Autor-Archive: Alberto Cahier

Über Alberto Cahier

geb. 1916 in Lissabon, Kindheit in Durban beim Stiefvater, Studium der Literaturwissenschaft in Lissabon, Handelskorrespondent, bisher einzige Veröffentlichung: Die Rolle des Naiven in der Bauernlyrik. Ein Abriß

Der Hüter der Herde

Von | 27. September 2016

Der Hüter der Herde ist allein : ohne sich einsam zu fühlen Sonne : Gras : Mondschein sind seine Begleiter Er sieht sie : er fühlt sie und daher liebt er Er denkt nicht darüber nach : weil er nicht nachdenkt Spürt er keine Einsamkeit : keinen Haß : keine Rache Weil er nicht nachdenkt… Weiterlesen »

Staub : neu

Von | 21. März 2009

Draht : Eisen : Motorengeräusch hier bin ich & bleibe ein Steinchen : das gemahlen wird zu Staub : neu zusammengemischt aus Erde & Wasser : ich sehe den Himmel wie einen Fetzen Stoff der im Wind flattert : am Morgen gibt es kein Heute : die Zeit verdichtet sich zu einem Zwerg der ums… Weiterlesen »

Der Mund

Von | 30. Januar 2009

für John U. öffnet sich : schließt sich zarte Lippen : zitternd am Unterleib ein Laib : von dem du zehrst denn du lebst ja nicht allein : also fährst du nachts zu ihm : er nimmt dich auf verschluckt dich : schüttet dich zu mit Geschichten von Großvätern : die nicht ablassen können :… Weiterlesen »

Fremdheit : Familie

Von | 17. Januar 2009

Nie hat mein Vater um seinen Vater getrauert. Fröhlich erschien dem Kind die Besatzung in Polen : was für ein guter Job (sagt man heute). Gefolgt vom schnellen Tod auf der Krim. Fünf war mein Vater. Als sein Vater starb. Vermißt gemeldet. Hat mein Vater seinen Vater nie vermißt (sagt er). Drüberweg gehen & weiter.… Weiterlesen »

Wellen & Bäche

Von | 23. Dezember 2008

Ich lasse die Hügel hinter mir : vor mir liegst du mit deinen Wellen & Bächen : im Regen des Worts verstummst du : ächzend ein Berg : auf dem der Wein reift laß uns trinken : du schüttelst die Schafherde ab : alle Felle fallen zu Boden : wir stürzen die Falle schnappt zu… Weiterlesen »

Setzt ihr eure mütze auf

Von | 2. November 2008

Hinter den wäldern : versteckt sich der bär +++ im kellerverlies : türkisch +++ ungarisch : sächsisch : rumänisch +++ der bär tanzt zu jeder musik : donauwalzer +++ hora : ferenc +++ jeder jesus ist für eine krönung gut : orthodox +++ römisch : griechisch katholisch +++ lutherisch : calvinisch +++ uniert & unitarisch… Weiterlesen »

Keine Vehikel & keine Mittel : Gedichte

Von | 24. Oktober 2008

Wir fliegen vorbei : wir fliehen kein Kommunikationsmittel erreicht uns : was für ein Wort : das paßt nicht ins Gedicht : Gedichte sind keine Kommunikation : Gedichte sind Versuche (nein : ich wiederhole jetzt nicht das abgeschmackte Spiel um dieses Wort) Gedichte sind keine Versuche : Gedichte sind vollkommen vollkommene Ausdehnungen der Sprache in… Weiterlesen »

abfahrt : abfuhr

Von | 20. Oktober 2008

sie liegen zwischen ihren schönen frauen fest eingewickelt & beim stich können sie so süchtig nach dir schauen & dir sagen : du : ich will nicht dich es klingelt spät & sie ist wach & wie ‘ne maus schnell an der tür da steht der neue : flüsternd : schwach er will sich vorstelln… Weiterlesen »

Seeluft vitaminhaltig

Von | 9. Oktober 2008

Hamburg : dammtordamm +++ große größe : der häuser & menschen +++ ist seeluft vitaminhaltig : wachstumsfördernd +++ seltsam hochgeschossen wirken die eng mit stoff +++ bespannten beine : die tief in stiefeln +++ stecken wie in keiner anderen stadt : haben sich +++ durchgesetzt auf dem beziehungsmarkt : unter den weiden an der außenalster

der dichter ist : ein diktator

Von | 21. September 2008

Dichten : dictare +++ der dichter ist : ein diktator +++ er gebietet über seine hand : die sklavin +++ & den stift : seinen kuli +++ dann hörts auf : sklavisch ist er +++ ergeben dem hirn & dem traum : nur von ihnen +++ läßt er sich was diktieren : der dichter

Nacht in Czernowitz

Von | 22. August 2008

Eine Nacht in Czernowitz : die archaische Hoffnung auf Geistesübertragung : Jena ist nicht genug die östliche Fruchtbarkeit : sie blüht in den Kneipen in Spielautomaten betäuben mit Muskeln bepackte Arme ihre Wut auf den Systemwechsel : der wievielte ist es überhaupt : wer wünscht die großväterliche k.u.k-Zeit zurück als alles so märchenhaft geordnet war… Weiterlesen »

Veseli

Von | 14. August 2008

Marktflecken : fleckige Häute ausgebreitet auf dem räudigen Gelb der Steine : unter dem Pflaster nur Sand : die abgemagerte Kirche kichert zu allem : was vorbei zieht : die Zeit & die Zeiten sie zuckeln an diesem Nest vorüber : jetzt all the best from the west : waste die Morawa spült ihn ans… Weiterlesen »

trug : ich werde

Von | 10. Juli 2008

diesen ort ließ ich aus : den versammlungs- +=+ ort : agora fahrender jünger +=+ junger fahrer : eingereiht & nach wartemarke sortiert +=+ es geht so friedlich zu : in hierarchien +=+ diskussion überflüssig : zeigen sie +=+ ihre papiere : schweigen & nicken +=+ durchschwirrt den raum : versammelte langeweile +=+ nur ich… Weiterlesen »

Grundierung : beflecktes Gelände

Von | 7. Juli 2008

In Berlin überlebst du dank deiner Gleichgültigkeit die Museumswächter : ausstaffiert mit prächtigen Schnurrbärten : weisen dich aufs Absurde hin schütz deine Gesundheit : indem du vermeidest   dich anzulehnen : dich hinzusetzen : zu atmen die Füße zu lüften : du könntest dir eine Infektion einfangen : Berliner Marmor ist sauber : kein Bakterium… Weiterlesen »

Hechelndes Klappern

Von | 29. Juni 2008

Hechelndes Klappern der Tastatur : das heißt Schreiben die Ohren geschützt vorm Geplapper am Nachbartisch durch schwarze Stöpsel : aus denen Musik quillt wie Mineralwasser : klar & medium gerade gereckt : der Rücken : fällt in sich zusammen : Haltung bewahren darauf kommts an : wir schreiben alle irgendetwas : meistens Berichte die drei… Weiterlesen »

Hören heißt

Von | 9. Juni 2008

Gedichte hören heißt den Wind hören : das Rauschen grau : des Verkehrs : das Verstummen der Stimmen : Gedichte sind hörbares Schweigen urbar gemacht : Rohstoff der Ohren : Gedichte nisten in Pausen massieren das Trommelfell : finden den Weg durchs Labyrinth der Gehör- gänge : rufen Schwindel hervor : das ist die Wahrheit… Weiterlesen »

Lesen heißt

Von | 8. Juni 2008

Gedichte lesen heißt Gedichte schreiben : wer liest der schreibt sie neu in seinem Kopf : der Klang entsteht im eignen Ohr : des einen Schönheit ist des andren Haß & Wahrheit ist eine flüchtige Muße : erfunden im Auge des Dichters fällt sie in den Blick des Richters : Dichter sind Richter : vergiß … Weiterlesen »

schlafstatt für schlaffe tiere

Von | 11. Mai 2008

hochwald +++ schutz vor schwarzschnee : windgeröll +++ schlafstatt für schlaffe tiere : tags +++ nachts : tanzplatz für hungerzähne +++ büchsenrevier für dämmerungsblinde jäger +++ wer kennt die moral des hochwalds +++ tosebach :  streifsau : fluggemse +++ ich habe mich durch ihn durchgeschlagen : bin durch +++ ihn durchgerutscht : die nadeln +++ stecken noch… Weiterlesen »

das es +++ vergiß

Von | 7. Mai 2008

Wir ziehen uns zurück : du & ich +++ sie & er : vergiß das es +++ vergiß das wir : wir ziehen uns zurück +++ in keuchende schluchten : auf schluchzende höhn +++ immer ist bei uns der fauchende bruder +++ immer ist bei uns das maulende luder +++ sie hört nicht : was… Weiterlesen »