Autor-Archive: Viktor Kalinke

Über Viktor Kalinke

geb. in Jena, Studium der Psychologie und Mathematik in Dresden, Leipzig und Beijing, Kreativitäts-Preis der Hans-Sauer-Stiftung, Mitbegründer der Edition + Galerie Erata, Promotion, Professur, lebt in Leipzig.

Ende der Zahlenspiele 4.5: Renaissance staatsmonopolistischer Kontexte

Von | 7. Mai 2021

Teil 4: Was hat das alles zu bedeuten? Mit einem Doppelblind-Versuch ins chinesische Zeitalter – die digitale Diktatur  „Was mit Haken und Schnur, Zirkel und Winkelmaß zurechtgerückt wird, ist zu­recht­ge­stutzte Natur; was mit Schnur, Leim und Lack wiederhergestellt wird, büßt seine Lebens­­­kraft ein … Die gewöhnliche Natür­lichkeit biegt ohne Zu­hilfe­nahme von Haken, richtet gerade ohne… Weiterlesen »

Ende der Zahlenspiele 4.4: Die Eroberung neuer Absatzmärkte

Von | 11. April 2021

Teil 4: Was hat das alles zu bedeuten? Mit einem Doppelblind-Versuch ins chinesische Zeitalter – die digitale Diktatur „Seit den Drei Dynastien gibt es niemanden unterm Him­mel, der sich nicht irgendwelcher Dinge zuliebe von seiner Natur entfernt. Der klei­ne Mann opfert sich auf, um Vorteile zu erlangen; der Gelehrte und Krieger opfert sich auf dem… Weiterlesen »

Parabeln auf die Pandemie 10: Das Ministerium für Gesundheitssicherheit

Von | 28. März 2021

Ottmar Spieler, der Direktor des bedeutenden Reinhold-Bäcker-Instituts, das nicht nur eine wissenschaftliche Größe, sondern in erster Linie eine staatliche Oberinstanz darstellte, hatte einen Glückstag: Die Große Vorsitzende ernannte ihn kurz vor ihrer Pensionierung zum Minister. Es war nicht irgendein Ressort, dem der ehemalige Ameisenforscher nun vorstand, es war die Schaltzentrale des Neuen Normstaates (NNS) schlechthin:… Weiterlesen »

Ende der Zahlenspiele 4.2: Wissenschaftsgläubigkeit

Von | 12. März 2021

Teil 4: Was hat das alles zu bedeuten? Mit einem Doppelblind-Versuch ins chinesische Zeitalter – die digitale Diktatur  „Wer mit Ungerechtigkeit Gerechtigkeit anstrebt, dessen Gerechtigkeit bleibt ungerecht; wer mit Unglaubwürdigem Glaubwürdigkeit anstrebt, dessen Glaubwürdigkeit bleibt unglaubwürdig.“ (Zhuangzi 32.17) Die metaphysischen Bedürfnisse des Menschen haben sich in den letzten Jahrhunderten kaum verändert, seine Ängste sind geblieben… Weiterlesen »

Ende der Zahlenspiele 3: Übersterblichkeit als Spekulationsobjekt

Von | 3. Februar 2021

Die Beschwörung der Corona-Krise konfrontiert die Bevölkerung permanent in den Nachrichten­sendungen mit der Zahl der Todesfälle. Seit dem Zweiten Weltkrieg war die Sterblichkeit des Menschen vor allem ein privates Thema, über das selbst innerhalb der Familien nur schwer gesprochen werden konnte. Es blieb spezialisierten Berufen, vor allem dem Bestattungswesen, vor­be­halten, eine professionelle Routine im Umgang… Weiterlesen »

Ende der Zahlenspiele 2: Die Tücken der Exponentialfunktion

Von | 24. Januar 2021

Die Zählung der Intensivplätze, d.h. der Betten und des entsprechend ausgebildeten Personals, ist eine vergleichsweise valide Angelegenheit und gelingt jedem Klinikverwaltungsleiter allein mit Hilfe des Kleinen Einmaleins. Als weitaus weniger valide erweist sich der Nachweis eines in­fek­tuösen Virus. Im Laufe des Sommers 2020 entbrannte ein heftiger Streit über die Aussagekraft von PCR-Tests. In der New… Weiterlesen »

Ende der Zahlenspiele 1: Die übersehene Konstante

Von | 6. Januar 2021

Wer den täglich erscheinenden Lagebericht des Robert-Koch-Instituts liest und auf der ersten Seite, genauer: in der zusammenfassenden Übersicht zu Beginn der ersten Seite, kleben bleibt, der kann angesichts der wachsenden („dynamischen“) Zahlen von Infizierten, Intensivpatienten und Ver­stor­benen im Zusammenhang mit Covid-19 nur in Besorgnis geraten. Diese Zahlen werden täglich im Halbstundentakt berichtet, als gäbe es… Weiterlesen »

Parabeln auf die Pandemie 9: Die Kulturrevolution – ein Plädoyer

Von | 8. November 2020

Noch war der Kapitalismus nicht verloren. Zwar häuften sich die Stimmen, die be­haup­teten, das alte Gegensatzpaar – Sozialismus und Kapitalismus – sei gebrechlich geworden, habe ausgedient. Doch hinter den Kulissen bewegte sich etwas. „Vorhang auf“, rief die Große Vorsitzende, „ihr habt mich bereits abgeschrieben, doch ihr kennt meine Blaupause nicht. Im Westen geboren, bin ich… Weiterlesen »

Parabeln auf die Pandemie 8: Die verrückte Feuerwehr

Von | 3. November 2020

In den südlichen Ländern war eine seltsame Feuersbrunst ausgebrochen: Sie befiel nur die Pinien. Die Zypressen ließ sie stehen. Auch die Föhren und Tannen, von Birken und Eschen ganz zu schweigen. Vor allem, nein, nahezu ausschließlich fraß das Feuer die wunderbar knorrigen, alten Pienen­bäume, die im Wind, der vom Mittelmeer heraufwehte, behaglich knurrten. Es war… Weiterlesen »

Pandemische Paradoxien 2 (Update): Wie geht es den Falsch-Positiven?

Von | 23. Oktober 2020

Die Prävalenz-Falle Insgesamt wirft diese Befundlage zur Fehlerhaftigkeit des RT-PCR-Tests mehr Fragen auf, als sie be­antwortet. Eine indische Forscher­gruppe wertete im April 2020 die Corona-Zahlen aus 210 Ländern aus und korrelierte sie mit demographischen, soziologischen sowie gesundheitspolitischen Daten, auf die ich inhaltlich im Abschnitt „Kontexte“ zurückkomme. Dabei stellten die Forscher ver­schiedene Un­gereimtheiten fest, die auf… Weiterlesen »

Urlaub, Schule, Wellenangst

Von | 18. August 2020

oder Das neue Virus wird harmloser Eine der für medizinische, aber auch juristische Gesichtspunkte entscheidenden Fragen betrifft die Entwicklung des neuen Coronavirus: Wird es im Laufe der Zeit, d.h. im Zuge der für RNA-Viren typischen zahllosen Mutationen, für den Menschen gefährlicher oder harmloser? Vermeintlich liegen uns dazu keine Erkenntnisse vor. Die Erfahrung mit SARS-1 und… Weiterlesen »

Pandemische Paradoxien 2 (Update): Zahlenspiele, frisch frisiert

Von | 3. Mai 2020

„Es wird ja fleißig gearbeitet und viel mikroskopiert, aber es müsste mal wieder einer einen gescheiten Gedanken haben.“ (Rudolf Virchow, Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Pathologie, Bd. 40, S. 4)  „Wähle eine Maske, die einen deiner Mängel übertreibt, dann wirkst du sympathischer.“ (Baron James Ensor, ordentliches Mitglied der Königlichen Akademie von Belgien, Ostende  im August… Weiterlesen »

Parabeln auf die Pandemie 7: Kammer-Bühl

Von | 3. Mai 2020

An einem leicht bewölkten, nicht allzu heißen Augusttag des Jahres 1822 trafen sich Jöns Jakob Berzelius, ein Chemiker aus Schweden, der gerade in Marienbad zur Kur weilte, Graf von Sternberg, Johann Baptist Emanuel Pohl, ein Botaniker, Christoph Nepomuk Drostig, Mineraloge und Goethes Assistent, hm, nein, damals hieß es noch Diener, sowie schließlich, nicht zu vergessen,… Weiterlesen »

Parabeln auf die Pandemie 6: Kleiner Engpaß

Von | 18. April 2020

Fern in Ostasien brach einst eine rheumatische Krankheit aus, die dazu führte, daß die Arbeiter ihre Ellbogen nicht mehr bewegen konnten. Auf den Fließbändern rauschten die Produkte unbearbeitet hinweg und fielen am Ende auf wilde Haufen. Niemand war in der Lage, sich darum zu kümmern. Die Gelenkschmerzen waren einfach zu groß. Die Arbeiter standen wie… Weiterlesen »

Parabeln auf die Pandemie 5: Die Blaupause – Finale

Von | 10. April 2020

Ein Wunder war geschehen: So plötzlich, wie die hochgefährlichen Mehlwürmer in den ukrischen Salamibroten aufgetaucht waren, so rasch verschwanden sie wieder, genauer gesagt, so schnell verwandelten sie sich in normale, ekelerregende Mehl­wür­mer, wie wir sie schon immer kannten. In dem Ameisenbau, den sich die Königin nach der Flucht ihres Volkes gesucht hatte, kannte man die… Weiterlesen »

Pandemische Paradoxien 2: Zahlenspiele

Von | 30. März 2020

Nachdem Hand- und Fußballspiele verboten sind, hat Corona den Kopfball als neue olympische Sportart hervorgebracht: die Zahlenspiele. „Die Corona-Krise hat uns alle zu Zahlenjunkies gemacht. Wie entwickeln sich die Fallzahlen? Gibt es neue Todesfälle? Wie hoch ist der Fall-Verstorbenen-Anteil? Wie hängt er vom Alter der Patienten ab? … Es ist in un­über­sicht­lichen Situationen gut, sich… Weiterlesen »

Parabeln auf die Pandemie 3: Die vergeßliche Ameisenkönigin

Von | 25. März 2020

Von einer Brutpflegerin, die sich einsam im Sand eine sonnige Stelle gesucht hatte, hörten wir heute Mittag folgende Geschichte: Unser Volk hatte an einem Fußweg, der sich zwischen Wald und Feld hindurch schlängelte, seinen Hügel errichtet. Wir waren – wie alle Ameisenvölker – fleißig, hatten den Bau bereits mehrfach umgeschichtet und weitergetragen, an sonnigere und… Weiterlesen »

Parabeln auf die Pandemie 2: Die einäugige Alte oder vom Glück, im eigenen Bett sterben zu dürfen

Von | 22. März 2020

Eine alte Frau verbrachte ihre letzten Tage im Pflegeheim. Sie war mit einem biblischen Alter von 86 Jahren gesegnet, hatte Mussolini, die deutsche Besatzung und schließlich die Nachkriegszeit durchlebt.  Ihre rüstige Tochter, die gerade ihren 60. Geburtstag gefeiert hatte, besuchte sie beinahe täglich. Die Alte war – soweit sie sich erinnern konnte – zufrieden. Sie… Weiterlesen »

Pandemische Paradoxien 1: Krankheitsfolgen vs. Folgen der Krankheitsbekämpfung

Von | 18. März 2020

Taiwan und Südkorea zeigen, daß der Umgang mit der Infektion anders gehen kann, ohne unkalkulierbare ökonomische Kollateralschäden, die beim Über­bie­tungs­wett­bewerb der Länder hier billigend in Kauf genommen werden: ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen sollen sich schützen und geschützt werden, es wird flächendeckend getestet, Erkrankte sollen zu Hause bleiben, sofern sie – wie es in… Weiterlesen »

Leipziger Buchmesse: abgesagt

Von | 3. März 2020

Natürlich konnte Aldous Huxley 1932 nicht wissen, wie ein Fledermaus-Virus zuerst China, dann die Menschheit im Jahr 2020 in Atem hält. Großereignisse werden abgesagt, Arbeiter bei vollem Lohnausgleich in häusliche Quarantäne geschickt – man könnte geneigt sein zu glauben, es sei eine gute Zeit zum Lesen und für die Literatur. Tatsächlich können Texte dramaturgisch kaum… Weiterlesen »

Tänze des Donnervogels

Von | 29. Dezember 2011

Daß die Rechten in Deutschland immer wieder Zulauf haben, hat drei strukturelle, im Kern aber äußerliche Gründe, die auch zusammengenommen nicht ausreichen, den aufkeimenden Radikalismus zu erklären, geschweige denn zu verstehen: Als Erstes ist die Wirtschafts­misere zu benennen. Sie treibt den Keil tiefer in die Gesellschaft, spaltet die Mitte, polarisiert. Einer Minderheit von Krisengewinnlern gelingt… Weiterlesen »

Totentanz

Von | 13. August 2011

  Die Bischöfe könnten sich freuen über soviel Phantasie. Der Sensenmann geht um, die Kranken und Lahmen werfen sich an seine Brust. Die Büßer im braunen Sackleinen geißeln sich selbst und werden von Engeln erlöst. Der dürre Mann mit dem Lendentuch wird nicht gekreuzigt, aber zur Auferstehung erweckt. Der Herbst ruft Todesstimmung hervor mit trockenen,… Weiterlesen »

Serbien sehen!

Von | 16. März 2011

Die Verwandtschaft der Sprachen erzeugt die Illusion einer gemeinsamen Kultur. Doch die Geschichte und konfessionelle Gebundenheit der ehemals jugoslawischen Teilrepubliken könnten kaum unterschiedlicher sein. Jugoslawien war im Auge eines Ostblockbewohners die Alternative schlechthin: der Bruch mit Stalin, die Bewegung der paktfreien Staaten, auf Partizipation zielende kollektive Eigentumsformen und die beibehaltene Reisefreiheit – all dies erschien… Weiterlesen »

Kollektiver Amnesie entgegenwirken

Von | 8. Oktober 2009

Essay von Viktor Kalinke Die Herbstrevolution, die die DDR zu Fall brachte, hatte ihre tieferen Wurzeln in der Spaltung der kommunistischen Bewegung an der Luxemburgschen Forderung nach Demokratie. Bereits in den 1950er und 1960er rebellierten liberal gesinnte Kommunisten wie Wolfgang (Wladimir) Leonhard, Robert Havemann, Wolfgang Harich, Volker Braun und Rudolf Bahro gegen den stalinfreundlichen Kurs… Weiterlesen »

Wesen und Schicksal der Dichtung in den „neuen Ländern“

Von | 20. November 2008

für Alfred Margul-Sperber In diesem Beitrag komme ich nicht auf die Dichtung – die Texte und ihre Verfasser – zu sprechen, sondern wende mich den Umständen, den Kontextbedingungen zu, die die dichterische Produktion in den neuen Ländern bestimmen. Diese Dichtung leidet – hier sei an ein Wort von Martin Buber erinnert – an ihrer Tragik,… Weiterlesen »