Autor-Archive: Nurio Quevadis

Ganga

Von | 31. März 2010

Westlich von Haridwa läßt du die Kälber aus deinem Euter trinken : du Kuh aller Flüsse & Flüßchen : die Indiens Norden durchfließen : der Himalaya gibt dir die Milch seiner Gletscher : damit du den Indern als heiliges Tier auf allen Straßen nachlaufen kannst : ich schwimme & tobe in dir : ohne vorm… Weiterlesen »

Kommt & endet

Von | 31. März 2010

Es ist noch märz & schon fiel heute Schnee : der winter kommt & endet Nicht : wir ziehen ein langes gesicht Die flocken treiben am fenster vorbei : so wird Es weitergehen : in wattekoks wird eingehüllt Alles : was wir sehen & wir Werden eingelullt von diesem märz Im schnee : april &… Weiterlesen »

Ganga morgens

Von | 9. März 2010

flott strömt sie dahin : so schnell daß sie die heerscharen orangefarben gekleiderter pilger nicht bemerkt : die langsam auf der brücke über sie hinweg schreiten : während eine horde raftingbegeisterter darunter wegtreibt : den runden schädel mit einem helm gegen harten aufprall bewehrt

Temperaturen

Von | 10. Februar 2010

Dieser Winter hat etwas Ewiges : Schnee sträuselt durch den gelben Lichtkegel der Straßenlaterne herab : der Abend ist eine historische Fotografie im Sepiaton : was kehrt noch zurück : aus welcher Zeit : die aussterbenden Dinosaurier des staatsmonopolistischen Kapitalismus : längst totgesagt von unseren toten Genossen : Lenin & Stalin & Bucharin : die… Weiterlesen »

Verstummte & vermummte

Von | 24. Januar 2010

Kurze trennungen beleben die liebe Lange trennungen lähmen sie Dachte ich bis heute : liebe leute Liebe läutend : hielt ich das telefon ans ohr & hörte deine vor : würfe : kaum Hatte ich den hörer empor : gehoben Da raschelte es : klagte es : ich Verstummte & vermummte mich Bin das ich… Weiterlesen »

Wieder : in pluderhosen

Von | 16. Januar 2010

Katzenduft in wurzen Rausschmiß in riesa Verspätung in waldheim Kurzer aufenthalt in leipzsch Schon ist die reise vorbei Wir sehen uns wieder : in pluderhosen Wir riechen uns wieder : vorm abtritt Wir hören uns wieder : in der telefonleitung des chefs Dein talent ist respektlosigkeit Mein talent ist provokation & du bist beleidigt (was… Weiterlesen »

venen im pelz

Von | 29. Dezember 2009

An der leipziger skala läuft ein stück, das die grenzen herkömmlichen bühnentheaters sprengt und dennoch theaterspiel mit vorgegebenen rollen bleibt, sich nicht in improvisation auflöst. Die rede ist von „im pelz“, einer bearbeitung, die katharina schmitt an der „venus im pelz“ von leopold sacher-masoch vorgenommen hat. Dem programmzettel zufolge hat sacher-masoch vier jahre in leipzig… Weiterlesen »

Halbgefrorn

Von | 23. Dezember 2009

Es hat geschneit : die autos stehen still Kein starker arm : es rieselt sacht Kein riese : kein führer : kein gott Halbgefrornes wasser dämpft Den verkehr : der lebenstrieb Kehrt zurück zum leben : wärme Kommt von innen : dahin Igeln wir uns ein

aus + lauf

Von | 8. November 2009

ich brauche mein revier + sonst du weißt schon + werd ich ungenießbar + breche aus + lauf weg von hier + umsonst sind spott & hohn + es ist nichts wahr ich muß hier raus + das sag ich dir

kapitalismus + tagsüber

Von | 25. Oktober 2009

ich fahre mich von mir weg + im auto wird die nacht zur hölle + bisweilen blitzen + wie feuer + scheinwerfer im spiegel auf + kalte gesichter blicken fahl + auf den parkplätzen sammeln sich die kolonnen + hier ruht der kapitalismus + tagsüber rollt er überrollt mich + ich fahre mich weg +… Weiterlesen »

schönes wochenende

Von | 24. September 2009

hinaus in den wald : nebel hat sich auf die schützen- gräben & granattrichter gelegt : nah sind die seelower höhen : wir haben sie nicht gesehen : in einen grünen see sind wir getaucht : in deiner kindheit an land gegangen : im verlassenen strandcafé alterte die frühe liebe : verschlungene wege erschöpfen den… Weiterlesen »

gut dazwischen

Von | 14. September 2009

nun lieg ich überm schnarcher im abteil + eingepferchter hering : ich + kann nicht schlafen + kann nicht schnarchen + kann nur träumen : mich erinnern + luftig reiste ich + einst von xian nach chengdu + die chinesen waren zahlreich : aber kleiner + ich lag gut dazwischen + nochmals im liegewagen reiste… Weiterlesen »

träge im trockenen

Von | 4. September 2009

ich sitze hier mit hut & sonnenbrille + sonst nichts höre die wellen an grobe steine schlagen + höre das lachen der drei frauen + die nackt ins wasser springen & um die wette tauchen + während ihr mann am ufer lümmelt + träge im trockenen klatschen sich die frauen auf den hintern & jammern… Weiterlesen »

fleischhöhle

Von | 7. August 2009

bei vollmond bist du gekommen + wenn das nichts zu bedeuten hat + nackt bist du erschienen + wir haben dich umhüllt & gekleidet + du schläfst unentwegt den schlaf der fleischhöhle + während die sonne anfängt + dich zu kitzeln der wind durch die balkontür streicht + die gewöhnliche welt beginnt + sich um… Weiterlesen »

schuld : irrglaube & wahn

Von | 6. August 2009

leipziger innenstadt : ein ort den ich meide : gewöhnlich lebe ich an den rändern & kreise durch die peripherien nur heute begleite ich dich ins innere : damit du erlöst wirst von der frucht & auch ich erlöst werde von der schuld : irrglaube & wahn es gibt keine erlösung : prophetinnen eilen im… Weiterlesen »

nichts ist besser

Von | 11. Juli 2009

nichts ist besser als alles ich will nicht alles haben ich kann nicht alles haben alles macht mich alle lieber ein bißchen nichts als von allem etwas nietzsches „nichts“ sticht heideggers „nichtet“ vergewaltigung des nichts im geiste denn aus nichts kann alles erwachsen aber alles kann nur weniger werden sagt das dichterschwein sagt der schweinedichter

duna

Von | 1. Juli 2009

Donau : duna : du nah da bist du mir nah : stilles Wasser : aufgestaut : für regen Schiffsverkehr : ich fahre an dir entlang : du nimmst mich in die Arme : daher du nah : duna : Donau

poesie ist keine lebensform

Von | 26. Mai 2009

poesie ist keine lebensform poesie spielt mit wörtern poesie ist kein glaube poesie spielt mit wörtern poesie ist keine ersatzdroge poesie spielt mit wörtern poesie ist kein broterwerb poesie spielt mit wörtern & ihrer bedeutung & mit poesie ist politik zu machen

nurio quevadis‘ frau

Von | 24. Mai 2009

meine frau ist graphikerin : sie hat käthe noch kennengelernt : sie liebt schwarz : die farben der anden : ich schreibe : sie liest : ihre ideen stammen aus texten : die farben aus dem unausprechlichen : sie greift nach der kohle : ich ergreife die feder : wir könnten nicht gegensätzlicher sein :… Weiterlesen »

jetzt

Von | 11. Mai 2009

birken & schotter + tieffliegende vögel kuckucksschrei & lebensgefahr + ansteigendes wasser + birken & ein einsames schiff voller passagiere & kein haus zu sehen + nur birken & das blätterrascheln im wind + schotter & kleine schluchten wie lippen + wie deine hand greift das gras aus den steinen & in der ferne heulen… Weiterlesen »

geliebte : illusion

Von | 14. April 2009

geliebte illusion : du läßt mich schlaflos zurück : treibst mich gegen den wind ans uferlose der kunstseen : führst mich spazieren wie einen treulosen hund durch die zwinger : läßt mich warten mit den gedankenlos satten am säumigen brunnenmund : es gibt keinen grund für diese nächtliche bewegungslust : die an der deutschen jammerlust… Weiterlesen »

den Atem dicht

Von | 1. April 2009

an einer Tulpe habe ich gelehnt : der Kelch berührte meinen Glockenbauch : ich Glockenmann : in dieser Nacht vom Turm befreit : wir drehen uns : den Atem dicht am Ohr : das gab es schon das gabs noch nie : die Knie versponnen ins Gespräch : du schiebst du blühst : du Tulpenfrau… Weiterlesen »