Autor-Archive: Faron Bebt

Über Faron Bebt

schreibt Geschichten mit bunten Botschaften und einem hartem Kern. Immer etwas dogmatisch, aus der Zeit gefallen, verstörend verträumt - wie letzte, angemalte Großstadtbunker --Farbbeton.

El año de los niños sagrados

Von | 30. September 2019

In der Grundschule, die ich heute im Rahmen einer Veranstaltung besuchte, hingen selbstbemalte Pappen aus. Die Sechs-bis Zehnjährigen, die sie erstellt hatten, besaßen offensichtlich ein ausgeprägtes Gespür für den ihren Alltag beherrschenden Zeitgeist und seine massenmedialen Abgesandten. Mir wurde ein wenig kulturrevolutionär zumute, als ich die Kunstwerke näher zu betrachten begann und erahnte, was sie… Weiterlesen »

Re: Reflexionen aus dem beschädigten Leben (Flucht und Wiederkehr XXIX)

Von | 20. Februar 2019

Archie tänzelt, hält das Spielzeuggewehr erst vor die Brust, dann über die Schulter, als schieße er eine Bazooka ab, schließlich hält er es sich vor das Geschlecht, „Phew, phew, phew“, seine Stimme klingt hoch, es wirkt absurd. Um ihn herum lacht die Menge, wirft Münzen. Archie, dessen Sonnenbrille schief über seinem fehldenden Auge sitzt, simuliert… Weiterlesen »

Salomenia (Flucht und Wiederkehr XXVIII)

Von | 17. November 2018

Das junge Mädchen wandelte, des ewig brennenden Himmels reich, Welten, verschwebte inmitten halb rauwinkliger, halb erträumter Städte, passierte gelb und blau mit einer Lilaterne, schwamm hungersüß als Morgengrau, hetzte geifernd um die Schluchten. Rückwärtig schwärmwankte die Prozession im Gleichschritt, schrillte verzerrt umspulte Liturgien, eine obsidiannadelnde Klangwolke, die Tiefenwahn umschlang, versank vor fahlem Springgiftlicht. Um keine… Weiterlesen »

Youth of Today (Flucht und Wiederkehr XXVII)

Von | 27. Oktober 2018

Schweine suhlen sich im Schlammbad, sie grunzen laut, rempeln und beißen, werden mit Abfällen gemästet und schließlich geschlachtet. Der Schweinebraten auf meinem Brötchen schmeckt heute ungewöhlich saftig, was wohl eher der Butter, denn der Qualität des Fleisches zuzuschreiben ist. In der U-Bahn, die aus der Innenstadt kommend Richtung Langenhorn fährt, sitzen zwei Jungen, denen dieser… Weiterlesen »

Uporigination (Flucht und Wiederkehr XXVI)

Von | 27. September 2018

In der Traumzeit suchte, der Morgen graute fern vom Stamm am großen Fels, der Geist des ersten halbnackten Wesens, euch Jungen gleich, malend nach den Ahnen. Warum, fragte er, seid ihr nicht mehr als bloße Erinnerung, strahlt durch euer Vergehen meine eigene Endlichkeit an und lehrt mich euer Scheitern Demut oder ermahnt es mich, eure… Weiterlesen »

Dr. Zsäsegs Mind Machine (Flucht und Wiederkehr XXV)

Von | 5. September 2018

Versuchen Sie einen Text zu imaginieren, in der eine Protagonistin handelt, ohne auf einen Mann angewiesen zu sein. Eine Geschichte, die von vorne bis hinten auf jeglichen Anflug reaktionärer Zynik verzichtet, in der keine von Herkunft, Aussehen und Bildung ausgehenden Vorurteile kolportiert werden, keine Reduktion auf Geschlecht, Weltanschauung oder Geschmack vorgenommen wird – eine Geschichte… Weiterlesen »

Anasthasia (Flucht und Wiederkehr XXIV)

Von | 5. Juni 2018

Tief in dich tauchend, gedenkst du wirklich zu sein? Unter all diesen sozialen Perücken, emotionalen Häuten, logischen Knochen, moralischen Organen: Was ist der Kern aller idealistischen, progressiven Gedanken, aller tiefenpsychologisch genährten, abgeklärt austherapierten und nie kopierten Sehnsüchte? Welcher Bewußtseinsschleier verhüllt deine gehetzte, versetzte, verletzte, mit Narbgewebe umnetzte Seele – selbst vor dir? Lebenswunder, schenke  Sommerlicht… Weiterlesen »

No Quarter (Flucht und Wiederkehr XXIII)

Von | 9. Mai 2018

„Entschuldigen ‚Se bitte die Störung!“ Eine eingeübt akzentuierte Stimme mit berliner Zungenschlag durchbricht die vorsommergetränkte, spätnachmittagliche Dösigkeit eines halbleeren S-Bahn-Wagons zwischen Hackescher Markt und Alexanderplatz. Jüngere Touristen-Kleingruppen, mittelständische Arbeitnehmer/Innen und zwei 55-65-jährige Golfclubmitgliedsehepaare räkeln sich im warmen Licht. Der Fernsehturm glänzt nah. „Bei meiner Hündin Cora wurde ein Tumor an der Lendenwirbelsäule festgestellt und ick… Weiterlesen »

Solidaritätskippa oder die Reise zum toten Mehr (Flucht und Wiederkehr XXII)

Von | 25. April 2018

Dieses eine, seltene Gefühl, das einen beispielsweise überkommt, wenn im Frühling der Himmel grau, windig und regnerisch, aber die Blätter der Straßenbäume jung und grün sind, wenn beschmierte Klinker-Häuserwände sich mit kleinen, bunten Altbauladengeschäften abwechseln – die eine Hälfte des Gesichtes traurig sein und die andere lächeln will. Kurz vor Beginn der ersten Intifada steht… Weiterlesen »

A Day In The Life (Flucht und Wiederkehr XXI)

Von | 22. März 2018

„Elle est de Livron-sur-Drôme“, flüsterte ein Geist. „Liesville-sur-Douve!“ ein anderer, „Les Sables-d’Olonne!“ der Dritte. Oh, das kenne ich, da war ich schon, erinnerte  sich der Zeitreisende mit großen Augen und ein Sommer streichelte seine Neuronen. Die Sonne schien hell, ein Wesen – mir zutiefst ähnlich und doch fremd, eines lebendigen Spiegelbildes gleich – saß in… Weiterlesen »

Skylarking (Flucht und Wiederkehr XX)

Von | 5. Februar 2018

Da Menschen des Stromes aus ihren konditionierten Träumen erwachen, ist der junge Tag noch gehüllt in den Leib der Nacht; doch rufen Trommeln aus dem fernen Tempel, die Kontinuität des Seins und der Zeit zu ehren. Die Fellachen hoffen auf Verkündigung des heliakischen Aufgangs – der Rückkehr des Sirius nach siebzig Tagen – und mit… Weiterlesen »

Blattmatsch (Flucht und Wiederkehr XVIII)

Von | 25. September 2017

‚Ja-Gen‚. Ein dackelhaftes, mit sabberndem Eifer kravattiertes Wort. Genaugenommen bezeichnet das Ja-Gen eine oft sozialdarwinistisch aufgeladene Befürwortung biologischer Beißreflexe. Das Ja-Gen ist gleichzeitig ein Euphemismus und findet nur deshalb Verwendung, weil die Anhänger des Ja-Gens die u.a. von Soziologen postulierte Existenz bzw. die damit einhergehende Signifikanz eines ‚Nein-Gens‘ vehement ignorieren (ein Bestreiten ist nicht möglich,… Weiterlesen »

Ande (Flucht und Wiederkehr XVII)

Von | 21. September 2017

„Am Anfang der meisten Projekte steht ihr Ende – denken, handeln, erfüllen. Manche Projekte sind jedoch einer solchen Natur, dass ihr letztendliches Ziel, gar das Bewußtsein von ihrer Existenz, erst im Laufe ihres Wirkungsraumes erkennbar wird. Am Ende der meisten Projekte steht ein neuer Anfang. Einige Projekte kennen kein Ende. Und die Mehrzahl scheitert. Wenn… Weiterlesen »

Über die Schizophrenie des Schreibens (Flucht und Wiederkehr XVI)

Von | 21. September 2017

Sie singt, er sucht, sie schleicht, er schreckt, sie schwebt, sie sieht: Er fängt sie auf – sie sinkt. Schreiben kann vieles sein, wie beispielsweise das Bewundern von Schönheit einer noch ungeborenen, nur geahnten Syntax; Formgebung, Schöpfungsakt, Tempelbau aus Silben. Bei anderen, profaneren Anlässen verführt das Schreiben zu einem trügerischen Gefühl der Kurzweile, spielt mit… Weiterlesen »

Augusteische Sentenzen (Flucht und Wiederkehr XIV)

Von | 3. August 2017

Der Sommer, obschon laut Kalender in voller Blüte, ächzte bereits leicht verwelkt daher. Was, dachte sich der Wandel, könnte all den bunten Farben nun schmeicheln, da hoch ihre Zeit noch stünde? Die leicht altkluge Stimme eines Mädchens, vielleicht 9 oder 10 Jahre alt, ertönt von der anderen Seite des Kühlregals. Sie will ihrer Mutter helfen,… Weiterlesen »

P. Ostkost (Flucht und Widerkehr XIII)

Von | 24. Juni 2017

Wenn ein sehr fröhlicher Mensch einmal nur lacht zier’n sein Gesicht Schatten der Nacht. Und wenn Frieden im Blick eines Freundes dir sagt da ist nichts mehr, worüber er klagt, dann ist  Leben uns nah und so fern, ist Liebe hegen die Gabe des Herrn, und ein altes Lied klingt dabei sacht wie ein Traum,… Weiterlesen »

Kapitänin Ahaba und der weiße Wal (Flucht und Widerkehr XII)

Von | 10. November 2016

November. Es schneit. Fast könnte man meinen, es seien gefrorene Tränen. Freudentränen? Eisige Freude also – Sarkasmus und Zynismus entfalten eine eigene Ästhetik. So wie der Industriegeruch eines Datenträgers oder eines Neuwagens irgendwie interessant ist. Die Wähler der „Rust Belt“ Staaten haben dem Establishment den Finger gezeigt, liest man. Es scheint, als ob die „Bernie… Weiterlesen »

Irritation, Indignation und Inspiration (Flucht und Widerkehr XI)

Von | 6. November 2016

Heute ist wieder mieses Wetter. Trotzdem fühle ich mich so lala,  vielleicht ein wenig verkaufsoffen, wie man im real existierenden Kapitalismus liturgisieren könnte. Ehrlich gesagt möchte ich mich heute über alte Leute lustig machen, ganz ohne schlechtes Gewissen und anfangs einfach weil ich noch nicht alt bin (I’ve got a feeling). So wie unreife Jugendliche… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr X

Von | 3. Oktober 2016

Mit spitzen Krallen und tiefschwarzem Blick stolzieren Raben über verwitterte Kapitelle. Einst streckten auf diesen Säulen – blind  geworden ob  des ewigen, gleißenden Lichts – Heilige ihre Hände in die flirrende Luft und riefen ferne Zeiten an. Noch immer starren ihre geistigen Schatten – krächzen und krähen,  lechzen zu sehen. Eidechsen huschen zwischen Rissen und… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr IX

Von | 25. September 2016

Herr, schnell! Dreh eine neue Zeit, dass bald wieder bunte Tage werden einer schwarzmilchig befllissenen Welt! An vom Eise befreiten Strömen erlöse uns, die wir selbstverwunschen nach Vergebung lechzen als totgeglaubter Friedensspross. Ewiger Sommer – weich schimmert Licht. Dein sanftes Gesicht streicht  alle Winde, treibt aus – ein Lächeln, ein Schwingen – herzblutig rinnendes Ringen… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr VIII

Von | 5. September 2016

Obschon der Belagerungsring der alevitisch-schiitischen Allianz gestern nach dreiwöchiger Unterbrechung wieder geschlossen wurde, hat eine Sunnitenmiliz in Aleppo angeblich achtzig Prozent eines loyalistischen Stadtviertels (Al-Amiriyah) eingenommen. Währenddessen ich die Ruinen des einst eintausendfünfhundertzimmrigen Palastes von Knossos besichtigt habe, sind junge, angeberische Engländer auf Quad-Bikes die Partymeile von Malia, an der mein Bed-and-Breakfast liegt, hoch- und… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr VI

Von | 30. Juli 2016

Jenes Mädchen, dessen geheimnisvoller Blick schon während des Gelages die Aufmerksamkeit des Großkönigs auf sich gezogen hatte, fuhr ihm nun mit vorsichtigen Händen über den Hals und die Schultern. Sein Hofmeister, oberster Diener, der jede Nuance seines Fühlens und Denkens teilweise noch vor ihm selbst zu erkennen vermochte, hatte sie ihm im Anschluß an die… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr V

Von | 19. Juli 2016

Der Himmel lächelte milchig blau zur Nacht. An seinem Rand verwischten, verführerisch in seidenes Orange gehüllt, rosa Streifen – blässlich, verschämt und doch verheißungsvoll. ‚Ach, Sommer – Wie bist du mir ein Schwerenöter und Freund zugleich!‘, dachte ein alternder Mann, der langsam einen jener begrünten Kanäle entlang wanderte, die die wohlhabenden Viertel seiner friedlichen Stadt… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr IV

Von | 12. Juli 2016

Ejnes Tages fjel ein Buchstabe jm Kampf um das Wort ejnes Tages war er frej und fort – ganz ohne iegliches Gehabe Ein Bekannter will nun anfangen zu schreiben, erzählte er mir kürzlich am Telefon. Auf WikiHow, einer Online-Ratgeberplattform könne man hilfreiche Tipps zur Konstruktion eines Romans aufrufen. Charakterdesign, Setting und so weiter und so… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr III

Von | 12. Juli 2016

Eine Milbe schaut die Sonne, ein Blatt reitet Sturm – wenn hoch das Lauschen aufsetzt, rauscht leis ein Unterton und tief in Traumtambourengeistern, groß wie klein, hallt lachend, voller Mond, Unendlichkeit herein.   „Und? Was halten sie davon? Ist es nicht interessant?“ „Hm.“ Frau Altermann-Zupf schaute den Doktoranden mit ernster Miene an, unterdrückte dabei ihr… Weiterlesen »