Autor-Archive: crysantheme

Über crysantheme

Wer eine Crysantheme verblühen lässt oder ihr den Kopf vor ihrer Zeit abschneidet, der erntet zur Strafe nur noch grünes Friedhofskraut. Schenkt keine Chrysanthemen zu festlichen Gelegenheiten - sie haben die Würde und Feierlichkeit von Totenblumen. Reznicek, Paula von u. Reznicek, Burghard von: Der vollendete Adam. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 9158

Siamesische Zwillinge

Von | 5. Juli 2021

„Wir nehmen dich als vage war, aber: Du dirigierst das, was hier gerade gedreht wird. Und: Du bist mit Abstand bis ins Letzte bestimmt.“ Esther wandte sich um. Wer war so blöd, sich einen solchen Satz auch nur anzuhören. Wer erwartete solche Sätze von einer ernstzunehmenden Person? Sie. Eduard hatte zum wiederholten Male Phrasen von… Weiterlesen »

Ein Diléttant

Von | 18. Oktober 2020

Das Metall, kälter als Luft. Der Himmel grau, noch weiß fast fahren Baugerüste in ihn hinein, die Kirche schießt dünnste Türme nach oben, ihn zu berühren. Sie schafft nicht, die tief- fliegende Wolke zu stechen. Der Himmel bedeckt, was darunter hängt, da reißt er  auf und stellt sich bloß. _ Länger als eine Stunde wird… Weiterlesen »

Das hier

Von | 16. Juni 2020

„Und er hat dich wirklich nicht noch einmal gemalt?“ fragte Eduard ungläubig. Das letzte Wort ging fast unter. „Dr. Motten hat ihn sicherlich davor gewarnt.“ „Nein, Eduard. Er wollte mich mittags malen, bei Tageslicht. Ich habe ihn versetzt. Er war nicht einmal böse. Ich glaube, es war etwas anderes.“ Ich fühlte eine seltsame Leere und… Weiterlesen »

Laut gesagt

Von | 13. April 2020

Eine Kritik an Thomas Mann, die sie kürzlich gehört, die sie ihren Studenten vorgestellt hatte, eine Kritik, die wie üblich als eine ihrer eigenen Aussagen zitiert wurde, ging ihr nicht aus dem Sinn. Die Kritik, die Jemand zu Thomas Mann geäußert hatte, der den beiden Männern, Eduard und Vyvyan, in einer gewissen Weise ähnlich war,… Weiterlesen »

Sie können das, ohne zu verzweifeln

Von | 8. April 2020

Vyvyan stellte den Gartenstuhl, vom Nachbarn bei Nacht schnell entwendet und am nächsten Morgen grün lackiert, auf den Balkon. „Ich glaube, Tante Viola hat eine Seite an sich, das schiefe Stück einer Torte, an einer ihrer Flanken, aus ihrem Kleid entlang herausgeschnitten, eine Seite, die mich nicht mag. Sie redet zu mir und zugleich zeigt… Weiterlesen »

Laterna Magica

Von | 15. Februar 2020

„Gerade dir muss doch klar sein, dass es solche schrägen Vögel gibt. Die nicht nur im Garten rumhumpeln, sondern sich kreativ betätigen wollen. Was also hast du gegen die Idee?“, hatte Eduard einen Monat zuvor gefragt, die Visitenkarte einer Kurklinik in der Hand. Seine Eifersucht war ein Spiegel, aus den Scherben der Geschwätzigkeit zusammengekehrt. Sie… Weiterlesen »

Clarissa

Von | 3. April 2019

„Du wolltest mir etwas zu den Bildern erzählen.“ Clarissa, neben ihm, mit dem Schal aus roher Seide, lenkte ihn ab in seiner Konzentration. Mit Fragen: „Das rechte stammt aus dem achtzehnten, das daneben aus dem frühen neunzehnten Jahrhundert. Wie soll ich das begründen?“ Während er vor seinem geistigen Auge alles auf Tapete brachte, seinen Film… Weiterlesen »

Abstraktion des Gefühlslebens (1)

Von | 8. Dezember 2018

Er trug schon beim zweiten Treffen den altmodischen Hut. Es lag Schnee in der Luft, die Kurven liefen sich nicht gut in den glatten Schuhen, alles schien sich in Schleier zu werfen, und sie wollten den Weg nach Hause hinauszögern, um klarer im Kopf zu werden. An der Tür hatten sie dann einander ihre Zuneigung… Weiterlesen »

* * *

Von | 11. Mai 2018

Am Rand ein Licht neben einer Säule, der Schatten. Rauchgrüne Pelzschicht über (früher glänzendem) Linoleum Flecken auf Mauern und Verputz, Glaspilz, Grauschleier auf Wänden, Schwarzstaub

Aspergillus fumigatus II

Von | 11. Mai 2018

Auf der Venus wird die Asche durch Winde verstreut. Die Frau an der Bar trug einen leichten Mantel in derselben Farbe des Kostüms, das ich mir aus Wien mitgebracht hatte, darüber einen Schal aus matter Seide. Alles andere an ihr war schwarz: die Augen, die Schminke, ihr Kleid. Das Haar war unter einem Hut versteckt… Weiterlesen »

Denken ohne Gewalt

Von | 28. Dezember 2017

Chap. IV Eduards Putenwelt Zum Dekadenten muss man talentiert sein, man muss seidene Nerven besitzen, die beim geringsten Luftzug ein verwirrendes Stimmungs-Tremolo tanzen. Endlich in den Handgriffen und Kunstpfiffen der Selbstpeinigung Routine haben. Kommt zu dem allen noch eine rationelle oder auch unrationelle Dosis von eleganter Pose, ein Kursus in der Akademie für höhere Schminkkunst… Weiterlesen »

Revers

Von | 22. Dezember 2017

Weihnachten war denkbar nahe, und Esther fror bei dem Gedanken, den Abend allein in der Wohnung verbringen zu müssen. Gesine und die Kinder waren ins Gebirge verreist, während der Ehemann Alexander immer stärker autistische Züge bekam. Esther warf den Gedanken an Gesine, den Mann und die Kinder weg, voll Ekel, voll Ekel. Sie verbarg ihre… Weiterlesen »

Motten

Von | 14. Dezember 2017

Ich wählte meine Kleider diesmal sorgfältig aus. Als ich den Kleiderschrank öffnete, fiel mir der Wintermantel entgegen. Er war voller Löcher, eine frisch geschlüpfte Motte kroch aus dem Pelzkra- gen. Angeekelt ließ ich den Mantel auf das Parkett fallen. Ich schob die übrigen Kleider auf der Stange auseinander, die verschiedenarti- gen Empfindungen an den Fingern… Weiterlesen »

Zimmer ohne Sonne

Von | 16. September 2017

Ein eigenartiges Licht fiel in den Raum. Als hätte jemand einen Drahtkäfig auf uns niedergelassen. Auf bunte Tiere. Puten, Tiger, Papageien, Salamander. Ein dünner Streifen Himmel über dem Haus vor dem Fenster, sonst nichts. Wir hatten das Zimmer am Morgen, am Mittag, am Nachmittag, am Abend besichtigt. Immer das gleiche, eigenartige Licht. Monochromes Tageslicht, mono… Weiterlesen »

Scheibenquallen

Von | 25. August 2017

Rauchsäule, dünn. Ein Himmel, ohne Sterne. Füße, nackte Abwesenheit. Eine Gasse, aus Liebe & Schmerz. (Karl Kraus saß im Café Landtmann. Die Geräusche von der Straße klangen liebevoll, vertraulich.)

Zur Selbstbespaßung ist das doch hier nicht gedacht, oder?

Von | 21. August 2017

Der Strom der Zeit scheint immer in dieselbe Richtung zu fließen. Vielleicht steht die Zeit. Kann sich die Zeit beschleunigen oder verlangsamen. Wo liegt ihr Ursprung. Preisfrage der Physik. Uhren und Kalender. Zeit ist ein sich ständig wiederholender Prozess. Quarzkristall. Tickt eine absolute Uhrzeit. Atome haben eine natürliche Frequenz. Alles was schwingt, kann als Uhr… Weiterlesen »

Moderne

Von | 23. Juli 2017

Ein Vogel, komisch vor Stolz, zeigt sein Gefieder. Du holst für mich nie den himmel her – Käfigstäbe, Liebesmakel, . Samtfüße streifen seine nieder.

Floris

Von | 8. Juli 2017

er entglitt sich selbst wie eine straßenbahn entgleist. er zog an der zigarette, die lange rauchsäule, blassgelbe solopartie. ziegenlederne handschuhe, die gefaltete stirn zeichneten linien.  

porös

Von | 2. Juli 2017

tiere II november war warm november. neugier. licht. hals. mich gleich aber ich wollte noch meine beste kraft war schwarz wie keine farbe.

Endlich wieder Erbauliches

Von | 6. Juni 2017

„Du solltest das tragen, was du immer getragen hast, das, worin ich dich, worin wir alle dich kennen gelernt haben. Jetzt ist nicht die Zeit für dich, zu zeigen, dass du auf eine einfache, proletarische Art krank sein kannst.“ Vyvyan hatte die im Schreibpult seiner Tante gefundenen Schriftstücke in Bilder verwandelt, die viel Ähnlichkeit, viel… Weiterlesen »