Autor-Archive: Theodor Holz

Über Theodor Holz

geb. in Dresden im Herbst 1989, hab die Wendewirren mit der Muttermilch aufgesogen, Pflastersteine wurden aus dem Bahnhofsvorplatz gerissen und flogen knapp an meinem Kinderwagen vorbei, meine Mutter konnte ihren Beruf als Jungpionierleiterin auf dem Albrechtsberg nicht mehr ausüben, sie nahm an einer Umschulung zur Altenpflegerin teil, während ich brav die Kreuzschule besuchte.

Autos und Menschen

Von | 19. April 2021

Wie langwierig : wie vielschichtig Sie herzustellen : welche Mühe Wie schön anzusehen : wie flink Sind sie im besten Alter Wie gebrechlich : bedauernswert Liegen sie im Graben : einen halben Meter neben dem Weg Enden sie : keine Hoffnung Auf Heilung oder Reparatur

Drei Tage vor Weihnachten

Von | 18. Dezember 2020

Nun rattern die Erntemaschinen drei Tage Vor Weihnachten übers Feld : grün reckt sich Das Futter empor für die murrenden Kühe in offenen Ställen : bald gehört Der Mammutbaum mit seinen mächtigen Wurzeln zum „heimischen Gewächs“ Schnee kennen die Kinder Aus Filmen der hundertjährigen Eltern

Eine Stunde

Von | 30. Oktober 2020

Wurde uns geschenkt : damit wir Durchs Laub gleiten : beinahe geräuschlos Fällt es herab : die Äpfel schwimmen Im Fließ : wir stechen das Ruder Ins Flache und stoßen uns ab Die Abstoßungskräfte : sie wachsen Den Worten wohnt Unerbittlichkeit Inne : jeder ist nur auf sich selbst Bedacht : saure Gurken In Dillsoße… Weiterlesen »

Kaum hörbar : laut

Von | 6. September 2020

Im Sturzflug kreisen die Rotoren Hubschrauber erklimmen Berge Beton : Beton : Beton Fürs Hüttchen auf der Alm Der Sturzbach rauscht Kaum hörbar : laut Die Wanderer : sie rasten Im nächsten Jahr : so Bauherr will Ist oben Schluß mit Fasten

Warte : lausche : da

Von | 13. August 2020

Manchmal möchte ich Den Augenblick verlängern : laufe Eine Runde oder zwei : schwimme Warte : lausche : da Dringt sie ein : die Zeit Sie bleibt nicht Stehen : sie verflüssigt sich In meinem Blut : kreist Zwischen Herz und Hirn Im Sitzen trete ich Den Wettlauf an Langsam gewinnt

Bublava

Von | 13. Februar 2020

Heimgesucht von Sabine : geht im Dorf Zwischen den Bergen der Strom aus Ohne Strom wird es dunkel und kalt In Bächen strömt Schmelzwasser Die Straßen hinab : über Nacht Ist wieder alles weiß : die Räder Der Lifts stehen noch zwei Stunden still Bevor sie sich weiter drehen und drehen Bequemes Abenteuer der Selbstüberwindung… Weiterlesen »

Am Rosenberg (Sorbisch Kemnitz)

Von | 31. Dezember 2019

Über Berge in die Klamm geraten Barock thront die Kirche auf dem Fels Rosa Mandelblüte im Dezember Kohlestaub rieselt leise durchs Fenster Die Sonne hab ich im Nebel gesehen Auf dem Vulkan mit vier Geistern getanzt Weiße Dämmerungen über geklöppeltem Schnee Haltet inne : Freunde : kehrt ein Papierschlangen kreiseln vom Himmel Munter murmelt das… Weiterlesen »

Endlich Strammeln

Von | 16. September 2019

Frühmorgens kommt der Stinkefuß Verpaßt mir einen Hinkekuß Es trillerpfeift ein kleines Maul „Papa : lieg nicht rum so faul“ Ob tot : ob foht oder lebendig sind sie Meine Kinder : Mara : Ulf & Thomas Wenn sie sich um mich versammeln „Papa : hör jetzt auf zu gammeln“ Spätabends wenn ich fallend lalle… Weiterlesen »

Im Grunewald : im Grunewald

Von | 2. Juli 2019

Im Grunewald : im Grunewald Ist das noch in Berlin Fachwerk reiht an Villen sich Der Verkehr ebbt hin Die Bankiers sind ausgebombt Die Enkel trinken Bier Im Grunewald : im Grunewald Bist du jetzt und hier Im Grunewald : im Grunewald Streift der Fuchs die Gassen Beschnuppert Autos : durchquert Zäune Hetzen : Jagen… Weiterlesen »

hulyet hulyet, kinderlekh

Von | 24. Mai 2019

Dieses Buch ist ein Lebenswerk über ein Lebenswerk und ein Leben. Uwe von Seltmann, dessen Vater noch in Krakau geboren wurde, der jetzt wieder in Krakau lebt, schreibt eine Biographie des Tate (Vaters) des jiddischen Liedes, Mordechai Gebirtig (1877-1942). Ich fange von hinten an: die Danksagungen füllen zwei Seiten, wie der Abspann eines großen Spielfilms.… Weiterlesen »

Vincent

Von | 7. Mai 2019

Er suchte Licht : das Licht Der Ägypter : gleißendes Gelb : Paul empfahl ihm Den Süden : die langen Tage der Provence : das Gold Der Ähren : das dreckige Gelb der Schafe : welke Sonnenblumen : zum Verrückt- Werden : er trug den tanzenden Stern in sich : die Tänzer In den Caféhäusern… Weiterlesen »

Wolken : Heim

Von | 8. April 2019

Für Elli Das traute : klassisch Humanistische Häuschen Darin richten wir uns ein Und schwingen uns Über die schnöde Welt Der anderen : um ängstlich Blickscheu : am Nachbarn Vorbei zu huschen Zu schleichen : zu lauschen Es gibt eine Verbindung zwischen Hölderlin : Hegel Fichte & Marx Der Staatsterror von 365 Lokalfürsten : das… Weiterlesen »

Abwedeln nicht vergessen

Von | 1. April 2019

Nebel überzieht die Landschaft mit Zucker Mein und dein : bürgerliche Kategorien In den Mistelzweigen nisten die Vögel Damit wir uns küssen und vögeln können Vogelfrei : gehören wir niemandem Ein paar Schnappschüsse vom Abenteuer entfernt In deinen analogen Welten dauert die Entwicklung Eines Bildes eine Stunde : abwedeln nicht vergessen Verstecken wir uns im… Weiterlesen »

Märzdürre

Von | 10. März 2019

Märzsonne brennt : Wiesen trocknen Aus : Dürre verbreitet sich : im Sommer Beginnen wir zu zerrieseln : Saharasand In der Börde : zerstreuselte Urstromtäler Noch sitzen wir im Zug : im Flugzeug Und diskutieren über Rosa : Radikale Noch glauben wir an die Sprengkraft Der Sprache : Märchenhelden sind wir Maulwurf : gleich untergraben… Weiterlesen »

Der Mond : von hinten

Von | 3. Januar 2019

Zeigt er kein Gesicht : einen Krater Hält er versteckt : zweitausend Kilometer breit : nirgends unter der Sonne Gab’s einen größeren Schlag : das All Hat ihn verletzt : den ewigen Lächler Als wäre nichts geschehen : still Steht er vor Schreck : kreist Um die eigene Achse : einen Mond lang : ewig… Weiterlesen »

Olba

Von | 8. August 2018

Bergbauidyll am Weltende Was haben wir hier verloren Was gewinnen wir Zurück : es gibt kein Ende Nur die steppige Einsamkeit Der Wolfsrudel Zusammen : getrennt Jeder beißt sich Für sich durch Adler packen Karpfen Kraniche verschlingen Die Beute im Ganzen

Gojim : Goitzsche

Von | 28. Juli 2018

Da haben sie das Paradies für sich Ausgehoben : dem Schluff und Tuff Entrissen : mit Wasser aufgefüllt So daß sie segeln könnten : davon- Schweben : im Rausch Stattdessen hängen sie sackig In ihren Höhlen und lamentieren All das ist nicht genug : all das Reicht ihnen nicht : sie wissen Nicht : was… Weiterlesen »

Jana dreht’s

Von | 22. März 2018

Der Brummbär aus dem Radio Liebt das Liebesleben Niemand stiehlt ihm seine Show Kommt er : dann sei ergeben Er ist im Radio ein großer Mann Im Leben nur ein Kleiner Er sieht dich und er macht dich an Du denkst : was für ein Feiner Spricht schöne Worte Die dich heiß umgarnen Sein Schnäuzchen… Weiterlesen »

Tango Blues, Neujahr 2018

Von | 2. Januar 2018

In der Mühle drehen sich die Körper An einer Tasse halten sich einsame Herzen fest Dichter Nebel umhüllt die alternden Köpfe Tragen schlurfend zur Schau ihre Lust Vertief den Augenblick : hauch den Atem Mit halbgeöffnetem Mund ins Ohr Des Fremden an deiner Brust : spürst du sie Auch : die bunten Raketen im Bauch… Weiterlesen »

Tiefenrausch

Von | 15. Juni 2017

Heut habe ich ein Wort gelernt : von einer Taucherin Seit sieben Jahren sitze ich : am Grund des Brunnenlochs Nun tauch ich langsam auf : nur nicht zu schnell Der Tiefenrausch hat mich erfaßt : ich nehms Mit Fröschen auf : als wär’n sie Ungeheuer Seit sieben Jahren quake ich am Grund : hab… Weiterlesen »

Die sarmatischen Jahreszeiten

Von | 16. Oktober 2016

Verkleidungskünstler im Winter : akrobatische Übungen am verschneiten Weidezaun : Hangeln über die Grundstücksgrenzen : gymnastische Waage von Mann & Frau beim Tragen der Wasserkrüge : Anbetung des Bauernkönigs der auf wildgewordenem Gespann mit Einbruch des Frühjahrs daherkommt : die Tänzerinnen um den erblühten Apfelbaum wissen die Ernte des Herbstes vorwegzunehmen : Hauptsache es gelingt… Weiterlesen »

spinnengespinst

Von | 5. August 2016

da spann eine spinne ihr netz und eine dicke fliege verirrte sich hinein ach, wie kuschelig, dachte sie da grinste die spinne nur während der wind dem schweren gespinst unheimlichen schwung gab und die fliege inzwischen trocken blutleer klumpig aus dem netz fiel da kam mama mit dem staubwedel und fegte sie beide zusammen in… Weiterlesen »

Leipzig. Zum Hundertausendsten

Von | 24. April 2015

Auf der Plattform des Trümmerberges züngelt Feuer : Gitarrenmusik : Grillwürste : so läßt es Sich zähmen : die Männer lernen mit Äpfeln Jonglieren : Blues hält die Kinder wach : kreischend Laufen sie den Hang hinab : in der Stadt Lebt das Volk auf der Straße : nachts treten Die Bosse aus den Büros… Weiterlesen »

Zuckerguß auf Gewalt

Von | 23. März 2015

Das ist Berlin : Zigeunermusik in der S-Bahn Unbestechlich : nur die Märzsonne Noch liften die Bäume sich : spätwinterlicher Schlankheitswahn : ich träume von Projekten Kaum atme ich die bleigeschwängerte Luft Wie armselig erscheint hier Reichtum Wie verwahrlost Freiheit : hinterm Tiergarten Atmet keiner mehr : alles hechelt Das sedierende Dudeln des Abfahrtsignals Täuscht… Weiterlesen »

gefuselt : gefaselt

Von | 31. Januar 2015

Abhängen : müde wischen die Finger übers übersensible Glas : das die Gesichter beleuchtet : was hat man sich Noch zu sagen : alles flimmert und schimmert irgendwie Auf : Orkus tanzender Buchstaben : zerknautschtes Sternchenkostüm : da hetzt sich noch einer mit wirr Klarem Blick : eilig die Nachricht gefuselt : gefaselt Auf den… Weiterlesen »

neujahr in florenc

Von | 3. Januar 2015

unter den gleisen der hochbahn liegen wir sie schwebt davon auf dem gewölbten bett rote speisewaggons : blaue für rollstuhlfahrer in grünen sitzen lauter Niemand : braune güterwagen hasten polternd vorüber die alarmsirene eines autos : dem sich jemand zu dicht näherte : weckt die einst torkelnden kinder im laufschritt : im zickzack wackeln sie… Weiterlesen »