Für unseren liebsten Dandy. Möge deine Schönheit nie unbemerkt bleiben. – Carl & Guido
Es läutete. Schon wieder. Eduard ließ die Gabel sinken und sah zu Vyvyan, der andächtig seine Oliven löffelte. »Können die uns nicht mal am Abend in Ruhe lassen? Geh du. Ich tranchiere derweil das Fleisch.« Vyvyan legte den Löffel ab, schob die Oliven fort. Dann erhob er sich mit wenig Energie und ging zur Wohnungstür. Die Klingel schrillte, mehrmals, in kurzen Abständen.
»Ja, ja«, rief er und rieb sich die Flanken. Er hatte heute alle Bilder allein in die Galerie geschleppt und die Hängung bestimmt. In der Tür stand Frau Schlimm. Frau Schlimm mit einem Päckchen und einem Queens-Hat, der aussah, als hätte er mehr Meinungen über die Welt als sie selbst. Nervös hielt sie Vyvyan den Karton entgegen.
»Nehmen Sie schon. Seit Stunden versucht mein Onkel, Sie zu erreichen. Alles landet immer bei uns im Flur. Und dann auch noch – so was. Nehmen Sie es und belästigen Sie uns nicht mehr.«
Vyvyan zuckte, griff nach dem Päckchen. »Für mich?« fragte er erstaunt. Er hielt es fest, ohne darauf zu schauen, strich sich eine Locke aus der Stirn. Richtete sein Hemd, das offen stand und seine zarte Brustbehaarung entblößte. Vielleicht war Frau Schlimm deshalb so nervös. Er neigte sich zu ihr hinunter. Frau Schlimm fuchtelte.
»Nun gehen Sie wieder rein, mein Onkel wartet auf mich.«
Unten brummte der Rasenmäher. Der Onkel hatte Wohnrecht und war für die Rasenpflege zuständig. Ein Hauch frisch gemähtes Gras streifte Vyvyans Nase.
»Auf Wiedersehen«, sagte er höflich und schloss die Tür. Noch immer verwundert und etwas benommen ging er zu Eduard in den Salon. Auf seinem Teller lag bereits eine Scheibe Fleisch und grüner Spargel. »Wieder die Schlimm? Was wollte sie diesmal?«
»Sie hat ein Päckchen gebracht.«
»Für Dich?«
Vyvyan legte das Päckchen auf den Tisch. Sein Name stand in schnörkelfreier Handschrift auf dem Etikett. Herr Vyvyan Fuller. Absender: Carl und Guido. Daneben eine Abbildung, die den vorgesehenen Einsatzbereich unverblümt zeigte. Vyvyan spürte, wie er rot anlief. »Was …«
Eduard lächelte. »Ach Vyv, Guido und Carl haben es wohl gut mit dir gemeint.«
Vyvyan riss den Karton auf, schlug das Papier zur Seite. Eine Karte mit einer Karikatur von Aubrey Beardsley und einem sehr persönlichen Gruß fiel heraus, darunter lag das eigentliche Geschenk. Eduard nahm es in die Hand. Drehte und betrachtete es.
»Das ist ein sehr … gut gearbeiteter… Rosettenspreizer«, sagte er. »Sie sparen wirklich nicht, wenn es um dich geht.«


