Solang tanzen wir

Von | 26. Dezember 2021

Wie tot ist dieses Land : wie ernst

Versucht die Alten es vorm Tod

Zu retten und läßt das Leben

Fahr’n ins Nichts : es könnte

Laut und bunt sein : nur

Im Traum noch : auf der Straße

Eil’n die Menschen

Regungslos vorbei

Verstecken ihr Gesicht : verstecken

Sich :  verfolgt von Angst

Ein Fangespiel ist dieses Treiben

Ersatz für : keiner glaubt’s

Den dritten Großen Krieg : der

Uns erspart nicht bleiben wird

Und solang tanzen wir auf uns’rem

Stern : gebären Chaos

Ecosdaescrita

Von | 18. Dezember 2021

Texte zu Mustafa Khalifa, Das Schneckenhaus

Innerer Monolog Suzannes

Wie kann er mir so etwas antun? Nach allem, was wir zusammen erlebt haben, die vier Jahren an der Uni, das dunkle und feuchte Zimmer im Keller, die gemeinsamen Freunde… wie kann er jetzt alles hinter sich lassen und weggehen? Wir hätten heiraten und eine Familie gründen können. Wir hätten glücklich zusammen sein können, wie wir es bis jetzt gewesen sind. Es wird schwierig sein, ohne ihn. Meine kleine Schwester Fatima wird ihn furchtbar vermissen! Ich werde ihn furchtbar vermissen… Aber ich kann ihm nicht böse sein. Im Gegenteil, ich verstehe ihn. Natürlich musste ich versuchen, ihn zu überreden, dass er hierbleiben soll und, dass er hierhergehört. Das musste ich wieder und wieder versuchen, obwohl ich wusste, dass ich keine Chance hatte, sein Vorhaben zu ändern. Das konnte ich in seinen Augen sehen. Er war immer erfolgreich, ein ausgezeichneter Student und, später, bei seinen ersten Aufträgen und Projekten, ein talentierter Regisseur. Trotzdem habe ich auch in seinen glücklichsten Tagen einen Hauch von Melancholie bemerkt, die er ständig versuchte zu unterdrücken, bis sie ihn überwältigt hat. Ich weiß, dass er mich liebt und es auch ihm schwerfällt, dieser Entscheidung zu folgen. Gegen seine Gefühle kämpfend leerte er sein Bierglas und stand auf, überzeugt davon, seinem Schicksal zu folgen. Er küsste mich und wünschte mir alles Gute. Mir fiel nichts Anderes ein, und ich antwortete nur „Ich dir auch. Und pass auf dich auf“. Letztendlich wusste ich, dass ich ihn gehen lassen musste. Er wollte sich verbessern, bekannt werden, an wichtigeren Projekten teilnehmen. Bis dahin fühlte er sich nicht genügend anerkannt und ausreichend herausgefordert. Außerdem nahm die Sehnsucht nach der Heimat mit der Zeit ständig zu, bis er sich in Frankreich wie ein kompletter Fremder gefühlt hat. Obwohl er die Sprache beherrschte, versuchte er immer weniger Kontakt zu Leuten zu haben, bis er sich nur mit seiner und meiner Familie traf. Und jedes Mal, wenn es um Syrien ging, fingen seine Augen an zu glänzen und ein bitteres Lächeln änderte seine Gesichtszüge. All das war monatelang vor meinen Augen, aber ich habe es immer ignoriert. Ich habe gehofft, dass es nur eine Phase sein würde und, dass er sich eines Tages beruhigen würde und sein relativ neues Leben wieder zu schätzen wüsste. Seine Entscheidung war für mich also nicht ohne Gründe zustande gekommen. Ich konnte sie verstehen und sogar akzeptieren. Deswegen drehte ich mich um und lief Richtung Ausgang.  

Erica Amistadi

Der innere Monolog von Suzanne

(Mustafa Khalifa, Das Schneckenhaus)

Da sitzt er, der Mann, mit dem ich mein Leben verbinden wollte, der die letzten zwei Jahre mein ein und alles war, was ich ihm eigentlich nie gesagt habe. Und jetzt ist es zu spät für lange Reden über nicht ausgedrückte Gefühle. Wenn ich ihn jetzt anschaue, kommt er mir irgendwie fremd vor. Seine andere Seite ist zu sehen, diejenige, die in Syrien verliebt ist und dem Land zuliebe wirklich alles hinter sich lassen würde. Diese Seite habe ich bisher nicht gekannt.

Fremd wie nie beschrieben

Sieht mich mein Schicksal an

So schrieb Rilke. Und wie sehr passen diese Zeilen zur Situation.

Es ist an der Zeit, sich zu verabschieden. Ich bin bereit, Abschied zu nehmen, aber ich glaube, ich werde ihn nie ganz loslassen können. Er geht von mir weg, aber bei ihm bleibt etwas. Bei ihm bleibt ein Herz, und das Herz ist mein.

Anastasiia Matiash (Nastja Matjasch)

Innerer Monolog Suzannes

Es ist dann das Ende. Wer konnte damit rechnen, dass diese emotionale Verbundenheit mit unserem Land, die uns vor zwei Jahren zusammenbrachte, uns jetzt wieder trennen würde? Oder hätte ich es eigentlich noch früher bemerken können, dass das Heimweh, von dem wir ständig gesprochen haben, nicht wirklich so ein geteiltes Gefühl war, wie es das in meiner Vorstellung ist? An meine Kindheit in Syrien denke ich eigentlich gern zurück, aber nur als eine nostalgische Erfahrung, wenn es im Leben nichts gibt, um das ich mich sorge oder über das ich mich freue, also ja, Romantik, in seinem Wort. Aber wirklich zurück in das Land? Lieber nicht. Um ehrlich zu sein, verstehe ich ihn auch nicht ganz. Ist es nicht besser, die Erinnerung halt Erinnerung sein zu lassen? Und Regie, natürlich, seine Lebenskarriere. Ich liebe es tatsächlich, wenn er über seinen Traum spricht. Dass er sich die ganze Zeit über so sicher ist, was er will und sich von nichts abhalten lässt, erscheint mir wie immer so attraktiv, auch wenn uns diese Entschiedenheit jetzt zur Trennung führt. Ich konnte mir schon gut vorstellen, dass er mich eines Tages wegen seiner Arbeit verlassen würde. Es kommt immer ein „Syrien“ vor, wenn er mich nicht in seiner Zukunft sieht.

Ich hoffe nur, dass es in Syrien wirklich was Spannendes gibt, das auf ihn wartet, wie er es sich jetzt vorstellt. Alles Gute, meine Liebe.

Jing Lin

Texte zu: Virginia Woolf, Ein eigenes Zimmer

Das vergessene Leben von Maja Einstein

Albert und Maja waren die Nachkommen von Hermann und Pauline Einstein, einem jüdischen Ehepaar aus der Mittelschicht. Die beiden Einstein-Kinder verbrachten die meiste Zeit ihres jungen Lebens in Deutschland. Ihr Vater war Mitinhaber eines Unternehmens, das elektrische Geräte herstellte, und ihre Mutter blieb zu Hause und kümmerte sich um Haus und Familie. Maja und Albert erhielten eine breite Ausbildung, und Maja promovierte in Romanistik an der Universität Bern.

Aber es kam der Tag, an dem Albert erfolgreicher war als Maja, und die Dinge änderten sich dramatisch. Alle schenkten Albert ihre Aufmerksamkeit, während sie pausenlos lernte, um klüger zu sein als ihr angebeteter Bruder. Eines Tages beschloss sie aus Verzweiflung, das Land zu verlassen und nach Brasilien zu gehen. Dort konnte sie zumindest als die intelligenteste Frau ihrer Zeit anerkannt werden. Man hat nie wieder etwas von ihr gehört.

Paulina Dönmez

Der innere Monolog von Puschkins Schwester

Ein neuer Tag in Sankt Petersburg. Der letzte, den ich hier im Herbst verbringe und dann geht es zurück in das leere und einsame Dorf, wo keine Seele zu finden ist, mit der ich mich unterhalten und der ich meine heimlichen Gedanken anvertrauen könnte. Das Einzige, was ich an der Situation gut finde, ist, dass ich jetzt mehr Freizeit haben werde, um Gedichte zu schreiben. Gedichte, die nie veröffentlicht werden. Ich mag Puschkins Schwester sein. Ich mag so begabt sein wie er (wenn nicht viel begabter). Aber das nützt nichts, denn ich bin vor allem nur eine Frau. Nur eine Frau…Und doch bestimmt diese Tatsache mein Schicksal. Eine Frau kann keine Gedichte schreiben. Eine Frau kann die Welt nicht entdecken. Eine Frau kann ihre Meinung nicht äußern. Alles, was sie kann, ist leise und hübsch sein, um Männern zu gefallen. Männer…unsere größte Unterstützung und unser größter Fluch. Sie gründen ganze Städte, erobern andere, regieren Reiche, kämpfen für den Frieden, werden berühmt und genießen das Leben in vollem Maße, all seine Seiten…

Und was bleibt einer Frau? Der Haushalt, der Mann, der ständig alle Hände voll zu tun hat und sie an einigen Nächten besucht, Kinder, die sie nach diesen Besuchen bekommt, und lange Tage voller Einsamkeit in einem Dorf, wenn die ganze Familie nicht in der Hauptstadt ist.

Es wäre lustig, wäre es nicht so traurig. Ich weiß, was mir zukommt, obwohl ich mein Leben noch gar nicht gelebt habe. Weil ich nur eine Frau bin. Eine Frau und nicht mehr… Aber ich weiß: es kommt die Zeit, und endlich werden Frauen das Recht bekommen, sich zu äußern, dafür zu kämpfen, was ihren Herzen lieb ist. Und sie werden ihr Ziel erreichen. Sie werden mehr sein als „nur Frauen“.

Die Schwester von Alexander Puschkin hat recht. Die Zeit wird vergehen, und bekannt werden solche Frauen wie die Schwestern Bront?, Mary Shelley, Jane Austen, Virginia Woolf, Louisa May Alcott und Margaret Mitchell. In Russland wird man von Marina Zwetajewa, Anna Achmatowa und Bella Achmadulina erfahren. Aber sie, die Schwester von Alexander Puschkin, die noch begabter ist als ihr Bruder, wird nie berühmt sein und in Vergessenheit geraten. Sie und Tausende von anderen unglaublich begabten Frauen, die ihr ganzes Leben ihre Last tragen werden – die Last des Frauenseins.

Nastja Matjasch

Texte zu: Claude Lévi-Strauss, Traurige Tropen (Kapitel „Sonnenuntergänge“)

Beschreibung eines Naturphänomens

Der Anstieg ist lang und anstrengend. Der Boden ist sehr instabil, und man rutscht ständig auf den leichten, schwarzen vulkanischen Steinen aus. Der Atem geht schwer wegen der Gase, und die Luft riecht stark nach Schwefel.  Es ist überall dunkel, das einzige Licht ist da ganz oben, auf der Spitze. Ein intermittierendes rotes Licht erinnert uns daran, wo unser Ziel liegt. Die letzten Meter sind eine riesige Herausforderung, denn der Pfad ist unglaublich steil und rutschig, man muss ständig husten und die Augen brennen. Aber endlich sind wir da. Es ist schwierig, in der Dunkelheit die echte Entfernung abzuschätzen, aber nicht mehr als 50 Meter von uns entfernt zeigt sich auf dem nebenstehenden Gipfel der Krater des aktiven Vulkanes Pacaya. Eine knallrote und blaue Flamme taucht von der Öffnung auf, ragt einige Meter hoch und löst sich im schwarzen Himmel auf . Eine graue und schwere Wolke aus unterschiedlichen Gasen strömt kontinuierlich aus dem Vulkan und steigt entlang dem Berghang ab und verschwindet in der Dunkelheit. Kleine Aschenteilchen schweben in der Luft und erschweren das Sehen. Ein rollendes, dröhnendes Geräusch kommt aus der Tiefe des Vulkans und hebt die ohnehin schon majestätische Szene noch mehr hervor. Entlang einer Seite des Pacayas fließt ein Rinnsal von Lava bergab: die glühende Linie kontrastiert mit dem Schwarzen der Landschaft.

Erica Amistadi

Texte zu: Pessoa, Buch der Unruhe (Tagtraum)

In diesem Café scheint die Atmosphäre angenehm zu sein. Die Frau an der Theke redet freundlich mit einem Kunden, und ich schlage meinen Freundinnen vor, uns hier reinzusetzen. Wir haben uns schon länger nicht gesehen, und ich freue mich, mit ihnen wieder etwas Zeit zu verbringen. Wir bestellen uns Latte und Kuchen, und Monica erzählt uns, was sie in den letzten Monaten gemacht hat.

„Stellt euch vor, ich war seit November nicht mehr im Kino. Jetzt läuft gerade ein Marvel Film, aber der  scheint nicht besonders interessant zu sein. Sie spielen immer dieselben Sachen ab, ich habe keine großen Hoffnungen.“

              Chris stimmt mit ein: „Ich hab den gesehen. Ich muss echt zugeben, ich bin kein Marvel Fan, deshalb ist meine Bewertung da nicht so zuverlässig. Ich war mit meiner Schwester im Kino, und wir sind beide unzufrieden rausgekommen. Obwohl sie diese Filme normalerweise mag.“

              Ich schau auf die Zuckerdose. „Ich hab gehört, vielen gefällt der nicht, die die vorherigen Filme nicht gesehen haben.“ Ich habe mal wieder vergessen, Zucker zu kaufen.

              „Genau das hab ich mir auch gedacht,“ meint Monica.

              Mein Blick fällt auf ein Poster, dass hinter Chris hängt. Es ist die Aussicht auf London und die Themse. Normalerweise hängt man immer Bilder von berühmten touristischen Sehenswürdigkeiten auf, wie den Big Ben oder London Eye. Dieses Plakat zeigt aber das Kunstmuseum Tate. Viele würden das nicht als London wiedererkennen. Ich war jedoch vor einigen Jahren dort und habe es besucht. Ich erinnere mich an eine ganz bestimmte Ausstellung, bei der ein Film rund um die Uhr lief. Man konnte sich zu jeder Uhrzeit in den Saal setzen und beobachten, wie Ausschnitte aus allen möglichen Filmen die genaue Uhrzeit des Tages darstellten. So hieß der Film auch: „The Time“, weil er rund um die Uhr die aktuelle Uhrzeit anzeigte. Ich fand die Idee schon damals so kreativ und originell, dass ich den ganzen Tag dort hätte verbringen können. Ich habe gehofft, dass ich einige Filmausschnitte wiedererkennen würde, und versuchte, mich an Filme zu erinnern, in denen man explizit die Zeit sagt oder zeigt. Bis auf Neujahrsfilme konnte ich mich an nichts erinnern. Aber ich konnte schlecht bis um Mitternacht im Museum bleiben. Ich weiß, dass es so einen Tag gab, an dem das Museum nachts offen ist und man dann den gesamten Film sehen konnte. Leider war das an dem Tag nicht der Fall. Und ich war sowieso mit meiner Freundin unterwegs, und wir hatten einen Tagesplan. Ich hatte vor, ihr noch Buckingham Palace zu zeigen, bevor sie abreisen musste. Tatsächlich gestand sie mir an dem Tag, dass sie den Film so ruhig anschauen konnte, ohne regelmäßig panisch auf die Uhr zu schauen, weil die Uhrzeit durch den Film immer sichtbar war. Wie ironisch, dass Menschen, die immer hetzen und aktiv die Uhrzeit verfolgen, sich entspannen, sobald die Uhrzeit durchgehend sichtbar ist. Wie verschieden wir doch sind. Ich bin in dem Sinne das genaue Gegenteil. Das erinnert mich; ich habe sie schon länger nicht gesehen. Vielleicht sollten wir uns mal wieder treffen und etwas Zeit miteinander verbringen.

              „Was meinst du? Sollen wir uns den Film zusammen anschauen?“ reißt mich Monica aus meinen Gedanken.

              „Welchen?“ frage ich verwirrt.

              „Hast du wieder nicht zugehört?“

              „Ah, sorry, war nicht mit Absicht.“

              „Dachte ich mir schon. Ich meine den neuen James Bond Film. Ich kann nachschauen, ob der am Freitag läuft, da haben wir alle Zeit.“

              „Ja, das klingt gut. Ich bin dabei.“

Anastasia Keller

Mein Tagtraum

Es ist ein warmer Tag in Moskau. Ich kann kaum glauben, dass ich nicht zur Uni muss, weil die Sommerferien begonnen haben. Ich sitze auf einer Bank im Park, wo ich eine Unmenge Zeit mit Lesen oder einfach mit Nachdenken verbringe. Heute ist es Bernhard Schlink, dessen Roman „Der Vorleser“ ich genieße.

Plötzlich halte ich inne, schaue auf, und Tausende von Bildern gehen durch meinen Kopf. Hanna Schmitz ist ständig umgezogen, und ich muss schon lange in derselben Stadt bleiben. Hanna ist ständig geflohen, und eigentlich würde ich auch gerne fliehen. Weg von allem und allen. Dorthin, wo ich noch nie gewesen bin. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu entdecken. Es gibt so viele nette Menschen, die ich noch nicht kennengelernt habe, und so viele Erfahrungen, die ich noch nicht gesammelt habe.

In meinen Gedanken reise ich zuerst nach Polen, dorthin, wo sehr viele meiner Vorfahren herkommen. Danzig (Gdansk), Breslau (Wroclaw), Warschau…Wie sehne ich mich nach diesen Städten, obwohl ich nur eine gesehen habe. Ich würde gerne echte polnische Äpfel probieren, die, die den ganzen Sommer das Sonnenlicht genossen haben. Die polnische Sprache wird für mich wie echte Musik klingen, und ich würde die gerne lernen. So wohl würde ich mich in Polen fühlen, weil es in meinem Blut etwas gibt, was mich mit diesem Land verbindet.

Dann geht es nach Deutschland. Hier fehlen mir einfach die Worte. Jede meiner Fasern, jede einzelne Zelle in meinem Körper liebt dieses Land, seine Geschichte, seine Kultur, seine Sitten und Bräuche. Marina Zwetajewa hat Deutschland ihre Liebe gestanden, Das tue ich auch, indem ich ihr Gedicht zitiere:

Germanien, meine tiefste Neigung,               ???????? – ??? ???????!

Germanien, ach, mein edler Wahn!               ???????? – ??? ??????!

Mehr brauche ich nicht zu sagen…

Und dann geht es weiter…Österreich, die Schweiz, Belgien, Luxemburg, Liechtenstein, die Slowakei, Tschechien, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Schweden. Norwegen, Finnland, Ungarn, Kroatien… Sogar Moldawien, Weißrussland und die Ukraine würde ich gerne sehen. Man sagt, es lohne sich nicht, diese Länder zu besuchen, weil sie arm sind. Aber sie haben doch ihre eigene Kultur und Geschichte. Wie können die Länder, die sowas haben, nur arm genannt werden? Nein, so kann es nicht sein. Ich muss unbedingt dorthin.

Und dann ist noch die ganze Welt vor mir. Ich gehe barfuß durch New York und fühle mich wahnsinnig klein im Vergleich zu den Wolkenkratzern. Und es ist nicht der einzige Ort in den USA, den ich zu Gesicht bekommen möchte…Kalifornien, Florida, Texas und natürlich Alaska.

Und dann weiterreisen, durch ganz Nordamerika. Es gibt noch Kanada, Kuba, Mexiko, Jamaika, Haiti, Costa Rica. Man kann ewig aufzählen. In Südamerika gibt es auch so viel zu sehen. Zum Beispiel habe ich noch nie den brasilianischen Karneval erlebt, und das muss ich unbedingt tun.

Viele Menschen glauben an Stereotype über den Iran. Doch ich weiß, dass das Land nicht so ist, wie man es im Fernsehen sieht. Jetzt sind meine Gedanken in Teheran…Ich kaufe Mandeln und Gewürze auf einem kleinen Markt. Mein Kopf ist mit einem bunten Tuch bedeckt, und ich sehe wie eine orientalische Schönheit aus (nur mit blonden Haaren, aber warum denn nicht?).

Nichts kann mich von meinem Traum, die Welt zu sehen, abhalten. Afrika ist auch eines meiner Reiseziele. Egal, was dort passiert, eines Tages werde ich den Kontinent sehen.

Jetzt gibt es noch Australien, Ozeanien und natürlich Asien. Ich wurde im asiatischen Teil Russlands geboren und es wird an der Zeit sein zurückzukehren. Die letzte Station meiner langen Reise wird meine Heimatstadt sein. Chabarowsk…Vor zwei Jahren habe ich dich verlassen. Ich habe mir ständig eingeredet, ich komme mal vorbei, aber es ist nie passiert. Doch irgendwann muss man zurückkehren, und wenn auch nur für kurze Zeit. Meine Seele will zu dir, auf deine Straßen mit altertümlichen Gebäuden, zu unserem breiten Fluss, schließlich in die Taiga. Ein Teil von mir will auch zu den Eltern. Das kleine Mädchen ist jetzt groß, aber dieser Teil will nie erwachsen werden. Wer weiß, vielleicht ist es besser so…

Ein bellender Hund reißt mich aus meinen Gedanken. Ich lasse das Buch fallen. Der Herr eilt auf mich zu, um sich zu entschuldigen.

„Macht nichts“, sage ich. „Ich habe einfach nachgedacht…“

Nastja Matjasch

Das Fünf-Punkte-Programm: Dekrete zum gesellschaftlichen Zusammenhalt

Von | 15. Dezember 2021

Über Ausstiegszenarien aus der Corona-Krise wird gegenwärtig nicht diskutiert. Jedem Versuch dazu wird mit dem „Argument“ begegnet, man müsse sich alle Möglichkeiten (zur Repression) offen halten, ja es gebe nun keine roten Linien, also kein Halten mehr, wenn es um Rücksicht auf irgendwelche verfassungsrechtlichen Grundsätze, sprich bürgerlichen Freiheiten geht. Im Anschluß an die im Parlament beschlossene „Beendigung der Notlage“ wurde – mit welcher Logik eigentlich? – ein Bundeswehr-General bestellt, der  das kommende Durchgreif-Kommando logistisch ko­ordinieren soll, obwohl die Bundeswehr im Innern doch gar nicht einfach so eingesetzt werden darf – der stolz verkündete Tabubruch läßt Schlimmes ahnen. Die deutsche Coronapolitik hat nunmehr den unrühmlichen Titel des Repressions-Weltmeisters erobert, noch vor Italien, China und Österreich – erschreckend daran: viele Deutsche merken es nicht.

Um so wichtiger ist es, ernsthaft den Ausstieg aus der Corona-Krise ins Auge zu fassen. Denn immer offensichtlicher treten die Folgen einer einseitigen Ausrichtung aller Politikbereiche auf ein einziges Thema zutage. Die Regierung, die gern anderen das Verbreiten von Falschmeldungen vorwirft, hat sich selbst in ein Kartenhaus aus Irrtümern und Achtelwahrheiten verkrochen. Der Blick aus dem Fenster ins Offene erscheint unmöglich. Tatsächlich aber kann sich die Bekämpfung von Infektionskrankheiten auf vier Säulen stützen:

1. Säule: Schutz der gefährdeten Menschen, im Falle von Covid der Hochbetagten und einschlägig Vorerkrankten

2. Säule: medizinische Versorgung der symptomatisch Infizierten, insbesondere eine wirksame Früherkennung und Frühbehandlung

3. Säule: Kontakteinschränkungen

4. Säule: ergänzend Impfungen, wenn die Wirkstoffe und die Art der Verabreichung die Übertragung der Infektion verhindern

2020, im ersten Jahr der Corona-Krise, bezogen sich fast alle Maßnahmen – ob es sich um Masken, Abstand oder Ausgangssperren handelte – auf Säule drei: Kontakteinschränkungen. 2021, im zweiten Coronajahr, kam Säule vier dazu. Die Impfung war an das Versprechen gekoppelt, daß sie der wichtigste Wirkfaktor sei, mit dem die Pandemie bekämpft werden könne. Sobald alle Menschen ein Impfangebot erhalten haben, sollte der Ausnahmezustand beendet werden, hieß es noch im März 2021 von höchster Regierungsseite. Es kam anders. Die Impfung hielt nicht, was von ihr versprochen wurde. Sie verhindert weder die Übertragung der Infektionskrankheit noch mindert sie in einem Umfang schwere Verläufe, daß man sie zum Eigenschutz als verläßlich bewerten kann. Impfdurchbrüche dominieren das Geschehen. Von den (teilweise als Immunreaktion beabsichtigten) Impfnebenwirkungen und den (langfristigen) Impffolgen ist dabei noch keine Rede. Die Kosten-Nutzen-Bilanz der Impfung sieht bisher enttäuschend aus. Wie geht die Politik damit um? Sie verschärft das Impfangebot zur Impfflicht, wohl wissend, daß damit der Ausbreitung der Infektion nicht Einhalt geboten werden kann, sondern im Gegenteil Escape-Varianten wahrscheinlicher werden, vor allem wenn die Impfkampagne mitten in eine laufende Welle hinein agiert.

Doch wie steht es um die Säulen eins und zwei? Die gefährdeten Menschen auf menschliche Weise zu schützen, ist keine leichte Aufgabe. Isolation und Wegsperren der Hochbetagten, wie es in vielen Pflegeheimen geschehen ist, bedeutet eine massive psychische Belastung, die in etlichen Fällen tödlich endet, vor allem bei dementen Heimbewohnern – nicht unbedingt in Form von Suiziden, sondern in Form von Verkümmerung und Vereinsamung. An die Stelle des Todes tritt der elende Tod – damit erreichen die „Schutzmaßnahmen“ das Gegenteil von dem, was sie vorgeben, erreichen zu wollen: die Dehumanisierung des Menschen. Also, Freunde, christlich ist das nicht! Denn der Mensch ist weder eine Maschine noch ein rein biologisches Wesen, sondern eine biopsychosoziale Einheit. Psychoneuroimmunologische Konzepte sind gefragt, wenn es um  den Schutz der vulnerablen Menschen geht. Abstandhalten und Tests können nur einen physischen Schutz bieten. Wichtiger aber ist es, das täglich alternde und vielfach geschwächte Immunsystem zu stärken: in erster Linie durch sozialen Kontakt, aber auch durch Bewegung, Spiel, Freude, Vitamine, frische Luft – Aus­gangssperren sind immunologisch Gift! –, Eigenverantwortung und Selbst­wirk­sam­keitserleben – sogenannte weiche Faktoren, die von bestimmten Interes­sens­vertretern nicht nur unterschätzt, sondern belächelt und letztlich ignoriert werden. Wer Forschungsansätze und die Therapiepraxis dazu kennenlernen möchte, findet reichlich Lektüre, z.B. bei Christian Schubert von der Uni-Klinik Innsbruck.

Säule zwei ist bisher in Deutschland ausgefallen. Zumindest hören wir von der Regierung nichts dazu und in den öffentlichen Medien wenig. Wenn wir einmal den Vergleich zu HIV ziehen: ein wirksamer Impfstoff wurde in den letzten Jahrzehnten nicht gefunden. Kontakteinschränkungen sind für die Infizierten geboten und strafrechtlich sanktioniert: als ungeschützter Geschlechtsverkehr, ansonsten nicht. Die soziale Integration HIV-positiver Menschen ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die zu einem funktionierenden flächen­deckenden Netzwerk der Aidshilfe geführt hat. Die Entwicklung wirksamer, effektiv lebens­erhaltender Medikamente hat Quantensprünge gemacht: HIV-positive Menschen können fast normal leben.

Es wird Zeit, vom heimlichen Vorbild der Pocken-Impfung wegzukommen, wenn es um eine Strategie im Umgang mit der Corona-Krise geht, und sich am Umgang mit dem HI-Virus zu orientieren: eine Impfung, die zur Ausrottung des Coronavirus führt, hat sich als Illusion erwiesen; die Nebenwirkungen und Risiken sind momentan nicht kalkulierbar, weil unzureichend erfaßt. Also erscheint es vernünftig, sich auf ein Leben mit dem Virus einzustellen – was für die überwiegende Mehrheit der Menschen, die dank ihres natürlichen Immunsystems nur einen asymptomatischen Verlauf zeigt, den mit Abstand gesündesten Weg darstellt. Die Politik steht vor der ehrenvollen Aufgabe, die Irrtümer zuzugeben, das Machtspiel zu beenden, die Deeskalation einzuleiten, die Weisheit der Bevölkerung ernst zu nehmen, statt sich auf handverlesene Experten zu verlassen, die in Interessenskonflikte verwickelt sind. Dazu wäre ein politischer Charakter von Nelson Mandela oder Martin Luther King vonnöten. In Aussicht ist er nicht.

Also sind die medizinischen Ressourcen auf die Früherkennung und frühe Behandlung von symptomatisch infizierten Menschen zu lenken. Hier gibt es – weitgehend unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung – in den letzten beiden Jahren erhebliche Fortschritte, mit denen es möglich ist, schwere Verläufe in den allermeisten Fällen zu verhindern. Zahlreiche Länder machen es vor und haben uns, was den Rückgang der Infektionszahlen betrifft, weit überholt: Mexiko, Schweden, Südafrika… Als Hindernis steht dabei hierzulande die medizinisch grob fahrlässige Quarantäne-Regel im Weg: Statt den betroffenen Menschen mit symptomatischer Infektion me­dizinisch beizustehen, schicken wir sie in die Isolation und geben dem Virus 10 oder 14 Tage die Chance, sich ungestört im Körper zu vermehren. Hier kommt es aber auf Geschwindigkeit an, um die Virenvermehrung zu stoppen – und dazu gibt es mittlerweile eine Reihe erfolgversprechender Mittel. Medizinische Einzelheiten finden sich beispielsweise in den Präventions- und Behandlungs­protokollen für der „Front Line COVID-19 Critical Care Alliance“ (FLCCC). Als Beispiel möchte ich außerdem  Carragelose erwähnen, ein natürlicher Stoff, der aus Rotalgen gewonnen wird, einen Schutzfilm als physikalische Barriere bildet und auf diese Weise verhindert, daß Viren die Schleimhaut infizieren, ihre Erbinformation in die Schleimhautzellen einschleusen und sich dort vermehren und ausbreiten. Vorteilhaft ist nicht nur, daß der Wirkstoff dort ansetzt, wo auch der Virus angreift, nämlich im Nasen-Rachen-Raum statt in der Muskulatur wie bei der herkömmlichen Impfung in Oberarm oder Gesäß. Vielmehr funktioniert dieser Mechanismus bei vielen weiteren Erkältungsviren, nicht allein dem Coronavirus, auf das die öffentliche Diskussion gegenwärtig in geradezu psychopathologischer Weise fixiert ist. „Ein Carragelose-haltiges Nasenspray bewirkt eine 80-prozentige relative Risikoreduktion für eine Infektion mit SARS-CoV-2“, sagt Prof. Dr. Ulrich Schubert, Forscher am Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfiehlt dem Klinikpersonal auf COVID-19-Stationen schon seit Dezember 2020 die Verwendung von Carragelose-Nasen­sprays. „Aber auch die Allgemeinbevölkerung kann damit ihre persönlichen Schutz­maßnahmen zur Vorbeugung erweitern“, sagt Ulrich Schubert. „Angesichts der In-vitro-Daten bin ich davon überzeugt, daß der breite Einsatz von Carragelose-Sprays gerechtfertigt ist und einen Nutzen haben kann. Zum einen wirkt Carragelose praktisch nebenwirkungsfrei gegen SARS-CoV-2, zum anderen schützt sie auch gegen verschiedene Erkältungsviren, wofür es umfangreiche Belege aus dem Labor und aus klinischen Studien gibt. Jede verhinderte oder verkürzte Erkältung reduziert insgesamt die Belastung unseres Gesundheitssystems, das jede Entlastung gebrauchen kann.“

Was haben wir davon in den öffentlichen Medien gehört oder gesehen? Welche Nasenspray-Experten wurden in die endlosen Talkshowrunden eingeladen? Welche Rückendeckung und finanzielle Unterstützung finden Ansätze zur medizinischen Versorgung von Covid-Patienten im Frühstadium sowie zur aktiven Gesundheits-Selbstfürsorge bei den „Gesundheitsministern“? Statt positiv und konstruktiv dem Einzelnen Sinn und Orientierung, Zukunftsperspektiven und Eigenverantwortung zuzusprechen und damit den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken, hagelt es von Seiten der Regierenden falsche oder leere Versprechungen, Halbwahrheiten und Widersprüche, einseitige Fixierung auf die vierte Säule der Impfungen, schließlich gesellschaftlich hochgefährliche Ausgrenzung, Diskriminierung, Verbote, Drohungen, Schwarzmalerei, Panikmache, Hysterie und eine Generalisierung der Angst. Wieviel Naivität ist nötig, um bei einer derart hohen Dosis an toxischer Kommunikation noch auf demokratische Zustimmung in der Bevölkerung zu hoffen?

Hier soll es weder um eine Abrechnung mit den allgemein beklagten Mißständen noch um eine detaillierte medizinische Handreichung für die Therapie von Covid-Patienten gehen. Vielmehr ist zunächst eine grundsätzliche Neuorientierung gefragt, eine Strategie, die aus der Sackgasse, in die uns die Politik der ehemals bürgerlichen Parteien gelenkt hat, herausführt zur Normalität, d.h. zu den bürgerlichen Grundrechten und Freiheiten. Ich fasse die notwendigen Schritte in fünf Punkten zusammen:

1. Covid ist als eine normale Infektionskrankheit zu behandeln: d.h. symptomatisch Erkrankte erhalten eine Differentialdiagnostik nach den üblichen Regeln der ärztlichen Kunst, damit die unspezifischen Erreger der Erkältungssymptome nach ihrer jeweiligen Ursache unterschieden und medizinisch behandelt werden können; das vermeintliche Verschwinden der Grippe und des Keuchhustens im Zuge der sogenannten Corona-Pandemie ist eindeutig als Artefakt infolge einseitiger Tests zu interpretieren. Allgemein gilt im Falle von Virusinfektionen der Grundsatz: Auf die Früherkennung kommt es an. Reine Quarantäne als überholtes, mittelalterliches Rezept der sozialen Isolation ist zu vermeiden, vielmehr sollen Symptome durch Multiplextests im breiten Spektrum nicht nur auf ein mögliches, sondern auf sämtliche bekannten Erkältungsviren überprüft werden, damit Ärzte die entsprechenden Therapeutika evidenzbasiert im Früh­stadium anwenden können. Die Fixierung auf ein einziges Infektionsvirus ist obsolet. Die Berücksichtigung der natürlichen Vielfalt der krankheitsverursachenden Erkältungsviren bei symptomatisch Erkrankten soll wieder medizinischer Standard werden, um eine individuell angemessene Behandlung zu ermöglichen.

2. Flächendeckende PCR-Tests und Antigen-Schnelltests bei gesunden Personen entsprechen nicht den Validierungsvorschriften dieser Verfahren, sind als ungültig zu bewerten und mit sofortiger Wirkung zu unterlassen. Insbesondere sind die Corona-Massentests an Schulen einzustellen, da sie weder epidemiologisch noch medizinisch ins Gewicht fallen. Um sowohl im Einzelfall, z.B. beim Besuch hochbetagter Verwandter, als auch für die öffentliche Gesundheit zu einer konstruktiven Teststrategie zu wechseln, sind Tests zum Nachweis der T-Lymphozyten („Gedächtniszellen“) als langanhaltende Immunantwort auf die verschiedenen Infektionsviren heranzuziehen. Mit dem Test auf aktive Gedächtniszellen sind folgende Vorteile verbunden: a) das Testergebnis gibt Auskunft über den Status der aktiven Immunabwehr der getesteten Person, b) das Testergebnis gilt nicht nur kurzfristig für 24 oder 48 Stunden, sondern langfristig über Jahre und ist daher geeignet, der positiv getesteten Person Selbst­vertrauen in ihre natürliche Immunabwehr zu geben. Es entsteht ein psychoneuroimmunologischer Kreislauf der Selbstverstärkung des Immun­systems. Zugleich wird das Gesundheitssystem massiv entlastet. Überflüssige Intensiv­kapazitäten, die im weltweiten Vergleich vor allem in Deutschland gewuchert sind, können dann tatsächlich abgebaut werden. Denn sie werden letztlich nur mit Patienten „aufgefüllt“, um die Profitinteressen der Krankenhausbetreiber zu befriedigen. (Wie kommt es, daß Schweden mit 5 Intensivbetten besser klarkommt als Deutschland mit 27 Intensivbetten pro 100’000 Einwohner?)

3. Menschen, die über keine T-lymphozytäre Immunantwort verfügen, können auf Wunsch Ganzvirus-Impfstoffe erhalten, im Fall von Corona z.B. „Sinovac“, „Valneva“, „Soberana“ oder am besten „Mambisa“ – diese Impfstoffe regen eine breitere Immunreaktion an als die momentan eingesetzten gentherapeutischen mRNA-Präparate, die bestenfalls eine Immunantwort auf Fragmente des Spikeproteins hervorrufen, das sich infolge permanenter Mutationen rasch ändern kann. Die europäische Medizinagentur EMA, die sich in den letzten Monaten vor allem durch unterschwellige Marketing-Aktionen für Biontech/Pfizer und sonst nichts hervorgetan hat, also durch Verhinderung von Konkurrenz und Marktwirtschaft, sollte diese weltweit erprobten Wirkstoffe auch in Europa zulassen. Außerdem werden die nachhaltig unkalkulierbaren Risiken und Nebenwirkungen der ungenügend erprobten und erforschten mRNA-Impfung vermieden. Im Falle von aerosolbasierten Virusinfektionen – dies betrifft nicht nur, aber auch Coronaviren – sind öffentliche Fördergelder vor allem für Wirkstoffe einzusetzen, die eine Anwendung in Form von Nasenspray ermöglicht.

4. Langanhaltende, in der Regel über Jahre hinweg wirksame Immunität gegenüber ansteckenden Er­kältungsviren wird vor allem durch die natürliche Infektion ermöglicht, die bei gesunden Per­sonen den Königsweg zur Erhaltung der Gesundheit sowohl für den Einzelnen als auch die Gesellschaft insgesamt beschreibt. Im Fall des Coronavirus ist unstrittig, daß die „Gefährlichkeit“ des Virus vor allem vom Alter der Person abhängt. Sämtliche Kontakteinschränkungen für die Allgemeinbevölkerung – im Neusprech künstlich als „Lockdown“, „2G“, „2G+“ oder „3G“  bezeichnet  – sind mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Sie bedeuten eine Geißelhaft der Mehrheit der ungefährdeten Bevölkerung zugunsten eines kleinen Teils der gefährdeten Bevölkerung, mit anderen Worten: eine Verwechslung von allgemein- und spezialpräventiven Maßnahmen, die, wenn man sie konsequent durchsetzte, zu massiver gesellschaftlicher Unruhe führen würden. Sämtliche Grundrechte, qua Geburt jedem Menschen durch die Ver­fassung bedingungslos garantiert, sind ohne Abstriche wieder einzusetzen. Anstatt Kontakte sozialphobisch zu vermeiden, ist es aus immunologischer und epidemiologischer Sicht wünschenswert, daß die Bevölkerungsteile, die kein oder nur zu einem verschwindend geringen Prozentsatz bei einer Coronainfektion ein schweres Atem­wegssyndrom erleiden würde, durch soziale Kontakte eine aktive Immunabwehr heraus­bilden und zugleich ihre psychische Gesundheit stärken können. Nach der aktuell vor­herrschenden, angstorientierten Ideologie („Team Vorsicht“) mag diese Strategie paradox erscheinen. Angst ist bekanntermaßen ein schlechter Ratgeber. Kurzatmiges Denken verstrickt sich in Widersprüche. Wer die Angst vor der Freiheit und dem sozialen Kontakt verinnerlicht hat, der schaue auf vorbildliche Länder, die von Beginn der Pandemie an auf Lockdown-Maßnahmen verzichtet haben, z.B. Taiwan oder Schweden: Sie haben die Corona-Krise, in der wir noch immer so scheinbar ausweglos tief stecken, seit langem überwunden, nein, sie haben die Corona-Krise lediglich von außen beobachtend erlebt und in erster Linie wirtschaftlich zu spüren bekommen, weil in den Ländern um sie herum die Lieferketten etc. eingebrochen sind. Also: keine Angst vor der Freiheit! (Die FDP hat sich ohne Not noch vor dem Abschluß der Regierungsbildung als er größter Verräter der bürgerlichen Freiheit erwiesen – welche Lobby steckt wohl dahinter?) Wenn wir uns die Hände geben und miteinander in Kontakt sind, wenn wir feiern und tanzen, trainieren wir unser Immunsystem! Laßt euch von den Ideologen der Angst nicht einschüchtern und in die (psychische) Krankheit treiben! Vor­sichts­maßnahmen sind nur dort zu treffen, wo Menschen aus persönlichen Gründen nicht (mehr) in der Lage sind, eigenverantwortlich für ihren Selbstschutz zu sorgen, z.B. bei einer Demenzerkrankung oder geistigen Behinderung – hier ist es erforderlich, daß Fremdfürsorge die Selbstfürsorge ergänzt, nicht nur in Hinsicht auf die Gesundheit, sondern auch in anderen Fragen des Alltagslebens.

5. Strukturell ist die Rückabwicklung des 2003 in Deutschland eingeführten Fallpauschalen-Abrechnungssystems bei den Kran­ken­kassen die entscheidende Präventionsmaßnahme, um einer Perversion des „Gesund­heitssystems“ im Sinne der Profitmaximierung vorzubeugen. Finanzielle Fehlanreize werden sich im Versicherungssystem nie gänzlich vermeiden lassen. Das System der Fallpauschalen führt jedoch nicht nur im Falle von Covid und der lukrativen künstlichen Beatmung, sondern in zahlreichen Fällen der Apparatemedizin zu einer ungesunden, ja tödlichen Entwicklung, in der die Klinikprokuristen informell mehr Einfluß auf die Diagnose haben als die Ärzte. In der Folge kann sich unser hochgelobtes, sogenanntes „Gesund­heitssystem“ finanziell allein durch die Vergabe bestimmter Krankheitsdiagnosen selbst erhalten – mit anderen Worten: Wir haben dank McKinsey & Co. unser Gesundheitssystem in ein Krankheitssystem verwandelt. Hier bedarf es grundsätzlicher gesellschaftlicher Debatten, der Offenlegung von Finanzstrukturen und schließlich energische Richtungs­entscheidungen. Der momentane „Gesundheitsminister“ K. L. als einer derjenigen, die mit Ulla Schmidt 2003 die Einführung des Fallpauschalen-Systems zu verantworten haben, ist dafür die am meisten ungeeignete Personalie.

Fassen wir die fünf Punkte zusammen, mit denen der Ausstieg aus der Corona-Krise auf dem kürzesten und sichersten Weg gelingt:

1. Behandelt Covid als eine normale Infektionskrankheit, d.h. legt Wert auf Früherkennung im Einzelfall und eine angemessene medizinische Behandlung durch den Hausarzt anstelle von Quarantäne. Entlohnt die Hausärzte dafür entsprechend. Auf diese Weise können schwere Verläufe nahezu vollständig verhindert und die Krankenhäuser entlastet werden.

2. Ersetzt Antigen-Schnelltests und PCR-Tests durch Tests auf T-Lymphozyten und erkennt deren Wirksamkeit über einen Zeitraum von Jahren statt von ein bis zwei Tagen an.

3. Vergeßt die Impfpflicht mit experimentellen mRNA-Wirkstoffen und bietet stattdessen den Menschen, die noch nicht über eine natürliche Immunantwort auf die aktuellen Erkältungsviren verfügen auf freiwilliger Basis eine bewährte Ganzvirusimpfung an, am besten in Form eines Nasen­sprays. Die Inanspruchnahme dieses Angebots soll weder Privilegien noch Verbote nach sich ziehen.

4. Fördert soziale Kontakte für alle Menschen, die sich eines gesunden Immunsystems erfreuen – sie stärken damit ihre eigene Gesundheit und entlasten das öffentliche Gesundheitssystem. Mut zur Freiheit!

5.  Wickelt das System der Fallpauschalen (DRG) wieder ab! Wir brauchen ein an den Bedürfnissen der Menschen orientiertes Gesundheitssystem, das nicht in erster Linie Profitinteressen verfolgt.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!

Von | 13. Dezember 2021

Die bürgerliche Gesellschaft kann sich nicht ausruhen auf einst errungenen Siegen oder Zugeständnissen der herrschenden Kaste. Sie wird von Partikularkräften auseinandergerissen. Demokratie muß heute nicht erkämpft werden, sie muß überzeugen. Verliert eine einst demokratisch legitimierte Funktionärsschicht die Bürgernähe, selbst wenn sie nur eine vermeintliche Minderheit ausgrenzt, diskriminiert, verfemt und verfolgt, pflanzt sie damit den Spaltpilz.

Mit dem Advent 2021 beginnt zum zweiten Mal ein Winter, in dem die Menschen in die Vereinzelung geschickt und die Kultur stillgelegt wird. Sozialismus oder Barbarei – so  beschrieb Rosa Luxemburg im Ersten Weltkrieg den Scheideweg, an dem die Gesellschaft ihrer Meinung nach stand. Wir Nachgeborenen wissen, daß sich die Gesellschaft damals für die Barbarei entschied. Im April letzten Jahres formulierte Slavoj Žižek das Schlagwort angesichts der Herausforderungen und Zumutungen durch Corona um in Katastrophenkommunismus oder Barbarei. Heute stellen wir fest: Es macht keinen Unterschied.

Welche Perspektive bietet die aktuelle Politik? Gegenwärtig dreht sie das Rad von der vierten Welle / dritten Impfung weiter zur fünften Welle / vierten Impfung und so fort ad infinitum. Die aktuellen Meldeformulare des RKI für die Krankenhäuser reichen gerade bis zur 6. Impfung 2023. Die Phantasie- und Perspektivlosigkeit der politischen Entscheider ist es, die sie auf den vermeintlich bequemen Weg der Verbote, Einschränkungen und Zwangs­maßnahmen, bis hin zur (teilweisen) Impfpflicht verführt. Die von den Funktionären verbreitete Perspektivlosigkeit und die Behauptung, sie sei alternativlos, zieht die Zuspitzung der Lage nach sich: Wenn kein echter Kurswechsel vollzogen wird, werden die  Entscheider an den Punkt kommen, wo sie  nicht mehr können, und die Menschen, über deren Köpfe hinweg entschieden wird, werden nicht mehr wollen. Wie sprach Laozi, der große Weisheitslehrer der Menschheit, in Kapitel 72 seines Buches Vom Weg und der Wirkkraft?

Fürchtet das Volk Abschreckung nicht,
folgt der große Schrecken.

Ohne Enge sei Platz zum Wohnen,
ohne Überdruß der Lebensalltag.

Nur wer es nicht zum Überdruß reizt,
dessen wird es nicht überdrüssig …

Manche mögen sich an Lenin erinnert fühlen: „Erst dann, wenn die Unterschichten das Alte nicht mehr wollen und die Oberschichten in der alten Weise nicht mehr können, erst dann kann die Revolution siegen.“ (W. I. Lenin, Der ‘linke Radikalismus’, die Kinderkrankheit im Kom­mu­nismus, Berlin: Dietz 1959, S. 738)

Der Überdruß wächst. Solange Ausgrenzung, Diskriminierung und Diffamierung von staatlicher Seite betrieben werden, weitet sich der Kulturbarbarismus aus und es entwickelt sich eine revolutionäre Stimmung, erst in den Niederlanden und Belgien, dann in Österreich, jetzt in auch Deutschland. Die Ostdeutschen haben Erfahrung mit friedlichem Widerstand. Der System­zusam­menbruch von 1989 ist noch in frischer Erinnerung. Auch damals ahnten viele zunächst nichts davon und verharrten in ihrer Kleingartensparte (Osten) oder Wellnessoase (Westen), lenkten sich ab und betäubten sich mit Selbstbeschäftigung. Manch ein heutiger Ministerpräsident besuchte 1989 noch die Grundschule oder Polytechnische Oberschule – kein Wunder, daß sie kein Gespür für den autoritären Gestus haben, auf den lebenserfahrene Menschen allergisch reagieren, Gesundheit hin oder her.

Eine Bevormundung wie in der DDR will sich keiner mehr bieten lassen, schon gar keinen vormundschaftlichen Staat – das ist die Karte, die jetzt gespielt wird. Beide Seiten haben technisch aufgerüstet, das Internet ermöglicht schnelle Kommunikation und Netzwerkbildung. Was in Tunesien, Algerien, Georgien, der Ukraine, Weißrussland aus der Ferne nur demokratie­theoretisch ge­priesen wird, will man demokratiepraktisch hierzulande nicht eingestehen: eine orangene Revo­lution. Tatsächlich sind es die Eliten der repräsentativen Parteiendemokratie, die sich eigendynamisch, oder sagen wir eigenmächtig von der Bevölkerung abgekoppelt haben. 20 Monate Regieren auf dem Verordnungsweg hat autoritäres Durchgreifen salonfähig gemacht. Daß es um Gesundheit geht, nimmt der Regierung kaum noch jemand ab – dazu haben sich die öffentlichen Medien in zu viele, für jedermann und jedefrau offenkundige Widersprüche verstrickt, Stichwort „Vollaufen der Intensivbetten“ als scheinheilige „Begründung“ für sämtliche Freiheitsbeschränkungen, während im Hintergrund die vorhandene Bettenkapazität als Folge eines bis in die Wurzeln mit monetären Fehlanreizen aufgestellten, profitorientierten „Gesundheitssystems“ still und heimlich abgebaut wird. Wer es nicht glauben mag, blicke ins Ärzteblatt vom 10.12.2021: aktuell wurden 34 Kran­ken­häuser mit Mitteln aus dem staatlichen Strukturfonds geschlossen …

Wenn die Politik nicht in der Lage ist, das Gesundheitssystem so zu steuern, daß es für die Gesundheitsbedürfnisse der Bevölkerung da ist statt für diverse Profitinteressen, wenn sie nicht in der Lage ist, in den letzten Jahren – bereits lange vor Corona – politisch gesetzte finanzielle Fehlanreize im System rückabzuwickeln, d.h. das Fallpauschalensystem postwendend abzuschaffen, wenn sie sich stattdessen von den Interessenvertretern, die am (vermeintlichen) Kranksein der Menschen verdienen, vor sich hertreiben läßt, dann ist der Punkt erreicht, an dem sie der Bevölkerung die Schuld dafür nicht in die Schuhe schieben kann.

Ist das nun nur eine revolutionäre Stimmung, befeuert im Stundentakt von ein paar sozialen Medien, oder ist das schon eine revolutionäre Situation? Will die Bevölkerung nicht mehr – Stichwort: Es reicht! – wie es auf den Demonstrationen immer wieder zu hören ist, und die Re­gie­rungen können nicht mehr, was sich in immer hilfloser erscheinenden Polizeieinsätzen, mittler­weile bereits gegen Alte und Kinder zeigt?

In der „östlichen“, d.h. griechisch-römischen, „autoritären Demokratie“, die uns Europäern in die kulturelle Wiege gelegt wird, ist es Usus, daß die Mehrheit über die Minderheit hinweg entscheidet und sich im Recht fühlt. Im Unterschied dazu beruht die „westliche“, d.h. indigen-amerikanische Demokratie auf dem Grundsatz, die Minderheit nach ihrer Façon leben zu lassen. Denn unzufriedene Minderheiten bedeuten Explosivstoff für die gesamte Gesellschaft. Reife Gesellschaften schützen ihre Minderheiten gegen die überbordende Macht der Mehrheit. Die europäische Demokratie hat daraus 1789 ihren bis heute uneingelösten Wahlspruch Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit abgeleitet. Diese indianische Weisheit scheint den europäischen Regie­rungen während der Pan­demie abhanden gekommen zu sein. Stattdessen glauben die Funktionäre, sie könnten den (vermeintlichen) Mehrheits­willen mit Zwang und Gewalt durchsetzen. Damit heizen sie die Spannung an und steuern geraden­wegs auf jenen Kippunkt zu, den sie eigentlich umschiffen wollen. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit werden der Bevölkerung nicht geschenkt, sondern müssen in jeder Zeit auf’s Neue eingefordert werden. Heute bedeuten sie das sofortige Ende jeglicher faktischen Ausgrenzung und Diskriminie­rung in Form von „1G“, „2G“ oder „3G“. Daran zeigt sich, ob die Demokratie lernfähig ist.

Sinnvolle Aufgabe

Von | 8. Dezember 2021

Zweite Klasse Grundschule. Die Eltern ließen sich wieder etwas Neues einfallen. Ich musste mit zu den wöchentlichen Einkäufen ins Metro-Center, sollte aber nicht in die Verkaufszone. Ich wurde also in der Cola-und-Fanta-Zone geparkt, durfte mich am Automaten bedienen und bekam neue Stifte zum Malen. Die Eltern wussten Bescheid. Sie wussten, dass sie mich so für mindestens zwei Stunden ruhig stellen konnten.

Und ich war ruhig gestellt. Ich freute mich, dass ich einen Tisch zum Malen ergattert hatte. Dass keine fremden Kinder auftauchten, sei es um mich zu bewundern, zu ärgern, meine Nähe zu suchen oder mir die Stifte wegzunehmen. Bockwürste wollten sie, schmissen sich auf den Boden und heulten. Nicht so ich! Ich erkannte den Platz, den ich mir selbst zugeteilt hatte, ging zielstrebig den Automaten an, wählte ebenso schnell das viel zu süße, viel zu kribbelnde Getränk aus. Ich klappte das Etui auf. Stifte sind Waffen. Die Eltern hatten ihre Ruhe. Ich zeichnete Gondeln und Häuser, elektrische Leitungen und Plastiksäcke voller Unrat. Dicke Wolken und Hubschrauber. Rennende Menschen, oder solche, die ihre Gärten umgruben. Mutter war begeistert, ich hatte mich zwei Stundenlang tatsächlich nicht vom Fleck bewegt – außer, um ein Gummitier in grün in eines in rot zu tauschen.

Ich strahlte vor Freude wie ein Atomkraftwerk. In der zweiten Klasse hatte ich, obwohl in Ausdruck und Konversation perfekt und in Schale, noch nicht gelernt, das Wort Depression zu buchstabieren, geschweige denn schwarze Umhänge, die übrigens fleißig gezeichnet wurden, als Auftakt von schlechter Stimmung zu verstehen. Irgendwie hatte ich jedoch bei Mutters wieder Auftauchen die Contenance verloren. Ich zeigte ihr eine Zeichnung, die mehr Schrift als Bild aufwies. Mutters Blick wurde streng. Ich war tatsächlich nicht in der Lage gewesen, das Wort „Kakao“ korrekt zu schreiben. Ich hatte frisch und fröhlich drauf los improvisiert. Das Ergebnis war verheerend.

Noch heute goutiere ich es milde lächelnd, wenn mich jemand, der mich gerade zwei Stunden am Stück los sein wollte und daher ruhig gestellt hatte, anschließend in Grund und Boden kritisiert. Hat es mir doch schon damals den Antrieb gegeben, mich zu geistigen Höhenflügen aufzuschwingen.

Fazit: Flügel benutzen!

Kleine Eselei

Von | 5. Dezember 2021

Lieber Ottokar Spieler : großer Vorsitzender

Der Internationalen Regulationsbehörde für sämtliche

Fragen der Tiergesundheit : du kennst dich

Sicher aus mit der anspruchsvollen Haltung

Von Eseln : nicht zu viel : nicht zu saftig

Das Futter : lieber Verdorrtes

In Deutschland wächst die Übersterblichkeit

Der Esel dramatisch infolge hoher Fettwerte

Infolge falscher Ernährung : sie mögen

Die Sonne der Steppe und ein paar Disteln : all das

Ist dir bekannt : und dennoch behandelst du uns

als wären wir senkrechte Esel : die ihren Nietzsche

Schlecht verdaut haben & zu allem I-A sagen

I-A : I-A : Denkst du : warum sind die Esel so

Störrisch : statt weiterzugehen : bleiben sie stehen

Schon schwingst du den Stock : lieber Ottokar

Was dir störrisch erscheint : ist ihre Klugheit

Sie wissen : was für sie gut ist : HA-LE-LU-IA

Und blicken sich um : ob es auch den anderen

in ihrer Nähe gut geht : kein Grund

Zum Prügeln : großer erboster

Vorsitzender : wir haben Instinkt & Verstand

Während du dich selbst vergessen hast : wer

Den Tod nicht kennt :  hat nicht angefangen

Zu denken : und du kannst nicht einmal richtig zählen

Vom Missbrauch der Kunst

Von | 3. Dezember 2021

Jetzt ist es soweit: 2G. Also eigentlich 1G – denn nach einem halben Jahr wird das G der Genesenen schon wieder ausradiert. Fast die Hälfte der Menschen wird von Literatur und Musik ausgeschlossen. Warum? Es soll Druck auf die Menschen ausgeübt werden. Aber, man erinnere sich, gilt nicht der Grundsatz: „mein Körper gehört mir“? Vom Bundesverfassungsgericht so formuliert: „Der Staat hat von Verfassungs wegen nicht das Recht, seine erwachsenen und zur freien Willensbestimmung fähigen Bürger zu ‚bessern‘ oder zu hindern, sich selbst gesundheitlich zu schädigen.“ Es ist ganz einfach: Jeder kann selbst entscheiden, was er isst oder trinkt, was er sich spritzen oder abschneiden lässt. Und selbstverständlich darf der Staat in dieser Hinsicht keinen Druck ausüben. Er mag Wünsche und Hinweise äußern, aber er darf die Menschen nicht bedrängen, an ihren Körpern etwas zu verändern. Heute erfolgt der Druck durch den Entzug grundlegender Lebensnotwendigkeiten – wie eben dem Entzug der Kunst. Wer dem Druck nachgibt, der soll die Belohnung erhalten. Was ist das nur für ein jämmerliches Menschenbild! Und, so muss hier hinzugefügt werden, um eine (Geschäfts-)Messe besuchen zu können, da genügt weiterhin ein Test. Aber nicht für die Kunst. Die Kunst, die Literatur, die Musik, sie werden vom Staat missbraucht und benutzt – es gibt hier keine besseren Worte – um durch den Entzug von lebensnotwendiger Musik und Literatur die Menschen zur Verletzung ihrer körperlichen Unversehrtheit zu drängen. Das ist erbärmlich. Wie tief wollen wir noch sinken?

(Stand: November 2021)

tagesschau

Von | 25. November 2021

der nachrichtensprecher
las heute anstelle der abendnachrichten
gedichte vor
vom herzbeben
den stürmischen gefühlen
von den gedanken
die eine seele zum zittern bringt
und der leere im kopf
den fragen hinter den antworten

und schaute mir in die augen
kleines
sagte er
du wirst dich noch wundern

Paris revisité

Von | 21. November 2021

Da ist sie wieder : die heilige Stadt

Der Verliebten : vor dreißig Jahren

War ich das letzte Mal hier : nun

Mit Tochter wie zum ersten Mal

:

Der Staub : der Lärm : die Kolonnen

Der Lichter : sie haben nicht

Abgenommen : die Höflichkeit

Blieb erhalten : doch Liberté & Égalité

:

Hat die Seine weggespült

Im rasenden Tempo der Schlepper

Der Kellner im Lieblingscafé

Fragt nach meinem Pass

:

Sanitaire und reißt mir den Kaffee

Aus den Händen : obwohl er mich

Schon abkassiert hat : sein freundliches

Merci Monsieur maskiert den Faschisten

:

Verkauft nicht an Ungeimpfte!

Er fühlt sich im Recht : ich führe nur aus

Was die Regierung verordnet hat : sonst

Nimmt niemand die Verordnungen

:

So genau : die Sonne knallt auf den Triumph-

Bogen : frisch enthüllt : der Regen nieselt

Auf Notre Dame : frisch gelöscht

Ich weine beim Anblick der Hochzeit

:

Von Franz Marc in Witebsk : hier ging

Wahrhaftig eine Welt verloren 

In den erfundenen Unterschieden

Zwischen Mensch & Mensch : einst

:

Feierten : tanzten : küßten sie einander

Ohne Unterschied : geheiligt allein 

Von der Liebe : ihr ungleichen Brüder

ihr habt das Wichtigste vergessen



Die Prostata von Berlin

Von | 29. Oktober 2021

„Damals, da hatt ich es so schlimm im Gesicht, da musst ich Cortison nehmen.“ Sie hatten mich in diese Haut gesteckt. Aus der anderen Ecke des Zimmers kam ein schabendes Geräusch. Sie drehte sich herum. der Dreispitz stand ihr gut. Wie eine Flut von rotem Haar breitete sich die Decke über sie.

Seltsam, denkt sie heute, dass wir immer nur von solchen Gedanken gesteuert werden, bei all unserer Lebensführung, gehen wir in Richtungen, von denen wir nichts ahnen.

Grund genug, auf immer zu verschwinden.

Es war eine lange Prozession. Sie hatte nichts dazu beigetragen. Nimm sie ernst und lass sie etwas tun. Führe ich Bahn, viel und regelmäßig, wären Ideen da wie Fliegen an einem schwülen Sommerabend. Steckmücken, besser.

Wir suchen danach und dann findet es uns, für einen Moment, manchmal bleibt es auch länger. Ich lösche die Scheinwerfer über dieser Familie. Es wird kalt.

Opa hatte ne Geschlechtskrankheit. Und ist Trecker gefahren. Kann man sich da so was holen? Sowas, wurde den Kindern erzählt. Und nun kommt das düstere Familiengeheimnis ans Licht.

Sie wusste, dass Gustav Klimt drei uneheliche Kinder hatte.

Geheime Gänge, verdeckte Türen, dunkle Nischen:

Von | 21. Oktober 2021

schneewimpern

tauen zu wasser
sagt man
wenn man über liebe spricht
dabei kenne ich
sie nicht persönlich

einmal begegnete ich ihr
im spätherbst
sie trug einen lila mantel
und einen regenschirm

sie nickte nur
im vorbeigehen
ich blieb stehen
und schaute ihr nach

Aphelium

Von | 22. September 2021

Der Wind flüstert Namen
wenn er Schwarz trägt
und wir eingefangen vom Licht
wie Seidenworte, ungesehen
vor dem Schattenkreis stehen

Zähle die Schritte
zwischen letzter Umarmung und wildem Wein

vergiss nicht
zu atmen

Ein Beispiel

Von | 19. September 2021

In Mustafa Khalifas Roman „Das Schneckenhaus“ (aus dem Arabischen von Larissa Bender) wird ein syrischer Filmregisseur, der eben in Paris sein Studium abgeschlossen hat und aus Liebe zur Heimat nach Syrien zurückkehrt, noch auf dem Flughafen Damaskus ohne ersichtlichen Grund verhaftet. Lediglich aufgrund einer Denunziation wird er, ohne Anklage und ohne Gerichtsurteil, in ein berüchtigtes Wüstengefängnis überstellt, in dem er jahrelang bleibt. Zu Beginn des Romans sehen wir ihn auf dem Pariser Flughafen Orly Abschied nehmen von seiner gleichfalls arabischen Freundin. Was könnte im Kopf dieser jungen Frau vorgehen, die in Paris zurückbleibt?

Neulinker Fuß

Von | 6. September 2021

Die Keule war ein Messer. Gelb und sehr scharf lag es auf der Anrichte bereit und wartete darauf, dass sie sich annäherte. Beiläufig streifte ihre Hand das Holz der Tischplatte und wischte das Messer über die Kante. Es stürzte auf ihren mit einem Pantoffel halb bekleideten linken Fuß und kam mit der Schneide auf. Ein kleiner Schmerz. Ein großer Schreck. Sie blickte hinab und erwartete eine blutige Fontäne. Doch da war nix. Doch nein, plötzlich merkte sie, dass sich der große Zeh nicht mehr bewegen ließ und seltsam abgespreizt nach außen zeigte. Die Sehne war glatt durchtrennt.

In der Klinik wurde ihr diese Sehne unter Teilnarkose wieder zusammengenäht. Die weitere Gesundung bedurfte eines längeren Zeitraums.

Vorerst war es ihr nicht möglich, ohne Hilfsmittel zu gehen. Sie lag darnieder. Viele Tage. Dann bekam sie einen sinnreich konstruierten Spezialschuh, mit dessen Hilfe ihr wieder die ersten Schritte in der Wohnung ermöglicht wurden. Dies alles war nur unter Zuhilfenahme mehrerer teilweise hochdosierter Schmerzmittel möglich. Die bisher als völlig selbstverständlich angenommene Beweglichkeit war für viele Wochen extrem reduziert.

Allmählich wagte sie sich wieder ins Freie. Anfangs kleine Ausgänge auf der Straße, rund um die Häuser in der Nachbarschaft. Dann wieder Spaziergänge im Park, wohldosiert und mit Hilfe von Wanderstöcken. Die Krücken hatten bereits ausgedient. Langsam kehrte die Beweglichkeit zurück.

Wichtige Teile des Organismus sind paarig geschaffen. Beide Beine brauchen sich in der Bewegung. Nur mit einem rechten Fuß ist freie Bewegung unmöglich. Es bedarf dazu der sinnvollen Ergänzung. Niemals würde man auf die Idee kommen, sich freiwillig und im Zorn  von seinem linken Fuß zu trennen. Der Körper als ursprüngliches Wunderwerk der Schöpfung wäre ohne fremde Hilfe nicht mehr lebensfähig und würde dahinsiechen.

Aus einem altlinken wurde durch Verletzung und Gesundung ein neulinker Fuß. Dieser heilte aus, und sie kann nun wieder frei durchs Leben gehen!

PS: Aufgrund der gegenwärtigen politischen Situation  musste diese kleine Geschichte etwas modifizieret werden. Das Messer zerstörte eigentlich ihren rechten Fuß…

Tönerne Krieger erobern das Abendland

Von | 24. August 2021

Auch Aggression muss sich in heutiger Zeit dem viel zitierten Paradigmenwandel unterziehen. So schickte vor 70 Generationen ein chinesischer Kaiser die Kopien seiner besten Krieger in den Untergrund und verschied, wahrscheinlich im Bewusstsein, dass noch einiges zu tun sein würde bei der Eroberung der Welt. Man könnte auch sagen, die Aussaat einer Idee fand statt, ein Keim zukünftiger Welteroberung wurde mit geistiger Klarheit und großem handwerklichem Geschick der Erde zur Langzeitkonservierung übergeben. Obwohl das lokale Herrschaftsgebäude des besagten Kaisers schon wenige Jahre später zu großen Teilen Opfer eines Bauernaufstandes wurde, überdauerte die Idee im Verborgenen ungefähr 2000 Jahre.

Nun tauchen seit einigen Jahren diese Abbilder eines ehemals mächtigen Heers gehäuft in europäischen Metropolen auf. Auch kleinere Orte, die sich selbst sehr gern als kulturelles Zentrum sähen, werden von dieser Invasion nicht verschont. Da die ursprüngliche Anzahl der tönernen Krieger keinesfalls ausreichen würde, um so viele Museen zu füllen, kann der Beobachter dieses Phänomens nicht umhin, neben dieser zeitgemäßen und symbolischen Invasionsmethode auch eine ebenso geartete Art der Mobilisierung der Truppen im Reich der Mitte zu vermuten. Betrachtet man die Anzahl der derzeit vorgeführten Ausstellungen, so muss man vermuten, dass zumindest einige mit Handwerkern und Material wohl ausgestattete Manufakturen die logistische Basis für diese historisch einmalige Disloziierung von Eroberungstruppen im Ausland bilden. Möglicherweise ist ja auch schon ein besonderer Industriezweig zur Absicherung dieses speziellen Exports entstanden.

Eng verbunden mit dieser Wiederauferstehung kriegerisch daherkommender Tonfiguren ist die Tatsache, dass sich die einladenden Institutionen offenbar auch im Konsens mit einer durchaus zeitgemäßen Methode der Konfliktbehandlung befinden. Auch die lebendigen Soldaten der UNO-Friedenstruppen werden ja in der Regel von den betroffenen Regierungen selbst eingeladen und unterhalten.

Das wirtschaftswachsende große China beginnt also symbolisch damit, seine Truppen in die Konfliktgebiete der westlichen Welt auszusenden. Unsere heimischen Krisen sind natürlich in der Regel viel diffiziler und verlaufen gegenwärtig in den seltensten Fällen in Formen von offenem Mord und Totschlag. Jedoch stehen die aus der Ferne eingetroffenen Besatzungstruppen auch in diesem Falle nur für zeitweilige Befriedung.

Vielleicht auch nur für Befriedigung des Bedürfnisses nach Ablenkung und Unterbrechung einer mittlerweile als existenziell empfundenen Langeweile?

Windjammer

Von | 22. August 2021

Müssen nicht klagen : vor der Küste

Weht meist steife Brise : furcht 

Das Haar und die Wellen : Felder

Der Endmoräne : alles ist hergetragen


Durch die Lüfte : stolz blähen sich

Segel überm Horizont : wenn wir

Diese Freiheit hätten : uns

Einander zuwehen zu lassen : nach


All den Stürmen : die hinter uns liegen

Weht hier ein laues Lüftchen : passend

Zum Alter : stürzen wir uns 

Bei Sonnenschein ins Wogende


In rötliches Licht getaucht : Kiefern

Die Genialität

Von | 13. August 2021

i.m. Jegor Letov

Gesucht wird eine gemeinsame Formel für Freiheit und Unterdrückung (Th.W.A.)

__

ist ein Bündel von Genialitäten

Das Genie ein Bündel Nichts

Das es zu tragen hat

Freiheit Ausbund

ist ein Nichts

Das Genie ein Bündel

Bündel Selbst

Mündel der Welt

in Dingen befestigt

abgestoßen

Von allen Seiten angezogen

Idol

O Jesus! Nein

*

‚An meinem Hemd ein Popel…‘ – ‚… ohne Namen!‘ —

so ist der Mensch im Weltall

* *

Der Bürger: Spion Gottes,

Bekenner einer Demokratie

Krater des Ungewissen

Gewiss nur der Tod

mitsamt seiner ungewissen

Unsterblichkeit

Mirabelle

Von | 11. August 2021


Schöne gute Frucht : jenseits Majakowskis

Revolution : wer hat das nicht gewollt

Einen neuen Menschen anzuzetteln

Schön und gut soll er sein seit 2021 Jahren


Niemand hat es vermocht : kein Jesus

Marx noch Xi Jinping : wir haben

Eimerweise von dir genascht : als wir

Beinahe mittellos im reichen Europa 


Unterwegs waren : zu Hause angekommen

Pflanzte ich als erstes einen Mirabellenbaum

In diesem Jahr trägt er zum zweiten Mal : golden 

Fallen die Früchte zu Boden : zerplatzen


Ein klebriges Festmahl für Wespen & Spatzen

Auch ich komme nicht los von ihnen : träum

Mich zurück in die armselige Idylle

Der Freiheit : die wir bis gestern genossen haben

DAO

Von | 9. August 2021

In fernen Tagen, wenn
Licht und Finsternis,
Herz und Verstand,
Wasser und Stein,
Welle und Teilchen,
Gedanke und Erinnerung,
Durch nichts
Sich unterscheiden,
Werden wir eingehen
In die Ewigkeit
Von Raum und Zeit
Am Ziel einer langen Reise.
Und niemand wird
Je von ihr erzählen.
Poetische Schwingungen,
Zarter Klang stummer Töne.
In allen Farben
Konturloses Schweigen.
Der Morgen danach
Wird ertrinken im Meer
Unendlicher Schönheit.

sprichst mich stumm

Von | 7. August 2021

in den umlauten
deiner glücksmomente
findet mich
eine wolkige stille

du fragst mich
nach der schüchternheit
unserer begegnung
wiegst das leichte nach

verschweigst dir selbst
das beben auf der haut
sag jetzt nicht baby
dass es am wetter liegt
oder an den umlauten

Heiße Semiotik

Von | 24. Juli 2021

Gedichte und Kaffee, in dieser Reihenfolge setzten wir uns auseinander

Auseinander gesetzt worden waren wir zum erstenmal

in der ersten Klasse: die Gebote der Jungpioniere

*

galten sie? Kalt

* *

vermerke ich: dieser Vers ist kein Schluss

Namenlos

Von | 23. Juli 2021

Ein blasser Mond,
Im Blau schwimmend,
Er kennt meinen Namen nicht.
Hinter Schleiern die Sonne.
Unklare Tage, Licht der Lüge,
Trugbild von Erwartungen.
Die Zukunft, die Unbarmherzige,
Nimmt uns mit großen Schritten
Mit sich fort. Auch sie
Kennt meinen Namen nicht.
Deine Spuren im Sand
Verlieren sich am Horizont,
Und der Wind der Zeit
Verweht alle Gedanken.
Kanntest du meinen Namen?
Worte, geschrieben im Staub
Der Vergangenheit. Im Spiegel
Menschen ohne Gesichter.
Doch auch ich
Kenne ihre Namen nicht.
Namenlos ist
Der Ursprung der Dinge.