch der Ehefrau – nährt, auch Lauschmann hat dies zu bedenken gegeben …
Nun siehst Du, was hier schon wieder los ist. Die Nachbarin ist recht großzügig und brachte drei Hühner vorbei. Leider müssen sie noch gerupft und ausgenommen werden. Dein Vater ist schon wieder ins Herrenzimmer verschwunden, weiß Gott, was er dort treibt. Es stinkt gewaltig nach dicken Zigarren, und auch der grüne Likör, den Tante Lena ihm zum Geburtstag geschenkt hat (worüber ich kein Wort verlor!), war gestern bei meiner Inspektion mit dem Stubenmädchen schon wieder bis auf eine kleine Pfütze leer.
Es grüßt Dich von Herzen und mit einem kleinen bisschen Wut im Bauch
Deine Dich liebende
Mama.
Autos und Menschen
Wie langwierig : wie vielschichtig
Sie herzustellen : welche Mühe
Wie schön anzusehen : wie flink
Sind sie im besten Alter
Wie gebrechlich : bedauernswert
Liegen sie im Graben : einen halben
Meter neben dem Weg
Enden sie : keine Hoffnung
Auf Heilung oder Reparatur
Waage
f.U.G.
Der Silbe [n/r] spalt am Himmel
Das Licht wird aus der Nacht gesaugt
Wolken im Gefühl / Evolution und Orgasmus
Wolken im Gefühl von Sein und Nichts
Sind wir nur Ornament des Himmels
Nichts, was uns gleichkäme
Nirgendwo Geschwister
Pflanzen gibt es, denen wir entsprossen
Verflossen liegen wir herum –
Müll der Evolution
Zwischen Tier und Pflanze
Suchen wir im Gefühl den Punkt –
Geometrischer Ort und Orgasmus ihrer Tätigkeiten –
Dazwischen, der es hinaus
Führte nach jenseits
*
Wo der Pfeffer wächst und das Dreieck lebt
Wo Fraktale brechen und heilen
Wo das Feuer neu
**
Warum gibt es nicht mehr negative
Zahlen als Zahlen überhaupt, wo doch
Die positiven fehlen
Nicht mehr Brüche als eins-zwei-drei, tatü-
Die Eroberung neuer Absatzmärkte
„Seit den Drei Dynastien gibt es niemanden unterm Himmel, der sich nicht irgendwelcher Dinge zuliebe von seiner Natur entfernt. Der kleine Mann opfert sich auf, um Vorteile zu erlangen; der Gelehrte und Krieger opfert sich auf dem Ruhm zuliebe; der hohe Beamte opfert sich auf für die Familie; der Weise opfert sich auf für die Welt. All diese Leute widmen sich ihrer Sache auf unterschiedliche Weise, erlangen in verschiedenem Ausmaß Ruhm und Ruf, aber daß sie ihre Natur mißachten und sich aufopfern, darin sind sie eins.“ (Zhuangzi, 8.3)
Die „Gesundheitspolitik“ des Westens setzt nahezu ausschließlich auf die Erlösung von der Pandemie durch die noch unerprobte Impfung. Alle anderen Empfehlungen, die jahrzehntelang im Vordergrund der Gesundheitsprävention gestanden haben (Bewegung, Vitamine, Frischluft, sinnerfüllte Tätigkeit, soziale Kontakte) geraten in den Hintergrund, werden nicht mehr propagiert oder sogar bekämpft: #stayathome stilisiert den Stubenhocker zum Helden – gesund ist das nicht. Nahezu alles, was das Immunsystem stärkt, wird auf dem Verordnungswege verboten. Zeitgleich fürchten zahlreiche Menschen den Arztbesuch und schieben lebenswichtige Untersuchungen und Vorsorgebehandlungen auf, etwa gegen Krebs. In den Krankenhäusern wurden Not-Intensivkapazitäten für Wellen von Coronapatienten geschaffen, die nicht zu verzeichnen waren, aber die medizinische Regelversorgung blockierten. Die Gesamtbelegung der ITS blieb konstant, und dies hat aller Wahrscheinlichkeit nach ökonomische Gründe: Eine Unterbelegung von ITS-Kapazitäten ist für profitorientierte Unternehmen, wie es Krankenhäuser im Westen gegenwärtig darstellen, schlicht unrentabel. Seit Juli 2020 werden ITS-Plätze kontinuierlich abgebaut, während die Bevölkerung angeblich zur Verhinderung einer Triage fortlaufend in einen Lockdown geschickt wird. Teile der Ärzteschaft werden nicht müde, die Politik wegen einer vorgeblichen Überlastung zu alarmieren.
Volkswirtschaftliche Einbußen und eine Staatsverschuldung in Billionenhöhe wird von der Politik billigend in Kauf genommen. Inwieweit hierzulande der Mittelstand als Rückgrat der sozialen Marktwirtschaft überleben wird, ist unklar. Seine Lobbyisten werden nicht gehört oder kommen nicht zu Wort. Die Gewinnchancen verlagern sich zu amerikanischen Tech-Konzernen, zur Pharmaindustrie und nicht zuletzt zu den chinesischen Fabrikanten von Masken und Testkits. China war 2020 das einzige größere Land, das ein ökonomisches Wachstum verzeichnen konnte. Die Umsätze und die Gewinne von Amazon, Google, Paypal und Facebook vervielfachten sich, gewissermaßen als Nebenwirkung des Lockdown. Pharmakonzerne und Biotech-Unternehmen sind die Nutznießer milliardenschwerer staatlicher Investitionen: also von Steuergeldern. Dienen sie tatsächlich dazu, die Allgemeinbevölkerung vorm sicheren Tod durch das „Killervirus“ zu retten?
These 6: Teile der Pharmaindustrie haben bereits seit längerem auf eine Gelegenheit gewartet, auf Gentechnik basierende Impfstoffe massenhaft zu erproben und anzuwenden. Die Corona-Krise wurde als Chance ergriffen, diese Unternehmungen mit staatlicher Unterstützung voranzutreiben.
Absatzmärkte zu erweitern, gehört zu den Kernmotiven des westlichen Kapitalismus und kennzeichnet seinen aggressiven, im Grunde pathologischen Charakter: Kolonialisierung, Fordismus, Weltkriege, soziale Marktwirtschaft, Lohnanpassungen, Wiedervereinigung, Währungsreformen, Internetmarketing – ökonomischer Fortschritt kommt in diesem System nur zustande, wenn sich Absatzmärkte gewinnen lassen. Als pathologisch ist diese Wirtschaftsform zu diagnostizieren, weil das Streben nach Umsatzsteigerung keine Rücksicht auf Verluste nimmt. Es hat sich verselbständigt, die Wirtschaft ist nicht Diener menschlicher Bedürfnisse, sondern erzeugt erst die Bedürfnisse, denen sie anschließend vorgibt zu dienen – dies war etwa beim Aufstieg der Autoindustrie so und verhält sich gegenwärtig in der Pharmabranche nicht anders. Indem „Gesundheit“ ein Wirtschaftsgut darstellt, das mit Festpreisbindung dank Pauschalabrechnung durch die Kassen finanziert wird, lohnen sich bestimmte medizinische Produkte, z.B. Hüftprothesen, mehr als andere. Am meisten aber – beinahe banal, es zu sagen – lohnt sich die Heilung einer Krankheit, von der praktisch alle Menschen betroffen sind oder sein könnten: für die Pharmaindustrie am lukrativsten ist eine Pandemie. Sie schafft auf einen Schlag einen schier exponentiell wachsenden Absatzmarkt mit astronomischen Profitmöglichkeiten.
Coronaviren sind seit Menschengedenken an Erkältungskrankheiten beteiligt. Sie galten bisher – im Unterschied zu Influenzaviren, an denen auch jüngere Menschen schwer erkranken und sterben können – als harmlos. Damit ein Coronavirus den Anlaß liefern konnte, die Ausrufung einer Pandemie und den Einsatz neuartiger, auf Gentechnik basierender Impfstoffe zu rechtfertigen, mußte eine Reihe von Regel- und Definitionsänderungen vorgenommen werden, die ich hier chronologisch ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufliste:
1993
Einfrieren der Mitgliedsbeiträge der teilnehmenden Staaten an die WHO: Ursprünglich wurden die Mitgliedsbeiträge zur WHO nach Bevölkerungsgröße und Wohlstandniveau berechnet – 1993 wurden die Beiträge der Länder jedoch eingefroren. Ihr Anteil ist seitdem stetig gesunken: Gegenwärtig erhält der WHO-Haushalt etwa 20% seiner Einnahmen aus den Pflichtbeiträgen der Länder, dagegen ca. 80% aus freiwilligen Spenden, u.a. von der Impfallianz, der Weltbank, dem Rotarier-Club, dem Wellcome Trust und der Gates-Stiftung. Die Spenden sind in der Regel zweckgebunden, d.h. sie kommen nicht mehr dem chartagemäßen Ziel der WHO zugute, die Gesundheitssysteme der Länder aufzubauen, sondern fließen in spezielle Projekte und Kampagnen, z.B. zur Immunisierung, die schnelle und meßbare Erfolge anstreben. „Die WHO ist durchsetzt von Business-Interessen, das muss ständig und ganz systematisch kontrolliert werden. Der Gesundheitsbereich ist wahrscheinlich wirtschaftsstärkste in der Welt. Es werden sechs bis sieben Billionen Dollar weltweit für Gesundheit aufgewandt pro Jahr. Da sind viele Interessen im Spiel“, konstatierte Thomas Gebauer von medico international in einem Interview mit Nana Brink 2015. (Quellen: Aufruf von Margaret Chan, WHO-Generaldirektorin zur Diversifizierung von Finanzquellen in der Gesundheitsversorgung von 2010; Thomas Gebauer, DLF Kultur vom 18.05.2015; Natalia Frumkina, Tagesschau vom 23.4.2020)
1999
Verabschiedung des ersten Pandemieplans der WHO: Um den Ländern Orientierung und Hilfestellung bei der Bekämpfung der Vogelgrippe (H5N1, Hongkong 1997) zu geben, wurde der erste Pandemieplan als informelles Papier der WHO für den Umgang mit Pandemien überhaupt verabschiedet. Gefordert wurde in Phase 0 ausgehend von der klinischen Erscheinung die Isolation und Identifikation des spezifischen Virus-Subtyps im Labor, wofür unabhängig in vier Collaborating Centers (Atlanta, London, Melbourne und Tokio) vorgesehen waren. Erst danach konnte unter Umständen die Pandemie ausgerufen werden: „Phase 1: Confirmation of onset of pandemic – The Pandemic will be declared when the new virus sub-type has been shown to cause several outbreaks in at least one country, and to have spread to other countries, with consistent disease patterns indicating that serious morbidity and mortality is likely in at least one segment of the population.“ Klar zur erkennen ist, daß die Schwere der klinischen Symptomatik, erkennbar an Morbidität und Mortalität in mindestens einer Bevölkerungsgruppe, zu den Kriterien gehörte, um eine Pandemie ausrufen zu können. (Quelle: WHO/CDC/CSR/EDC/99.1 influenza Pandemic Plan)
2005
o Resolution WHA 58.33 zur „Nachhaltigen Finanzierung der Gesundheitsversorgung“: In dieser Resolution stellte die WHO fest, daß inzwischen eine große Anzahl von Ländern beträchtliche Mittel von externen Geldgebern erhalten – die staatlichen Akteure wurden afgefordert, private-public-Partnerschaften einzugehen, um die Gesundheitsversorgung auch im Katastrophenfall abzusichern (Quelle: WHA 58.33 resolution)
o Änderung der International Health Regulations (IHR) der WHO: Ebenfalls auf der 58. Vollversammlung der WHO wurden die international gültigen Regularien für den Umgang mit ansteckenden Krankheiten geändert. Waren Restriktionen in Handel, Verkehr und Freiheitsrechten, insbesondere von Reisenden, bis dahin auf eine konkrete Liste ansteckender Krankheiten beschränkt, so wurde dieses Beschränkung aufgehoben und auf „Krankheiten oder Krankheitszustände unabhängig von ihrem Ursprung“ ausgeweitet, „wenn sie potentiell für Menschen gefährlich sein können“. Damit sollen die Regularien „Gültigkeit und Anwendbarkeit für viele Jahre“ erhalten, insbesondere angesichts des Entstehens künftiger, noch unbekannter Krankheiten und der Faktoren ihrer Verbreitung“. Reisebeschränkungen beispielsweise sollen aufgehoben werden, wenn von dem betreffenden Reisenden keine Gefahr für die öffentliche Gesundheit ausgehe: „A suspect traveller who on arrival is placed under public health observation may continue an international voyage, if the traveller does not pose an imminent public health risk.“ Invasive medizinische Untersuchungen, Impfungen oder andere Vorsorgemaßnahmen dürfen bei der Einreise nur gefordert werden, wenn ein Risiko für die öffentliche Gesundheit bestehe – all dies sind äußerst zweischneidige und in jede Richtung interpretierbare Regelungen, die in der Corona-Krise weltweit nicht zum Schutz der Freiheitsrechte, sondern zur „Pandemiebekämpfung“ angewandt wurden (Quelle: International Health Regulations 2005, 3rd ed.)
o erste Änderung des Pandemieplans der WHO: In der ersten Revision des Pandemieplans wurde angesichts von SARS (2003) der Fokus vermehrt auf die frühen Phasen gelegt, um die Schnelligkeit der Vorbereitung auf den Ausbruch einer Pandemie zu erhöhen. Vermehrt wurde Wert auf die Beobachtung der Übertragung von Influenzaviren aus der Tierhaltung auf den Menschen gelegt (Phasen 1 und 2). Ab Phase 3 spielte die Beurteilung folgender Kriterien des „Pandemierisikos“ eine Rolle: Übertragungsgeschwindigkeit, geographische Ausbreitung, Schwere der Erkrankung, genetische Identifikation der Viren im Menschen – bizarr ist, daß diese Kriterien nur noch als mögliche Optionen wortgleich wiederholt in verschiedenen Fußnoten, nicht aber im Haupttext des Papiers erwähnt werden. (Quelle: WHO Global influenza preparedness plan, 2005, page 2, 6, 7 und 9).
2009
zweite Änderung des Pandemieplans der WHO: In der zweiten Revision des Pandemieplans wurde der Fokus auf die Beteiligung der Gesamtgesellschaft an der Pandemiebekämpfung gelegt. Es wurde nicht nur eine Arbeitsteilung zwischen WHO und den nationalen Regierungen empfohlen, wie in den beiden früheren Plänen, sondern die gesamte Zivilgesellschaft einschließlich NGOs, Familien und Individuen einbezogen. Die Koordination wurde den International Health Regulations (IHR) von 2005 unterstellt, die für 194 Länder rechtsverbindliche Regularien zur Vorbeugung, Kontrolle und Reaktion auf Gesundheitsrisiken verabschiedet hatten, einschließlich einer Informationspflicht innerhalb von 24 Stunden nach Auftreten eines neuen Influenzatyps sowie aller anderen Ereignisse, die für die öffentliche Gesundheit ein Risiko darstellen, gegenüber der WHO. Kriterium 1 forderte, daß die Beeinträchtigung der öffentlichen Gesundheit durch den Erreger ernsthaft sein müsse (page 21). Die Schwere der Beenträchtigung der öffentlichen Gesundheit soll anhand einer dreistufigen Skale (mild – mittel – schwer) durch die Erhebung sozioökonomischer Effekte, die von Land zu Land stark variieren können, bestimmt werden (page 22). Als potentielle Kriterien zur Beurteilung der Schwere wurden benannt: Fallsterblichkeit, ungewöhnliche schwere Erkrankungen, unerwartete Muster von Sterblichkeit, ungewöhnliche Komplikationen (page 23). Zuvor bereits sei es erforderlich, mit der Ausrufung einer Pandemie unmittelbar auch die Impfstoffentwicklung in Auftrag zu geben und alle erforderlichen Stakeholder einzubeziehen (page 20/21). Die Impfstoffentwicklung solle also vor der Risikobeurteilung beginnen. Von den 139 Autoren des Papiers gaben sieben Interessenkonflikte an, davon sechsmal mit der Pharmaindustrue (Roche, Sanofi, Novartis). Darunter befand sich auch Neil Fergusson. (Quelle: Pandemic Influenza Preparedness and Response, WHO, 2009, reprint 2010, NLM: WC 515). Bereits im April 2009 entschuldigte sich Margaret Chan, die damalige WHO-Generaldirektorin, daß Interessenkonflikte der Verfasser des Pandemieplans von 2005 nicht erwähnt wurden und bei der Ausrufung der Schweinegrippen-Pandemie doch nur eine geringe Gefährlichkeit vorgelegen habe – man werde die 2. Revision des Pandemieplans noch im Mai 2009 überarbeiten – welche Änderungen in den Nachdruck von 2010 eingeflossen sind, ist leider nicht ersichtlich.
2014
Gründung der GHSA (Global Health Security Agenda) als private-public-Partnership-Programm: Den Anlaß für diese Initiative bildeten das Auftreten von SARS (2002), H1N1 (2009), MERS (2012), H7N9 (2013) und Ebola (2014). Die Agenda vereint mittlerweile 69 Staaten, Organisationen und private Unternehmen mit dem Ziel, die moderne vernetzte Welt vor Infektionskrankheiten zu schützen – letztlich geht es darum, die Interessen von Stakeholdern prioritär in bei der nationalen und regionalen Gesundheitsfürsorge zu berücksichtigen, Ministerien und Verwaltung auf die Beteilung der privaten Akteure einzuschwören, dabei international zusammenzuarbeiten, Best-Practice-Modelle zur Kommunikation und Durchsetzung der privatwirtschaftlichen Aktivitäten zur Steigerung der „Gesundheitssicherheit“ (health security) zu vermitteln, zeitlich befristete Kampagnen zu lancieren sowie last not least Impfstoffe zu entwickeln und für ihre größtmögliche Verbreitung zu sorgen. In der Corona-Krise sieht die GHSA ihre Aufgabe vor allem darin, für die Durchsetzung der International Health Regulations (IHR) der WHO zu sorgen (Hugo de Jonge, May 2020) – damit erlangen Vorgaben der WHO Gesetzeskraft in den teilnehmenden Staaten. (Quelle: www.ghsagenda.org)
Juli 2020
Aussetzung der Umweltverträglichkeitsprüfung für Corona-Impfstoffe, die gentechnisch veränderte Organismen (GVO) enthalten durch die EU: Die Kommission hat vorgeschlagen, zur Beschleunigung der Impfstoffentwicklung die aufwendige Prüfung der Umweltverträglichkeit auszusetzen. Die Ausnahmeregelung soll gelten, solange Covid als Pandemie eingestuft ist. Die Sicherheit der Impfstoffe sei davon nicht berührt. Vielmehr solle die Konkurrenzfähigkeit zu den USA hergestellt werden, wo es keine Regelungen zur Prüfung der Umweltverträglichkeit gebe. Das EU-Parlament hat den Vorschlag mit 505 Stimmen bei 67 Gegenstimmen und 109 Enthaltungen angenommen. (Quelle: Pressemitteilung Europäisches Parlament vom 10.7.2020) Tatsächlich beruhen die ersten in der EU per Notverordnung zugelassenen Impfstoffe auf Gentechnik: BionTech/Pfizer und Moderna nutzen die gentechnisch veränderte mRNA des Corona-Spikeproteins, AstraZeneca die DNA – es handelt sich um die weltweit ersten mRNA-Impfstoffe, die zum Einsatz kommen. Auf Gentechnik basierende Produktionsprozesse sind dagegen bereits bei 297 zugelassenen Medikamenten etabliert. Der mit ihnen erzielte Umsatz betrug 2018 bereits 11.4 Milliarden Euro – ein neuer Markt wird erobert. (Quelle: www.transgen.de) Nota bene: Verwunderlich ist, daß die GRÜNEN die Anwendung von Gentechnik in der Humanmedizin mittragen – wenn es um die Landwirtschaft geht, z.B. den Maisanbau, geht, sind sie jedoch strikt dagegen. Jennifer Doudna und Emmanuelle Charpentier erhielten für die Entdeckung des Crisperns 2020 den Chemie-Nobelpreis. Die GRÜNEN monieren gegen Firmen, die in die Forschung der neuen Gentechnik investieren: „Obwohl der Eindruck altruistisch handelnder Unternehmen erweckt werden soll, verfolgen diese stets ihre eigenen Geschäftsinteressen und rücken dafür eine einzige Technologie in den Fokus. Das ist legitim, aber nicht gemeinwohlorientiert.“ (Fraktionsbeschluss vom 16.06.2020) Gegen die gentechnisch operierenden Pharmafirmen protestieren die GRÜNEN in keiner Weise, sondern verlassen ihre Oppositionsrolle und tragen die fahrlässige Politik der Regierung nahezu kritiklos mit. Dabei lassen sich die Kritikpunkte, die die Grünen gegenüber den neuen Biotech-Firmen im Agrarsektor vortragen, auch auf die gentechnisch operierende Pharmaindustrie anwenden. Ich zitiere die Prinzipien aus dem erwähnten Fraktionsbeschluß zur Landwirtschaft:
- Auch neue Gentechnik ist Gentechnik
- Auch kleine Veränderungen können große Auswirkungen haben
- Unhaltbare Präzisionsversprechen
- Prinzip der Umkehrbarkeit sicherstellen
- Risiken für Ökosysteme und Arten
- Risiken für die menschliche Gesundheit
- Patente auf Leben hemmen Fortschritt
Offenbar weiß bei den GRÜNEN die Rechte nicht mehr, was die Linke tut – während die Rechtsgrünen der gentechnischen Impfkampagne hinterher rennen, beschließen die Linksgrünen zur gleichen Zeit die Ablehnung des Crisperns…
August 2020
Priorisierung der Impfung zum Erreichen von „Herdenimmunität“ durch die WHO: Bereits im August 2020, als es noch keine zugelassenen Corona-Impfstoffe gab, favorisierte die WHO durch ihre Covid-19-Beauftragte Maria van Kerkhove umfangreiche Impfungen. Natürliche Herdenimmunität sei unethisch und würde viel Zeit in Anspruch nehmen. Es habe noch nie eine Infektionskrankheit gegeben, die durch natürliche Herdenimmunität eingedämmt worden sei, behauptete die WHO-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan. (Quelle: Ärzteblatt vom 20.7.2020)
* * *
Die Pharmaindustrie ist eine historisch gesehen junge Erscheinung. Wenn Soumya Swaminathan recht hätte, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Die natürliche Immunabwehr ist älter als der Mensch selbst. Nicht zufällig werden Impfstoffe bevorzugt an Primaten erprobt, bevor sie für klinische Versuchreihen am Menschen zugelassen werden. Zugleich ist das Immunsystem äußerst komplex und wohl noch nicht in allen Einzelheiten verstanden. Fest steht jedoch, daß ohne eine natürliche Immunantwort kein Impfstoff dieser Welt erfolgreich wäre. Daher betrachtet Antony Fauci die natürliche Herdenimmunität als „Mutter aller Vakzine“. Impfungen regen letztlich lediglich die natürliche Immunantwort an. Zugespitzt ausgedrückt: Wenn Körper mit geschwächtem Immunsystem geimpft werden, nützt auch der beste Impfstoff nichts. Ohne eine Stärkung des Immunsystems bleiben Impfungen wirkungslos. Diese Binsenweisheit reißt die Maske von der scheinheiligen Lockdown-Politik: Indem sie einseitig auf die Verhinderung sozialer Kontakte ausgerichtet ist und zu diesem Zweck zahllose Aktivitäten verbietet, die bislang als Gesundheitsprävention galten (Fitnesszentren, Mannschaftssport, Kultur, Genuß), schwächt sie das Immunsystem der Menschen. Die Abhängigkeit der Impfstoffwirksamkeit vom natürlichen Immunsystem offenbart sich spätestens im Alter: In Bezug auf Covid wurde die ältere Bevölkerung als Risikogruppe identifiziert – gerade bei ihr erweisen sich die Impfstoffe jedoch als weit weniger wirksam. Was nicht an den Impfstoffen an sich liegt, sondern am naturgemäß schwächeren Immunsystem der meisten älteren Menschen. Die Impfung simuliert die Krankheit, um eine Immunantwort zu stimulieren. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt (z.B. aufgrund von Bewegungs- und Sauerstoffmangel, sozialer Isolation, Depression und Einsamkeit), kann es auch von der deaktivierten Form des Erregers oder den verwendeten Zusatzstoffen, die für den Organismus Fremdkörper darstellen, überfordert sein. Dies gilt um so mehr für experimentelle Impfstoffe, die gegenwärtig millionenfach gegen Covid verimpft werden.
Seit Beginn der Corona-Krise führt die WHO eine ständige aktualisierte Excel-Liste mit aussichtsreichen Impfstoff-Kandidaten (Draft landscape of COVID-19 vaccine candidates, www.who.int/publications/m/item/draft-landscape-of-covid-19-candidate-vaccines). Etwa die Hälfte bilden klassische Impfstoffe im präklinischen Stadium, die eine abgeschwächte („deaktivierte“) Variante des Coronavirus verwenden. Die andere Hälfte geht auf experimentelle Impfstoffe zurück, die sich auf gentechnisch veränderte DNA- oder mRNA-Fragmente des Virus stützen. Die experimentellen Impfstoffe besitzen für die Pharmaindustrie den Vorteil, daß durch Polymerase – eine Gentechnologie – schnell massenhaft hergestellt werden können und nicht wie klassische Impfstoffe langwierig z.B. in Hühnerei-Kulturen gezüchtet werden müssen. Außerdem können sie schnell abgeändert („umdesigned“) werden, falls der Erreger mutiert. Damit besitzen sie – wie länger haltbare Milch – für die Industrie einen höheren Marktwert. Was in der Landwirtschaft weitherin verboten ist, darf dank Corona und der EU-Ausnahmeregelung nun im Massenversuch am Menschen angewandt werden: das Einbringen von Gentechnik in den Organismus.
Für die Kunden oder Patienten besitzen die experimentellen Impfstoffe den Nachteil, daß sie bisher – außer bei Ebola, das eine Fallsterblichkeit von über 50% aufwies – noch nie in der Humanmedizin angewandt wurden, da sie in aller Regel vor Corona nicht über den Tierversuch hinausgekommen und für die klinische Erprobung am Menschen zugelassen worden sind. Die Corona-Krise hat diese Sachlage fundamental verändert. Dank Notfall- und Eilzulassung können die experimentellen Impfstoffe nun unter Umgehung der GVO-Verordnung millionenfach eingesetzt werden. Der Marktdurchbruch ist geschafft.
Aus Sicht der Investoren ist dieser Durchbruch längst überfällig. Im Westen sind sowohl private als auch öffentliche Gelder in Millionenhöhe ausschließlich in die Zulassungsstudien für experimentelle, auf Gentechnik beruhende Impfstoffe geflossen – die Corona-Krise schuf für die Großinvestoren die Gelegenheit, für Medizinprodukte auf mRNA- und DNA-Basis die Marktzulassung zu erhalten, wenn auch nur bedingt im Eil- und Notverfahren, und damit Rendite zu erwirtschaften. Bereits Jahre vor der Corona-Krise sind erhebliche Summen privater Geldgeber in Biotech-Firmen geflossen – nun war es höchste Zeit, daß sie sich rentieren. Als Beispiel seien hier die Investitionen der Gates-Stiftung aufgeführt: „Die Bill & Melinda Gates Stiftung unterstützte CanSino und ihren Kandidaten in den Jahren 2015 und 2020 mit Investments von insgesamt mindestens 550.000 US-Dollar … Ein ähnlicher Kandidat mit Aussicht auf eine Zulassung im Frühjahr 2021 ist ein mRNA-Impfstoff des Tübinger Unternehmens CureVac. Auch dieses Unternehmen und seine RNA-Technologie gehören seit 2015 zu den größten Investitionsprojekten der Bill & Melinda Gates Stiftung. Initial investierte die Stiftung damals 46 Millionen Euro in CureVac … Das Unternehmen BioNTech wurde schon im Herbst 2019 mit einer Investitionssumme von 55 Millionen Dollar von der Bill & Melinda Gates Stiftung unterstützt, wobei eine Gesamtinvestition von 100 Millionen Dollar in Aussicht gestellt wurde … Schon 2016 unterstützte die Bill & Melinda Gates Stiftung die mRNA-Technologie von Moderna mit einem Investment von zunächst 20 Millionen Dollar mit der Aussicht auf eine Erhöhung auf 100 Millionen im weiteren Verlauf … Nachdem die Bill & Melinda Gates Stiftung die Vorproduktion des Oxford-Kandidaten [AstraZenica] Anfang Juni 2020 mit einer neuerlichen Investition von 750 Millionen Dollar unterstützt hatte, wurde das anvisierte Volumen dieser Vorproduktion von ursprünglich einer auf zwei Milliarden Impfstoffdosen verdoppelt.“ (Clemens Arvay, 2021) Mit anderen Worten: Hinter den einzelnen Marktteilnehmern steht eine verhältnismäßig überschaubare Zahl von Investoren, die ihr Geld in verschiedene Konkurrenten steckt und damit die Wahrscheinlichkeit, zu den Corona-Krisengewinnlern zu gehören, exponentiell steigert, das Risiko einer Fehlinvestition aber massiv verringert.
Der Vorteil klassischer Impfstoffe besteht darin, daß sie hinsichtlich ihres Wirkprinzips erprobt und bewährt sind. Sie werden von bevölkerungsreichen Ländern wie Indien und China bevorzugt, denn sie lassen erwarten, daß sie weniger Nebenwirkungen und Komplikationen hervorrufen. Von unseren Medien vollständig ausgeblendet, wird ihre Existenz nur in Fachzeitschriften von wenigen Experten wahrgenommen. Im Westen wurden selbst aussichtsreiche klassische Impfstoff-Kandidaten in Phase I finanziell ausgebremst, indem ihnen keine Fördergelder gewährt wurden. Daher konnten keine klinische Studien gestartet werden.
Zu den bisher bedingt zugelassenen Impfstoffen gehören ausschließlich experimentelle, d.h. auf neuartiger Gentechnik beruhende Substanzen. Daß es sich bei BIONtech/Pfizer, Moderna und AstraZenica um DNA- und mRNA-Stoffe handelt, wird nicht verschwiegen – daß es sich um bisher nicht ausreichend erprobte Wirkprinzipien handelt, geht in der gebetsmühlenartigen Versicherung, die Stoffe seien „sicher und wirksam“ aber unter. Medienberichte drehen sich überwiegend um die Beschaffung, Verteilung und neuerdings auch Nebenwirkungen. Die Hersteller und die EMA indes schweigen lautstark zu den weitergehenden Risiken: aufgrund fehlender Langzeitbeobachtung ist gegenwärtig weder ihre Wirksamkeit noch ihre Sicherheit realistisch einschätzbar. Behauptet wird das Gegenteil.
Tatsächlich sind lediglich kurzfristige Effekte der neuartigen experimentellen Impfstoffe bekannt; langfristig ist weder ihre Sicherheit noch ihre Wirksamkeit erwiesen – ein Fakt, der in den öffentlichen Medien, die auf Kampagne getrimmt sind, selten oder nicht erwähnt wird. Damit schnelle Ergebnisse binnen Jahresfrist durchgepeitscht werden konnten, wurden die üblichen Erprobungsphasen von Impfstoffen zusammengestaucht, verkürzt oder bildlich gesprochen „teleskopiert“. Die Notfallzulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA erfolgte schließlich bereits auf Grundlage von vorläufigen Zwischenberichten der laufenden Phase III von üblicherweise 4 Phasen der Impfstofferprobung. Bemerkenswert ist, daß von Freiwilligen, die an den Erprobungsstudien teilnahmen, nur eine verschwindend geringe Zahl mit Corona infiziert war. Beispielsweise gehörten zu den knapp 800 Probanden über 75 Jahre nur 5 Covid-Erkrankte. „In der höchsten Altersgruppe (> 75 Jahre) ist daher eine Aussage über die Effektivität der Impfung mit hoher Unsicherheit behaftet“, resümierte die STIKO im Januar 2021 und empfahl nichtsdestotrotz die Impfung der Älteren als Gruppe mit der höchsten Impfpriorität (Epidemiologisches Bulletin, 2/2021, S. 27).
Die phänomenalen Zahlen zur Wirksamkeit der experimentellen Impfstoffe wurden in den Medien geradezu stolz verkündet. Tatsächlich erinnern sie an die Wahlergebnisse in der ehemaligen DDR: die Wirksamkeit betrage 95%, bei Kindern und Jugendlichen gar 100% (wobei nicht erwähnt wird, daß diese in aller Regel weder an Covid im ursprünglichen Wortsinn erkranken noch sterben). Diese Schein-Wirksamkeit wurde durch eine extrem geringe Zahl Probanden erkauft, die tatsächlich Covid-Symptome aufwies. Die Verkürzung der Impfstoff-Erprobung zieht darüber hinaus die Folge nach sich, daß die Dauer und Qualität der Wirksamkeit bisher nicht bekannt sind: Sind Auffrischungen der Impfung erforderlich? Wenn ja, in welchem Abstand? Schützt die Impfung lediglich vor schweren Verläufen oder sind die Geimpften auch steril, d.h. nicht mehr ansteckend? Für weiterführende politische Entscheidungen sind die Antworten auf diese Fragen bedeutsam.
Doch nicht nur die Angaben zur Wirksamkeit der neuartigen Impfstoffe sind zweifelhaft, vor allem fehlen die üblichen Studien zur Sicherheit: Welche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können auftreten? Bei welchen Vorerkrankungen ist die Anwendung kontraindiziert? Kann es zu Autoimmunerkrankungen kommen? Verändern die DNA-Impfstoffe den menschlichen Zellkern? Kommt es vor, daß die verimpfte mRNA von körpereigenen Enzymen in DNA umgewandelt wird? Welche Nebenwirkungen rufen die als Trägermaterial eingesetzten Nanolipide hervor? Sind längere Zeit nach der Impfung, etwa nach zwei bis vier Jahren, adverse Effekte wie Immunschwäche oder Krebs zu erwarten?
Ob über diese bisher noch offenen Fragen vor der Impfung im Einzelfall ausreichend aufgeklärt wird, darf bezweifelt werden. Möglich, daß sich mRNA- und DNA-Impfstoffe in einiger Zukunft als hoffnungsvolle Technologien erweisen – frühestens in fünf Jahren wissen wir Genaueres dazu. Gegenwärtig ist es zumindest fahrlässig und grenzt an Körperverletzung, eine derart große Anzahl von Menschen, die nur ein verschwindend geringes Risiko haben, an Covid zu sterben, gentechnisch veränderten Substanzen auszusetzen, ohne ausreichend über die Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären. Erstaunlich, daß die Grünen die gentechnischen Impfstoffe gutheißen. Es ist übrigens kein Experiment, das mit den Menschen hier veranstaltet wird. Ein Experiment hätte definierte Bedingungen, würde sorgfältig geplant und beobachtetet werden. Es ist ein Feldversuch im Doppelblindverfahren. Die Regierung entscheidet im Blindflug, basierend auf invaliden Zahlen. Die Bevölkerung ist alarmiert, in Angst und Schrecken versetzt. Der Vorwand, es ginge darum, Gesundheit und Leben zu retten, hat wieder einmal verfangen. Das RKI warnte Ende März 2021 vor 100’000 Neuinfektionen pro Tag. Seit September 2020 ist Lothar Wieler Vorsitzender des Review Committee der IHR: hier werden die international gültigen Regeln den Erfahrungen während der Corona-Krise angepaßt. So läßt sich das Panikorchester im Hintergrund dirigieren.
Die Hersteller der experimentellen Impfstoffe können auf die staatlich organisierte und finanzierte Impf-Infrastruktur bauen: Anschaffung und Lagerung der Impfstoffe, Transport und Kühlung, Distribution an Impfzentren, Ärzte und sonstige Erfüllungsgehilfen werden durch Regierungshandeln und Verordnungen unverhältnismäßig durch Steuergelder unterstützt. Während der Ausbau der Ladestationen für Elektrofahrzeuge in weiten Teilen den Herstellern oder dem Markt überlassen wird, setzt der Staat in Bezug auf die Impfstoffdistribution künstliche monetäre Anreize und damit marktwirtschaftliche Mechanismen außer Kraft. Paradoxerweise geht die Fixierung auf Covid mit einer Vernachlässigung aller anderen Krankheitsursachen einher, auch derjenigen, deren Morbidität und Mortalität um Größenordnungen schwerwiegender ist – diese Tendenz zur Vereinseitigung der Politik insgesamt (nicht nur der Gesundheitspolitik, da die „Pandemiebekämpfung“ nunmehr alle gesellschaftlichen Bereiche außer „Testen und Impfen“ lahmgelegt hat), läßt aufhorchen – hier geht es um die Schaffung eines neuen Marktes für den pharmaindustriellen Komplex.
Hinzu kommt die konzertierte Werbekampagne für die Impfung mit experimentellen, gentechnisch veränderten Substanzen durch die gebührenfinanzierten Medien. Nach ihren Statuten sind sie der Aufklärung, Unabhängigkeit und Ermöglichung von Meinungsstreit verpflichtet. Tatsächlich sind sie ein Teil der pharmaindustriellen Aktion: die Impfbereitschaft zu erhöhen. Gegen Menschen zu hetzen, die sich nicht testen und/oder nicht impfen lassen wollen (wie übrigens auch Horst Seehofer), die nicht an die Corona-Propaganda westlicher Regierungen glauben, die falsche Schlüsse auf invalider Datengrundlage zurückweisen – diese Form der Diskriminierung ist gegenwärtig en vogue. Auf sogenannte „Verschwörungstheoretiker“ scheint das Diskriminierungsverbot nicht zuzutreffen. Es hat sich ein „silent consense“ herausgebildet: Die Angst vor dem Virus sei legitim, die Herabwürdigung der Skeptiker eine moralisch erhebende Angelegenheit. Doch nicht in allen Ländern verfiel die Politik zu Kriegsrhetorik, damit einhergehend zum medialen Gleichschritt und zum stillschweigenden Einverständnis der Mehrheit. Die stumme Zustimmung der Masse zur Repression – sie ist tatsächlich angsteinflößend.
Wenn Dauerberieselung mit Apologetik nicht weiterhilft, werden reale Privilegien für Geimpfte gegenüber Nichtgeimpften geschaffen – es handelt sich um Banalitäten: in der Caféteria gemeinsam zu essen, wird von geimpften Bewohnern eines Altenpflegeheims vorm Oberverwaltungsgericht und, wenn es sein muß, vorm Verfassungsgericht, gegen alle Widerstände der Behörden erstritten. Ähnlich werden in Kürze Kino- und Theaterbesuche Gegenstand höchstrichterlicher Entscheidungen sein. Die Spaltung der Gesellschaft schreitet währenddessen voran. Im Hintergrund bereitet die EU-Kommission die Einführung digitaler Impfpässe vor, die als Zugangsvoraussetzung zur Wiedererlangung banaler bürgerlicher Rechte wie dem Herumreisen im Schengenraum erhoben werden und zugleich die Erfassung und Weitergabe personenbezogener Gesundheitsdaten durch tägliche Permanenz in eine „neue Normalität“ verwandeln. Gesundheitsdaten, nicht Impfstoffe, bilden die eigentliche Wirtschaftsgrundlage moderner Gesundheits-Tech-Konzerne.
Die Änderung der grundlegenden Definitionen, was eine Pandemie eigentlich ist und was unter Herdenimmunität zu verstehen ist, führt letztlich zu fundamentalen Widersprüchen, an denen die wunderbar ausgeklügelten pharmaindustriellen PR-Aktionen auch scheitern können: Schließlich ruft es Widerstand hervor, jeden Menschen, der hustet oder niest oder „symptomlos erkrankt“ ist, unter Verdacht zu stellen, er sei von einem besonders gefährlichen Virus befallen. Herdenimmunität auf Geimpfte einzuschränken, führt alle natürlichen Bemühungen der Gesundheitsprävention und das Immunsystem zu stärken, ad absurdum. Eine Regierung, die Sport und Geselligkeit verbietet, wird über kurz oder lang davongejagt. Gegenwärtig ist eine Gratwanderung zu beobachten. Indem die Bundesregierung Verordnungsbefugnis zentralistisch an sich zu ziehen versucht, wird sie auch den Unmut der Menschen an sich ziehen. Wann reißt der Geduldsfaden?
Quartett (1)
Form
aus Bild und Klang: Suche nach Sinn
Eins-zwei-drei
springt der Frosch
in den Teich
Die Wellen schlagen
Das Ministerium für Gesundheitssicherheit
Ottmar Spieler, der Direktor des bedeutenden Reinhold-Bäcker-Instituts, das nicht nur eine wissenschaftliche Größe, sondern in erster Linie eine staatliche Oberinstanz darstellte, hatte einen Glückstag: Die Große Vorsitzende ernannte ihn kurz vor ihrer Pensionierung zum Minister. Es war nicht irgendein Ressort, dem der ehemalige Ameisenforscher nun vorstand, es war die Schaltzentrale des Neuen Normstaates (NNS) schlechthin: das Ministerium für Gesundheitssicherheit (MfGS), im Volksmund Gesi genannt. Galten in der Demokratischen Republik (DR), die dem NNS vorausging, noch Wirtschafts-, Finanz- und Verteidigungsministerium als entscheidende Posten der öffentlichen Verwaltung, so vereinte die Gesi den Zentralisierten Verfassungsschutz (ZVS) mit dem Allgemeinen Fürsorgefond (AFF). Das MfGS war eine neuartige Organisation: Es speiste sich nicht von Steuergeldern, sondern war eine, wie es hieß „public-private-partnership“ – achtzig Prozent seiner Gelder bezog es von Firmen, die am Pillendrehen verdienten, die übrigen zwanzig Prozent kamen von den Bürgern, die von Geburt an monatlich eine Gesundheitsgebühr (GG) an den AFF zu entrichten hatten. Das Erkennungszeichen des MfGS bestand aus einem roten Kreuz, dessen Arme in der Mitte von einen dünnen Kreis gehalten wurde. Auf diese Weise symbolierte es sowohl medizinische Hilfe als auch die Präzision eines Scharfschützen. „Ich schütze euch doch alle!“, wurde Ottmar Spieler auf Transparenten und Werbeplakaten zitiert, ein Bonmot, das er anläßlich seiner Ernennung im kleinen Kreis der Ministerriege hatte fallen lassen, das in Kürze aber nach außen gedrungen war und jedermann aus dem Herzen sprach. Keiner wußte, daß dieser Gruß an die Ministerkollegen ein Vorbote des künftigen Ruhmes und Erfolges des Hauses von Ottmar Spieler war: indem er die anderen Minister mit der Pillenschluckverordnung und der Fiebermeßanweisung in persönliche Haftung nahm – nur wer zu 100% gesund war, durfte sich seines Amtes weiter erfreuen – schon der Hauch eines Schnupfens stellte einen Skandal dar, dem die Presse mit Rücktrittsforderungen wegen Asozial-unsolidarischen Verhaltens (AUV) Nachdruck verlieh. Bereits nach sechs Monaten hatte Ottmar Spieler aufgeräumt: Sämtliche Ministerkollegen, die ihm hätten gefährlich werden können, waren im Zuge der Sommergrippe zu unzuverlässigen Elementen erklärt und aus dem Amt entlassen worden. Die Nachfolger entpuppten sich als willfährige Marionetten, die Ottmar Spieler gern im Hintergrund die Strippen ziehen ließen, während sie nach außen hin weiterhin eine Art „Demokratie“ symbolisierten.
Die erste Amtshandlung des mächtigen Gesundheitssicherheitsministers war die Einführung der Elektronischen Identitätskarte (EIK): auf ihr waren nicht nur sämtliche Fiebermeßwerte und Pillenschluckaktionen gespeichert, die dem Einzelnen als Bürger von Kindesbeinen an ein unverwechselbares Profil verliehen, das man in Anlehnung an frühere Methoden der Forensik den Gesundheitlichen Fingerabdruck (GFA) nannte. Vor allem enthielt die EIK die Höhe der monatlichen Beiträge für den AFF, die der Bürger seit seiner Geburt geleistet hatte und die seinen indivduellen Bewegungsspielraum entsprechend der aktuell gültigen Quarantäne-Regularien (QR) definierte. Im Volksmund war in Anlehnung an eine altmodische IT-Technik von QR-Code die Rede, auch wenn diese an abstrakte Kunst erinnernde Schwarzweißgraphik heutzutage für die EIK keine Rolle mehr spielte. Die Technik war soweit fortgeschritten, daß der einzelne Bürger seine elektronische Identitätskarte als UV-Lackierung für das menschliche Auge unsichtbar auf der Stirn trug. Die allgegenwärtigen Gesundheitsscanner konnten an jeder Straßenecke den individuellen QR-Code von der Stirn lesen. Sobald sich ein Fußgänger über seinen persönlichen Bannkreis hinaus bewegte, wurde die automatisierte Kontaktverfolgung aktiviert.
Auf der untersten Stufe wurde die QR-Überschreitung nur registriert, beispielsweise wenn der betreffende Bürger, im Behördenjargon „Bagatellisierer“ genannt, statt das genehmigte Fitnessstudio fünzig Meter weiter das benachbarte Kino besuchte. Hier saß jeder Gast in seiner eigenen Plexiglasbox, auf deren Wände ihm der gewünschte Film in 5D-Technik projiziert wurde – für die Gesundheitssicherheit ein geringfügiges Risiko. Schwerwiegender waren schon illegale Besuche des örtlichen Stadions: Hier waren im Zuge der Großen Gesundheitssicherheitsreform vor Jahren schon allgemeine Abstandsregeln eingeführt worden. Wo sich in früherer Zeit noch 40’000 Zuschauer johlend und grölend dicht aneinander drängten, waren jetzt noch knapp 4000 Zuschauer zugelassen, die im Abstand von 12 Metern ein Einzelsegment für sich beanspruchten. Wie Gesundheitsforscher in aufopferungsvollen Detailstudien herausgefunden hatten, stellte der Mindestabstand in den Stadien aufgrund der beim Grölen ausgestoßenen Aerosole immerhin ein moderates Risiko dar, sich mit dem Schnupfen seines Nachbarn anzustecken, der sich ein Segment weiter, also im Abstand von 24 Metern befand. Wurde die automatisierte Kontaktverfolgung in der Anfangszeit durch die Gesundheitspolizei vollzogen, die dem „Regelverletzer“ unauffällig folgte, so sorgte der umtriebige und hemdsärmelige Ottmar Spieler mit seiner ruhigen und zurückhaltenden Art dafür, daß die funktionslos gewordenen Überwachungskameras, die bereits in der Zeit der Demokratischen Republik installiert worden waren, die Aufgaben der Kontaktverfolgung übernahmen. In die folgenschwerste Kategorie fielen schließlich die „Grenzverletzer“. Sie überschritten die Grenzen des ihnen zugewiesenen Landkreises, in dem sie sich aufzuhalten hatten. An den Landkreisgrenzen wurde permanent der aktuelle Fiebermeßwert und Pillenschluckstatus kontrolliert. Lediglich triftige Gründe, die im UV-Lack auf der Stirn eingebrannt waren, legitimierten den Grenzübertritt zum benachbarten Landkreis: zum Beispiel wenn die Oma im Krankenhaus lag oder verstorben war. Der Besuch des enteigneten Gartengrundstücks oder gar eines ehemaligen Spaßbades – beides war im Zuge der Großen Gesundheitsreform liquidiert worden – gehörte zum von der Gesi besonders hartnäckig verfolgten Asozial-Unsolidarischen Verhalten. Ottmar sorgte, kaum drei Monate im Amt, dafür, daß derartige Grenzverletzer unmittelbar an der Landkreisgrenze mit einem blitzartigen Elektroschock ins Ohr an die geltenden Schutzregeln erinnert wurden. Die Gesundheitspolizei trug daher einen Blitz als Erkennungszeichen auf dem Kragenspiegel.
Einen bemerkenswerten Karrieresprung verdankte Ottmar Spieler dem kleinen Hans. Er nannte ihn fortan „mein Hans im Glück“, obwohl er ihn nie persönlich kennengelernt, sondern nur dank der informellen Gesi-Mitarbeiter von ihm erfahren hatte. In Wirklichkeit war der kleine Hans ein Hans im Unglück. Sein schwarzer Tag begann damit, daß er während der ritualisierten Fiebermessung in der ersten Unterrichtsstunde niesen mußte. „Niesen“ – ein modernes Kind, ein Kind unserer Zeit, in der Gesundheitssicherheit groß geschrieben wird – weiß gar nicht, wie man dieses Wort buchstabiert. Welch eine animalische Verhaltensweise! Mit ihr kündigte sich beim kleinen Hans der Abtrünnige verräterische Charakter (AVC) an. In zahllosen Fortbildungen waren die Lehrer und Erzieher geschult worden, diese Subjekte bereits im Frühstadium zu erkennen und auszusondern. Dafür war das altehrwürdige Institut der „Sonderschule“ wiedereröffnet worden. Der kleine Hans offenbarte sich also durch spontanes Niesen während der morgendlichen Fiebermessung als unzuverlässiges und verräterisches Element. Offenbar hatten ihn seine Eltern trotz erkennbarer Erkältungssymptome ins Lernkollektiv geschickt, damit er seine Parasiten und Krankheitserreger dort fröhlich weiterverbreite – ein klarer Fall für die Gesi. Der arme kleine Hans wurde nach dem dritten Nieser, nachdem die ganze Klasse entsetzt aufgesprungen war und mit dem Finger auf ihn gezeigt hatte, sofort in die Sonderschule gebracht, wo er eine zweiwöchige Quarantäne bei Wasser und Brot absolvieren mußte. Die Gesi-Fahnder fanden heraus, daß die Eltern des kleinen Hans aus zwei verschiedenen Landkreisen stammten – sie hatten sich illegal getroffen, kennengelernt und ihre genetischen Codes in völlig unverantwortlicher Weise miteinander verschmolzen. Kein Wunder, daß der kleine Hans derart aus dem Rahmen fiel.
Für Ottmar Spieler war dieser skandalöse Zwischenfall ein großes Glück: Er konnte seine Behörde zum Internationalen Ministerium für Gesundheitssicherheit (IMfGS) ausbauen. Sogleich wurde er von der Weltgesundheitssicherheitsverwaltung als Internationaler Minister (IM) bestätigt. Kraft seiner neuen Befugnisse konnte er nun Grenzüberschreitungen zwischen den Landkreisen wirksamer bekämpfen als je zuvor: Fiebermessungen, die in Landkreis A vorgenommen wurden, wurden in Landkreis B fortan als ungültig angesehen. Der Pillenschluckstatus, den ein Bürger in Landkreis A erworben hatte, galt in Landkreis B nichts.Entsprechend erloschen die elektronischen Identitätsbefugnisse beim Übertritt in den benachbarten Landkreis und konnten nur durch eine langwierig bürokratische Anerkennungsprozedur (LBAP) übertragen werden. Pendler, die berufsmäßig den Landkreis wechselten, wurden von dieser neuen Regelung ausgenommen. Alle privaten Landkreisgrenzverletzer verloren fortan ihren Bewegungsspielraum. Und Ottmar Spieler feierte seinen größten Triumph. Der Neue Normstaat aber war noch sicherer geworden.
Aleksandr Blok : Über die wunderbare Dame / Wege Gablungen
Freudlose Samen gehen auf.
Wind schlägt an kalte, nackte Zweige.
In meiner Seele gehen Krakel* auf.
Ich deck‘ sie zu und hüll‘ sie ein – an Dörfer Mauerresten, Wege Gablungen…
Und schleiche, wie ein Schatten, entlang der bleichen Wände.
Es wechselt, dunkelt und verschwimmt die Wand.
Ein süßes Rinnsal rinnt durch meine Hände,
Ein jeder Tag gebiert und bleicht aus dunkler Hand.
Was bin ich wach, wie quillt des Blutes Schlag in mir!
Hier bin ich heimisch, unterirdisch quellend!
Verhüllte Augenblicke! Du, Liebe ewig!
Ich habe euch verstanden! Bin mit euch! Folge und bedecke** euch!
Es wächst, ein Riese, wächst die Wand.
Wind schlägt an kalte, nackte Zweige…
Ich habe euch geborgen, Krakelhände.
Ich berge*** lächelnd euch an Wege Gablungen.
6.9.1902
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* (alt) Runen; vgl. Josif Brodskij: „karakuli“, z.B. (dt.) Lammkrakelschatten
** entdecke (m/ich in) euch
*** lege