Autor-Archive: Marquis de Passade

Über Marquis de Passade

geb. am 2. Juni 1940 in Triest, slowenischer Adliger mit französischen Wurzeln, wurde bekannt dank ei-ner Reihe kirchenfeindlicher und philosophischer Essays, die er im Gefängnis schrieb. Nach seiner Ent-lassung wanderte er aus und nahm eine halbe befristete Stelle an einer deutschen Hochschule an, um die Sadismen des akademischen Prekariats zu studieren. Passades Werke nehmen Kritiken am effizienzbasierten Studium vorweg, dessen Auswirkungen erst mehr als ein Jahrhundert später im Niedergang des westlichen Zivilisation sichtbar werden.

Die Kapitänin verläßt das Schiff

Von | 23. März 2013

Wir hatten es geahnt: Fräulein Pikante fühlte sich zu Höherem berufen und wir sollten vorsichtig sein in unserer Schilderung, um nicht ihren Argwohn zu erregen, an den sie sich gewiß erinnern würde, wenn sie einst Ministerin oder Ministerpräsidentin geworden war. Welch fernes Ziel am leuchtenden Horizont, welch Jubel unter den Spatzen und Möwen auf ihrem… Weiterlesen »

Eine Frechheit

Von | 6. Januar 2013

„Bei großen Preisen sollte man keinen exotischen Weg gehen und nach Kleinverlagen mit avantgardistischer Lyrik suchen.“ antwortete der renommierte Kritiker Hubert Winkels als Vorsitzender der Jury für den kommenden Preis der Leipziger Buchmesse in einem Gespräch mit dem „Börsenblatt“ (Heft 46, 2012, S. 11). Hat er damit seine Neutralität als Juror verletzt? Gibt er sich… Weiterlesen »

Meine Fäuste

Von | 25. November 2012

Zurück zu unserer erfolgreich gescheiterten Heldin, Klara Klarsack, die sich schmollend aus dem Rennen um einen Platz im akademischen Lehrbetrieb zurückzog, nachdem schon beim ersten Anlauf ihr authentisches Praxiswissen so schnöde verschmäht worden war. Um nach ihrem autodidaktischen Höhenflug nicht in eine Depression abzustürzen, stürzte sie sich ins Nachtleben des Städtchens, verunsicherte Clubs und Hauspartys,… Weiterlesen »

Steile Karriere

Von | 29. August 2012

Fräulein Pikante hatte eine herzallerliebste Tochter. Sie malte, spielte Flöte, turnte – Frl. Pikante schickte sie auf die Ballettschule. Dort wohnte sie wochentags im Internat und hatte ihre Ruhe. Den Vater ihrer Tochter hatte sie einst schon zu Beginn der Schwangerschaft verlassen, denn er war beruflich erfolgreich und verdiente gut. Frl. Pikante konnte es nur… Weiterlesen »

Intrigantenstadl

Von | 13. August 2012

Da gab es also eine Gelegenheit, den Kollegen eins auszuwischen. Eine Stelle war zu besetzen. Klara Klarsack genoß nach Abendgymnasium und Studium des Klassischen Materismus bei Heidi Gotthold-Morgenroth, das sie mit Auszeichnung bestanden hatte, die besten Chancen, ihren Job in der philosophischen Praxis einzutauschen gegen eine „eigenverantwortliche Lehrtätigkeit“. Zu erzählen hatte sie wahrlich einiges. Zuvor… Weiterlesen »

en passant schlagen

Von | 19. Juli 2012

Es ist an der Zeit, Fräulein Pikante Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Als junges Mädchen war sie charmant. Sie turnte mit den Jungen auf den hölzernen Gerüsten im Sandkasten, spielte als Libero Fußball, erkannte beim Schach die Züge, bei denen sie en passant schlagen konnte. Ja, sie war ein schlaues Mädchen. Ihr erster Freund: ein Draufgänger… Weiterlesen »

Fräulein Pikante

Von | 11. Juli 2012

Fräulein Pikante hatte einen ehrgeizigen Plan: Sie wollte mit Hilfe der „Neos Demokratos“ die Macht erobern. Nicht die Macht im Lande, das kam vielleicht später. Erst einmal ging es um die Macht an der Schule, die Macht über das Kollegium und den Lehrplan. Wie passend, daß die Aufsichtsbehörde die Schule damit erschreckte, aus der Weltstadt… Weiterlesen »

Klara

Von | 11. Juni 2012

Ihre Karriere begann in der Bahnhofstoilette. Dort lernte sie den Wert von Hygiene kennen, den ihr die Besucher mit Kleingeld, das auf dem Porzellanteller klingelte, nahebrachten. Reinlichkeit blieb für sie kein abstraktes philosophisches Thema, gut für Abschlußarbeiten, sondern wurde unmittelbar geschätzt. In den Mußestunden, wenn Flaute herrschte auf der Toilette, ein Zug Verspätung hatte oder… Weiterlesen »

Lyrikpolemik

Von | 7. Mai 2012

Patricia erhielt Verstärkung von einem Lyriker, der die neue Lyrik für abscheulich hielt. Sein Name war Klaus Kobold, eine Veröffentlichung konnte er noch nicht sein eigen nennen, trotz erfolgreich hinter sich gebrachten Germanistikstudiums. All die publizierenden und preisverwöhnten Lyriker, die sich in der Aufmerksamkeit der Jurys und Lektorate sonnten, riefen seinen Neid hervor. Reim und… Weiterlesen »

Die Frankheimer Spezielle. Eine Groteske

Von | 25. April 2012

Einst erfreute sich die Frankheimer Spezielle Zeitung (FSZ) einer verstohlenen Beliebtheit unter den Kulturherren des Landes: Man empfand einen gewissen Stolz, in ihr erwähnt zu werden, „besprochen“. Die Kritik adelte den Künstler. Professoren gaben Eitelkeiten zum Besten. Zyniker fielen über Novizen her und schlachteten sie genüßlich. Patricia von Todtental hatte lange Jahre des Volontariats hinter… Weiterlesen »