Legostein

Mit vollem Mund redete Vyvyan weiter. »Ich bin doch nur dein Legostein. Ein Legostein, der so schön in dein … offenes Haus passt. Weil man ihn schon von weitem leuchten sieht.«

Eduard spürte, wie eine eiskalte Welle ihn überspülte und auf seine Gedärme schlug. »Weißt du was du bist, Vyvyan«, sagte er, in seine Schallplattensammlung hinein: »Was du wirklich bist? Du bist ein… ein maßloser Egoist.«

Er hörte, wie Vyvyan den Stuhl zur Seite schob und seine Beine darauf legte. Immer machte er das, während des Essens, während der Soirees mit den – anderen Männern … immer machte er das – so.

»Ein – Egoist?« Vyvyans Stimme nahm wieder diesen Operettenton an: »Egoist … passt doch perfekt zu der Vorstellung, die sich alle hier von mir gemacht haben. Passt doch perfekt zu dem, was sie wollen. Für ihre … um dein Wort zu gebrauchen: maßlosen Fantasien.«

Eduards Herz pumpte. »Du hast dich doch … gern für sie entkleidet. Du hast es genossen, sie zappeln zu lassen. Du hast es genossen, wenn sie schon ganz … aus dem Häuschen waren. Und immer, immer hast du entschieden … du … hast entschieden, wer dich wie … lieben durfte.«

crysantheme
Vyvyan. Der Name allein war schon eine Pose, ein Kostüm. Ich dachte an die Dandys des 19. Jahrhunderts, jene Männer, die sich nicht kleideten, sondern inszenierten. Baudelaire hatte sie als Priester der Schönheit beschrieben, Wilde als Märtyrer der Eleganz. Und während Eduard sprach, sah ich in Vyvyan genau dieses Erbe.

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