Autor-Archive: unica

Über unica

Petra Schröck: geb. 1965 in Berlin, Studium Modedesign und Kunstgeschichte, als Autorin und Kuratorin tätig. Künstlerische Leiterin der BrotfabrikGalerie. Seit 2005 Rückkehr in und Experimente mit Sprache. 2010 Erika Mitterer Lyrikpreis (10. Platz), 1. Preis Opennet, Solothurner Literaturtage 2010. Veröffentlichungen in artmagazine, Kunstforum International, Belvedere, Parnass, Eikon, Filmdienst, Lyrik der Gegenwart, Edition Art&Science, 2011, Die Rampe. Hefte für Literatur, 4/2011 u.a.

sekundenschleuder

Von | 26. September 2014

meine welt ist ohne welt auf der weltachse hockt ein hase der ist bauzeichner von beruf und hat eine sekundenschleuder konstruiert zum nochmalbeginnen des lebens aufgebogen zum wiederschmecken der sossen nochmals ein glückhaftes glänzen schräggebüschelter bäume reihenweise funkelnder geschmeide aus knochen ohne ein blondes hallo oder stumpfe gespräche über rharbarber das abkindische trägt einen gestreiften… Weiterlesen »

morgens

Von | 21. März 2014

freude in aquarell wie die sonne schon beizt leben gut und schnell mit jeder wolke sie geizt malen doll und nass meine poren aufgeheizt es ist kühl ach lass

etwas wie ein eingeknöpfter akt

Von | 23. Januar 2014

das ich zu hassen dich begann geliebter etwas wie ein ausgeglühtes grau das mein augenlicht betrübt eine willenskurve später ich stelle meinen mund auf tot bei dir und springe vom dach in den nebel mir fliegt die nacht davon im geseier der trösterinnen und stürbe in ihrem willkommensschrei einander schreiend geblieben

zur neige

Von | 21. Januar 2014

schnuckilie gib mir ein kussilie dann werd ich zum roten füchselein und trage mein halsband aus knochen greif dir ins verknopfte halbgesicht schnuckilie gib mir ein kussilie das gedrechselte ist eckig und grünlich gelockt schüchtern in mir dein entfernter begleiter im schwarzen sack im schwarzen sack du kannst deine strumpfhosen ausziehn  

plötzliches pathos

Von | 5. Mai 2013

als wir aus den wolken fielen auf geschmeide aus knochen wie du mir den faden abschneidest an dem mein weggespuckter kadaver hing taucht ich langsam in dein wesen während des betäubenden rauschens dass wir nie gemeinsam geweint haben nur jeder für sich auf wundreise durch gelebtes leben keine ermässigung in dieser liebe zerschrei mich nie… Weiterlesen »

mond über marzahn

Von | 7. April 2013

siehst du den mond über marzahn feuermalrot meine füsse gequetscht in diese spitzen schuhe zum grünen kleid erkennst du die weissen flügel ohne vögel überm landsberger tor gütiger himmel wie grundlos du hier bist ich sehe ihn liebster aus dem autosessel erstklassiger mond ja wirklich hättest deine höhenangst vor mir nicht langsam abwürgen können wie… Weiterlesen »

wärmeverlust

Von | 6. April 2013

zypressungen gezählter tage die trauervögel halten spielaffenfeil und hören nicht mehr auf uns nirgendsmünder alle herzen auf dich gerichtet ein schuss ins blut wird mir dann ewig so klamm sein wütendes sonst du vergehst mir im abklang ich brauche beobachtungszeit

ronnie

Von | 22. März 2013

dritter dienstag geköpfte topfpflanze du fädelst deine strichgewimmel wir schmulen unsren aufgespreizten fingerblick dein spitzes gelächter im nirgendwo durchstösst mein kummerkleid bevor ich die beine in die hand nahm und kaum mehr trost war das ungefügte in den tagen vor ronnie wird gefügig in sänften als ob das leben sinn ergäbe der grosse cy dir… Weiterlesen »

der friederike kempner

Von | 7. Februar 2013

der friederike kempner mach ich ein gedicht ich mach es ihr bei whisky und bei kerzenlicht der friederike kempner singe ich ein lied ich sing ihr zur gitarre vom kleinen unterschied der friederike kempner steck ich gern eine blum ins haar weil sie trotz dorn‘ und kröten so eine dichterin war

verzagen

Von | 24. Januar 2013

das schweigen gebrochen am wasser trunken die schattenrisse der bäume zwischen himmel und erde liebesperlenmusik schweiss zerquetschter sommernächte bilder erdunkelt und fern wie donnergrollen glückselige meldodei ihrer finsterheit schwärmerei ein leuchten ein leuchten meertief und golden ich flieh in dich hinein wie kann ich leben weidwund dir erlegen eine sehnsucht senkt mir das herz in… Weiterlesen »

cleaning my gun

Von | 18. Januar 2013

du bist mir nicht ins aug’ gefallen aber ich dir sogleich in den rücken gesprungen beim rückwärts einworten gott weiss dass du ein grübchen hast das schlapp macht ab und zu wir hatten funken gerissen nein nicht das alte lied mit den zitronenküssen uns’re schreie sind eng beim wasser im mund zusammenlaufen wir sind ganz… Weiterlesen »

im nein

Von | 14. Januar 2013

ein hin und her auf der stelle gepeinigtes herzunterlaufen im kummer des leibes liebeslos abgeworfen schlafunterlaufen im nein trag ich mein verfressenes herz kein huldigungskleid blickloses abendbrot woher genau nimmst du das herzzerreissende deiner stimme herbstprinzen schämen sich in ihren erigierten gesichtern hochschnellend zu tage

trommeln

Von | 30. Dezember 2012

sie stürzen mich hin und runter von den tonleitern ein senken ein ins auge beben tausend kleine zungen heben meine stiefeletten noch in ihre gleissende bleistiftspur sonne mond und güldensterne ich habe meine schande doch schon hinter mir und stinkende küsse auch mein herr fang auf mein blut rühr meine trommelfelle im gnadenkraut der fast… Weiterlesen »

blutschau

Von | 18. Dezember 2012

expression mal wieder rauf mit der wut sonst fühlst du nur hasen geäderte unterarme leblos gekniffen träumt doch euren elitentraum zuschanden in farbgeschwätzte pinsel wenn’s hochkommt liebst du dich selbst bin ich die erfüllungsgehilfin deiner akribischen herzkurven expression mal wieder schärf deine sehnsucht liebster in maulgeflechte und immer wieder und wieder ihre körperabdrücke gggrrrgrreif deine… Weiterlesen »

iiihhh

Von | 19. November 2012

mundschenk mir worte und küss mich ein wenn du mut hast ungeschälte gegenwart wartet im vorübergehn eine strenge seele in der menschenkühle zerspaner und rohrkrepierer führen zu erzählverkrampfung

Plädoyer für Marlen

Von | 2. November 2012

Es gibt magische Verbindungen zwischen einem Buch und seinem Leser – wie es magische Verbindungen zwischen zwei Menschen gibt. Das trifft, wenn wir Glück haben, ein bis zweimal im Leben wirklich zu, dann aber mit einer körperlichen Wucht, die den Alltag aus den Angeln hebt. Und alles verändert. Die erste Verbindung der magischen Art hatte… Weiterlesen »

irrwisch

Von | 21. Oktober 2012

pailletten in flammen zurückgeworfen ach komm die glitzerteufel singen grad so asymmetrisch la melodie d’amour hatte dieser tag nicht eine wunderkappe aus hitze lass mich deine röchelnde furie sein dein ew’ges mädchen überschweig mich doch

futurgrün

Von | 27. September 2012

ich wandere meine einsamkeit überall hin auch zu dir mein glücksrittersporn im spriessenden alphabet der enthüllungen wenn du mir sprachgesellschaft leistet mein herzrasen schneidest einander wiegend im schritte unsrer innigkeit dein milchfarbenes dorf in der manteltasche wie eine murmel im frühlingsmund die blutsaugerouvertüre gen himmel verpufft als sprächen wir draussen anders als dasselbe in grün… Weiterlesen »

fall

Von | 22. September 2012

        falle vom fahrrad in die gracht falle vom dach vom stein vom ast in den einmannsegler falle falle falle durch das morgen durch die nacht in die tränen falle über dich unter dich neben dich mit schmelzenden knien zuckender scham flehenden augäpfeln deine braut ist die see to sad to tell… Weiterlesen »

nachtgedanken

Von | 4. September 2012

die luft ist steinernes erschauern beton frisst endlich elfenbein deine pinsel stehen still engel werden kriminell schweiss sitzt in den ritzen wir lauschen im verein mit den vögeln trauern ihrer bunten lüge nach jö schau die bäume die bäume die bäume wandern aus

kleines résumé (an h.)

Von | 31. August 2012

relativ kurz der weg den wir gegangen sind unerreichbar das ziel wenn wir bald verweh’n war es nicht viel und doch das muss ich dir sagen das stirbt auch keinen tod zurück in meinen glücklichsten tagen warst du ja ja das glück

restsüsse

Von | 29. August 2012

dunkler frühling war einsam bei uns poetisches karo wuchernde blösse frisst sich deine zunge durch meinen schritt klitorisse im schädel zungenschlägereien wer möchte nicht im leben bleiben voller morgenkühle mit füssen am himmel kaum eulenvogerln wo ist meine helle freude die wörter heilen vorbei wie meine magere mutter in knöchellanger erinnrung und schauer erregender eintracht… Weiterlesen »

atempause

Von | 23. August 2012

für einen niemandkommtmoment verblendetes augenrollen vorausgegeiltes liebesgetue die sechswochenwimpernspirale wartet die nachtcreme da genau so unberührt wie dein italienischer zopf dein kaltes sperma dein wintergesicht kannst du überhaupt etwas erraten ausser deinen schniefenden herzgeräuschen aus nervengestränge wort brech mir eine liebe von fern kartoffelbrothautig in der meine kühle atempause endlich verzürnt von unendlich tief unter… Weiterlesen »

softcover

Von | 21. August 2012

leck deine worte aus dem rachen mein herzkammerjäger worte wie gräten in zartesten fisch gespuckt entkältet züge stürzen ins meer überschlagen im schatten deiner ohrmuschel annabell trägt ne tote qualle zum strand prima gemacht mäusespeck aus der tasche ich baue dir auch schneckenscheuchen will kommen tief verliere mich nach deinem sein ein sandgepeitschter happen haut… Weiterlesen »

ujjayi

Von | 16. Mai 2012

wie unterm eis das schneetreiben von gestern meine lust von gestern vertreibt und mich in vorgedrungner nacht baumkronen erschlagen liegt der ursprung der tränen in einem atemzug das ganze grün der welt ausserhalb der worte die nägel schiessen von den kuppen das ist der schönheit letzter flug all deine zungen strudeln mich in figurale farben… Weiterlesen »

jalousie

Von | 6. Mai 2012

das in die asche starren hinter mir lassend und die nach unten geretteten fusssohlen schrei ich dir zärte zu flüster dir schläge ins gemach hochhackig mit schokostrümpfen oder hast du heute lebend noch was vor so gegen neun

halsfrei

Von | 2. Mai 2012

  gleich der abgesang an deine früher hätt’ ich gesagt zaghaft zitronengezehrten versuche an deine lippen sie trocknen um dein letztes wort als auch du im strauch verstummtest du bist da wieso halsen sich die gefrässigen blüten auch an mich lüftest du uns komm her mein schrei weisshäutig wie du nun mal bist vielleicht finden… Weiterlesen »

panik

Von | 30. April 2012

frisch eingesonnte grüne schmerzen in eine männerhand versprochen savin all my love for you geringelte donnerschläge aus dem off gekrochen böse zungen mit augen wie zornesgefolge liebe ist eine un heim lich k e i t

kleines gebet zum sonntag

Von | 31. März 2012

lieber gott du schaust doch alles eins und eins ist entzwei drum schenk mir schnell nen alten saab immer genug kernseife einen dichtenden geliebten fürs innige einen ungewaschenen arbeiter fürs intime einen verschrobenen aufschneider fürs künstlerische eine einäugige katze fürs zwiesprachliche eine runde welt fürs kindliche eine blinkende madonna für du weisst schon ach gott… Weiterlesen »

german boy

Von | 24. März 2012

alles was ich fühle ist vorbei die nachgedunkelte nacht ein rückwärtstastender pinselschlag am hellsten das gute und das böse inkarnat blindlings auf augenbetäubende kraftlackerln die krumme trinkerin oh judenbraut in der kopfmaschine der grosse schöne magische mensch monstranzenbraun frisst seine bilder nichts als die glorie zur bleiche