Kategorie-Archive: Realitätsschatten

Vom Missbrauch der Kunst

Von | 3. Dezember 2021

Jetzt ist es soweit: 2G. Also eigentlich 1G – denn nach einem halben Jahr wird das G der Genesenen schon wieder ausradiert. Fast die Hälfte der Menschen wird von Literatur und Musik ausgeschlossen. Warum? Es soll Druck auf die Menschen ausgeübt werden. Aber, man erinnere sich, gilt nicht der Grundsatz: „mein Körper gehört mir“? Vom… Weiterlesen »

Die Prostata von Berlin

Von | 29. Oktober 2021

„Damals, da hatt ich es so schlimm im Gesicht, da musst ich Cortison nehmen.“ Sie hatten mich in diese Haut gesteckt. Aus der anderen Ecke des Zimmers kam ein schabendes Geräusch. Sie drehte sich herum. der Dreispitz stand ihr gut. Wie eine Flut von rotem Haar breitete sich die Decke über sie. Seltsam, denkt sie… Weiterlesen »

Von | 21. Oktober 2021

schneewimpern tauen zu wassersagt manwenn man über liebe sprichtdabei kenne ichsie nicht persönlich einmal begegnete ich ihrim spätherbstsie trug einen lila mantelund einen regenschirm sie nickte nurim vorbeigehenich blieb stehenund schaute ihr nach

Aphelium

Von | 22. September 2021

Der Wind flüstert Namen wenn er Schwarz trägt und wir eingefangen vom Licht wie Seidenworte, ungesehen vor dem Schattenkreis stehen Zähle die Schritte zwischen letzter Umarmung und wildem Wein vergiss nicht zu atmen

Tönerne Krieger erobern das Abendland

Von | 24. August 2021

Auch Aggression muss sich in heutiger Zeit dem viel zitierten Paradigmenwandel unterziehen. So schickte vor 70 Generationen ein chinesischer Kaiser die Kopien seiner besten Krieger in den Untergrund und verschied, wahrscheinlich im Bewusstsein, dass noch einiges zu tun sein würde bei der Eroberung der Welt. Man könnte auch sagen, die Aussaat einer Idee fand statt,… Weiterlesen »

DAO

Von | 9. August 2021

In fernen Tagen, wennLicht und Finsternis,Herz und Verstand,Wasser und Stein,Welle und Teilchen,Gedanke und Erinnerung,Durch nichtsSich unterscheiden,Werden wir eingehenIn die EwigkeitVon Raum und ZeitAm Ziel einer langen Reise.Und niemand wirdJe von ihr erzählen.Poetische Schwingungen,Zarter Klang stummer Töne.In allen FarbenKonturloses Schweigen.Der Morgen danachWird ertrinken im MeerUnendlicher Schönheit.

sprichst mich stumm

Von | 7. August 2021

in den umlautendeiner glücksmomentefindet micheine wolkige stille du fragst michnach der schüchternheitunserer begegnungwiegst das leichte nach verschweigst dir selbstdas beben auf der hautsag jetzt nicht babydass es am wetter liegtoder an den umlauten

Namenlos

Von | 23. Juli 2021

Ein blasser Mond,Im Blau schwimmend,Er kennt meinen Namen nicht.Hinter Schleiern die Sonne.Unklare Tage, Licht der Lüge,Trugbild von Erwartungen.Die Zukunft, die Unbarmherzige,Nimmt uns mit großen SchrittenMit sich fort. Auch sieKennt meinen Namen nicht.Deine Spuren im SandVerlieren sich am Horizont,Und der Wind der ZeitVerweht alle Gedanken.Kanntest du meinen Namen?Worte, geschrieben im StaubDer Vergangenheit. Im SpiegelMenschen ohne Gesichter.Doch… Weiterlesen »

Die Popmechaniker feat. „Gedicht zur Stunde der Geburt des Punk in Deutschland“

Von | 13. Juli 2021

Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee. Micha, mein Micha, und alles tut so weh. Ich im Bikini und du am FKK, Nina im Mienie – Rotwein war auch da! (Die Maschine wird behutsam gestartet, ein Anlasser-Unvergleichlich schleppt seinen rechten Fuß hinter sich her) Es knackt: das magnetische Potenzial bewirkt eine mechanische Bewegung

Busfahrer

Von | 8. Juli 2021

Weißt du noch, als wir über den Busfahrer redeten? Es war eine Kontaktanzeige, und der Busfahrer meldete sich. Mit fliehenden Fahnen stellte er sich vor: bunt und unkonventionell versuchte er, von seinem langweiligen und kurvenreichen Beruf abzulenken. Hut auf, Brille hinter den Ohren, Bart angeklebt. Farbiges Shirt, hochgeklappte Schuhe, weite Hose mit engem Bund. Das… Weiterlesen »

Das chinesische Zeitalter 2: Dicke Gegenwart, dünne Vergangenheit

Von | 7. Juli 2021

Zu den Exportgütern der Volks­republik gehören nicht nur materielle Waren. Nach dem Vorbild der deutschen Goethe-Institute hat die Volksrepublik ein weltweites Netz von Konfuzius-Instituten aufgespannt. Konfuzius als Vertreter des konservativen, an sozialen Hierarchien orientierten Sozial­systems wurde in der Ära Xi’s rehabilitiert. Die nach ihm benannten Institute widmen sich dem Spracherwerb und Kultur­austausch – harmlos, wie… Weiterlesen »

Siamesische Zwillinge

Von | 5. Juli 2021

„Wir nehmen dich als vage war, aber: Du dirigierst das, was hier gerade gedreht wird. Und: Du bist mit Abstand bis ins Letzte bestimmt.“ Esther wandte sich um. Wer war so blöd, sich einen solchen Satz auch nur anzuhören. Wer erwartete solche Sätze von einer ernstzunehmenden Person? Sie. Eduard hatte zum wiederholten Male Phrasen von… Weiterlesen »

Die natürliche Ordnung der Dinge

Von | 25. Juni 2021

Schlechte Aussichten:Weinende Kreaturen,Fische schreien,Tote Vögel im Watt.Nichts hören,Nichts sehen,Nichts sagen.Das große FressenGeht zu Ende.Der Mars stehtNah den Plejaden,Der Stier hat seine HörnerNun auf uns gerichtet.Die Konten eingefroren,Kleingeld geronnenZu Staub. Die natürliche OrdnungDer DingeIst gestört.

Duldung

Von | 21. Juni 2021

Großes Maul und kleines Hirn,So sind heute leider viele.Verkleiden sich in feinem Zwirn,Und spielen mit uns ihre Spiele. Sie können alles, wissen Bescheid,Ihr Götze ist einzig das Geld.Sie glauben an Macht auf ewige ZeitUnd beherrschen uns und die Welt. Alle paar Jahre dürfen wir wählen,Ob der oder die uns regiert,Unsere Stimme soll ja dann zählen,Wir… Weiterlesen »

Die Krise

Von | 21. Juni 2021

Als Dauergast in unsrem Kreise,Verstört sie uns auf eigne Weise.Sie ist zur Regel uns gewordenFür Störungen verschiedener Sorten.Die Zeitungen benennen dieseAls Grund für alles hier: die Krise. Als Ursache für alle SorgenBeunruhigt sie uns schon am Morgen.Ob Flüchtende, ob Klimawandel,Die Schwierigkeit im Weltenhandel,Das Konto zeigt wieder mal Miese,Wir wissen nun: schuld ist die Krise. Trotz… Weiterlesen »

Wie Preußen die Mongolei eroberte

Von | 3. Juni 2021

Schade, dass Wörter älter werden. Dabei werden sie nicht schöner; Der Sektionsvorsitzende zum Rapport beim Innenminister. Schriftzeichen. Sie haben schon welche, und leider viel bessere als wir. Aber das mache nichts. Tabak- und Alkoholsteuer noch unbekannt, seien sie für Fortschritt noch so offen wie ein Scheunentor. Wie es einstmals der Genosse Lenin ausdrückte – Schritt… Weiterlesen »

Liebe

Von | 23. Mai 2021

für Micha Zwischen Maß und Übermaß spannt sich eine Brücke Wie im Märchen Metalle, die sich mischen und nicht mischen: die Bewegung, Daseinsweise der Materie, hat die Wesen fest im Griff fest im Griff Loslassen!

Späte Jahre

Von | 14. Mai 2021

Wir haben eine Katze und einen Regenschirm. Wir haben einen Raum für glückliche Momente und einen Raum für die Einsamkeit. Vom Fenster aus kann man die schneeverhangenen Berge sehen. Zu weit, sagst du manchmal, viel zu hoch für so kleine Leute wie wir. Dann nimmst du den Schirm und machst eine Runde ums Haus. Du… Weiterlesen »

Hommage für einen Freund durch dessen Augen

Von | 2. Mai 2021

f.P.B. „Gehe weiter. Der Mond wartet.“ „Der Blick in die Mitte ist frei.“ „Mit jedem Schlag kommst du ihm näher.“ „Jahre später fahren wir wieder aufs Meer, irgendwohin, ohne Ziel, begegnen dem Stab, eingewoben in Eis, in Stürmen, beladen mit Muscheln, mit Nacht, zeigend zu einem Pol irgendwo im Schaum.“ „Diese Linien der See, gezeichnet… Weiterlesen »

Was in diesen Augen

Von | 1. Mai 2021

Literatur sei? Eine Bewegung des Körpers, die im Kopf ankommt: Haifischflosse der Hand über dem liegenden Bauchmuskel, Drehung des Arms bis ins Schultergelenk hinein, das Zurückschieben des Wassers in der Höhe bei der Vorwärtsbewegung in Gedanken, auch der Impuls endlich aufzustehen und Finger am Handgelenk über das Papier gleiten zu lassen Der Entschluss nun aufzuhören,… Weiterlesen »