Autor-Archive: jonfri

Über jonfri

Jonas Friedrich: geb. 1978 in Erfurt, verschiedene Veröffentlichungen in Magazinen und Lyrikzeitschriften, u.a. in Macondo, Das Gedicht, Dichtungsring und Der Dreischneuß, lebt in Berlin.

Von | 31. März 2013

vor dem tiefdruckgebiet im kopf taucht ab und an der himmel zwischen den wolken auf um luft zu holen ist das haus mit fenstern bebrillt die vögel kehren heim ins exil ihres gesangs

nachmittagsgrau im februar

Von | 19. März 2013

das schneelicht fällt aus dem boden, imprägniert die augen mit kältebissen. füsse walzen den knarzenden grund ins schweigen der luft: fossile echos, die konsonantisch und dumpf durch eine zellwand aus eis dem wintergrab entweichen. angeplatzte knospen starren aus den buschzweigen, kleine sonden, die in die nächste wärme reisen, halblind nach innen wachsen. schon jagt der… Weiterlesen »

skulptur am bau (neuchâtel)

Von | 29. Dezember 2012

als wir über dürrenmatts bauch tanzten und auf der aufgebrüsteten terrasse das seepanorama mit 180 grad wolken und sonnenschein zuknipsten, verknäulte diese halbwelt ein vom föhnwind angewehter ballen aus stahl, faltete sich psychedelisch vom rand her ins firmament, tentakelte mit seinem zerplatzenden korallenrot ins auge, zersang das gegengrün die zirpende stille

remember februar

Von | 14. März 2012

eisgewitterfunken nesseln die haut. die böen ballen ihre fäuste, verrauschen im windfang des ohrs, in dem wir wie in einer höhle eingekauert sitzen und lauschen. die luft schmeckt scharf, kristallisch, intensiv. nach den rauchendgrauen abgasen, die die autos destillieren. nach angekaltetem flugruß, der in die schweren adern der luft hineingewachsen ist. laternen zünden den schnee… Weiterlesen »

kleine stecklinge

Von | 22. Februar 2012

die finger gabeln sich fort ins schweigen der haut, essen ihr milchiges licht, wurzeln im haar des vergessens. ihr tippspiel flink und flunkerleicht wie marionetten, handkehrum in beugeschritten über die steckhecken

Von | 20. Oktober 2011

an der ampel ein rauchiges, fauchendes blubbern, kurz kräuselt sich der schall, dann schluckt er alles kehlig, tief, großvolumig: als eruption. die bauchstimme des motors raugesoffen vom sprit, wundgeritten von der zeit. kugelaugen leuchten wie laternenfische um die dunklen ecken, dann schüttelt sich der kleinbus, schwankt in seinen viel zu grossen schuhen davon, zurück bleibt… Weiterlesen »

Von | 19. Oktober 2011

die trockenheit hat dem gras eine feder gelassen in deiner hand macht sie eine imaginäre reise schreibt ein allzu leichtes traktat über das fliegen

steinkorallen, hornkorallen

Von | 30. März 2011

auf kontaminierten segmenten wuchert rachitisch das polyptoton der polypen, augenhändige, nesselfüßige fibrillenwälder tentakel-tektonik, gestische verwachsungen um hohlwüchsige gastralräume, die wieder und wieder das wasser pflügen und löchern, sich mit ihren saugmündern schwarmleibern landwärts entrollen. symbiontischer tauschtourismus im großstadtbasar der atolle – insuläre meer-akkorde, luftbildamöben, saumselige interpunktionen im atlas der kartographen.

mikronesische karte

Von | 30. März 2011

das meer schwingt in den küstengelenken, rippt den sand mit schwerewellen die wirbelsäulen der inselketten zeugen sich fort bis zum kalkigen hirn der korallen: weg-arterien, evolutionäres vorspiel der ankerfilamente

sehrinde

Von | 30. März 2011

das bild entsteht erst im umkehrschluß auf der netzhaut, auf dem äquator der schädeltangente, dem knochenpanzer aus fahrenden wänden, an dem sich der blutfluß der schallblasen bricht, vielwendige teilchenbewegung amphibischen denkens, echofrakturen, die das auge fältelt, in der konjunktion von pupille und lidrand nach außen zurückflunkert

schädellagune

Von | 30. März 2011

nachts denkt das auge farbig, atmet das ohr lautverschiebungen, ißt die stille die zunge. mit schwimmhäuten genabelt ans mark der sproßachse: zelluläre erosionen des schoßwarm gedoppelten u-boots

blendung

Von | 30. März 2011

das schlagadernhelle streulicht auf der netzhaut des himmels sirrt in das plasma der augenkammern, tätowiert sie mit unschärfen und elektrisch zuckenden umkehrbildern jeder sonnenuntergang ein sex flush mit irisverschluß

ohne Titel

Von | 30. März 2011

ich pflanze meine zunge in die erde um zu vergessen um die zeit zu verwandeln in lebendige Hecken in die falten des alphabets in das asymmetrische spektrum des windes