Das Fünf-Punkte-Programm: Dekrete zum Ausstieg aus der Corona-Krise und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt

Über Ausstiegszenarien aus der Corona-Krise wird gegenwärtig nicht diskutiert. Jedem Versuch dazu wird mit dem „Argument“ begegnet, man müsse sich alle Möglichkeiten (zur Repression) offen halten, ja es gebe nun keine roten Linien, also kein Halten mehr, wenn es um Rücksicht auf irgendwelche verfassungsrechtlichen Grundsätze, sprich bürgerlichen Freiheiten geht. Im Anschluß an die im Parlament beschlossene „Beendigung der Notlage“ wurde – mit welcher Logik eigentlich? – ein Bundeswehr-General bestellt, der  das kommende Durchgreif-Kommando logistisch ko­ordinieren soll, obwohl die Bundeswehr im Innern doch gar nicht einfach so eingesetzt werden darf – der stolz verkündete Tabubruch läßt Schlimmes ahnen. Die deutsche Coronapolitik hat nunmehr den unrühmlichen Titel des Repressions-Weltmeisters erobert, noch vor Italien, China und Österreich – erschreckend daran: viele Deutsche merken es nicht.

Um so wichtiger ist es, ernsthaft den Ausstieg aus der Corona-Krise ins Auge zu fassen. Denn immer offensichtlicher treten die Folgen einer einseitigen Ausrichtung aller Politikbereiche auf ein einziges Thema zutage. Die Regierung, die gern anderen das Verbreiten von Falschmeldungen vorwirft, hat sich selbst in ein Kartenhaus aus Irrtümern und Achtelwahrheiten verkrochen. Der Blick aus dem Fenster ins Offene erscheint unmöglich. Tatsächlich aber kann sich die Bekämpfung von Infektionskrankheiten auf vier Säulen stützen:

1. Säule: Schutz der gefährdeten Menschen, im Falle von Covid der Hochbetagten und einschlägig Vorerkrankten

2. Säule: medizinische Versorgung der symptomatisch Infizierten, insbesondere eine wirksame Früherkennung und Frühbehandlung

3. Säule: Kontakteinschränkungen

4. Säule: ergänzend Impfungen, wenn die Wirkstoffe und die Art der Verabreichung die Übertragung der Infektion verhindern

2020, im ersten Jahr der Corona-Krise, bezogen sich fast alle Maßnahmen – ob es sich um Masken, Abstand oder Ausgangssperren handelte – auf Säule drei: Kontakteinschränkungen. 2021, im zweiten Coronajahr, kam Säule vier dazu. Die Impfung war an das Versprechen gekoppelt, daß sie der wichtigste Wirkfaktor sei, mit dem die Pandemie bekämpft werden könne. Sobald alle Menschen ein Impfangebot erhalten haben, sollte der Ausnahmezustand beendet werden, hieß es noch im März 2021 von höchster Regierungsseite. Es kam anders. Die Impfung hielt nicht, was von ihr versprochen wurde. Sie verhindert weder die Übertragung der Infektionskrankheit noch mindert sie in einem Umfang schwere Verläufe, daß man sie zum Eigenschutz als verläßlich bewerten kann. Impfdurchbrüche dominieren das Geschehen. Von den (teilweise als Immunreaktion beabsichtigten) Impfnebenwirkungen und den (langfristigen) Impffolgen ist dabei noch keine Rede. Die Kosten-Nutzen-Bilanz der Impfung sieht bisher enttäuschend aus. Wie geht die Politik damit um? Sie verschärft das Impfangebot zur Impfflicht, wohl wissend, daß damit der Ausbreitung der Infektion nicht Einhalt geboten werden kann, sondern im Gegenteil Escape-Varianten wahrscheinlicher werden, vor allem wenn die Impfkampagne mitten in eine laufende Welle hinein agiert.

Doch wie steht es um die Säulen eins und zwei? Die gefährdeten Menschen auf menschliche Weise zu schützen, ist keine leichte Aufgabe. Isolation und Wegsperren der Hochbetagten, wie es in vielen Pflegeheimen geschehen ist, bedeutet eine massive psychische Belastung, die in etlichen Fällen tödlich endet, vor allem bei dementen Heimbewohnern – nicht unbedingt in Form von Suiziden, sondern in Form von Verkümmerung und Vereinsamung. An die Stelle des Todes tritt der elende Tod – damit erreichen die „Schutzmaßnahmen“ das Gegenteil von dem, was sie vorgeben, erreichen zu wollen: die Dehumanisierung des Menschen. Also, Freunde, christlich ist das nicht! Denn der Mensch ist weder eine Maschine noch ein rein biologisches Wesen, sondern eine biopsychosoziale Einheit. Psychoneuroimmunologische Konzepte sind gefragt, wenn es um  den Schutz der vulnerablen Menschen geht. Abstandhalten und Tests können nur einen physischen Schutz bieten. Wichtiger aber ist es, das täglich alternde und vielfach geschwächte Immunsystem zu stärken: in erster Linie durch sozialen Kontakt, aber auch durch Bewegung, Spiel, Freude, Vitamine, frische Luft – Aus­gangssperren sind immunologisch Gift! –, Eigenverantwortung und Selbst­wirk­sam­keitserleben – sogenannte weiche Faktoren, die von bestimmten Interes­sens­vertretern nicht nur unterschätzt, sondern belächelt und letztlich ignoriert werden. Wer Forschungsansätze und die Therapiepraxis dazu kennenlernen möchte, findet reichlich Lektüre, z.B. bei Christian Schubert von der Uni-Klinik Innsbruck.

Säule zwei ist bisher in Deutschland ausgefallen. Zumindest hören wir von der Regierung nichts dazu und in den öffentlichen Medien wenig. Wenn wir einmal den Vergleich zu HIV ziehen: ein wirksamer Impfstoff wurde in den letzten Jahrzehnten nicht gefunden. Kontakteinschränkungen sind für die Infizierten geboten und strafrechtlich sanktioniert: als ungeschützter Geschlechtsverkehr, ansonsten nicht. Die soziale Integration HIV-positiver Menschen ist eine gesellschaftliche Herausforderung, die zu einem funktionierenden flächen­deckenden Netzwerk der Aidshilfe geführt hat. Die Entwicklung wirksamer, effektiv lebens­erhaltender Medikamente hat Quantensprünge gemacht: HIV-positive Menschen können fast normal leben.

Es wird Zeit, vom heimlichen Vorbild der Pocken-Impfung wegzukommen, wenn es um eine Strategie im Umgang mit der Corona-Krise geht, und sich am Umgang mit dem HI-Virus zu orientieren: eine Impfung, die zur Ausrottung des Coronavirus führt, hat sich als Illusion erwiesen; die Nebenwirkungen und Risiken sind momentan nicht kalkulierbar, weil unzureichend erfaßt. Also erscheint es vernünftig, sich auf ein Leben mit dem Virus einzustellen – was für die überwiegende Mehrheit der Menschen, die dank ihres natürlichen Immunsystems nur einen asymptomatischen Verlauf zeigt, den mit Abstand gesündesten Weg darstellt. Die Politik steht vor der ehrenvollen Aufgabe, die Irrtümer zuzugeben, das Machtspiel zu beenden, die Deeskalation einzuleiten, die Weisheit der Bevölkerung ernst zu nehmen, statt sich auf handverlesene Experten zu verlassen, die in Interessenskonflikte verwickelt sind. Dazu wäre ein politischer Charakter von Nelson Mandela oder Martin Luther King vonnöten. In Aussicht ist er nicht.

Also sind die medizinischen Ressourcen auf die Früherkennung und frühe Behandlung von symptomatisch infizierten Menschen zu lenken. Hier gibt es – weitgehend unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung – in den letzten beiden Jahren erhebliche Fortschritte, mit denen es möglich ist, schwere Verläufe in den allermeisten Fällen zu verhindern. Zahlreiche Länder machen es vor und haben uns, was den Rückgang der Infektionszahlen betrifft, weit überholt: Mexiko, Schweden, Südafrika… Als Hindernis steht dabei hierzulande die medizinisch grob fahrlässige Quarantäne-Regel im Weg: Statt den betroffenen Menschen mit symptomatischer Infektion me­dizinisch beizustehen, schicken wir sie in die Isolation und geben dem Virus 10 oder 14 Tage die Chance, sich ungestört im Körper zu vermehren. Hier kommt es aber auf Geschwindigkeit an, um die Virenvermehrung zu stoppen – und dazu gibt es mittlerweile eine Reihe erfolgversprechender Mittel. Medizinische Einzelheiten finden sich beispielsweise in den Präventions- und Behandlungs­protokollen für der „Front Line COVID-19 Critical Care Alliance“ (FLCCC). Als Beispiel möchte ich außerdem  Carragelose erwähnen, ein natürlicher Stoff, der aus Rotalgen gewonnen wird, einen Schutzfilm als physikalische Barriere bildet und auf diese Weise verhindert, daß Viren die Schleimhaut infizieren, ihre Erbinformation in die Schleimhautzellen einschleusen und sich dort vermehren und ausbreiten. Vorteilhaft ist nicht nur, daß der Wirkstoff dort ansetzt, wo auch der Virus angreift, nämlich im Nasen-Rachen-Raum statt in der Muskulatur wie bei der herkömmlichen Impfung in Oberarm oder Gesäß. Vielmehr funktioniert dieser Mechanismus bei vielen weiteren Erkältungsviren, nicht allein dem Coronavirus, auf das die öffentliche Diskussion gegenwärtig in geradezu psychopathologischer Weise fixiert ist. „Ein Carragelose-haltiges Nasenspray bewirkt eine 80-prozentige relative Risikoreduktion für eine Infektion mit SARS-CoV-2“, sagt Prof. Dr. Ulrich Schubert, Forscher am Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfiehlt dem Klinikpersonal auf COVID-19-Stationen schon seit Dezember 2020 die Verwendung von Carragelose-Nasen­sprays. „Aber auch die Allgemeinbevölkerung kann damit ihre persönlichen Schutz­maßnahmen zur Vorbeugung erweitern“, sagt Ulrich Schubert. „Angesichts der In-vitro-Daten bin ich davon überzeugt, daß der breite Einsatz von Carragelose-Sprays gerechtfertigt ist und einen Nutzen haben kann. Zum einen wirkt Carragelose praktisch nebenwirkungsfrei gegen SARS-CoV-2, zum anderen schützt sie auch gegen verschiedene Erkältungsviren, wofür es umfangreiche Belege aus dem Labor und aus klinischen Studien gibt. Jede verhinderte oder verkürzte Erkältung reduziert insgesamt die Belastung unseres Gesundheitssystems, das jede Entlastung gebrauchen kann.“

Was haben wir davon in den öffentlichen Medien gehört oder gesehen? Welche Nasenspray-Experten wurden in die endlosen Talkshowrunden eingeladen? Welche Rückendeckung und finanzielle Unterstützung finden Ansätze zur medizinischen Versorgung von Covid-Patienten im Frühstadium sowie zur aktiven Gesundheits-Selbstfürsorge bei den „Gesundheitsministern“? Statt positiv und konstruktiv dem Einzelnen Sinn und Orientierung, Zukunftsperspektiven und Eigenverantwortung zuzusprechen und damit den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken, hagelt es von Seiten der Regierenden falsche oder leere Versprechungen, Halbwahrheiten und Widersprüche, einseitige Fixierung auf die vierte Säule der Impfungen, schließlich gesellschaftlich hochgefährliche Ausgrenzung, Diskriminierung, Verbote, Drohungen, Schwarzmalerei, Panikmache, Hysterie und eine Generalisierung der Angst. Wieviel Naivität ist nötig, um bei einer derart hohen Dosis an toxischer Kommunikation noch auf demokratische Zustimmung in der Bevölkerung zu hoffen?

Hier soll es weder um eine Abrechnung mit den allgemein beklagten Mißständen noch um eine detaillierte medizinische Handreichung für die Therapie von Covid-Patienten gehen. Vielmehr ist zunächst eine grundsätzliche Neuorientierung gefragt, eine Strategie, die aus der Sackgasse, in die uns die Politik der ehemals bürgerlichen Parteien gelenkt hat, herausführt zur Normalität, d.h. zu den bürgerlichen Grundrechten und Freiheiten. Ich fasse die notwendigen Schritte in fünf Punkten zusammen:

1. Covid ist als eine normale Infektionskrankheit zu behandeln: d.h. symptomatisch Erkrankte erhalten eine Differentialdiagnostik nach den üblichen Regeln der ärztlichen Kunst, damit die unspezifischen Erreger der Erkältungssymptome nach ihrer jeweiligen Ursache unterschieden und medizinisch behandelt werden können; das vermeintliche Verschwinden der Grippe und des Keuchhustens im Zuge der sogenannten Corona-Pandemie ist eindeutig als Artefakt infolge einseitiger Tests zu interpretieren. Allgemein gilt im Falle von Virusinfektionen der Grundsatz: Auf die Früherkennung kommt es an. Reine Quarantäne als überholtes, mittelalterliches Rezept der sozialen Isolation ist zu vermeiden, vielmehr sollen Symptome durch Multiplextests im breiten Spektrum nicht nur auf ein mögliches, sondern auf sämtliche bekannten Erkältungsviren überprüft werden, damit Ärzte die entsprechenden Therapeutika evidenzbasiert im Früh­stadium anwenden können. Die Fixierung auf ein einziges Infektionsvirus ist obsolet. Die Berücksichtigung der natürlichen Vielfalt der krankheitsverursachenden Erkältungsviren bei symptomatisch Erkrankten soll wieder medizinischer Standard werden, um eine individuell angemessene Behandlung zu ermöglichen.

2. Flächendeckende PCR-Tests und Antigen-Schnelltests bei gesunden Personen entsprechen nicht den Validierungsvorschriften dieser Verfahren, sind als ungültig zu bewerten und mit sofortiger Wirkung zu unterlassen. Insbesondere sind die Corona-Massentests an Schulen einzustellen, da sie weder epidemiologisch noch medizinisch ins Gewicht fallen. Um sowohl im Einzelfall, z.B. beim Besuch hochbetagter Verwandter, als auch für die öffentliche Gesundheit zu einer konstruktiven Teststrategie zu wechseln, sind Tests zum Nachweis der T-Lymphozyten („Gedächtniszellen“) als langanhaltende Immunantwort auf die verschiedenen Infektionsviren heranzuziehen. Mit dem Test auf aktive Gedächtniszellen sind folgende Vorteile verbunden: a) das Testergebnis gibt Auskunft über den Status der aktiven Immunabwehr der getesteten Person, b) das Testergebnis gilt nicht nur kurzfristig für 24 oder 48 Stunden, sondern langfristig über Jahre und ist daher geeignet, der positiv getesteten Person Selbst­vertrauen in ihre natürliche Immunabwehr zu geben. Es entsteht ein psychoneuroimmunologischer Kreislauf der Selbstverstärkung des Immun­systems. Zugleich wird das Gesundheitssystem massiv entlastet. Überflüssige Intensiv­kapazitäten, die im weltweiten Vergleich vor allem in Deutschland gewuchert sind, können dann tatsächlich abgebaut werden. Denn sie werden letztlich nur mit Patienten „aufgefüllt“, um die Profitinteressen der Krankenhausbetreiber zu befriedigen. (Wie kommt es, daß Schweden mit 5 Intensivbetten besser klarkommt als Deutschland mit 27 Intensivbetten pro 100’000 Einwohner?)

3. Menschen, die über keine T-lymphozytäre Immunantwort verfügen, können auf Wunsch Ganzvirus-Impfstoffe erhalten, im Fall von Corona z.B. „Sinovac“, „Valneva“, „Soberana“ oder am besten „Mambisa“ – diese Impfstoffe regen eine breitere Immunreaktion an als die momentan eingesetzten gentherapeutischen mRNA-Präparate, die bestenfalls eine Immunantwort auf Fragmente des Spikeproteins hervorrufen, das sich infolge permanenter Mutationen rasch ändern kann. Die europäische Medizinagentur EMA, die sich in den letzten Monaten vor allem durch unterschwellige Marketing-Aktionen für Biontech/Pfizer und sonst nichts hervorgetan hat, also durch Verhinderung von Konkurrenz und Marktwirtschaft, sollte diese weltweit erprobten Wirkstoffe auch in Europa zulassen. Außerdem werden die nachhaltig unkalkulierbaren Risiken und Nebenwirkungen der ungenügend erprobten und erforschten mRNA-Impfung vermieden. Im Falle von aerosolbasierten Virusinfektionen – dies betrifft nicht nur, aber auch Coronaviren – sind öffentliche Fördergelder vor allem für Wirkstoffe einzusetzen, die eine Anwendung in Form von Nasenspray ermöglicht.

4. Langanhaltende, in der Regel über Jahre hinweg wirksame Immunität gegenüber ansteckenden Er­kältungsviren wird vor allem durch die natürliche Infektion ermöglicht, die bei gesunden Per­sonen den Königsweg zur Erhaltung der Gesundheit sowohl für den Einzelnen als auch die Gesellschaft insgesamt beschreibt. Im Fall des Coronavirus ist unstrittig, daß die „Gefährlichkeit“ des Virus vor allem vom Alter der Person abhängt. Sämtliche Kontakteinschränkungen für die Allgemeinbevölkerung – im Neusprech künstlich als „Lockdown“, „2G“, „2G+“ oder „3G“  bezeichnet  – sind mit sofortiger Wirkung aufzuheben. Sie bedeuten eine Geißelhaft der Mehrheit der ungefährdeten Bevölkerung zugunsten eines kleinen Teils der gefährdeten Bevölkerung, mit anderen Worten: eine Verwechslung von allgemein- und spezialpräventiven Maßnahmen, die, wenn man sie konsequent durchsetzte, zu massiver gesellschaftlicher Unruhe führen würden. Sämtliche Grundrechte, qua Geburt jedem Menschen durch die Ver­fassung bedingungslos garantiert, sind ohne Abstriche wieder einzusetzen. Anstatt Kontakte sozialphobisch zu vermeiden, ist es aus immunologischer und epidemiologischer Sicht wünschenswert, daß die Bevölkerungsteile, die kein oder nur zu einem verschwindend geringen Prozentsatz bei einer Coronainfektion ein schweres Atem­wegssyndrom erleiden würde, durch soziale Kontakte eine aktive Immunabwehr heraus­bilden und zugleich ihre psychische Gesundheit stärken können. Nach der aktuell vor­herrschenden, angstorientierten Ideologie („Team Vorsicht“) mag diese Strategie paradox erscheinen. Angst ist bekanntermaßen ein schlechter Ratgeber. Kurzatmiges Denken verstrickt sich in Widersprüche. Wer die Angst vor der Freiheit und dem sozialen Kontakt verinnerlicht hat, der schaue auf vorbildliche Länder, die von Beginn der Pandemie an auf Lockdown-Maßnahmen verzichtet haben, z.B. Taiwan oder Schweden: Sie haben die Corona-Krise, in der wir noch immer so scheinbar ausweglos tief stecken, seit langem überwunden, nein, sie haben die Corona-Krise lediglich von außen beobachtend erlebt und in erster Linie wirtschaftlich zu spüren bekommen, weil in den Ländern um sie herum die Lieferketten etc. eingebrochen sind. Also: keine Angst vor der Freiheit! (Die FDP hat sich ohne Not noch vor dem Abschluß der Regierungsbildung als er größter Verräter der bürgerlichen Freiheit erwiesen – welche Lobby steckt wohl dahinter?) Wenn wir uns die Hände geben und miteinander in Kontakt sind, wenn wir feiern und tanzen, trainieren wir unser Immunsystem! Laßt euch von den Ideologen der Angst nicht einschüchtern und in die (psychische) Krankheit treiben! Vor­sichts­maßnahmen sind nur dort zu treffen, wo Menschen aus persönlichen Gründen nicht (mehr) in der Lage sind, eigenverantwortlich für ihren Selbstschutz zu sorgen, z.B. bei einer Demenzerkrankung oder geistigen Behinderung – hier ist es erforderlich, daß Fremdfürsorge die Selbstfürsorge ergänzt, nicht nur in Hinsicht auf die Gesundheit, sondern auch in anderen Fragen des Alltagslebens.

5. Strukturell ist die Rückabwicklung des 2003 in Deutschland eingeführten Fallpauschalen-Abrechnungssystems bei den Kran­ken­kassen die entscheidende Präventionsmaßnahme, um einer Perversion des „Gesund­heitssystems“ im Sinne der Profitmaximierung vorzubeugen. Finanzielle Fehlanreize werden sich im Versicherungssystem nie gänzlich vermeiden lassen. Das System der Fallpauschalen führt jedoch nicht nur im Falle von Covid und der lukrativen künstlichen Beatmung, sondern in zahlreichen Fällen der Apparatemedizin zu einer ungesunden, ja tödlichen Entwicklung, in der die Klinikprokuristen informell mehr Einfluß auf die Diagnose haben als die Ärzte. In der Folge kann sich unser hochgelobtes, sogenanntes „Gesund­heitssystem“ finanziell allein durch die Vergabe bestimmter Krankheitsdiagnosen selbst erhalten – mit anderen Worten: Wir haben dank McKinsey & Co. unser Gesundheitssystem in ein Krankheitssystem verwandelt. Hier bedarf es grundsätzlicher gesellschaftlicher Debatten, der Offenlegung von Finanzstrukturen und schließlich energische Richtungs­entscheidungen. Der momentane „Gesundheitsminister“ K. L. als einer derjenigen, die mit Ulla Schmidt 2003 die Einführung des Fallpauschalen-Systems zu verantworten haben, ist dafür die am meisten ungeeignete Personalie.

Fassen wir die fünf Punkte zusammen, mit denen der Ausstieg aus der Corona-Krise auf dem kürzesten und sichersten Weg gelingt:

1. Behandelt Covid als eine normale Infektionskrankheit, d.h. legt Wert auf Früherkennung im Einzelfall und eine angemessene medizinische Behandlung durch den Hausarzt anstelle von Quarantäne. Entlohnt die Hausärzte dafür entsprechend. Auf diese Weise können schwere Verläufe nahezu vollständig verhindert und die Krankenhäuser entlastet werden.

2. Ersetzt Antigen-Schnelltests und PCR-Tests durch Tests auf T-Lymphozyten und erkennt deren Wirksamkeit über einen Zeitraum von Jahren statt von ein bis zwei Tagen an.

3. Vergeßt die Impfpflicht mit experimentellen mRNA-Wirkstoffen und bietet stattdessen den Menschen, die noch nicht über eine natürliche Immunantwort auf die aktuellen Erkältungsviren verfügen auf freiwilliger Basis eine bewährte Ganzvirusimpfung an, am besten in Form eines Nasen­sprays. Die Inanspruchnahme dieses Angebots soll weder Privilegien noch Verbote nach sich ziehen.

4. Fördert soziale Kontakte für alle Menschen, die sich eines gesunden Immunsystems erfreuen – sie stärken damit ihre eigene Gesundheit und entlasten das öffentliche Gesundheitssystem. Mut zur Freiheit!

5.  Wickelt das System der Fallpauschalen (DRG) wieder ab! Wir brauchen ein an den Bedürfnissen der Menschen orientiertes Gesundheitssystem, das nicht in erster Linie Profitinteressen verfolgt.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!

Die bürgerliche Gesellschaft kann sich nicht ausruhen auf einst errungenen Siegen oder Zugeständnissen der herrschenden Kaste. Sie wird von Partikularkräften auseinandergerissen. Demokratie muß heute nicht erkämpft werden, sie muß überzeugen. Verliert eine einst demokratisch legitimierte Funktionärsschicht die Bürgernähe, selbst wenn sie nur eine vermeintliche Minderheit ausgrenzt, diskriminiert, verfemt und verfolgt, pflanzt sie damit den Spaltpilz.

Mit dem Advent 2021 beginnt zum zweiten Mal ein Winter, in dem die Menschen in die Vereinzelung geschickt und die Kultur stillgelegt wird. Sozialismus oder Barbarei – so  beschrieb Rosa Luxemburg im Ersten Weltkrieg den Scheideweg, an dem die Gesellschaft ihrer Meinung nach stand. Wir Nachgeborenen wissen, daß sich die Gesellschaft damals für die Barbarei entschied. Im April letzten Jahres formulierte Slavoj Žižek das Schlagwort angesichts der Herausforderungen und Zumutungen durch Corona um in Katastrophenkommunismus oder Barbarei. Heute stellen wir fest: Es macht keinen Unterschied.

Welche Perspektive bietet die aktuelle Politik? Gegenwärtig dreht sie das Rad von der vierten Welle / dritten Impfung weiter zur fünften Welle / vierten Impfung und so fort ad infinitum. Die aktuellen Meldeformulare des RKI für die Krankenhäuser reichen gerade bis zur 6. Impfung 2023. Die Phantasie- und Perspektivlosigkeit der politischen Entscheider ist es, die sie auf den vermeintlich bequemen Weg der Verbote, Einschränkungen und Zwangs­maßnahmen, bis hin zur (teilweisen) Impfpflicht verführt. Die von den Funktionären verbreitete Perspektivlosigkeit und die Behauptung, sie sei alternativlos, zieht die Zuspitzung der Lage nach sich: Wenn kein echter Kurswechsel vollzogen wird, werden die  Entscheider an den Punkt kommen, wo sie  nicht mehr können, und die Menschen, über deren Köpfe hinweg entschieden wird, werden nicht mehr wollen. Wie sprach Laozi, der große Weisheitslehrer der Menschheit, in Kapitel 72 seines Buches Vom Weg und der Wirkkraft?

Fürchtet das Volk Abschreckung nicht,
folgt der große Schrecken.

Ohne Enge sei Platz zum Wohnen,
ohne Überdruß der Lebensalltag.

Nur wer es nicht zum Überdruß reizt,
dessen wird es nicht überdrüssig …

Manche mögen sich an Lenin erinnert fühlen: „Erst dann, wenn die Unterschichten das Alte nicht mehr wollen und die Oberschichten in der alten Weise nicht mehr können, erst dann kann die Revolution siegen.“ (W. I. Lenin, Der ‘linke Radikalismus’, die Kinderkrankheit im Kom­mu­nismus, Berlin: Dietz 1959, S. 738)

Der Überdruß wächst. Solange Ausgrenzung, Diskriminierung und Diffamierung von staatlicher Seite betrieben werden, weitet sich der Kulturbarbarismus aus und es entwickelt sich eine revolutionäre Stimmung, erst in den Niederlanden und Belgien, dann in Österreich, jetzt in auch Deutschland. Die Ostdeutschen haben Erfahrung mit friedlichem Widerstand. Der System­zusam­menbruch von 1989 ist noch in frischer Erinnerung. Auch damals ahnten viele zunächst nichts davon und verharrten in ihrer Kleingartensparte (Osten) oder Wellnessoase (Westen), lenkten sich ab und betäubten sich mit Selbstbeschäftigung. Manch ein heutiger Ministerpräsident besuchte 1989 noch die Grundschule oder Polytechnische Oberschule – kein Wunder, daß sie kein Gespür für den autoritären Gestus haben, auf den lebenserfahrene Menschen allergisch reagieren, Gesundheit hin oder her.

Eine Bevormundung wie in der DDR will sich keiner mehr bieten lassen, schon gar keinen vormundschaftlichen Staat – das ist die Karte, die jetzt gespielt wird. Beide Seiten haben technisch aufgerüstet, das Internet ermöglicht schnelle Kommunikation und Netzwerkbildung. Was in Tunesien, Algerien, Georgien, der Ukraine, Weißrussland aus der Ferne nur demokratie­theoretisch ge­priesen wird, will man demokratiepraktisch hierzulande nicht eingestehen: eine orangene Revo­lution. Tatsächlich sind es die Eliten der repräsentativen Parteiendemokratie, die sich eigendynamisch, oder sagen wir eigenmächtig von der Bevölkerung abgekoppelt haben. 20 Monate Regieren auf dem Verordnungsweg hat autoritäres Durchgreifen salonfähig gemacht. Daß es um Gesundheit geht, nimmt der Regierung kaum noch jemand ab – dazu haben sich die öffentlichen Medien in zu viele, für jedermann und jedefrau offenkundige Widersprüche verstrickt, Stichwort „Vollaufen der Intensivbetten“ als scheinheilige „Begründung“ für sämtliche Freiheitsbeschränkungen, während im Hintergrund die vorhandene Bettenkapazität als Folge eines bis in die Wurzeln mit monetären Fehlanreizen aufgestellten, profitorientierten „Gesundheitssystems“ still und heimlich abgebaut wird. Wer es nicht glauben mag, blicke ins Ärzteblatt vom 10.12.2021: aktuell wurden 34 Kran­ken­häuser mit Mitteln aus dem staatlichen Strukturfonds geschlossen …

Wenn die Politik nicht in der Lage ist, das Gesundheitssystem so zu steuern, daß es für die Gesundheitsbedürfnisse der Bevölkerung da ist statt für diverse Profitinteressen, wenn sie nicht in der Lage ist, in den letzten Jahren – bereits lange vor Corona – politisch gesetzte finanzielle Fehlanreize im System rückabzuwickeln, d.h. das Fallpauschalensystem postwendend abzuschaffen, wenn sie sich stattdessen von den Interessenvertretern, die am (vermeintlichen) Kranksein der Menschen verdienen, vor sich hertreiben läßt, dann ist der Punkt erreicht, an dem sie der Bevölkerung die Schuld dafür nicht in die Schuhe schieben kann.

Ist das nun nur eine revolutionäre Stimmung, befeuert im Stundentakt von ein paar sozialen Medien, oder ist das schon eine revolutionäre Situation? Will die Bevölkerung nicht mehr – Stichwort: Es reicht! – wie es auf den Demonstrationen immer wieder zu hören ist, und die Re­gie­rungen können nicht mehr, was sich in immer hilfloser erscheinenden Polizeieinsätzen, mittler­weile bereits gegen Alte und Kinder zeigt?

In der „östlichen“, d.h. griechisch-römischen, „autoritären Demokratie“, die uns Europäern in die kulturelle Wiege gelegt wird, ist es Usus, daß die Mehrheit über die Minderheit hinweg entscheidet und sich im Recht fühlt. Im Unterschied dazu beruht die „westliche“, d.h. indigen-amerikanische Demokratie auf dem Grundsatz, die Minderheit nach ihrer Façon leben zu lassen. Denn unzufriedene Minderheiten bedeuten Explosivstoff für die gesamte Gesellschaft. Reife Gesellschaften schützen ihre Minderheiten gegen die überbordende Macht der Mehrheit. Die europäische Demokratie hat daraus 1789 ihren bis heute uneingelösten Wahlspruch Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit abgeleitet. Diese indianische Weisheit scheint den europäischen Regie­rungen während der Pan­demie abhanden gekommen zu sein. Stattdessen glauben die Funktionäre, sie könnten den (vermeintlichen) Mehrheits­willen mit Zwang und Gewalt durchsetzen. Damit heizen sie die Spannung an und steuern geraden­wegs auf jenen Kippunkt zu, den sie eigentlich umschiffen wollen. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit werden der Bevölkerung nicht geschenkt, sondern müssen in jeder Zeit auf’s Neue eingefordert werden. Heute bedeuten sie das sofortige Ende jeglicher faktischen Ausgrenzung und Diskriminie­rung in Form von „1G“, „2G“ oder „3G“. Daran zeigt sich, ob die Demokratie lernfähig ist.

Kleine Eselei

Lieber Ottokar Spieler : großer Vorsitzender

Der Internationalen Regulationsbehörde für sämtliche

Fragen der Tiergesundheit : du kennst dich

Sicher aus mit der anspruchsvollen Haltung

Von Eseln : nicht zu viel : nicht zu saftig

Das Futter : lieber Verdorrtes

In Deutschland wächst die Übersterblichkeit

Der Esel dramatisch infolge hoher Fettwerte

Infolge falscher Ernährung : sie mögen

Die Sonne der Steppe und ein paar Disteln : all das

Ist dir bekannt : und dennoch behandelst du uns

als wären wir senkrechte Esel : die ihren Nietzsche

Schlecht verdaut haben & zu allem I-A sagen

I-A : I-A : Denkst du : warum sind die Esel so

Störrisch : statt weiterzugehen : bleiben sie stehen

Schon schwingst du den Stock : lieber Ottokar

Was dir störrisch erscheint : ist ihre Klugheit

Sie wissen : was für sie gut ist : HA-LE-LU-IA

Und blicken sich um : ob es auch den anderen

in ihrer Nähe gut geht : kein Grund

Zum Prügeln : großer erboster

Vorsitzender : wir haben Instinkt & Verstand

Während du dich selbst vergessen hast : wer

Den Tod nicht kennt :  hat nicht angefangen

Zu denken : und du kannst nicht einmal richtig zählen

tagesschau

der nachrichtensprecher
las heute anstelle der abendnachrichten
gedichte vor
vom herzbeben
den stürmischen gefühlen
von den gedanken
die eine seele zum zittern bringt
und der leere im kopf
den fragen hinter den antworten

und schaute mir in die augen
kleines
sagte er
du wirst dich noch wundern

Lichtmaschinen

Seltsamer Traum – mein Vater, kurz nach der feindlichen Übernahme, er arbeitet bei einer Versicherung. Nachts müssen sie in die Garagen einbrechen, und die Lichtmaschinen aus den Fahrzeugen stehlen – damit die Leute mehr Versicherungen abschließen.

Paris revisité

Da ist sie wieder : die heilige Stadt

Der Verliebten : vor dreißig Jahren

War ich das letzte Mal hier : nun

Mit Tochter wie zum ersten Mal

:

Der Staub : der Lärm : die Kolonnen

Der Lichter : sie haben nicht

Abgenommen : die Höflichkeit

Blieb erhalten : doch Liberté & Égalité

:

Hat die Seine weggespült

Im rasenden Tempo der Schlepper

Der Kellner im Lieblingscafé

Fragt nach meinem Pass

:

Sanitaire und reißt mir den Kaffee

Aus den Händen : obwohl er mich

Schon abkassiert hat : sein freundliches

Merci Monsieur maskiert den Faschisten

:

Verkauft nicht an Ungeimpfte!

Er fühlt sich im Recht : ich führe nur aus

Was die Regierung verordnet hat : sonst

Nimmt niemand die Verordnungen

:

So genau : die Sonne knallt auf den Triumph-

Bogen : frisch enthüllt : der Regen nieselt

Auf Notre Dame : frisch gelöscht

Ich weine beim Anblick der Hochzeit

:

Von Franz Marc in Witebsk : hier ging

Wahrhaftig eine Welt verloren 

In den erfundenen Unterschieden

Zwischen Mensch & Mensch : einst

:

Feierten : tanzten : küßten sie einander

Ohne Unterschied : geheiligt allein 

Von der Liebe : ihr ungleichen Brüder

ihr habt das Wichtigste vergessen



Die Prostata von Berlin

„Damals, da hatt ich es so schlimm im Gesicht, da musst ich Cortison nehmen.“ Sie hatten mich in diese Haut gesteckt. Aus der anderen Ecke des Zimmers kam ein schabendes Geräusch. Sie drehte sich herum. der Dreispitz stand ihr gut. Wie eine Flut von rotem Haar breitete sich die Decke über sie.

Seltsam, denkt sie heute, dass wir immer nur von solchen Gedanken gesteuert werden, bei all unserer Lebensführung, gehen wir in Richtungen, von denen wir nichts ahnen.

Grund genug, auf immer zu verschwinden.

Es war eine lange Prozession. Sie hatte nichts dazu beigetragen. Nimm sie ernst und lass sie etwas tun. Führe ich Bahn, viel und regelmäßig, wären Ideen da wie Fliegen an einem schwülen Sommerabend. Steckmücken, besser.

Wir suchen danach und dann findet es uns, für einen Moment, manchmal bleibt es auch länger. Ich lösche die Scheinwerfer über dieser Familie. Es wird kalt.

Opa hatte ne Geschlechtskrankheit. Und ist Trecker gefahren. Kann man sich da so was holen? Sowas, wurde den Kindern erzählt. Und nun kommt das düstere Familiengeheimnis ans Licht.

Sie wusste, dass Gustav Klimt drei uneheliche Kinder hatte.

Geheime Gänge, verdeckte Türen, dunkle Nischen:

schneewimpern

tauen zu wasser
sagt man
wenn man über liebe spricht
dabei kenne ich
sie nicht persönlich

einmal begegnete ich ihr
im spätherbst
sie trug einen lila mantel
und einen regenschirm

sie nickte nur
im vorbeigehen
ich blieb stehen
und schaute ihr nach

Aphelium

Der Wind flüstert Namen
wenn er Schwarz trägt
und wir eingefangen vom Licht
wie Seidenworte, ungesehen
vor dem Schattenkreis stehen

Zähle die Schritte
zwischen letzter Umarmung und wildem Wein

vergiss nicht
zu atmen

Neulinker Fuß

Die Keule war ein Messer. Gelb und sehr scharf lag es auf der Anrichte bereit und wartete darauf, dass sie sich annäherte. Beiläufig streifte ihre Hand das Holz der Tischplatte und wischte das Messer über die Kante. Es stürzte auf ihren mit einem Pantoffel halb bekleideten linken Fuß und kam mit der Schneide auf. Ein kleiner Schmerz. Ein großer Schreck. Sie blickte hinab und erwartete eine blutige Fontäne. Doch da war nix. Doch nein, plötzlich merkte sie, dass sich der große Zeh nicht mehr bewegen ließ und seltsam abgespreizt nach außen zeigte. Die Sehne war glatt durchtrennt.

In der Klinik wurde ihr diese Sehne unter Teilnarkose wieder zusammengenäht. Die weitere Gesundung bedurfte eines längeren Zeitraums.

Vorerst war es ihr nicht möglich, ohne Hilfsmittel zu gehen. Sie lag darnieder. Viele Tage. Dann bekam sie einen sinnreich konstruierten Spezialschuh, mit dessen Hilfe ihr wieder die ersten Schritte in der Wohnung ermöglicht wurden. Dies alles war nur unter Zuhilfenahme mehrerer teilweise hochdosierter Schmerzmittel möglich. Die bisher als völlig selbstverständlich angenommene Beweglichkeit war für viele Wochen extrem reduziert.

Allmählich wagte sie sich wieder ins Freie. Anfangs kleine Ausgänge auf der Straße, rund um die Häuser in der Nachbarschaft. Dann wieder Spaziergänge im Park, wohldosiert und mit Hilfe von Wanderstöcken. Die Krücken hatten bereits ausgedient. Langsam kehrte die Beweglichkeit zurück.

Wichtige Teile des Organismus sind paarig geschaffen. Beide Beine brauchen sich in der Bewegung. Nur mit einem rechten Fuß ist freie Bewegung unmöglich. Es bedarf dazu der sinnvollen Ergänzung. Niemals würde man auf die Idee kommen, sich freiwillig und im Zorn  von seinem linken Fuß zu trennen. Der Körper als ursprüngliches Wunderwerk der Schöpfung wäre ohne fremde Hilfe nicht mehr lebensfähig und würde dahinsiechen.

Aus einem altlinken wurde durch Verletzung und Gesundung ein neulinker Fuß. Dieser heilte aus, und sie kann nun wieder frei durchs Leben gehen!

PS: Aufgrund der gegenwärtigen politischen Situation  musste diese kleine Geschichte etwas modifizieret werden. Das Messer zerstörte eigentlich ihren rechten Fuß…

Tönerne Krieger erobern das Abendland

Auch Aggression muss sich in heutiger Zeit dem viel zitierten Paradigmenwandel unterziehen. So schickte vor 70 Generationen ein chinesischer Kaiser die Kopien seiner besten Krieger in den Untergrund und verschied, wahrscheinlich im Bewusstsein, dass noch einiges zu tun sein würde bei der Eroberung der Welt. Man könnte auch sagen, die Aussaat einer Idee fand statt, ein Keim zukünftiger Welteroberung wurde mit geistiger Klarheit und großem handwerklichem Geschick der Erde zur Langzeitkonservierung übergeben. Obwohl das lokale Herrschaftsgebäude des besagten Kaisers schon wenige Jahre später zu großen Teilen Opfer eines Bauernaufstandes wurde, überdauerte die Idee im Verborgenen ungefähr 2000 Jahre.

Nun tauchen seit einigen Jahren diese Abbilder eines ehemals mächtigen Heers gehäuft in europäischen Metropolen auf. Auch kleinere Orte, die sich selbst sehr gern als kulturelles Zentrum sähen, werden von dieser Invasion nicht verschont. Da die ursprüngliche Anzahl der tönernen Krieger keinesfalls ausreichen würde, um so viele Museen zu füllen, kann der Beobachter dieses Phänomens nicht umhin, neben dieser zeitgemäßen und symbolischen Invasionsmethode auch eine ebenso geartete Art der Mobilisierung der Truppen im Reich der Mitte zu vermuten. Betrachtet man die Anzahl der derzeit vorgeführten Ausstellungen, so muss man vermuten, dass zumindest einige mit Handwerkern und Material wohl ausgestattete Manufakturen die logistische Basis für diese historisch einmalige Disloziierung von Eroberungstruppen im Ausland bilden. Möglicherweise ist ja auch schon ein besonderer Industriezweig zur Absicherung dieses speziellen Exports entstanden.

Eng verbunden mit dieser Wiederauferstehung kriegerisch daherkommender Tonfiguren ist die Tatsache, dass sich die einladenden Institutionen offenbar auch im Konsens mit einer durchaus zeitgemäßen Methode der Konfliktbehandlung befinden. Auch die lebendigen Soldaten der UNO-Friedenstruppen werden ja in der Regel von den betroffenen Regierungen selbst eingeladen und unterhalten.

Das wirtschaftswachsende große China beginnt also symbolisch damit, seine Truppen in die Konfliktgebiete der westlichen Welt auszusenden. Unsere heimischen Krisen sind natürlich in der Regel viel diffiziler und verlaufen gegenwärtig in den seltensten Fällen in Formen von offenem Mord und Totschlag. Jedoch stehen die aus der Ferne eingetroffenen Besatzungstruppen auch in diesem Falle nur für zeitweilige Befriedung.

Vielleicht auch nur für Befriedigung des Bedürfnisses nach Ablenkung und Unterbrechung einer mittlerweile als existenziell empfundenen Langeweile?

Windjammer

Müssen nicht klagen : vor der Küste

Weht meist steife Brise : furcht 

Das Haar und die Wellen : Felder

Der Endmoräne : alles ist hergetragen


Durch die Lüfte : stolz blähen sich

Segel überm Horizont : wenn wir

Diese Freiheit hätten : uns

Einander zuwehen zu lassen : nach


All den Stürmen : die hinter uns liegen

Weht hier ein laues Lüftchen : passend

Zum Alter : stürzen wir uns 

Bei Sonnenschein ins Wogende


In rötliches Licht getaucht : Kiefern

Die Genialität

i.m. Jegor Letov

Gesucht wird eine gemeinsame Formel für Freiheit und Unterdrückung (Th.W.A.)

__

ist ein Bündel von Genialitäten

Das Genie ein Bündel Nichts

Das es zu tragen hat

Freiheit Ausbund

ist ein Nichts

Das Genie ein Bündel

Bündel Selbst

Mündel der Welt

in Dingen befestigt

abgestoßen

Von allen Seiten angezogen

Idol

O Jesus! Nein

*

‚An meinem Hemd ein Popel…‘ – ‚… ohne Namen!‘ —

so ist der Mensch im Weltall

* *

Der Bürger: Spion Gottes,

Bekenner einer Demokratie

Krater des Ungewissen

Gewiss nur der Tod

mitsamt seiner ungewissen

Unsterblichkeit

Mirabelle


Schöne gute Frucht : jenseits Majakowskis

Revolution : wer hat das nicht gewollt

Einen neuen Menschen anzuzetteln

Schön und gut soll er sein seit 2021 Jahren


Niemand hat es vermocht : kein Jesus

Marx noch Xi Jinping : wir haben

Eimerweise von dir genascht : als wir

Beinahe mittellos im reichen Europa 


Unterwegs waren : zu Hause angekommen

Pflanzte ich als erstes einen Mirabellenbaum

In diesem Jahr trägt er zum zweiten Mal : golden 

Fallen die Früchte zu Boden : zerplatzen


Ein klebriges Festmahl für Wespen & Spatzen

Auch ich komme nicht los von ihnen : träum

Mich zurück in die armselige Idylle

Der Freiheit : die wir bis gestern genossen haben

DAO

In fernen Tagen, wenn
Licht und Finsternis,
Herz und Verstand,
Wasser und Stein,
Welle und Teilchen,
Gedanke und Erinnerung,
Durch nichts
Sich unterscheiden,
Werden wir eingehen
In die Ewigkeit
Von Raum und Zeit
Am Ziel einer langen Reise.
Und niemand wird
Je von ihr erzählen.
Poetische Schwingungen,
Zarter Klang stummer Töne.
In allen Farben
Konturloses Schweigen.
Der Morgen danach
Wird ertrinken im Meer
Unendlicher Schönheit.

a passi da gigante (mit riesenschritten)

dein unberührtes sonnenland
ist mein zufluchtsort
vor den grautönen in meiner straße

im umkleideraum des lebens
werden wir schicksalsspieler
eingefroren klebt der moment

mit riesenschritten
schreite ich in die gegenrichtung
und streiche mir das minutenglück
aus den augen

sprichst mich stumm

in den umlauten
deiner glücksmomente
findet mich
eine wolkige stille

du fragst mich
nach der schüchternheit
unserer begegnung
wiegst das leichte nach

verschweigst dir selbst
das beben auf der haut
sag jetzt nicht baby
dass es am wetter liegt
oder an den umlauten

Aufzeichnungen eines Unbekannten

Vorzügliche Ideenlosigkeit. Schmerz im Magen, als hinge da die Metallscheibe eines Ufos drin und sendete permanent elektromagnetische Strahlung.

Heiße Semiotik

Gedichte und Kaffee, in dieser Reihenfolge setzten wir uns auseinander

Auseinander gesetzt worden waren wir zum erstenmal

in der ersten Klasse: die Gebote der Jungpioniere

*

galten sie? Kalt

* *

vermerke ich: dieser Vers ist kein Schluss

Namenlos

Ein blasser Mond,
Im Blau schwimmend,
Er kennt meinen Namen nicht.
Hinter Schleiern die Sonne.
Unklare Tage, Licht der Lüge,
Trugbild von Erwartungen.
Die Zukunft, die Unbarmherzige,
Nimmt uns mit großen Schritten
Mit sich fort. Auch sie
Kennt meinen Namen nicht.
Deine Spuren im Sand
Verlieren sich am Horizont,
Und der Wind der Zeit
Verweht alle Gedanken.
Kanntest du meinen Namen?
Worte, geschrieben im Staub
Der Vergangenheit. Im Spiegel
Menschen ohne Gesichter.
Doch auch ich
Kenne ihre Namen nicht.
Namenlos ist
Der Ursprung der Dinge.

Die Popmechaniker feat. „Gedicht zur Stunde der Geburt des Punk in Deutschland“

Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee.
Micha, mein Micha, und alles tut so weh.
Ich im Bikini und du am FKK, Nina im Mienie -
Rotwein war auch da!

(Die Maschine wird behutsam gestartet, ein Anlasser-Unvergleichlich schleppt seinen rechten Fuß hinter sich her)

Es knackt: das magnetische Potenzial bewirkt eine mechanische Bewegung

Busfahrer

Weißt du noch, als wir über den Busfahrer redeten? Es war eine Kontaktanzeige, und der Busfahrer meldete sich. Mit fliehenden Fahnen stellte er sich vor: bunt und unkonventionell versuchte er, von seinem langweiligen und kurvenreichen Beruf abzulenken. Hut auf, Brille hinter den Ohren, Bart angeklebt. Farbiges Shirt, hochgeklappte Schuhe, weite Hose mit engem Bund. Das Jackett: Gelb und viel zu eng. Wir freuten uns: Dank dieses Kuriosums kam etwas Leben in unsere Bude, unter anderem bestand die Gelegenheit, zu Geburtstagen einen Bus zu chartern und mit den Gästen darin zu feiern. Später erfuhren wir von seiner Lieblingslektüre. Diese Lektüre gab auch Aufschluss darüber, weshalb unser Freund sich so seltsam kleidete. Er hatte Stefan Zweig gelesen, diese Geschichte, in der ein Typ vorkommt, der von sich erzählt, dessen extravagantes Arbeitszimmer beschrieben wird, starkriechende Blumen, eine Kordel um die Decke und ähnliche Kinkerlitzchen. Also, der Busfahrer, er war der Typ mit der Kordel.

Was können wir tun, damit aus dem Busfahrer wieder ein Radfahrer wird?

Dicke Gegenwart, dünne Vergangenheit

Zu den Exportgütern der Volks­republik gehören nicht nur materielle Waren. Nach dem Vorbild der deutschen Goethe-Institute hat die Volksrepublik ein weltweites Netz von Konfuzius-Instituten aufgespannt. Konfuzius als Vertreter des konservativen, an sozialen Hierarchien orientierten Sozial­systems wurde in der Ära Xi’s rehabilitiert. Die nach ihm benannten Institute widmen sich dem Spracherwerb und Kultur­austausch – harmlos, wie es scheint. Wieder hat die Volksrepublik auf das bewährte Konzept des joint ventures zurückgegriffen: die Institute sind Teil der Universitäten im Gastgeberland, zur Hälfte aus Beijing finanziert, greifen sie der dahinsiechenden westlichen Sino­logie unter die Arme und genießen im Gegenzug sofortige akademische Anerkennung im Westen.

In der „Zeit der Streitenden Reiche“, einer kriegerischen Epoche vor der chinesischen Reichseinigung im Jahr 221 v.u.Z., zogen in der Wandergelehrte – ähnlich den Trobadouren im europäischen Mittelalter – von Hof zu Hof, um ihre Erfolgsstrategie an die Fürsten zu verkaufen. Die Epoche wurde bereits im alten China als „Zeit der hundert Schulen“ bezeichnet. Es handelt sich um die kreative Zeit des chinesischen Denkens – alle bis heute lebendigen philosophischen Strömungen stammen aus dieser Epoche und wurden in den nachfolgenden beiden Jahrtausenden fortlaufend neu interpretiert. Von den vielfältigen philosophischen Strömungen, die im alten China als „Hundert Schulen“ im Wettstreit miteinander standen, wurden in der Volksrepublik unter Xi zwei Traditionslinien wiederbelebt:

Konfuzianismus

Konfuzius (551-479) hat ein strikt patriachalisches System etabliert, in dem Frauen den Män­nern und die Jüngeren den Älteren hierarchisch unter­geordnet sind. Aufgrund einer fest­ste­henden sozialen Hierarchie werden soziale Verhältnisse – bis zur Erstarrung – stabilisiert. Wissen, Fleiß, Gehorsam, Mitmenschlichkeit und Güte sind kon­fu­zianische Werte, die unter Xi als sozialistische Werte in der Volks­republik wieder­auf­erstehen. Sie veredeln die autoritäre Einmann- und Ein­parteienherrschaft mit einer hu­ma­ni­stischen Oberfläche und unterwerfen den Einzelnen einer positivistischen Moral: Sei aktiv, lerne, tue das Gute!

Legalismus

Mittels Zentralverwaltung, Vereinheitlichung von Schrift, Wäh­rung und Maß­ein­heiten, Zwangs­arbeit, Abschaffung der Erblichkeit von Ämtern sowie einer ausschließlich auf Landwirtschaft und Angriffskrieg kon­zentrierten Lebensweise, führte der Shang Yang (gest. 338 v.u.Z.) den Staat Qin zu preußischer Effizenz und Größe. Prinz Hanfeizi (280-233), ein Schüler des mis­anthropischen Konfuzianers Xunzi (300-239), gewissermaßen der Machiavelli des alten China, setzte sich aus­führlich mit dem paradox erscheinenden Prinzip „Tue das Nichtstun“ (Wei Wuwei) auseinander­gesetzt – er kam zu dem Schluß: der Fürst könne sich am ehesten zurücklehnen und nichts tun, wenn er eine Diktatur errichte, in der die Menschen so viel Angst haben, daß sie alles tun, wenn der Herrscher nur mit der Wimper zuckt. Schöngeistige Bücher sollten verboten werden. Das erreiche er durch die Todesstrafe oder durch Be­lohnung in Form von Landparzellen ensprechend der Zahl der Köpfe getöteter Feinde. Nicht dem Fürsten der Han, sondern dem 13jährigen Ying Zheng (259-210), der zum Fürsten von Qin ernannt wurde, gelang es, China zu vereinen, indem er die Nach­bar­staaten durch Druck, Überredung, Drohung, Eroberung oder Bestechung unterwarf – er nannte sich fortan Qin Shi Huangdi (Ursprünglicher Gelber Kaiser von Qin). Von Qin leitet sich der im Westen ver­brei­tete Name „China“ ab (wäh­rend die Chinesen selbst ihr Land als „Reich der Mitte“ be­zeichnen). Qin Shi Huandi starb jung im Alter von 49 Jahren. Von ihm kündet bis heute die berühmte Grabstätte, die Terrakotta-Armee bei Xian. Unter seinem Sohn zerfiel das Reich.

These 11: Präsident Xi nimmt sich offenbar Qin zum Vorbild – ohne zu erwägen, daß Qin’s geeintes Reich schon nach zwanzig Jahren Rebellen zum Opfer fiel: Es zerbrach am Unmut des Volkes gegen das allzu harsche Regime.

Auf Anraten seines Ministers Li Si (280-208), der ebenfalls ein Schüler von Xunzi war und  Hanfeizi’s Empfehlung eines Bücherverbots folgte, befahl im Jahr 213 v.u.Z. Qin Shi Huangdi, die Mehr­­zahl der auffindbaren Bücher (Bambusrollen) zu ver­brennen und die Gelehrten lebendigem Leib einzugraben.

„Diese Gelehrten lernen nicht von der Gegenwart, sondern von der Vergangenheit, und kritisieren damit unsere Zeit und stürzen die Schwarzhaarigen (die Bauern – die Red.) in Verwirrung. Wenn sie hören, dass ein kaiserlicher Befehl ergangen ist, debattieren sie ihn je nach ihrer Lehrmeinung. Bei Hofe kritisieren sie ihn im Herzen; draußen reden sie darüber in den Straßen. Den Herrscher zu diskreditieren ist ein Weg, berühmt zu werden. Sie leiten ihre Schüler darin an, üble Nachrede zu üben. Wenn Dinge wie diese nicht verboten werden, wird die Macht des Herr­schers oben geschwächt, und unten bilden sich Parteien. Ich bitte deshalb darum, alle historischen Auf­zeich­nun­gen, die nicht aus dem Reiche Qin stammen, zu verbrennen. Außer den Exemplaren, die in der kaiserlichen Hof­akademie liegen, sollen alle Lieder, Urkunden und alle Schriften der Hundert Schulen, die irgend jemand im Reich aufzubewahren gewagt hat, zu den Gouverneuren und Kommandanten gebracht und verbrannt werden. Jeder, der es wagt, über die Lieder und die Urkunden zu diskutieren, soll auf dem Marktplatz hingerichtet werden. Die­je­nigen, die das alte System heranziehen, um das neue zu kritisieren, sollen mitsamt ihren Familien exekutiert werden. Beamte, die von diesen Verbrechen hören oder von ihnen wissen, ohne sie zu verfolgen, sollen genauso be­straft werden wie diese Kriminellen. Dreißig Tage nachdem dieses Dekret ergangen ist, wird jeder, der seine Bücher noch nicht verbrannt hat, mit dem Brandmal im Gesicht und Zwangsarbeit bestraft. Ausgenommen sind nur Bücher über Medizin, Orakelkunde und Landwirtschaft.“ (Li Si, zit. nach Rademacher, 2003, S. 126)

Tatsächlich rettete das Volk eine Vielzahl der Schriften vor den Flammen, versteckte sie in Ton­gefäßen und vergrub diese in der Erde. Bücher­verbrennungen – das war ein archaisch-radikaler, blutiger Versuch der Zensur. Zunächst lehnten die chinesischen Marxisten Qin Shi Huangdi ab und betrachteten die Bauern, die die Herrschaft seines Sohnes stürzten, als Revolutionäre. Zu Beginn des Großen Sprungs sprach sich Mao jedoch plötzlich für den Ersten Kaiser aus, ja, er erhob sich über ihn: Auf der zweiten Sitzung des Achten Parteitages am 8. Mai 1958 lobte er den Artikel Die historische Forschung muß heute dick und in der Vergangenheit dünn sein: „Dieser Artikel beweist, daß es unsere Tradition ist, in der Gegenwart dick und in der Vergangenheit dünn zu sein. Sima Guang wurde zitiert, Qin Shi Huang leider nicht. Doch Qin Shi Huang war ein Experte darin, die Gegenwart zu verdicken und die Vergangenheit zu verdünnen.“

An diesem Punkt entgegnete Lin Biao: „Qin Shi Huang verbrannte Bücher und verbot den Kon­fu­zia­nismus.“

Mao brüstete sich daraufhin mit folgender Dummheit: „Was war denn so außergewöhnlich an Qin Shi Huang? Er hat 460 Gelehrte (Konfuzianer) lebendig begraben; wir haben 46.000 Gelehrte (Konfuzianer) lebendig begraben. Dazu habe ich schon mit gewissen Demokraten diskutiert: Ihr glaubt, ihr könnt uns beleidigen, wenn ihr uns als Qin Shi Huang bezeichnet, aber ihr irrt, wir haben Qin Shi Huang hundertfach übertroffen! Ihr bezeichnet uns als Diktatur – wir bekennen uns gern zu diesen Eigen­schaften, wir bedauern nur, daß ihr derartig hinter der Wahrheit zurückbleibt, daß wir eure Vor­würfe ergänzen müssen!“ (Mao Zedong, 1958, Text 29)

Während der Kulturrevolution setzte sich die Glorifizierung des Ersten Kaisers durch: Seine Ge­walt­herrschaft zum Wohle der Nation wurde bejubelt, dessen Weitsicht China geeint habe. Nur weil er die Staatsfeinde nicht gründlich genug ausgerottet habe, sei er den Rebellen zum Opfer gefallen.

Lang lebe der Mao-Zedong-Gedanke

Zu Studenten und Professoren der Beijing-Universität sprach Präsident Xi:

„Es ist der größte Traum des chinesischen Volks seit dem Opium-Krieg (1840-1842) und das höchste und grund­le­gend­ste Interesse der chinesischen Nation, ein reiches und starkes, demokratisches, zivilisiertes und harmonisches und modernes sozialistisches Land aufzubauen und die große nationale Renaissance zu verwirklichen. Die Be­strebungen aller 1.3 Milliarden Chinesen dienen im Grunde dazu, dieses großartige Ziel zu verwirklichen… Doch wir sind gegen die Schlußfolgerung, daß ein starkes Land zwangsläufig Hegemonie anstrebt, und beharren auf einem friedlichen Entwicklungsweg.“ (ebd., S. 208 ff.)

Zu Politkadern der Kommunistischen Partei Chinas sprach Xi:

„Parteimitglieder und Funktionäre müssen fest an den Marxismus und Kommunismus glauben, sich unermüdlich und gewissenhaft für die Verwirklichung des grundlegenden Programms der Partei in der jetzigen Phase einsetzen … Führende Funktionäre, insbesondere ranghohe, sollten die grundlegenden marxistischen Theorien zur Aus­bildung ihrer besonderen Fähigkeiten beherrschen und den Marxismus-Leninismus, die Mao-Zedong-Ideen und insbesondere die Deng-Xiaoping-Theorie, die wichtigen Ideen der Drei Vertretungen sowie das Wissenschaftliche Entwicklungskonzept gewissenhaft studieren … Parteilichkeit und Volksverbundenheit stehen nach wie vor in Einklang … Dabei setzen wir darauf, ganz nah am Menschen zu und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Unsere Arbeit muss sich dementsprechend daran orientieren, dem Volk zu dienen … Es sollen vor allem Solidarität, Stabilität und Aufmunterung thematisiert werden und positive Berichte sollen dominieren.“ (ebd., S. 188 f.)  

Präsident Xi stammt aus der alten Nomenklatura. Sein Vater trat 1928 in die KP ein und bekleidete während der Hungerjahre nach dem Großen Sprung das Amt des Stellvertretenden Minister­prä­si­den­­ten (1959-1962). Danach war er Gouverneur der Provinz Guangdong. Xi genoß eine privi­legierte Kindheit, bis die Roten Garden seinen Vater verhafteten und die Familie ver­unglimpften. Als Jugendlicher floh Xi in das Dorf Liangjiahe, wo er etliche Jahre als Land­arbeiter unterkam und in einer Höhle lebte. Diese Erfahrung bewegte ihn jedoch dazu, die maoistischen Methoden der Um­erziehung und des Terrors fallenzulassen. Die gegenwärtige Verfolgung der Uiguren in Xinjiang gilt als „die  größte Internierung einer ethnisch-religiösen Minderheit seit der Nazizeit“ (Kai Stritt­matter, 2020, S. 19) Es ist vor allem der kurzfristige Erfolg des Legalismus, den Xi vor Augen hat: ihm verdankt China bis auf den heutigen Tag seine Einheit und ist in Form der wieder ausgegrabenen Terrakotta-Armee Qin Shi Huangdi’s zu bewundern.

Memento mori

Ich weiß nicht, wer es war, jedenfalls einer der Passanten, die jeden Tag am Krankenhaus vorbeikamen. Er war jedenfalls, so wird es erzählt, nachts mit einer Schaufel über den Friedhofszaun geklettert, hatte sich ein Grab gesucht, das gerade aufgelöst, aber noch nicht eingeebnet worden war, hatte gegraben, einen doch recht gut erhaltenen Schädel gefunden und mitgenommen. Jetzt steht der Schädel auf seinem Schreibtisch (manche sagen, das ist nur ein Schauermärchen, wie das Medizinstudenten den Juristen auf Partys erzählen; aber Schädel – die kann man nicht im Internet bestellen). Jeden Morgen singt er jetzt einen lateinischen Hymnus, bevor er seine Tasche nimmt, ins Auto steigt und Montag bis Freitag der immergleichen profanen Arbeit nachgeht.

Schleichwege auf der neuen Seidenstraße

„Wenn ein einsichtiger König re­giert, zeigt sich sein Wirken überall un­term Himmel, ohne daß er selbst in Erscheinung tritt; die zahllosen Lebe­wesen wandeln sich, und das Volk gerät nicht in Ab­hän­gig­keit; niemand wird gepriesen und gerühmt, alle finden Freude in sich selbst; er richtet sich auf durch das, was sich nicht ermessen läßt, und spaziert dort umher, wo nichts ist.“ (Zhuangzi, 7.4)

Wir haben durch Lenins Brille auf den pandemisch angegriffenen Westen geblickt – ein noch klare­res Bild erkennen wir, wenn wir den Blick gen Osten richten, wo der Marxismus/Leninismus bis heute den ideologischen Überbau der Herrschenden bildet, ohne ernsthaft als Analyseinstrument der aktuellen Lage genutzt zu werden: Mao Zedong (wörtlich „Wohltäter des Ostens“), einst als „Steuermann der Welt­revolution“ ge­priesen, vollbrachte unter zahllosen Menschenopfern das Wunder, mit einer schlecht ausgerüsteten Bauernarmee, Japan zu besiegen und den Bürgerkrieg gegen die reaktionäre Kaste von Chiang Kaishek (Jiang Jieshi) zu gewinnen, der sich 1949 schließlich mit einem Großteil der kaiser­lichen Schätze nach Taiwan absetzte, um auf der Insel die „Republik China“ auszurufen. Seitdem blickt Mao’s Konterfei vom Tor der Verbotenen Stadt herunter auf den Platz des Himmlischen Friedens. Doch der alternde Revolutionär kam nicht zur Ruhe. Von der Idee beflügelt, die In­du­strie­produktion des Westens zu übertrumpfen, befahl er den Bauern, „die Stadt auf das Land zu bringen“, in den Dörfern Volkskommunen zu gründen, Werkzeuge selbst zu bauen, Rohstoffe vor Ort zu finden – das hieß letzten Endes die kaum vorhandene chinesische Industrie zu dezen­tra­lisieren, Mini-Hochöfen anzufeuern und auf diese Weise Stahl zu gewinnen. Es sollte der „Große Sprung nach vorn“ werden, der China, die Sowjetunion und den Ostblock mit wissen­schaftlicher Gesetzmäßigkeit an die Spitze des Fortschritts katapultieren sollte, und mündete in der größten Hungerkatastrophe der Menschheit, die von 1959 bis 1962 währte: In wenigen Jahren starben nach offiziellen Angaben der chinesischen Regierungen 15 Millionen Menschen, nach inoffiziellen Schätzungen waren es 45 bis 55 Millionen. Zu dieser Zeit kam es noch darauf an, die Sterbeziffer in der Propa­ganda stark zu untertreiben. Augenzeugen berichteten von eng beeinander liegenden Leichen in den Straßengräben.

Für Mao war dies nicht genug. Die Genossen „der ersten Front“, u.a. Liu Shaoqi – der wie Mao Sohn reicher Bauern war und eine Ausbildung zum Lehrer absolviert hatte – und Deng Xiaoping (seit 1923 sein Parteiname, der wörtlich „Kleiner Friede“ bedeutet), er­klärten den Klassen­kampf für beendet und ver­suchten, das Land mit Hilfe der Anreize eines regulierten Marktes zu ordnen und mit ruhiger Hand aufzubauen. Mao witterte Verrat. Für ihn galt der Spruch: „Mit Chaos auf Erden erreicht man Ordnung im Land.“ Er be­trauerte Stalins Tod, mißtraute der Tauwetter-Politik Chrustschows, dessen Kritik an den Volkskommunen zum Bruch zwischen China und der Sowjetunion führte. Mao befürchtete, daß aus der Unterschicht neue Ausbeuter hervortreten und die Stelle der alten Feudalherren einnehmen würden. Als sich die „erste Front“ vom permanenten Revolutionär abwandte, nutzte er den schwelenden Generationen­konflikt, um die studentische Jugend gegen die neue Funktionärskaste aufzuhetzen: die Große Sozialistische Kulturrevolution begann, forderte im Laufe von zehn Jahren schätzungsweise bis zu 20 Millionen Opfer und stürzte China erneut in den Ruin.

Der Pragmatiker Deng Xiaoping erfand ab 1975 die „sozialistische Marktwirtschaft“, mit der sich China tatsächlich sprunghaft nach vorn zu bewegen begann. Noch auf dem Sterbebett unterstellte ihm Mao, er sei „ein kleiner Kapitalist mit rechter Gesin­nung“, der vom Klassenkampf nichts verstünde und in der alten kapitalistischen Demokratie stehen geblieben sei. (Changshan Li, 2010, S. 190). Hat Mao mit dieser Einschätzung recht behalten?

Nach Mao’s Tod stürzte die Parteiführung die Viererbande – so hatte Mao selbst noch das ihm suspekt erscheinende  Bünd­­nis genannt, das seine letzte Ehefrau Jiang Qing mit den links­extremen Parteisoldaten Wang, Yao und Wang aus Shanghai eingegangen war, um während der Kulturrevolution die Macht, insbesondere in den staatlichen Medien, auszuüben und zur Gewalt auf­zustacheln. Mit der Beschränkung der Amtszeit hoher Beamter und der Aus­arbeitung einer neuen Ver­fassung für die Volksrepublik entfesselte Deng das chinesische Wirtschaftswunder. Indem sich das Billiglohnland China als Werkbank der Welt darbot, wurde nicht nur in kürzester Zeit ein epochaler Wohlstand erarbeitet. Vielmehr gelang es der chinesischen Wirtschaft den westlichen Kapitalismus, allen voran Amerika, Zug um Zug in ihre Abhängigkeit zu ziehen. Während sich im Westen die Staatsschulden anhäufen, wachsen in der Volksrepublik die Dollar­re­serven. Der Zwang, daß westliche Firmen joint venture mit chinesischen Firmen eingehen müssen, wenn sie auf dem chinesischen Markt verkaufen wollen, führte zu einem signifikanten brain drain:  Wur­de den Chi­nesen vorgeworfen, westliche Produktionsgeheimnisse aus­zuspionieren und west­liche Tech­no­logie zu kopieren, geht die technische Innovation nun vielfach von der Volksrepublik aus. Satelliten im Orbit, Taikonauten, Monderkundung, Mars­missionen sind nur die Speerspitze dieser Entwicklung. Indem sich der Westen illusorisch als Hort der Freiheit im Denken und Handeln selbst mißversteht, während die wirtschaftliche Dynamik tatsächlich von der exponentiell wuchernden Bürokratie gebremst und behindert wird, unterschätzt er das chinesische In­no­va­tionspotential.

Freiheit in China spielt sich vorrangig außerhalb der Hauptstadt ab, in den Provinzen und Sonder­wirt­schaftsregionen, wo der Arm der Zentralgewalt nicht hinreicht. „Regieren unter Ver­zicht auf Ein­griffe in den natürlichen Lauf der Dinge“ – ein Grundsatz aus der Philosophie Laozi’s, auf den sich chinesische Politiker gern berufen, wenn es gilt, den autoritären Kern zu verschleiern. In der Praxis werden Regeln pragmatisch gebrochen, Interessen rück­sichtslos durchgesetzt. Groß­projekte schei­tern nicht an Fledermaus-Ha­bitaten oder ein­stöckigen Wohnhäusern ohne Ka­nalisation, die den Trassen der Industrialisierung im Wege stehen. Menschenrechte, Umweltbelange – kein Hinder­nis. Im Westen erscheint der radikale Pragmatismus, von dem in China tätige Archi­tekten und Firmenchefs schwärmen, als Ausdruck eines zen­tralistischen Durchgriffs. Doch auch dies ist eine Fehleinschätzung: Die Führung in Beijing wußte nach dem Ende der Kulturrevolution, daß die Wirtschaft nur Fahrt gewinnt, wenn sie dezentral von Einzelnen vorangetrieben wird. Familien, Gruppen, Clans sind es, die die Regeln bestimmen – der chinesische Staat agiert fröhlich mit.

Insofern ist die „sozialistische Marktwirtschaft“ der Volksrepublik seit Mitte der 1970er Jahre ein staatskapitalistisches System mit marxistisch-maoistischer Fassade, die an den Universitäten nach wie vor zum Pflichtprogramm gehört. In der Volksrepublik muß sich der staats­mono­po­li­stische Sektor nicht erst entwickeln, indem er mühsam die Verwaltung als Kundin gewinnt und in materielle Abhängigkeit zwingt. Der chinesische Staat ist per Verfassung Lobbyist in eigener Sache, der die privat­wirtschaftliche Konkurrenz als Stachel nutzt, um das Wachstum zu beschleunigen. Zugleich achtet er mit Argusaugen darauf, daß Privatunternehmer wie der ehemalige Englischlehrer Jack Ma, Gründer von Alibaba, dessen Firma nicht zuletzt durch einen Milliardeneinstieg von Yahoo Erfolge verbuchte, nicht übermächtig und schon gar nicht zum Kritiker des chinesischen Weges werden – in diesem Fall, welch Wunder, ist der maoistische Revolutionsgedanke wieder zupaß und die chinesischen Wettbewerbsbehörde bereit, den Ausbeuter zu disziplinieren.          

Nun ist die Ära Deng Xiaopings bereits Geschichte. Präsident Xi Jinping, im Volksmund „Baozi“ (gedämpfte Teigtasche) genannt, ließ sich als recht­mäßiger ideologischer Erbe Maos mit Unfehl­barkeitsstatus zum „überragenden Führer“ auf Lebenszeit ausrufen. Seine Ideen zum „So­zialismus chinesischer Prägung“ sollen in die Partei­sta­tu­ten eingehen. Einer seiner Vorgänger hatte bereits das Prinzip der Dreifachen Vertretung etabliert: die Kommunistische Partei vertrete in China die Entwicklung der Produktivkräfte, die Ausrichtung der Kultur und die Interessen der Mehrheit des Volkes.

These 10: Tatsächlich erkennen wir in der Bewegung von Mao, über Deng zu Xi einen Wandel vom Stalinismus zum dynamischen Staatskapitalismus und schließlich zum Imperialismus chinesischer Art.

Der „chinesische Traum“, den Xi stellvertretend für die Volksrepublik träumt, zielt auf die Wieder­herstellung des Reichs der Mitte als Mittelpunkt und Stabilitätsanker der Welt. China hat im internationalen Handel einen Finanzüberschuß erwirtschaftet, den es natürlich ge­winn­bringend anlegen möchte. Das Zauberwort heißt Neue Seidenstraße oder One belt, one road.  Damit ist das Investitions­programm gemeint, mit dem sich die Volksrepublik überall auf dem Globus, wo sich die Chance bietet, seit 2014 einkauft: Sei es der Hafen Piräus vor den Toren Athens, der Duis­burger Güterbahnhof, in dem wöchentlich drei Dutzend Züge aus China eintreffen, der Schweizer Chemiehersteller Syngenta, der Augsburger Roboter­ent­wickler Kuka, Film­pro­duk­tions­firmen in Hollywood, italienische Fußballvereine, ein Hafen in Sri Lanka, die Autobahn in Monte­negro, Eisenbahnlinien und Pipelines in Afrika – es sind gerade finanzschwache Strukturen, die sich von Chinas Unterstützung angezogen fühlen und in die Schuldenfalle tappen. Die Regierung in Beijing bietet keinen Fond mit gleichen Regeln für alle Teilnehmer, sondern handelt die Konditionen bilateral mit jedem Bittsteller einzeln aus. Sri Lanka beispielsweise verpachtete seinen Hafen für 99 Jahre an die Volksrepublik, ein Schelm, wer dabei an Großbritannien und seine ehemalige Kronkolonie Hongkong denkt… Während Beijing von einer Globalisierung 2.0 schwärmt, sprechen Kritiker von einer Kolonisierung 2.0. Als Gegenleistung erwartet Beijing einen Kotau vor seinen geopolitischen Ansprüchen: den Verzicht auf die Anerkennung von Taiwan und des Dalai Lama, die Akzeptanz der Ver­einnahmung des südchinesischen Meeres usw.