Hm. Bildg. 9

Heut kann ich nicht meckern: Die ganze Woche lang gebratenes GemĂŒse mit Schuhsohlenartigem Fleisch-Ersatz, Tofu-BĂŒrger – und nun, da die harte Arbeit der Woche sich, verkĂŒrzt, wohlbemerkt, wie es bei Schaffenden der Fall sein sollte, dem Ende entgegenneigt: Totes Tier, genauer Rinderfilet mit Kartoffel und Blumen-Kohl. Da möchte man doch gleich in die Szene der Buddenbrooks einsteigen, in der Th. Buddenbrook im Zahnarztstuhl liegt, sich das Gesicht des Dr. Brecht annĂ€hrt und der ErzĂ€hler einfĂ€llt: “Sein Atem Roch nach Steak und Blumenkohl.” Großartig. Das toppt sogar den Tristan-Akkord.

Genre: RealitÀtsschatten

V.

Nicht gesehen von dir,
schmerzte,
trieb mich weiter und weiter.
Nie wirklich gekannt,
gehalten von dir,
machte mich haltlos.
Zeitlose Ewigkeiten in der
Vergangenheit,
LĂ€ngst vorbei, vermeintlich,
Ruhelosigkeit bis heute.

Endlose Zeiten heute
lassen dich sehen.
Im Jetzt.
Aber das Vergessen
ist schneller
als das Verstehen.
Langsames Verschwinden,
Verblassen,
ohne Wiederkehr,
ohne Abschied.

Genre: Erinnerungsbrösel, RealitÀtsschatten

Heimweg

Manchmal falle ich
in Zwischentöne,
die drÀngender hallen
als Menschen und ZĂŒge.
Gedanken sterben an Ampeln.
Wenn ich alles auf Rot setze,
zerfÀllt mein Kopf
ĂŒber Unebenheiten
der Zeit, hÀlt der Atem nicht inne
ĂŒber unerledigten Dingen.

Manchmal stoße ich
ans Innere der MĂŒdigkeit.

Genre: Erinnerungsbrösel, GemĂŒtstiefe

_ _ *

Das Perfide an der Rede vom Krieg der Geschlechter ist der Umstand, dass die MĂ€nner ihn erfunden haben. Frauen hĂ€tten also ĂŒberhaupt nur eine Chance, ihn zu gewinnen, wenn sie ihn sich zu eigen gemacht hĂ€tten. Sie taten das, indem sie ihre Nachkommen als Waffe einsetzten. Aber: “… niemals nur als Mittel, immer auch als Zweck.” (Kant) So kam es, dass sogar die Menschheit als Ausdruck des BedĂŒrfnisses, sich seines Verstandes ohne Leitung durch einen anderen zu bedienen, in Verruf geriet. Stattdessen brĂ€uchte es einen weiblichen Arminius, der das mĂ€nnliche Imperium zu stĂŒrzen als seinen Stern ĂŒber sich hĂ€ngen weiß.

Genre: RealitÀtsschatten

Mandelliqueur

Du wolltest nicht zahlen, der Klempner kam nicht. Der alte Gigolo, und wir badeten weiter in der Sitzwanne aus den FĂŒnfzigern, eine Wanne, die schon einen braunen Rand hatte, aus der unsere FĂŒĂŸe ĂŒber den Rand baumelten, damals in unserer engen Wohnung mit dem Teppich im Flur, du sagtest, ich mach jetzt noch was Tolles, und gingst noch mal um kurz vor Sechs, im Winter, bei Dunkelheit in den Discounter, um vorne, ziemlich weit vorne im Regal unten links zwei Flaschen Faber-Sekt zu greifen und die auf meinem Bett zu zerschlagen, aber – und fĂŒr die Wanne kauftest du dann Mandelliqueur.

Genre: RealitÀtsschatten

was bleibt

das laute aufgesogen
sturmböen im gemĂŒt
und die tage in die haut geritzt
nun faltet großvater
das leben zusammen
im fahlen licht des endes
sagt er
bleibt nur ein wort

Genre: Erinnerungsbrösel

abendlied

die tage frieren
wir legen uns worte um die schultern
du sprichst vom sommer
und den letzten regentagen im juli

die liebe ist ein wolf
sage ich
wir hÀtten sie erziehen sollen
nun ist sie ungebÀndigt

du hörst mich nicht
und wirfst den schatten
meines herzens aus dem raum

Genre: GemĂŒtstiefe

ramstein und gomorrha

nur ein rauschen
hören wir nur ein rauschen
des windes in den blÀttern der bÀume
des baches unter den bÀumen
des regens in den bÀumen
und im bach
ein rauschen des alls
sonst nichts
es ist nacht [15. Oktober, 01:09 uhr]
die toten haben sich abermals schlafen gelegt

Genre: Trauersymmetrie

ein licht : ereignis

.

_
° X

=

*

* *

:

Genre: Wortmysterien

Nothhaas trifft Kohlhaas im Himmel

erinnerung : vater johannes

- Wir sollen das Dehnungs-h abschaffen.
- Was? Nein. Das geht nicht…
- Kolhaas, ich soll es dir sagen.
- Wer schickt dich?
- Er.
- Und Sie?
- Weiß davon.
- Ah – Ă€h – aa. Aha. (Pause) Und die doppelten Selbstlaute?
- Kommen erst mit Hofmanns ErzÀhlungen dran.
- Warum?
- Kleist.
- Das verstehe ich nicht.
- Erst mĂŒssen Sie die Unmöglichkeit der Mitlautverdopplung begreifen.

Genre: Trauersymmetrie

Ilo

Sie war das Paradies mit der Welt die sie erschuf.
Sie war das Paradies.
Sie war das Para dies.
Sie war das Paradies mit der Welt die sie erschuf.
Sie war das Königreich.
Sie war der Boden, der herabfallende Stern.
Aus ihren Lippen brach die Musik.
Aus ihren Augen sprachen Herzen.
Sie war das Königreich der Sonne.
Des herabgleitenden Gletschers, aus tiefsten schneeweißen Bergen.
Sie ist die glitzerndste TrÀne im Sternenteich.
Sie war das Paradies mit der Welt die sie erschuf.

Genre: RealitÀtsschatten

Featuring : Robert Gernhardt : Paulus

Paulus spricht zu den Chinesen:
Tun wir, als sei nichts gewesen.

Paulus tröstet die Chilenen:
Das liegt alles an den Genen.

Paulus schimpft auf die Osmanen:
Immer muss man zweimal mahnen!

Genre: Rezensionen

* * _

featuring robert gernhardt

Erdogan und Ötschalan
trafen sich beim Bier.
Der eene war’n Terrorist,
Der an’re nich’ von hier.

Erdi sacht zu Ötschalan:
Wat trinkst’n du fĂŒr Suppe?
Ötschi saacht zu Erdogan:
De Sorte Izmir-Schnuppe…

Genre: Wortmysterien

Fundsache

ein SchlĂŒssel
verloren
die GartentĂŒre offen
in der AbenddÀmmerung

er hÀngt an nichts an niemandem
der Faden verloren
in Ereignissen
IrrtĂŒmern

die Erinnerung ist abgerissen
ein Fund ohne Anfang
stellt Fragen

Genre: RealitÀtsschatten

/ / *

featuring fried gomringer etc.

sofa profanica

fehlt das
i
lÀsst sich der
: : : : : : : arsch
hemmungslos
darauf
nieder

ein zeichen ein zeichen
stumm
visuell
i
die stimme
im innern
bricht hin
aus / /

au
ssssssssssssssssss
in
schreibschrift niedergelegt
spĂŒrt
man die kette-kette

kett-e-e-e-e-e

stimm
Apparat in Bewegung
“ist das nicht obszön?!”

i-a, au, U

der Abschlus
ein Schuss

i-n-s/d-u-ng-k//l
kl

vice versa

Irrtum schlechthin
oder
konkrete Musik,
Artikulation des eigenen Herzschlags bei 50 Hz, Brummen
auf der Leinwand / des
Auges oder Blatt//Pa
pier, frei
hÀndig durch ein Bullauge gehalten

wand geflecht knoten

du (aporizmo Nr. 67)

solltest endlich aufhören
von den falschen leuten
geld anzunehmen

oc:

Es (Aporismo ’68)

riecht nach kinder
kacke und heil
igem geist

* * *

heiligem stockendem
stinkigem fauligem
odem

odem, atem -
autem
aut.at

(serie #1)

Vogelvau, Treppenwitz und das KettensÀgenmassaker

Genre: RealitÀtsschatten

der garten steht still / in den straßen warten die unbeugsamen

pulst blut im ohr
und der atem hÀlt an
die stimme gelÀhmt
die stimmbÀnder gedehnt
reise ich
in eine zeitlose zeit

Genre: GemĂŒtstiefe, RealitĂ€tsschatten, Trauersymmetrie, Wortmysterien

* * /

TrÀnenflug
Sternenpflug

champ
contrechamp

Regung, keine Regung
Zitternde Luft, Bewegung

Genre: RealitÀtsschatten

tastsinne fallen mir ein

ein wenig Musik zum Abschied wÀre trotzdem nett
(Nancy HĂŒnger)

 

werden begleitet heute von oboen die wörter
fadenscheine in der nacht zwischen straßenbahnschienen
stolpert einer ĂŒber das kopfsteinpflaster
gucken aus den hÀusern fenster
aus den fenstern leute
welche leute

haben abgestellt um die hausecken einsamkeit
ein zwei einsamkeiten fĂŒr jeden
holt sie am morgen vor der ersten dÀmmerung
im regen die stĂ€dtische mĂŒllabfuhr

lauschst du den klÀngen der wörter und oboen
die durch die straßen wehen
sich ausruhen in hauseingÀngen
warten sie auf das ende der nacht

wir tragen eine glut in uns
ein flammendes feuer aus quecksilber
das uns sein lÀsst
murmelnde nomaden

[tastsinne fallen mir ein
wenn ich mich bewege als schuppentier]

Genre: Rezensionen, Wortmysterien

Unsere hum. Bildung 8

Heute: Die Omelette Surprise genannte Nachspeise

- Kaltes unter dem heißen Eierschaum, ein philosophischer Erguss Castorps, der wieder einmal nur Stirnrunzeln bei seinem Vetter Joachim hervorbrachte.

- Dem Sonntag mit der unnatĂŒrlichen HerbstwĂ€rme war ein kĂŒhler, nebliger Montag gefolgt, und die Sonne sollte sich nun fĂŒr lĂ€nger kaum zeigen.

- Außerdem handelte dieses Seminar nicht von SĂŒĂŸspeisen, sondern von den Sonderformen des Todes in Thomas Manns Zauberberg.

(Vorschlag: Ändert doch endlich mal diese öden Genrebezeichungen!!!)

Genre: RealitÀtsschatten

ChĂłsebuz

Ich saß im Lauterbach und wartete. Nicht im hauptgeschĂ€ft in der Sprem, sondern in der filiale in der FĂŒrst-PĂŒckler-Passage, gegenĂŒber dem bahnhof, gleich neben dem schwedischen hotel, in dem ich wohnte. Ich wartete auf P, wir waren verabredet. Ich war zu frĂŒh. Ich nahm sein manuskript und las.

Wir haben den krieg schon lang vergessen, das ist wahr. Und wahr ist auch, dass ich die menschen liebe, ich habe viel fĂŒr sie ĂŒbrig.

Ich hatte mich entschlossen, den fotoband zu machen. Die idee stammte von Gary, und eigentlich auch wieder nicht. Gary hatte auf der party davon gesprochen. Ihm schwebte ein band mit schwarz-weißfotos vor, nur schwarz-weißfotos. Man mĂŒsse einfach eine kamera nehmen und damit durch die stadt laufen, ĂŒberall gebe es motive. Ich hatte Gary auf der party von meinen spaziergĂ€ngen erzĂ€hlt. Tagelang hatte ich mich in den gassen und winkeln der historischen altstadt herum getrieben, hatte die außenbezirke durchstreift, war ĂŒber die gelĂ€nde der stillgelegten tuchfabriken gestolpert.

Warst du schon im Museum fĂŒr Neue Kunst? fragte Corinna und fuhr fort, die haben da ein irres gemĂ€lde! Und dann beschrieb sie es in allen einzelheiten, ich kannte das bild. Gary meinte, ich mĂŒsse gleich am nĂ€chsten tag die ersten aufnahmen machen. Fotografiere alles, was dir vor die linse kommt, und ĂŒberlege nicht lang, wĂ€hle nicht aus! Einfach draufhalten und abdrĂŒcken, das genĂŒge fĂŒr den anfang. Aber ich hatte da meine eigenen ideen.

Das bild fĂŒhrt die vergĂ€nglichkeit vor augen. Im linken bildvordergrund sieht man die grablegung Christi. Weiße tĂŒcher umhĂŒllen den leichnam des Heilands, des erlösers der welt, den sein vater in der stunde des todes verließ. Der verdrehte kopf Christi mit dem vom betrachter abgewandten gesicht weist in den rechten bildhintergrund. Eine stillende mutter mit kind wohnt dort einer kreuzigungsszene bei. Eine menschenmenge aus soldaten in kampfuniformen, alten herren im frack, badegĂ€sten und freizeitsportlern bindet eine nackte, farbige frau an einen holzpfahl und peitscht sie aus. Die geschlechtsteile der frau sind ĂŒberdeutlich abgebildet. Über allem schwebt eine riesige dornenkrone mit der aufschrift vita e morte! Den leichnam Christi trĂ€gt ein nacktes paar. In der bildmitte sieht man eine grĂ¶ĂŸere, unregelmĂ€ĂŸige stelle, die unbemalt ist. Die rohe leinwand bildet dort einen markanten fleck. Vielleicht wollte der kĂŒnstler damit das unausdrĂŒckbare nichts ausdrĂŒcken? Seitlich rechts und links von dem gemĂ€lde befinden sich große fotocollagen aus fetzen von werbeplakaten, illustrierten, modejournalen, politischen magazinen, tageszeitungen und anderen schriftstĂŒcken. Das gesamte ensemble gleicht einem tryptichon. Der titel des kunstwerkes lautet dreieinigkeit oder der sechste schöpfungstag.

Die tage wurden kĂŒrzer, die nĂ€chte kĂ€lter, das wetter schlecht, es war november. Genau die richtige jahreszeit fĂŒr die fotos, grau und kĂ€lte standen der stadt gut. Da waren das nasse kopfsteinpflaster in der Bautzener, dort, wo sie die bahngleise querte, das gras neben dem bordstein, die letzten hundeblumen blĂŒhten zwischen den ritzen der pflastersteine, da waren die spiegelungen in den pfĂŒtzen. Nichts in der stadt war eben und glatt. Da gab es verfallende fassaden der bĂŒrgerhĂ€user aus der grĂŒnderzeit gleich neben neu herausgeputzten fassaden.
Kontraste, licht und schatten, ideal fĂŒr schwarz-weißaufnahmen, rauhe oberflĂ€chen, gebrochene strukturen. Mauerwerk ohne mörtel, putz, der nicht haftete, ornamente bis zur unkenntlichkeit verwittert. Gehwege aus fest getretenem erdboden neben neu asphaltierten straßenbelĂ€gen. Ich fotografierte alles, arbeitete konventionell, altmodisch: eine sucherkamera, manuelle belichtungsmessung, grobkörniges filmmaterial, unscharfe konturen. Die besten motive wollte ich in einem zweiten gang mit einer mittelformatkamera, makroobjektiv, blitzschirm und feinstem filmkorn noch einmal aufsuchen. Jede einzelne ecke, rauhigkeit wollte ich wie in studioatmosphĂ€re festhalten.
Die Friedrich-Ebert-Straße und die beiden kirchen, die kleine wenden- oder landkirche des ehemaligen klosters und die große bĂŒrger- oder stadtkirche, hatten es mir als motive besonders angetan. Es schneite, als ich in die Sprem einbog, die mit matten, hellen granitplatten neu ausgelegt worden war. Futuristische straßenlaternen mit graphitfarbenen masten aus hohlprofilstahlblechen sĂ€umten die fußgĂ€ngerzone. Gary war fasziniert von meinen bildern, Corinna wollte mit mir schlafen.
Warst du schon im fußballstadion? Gary meinte, dass ich da unbedingt bei einem heimspiel hin mĂŒsse, die idee hatte ich vor seinem vorschlag auch schon gehabt. Ich wollte die menschen in der stadt fotografieren, die gesichter, mit einem normalobjektiv. Nur kein tele! Ich wollte den menschen ganz nah sein, ihnen auf die pelle rĂŒcken. Ich wollte ihre körpertemperatur und ihren atem einfangen, die hautfĂ€ltchen unter den augen und auf den handrĂŒcken festhalten.

Gary tupfte sich mit einem in gesichtswasser getrĂ€nkten wattebausch die schminke aus dem gesicht, ich stand hinter ihm und beobachtete ihn im spiegel. Die ganze garderobe roch nach isopropylalkohol, schweiß und vaseline. Hast du mich gesehen?
Ich wollte lĂŒgen und ja sagen, aber Garys gesichtsausduck merkte ich an, dass er mich durchschaut hatte.
Du warst nicht in der vorstellung, sag es frei heraus!
Ich schwieg.
Gary beendete das schweigen: was hÀltst du von Corinna, gefÀllt sie dir, hast du bemerkt, dass sie in dich verknallt ist, verknallt ist nicht der richtige ausdruck, dass sie versucht, dich anzumachen, und mit dir schlafen will?
Hast du schon die probeabzĂŒge der fotos aus dem stadion angeschaut, wie findest du sie?
Gary schminkte sich weiter ab und sagte nur: jetzt lenk nicht ab!

Er begann, sich auszuziehen.
NatĂŒrlich habe ich bemerkt, dass Corinna es auf mich abgesehen hat! Und, weil ich Gary nicht belĂŒgen wollte, sagte ich es frei heraus: es ist auch schon passiert zwischen uns, zwischen Corinna und mir!
Er sackte bei meinen worten innerlich zusammen.

Nach einer weile sagte er: hast du alles vergessen?
Er war nackt und stand direkt vor mir. Ich schÀmte mich und wusste nicht, wo ich hinschauen sollte.
Schau mich nur an, schau mich an! schrie Gary.
FrĂŒher hast du es oft getan, und noch mehr, du hast dich nie geschĂ€mt! Es hat dir sogar gefallen!

Weißt du, dass Corinna es mit jedem und jeder treibt? Und nach einer kurzen pause: warum wirfst du dich so weg?

Und dann fiel er ĂŒber mich her wie ein tier, wie ein dĂŒrstendes und ausgehungertes tier, genau wie damals, beim ersten mal, und ich hatte nicht die kraft, mich zu wehren, erinnerte mich an damals, an unseren sommer, der nicht enden wollte und dann doch geendet hatte. Auf einmal hatten wir genug voneinander gehabt und uns schließlich sogar gehasst.

Als wir aus unserem taumel aufwachten, beide nackt am boden dieser schĂ€bigen garderobe eines drittklassigen provinztheaters, stand Corinna in der tĂŒr. Sie musste schon eine weile dort gestanden haben.
Die fotos sind großartig, sagte sie, drehte sich um und ging.

Auf dem weg zurĂŒck in mein hotel wartete ich lange vor der geschlossenen schranke des bahnĂŒbergangs an der Bautzener und stierte ĂŒber das nasse kopfsteinpflaster. Der mann im stellwerk beobachtete mich. Nass vom regen erreichte ich das hotel.

Erinnerung und vergessen liegen manchmal ganz nah beieinander, manchmal sind sie aber auch sehr weit voneinander entfernt.

Ich legte das manuskript beiseite und schaute aus dem fenster: grau. P kam noch immer nicht. Ich bestellte einen kaffee. Ein theaterstĂŒck fiel mir ein, das ich vor jahren verlegt hatte.

In dem ersten bild des stĂŒcks, einem vorspiel im paradies, war es auf der bĂŒhne zuerst ganz dunkel gewesen. Eine mĂ€nner- und eine frauenstimme hatten im wechsel freiheit, die ich meine, gleichheit fĂŒr alle, brĂŒderlichkeit, schwesterlichkeit gesagt. Beim spielen der Marseillaise war das licht angegangen: eine aufrecht gehende, nackte frau hatte einen gebeugt gehenden, nackten mann an einem lederhalsband mit leine ĂŒber die bĂŒhne gefĂŒhrt. Der mann hatte versucht, sich aufzurichten, war aber mit peitschenhieben von der frau daran gehindert worden. Auch seine hilferufe hatten ihm nichts genĂŒtzt. Dann war das licht erloschen, und ĂŒber lautsprecher hatte man den John-Lennon-Song woman is the nigger of the world gehört.
Im weiteren verlauf des stĂŒcks war eine inzestgeschichte zwischen vater und tochter vorgekommen. Die tochter hatte ĂŒber ihr seelisches leiden gesprochen, der vater war in form eines geistes, eines gespenstes erschienen.

Gespenster, ĂŒberall gespenster. Geister.

Genre: Erinnerungsbrösel

sand

Jedes korn in der sanduhr des lebens ein traum. Sie rieseln langsam und bestĂ€ndig, nach jedem umdrehen des glases neu. Reiben sich aneinander, reiben sich ab, gegenseitig, nach jedem umdrehen des glases, langsam und bestĂ€ndig, jeder mensch ein korn. Und der sand ist der sand im getriebe der geschichte, ist der sand, auf den wir trĂ€ume bauen, der sich abreibt nach jedem umdrehen des glases, ist treibsand, fließsand, der zerschwimmt unter dem druck der geschichte, die ĂŒber ihn hinweg fließt, langsam, bestĂ€ndig, immer wieder neu, nach jedem umdrehen des glases.
Dies waren meine gedanken, als ich knietief im nassen sand stand, der unter den fĂŒĂŸen zerrann. Ich stand bis zu den hĂŒften im sand, stand im wasser, der sand wurde unter meinen fĂŒĂŸen zu wasser, wurde wieder zu sand, je mehr ich strampelte und kĂ€mpfte, um mich zu befreien. Wasser und sand um mich herum. Was zunĂ€chst wie fester boden ausgesehen hatte, entpuppte sich mehr und mehr als flĂŒssigkeit, als treibsand, fließsand, in den ich einbrach, in dem ich versank, in dem ich unterzugehen drohte.

Erich hatte uns damals am bahnhof abgeholt, es war schon dunkel gewesen. Er hatte uns mit dem alten wartburg zu dem dorf gebracht, wo die mutter meiner mutter geboren worden war, die aber nicht mehr gelebt hatte, die jahre vor meiner geburt gestorben war, und wo die urgroßmutter noch gelebt hatte, bei ihrer tochter Ella, der frau von Erich, der schwester meiner großmutter. Ella war eine nachzĂŒglerin gewesen, nur zwei jahre Ă€lter als meine mutter. Großmutter, die in der nahen kleinstadt verheiratet gewesen war, hatte sich damals geschĂ€mt, dass ihre mutter mit Ella zur gleichen zeit schwanger gewesen war wie sie mit meinem onkel, dem Ă€lteren bruder von mutter. So hatte es mir mutter spĂ€ter einmal erzĂ€hlt.
Es war ein sehr kleines dorf gewesen, 500 seelen hatten dort gelebt: eine lĂ€ndliche gegend. Ich erinnere mich an das plumpsklo ĂŒber dem hof.
Einmal war Ella mit uns auf besuch zu anderen verwandten geganÂŹgen, zwei dörfer weiter in einen anderen landkreis. Unser aufenthaltsvisum hatte dort nicht mehr gegolten. Mutter und ella hatten deshalb angst gehabt. Das hĂ€tte schwierigkeiten geben können, hatte mutter spĂ€ter gesagt, wenn man ohne gĂŒltiges visum erwischt worden wĂ€re. Man hatte sich immer und ĂŒberall polizeilich zu melden, selbst wenn man bei verwandten ĂŒbernachtete. Aber gottseidank war nichts passiert.
Und keine zehn jahre spĂ€ter — Erich war inzwischen gestorben, ein unfall, eine rauchvergiftung beim verbrennen von feuchtem holz im garten — hatte Ella, weil sie rentnerin gewesen war, frĂŒhrentnerin, uns jedes jahr fĂŒr ein paar wochen im westen besucht.

Die republik wuchs und zerschwamm wie der sand unter meinen fĂŒĂŸen, der treibsand, fließsand war.

Rin in die kartoffeln, raus aus die kartoffeln! Fernsehantenne ĂŒber die balkonbrĂŒstung, fernsehantenne unter die balkonbrĂŒstung! Heute hĂŒh, morgen hott! So Ă€hnlich könnte man den zustand und die entwicklung der republik beschreiben. Immer getreu dem alten motto der partei – und die hat ja bekanntlich immer recht! – und ihres großen vorsitzenden: den westen ein- und ĂŒber-holen! Und was wir schon zu ĂŒberholmannövern ansetzten. Aber im grunde genommen wurden wir bereits beim start abgehĂ€ngt, das war ein glatter fehlstart, wir kamen einfach nicht aus den startlöchern. Auf der ersten geraden, der gegengeraden, sahen wir euch im westen nur noch ganz klein und von hinten. Und dann standen auf unserer bahn immer wieder hindernisse, hĂŒrden, wĂ€hrend bei euch alles glatt, geebnet war, einer lief immer voraus und machte den weg frei. Inzwischen sind wir mehrfach ĂŒberrundet.
Aber freut euch nicht zu frĂŒh, bis zum ziel ist es noch lang. Nicht, dass es euch am ende so geht wie dem hasen mit dem igel, dass wir schon dastehen im ziel, oder einer von uns, der sagt: bin schon da!
Reginald, lass doch den jungen in ruhe damit, das versteht der sowieso nich! Gell? Ihr im westen seid doch alle ein bisschen blöd, und wir hier sind die einz’schen gescheiten! Naldi, was mussde dem jungen immer die ohrn volljammern, mehr als fressen und scheißen können die da drĂŒben ooch nich!
Darauf trinken wir erst mal einen, und spĂŒln den ganzen sozialismus runter! Und dann trinken wa noch een, und spĂŒln euern kapitalismus gleich hinterher!
Jetzt lang aber mal ordentlich zu, sonst sagsde drĂŒben im westen noch, bei uns hier gibt’s nischt zu essen! Nimm nur krĂ€ftig viel, das sind grĂŒne klĂ¶ĂŸe! Gell, die macht dir deine mutter nich? Die is ja ooch schon zwanz’sch jahre weg von zuhaus. Wahrscheinlich wĂŒrden die thĂŒringer klĂ¶ĂŸe mit euren schwĂ€bischen, oh pardong, badischen kartoffeln sowieso nich gelingen. Ihr esst ja am liebsten spĂ€tzle oder maultaschen, und trinkt dazu sauren schprudel!
Ja liebes patentantchen, das werd ich daheim erzÀhlen, wie ich hier verhungert bin und keinen sauren schprudel gekriegt habe.
Selters! Heißt das, selters! Nicht saurer schprudel!
Nu setz dich mal, Karin, und iss auch was mit, und lauf nich immer nur in der kĂŒche rum!
Die grĂŒnen klĂ¶ĂŸe waren hervorragend gewesen. Keine hatte sie so gut wie Karin kochen können. Und dazu hatte es hasen gegeben, richtigen, keinen falschen. Naldi hatte ihn bei sich zu hause im vogtland extra fĂŒr uns westbesuch organisiert. Es hatte auch gestimmt, dass meine mutter, seit sie rĂŒber gemacht hatte, keine thĂŒringer klĂ¶ĂŸe mehr gekocht hatte. Aber sie war ohnehin keine begeisterte köchin gewesen und haushalt nicht ihr ding. Nur meine schwester hatte beim essen die nase gerĂŒmpft. So derbe kost war sie nicht gewöhnt gewesen.
Am nachmittag hatten wir alle zusammen einen bummel in die stadt gemacht und kaffee im interhotel getrunken, gegen westgeld, mutter hatte bezahlt.
Überall in der stadt waren spruchbĂ€nder mit politischen parolen aufgehĂ€ngt, es war kurz vor dem ersten mai gewesen:
Kampftag der internationalen arbeiterklasse, fĂŒr den aufbau des sozialismus, seite an seite mit dem sowjetischen brĂŒdervolk, kampftag der befreiung vom faschismus, die werktĂ€tigen aller lĂ€nder, die soundsovielte internationale, die jugend der welt, die fdj, veb, die partei, der staatsrat, das zk, die sed … Und so weiter, und so weiter … !
Da kann einem schon mal ein kloß im halse stecken bleiben, vielleicht ein echter thĂŒringer, ein grĂŒner … Wie ihn der gute alte herr geheimrat (gott hab ihn selig!) Seinerzeit auch gegessen haben mag!
Lang leuchte der sozialismus, lang lebe die halde von ronneburg, wismut, missmut, mit mut! Solang noch ein kumpel einfÀhrt in den schacht, solang bleibt die hoffnung, dass er auch wieder ausfÀhrt, drunten bleibt nur das uran, das deutsch-sowjetische!

In Cottbus angekommen, fuhr ich sofort in mein hotel. Es war leicht zu finden, lag beim bahnhof, und außerdem hatte ich einen stadtplan.

Genre: Erinnerungsbrösel

steine

Ein paar steine fehlten bereits, fehlten schon lange, nur hatte es bis dahin keiner bemerkt. Konnte es nicht bemerkt haben, weil der blick in eine andere richtung gelenkt war, nicht auf die steine in der mauer, die unsichtbaren und die sichtbaren, sondern nach westen, nicht nach osten, wo der feind stand. Wir hatten uns gewöhnt an die stacheldrĂ€hte, die elektrozĂ€une, die gitter, die mauern, die selbstschussanlagen, die minenfelder. Und die wachtĂŒrme waren unsere eigenen wachtĂŒrme, die unsere gedanken bewachten. Die grenzen waren unsere eigenen grenzen. Alles war in uns, kam aus uns heraus, um wieder in uns zu verschwinden. Manche hatten ursache und wirkung verwechselt, und so hatten wir, was wir verdient hatten. Aber das ist vorbei. Vorbei?
Und plötzlich, eines tages im november, waren alle steine in der mauer weg. Nicht lange, und die ganze mauer war nicht mehr da. Verschwunden waren die stacheldrĂ€hte, die elektrozĂ€une, die gitter, die mauern, die selbstschussanlagen, die minenfelder. Alles war aus uns heraus, um wieder in uns zu verschwinden. Ein paar verwechselten von neuem ursache und wirkung, und nicht lange, und wir hatten wieder, was wir verdient hatten. Aber das ist … Kein stein blieb auf dem anderen!

Verkehrsprojekt deutsche einheit hatte als ĂŒberschrift auf dem baustellenschild gestanden, das ich ein paar kilometer zuvor passiert hatte, irgendwo in der gegend von Bayreuth. Ich wunderte mich auf einmal darĂŒber. Hatte ich doch seit langem aufgehört, mich zu wundern, aufgehört, mir fragen zu stellen, die ich mir frĂŒher gestellt hatte und die immer die falschen fragen gewesen waren. Ich war nicht der einzige gewesen. Ich hatte im trend gelegen, keine antworten zu suchen, nicht zu fragen, falsche fragen zu fragen und falsche antworten zu erhalten. Ich hatte die situation hin zu nehmen, wie sie war, nicht nach der versprochenen verfassungsreform zu fragen, die lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig, hinfĂ€llig war, von der niemand mehr redete, das land hatte andere sorgen, dreizehn jahre nach dem fall der mauer.
Himmelkron, Marktschorgast, Gefrees, MĂŒnchberg, Hof: die namen der autobahnausfahrten. Rechts einordnen tempo 100, rechts abbiegen tempo 80, einspuriger baustellenbereich tempo 60 in der ĂŒberleitung. Und dann bergauf, bergab, weit geschwungene kurve rechts, weit geschwungene kurve links, bergauf, bergab, rechts, links.

Seit dem fall der mauer war ich nicht mehr im osten gewesen, das heißt, so ganz genau stimmte das nicht. Einmal, im mai fĂŒnfundneunzig, war ich mit dem auto durch die ehemalige DDR gefahren, die neuen bundeslĂ€nder, von NĂŒrnberg-Hof kommend ĂŒber Plauen, Chemnitz, Dresden, Görlitz weiter nach Kattowitz und Krakau. An einer autobahnraststĂ€tte im Vogtland hatte ich getankt und bei dieser gelegenheit gleich mittagspause gemacht. Das mobiliar in dem rasthof, die bedienung, das geschirr und das essen hatten alle noch von vor der wende gestammt, nur der belag auf den straßen war neu gewesen: eben, glatt, ohne schlaglöcher.
FrĂŒher, vor der wende, war ich öfters drĂŒben gewesen, auf besuch bei verwandten. Heute? Heute fahre ich nicht mehr hin, SĂŒditalien reizt mich mehr.

Wie ich den fall der mauer erlebt hatte? Rotz und wasser hatte ich geheult!
Ich hatte damals im ausland gearbeitet, in der Schweiz. Genau am tag der ersten grenzöffnung war ich mit dem auto unterwegs gewesen, in einem vorort von Bern. In der mittagspause war ich nach hause gefahren. Aus den zwölf-uhr-nachrichten im autoradio hatte ich von der grenzöffnung gehört und sofort am straßenrand gehalten. Die gefĂŒhle waren aus mir heraus gebrochen, den ganzen körper hatte es geschĂŒttelt.
Daheim hatte ich zu meiner frau gesagt: du, die mauer ist offen! Sie hatte es erst gar nicht geglaubt. Nach dem essen hatten wir die ein-uhr-nachrichten gehört und alles noch einmal, dass die mauer offen wÀre. Abends, in der tagesschau im fernsehen, hatten wir dann die bilder gesehen: wie sie aus dem osten mit ihren Trabbis in den westen gefahren waren und von den menschen im westen gefeiert und beklatscht worden waren. Alle hatten getanzt und gesungen und gelacht und geweint und gerufen: die mauer ist weg!
Ich hatte an meine verwandten gedacht, drĂŒben, ob sie wohl auch dabei waren? Wie lange hatten wir alle auf diesen augenblick gewartet!
Am nĂ€chsten tag auf arbeit, im bĂŒro, hatte ich erst einmal nichts zu meinen schweizer kollegen gesagt. Zwei slowaken aus Bratislava, die kurz nach dem prager frĂŒhling in die Schweiz geflohen waren, hatten sich mit mir gefreut. Die meisten schweizer hatten auf die ereignisse in Deutschland mit angst reagiert und geĂ€ußert, dass das wiedervereinte Deutschland zu stark und zu einer gefahr fĂŒr die nachbarlĂ€nder, besonders zu einer gefahr fĂŒr die Schweiz werden könnte. Zwei jahre nach dem mauerfall waren meine frau und ich wieder nach deutschland zurĂŒck gekehrt.
Meine verwandten aus dem osten, die nach der wende drĂŒben geblieben waren, hatten mich nie in der Schweiz besucht. Ich hatte sie erst vor vier jahren bei der hochzeit meiner schwester wieder gesehen. Sie hatten mich auch im westen nie besucht, bis heute nicht.

Er stand unauffĂ€llig, wenige zig meter links neben der fahrbahn, auf einer anhöhe, bei einer gruppe strĂ€ucher in freiem feld. Fast wĂ€re er mir nicht aufgefallen: der ziemlich vollstĂ€ndig erhaltene ĂŒberrest einer vergangenen zeit, ein schmuckloser grauer betonbau mit quadratischem grundriss, ohne fensterrahmen und -scheiben in den aussparungen. Seine frĂŒhere funktion war mir sofort gegenwĂ€rtig und warf mich weit zurĂŒck in eine zeit, die ich schon lĂ€ngst vergessen geglaubt hatte. Und ich wunderte mich plötzlich, dass ich so ruhig blieb und so selbstverstĂ€ndlich vorbei fahren konnte an dem ehemaligen wachturm, der unauffĂ€llig neben der autobahn stand, wenige zig meter links neben der fahrbahn, auf einer anhöhe, bei einer gruppe strĂ€ucher in freiem feld. Und er sah aus wie noch in betrieb, wie wenn die mannschaft gerade auf ablösung fort gegangen wĂ€re, und die neue mannschaft noch nicht auf posten.
Ich fuhr langsamer und wartete, dass die straßensperren auftauchten, dass man mir nachschösse, dass die minen hochgingen, ĂŒber die ich fuhr, dass die grenzer mich stoppten im todesstreifen, im niemandsland. Aber nichts von alledem!

Es ist kalt, sehr kalt, ein wintertag in zeiten des kalten krieges. Ein zug, der interzonenzug, fĂ€hrt in dieser kĂ€lte von west nach ost, ich erinnere mich noch genau, wie wenn es erst gestern war, und ich noch ein kind. Im zug sitzen meine mutter, meine kleine schwester und ich. Wir fahren auf besuch zu verwandten in die zone, wie meine mutter immer sagte. Das erste mal zurĂŒck in den osten, seit meine eltern rĂŒber gemacht hatten. Die mauer steht seit drei jahren, meine schwester wurde im westen geboren, vor der mauer, einen monat vor ihrem bau.
Ich spĂŒre genau den geruch des zuges, zĂŒge riechen immer so. Ein bisschen nach kaltem zigarettenrauch, nach kunstlederbezĂŒgen der sitze, nach toilettenmief, der ĂŒber die plattformen in die gĂ€nge dringt, in die abteile. Nach fußboden, ĂŒber den viele menschen gegangen sind … Meine erste große zugfahrt, an die ich mich erinnere.
Und dann fĂ€hrt der zug langsam, und noch langsamer, bis er schließlich anhĂ€lt. Und ruckartig wieder anfĂ€hrt, ein stĂŒck rollt und wieder stehenbleibt. Und alle mĂŒssen aus dem zug aussteigen mit ihrem gepĂ€ck. Die reisenden stehen auf dem bahnsteig, in dieser kĂ€lte, es dĂ€mmert bereits. Alle schauen, was los ist, wo sie hin mĂŒssen, und drum herum stehen mĂ€nner in uniformen, schmucklosen uniformen. Die mĂ€nner tragen maschinenpistolen, und da sind schĂ€ferhunde, suchhunde, und wachtĂŒrme, auf denen mĂ€nner in uniformen stehen. Mit fernglĂ€sern suchen sie die gegend ab, auch den bahnsteig. Ich sehe zĂ€une, hohe zĂ€une, mit stacheldraht darauf, sehe masten mit scheinwerfern, die die schienen und den bahnsteig anstrahlen, obwohl es noch nicht dunkel ist, nur neblig und grau. Die reisenden mĂŒssen in die flachen holzbaracken gehen, auch wir, mit dem gepĂ€ck, der reihe nach, einer nach dem anderen, von den wachmĂ€nnern begleitet. In den baracken werden die ausweise kontrolliert, ich habe schon einen eigenen, einen kinderausweis, und meine kleine schwester ist nur im pass meiner mutter eingetragen. Das visum wird kontrolliert, und meine mutter befragt. Ich schaue durch das fenster nach draußen: der zug auf dem bahnsteig wird von den mĂ€nnern in uniformen und von den schĂ€ferhunden durchsucht. Die koffer werden kontrolliert, auch innen, gerade innen, dort sehr genau. Der grenzposten, der unseren koffer durchsucht, entfernt das zeitungspapier, in das die schuhe eingewickelt sind, und gibt es dem zweiten grenzposten. Meine mutter hat angst, auch die anderen reisenden haben angst, ich beobachte alles mit neugier. Die geschenke, die wir unseren verwandten mitbringen wollen, werden ganz genau kontrolliert. Alles dauert sehr lange. Als die kontrollen vorbei sind, dĂŒrfen wir wieder hinaus auf den bahnsteig mit unserem gepĂ€ck, auch die anderen reisenden kehren auf den bahnsteig zurĂŒck. Wir dĂŒrfen wieder einsteigen, alle, und man hat die lok gewechselt, eine alte dampflok ist jetzt vor die waggons gespannt, und der zug setzt sich in bewegung und rollt eine weile, bis er richtig fahrt aufnimmt. Ich strecke den kopf aus dem fenster, schaue den zug entlang nach vorne zur lok, die ich in den kurven sehe. Ich schmecke den rauch.
Warum rattern und schlagen die waggons? frage ich mutter, und sie antwortet: weil die schienen alt sind und schlecht aneinander liegen!

Ich schaute in den rĂŒckspiegel, war schon lange vorbei an dem wachturm, sah nur landschaft, autobahn, keine grenze. Und der wachturm war der wachturm, war nicht der wachturm, der meine gedanken bewacht hatte, der die grenze bewacht hatte und wieder nicht, die meine eigene grenze gewesen war, sie nicht gewesen war. Alles war in mir gewesen, aus mir heraus gekommen und wieder in mir verschwunden. Ein ĂŒbrig gebliebener, schmuckloser grauer betonbau.
Wo war die wachmannschaft? Wohin waren die offiziere gegangen, die der mannschaft befohlen hatten? Kein stein war auf dem anderen geblieben. Ich fuhr weiter auf der A 72 in richtung osten.

Es ist kalt, ein kalter wintertag. Eine frau sitzt im zug, der von ost nach west fĂ€hrt. Bei sich hat sie ihr kleines kind, ein sĂ€ugling noch. Alles ist vorbereitet und genau durchdacht. Es gibt nichts, das sie im osten hĂ€lt. Die frau ist im besitz einer erlaubnis zum besuch ihres bruders, sie hat ein visum fĂŒr sich und ihr baby. Sie wird die rĂŒckfahrkarte nicht mehr brauchen und erst einmal fĂŒr eine weile bei ihrem bruder bleiben, bis sie eine arbeit und eine wohnung im westen gefunden hat.
Ihr mann wird wenig spĂ€ter ĂŒber Berlin nachkommen. Er wird im ostsektor der stadt in die s-bahn steigen und im westsektor aussteigen. Ja, gefĂ€hrlich ist es schon, es ist nicht erlaubt. Die bahnhöfe werden kontrolliert. Man muss aufpassen, dass man nicht erwischt wird und ins gefĂ€ngnis kommt, es ist republikflucht. Aber alles geht gut.
SpĂ€ter, beim bau der mauer werden sich die frau und der mann an ihre flucht erinnern. Dann werden sie froh sein ĂŒber ihren schritt. Als flĂŒchtlinge werden sie nie anerkannt werden, sie waren nicht verfolgt gewesen. Sie hĂ€tten genauso gut drĂŒben bleiben können, es gab keinen grund zum weggehen, ihr leben war nicht bedroht, werden sie wĂ€hrend des antragsverfahrens auf den behörden zu hören bekommen.

Und die autobahn fĂŒhrte mich weiter auf meiner reise, vorbei an Plauen, Zwickau, Chemnitz, Dresden. Wilde Sau, Wilder Mann, Dresden Flughafen, dann nach norden auf der A 13, richtung Berlin, und rechts hinter den kiefern- und birkenwĂ€ldern tauchte der erste tagebau auf, man sah nur die obere spitze des auslegers, ahnte nur den dazu gehörigen, riesigen bagger und das gigantisch große loch, in dem er stand. Neben der autobahn lagen die stahlrohre fĂŒr das viele wasser, das weg muss aus dem loch, und am himmel der formationsflug von kranichen, die nach sĂŒden zogen, in wĂ€rmere gefilde. Dreieck Spreewald war erreicht, rechts einordnen tempo 100, rechts abbiegen tempo 80 in der ĂŒberleitung. Irgendwo links in der ferne musste der Spreewald liegen.Und nicht lange, da tauchte der nĂ€chste tagebau auf, diesmal ganz nahe der autobahn. Davor, in freiem feld, der neu errichtete nachbau einer slawenburg, sie war noch nicht eröffnet, wie ich spĂ€ter erfuhr. Die autobahn in richtung Polen war fast leer, mein ziel Cottbus ganz nah.

Genre: Erinnerungsbrösel

Hilde

Hilde wohnt jetzt im Briefzentrum 39. Gestern kam ein brief von ihr, und mein erster blick geht immer auf den poststempel. Sie reist viel und ist immer unterwegs.

Hilde schreibt ĂŒber die zurĂŒckliegende landtagswahl, den zunehmenden egoismus in der politik, den rechtsruck, die rĂŒckkehr der faschisten: ein spiegelbild der zeit und der zeit zwischen den weltkriegen.

Gestern, eigentlich vorgestern, ging Hilde auf den markt und diskutierte mit ihrem obst- und gemĂŒsehĂ€ndler ĂŒber die deutsche sprache und flĂŒchtlinge. Heimatliteratur sei wieder ganz groß in mode.

Heimat sei sowieso ein seltsamer begriff, der nur ausgrenze, sagte eine frau, die sich ins gesprÀch eingemischt habe. Sie zitierte einen schriftsteller: Und heimatlos sind wir doch alle.

Hildes sohn, der in Finnland lebt, ist schwer krank. Sie will zu ihm fahren und ihn pflegen. Alles klang sehr traurig.

Ich kenne Hilde jetzt schon seit fast 50 jahren. Wir wohnten nicht weit auseinander und besuchten dieselbe schule. Sie war zwei klassen ĂŒber mir.

Mit 18 war ich in Hilde verliebt.
Schlag dir das aus dem kopf! war ihre einzige reaktion.
Freundschaft kann manchmal liebe ĂŒberdauern.

Lange zeit hatten wir uns aus den augen verloren, bis wir uns mit 30/32 wiedertrafen.
Wo warst du so lange? war ihr erster satz.
Und du? fragte ich.
Nirgendwo und ĂŒberall, antwortete sie. Seitdem schreiben wir uns fast regelmĂ€ĂŸig oder treffen uns spĂ€testens alle zwei drei jahre.

Los, geh in die knie, bĂŒck dich, du hure! Was lachst du so? Hast noch nicht genug? Warte 


Dann schlugen sie auf Hilde ein, bis sie stumm am boden lag, traten sie blau und blutig und rannten davon. Die umstehenden rĂŒckten nĂ€her und schauten auf sie hinab. Als der leblose körper plötzlich einmal zuckte, gingen sie weiter.

Ich mache mich auf den weg zum Briefzentrum 39.

Genre: Trauersymmetrie

Sinnbettungen

Bewußtseinspreziosen
voller Herz
in Fabeln;
nacherzÀhlend
vom TrÀnenflug
im RĂ€tselspruch

Genre: Erinnerungsbrösel, GemĂŒtstiefe, RealitĂ€tsschatten, Rezensionen, Trauersymmetrie, Wortmysterien

El año de los niños sagrados

In der Grundschule, die ich heute im Rahmen einer Veranstaltung besuchte, hingen selbstbemalte Pappen aus. Die Sechs-bis ZehnjĂ€hrigen, die sie erstellt hatten, besaßen offensichtlich ein ausgeprĂ€gtes GespĂŒr fĂŒr den ihren Alltag beherrschenden Zeitgeist und seine massenmedialen Abgesandten.

Mir wurde ein wenig kulturrevolutionÀr zumute, als ich die Kunstwerke nÀher zu betrachten begann und erahnte, was sie wohl gesellschaftspolitisch Bedeutsames zu verraten schienen.

Da war es, ein eher seltenes GefĂŒhl, das sich in der oberen Magengegend einstellt, wenn einer Person bewußt wird, dass gerade etwas Wichtiges bezeugt wird, etwas, das prĂ€gend ist und die Wahrheiten jener Zeiten fĂŒr immer tief in ihre Seele brennt.

Das Bonmot, die Revolution fresse ihre Kinder im Sinn, lief es mir eiskalt den RĂŒcken herunter. Diese GrundschulkĂŒnstler: die Revolution, ich: ihre Kinder. Was ihre Plakate implizierten, war deutlich. Das neue Gebot: FahrrĂ€der (grĂŒner Haken). Die Verbote: Fleisch, KĂ€se, Autos, Kreuzfahrtschiffe, Flugzeuge und dass Schlangen Plastik fressen.

Soweit, so radikal. Als ich jung war, kamen mir Gleichaltrige oft zu unpolitisch vor, zu konsumgeil und zu gemein.

Doch in den Hinterlassenschaften der hiesigen demographischen ReprĂ€sentanten schwelte offensichtlich noch etwas weitaus DĂŒstereres – Angepasstheit, gepaart mit gleichgeschaltetem Eifer. War es eine junge Lehrerin vom Bund deutscher Meisenliebhabex, die das Feuer entfacht hatte? Oder vielleicht ein Geschwisterkind in der Hipsterjugend? Ihre glutenbefreiten, veganen MĂŒtter? Schwer zu sagen. Der fanatische Eindruck bekommt jedenfalls ein identitĂ€r-religiöses Göring-Eckhardt-Moment: “Wir gehen auf die Straße und sagen: Bitte Klima! Verzeih uns doch!”

Ich muss einschieben, ich bin keiner von den “eigentlich bin ich ja keiner von denen”-Typen.
Wenn also die forenflutenden Rechtspopulisten, diese saublöden Arschlöcher, mit Stichworten wie “Klimareligion” polemisieren, dann triggert das nicht, oder wĂŒrde mich das mit Wut im Herzen unterschreiben lassen. Aber dieser Begriff kam mir nun tatsĂ€chlich in den Sinn.

Ist da vielleicht etwas Messianisches im Gange? Mit Greta existiert immerhin eine Prophetin, inklusive Autismus – anstelle der klassischen Epilepsie – als modernes “Gott-nah-sein”, die das Wasser ĂŒberquert hat, dazu die VerklĂ€rung einer, von den AnhĂ€ngern als Dogma anerkannten, jedoch kaum en detail nachvollziehbaren Wissenschaft und, last but not least, die Hinwendung zu einer inquisitorischen Durchdringung aller Gesellschaftsbereiche mittels der reinen Lehre. Den neuen Kinderkreuzzug nicht zu vergessen.

Ich lebe in einem Bezirk, in dem die GrĂŒnen die absolute Mehrheit errungen haben und bin insofern einiges gewohnt. Gerade gestern habe ich etwa erfahren, dass die umgebenden Straßen fĂŒr Durchgangsverkehr gesperrt werden und auf allen grĂ¶ĂŸeren Straßen Tempo 30 herrschen soll, an Wochenenden allerdings Tempo 0, da dort dann Spielstraßen auf eimsbĂŒttler BiomĂŒtter mit ihren kleinen Emils und Lenas im Schlepptau warten. Wie Schwerter zu Pflugscharen, werden Nebenstraßen nach und nach zu Sackgassen umgewidmet. Und jedes neugebaute Haus muss nun eine Solaranlage vorweisen, sonst wird der Zutritt zur schönen, neuen grĂŒnen Wohnwelt von bauamtlichen Hohepriestern verwehrt.

Was mir sauer aufstĂ¶ĂŸt, was mich wirklich nachdenklich macht, ist, dass die ursprĂŒngliche Verzweiflung “todkrank ist dein Weltenerbe!” sich in Wahn verwandeln kann “und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt”, dass sich ein MitlĂ€ufertum, das den Totalitarismus begĂŒnstigt, herausbildet und Antistagnativ-Anarchisches in Kindern mithilfe frömmelnder Zombies (Mangelerscheinungen) frĂŒh, allzu frĂŒh erstickt.

Selbst wenn mit den Grundlagen und Zielen hunderprozentig ĂŒbereingestimmt wird, wenn also die Differenzen nur den Stil betreffen wĂŒrden, so ist es doch dieser Stil, der am Ende die Gesellschaft nicht nur umweltpolitisch, sondern gesamtheitlich – eben auch und gerade – verhaltensoktroyierend transformiert.

Die schwarze PĂ€dagogik, hat sie sich ein grĂŒnes Fell ĂŒbergezogen, lauert der Ökofaschismus tatsĂ€chlich hinter der nĂ€chsten Fahrradstraße?

Das sicher nicht, nur ein Aufmarsch der grĂŒnen Garden.

[Ich hatte Zweifel, diese Polemik zu schreiben, habe mich aber aus gegenwartsgeschichtlichen GrĂŒnden dafĂŒr entschieden. Und aus GrĂŒnden der Selbstkritik.]

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Genre: Erinnerungsbrösel, GemĂŒtstiefe, RealitĂ€tsschatten, Rezensionen, Trauersymmetrie

*Polarstern

Heute schreiben wir
Freitag, den zwan
zig sten
septembre
anno domini 2019,
Festtag der Geometrie:
(Konstruktion)
Vom Nabel des Himmels
ziehe man eine Gerade
hierher,
wo es am kÀltesten ist -
Der Begriff ist ein
Gott in Bewegung.
Man warte.
Messe.
Bete oder nicht.
Atme! Ein und aus,
“wie es sich gehört.”
Man baue eine Welt
a priori
und warte, warte
auf die richtige
(passende)
Wahrnehmung:
Festakt des Denkens -
politische Natur.
Heute laufen wir aus, ein, aus – -
und die Erde rotiert.
Der Mond ist ein Schaf
in Elysium, der Begriff
ein Gott, ein FĂŒhl en

Genre: RealitÀtsschatten

Hum.b*UG

- Was man nicht alles gelesen haben muss, um dazu-zu-gehören
- Die Regeln der Kommasetzung, Getrenntzusammen- und Kleinschreibung, bes. nicht am Anf.
- Die Zeichensetzung als Beispiel fĂŒr das Verfahren der Setzung, zus. die Fristenregelungen im Wid.falle
- Die GebĂŒhrenordn.
- Manches andere, der Allseitigkeit wegen
- Plusminusmalgeteilt und den Dreisatzansatz
- Wie man Dinge richtig auswÀndiglernt
- Anstelle des SĂŒtterlins eine liberale Schönschrift
- Kurvendiskussion als kreatives Minimum fĂŒr den rationalen Diskurs
- Eine Fremdsprache eigener Wahl außer Russisch, TĂŒrkisch, Arabisch oder Chinesisch
- Bedingungslosen Respekt vor der Oberprima
- Heidelbeerwein
- Bugwellen in den Stoßzeiten, immer mehr in immer kĂŒrzerer Zeit
- Die Kunst der Atteste
- Die Kunst, eine angefangene Seite vollzuschreiben
- Die FĂ€higkeit, Neukonkurrenten rechtzeitig zu beklatschen (auszulachen)
- Die FĂ€higkeit, sich auf die eigenen FĂ€higkeiten nicht zu wenig einzubilden
- Die Kunst der Konversation
- Dreimal die Kunst im Namen der Wissenschaft
- Das EinjÀhrigenfreiwilligenzeugnis samt der Stiefel
- Respekt vor dem Kaiser auch nach seiner Abdankung
- Und optional Kenntnis von den Zustimmungswerten bei den Volksentscheiden ĂŒber die Landesverfassung 1946 in Hessen und Sachsen oder ĂŒber das Gesamtgewicht der 1947 ĂŒber der alten Hauptstadt abgeworfenen Rosinenbeutel
- FĂ€higkeit zu beweisen, dass das alte Neue und das neue Alte zwei sind und dass Einheit von Odin-Otschestwo stammt

Genre: Trauersymmetrie

DreifĂŒnfundvierzig

Das ist ein Kloster:
Wodka, GelÀchter
Alles zeremoniell
Und der Abt
In Pluderhose

Sie schreiben einen Brief
An den tĂŒrkischen Sultan,
Ihre Ordensregel
Ein Kreuz in Bewegung

Grenztruppen der Zarin,
Rang ohne Abzeichen
& keine Truppenfahne
.

Genre: Wortmysterien

Endlich Strammeln

FrĂŒhmorgens kommt der Stinkefuß
Verpaßt mir einen Hinkekuß

Es trillerpfeift ein kleines Maul
“Papa : lieg nicht rum so faul”

Ob tot : ob foht oder lebendig sind sie
Meine Kinder : Mara : Ulf & Thomas

Wenn sie sich um mich versammeln
“Papa : hör jetzt auf zu gammeln”

SpÀtabends wenn ich fallend lalle
geil & giftig : Galle genschelnd

Stoltern durch die Klingklanghalle
Wo die Kinder stehn & stammeln

“Papa : laß uns endlich strammeln”

FĂŒr August, Mara, Ulf & Thomas

Genre: Trauersymmetrie, Wortmysterien

Das Rohr Gulli-Mullahs (Yrann ohne Enn)

6
Des Nasenberges Höhlenraum
Saugt bis ans Zwerchfell
Die DĂŒfte Rasins ein,
Meeresluft.
Ich, in Bewegung.
Winde, PrĂŒfungen
^

Genre: GemĂŒtstiefe