Autor-Archive: Thomas Böhme

H.C. Artmann zum 90. Geburtstag

Von | 23. Februar 2011

Hinter der Maske jedes lieben Menschenfressers steckt ein garstiges Kind. Bevor ich H.C. Artmann kennenlernte, wußte ich schon, daß das Grauen in Österreich wohnt. Dieses Wissen verdankte ich einem Büchlein, das 1984 im Verlag Volk und Welt (DDR) erschienen war. Es hieß bezeichnenderweise „Der handkolorierte Menschenfresser“ und sollte womöglich vom Kannibalismus im eigenen Land ablenken.… Weiterlesen »

MIT STRENGE MIT GÜTE

Von | 16. Februar 2011

(Ein Erziehungsbrevier für Knaben) Früher Vogel fängt den Wurm. Nun aber raus aus den Federn! Äpfel fallen nach dem Gesetz der Schwerkraft. Wiederhole das, Anton! Äpfel fallen … Nimm die Kröte vom Tellerrand, Bruno! Hört ihr, Bruno möchte heut kein Kompott essen. Setz dich auf deine vier Buchstaben, Christian! Wer sagt den Tischspruch? Danke, Dieter.… Weiterlesen »

Die Abtei

Von | 23. März 2010

(Öffnung der Almanache II) Wir Zöglinge tragen unsere Herzen auf schneeigen Stirnen. Das Siegel der nackten Füße aus fünfhundert Jahren ist den Steintreppen eingeschrieben. Wenn wir durchs Tal gehen, Hand bei Hand und immer einer hinter dem andern eilen unsere Silberstimmchen uns züchtig voran. Alle Abende nehmen wir heimlich den Duft des Weihrauchs mit in… Weiterlesen »

Das Schloss

Von | 22. März 2010

Trübsaltage, von den Decken bröckelt der Stuck. Auf Rokokopolstern plustern sich Kakadus. In der Sofaecke nestelt der König an seiner Perücke. Ein Diener tritt ein: Ihre Post, Majestät. Der Regulator tickt ununterbrochen. Das Fräulein spinnt mit nur einem Finger verschämte Etüden. Ums Spinett flattern Trauermotten. Ein Feuer wird in den Kamin getragen. Die Depeschen liegen… Weiterlesen »

STÄRKER GEMIXT

Von | 20. Februar 2009

Handreichungen für die lyrische Hausapotheke I Es sind nur wenige, die vom Sonnensystem auf ihr Sonnengeflecht schließen. Viele beschreiten lieber den umgekehrten Weg. Die mit dem Schöner Sterben Beschäftigten nehmen den Mund voll und wissen ihr Ersticken als ein Tüchlein mit Häkelkante zu verkaufen. Was ist schon hineingestickt außer den eigenen Initialen? II Das Verdorren… Weiterlesen »

Minimale Poetik

Von | 17. Februar 2009

Das Gedicht ist kein Himmelstrichter keine Todesarie und keine Todesartenstatistik kein Teilchenbeschleuniger und kein radioaktiver Fallout. Es ist kein linker Schuh und keine Mitfahrgelegenheit kein erloschener Vulkan und keine verkohlte Kartoffel. Es ist weniger nützlich als ein Flaschenöffner und weniger einprägsam als ein Vollrausch. Seine Anmut kommt nicht vom Glanze der Wörter und seine Armut… Weiterlesen »