… und die Zeitung druckt weiter

Zwischentexte

1. Ansgar

Damals hatten sie den Fußboden aufgestemmt. Das muss um 1980 gewesen sein. Albert war noch im Vorstand bei Hugo Boss beschĂ€ftigt, Viola betrieb einen Kosmetiksalon, ich weiß, das ist ein altes Klischee, der Mann aber, Albert, war nicht in einer typisch mĂ€nnlichen Branche beschĂ€ftigt, er war gelernter Schneider und hatte sich hochgearbeitet … aber davon wollen wir jetzt nicht reden. Das Haus, das stark sanierungsbedĂŒrftig bereits in den 1960er Jahren gewesen war, musste nun kernsaniert werden. Und dabei stemmten sie den Fußboden auf. Albert schwitzte. Aber nicht wegen der harten Arbeit, die andere leisteten. Er schwitze, weil er wusste, dass frĂŒher mit Zeitungen gedĂ€mmt wurde, Zeitungen, die sicher noch lesbar waren, und eventuell Material zu tage befördern wĂŒrden, das ihm helfen wĂŒrde, sich erneut mit Tante Violas Vergangenheit, der Vergangenheit ihrer Stiefkinder beschĂ€ftigen zu können. Was er zu Tage förderte war zunĂ€chst jĂ€mmerlich.

Da war zum Beispiel ein Zeitungsartikel aus dem Jahr 1907. Der alte Stadtanzeiger, auch damals schon mehr ein WerbeblĂ€ttchen als eine seröse Quelle von Informationen, aber aus diesem Grunde mehr geliebt als alle andere ZeitungslektĂŒre.

Der Stadtanzeiger war stark verblasst. Die Rezension, die dort zu lesen war, verheerend, etwas, das den Leumund ernst zu nehmender Menschen und Schauspieler grĂŒndlich zu verderben im Stande war. Direkt unter der LampenaufhĂ€ngung, in der Mitte des Zimmers, des damals großen Wohnzimmers, des Salons, war dieses BlĂ€ttchen nebst wirklich seriöser LektĂŒre zur Verhinderung von NervenschĂ€den einbettoniert worden. Und es war noch lesbar, lesbar gemacht worden offenbar, fĂŒr die Nachwelt erhalten, Albert war sich sicher, dass da Absicht dahinter steckte, 1980 sprach man noch nicht von AluhĂŒten, aber Viola hĂ€tte ihm damals sicher einen verpasst, die Stiefkinder waren noch zu klein, um etwas davon zu verstehen, aber Talente kapieren so etwas schnell.

Das dröhnende Lachen, das Werfen mit GegenstĂ€nden kann unter solchen UmstĂ€nden nur als skandalös bewertet werden. Innerhalb eines Jahres hatte Ansgar ĂŒber zwanzig Kilo zugenommen. Hatte er einst seinen Vater davon ĂŒberzeugen können, dass es sich bei seinen Schauspielversuchen um Marotten handelte, so war er jetzt ernsthaft dabei, seine Karriere zu ruinieren. Er hatte sein Publikum mit Gesten schockiert, die selbst seine ĂŒberdrehte Schwester nicht gutheißen konnte.

Und die Rezension im TageblÀttchen lautete ungefÀhr so:

Der ungelernte Schauspieler Ansgar B. hat sich im neuen StĂŒck, das er selbst geschrieben und auf die BĂŒhne gebracht hatte, um Kopf und Kragen gespielt – ja, lĂ€cherlich, Kragen – welchen Kragen, welche Kleidung ĂŒberhaupt, und der Kopf, der Kopf, sein Kopf war zu diesem Zeitpunkt anscheinend nur noch eine leere Porzellanschale, aus echtem Porzellan, aber leer.

Man verzeihe den Provinzschreibern ihre grauenhafte Handschrift. Niemand fragte sich, ob sie denn einen eigenen Stil hatten.

Genre: RealitÀtsschatten

Haiku

Herbst auf Lesbos
Wind blÀttert die Zeitung auf
Fotos mit Ratten

Genre: RealitÀtsschatten, Trauersymmetrie

Schnee _ *

Endlich! wird der Vers
_ _ _ zum Besitzer seines
Impulses, hat sich
* * * * * * ein zerfetztes
Segel ĂŒber die Erde

gelegt

Genre: Wortmysterien

was dichten sei?

gedichte schreiben

ein wenig verrĂŒcktheit kultivieren

Genre: Trauersymmetrie

lesung online

ich spreche gedichte ein
verse in stummschaltung
spiele ich bilder ein wie lebendig
spricht der himmel mit den kranichen im flug

Genre: RealitÀtsschatten, Trauersymmetrie

ausverkauf & neue mÀrkte

Haiku fĂŒr Heiko

erst die frauen
dann die ossis
jetzt die kinder

Genre: RealitÀtsschatten

Auftakt. Die Stille. Im Zimmer.

Kranke und Krankheit, ein Thema das manche zum Frösteln bringt. Doch mich bringt es in Hochstimmung. Ich ziehe mir einen Fellmantel an, binde einen Mundschutz um, renne vor das Haus, in den spĂ€therbstlichen Garten, beginne wie ein dummes Kind mit den Armen zu rudern und vesuche gegen den Sturm, in die aus einer Bleigießerei geflossenen Wolkenberge zu schreien, was niemand hört: „Ich brauche einen Reigen von fĂŒnf mal fĂŒnf Metern Person fĂŒr diese Materie, wer stellt sich mir freiwillig zum Experiment?“ Ein sandfarbenes Blatt verfĂ€ngt sich in meiner Felljacke, hĂ€ngt fest, klappert wie eine Motte mit ihren FlĂŒgeln, eine Motte, ein Falter.

Genre: GemĂŒtstiefe

Ende der Zahlenspiele

Teil 1: Die ĂŒbersehene Konstante

Wer den tĂ€glich erscheinenden Lagebericht des Robert-Koch-Instituts liest und auf der ersten Seite, genauer: in der zusammenfassenden Übersicht zu Beginn der ersten Seite, kleben bleibt, der kann angesichts der wachsenden („dynamischen“) Zahlen von Infizierten, Intensivpatienten und Ver­stor­benen im Zusammenhang mit Covid-19 nur in Besorgnis geraten. Diese Zahlen werden tĂ€glich im Halbstundentakt berichtet, als gĂ€be es keine anderen Probleme auf unserem Planeten. Wer dem durch hĂ€ufige Wiederholung abstumpfenden Zahlenjournalismus noch Aufmerksamkeit schenkt, kann nur resignieren oder in helle Panik geraten. Vermutlich gibt es zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Studie zu den sozial-emotionalen BeeintrĂ€chtigungen, die von der Berichterstattung in Zu­sam­menhang mit Corona hervorgerufen werden. TatsĂ€chlich wiegen die kulturellen und wirt­schaft­lichen Folgen, die von der phantasielosen Fortsetzung des „Lockdown“ ausgehen, schwerer als die psychologischen KollateralschĂ€den. Er geht auf Kosten der Kinder sowie ĂŒberhaupt fast aller Menschen, die jĂŒnger als 60 Jahre sind, erhöht das Armutsrisiko und spaltet die Gesell­schaft.

Zu befĂŒrchten ist, daß sich nicht nur die Mehrzahl der unkritisch gewordenen Journalist*innen, sondern auch der entscheidenden Politiker*innen, vor allem auf Landesebene, von den Zahlen­spielen auf Seite eins des RKI-Lageberichts beeindrucken lĂ€ĂŸt und schlicht aufhört weiterzulesen. Denn wĂŒrden die EntscheidungstrĂ€ger*innen und die Berichterstatter*innen den Lagebericht bis Seite acht studieren, genauer: den Abschnitt „DIVI-Intensivregister“, dann wĂŒrden sie ein anderes Lagebild gewinnen. Das Register wird seit April 2020 vom RKI gemeinsam mit der Deutschen InterdisziplinĂ€ren Vereinigung fĂŒr Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) gefĂŒhrt und ist auf www.intensivregister.de fĂŒr jede Leser*in zugĂ€nglich. Es dokumentiert die in Deutschland vorgehaltene KapazitĂ€t an ITS-PlĂ€tzen und gibt Ärzt*innen Einblick, wo freie KapazitĂ€ten zu finden sind.

Der Übersichtlichkeit halber beschrĂ€nke ich mich in der folgenden Darstellung auf einen wohldefinierten Stichtag pro Monat, genauer: auf jeweils den letzten Mittwoch des Monats bzw. den ersten Mittwoch des Folgemonats, wenn er nĂ€her am Ende des Vormonats liegt. (Der Mittwoch wurde gewĂ€hlt, weil der Lagebericht an diesem Tag die validesten Daten und darĂŒber hinaus die Ergebnisse der Laborumfrage enthĂ€lt.) Anfangs haben sich noch nicht alle Kliniken am DIVI-Verbund beteiligt, daher können die Angaben vom MĂ€rz nicht interpretiert werden. TrĂ€gt man die Angaben zur Auslastung der deut­schen Intensivmedizin fĂŒr das Jahr 2020 auf diese Weise zusammen, ergibt sich ein ver­blĂŒf­fendes Bild:

ITS_Auslastung_2020

Abbildung 1: ITS-KapazitÀt, Auslastung und Anteil der Covid-Patienten in Deutschland 2020 (Stichtag: letzter Mittwoch des Monats bzw. erster Mittwoch des Folgemonats, Quellen: RKI-Lageberichte)

Die gestrichelte schwarze Linie stellt die Zahl der zur VerfĂŒgung stehenden ITS-PlĂ€tze in Deutsch­land dar. WĂ€hrend des ersten Lockdown im FrĂŒhjahr wurden zusĂ€tzliche KapazitĂ€ten geschaffen. Im Juli/August, als die Positivquote dramatisch gesunken war, wurde begonnen, die Zahl der ITS-Bet­ten zu reduzieren. Erstaunlicherweise hĂ€lt der RĂŒckbau der ITS-KapazitĂ€ten bis zum Jahresende an, obwohl die Positivquote ab Oktober betrĂ€chtlich anstieg und mit dem „dynamischen Infektions­ge­sche­hen“ der zweite Lockdown im November 2020 sowie dessen VerlĂ€ngerung bis Ende Januar 2021 „begrĂŒndet“ wurde. Welche Politiker*in hat den RĂŒckbau der ITS-KapazitĂ€ten in Deutschland der Bevölkerung jemals erklĂ€rt? Welchen Motiven folgt er? Könnte nicht im Gegenteil ein Ausbau der In­tensivmedizin – wie im FrĂŒhjahr 2020 – einem befĂŒrchteten Kollaps des Gesundheitssystems vor­beugen? Vermutlich sind diese Fragen naiv gestellt. Es geht ja nicht um die Zahl der Intensivbetten, an denen gibt es keinen Mangel, sondern um die Zahl des Personals, das fĂŒr die Intensivmedizin ausgebildet ist: IntensivĂ€rzt*innen und Intensivpfleger*innen fehlen und sind nicht auf dem Bestell­weg zu beschaffen…

Die langweilig anmutende, blaue Linie in Abbildung 1 offenbart eine deutlich tiefergehende Er­kenntnis: Sie zeigt, daß die Gesamtauslastung der deutschen Intensivmedizin von April an geradezu konstant ist. Die Tragweite dieses Befundes muß man erst einmal verdauen! Ich hĂ€tte mit einer jahreszeitlichen Schwankung gerechnet, etwa einer höheren Auslastung im Herbst und Winter – ein konstanter Verlauf ist ĂŒberraschend. Er bedeutet zum einen in der Konsequenz, daß der Anteil der mit Covid in Zusammenhang gebrachten Patienten keinerlei Einfluß auf die Gesamtbelegung der ITS hatte. Weder hat der RĂŒckgang der Corona-Positivquote im Sommer zur Entlastung der ITS beigetragen, noch hat der „dynamische“ Anstieg der In­fi­zierten­zahlen, der im November und Dezember 2020 berichtet wurde, zu einer höheren Aus­lastung der Intensivstationen insgesamt gefĂŒhrt. Daß die Auslastung der ITS seit Beginn der Er­hebungen im April in keinem Zusammenhang mit Covid steht, weder positiv noch negativ, ist die bemerkenswerteste Erkenntnis der aufmerksamen LektĂŒre des RKI-Lageberichts. Sie bedeutet zum anderen, daß auch sĂ€mtliche nichtpharmakologischen Maßnahmen der PandemiebekĂ€mpfung, die seit April ergriffen wurden, keinerlei Einfluß auf die ITS-Auslastung hatten: Weder die schrittweise Aufhebung des ersten Lockdown im Mai/Juni, teilweise Schulöffnungen, Kohortenunterricht, Schulschließungen und die Schließung der Kultureinrichtungen noch die VerhĂ€ngung des zweiten Lockdown – weder eine entlastende noch eine ĂŒberlastende Inanspruchnahme der Intensivmedizin im Ganzen ist erkennbar.

Die Erhöhung des Anteils der Covid-Patienten auf den Intensivstationen im Herbst 2020 ist offenbar auf eine Zusatz­diagnose mit Covid bei Patienten, die ohnehin intensivpflichtig sind, zurĂŒckzufĂŒhren. Vorausgesetzt, daß Intensiv­ein­weisungen nicht wĂ€hlbar sind, „elektiv“ wie es so schön im medizinischen Jargon heißt. Oder wurde bereits anderen Patienten zugunsten von Covid-Erkrankten die Intensivbehandlung verwehrt? Diese Folgerung wird durch die hinlĂ€nglich bekannten Befunde von Klaus PĂŒschel bestĂ€tigt, der als erster im FrĂŒhjahr 2020 begonnen hatte, sogenannte „Corona-Tote“ zu obduzieren, und durchweg eine Reihe tödlicher Vorerkrankungen bei den Ver­storbenen neben dem Leiden an Covid feststellte.

Auf der ersten Seite des RKI-Lageberichts wird die Zahl der intensivpflichtigen Corona-In­fizier­ten als bezugslos herausgegriffene Zahl prĂ€sentiert, so daß ihr Kontext im Rahmen der gesund­heits­politischen Kennzahlen der Intensivmedizin aus dem Blick gerĂ€t. Es entsteht der Eindruck einer rasanten Steigerung der ITS-Auslastung durch Covid-Patienten. In Wirklichkeit handelt es sich um Patienten, die auch an Covid leiden, darĂŒber hinaus jedoch in der Regel weitere intensivpflichtige Er­krankungen aufweisen. Die Art der selektiven Berichterstattung ist geeignet, Furcht und Panik zu erregen.

TatsĂ€chlich beĂ€ngstigend ist dagegen die anhaltende Verknappung der ITS-KapazitĂ€t – mitten in einer Pandemie ein Unding fĂŒr eine ver­ant­wortungsbewußte Regierung! Von MĂ€rz an reichte die in Deutschland insgesamt vorgehaltene Reserve an freier ITS-KapazitĂ€t fĂŒr die Zahl der mit Covid diagnostizierten Patienten aus. Dies bedeutet, daß gelegentliche lokale EngpĂ€sse vom DIVI-Verbund auf­gefangen werden können. So wird es auch in den sogenannten „Hotspot“-Regionen Sachsens seit Herbst 2020 praktiziert. Die Verknappung der ITS-KapazitĂ€ten von Juli bis Ende Dezember um 6500 PlĂ€tze schmĂ€lert die Reserve zusehends – es ist bei der hier skizzierten Lage nicht nachvollziehbar, warum die Regierung einen Lock­down nach dem anderen verhĂ€ngt, zugleich aber dem RĂŒckbau in der Intensivmedizin nicht entgegenwirkt.

Aufwand und Nutzen sind aus den Fugen geraten. Die ma­the­matische Spielerei mit bezugslosen Zahlen, die auch von beraterisch tĂ€tigen Wis­sen­schaft­ler*innen an einigen Max-Planck- und Helmholtz-Instituten öffent­lich­keits­wirksam betrieben wird, hat Hochkonjunktur. Vergessen wir nicht, daß ein Modell nichts taugt, wenn ihm die empirische Basis fehlt.

 

Genre: RealitÀtsschatten, Trauersymmetrie

Anti-Ödipus; Oder: Wie ich auf meine Mutter masturbierte und dabei Logos und Eros miteinander versöhnte

Wie vieles in der PubertĂ€t geschah auch das sehr unerwartet. Es war an einem Sonntag. Ich quĂ€lte mich gerade mit Mathe, Binomische Formeln. Ich lief durch die Wohnung, verkrampft versuchte ich die binomischen Formeln auswendig zu lernen. Nicht eine Sekunde dachte ich an meinen Schwanz, an Muschis oder an Titten und Ärsche. Wie auch. Zahlen waren fĂŒr mich das unerotischste, was es gab. Ich fragte mich eher, wie Mathematiker ĂŒberhaupt einen hoch kriegten. – Und schon gar nicht dachte ich an meine Mutter, weder in diesem noch in anderen ZusammenhĂ€ngen. Ich dachte einfach nur an die binomischen Formeln, als ich


- Nein, Stop, das ist zu frĂŒh, da komme ich spĂ€ter noch hin. Außerdem wisst Ihr ja auch schon was ich erzĂ€hlen will. Interessiert es Euch ĂŒberhaupt noch? Oder wisst Ihr vielleicht genau, was ich meine, und könnt Eure eigene Geschichte erzĂ€hlen? Ihr? MĂ€nner? Ward Ihr schon mal geil auf Eure Mutter? Oder Ihr? Frauen? Ward Ihr schon mal geil auf Euren Vater? Oder Ihr? MĂŒtter?

Ihr lieben MĂŒtter, stellt Euch vor: Ihr steht vor dem Spiegel im Schlafzimmer. Es war ein harter Arbeitstag. Ihr seid mĂŒde, seid froh zu Hause zu sein. Euer MakeUp bröckelt, Euer Eyeliner ist verwischt. Ihr wollt loslassen, den Tag beenden, endlich Feierabend machen. Ihr wollt Euch eine Stunde nur um Euch selbst kĂŒmmern, Euch baden, Euch entspannen, Euch anfassen, Euch streicheln, Euch cremen und gemĂŒtliche Klamotten anziehen. Ihr steht also vor dem Spiegel, Ihr öffnet die Haare, die Bluse, den BH. Dabei schaut Ihr euch an, dabei schaut Ihr euch zu. Eure Bewegungen sind langsam, Ihr beobachtet Euch. Ihr beurteilt Euren Körper. Ihr beugt Euch nach vorn, zieht dabei den SchlĂŒpfer aus und dann. Dann spĂŒrt Ihr zwei Augen auf Eurem Arsch kleben. Euch ist zunĂ€chst nicht klar, ob es die Augen Eures Mannes oder Eures Sohnes sind. Vielleicht irgendwas dazwischen?

Die Augen Eures Mannes sind ein Kompliment, sind aber auch aufdringlich, geil, fast ĂŒbergriffig, denn sie beobachten Euch in einem intimen Moment, der dazu bestimmt war, nur Euch allein zu gehören. Diese intimsten Momente sind im Übrigen fĂŒr den Mann die geilsten Momente. Jedoch hĂ€ttet Ihr gewusst, dass Euer Mann zuschaut, Ihr hĂ€ttet Euch anders gegeben, Euch anders bewegt, nie hĂ€ttet Ihr Euch so betrachtet, wie Ihr Euch seht, sondern wie die Augen Eures Mannes Euch sehen sollen. Das sind ĂŒbrigens nur die zweitgeilsten Momente.

Die Augen Eures Sohnes sind auch ein Kompliment. Mehr aber auch nicht. Nie wĂŒrdet Ihr ihm sexuelle Ambitionen unterstellen. In Eurem Körper gewachsen, aus Eurem Körper geschlĂŒpft, von Eurem Körper getrunken, mit Eurem Körper gespielt, auf Eurem Körper geschlafen, denkt Ihr nur an diese heilige reine Einheit, an diese heilige reine Liebe zwischen Mutter und Sohn.

Das seht Ihr vielleicht in den Augen eines SechsjÀhrigen. Aber was ist mit den Augen eines 14jÀhrigen?

Eines 14jĂ€hrigen, der das Wichsen in dreijĂ€hriger, tĂ€glicher, fast stĂŒndlicher, anfĂ€nglich schmerzlicher Praxis zur Perfektion gebracht hatte. Der geil werden konnte, wann er wollte. Der den Muskel austrainiert hatte und beherrschte. Der bei jeder Gelegenheit abspritzen konnte, nachdem er heldenhaft die HĂŒrden des AnfĂ€ngertums angenommen und mit Bravur ĂŒbersprungen hatte. Der bis zu einer Art religiösen SchuldgefĂŒhl seinen Pimmel wundgerieben hatte, ihn blutig gewichst hatte, und selbst den verkrusteten Schwanz nicht verschont hatte. Der nie aufgehört hatte, nie aufgegeben hatte mit seinem Schwanz um die Herrschaft ringen. Bis er das KunststĂŒck vollbrachte, wĂ€hrend einer Werbepause, als die Eltern in die KĂŒche gingen und GetrĂ€nke holten, auf den Wohnzimmerteppich zu wichsen, die Wichse zu entfernen und entspannt wieder auf dem Sofa zu liegen, wenn die Eltern zurĂŒckkamen, als sei nichts passiert. Nur der Vater bemerkte diesen weich-herben Geruch. Oder war es doch nur der unerfĂŒllte sadistische Wunsch des 14jĂ€hrigen, irgendwann mal beim Wichsen erwischt zu werden, der dem Vater in die Nase stieg, so dass er schnaufen musste?

Ein echter Profi im Wichsen also, dachte ich an die binomischen Formeln, als ich ins Badezimmer ging. Meine Mutter lag in der Badewanne. Ich hatte meine Mutter tausendmal so gesehen, nein hunderttausendmal. GefĂŒhlte hunderttausendmal, denn realistisch gesehen waren es bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als 2555-mal. 2555-mal hatte ich ihre großen, runden BrĂŒste auf dem Wasser schwimmen sehen. Und erst mit dem 2556sten mal bekam ich beim Anblick der schwimmenden BrĂŒste meiner Mutter einen Steifen. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich der Herrscher meines Schwanzes gewesen. Ausgerechnet der Anblick meiner Mutter machte mich wieder zu seinem Sklaven, ausgerechnet der Anblick der schwimmenden Titten meiner Mutter. Ich stand in der TĂŒr und starrte auf ihre Titten, meine Augen hatten sich verhakt in diese wabernden tanzenden nassen nuckeligen
 Ja, warum sind Titten eigentlich so verdammt geil?

-Meine Mutter streckt den Kopf zurĂŒck, ihre Brust wölbt sich hervor und ihre großen, runden Titten schwimmen auf dem Wasser und kleine Wellen zĂŒngeln die Brustwarzen hoch. Das Wasser schwappt zurĂŒck und fĂŒr einen kurzen Moment sehe ich ihre Muschi rosa unter ihren schwarzen Schamhaaren hervorscheinen.

Meine Mutter schaut mich an, ich starre auf ihre Titten. Sie sagt etwas, ich höre es nicht. Ich starre auf ihre Titten und ich spĂŒre meinen Schwanz. Ich spĂŒre nur ihn,  denn er ist erwacht. „Geh bitte raus.“ sagt sie. Ich ĂŒberhöre es, denn ich spĂŒre nur ihn. „Geh bitte raus.“ sagt sie energischer. Und ich kann sie nicht lĂ€nger ignorieren und schließe die TĂŒr.

Was ich in diesem Moment dachte? Nichts, nichts dachte ich und nichts konnte ich denken. Mein Schwanz war erwacht und ich konnte nichts denken. Ich fand das weder abstrus, noch surreal, noch bedenklich. Das kam erst spĂ€ter. Mein Schwanz war erwacht und ich konnte nichts anderes fĂŒhlen als ihn. Mir war es nicht peinlich, ich schĂ€mte mich nicht, ich war nicht schockiert. Das kam erst viel spĂ€ter. Mein Schwanz war erwacht und ich konnte nur noch eins tun. Es gab nichts anderes zu tun als das. Nichts war wichtiger, nichts dringlicher, als dass ich in mein Zimmer rannte.

Ich rannte also in mein Zimmer, ich schloss nicht die TĂŒr, ich öffnete nicht meine Hose. Denn nichts war wichtiger, nichts war dringlicher, als dass ich meinen Schwanz in die Hand nahm. Von oben schob ich die Hand in die Hose, ich kniff mir in die Eichel. Ich dachte, nein ich dachte nicht, ich stellte sie mir vor. Die schwimmenden Titten meiner Mutter, die Brustwarzen von kleinen Wellen umzĂŒngelt, die tropfenden Schamhaare. Die nass-triefende Muschi meiner Mutter stellte ich mir vor. Und ich öffnete jetzt doch meine Hose. Mit geballter Faust erhöhte ich den Druck auf meinen Schwanz und spritzte ab. Ich spritzte auf meinen Schreibtisch, auf mein offenes Mathebuch und auf mein offenes Matheheft, auf die Aufgaben fĂŒr den nĂ€chsten Tag. Auf die binomischen Formeln spritzte ich. Ich beschoss sie mit meinem Sperma, verschmierte sie mit meinem Sperma, löste die Gleichungen mit meinem Sperma auf. Schnell schlug ich Buch und Heft zu, als hĂ€tte ich meine Aufgaben erledigt. Als wĂ€re alles getan, stemmte ich mich erschöpft mit beiden Armen drauf. Fertig.

+

Gerade gekommen, kam mir zusĂ€tzlich zu den binomischen Formeln die wichtigere Gleichung in den Sinn. ZusĂ€tzlich zu den binomischen Rechenwegen tat sich mir ein weiterer, breiterer, universellerer Rechenweg auf, wo Mathematik und Poesie miteinander verschmolzen. Wo eine Gleichung ein erotisches Gedicht war. Und wo ein Mathematiker schließlich doch noch einen hoch kriegte. Mir war plötzlich mit zahlenfester und ödipaler Sicherheit klar, dass nur die Mutter in dieser Gleichung die Variable spielen konnte.

Genre: RealitÀtsschatten

seidenstraße virtuell

die minzehÀndler in ihren cabriolets bringen die einnahmen
eines ganzen jahres ins land des sonnenaufgangs
von karawanserei zu karawanserei bei jeder ein motel
mit minztee und mÀdchen in safrankleidern
kardamom und weihrauch wĂŒrzige krĂ€uter
auch opium gegen die schmerzen und fĂŒr das vergessen
von zeit zu zeit ziehen heilige krieger auf kamelen
durch heilige kriegsgebiete
auf den bergkuppen flakgeschĂŒtze luftabwehr
raketen im schatten des halbmonds
unterwegs in den dörferm sprechen die menschen farsi
ein paar mandarin
und eine alte weise sanskrit
die minzehÀndler lachen trinken
vergnĂŒgen sich mit den mĂ€dchen
das geld wird weniger
wie das benzin in den tanks der staubigen cabriolets

Genre: RealitÀtsschatten

TrĂ€nen trocknen im Sonnenschein feat. “Utopischen Stress” (U. Hassbecker)

TrÀnen trocknen im Wind allein

Wenn die Katze kindlich ihren Schwanz jagt
Wenn der Hund seinen Nachbarn schwanzwedelnd

Wenn der Mensch stumm seinen Worten hinterherblickt
Wenn es hinterher nicht schlechter ist als vorher

Wenn gestern und morgen Freunde geworden
Wenn’s Geworden ein dampfendes Einst, bergend

*

Wenn hinter der Mauer die Steine einen Plan

Genre: RealitÀtsschatten

Weihnachten alleine feiern: Das können Sie tun

Genre: RealitÀtsschatten

Bier

„Bier ist die totale Einlullung.“

„Was? Wieso denn gerade Bier?“

„Na, Bier hole ich mir, wenn ichs mir gemĂŒtlich machen will. So zum Abend. So nach harter Arbeit. Da geh ich dann schnell noch mal in die Kaufhalle, hol mir drei oder vier Flaschen Bier, und dann zieh ich mich in mein Bett zurĂŒck und trinke.“

„Und das tut dir gut?“ (Ehrlich gesagt, finde ich Alkohol im Bett die totale Schlamperei. Rotwein? D’accord, meinetwegen. Aber Bier!?)

„Klar!  Klar tut mir das gut. Deshalb mache ich es ja. Bier, das ist Kindheit, das ist Geborgenheit und ich kann wunderbar schlafen. Bier macht selig in der eigenen Welt. Und A. lebt auch in seiner eigenen Welt.“

„Whiskey dagegen macht wach?“

„Wiskey? Habe ich nicht so die Erfahrungen mit. Auf jeden Fall lullt er dich nicht ein.“

Genre: RealitÀtsschatten

Drei Tage vor Weihnachten

Nun rattern die Erntemaschinen drei Tage
Vor Weihnachten ĂŒbers Feld : grĂŒn reckt sich
Das Futter empor fĂŒr die murrenden
KĂŒhe in offenen StĂ€llen : bald gehört
Der Mammutbaum mit seinen mÀchtigen
Wurzeln zum “heimischen GewĂ€chs”
Schnee kennen die Kinder
Aus Filmen der hundertjÀhrigen Eltern

Genre: RealitÀtsschatten

Wahlkampf 2021

Zarathustra antwortet Anne W.:

“Deshalb war die Westschule eine Volksverdummungsmaschine.”

[...]

“Und: Bitte entschuldigen Sie meine volkstĂŒmliche Ausdrucksweise!”

PENG\

“Sie sehen: das hier ist kein nachtrĂ€gliches PlĂ€doyer fĂŒr die sogenannte volkstĂŒmliche Bildung, sondern die polytechnische Kritik daran…”

Genre: RealitÀtsschatten

Hurz-Murz-Kurz

Auf ver-
dichtetem engsten Raum
drei Worte – alles
gesagt

Was gibt es da
zu schwĂ€rmen in GefĂŒhlen, frage ich Sie?
Na, sehen Sie! Alles Dichten
vergebens,

es hat sie keinen Deut weiter-
gebracht

Genre: RealitÀtsschatten

Text.verlust

J. W. Rosch (1.6.16)

Verlustanzeige fĂŒhrte zu keinem Suchergebnis.

Genre: RealitÀtsschatten

Vater, reloaded

Eingereicht am 15.10.2016 um 09:37

1) Mutter erzÀhlt mir von Vater. Dass er wieder nicht mit ihr redet und dass er jetzt bekloppt wird
2) Vater sagt zu mir, deine Mutter, die kannste vergessen
3) Tante Adelheid ist abwesend, denn zur Verwandtschaft besteht kein Kontakt mehr
4) Das hier ist ein Inselgrundst+ck
= Stoff fĂŒr einen großen Roman: Eine Generation schreibt sich ein. Und das seit fast 10 Jahren. Also doch kein Leerstand, keine Hohlbirne? Aber der Mirabellenbaum.

Tante Adelheid erschreckt ihren Nachbarn (Relaunch)
4 Beitrag ansehen

Genre: RealitÀtsschatten

.

Meine liebe Tochter,

ich glaube, dein Vater, der wird jetzt bekloppt. Und manchmal, wenn ich mir dich so ankucke, denke ich, der Apfel, der fĂ€llt auch nicht weit vom Stamm…

Genre: Rezensionen

* * *

Winter –
Bahnhof der ErkÀltung.

Genre: Rezensionen

Dein Museum : FĂŒr die Musen

f. U.R. & R.B.

Hier in F. fĂŒttern sie die Ultras mit Politik.
WasserhÀuschen allerorten, eine Frage der Tradition.
Der Arbeiter-Samariter-Bund erhielt eine eigene Schule, sollen
sie sich doch selbst, ohne fremde Hilfe, zugrunde-richten.

Du hattest die gleiche kehlige Schwarte um den Hals wie ich:
“Ouma, sollisch dier die Flasche uf-f’n Nischel hauen?!”
Wir lachten. Ihr fragender Blick – der höchste Punkt,
an dem eine Kindheit festgemacht werden kann.

Du lachtest nicht, als sie die Motoren anließen um halb fĂŒnf in der FrĂŒhe.
Die weiße Milch war noch schwarz.
Als die Augen der Emigration dir drohend zuwinkten,
drohend? Äugelein? warst du bereits ein Pirat und ich: – Steuermann.

Hast du das Schiff auch gesehen, in Oslo, ..?
Wir kennen uns nicht.
Ich hörte von dir.
Herzwurzelfreund – das ist meine letzte Zeile fĂŒr dich

*

Neunauge, sei wachsam!
Überall
regt sich: S t r e b e n -
und leider immer
menschliches … o Götter,

Vater mit allen
deinen A f f e k t i o n e n
& Stoffumwandlungen,
Momenten der Erleuchtung
& des wirkenden Äthers -

lasst uns zuteil werden,
was lange schon unser!

Genre: RealitÀtsschatten, Trauersymmetrie

** *

Das Wasser der Meere steigt.
Nein!
Es sind nur die Inseln, die untertauchen

&

weil angeblich alles relativ ist -
relativ und verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig -
nehmen wir die Endlichkeit unserer Leben ernst.

Angeblich Àndert sich nichts.
Angeblich sind wir

*

Und immer die Sanftmut
deren
(Vorsicht, Zuversicht, “freie”

in der Geschichte vom Riesen
in Bewegung

Auf tönernen FĂŒĂŸen steht
die Schrift

Schon der letzte
König der Etrusker
wunderte sich

Schafsfell, LedergĂŒrtel, R i c h t u n g

Genre: GemĂŒtstiefe, Rezensionen

Atlantisches GlĂŒck, ozeanische Trauer (letztes apogramm: “In der Badewanne… ]}

Ich pullerte.
Nein!
Es pullerte mich

Genre: RealitÀtsschatten

Featuring : Josif Brodsky : Wiegenlied

Ich gebar dich in der WĂŒste
nicht zum Spaß.
Sondern weil im bittenden Gedenken sie
keinen König hat.

In ihr sucht man dich umsonst.
In ihr wÀlzt
Sich des winters mehr KĂ€lte um, als ihr
Raum selbst.

Manche haben Spielzeug, einen Ball, und
das Haus ist hoch.
Du hast fĂŒr die Kinderspiele allen Sand
- dieses ganze Loch.

Gewöhn’ dich, Söhnchen, an die WĂŒste
wie ans Los.
Wo auch immer es dich hintreibt, Gott
ist groß.

Ich ernÀhrte mit der Brust dich,
aber sie
lehrte dich den Blick voll Leere,
ganz wie sie.

FĂŒr jenen Stern – dessen Abstand
schrecklich ist – wird in ihm
deiner klaren Stirn Leuchten
einmal deutlich sein.

Gewöhn’ dich, Söhnchen, an die WĂŒste,
unterm Tritt
hast du ihre BruchstĂŒcke, keine andere Gewissheit
bringst du je mit.

In ihr liegt vorm Blick offen das Los.
Alles Holz
in ihr zeigt dir leicht deinen Berg,
sein Kreuz.

In ihr sind die Pfade menschlich nicht,
erst einst!
Wenn die Menschen weg sind, findet Raum
Zeit.

Gewöhn’ dich, Söhnchen, an die WĂŒste,
wie die Prise Salz
an den Wind, fĂŒhlend, dass du mehr bist
als Staub & kalt.

Lern’ zu leben mit diesem Geheimnis:
sein GefĂŒhl
wird dir nĂŒtzen, einmal, in des Herzens
Leere & GewĂŒhl.

Sie ist schlimmer nicht als beide:
lÀnger, schmaler nur,
und die Liebe zu dir ist ihr Stigma, Zeichen fĂŒr
deines Sandes Uhr.

Gewöhn’ dich an die WĂŒste, Lieber,
an den Stern,
der in ihr sein Licht mit solcher
Kraft vergießt,

als entzĂŒndet’ er die Lampe, sich zu spĂ€ter Stund’ an
den Sohn erinnernd, jenen, der in ihr -
in der WĂŒste lĂ€nger schon ist
als wir.

Dezember 1992

Genre: GemĂŒtstiefe

Und auf dem Grabstein soll man lesen

Und auf dem Grabstein soll man lesen: er kĂ€mpfte gegen den Schwein-Schein/die Art// die Grammatik und riss seine/ihre Schwere von sich herunter. Er sah keinen Unterschied zwischen der menschlichen Art und den Arten aller Lebewesen und stand fĂŒr die Verbreitung des Gebots & seiner Maxime “Liebe deinen NĂ€chsten wie dich selbst”. Er nannte die unteilbaren nĂŒtzlichen Lebewesen seine NĂ€chsten und verwies auf den Nutzen der Nutzung aller Lebenserfahrung Ă€lterer Arten. Tiens! so nahm er an, entspricht dem Segen der menschlichen Gattung die EinfĂŒhrung einer Art R{a/o]boter, eines Raub-Otters nach der Art der Arbeitsbienen im Bienenstock, und nicht nur einmal erklĂ€rte er, /…// in der Idee der Arbeitsbiene/des nektarsaugenden Kollektivwesens// des [zukunftsweisenden} Arbeitstanzes sein persönliches Ideal sieht. Er erhob das Banner der galilĂ€ischen/galileischen Liebe und hob es hoch hinauf; und der Schatten dieser Liebe fiel auf viele nĂŒtzliche Arten von Lebewesen. Das Herz, den Leib des modernen Durchbruchs/Aufbruchs// {Quanten-]Sprungs der menschlichen Gemeinschaften vorwĂ€rts, sah er nicht im FĂŒrst-Menschen, sondern im FĂŒrst-Gewebe – dem nutzbringenden Klumpen/[Schnee-}Ball// Kloß, der in die datenverarbeitende/Nachrichten verteilende SchĂ€delkiste eingeschlossen ist. Durchdringend trĂ€umte ihm, Prophet und Großdolmetscher des FĂŒrst-Gewebes und nur dieses zu sein. Indem er durchdrĂ­ngend seinen Willen erriet/voraussagte// in Hypothesenform zur Geltung brachte, trĂ€umte er in einsamem Durchbruch/Aufbruch// {…} seiner Knochen, seines Fleisches, seines Bluts von der Verkleinerung des VerhĂ€ltnisses Epsilon zu Rho, worin Epsilon die Masse des FĂŒrst-Gewebes und Rho die Masse des Tod-Gewebes, bezĂŒglich seiner selbst sei.
(…)
24.11.1904

Genre: GemĂŒtstiefe, RealitĂ€tsschatten, Wortmysterien

* * *

Gegen
das Verbot des Königs
kĂŒsst Antigone
ihren toten Bruder
ohne Maske.

Genre: Erinnerungsbrösel, Trauersymmetrie

Aus: GesprĂ€ch mit Dir (2013 – ?)

Die Lust, etwas zu schreiben.
Die Erinnerung an gestern Abend,
mit dir. Der Duktus des gerade
Gelesenen, wirkend. Spiegelneuronen…
Das Gelesene wirkt, die Phantasie
arbeitet. Du bist nicht du,
und nicht sie. Sie – eine
andere, ferne.

*

So sind wir beieinander & kennen uns nicht.

**

Anarchisches Teetrinken (Baal…)
und der Schnitt, Entschluss zum
Handeln – Entscheidung … sie
war Körper, damit du Denken
werdest. Denn sie sie liebt dich

*

Yeah, yeah, yeah … erzwungenes
Abtauchen, zum GlĂŒck schlafen
noch alle … das Becken hat jetzt nur
einen Besucher; ich denke an
dich, denn du bist mir nah

Genre: GemĂŒtstiefe

[wegelbach

in den stillen winkeln der wiesen
die grÀser zittern noch
vom licht
von den wilden gedanken
wie es frĂŒher war
unter dem schnee unter
den hufen der huftiere
damals lebten unter der erde noch zwerge
alle sind
alles ist

verschwunden

der wolkenhimmel
streift die fehlenden zÀune
sie taten dem gras gut und
schĂŒtzten es
vor der unbill der zeit

Genre: Erinnerungsbrösel, Rezensionen, Trauersymmetrie

Und (365)

immer noch die Natur, die keine SprĂŒnge macht;
geh’ (endlich) arbeiten!

Genre: Erinnerungsbrösel

Rhythmen

auf trockenes Laub
der Klang fallender Tropfen
ist fraglich

auch Winter haften nicht (am Boden)
fĂŒr nichts, weder Schnee
noch Stille

wie Zugvögel, Zeitgenossen
dĂŒnn ist das Brot der Magerjahre
mit Durst in vier Himmels-Lichtungen

das Licht kreist und fÀllt
WasserlÀufe in Schluchten
ermÀchtigen den Keimling

Genre: RealitÀtsschatten, Trauersymmetrie