Archive for the ‘Erinnerungsbrösel’ Category

luzid

Montag, November 25th, 2019

Wir spielten uns selbst und gerieten beim Sprechen in Verse.
(Peter Kurzeck)

 

die treppenstufen gezählt
21   22   23
die herzschläge
24   25   26
oben angekommen und wieder nach unten
alles noch einmal von vorne
die treppenstufen der herzschlag

am ende die müdigkeit

und schließlich fingen wir an zu leben
im häuserschatten der jordanstraße
schwammen wir stadtauswärts
auf der bockenheimer landstraße
wuchs das gras hoch über den kopf
die menschen sprachen französisch
in unserer botanisiertrommel

nur reste von gräsern und blüten

klack klack klack
schlugen die boulekugeln aneinander
und spritzten in alle richtungen
nach staufenberg lollar gießen
tachau franzensbad frankfurt uzès
wieder einmal standen wir am anfang eines neuen lebens
erst ein regen- und dann ein schneewinter *

viel später der vorige sommer und der sommer davor **

 

———————————————————————-

* aus Peter Kurzeck: Übers Eis, Roman, Frankfurt am Main (Stroemfeld), 1997
** Peter Kurzeck: Der vorige Sommer und der Sommer davor, Roman, Frankfurt a. M. (Schöffling&Co.), 2019

Im Gedenken an
 Peter Kurzeck (*10.6.1943 Tachau, +25.11.2013 Frankfurt a.M.)

V.

Dienstag, November 5th, 2019

Nicht gesehen von dir,
schmerzte,
trieb mich weiter und weiter.
Nie wirklich gekannt,
gehalten von dir,
machte mich haltlos.
Zeitlose Ewigkeiten in der
Vergangenheit,
Längst vorbei, vermeintlich,
Ruhelosigkeit bis heute.

Endlose Zeiten heute
lassen dich sehen.
Im Jetzt.
Aber das Vergessen
ist schneller
als das Verstehen.
Langsames Verschwinden,
Verblassen,
ohne Wiederkehr,
ohne Abschied.

Heimweg

Sonntag, November 3rd, 2019

Manchmal falle ich
in Zwischentöne,
die drängender hallen
als Menschen und Züge.
Gedanken sterben an Ampeln.
Wenn ich alles auf Rot setze,
zerfällt mein Kopf
über Unebenheiten
der Zeit, hält der Atem nicht inne
über unerledigten Dingen.

Manchmal stoße ich
ans Innere der Müdigkeit.

was bleibt

Montag, Oktober 28th, 2019

das laute aufgesogen
sturmböen im gemüt
und die tage in die haut geritzt
nun faltet großvater
das leben zusammen
im fahlen licht des endes
sagt er
bleibt nur ein wort

Chósebuz

Freitag, Oktober 4th, 2019

Ich saß im Lauterbach und wartete. Nicht im hauptgeschäft in der Sprem, sondern in der filiale in der Fürst-Pückler-Passage, gegenüber dem bahnhof, gleich neben dem schwedischen hotel, in dem ich wohnte. Ich wartete auf P, wir waren verabredet. Ich war zu früh. Ich nahm sein manuskript und las.

Wir haben den krieg schon lang vergessen, das ist wahr. Und wahr ist auch, dass ich die menschen liebe, ich habe viel für sie übrig.

Ich hatte mich entschlossen, den fotoband zu machen. Die idee stammte von Gary, und eigentlich auch wieder nicht. Gary hatte auf der party davon gesprochen. Ihm schwebte ein band mit schwarz-weißfotos vor, nur schwarz-weißfotos. Man müsse einfach eine kamera nehmen und damit durch die stadt laufen, überall gebe es motive. Ich hatte Gary auf der party von meinen spaziergängen erzählt. Tagelang hatte ich mich in den gassen und winkeln der historischen altstadt herum getrieben, hatte die außenbezirke durchstreift, war über die gelände der stillgelegten tuchfabriken gestolpert.

Warst du schon im Museum für Neue Kunst? fragte Corinna und fuhr fort, die haben da ein irres gemälde! Und dann beschrieb sie es in allen einzelheiten, ich kannte das bild. Gary meinte, ich müsse gleich am nächsten tag die ersten aufnahmen machen. Fotografiere alles, was dir vor die linse kommt, und überlege nicht lang, wähle nicht aus! Einfach draufhalten und abdrücken, das genüge für den anfang. Aber ich hatte da meine eigenen ideen.

Das bild führt die vergänglichkeit vor augen. Im linken bildvordergrund sieht man die grablegung Christi. Weiße tücher umhüllen den leichnam des Heilands, des erlösers der welt, den sein vater in der stunde des todes verließ. Der verdrehte kopf Christi mit dem vom betrachter abgewandten gesicht weist in den rechten bildhintergrund. Eine stillende mutter mit kind wohnt dort einer kreuzigungsszene bei. Eine menschenmenge aus soldaten in kampfuniformen, alten herren im frack, badegästen und freizeitsportlern bindet eine nackte, farbige frau an einen holzpfahl und peitscht sie aus. Die geschlechtsteile der frau sind überdeutlich abgebildet. Über allem schwebt eine riesige dornenkrone mit der aufschrift vita e morte! Den leichnam Christi trägt ein nacktes paar. In der bildmitte sieht man eine größere, unregelmäßige stelle, die unbemalt ist. Die rohe leinwand bildet dort einen markanten fleck. Vielleicht wollte der künstler damit das unausdrückbare nichts ausdrücken? Seitlich rechts und links von dem gemälde befinden sich große fotocollagen aus fetzen von werbeplakaten, illustrierten, modejournalen, politischen magazinen, tageszeitungen und anderen schriftstücken. Das gesamte ensemble gleicht einem tryptichon. Der titel des kunstwerkes lautet dreieinigkeit oder der sechste schöpfungstag.

Die tage wurden kürzer, die nächte kälter, das wetter schlecht, es war november. Genau die richtige jahreszeit für die fotos, grau und kälte standen der stadt gut. Da waren das nasse kopfsteinpflaster in der Bautzener, dort, wo sie die bahngleise querte, das gras neben dem bordstein, die letzten hundeblumen blühten zwischen den ritzen der pflastersteine, da waren die spiegelungen in den pfützen. Nichts in der stadt war eben und glatt. Da gab es verfallende fassaden der bürgerhäuser aus der gründerzeit gleich neben neu herausgeputzten fassaden.
Kontraste, licht und schatten, ideal für schwarz-weißaufnahmen, rauhe oberflächen, gebrochene strukturen. Mauerwerk ohne mörtel, putz, der nicht haftete, ornamente bis zur unkenntlichkeit verwittert. Gehwege aus fest getretenem erdboden neben neu asphaltierten straßenbelägen. Ich fotografierte alles, arbeitete konventionell, altmodisch: eine sucherkamera, manuelle belichtungsmessung, grobkörniges filmmaterial, unscharfe konturen. Die besten motive wollte ich in einem zweiten gang mit einer mittelformatkamera, makroobjektiv, blitzschirm und feinstem filmkorn noch einmal aufsuchen. Jede einzelne ecke, rauhigkeit wollte ich wie in studioatmosphäre festhalten.
Die Friedrich-Ebert-Straße und die beiden kirchen, die kleine wenden- oder landkirche des ehemaligen klosters und die große bürger- oder stadtkirche, hatten es mir als motive besonders angetan. Es schneite, als ich in die Sprem einbog, die mit matten, hellen granitplatten neu ausgelegt worden war. Futuristische straßenlaternen mit graphitfarbenen masten aus hohlprofilstahlblechen säumten die fußgängerzone. Gary war fasziniert von meinen bildern, Corinna wollte mit mir schlafen.
Warst du schon im fußballstadion? Gary meinte, dass ich da unbedingt bei einem heimspiel hin müsse, die idee hatte ich vor seinem vorschlag auch schon gehabt. Ich wollte die menschen in der stadt fotografieren, die gesichter, mit einem normalobjektiv. Nur kein tele! Ich wollte den menschen ganz nah sein, ihnen auf die pelle rücken. Ich wollte ihre körpertemperatur und ihren atem einfangen, die hautfältchen unter den augen und auf den handrücken festhalten.

Gary tupfte sich mit einem in gesichtswasser getränkten wattebausch die schminke aus dem gesicht, ich stand hinter ihm und beobachtete ihn im spiegel. Die ganze garderobe roch nach isopropylalkohol, schweiß und vaseline. Hast du mich gesehen?
Ich wollte lügen und ja sagen, aber Garys gesichtsausduck merkte ich an, dass er mich durchschaut hatte.
Du warst nicht in der vorstellung, sag es frei heraus!
Ich schwieg.
Gary beendete das schweigen: was hältst du von Corinna, gefällt sie dir, hast du bemerkt, dass sie in dich verknallt ist, verknallt ist nicht der richtige ausdruck, dass sie versucht, dich anzumachen, und mit dir schlafen will?
Hast du schon die probeabzüge der fotos aus dem stadion angeschaut, wie findest du sie?
Gary schminkte sich weiter ab und sagte nur: jetzt lenk nicht ab!

Er begann, sich auszuziehen.
Natürlich habe ich bemerkt, dass Corinna es auf mich abgesehen hat! Und, weil ich Gary nicht belügen wollte, sagte ich es frei heraus: es ist auch schon passiert zwischen uns, zwischen Corinna und mir!
Er sackte bei meinen worten innerlich zusammen.

Nach einer weile sagte er: hast du alles vergessen?
Er war nackt und stand direkt vor mir. Ich schämte mich und wusste nicht, wo ich hinschauen sollte.
Schau mich nur an, schau mich an! schrie Gary.
Früher hast du es oft getan, und noch mehr, du hast dich nie geschämt! Es hat dir sogar gefallen!

Weißt du, dass Corinna es mit jedem und jeder treibt? Und nach einer kurzen pause: warum wirfst du dich so weg?

Und dann fiel er über mich her wie ein tier, wie ein dürstendes und ausgehungertes tier, genau wie damals, beim ersten mal, und ich hatte nicht die kraft, mich zu wehren, erinnerte mich an damals, an unseren sommer, der nicht enden wollte und dann doch geendet hatte. Auf einmal hatten wir genug voneinander gehabt und uns schließlich sogar gehasst.

Als wir aus unserem taumel aufwachten, beide nackt am boden dieser schäbigen garderobe eines drittklassigen provinztheaters, stand Corinna in der tür. Sie musste schon eine weile dort gestanden haben.
Die fotos sind großartig, sagte sie, drehte sich um und ging.

Auf dem weg zurück in mein hotel wartete ich lange vor der geschlossenen schranke des bahnübergangs an der Bautzener und stierte über das nasse kopfsteinpflaster. Der mann im stellwerk beobachtete mich. Nass vom regen erreichte ich das hotel.

Erinnerung und vergessen liegen manchmal ganz nah beieinander, manchmal sind sie aber auch sehr weit voneinander entfernt.

Ich legte das manuskript beiseite und schaute aus dem fenster: grau. P kam noch immer nicht. Ich bestellte einen kaffee. Ein theaterstück fiel mir ein, das ich vor jahren verlegt hatte.

In dem ersten bild des stücks, einem vorspiel im paradies, war es auf der bühne zuerst ganz dunkel gewesen. Eine männer- und eine frauenstimme hatten im wechsel freiheit, die ich meine, gleichheit für alle, brüderlichkeit, schwesterlichkeit gesagt. Beim spielen der Marseillaise war das licht angegangen: eine aufrecht gehende, nackte frau hatte einen gebeugt gehenden, nackten mann an einem lederhalsband mit leine über die bühne geführt. Der mann hatte versucht, sich aufzurichten, war aber mit peitschenhieben von der frau daran gehindert worden. Auch seine hilferufe hatten ihm nichts genützt. Dann war das licht erloschen, und über lautsprecher hatte man den John-Lennon-Song woman is the nigger of the world gehört.
Im weiteren verlauf des stücks war eine inzestgeschichte zwischen vater und tochter vorgekommen. Die tochter hatte über ihr seelisches leiden gesprochen, der vater war in form eines geistes, eines gespenstes erschienen.

Gespenster, überall gespenster. Geister.

sand

Freitag, Oktober 4th, 2019

Jedes korn in der sanduhr des lebens ein traum. Sie rieseln langsam und beständig, nach jedem umdrehen des glases neu. Reiben sich aneinander, reiben sich ab, gegenseitig, nach jedem umdrehen des glases, langsam und beständig, jeder mensch ein korn. Und der sand ist der sand im getriebe der geschichte, ist der sand, auf den wir träume bauen, der sich abreibt nach jedem umdrehen des glases, ist treibsand, fließsand, der zerschwimmt unter dem druck der geschichte, die über ihn hinweg fließt, langsam, beständig, immer wieder neu, nach jedem umdrehen des glases.
Dies waren meine gedanken, als ich knietief im nassen sand stand, der unter den füßen zerrann. Ich stand bis zu den hüften im sand, stand im wasser, der sand wurde unter meinen füßen zu wasser, wurde wieder zu sand, je mehr ich strampelte und kämpfte, um mich zu befreien. Wasser und sand um mich herum. Was zunächst wie fester boden ausgesehen hatte, entpuppte sich mehr und mehr als flüssigkeit, als treibsand, fließsand, in den ich einbrach, in dem ich versank, in dem ich unterzugehen drohte.

Erich hatte uns damals am bahnhof abgeholt, es war schon dunkel gewesen. Er hatte uns mit dem alten wartburg zu dem dorf gebracht, wo die mutter meiner mutter geboren worden war, die aber nicht mehr gelebt hatte, die jahre vor meiner geburt gestorben war, und wo die urgroßmutter noch gelebt hatte, bei ihrer tochter Ella, der frau von Erich, der schwester meiner großmutter. Ella war eine nachzüglerin gewesen, nur zwei jahre älter als meine mutter. Großmutter, die in der nahen kleinstadt verheiratet gewesen war, hatte sich damals geschämt, dass ihre mutter mit Ella zur gleichen zeit schwanger gewesen war wie sie mit meinem onkel, dem älteren bruder von mutter. So hatte es mir mutter später einmal erzählt.
Es war ein sehr kleines dorf gewesen, 500 seelen hatten dort gelebt: eine ländliche gegend. Ich erinnere mich an das plumpsklo über dem hof.
Einmal war Ella mit uns auf besuch zu anderen verwandten gegan¬gen, zwei dörfer weiter in einen anderen landkreis. Unser aufenthaltsvisum hatte dort nicht mehr gegolten. Mutter und ella hatten deshalb angst gehabt. Das hätte schwierigkeiten geben können, hatte mutter später gesagt, wenn man ohne gültiges visum erwischt worden wäre. Man hatte sich immer und überall polizeilich zu melden, selbst wenn man bei verwandten übernachtete. Aber gottseidank war nichts passiert.
Und keine zehn jahre später — Erich war inzwischen gestorben, ein unfall, eine rauchvergiftung beim verbrennen von feuchtem holz im garten — hatte Ella, weil sie rentnerin gewesen war, frührentnerin, uns jedes jahr für ein paar wochen im westen besucht.

Die republik wuchs und zerschwamm wie der sand unter meinen füßen, der treibsand, fließsand war.

Rin in die kartoffeln, raus aus die kartoffeln! Fernsehantenne über die balkonbrüstung, fernsehantenne unter die balkonbrüstung! Heute hüh, morgen hott! So ähnlich könnte man den zustand und die entwicklung der republik beschreiben. Immer getreu dem alten motto der partei – und die hat ja bekanntlich immer recht! – und ihres großen vorsitzenden: den westen ein- und über-holen! Und was wir schon zu überholmannövern ansetzten. Aber im grunde genommen wurden wir bereits beim start abgehängt, das war ein glatter fehlstart, wir kamen einfach nicht aus den startlöchern. Auf der ersten geraden, der gegengeraden, sahen wir euch im westen nur noch ganz klein und von hinten. Und dann standen auf unserer bahn immer wieder hindernisse, hürden, während bei euch alles glatt, geebnet war, einer lief immer voraus und machte den weg frei. Inzwischen sind wir mehrfach überrundet.
Aber freut euch nicht zu früh, bis zum ziel ist es noch lang. Nicht, dass es euch am ende so geht wie dem hasen mit dem igel, dass wir schon dastehen im ziel, oder einer von uns, der sagt: bin schon da!
Reginald, lass doch den jungen in ruhe damit, das versteht der sowieso nich! Gell? Ihr im westen seid doch alle ein bisschen blöd, und wir hier sind die einz’schen gescheiten! Naldi, was mussde dem jungen immer die ohrn volljammern, mehr als fressen und scheißen können die da drüben ooch nich!
Darauf trinken wir erst mal einen, und spüln den ganzen sozialismus runter! Und dann trinken wa noch een, und spüln euern kapitalismus gleich hinterher!
Jetzt lang aber mal ordentlich zu, sonst sagsde drüben im westen noch, bei uns hier gibt’s nischt zu essen! Nimm nur kräftig viel, das sind grüne klöße! Gell, die macht dir deine mutter nich? Die is ja ooch schon zwanz’sch jahre weg von zuhaus. Wahrscheinlich würden die thüringer klöße mit euren schwäbischen, oh pardong, badischen kartoffeln sowieso nich gelingen. Ihr esst ja am liebsten spätzle oder maultaschen, und trinkt dazu sauren schprudel!
Ja liebes patentantchen, das werd ich daheim erzählen, wie ich hier verhungert bin und keinen sauren schprudel gekriegt habe.
Selters! Heißt das, selters! Nicht saurer schprudel!
Nu setz dich mal, Karin, und iss auch was mit, und lauf nich immer nur in der küche rum!
Die grünen klöße waren hervorragend gewesen. Keine hatte sie so gut wie Karin kochen können. Und dazu hatte es hasen gegeben, richtigen, keinen falschen. Naldi hatte ihn bei sich zu hause im vogtland extra für uns westbesuch organisiert. Es hatte auch gestimmt, dass meine mutter, seit sie rüber gemacht hatte, keine thüringer klöße mehr gekocht hatte. Aber sie war ohnehin keine begeisterte köchin gewesen und haushalt nicht ihr ding. Nur meine schwester hatte beim essen die nase gerümpft. So derbe kost war sie nicht gewöhnt gewesen.
Am nachmittag hatten wir alle zusammen einen bummel in die stadt gemacht und kaffee im interhotel getrunken, gegen westgeld, mutter hatte bezahlt.
Überall in der stadt waren spruchbänder mit politischen parolen aufgehängt, es war kurz vor dem ersten mai gewesen:
Kampftag der internationalen arbeiterklasse, für den aufbau des sozialismus, seite an seite mit dem sowjetischen brüdervolk, kampftag der befreiung vom faschismus, die werktätigen aller länder, die soundsovielte internationale, die jugend der welt, die fdj, veb, die partei, der staatsrat, das zk, die sed … Und so weiter, und so weiter … !
Da kann einem schon mal ein kloß im halse stecken bleiben, vielleicht ein echter thüringer, ein grüner … Wie ihn der gute alte herr geheimrat (gott hab ihn selig!) Seinerzeit auch gegessen haben mag!
Lang leuchte der sozialismus, lang lebe die halde von ronneburg, wismut, missmut, mit mut! Solang noch ein kumpel einfährt in den schacht, solang bleibt die hoffnung, dass er auch wieder ausfährt, drunten bleibt nur das uran, das deutsch-sowjetische!

In Cottbus angekommen, fuhr ich sofort in mein hotel. Es war leicht zu finden, lag beim bahnhof, und außerdem hatte ich einen stadtplan.

steine

Donnerstag, Oktober 3rd, 2019

Ein paar steine fehlten bereits, fehlten schon lange, nur hatte es bis dahin keiner bemerkt. Konnte es nicht bemerkt haben, weil der blick in eine andere richtung gelenkt war, nicht auf die steine in der mauer, die unsichtbaren und die sichtbaren, sondern nach westen, nicht nach osten, wo der feind stand. Wir hatten uns gewöhnt an die stacheldrähte, die elektrozäune, die gitter, die mauern, die selbstschussanlagen, die minenfelder. Und die wachtürme waren unsere eigenen wachtürme, die unsere gedanken bewachten. Die grenzen waren unsere eigenen grenzen. Alles war in uns, kam aus uns heraus, um wieder in uns zu verschwinden. Manche hatten ursache und wirkung verwechselt, und so hatten wir, was wir verdient hatten. Aber das ist vorbei. Vorbei?
Und plötzlich, eines tages im november, waren alle steine in der mauer weg. Nicht lange, und die ganze mauer war nicht mehr da. Verschwunden waren die stacheldrähte, die elektrozäune, die gitter, die mauern, die selbstschussanlagen, die minenfelder. Alles war aus uns heraus, um wieder in uns zu verschwinden. Ein paar verwechselten von neuem ursache und wirkung, und nicht lange, und wir hatten wieder, was wir verdient hatten. Aber das ist … Kein stein blieb auf dem anderen!

Verkehrsprojekt deutsche einheit hatte als überschrift auf dem baustellenschild gestanden, das ich ein paar kilometer zuvor passiert hatte, irgendwo in der gegend von Bayreuth. Ich wunderte mich auf einmal darüber. Hatte ich doch seit langem aufgehört, mich zu wundern, aufgehört, mir fragen zu stellen, die ich mir früher gestellt hatte und die immer die falschen fragen gewesen waren. Ich war nicht der einzige gewesen. Ich hatte im trend gelegen, keine antworten zu suchen, nicht zu fragen, falsche fragen zu fragen und falsche antworten zu erhalten. Ich hatte die situation hin zu nehmen, wie sie war, nicht nach der versprochenen verfassungsreform zu fragen, die längst überfällig, hinfällig war, von der niemand mehr redete, das land hatte andere sorgen, dreizehn jahre nach dem fall der mauer.
Himmelkron, Marktschorgast, Gefrees, Münchberg, Hof: die namen der autobahnausfahrten. Rechts einordnen tempo 100, rechts abbiegen tempo 80, einspuriger baustellenbereich tempo 60 in der überleitung. Und dann bergauf, bergab, weit geschwungene kurve rechts, weit geschwungene kurve links, bergauf, bergab, rechts, links.

Seit dem fall der mauer war ich nicht mehr im osten gewesen, das heißt, so ganz genau stimmte das nicht. Einmal, im mai fünfundneunzig, war ich mit dem auto durch die ehemalige DDR gefahren, die neuen bundesländer, von Nürnberg-Hof kommend über Plauen, Chemnitz, Dresden, Görlitz weiter nach Kattowitz und Krakau. An einer autobahnraststätte im Vogtland hatte ich getankt und bei dieser gelegenheit gleich mittagspause gemacht. Das mobiliar in dem rasthof, die bedienung, das geschirr und das essen hatten alle noch von vor der wende gestammt, nur der belag auf den straßen war neu gewesen: eben, glatt, ohne schlaglöcher.
Früher, vor der wende, war ich öfters drüben gewesen, auf besuch bei verwandten. Heute? Heute fahre ich nicht mehr hin, Süditalien reizt mich mehr.

Wie ich den fall der mauer erlebt hatte? Rotz und wasser hatte ich geheult!
Ich hatte damals im ausland gearbeitet, in der Schweiz. Genau am tag der ersten grenzöffnung war ich mit dem auto unterwegs gewesen, in einem vorort von Bern. In der mittagspause war ich nach hause gefahren. Aus den zwölf-uhr-nachrichten im autoradio hatte ich von der grenzöffnung gehört und sofort am straßenrand gehalten. Die gefühle waren aus mir heraus gebrochen, den ganzen körper hatte es geschüttelt.
Daheim hatte ich zu meiner frau gesagt: du, die mauer ist offen! Sie hatte es erst gar nicht geglaubt. Nach dem essen hatten wir die ein-uhr-nachrichten gehört und alles noch einmal, dass die mauer offen wäre. Abends, in der tagesschau im fernsehen, hatten wir dann die bilder gesehen: wie sie aus dem osten mit ihren Trabbis in den westen gefahren waren und von den menschen im westen gefeiert und beklatscht worden waren. Alle hatten getanzt und gesungen und gelacht und geweint und gerufen: die mauer ist weg!
Ich hatte an meine verwandten gedacht, drüben, ob sie wohl auch dabei waren? Wie lange hatten wir alle auf diesen augenblick gewartet!
Am nächsten tag auf arbeit, im büro, hatte ich erst einmal nichts zu meinen schweizer kollegen gesagt. Zwei slowaken aus Bratislava, die kurz nach dem prager frühling in die Schweiz geflohen waren, hatten sich mit mir gefreut. Die meisten schweizer hatten auf die ereignisse in Deutschland mit angst reagiert und geäußert, dass das wiedervereinte Deutschland zu stark und zu einer gefahr für die nachbarländer, besonders zu einer gefahr für die Schweiz werden könnte. Zwei jahre nach dem mauerfall waren meine frau und ich wieder nach deutschland zurück gekehrt.
Meine verwandten aus dem osten, die nach der wende drüben geblieben waren, hatten mich nie in der Schweiz besucht. Ich hatte sie erst vor vier jahren bei der hochzeit meiner schwester wieder gesehen. Sie hatten mich auch im westen nie besucht, bis heute nicht.

Er stand unauffällig, wenige zig meter links neben der fahrbahn, auf einer anhöhe, bei einer gruppe sträucher in freiem feld. Fast wäre er mir nicht aufgefallen: der ziemlich vollständig erhaltene überrest einer vergangenen zeit, ein schmuckloser grauer betonbau mit quadratischem grundriss, ohne fensterrahmen und -scheiben in den aussparungen. Seine frühere funktion war mir sofort gegenwärtig und warf mich weit zurück in eine zeit, die ich schon längst vergessen geglaubt hatte. Und ich wunderte mich plötzlich, dass ich so ruhig blieb und so selbstverständlich vorbei fahren konnte an dem ehemaligen wachturm, der unauffällig neben der autobahn stand, wenige zig meter links neben der fahrbahn, auf einer anhöhe, bei einer gruppe sträucher in freiem feld. Und er sah aus wie noch in betrieb, wie wenn die mannschaft gerade auf ablösung fort gegangen wäre, und die neue mannschaft noch nicht auf posten.
Ich fuhr langsamer und wartete, dass die straßensperren auftauchten, dass man mir nachschösse, dass die minen hochgingen, über die ich fuhr, dass die grenzer mich stoppten im todesstreifen, im niemandsland. Aber nichts von alledem!

Es ist kalt, sehr kalt, ein wintertag in zeiten des kalten krieges. Ein zug, der interzonenzug, fährt in dieser kälte von west nach ost, ich erinnere mich noch genau, wie wenn es erst gestern war, und ich noch ein kind. Im zug sitzen meine mutter, meine kleine schwester und ich. Wir fahren auf besuch zu verwandten in die zone, wie meine mutter immer sagte. Das erste mal zurück in den osten, seit meine eltern rüber gemacht hatten. Die mauer steht seit drei jahren, meine schwester wurde im westen geboren, vor der mauer, einen monat vor ihrem bau.
Ich spüre genau den geruch des zuges, züge riechen immer so. Ein bisschen nach kaltem zigarettenrauch, nach kunstlederbezügen der sitze, nach toilettenmief, der über die plattformen in die gänge dringt, in die abteile. Nach fußboden, über den viele menschen gegangen sind … Meine erste große zugfahrt, an die ich mich erinnere.
Und dann fährt der zug langsam, und noch langsamer, bis er schließlich anhält. Und ruckartig wieder anfährt, ein stück rollt und wieder stehenbleibt. Und alle müssen aus dem zug aussteigen mit ihrem gepäck. Die reisenden stehen auf dem bahnsteig, in dieser kälte, es dämmert bereits. Alle schauen, was los ist, wo sie hin müssen, und drum herum stehen männer in uniformen, schmucklosen uniformen. Die männer tragen maschinenpistolen, und da sind schäferhunde, suchhunde, und wachtürme, auf denen männer in uniformen stehen. Mit ferngläsern suchen sie die gegend ab, auch den bahnsteig. Ich sehe zäune, hohe zäune, mit stacheldraht darauf, sehe masten mit scheinwerfern, die die schienen und den bahnsteig anstrahlen, obwohl es noch nicht dunkel ist, nur neblig und grau. Die reisenden müssen in die flachen holzbaracken gehen, auch wir, mit dem gepäck, der reihe nach, einer nach dem anderen, von den wachmännern begleitet. In den baracken werden die ausweise kontrolliert, ich habe schon einen eigenen, einen kinderausweis, und meine kleine schwester ist nur im pass meiner mutter eingetragen. Das visum wird kontrolliert, und meine mutter befragt. Ich schaue durch das fenster nach draußen: der zug auf dem bahnsteig wird von den männern in uniformen und von den schäferhunden durchsucht. Die koffer werden kontrolliert, auch innen, gerade innen, dort sehr genau. Der grenzposten, der unseren koffer durchsucht, entfernt das zeitungspapier, in das die schuhe eingewickelt sind, und gibt es dem zweiten grenzposten. Meine mutter hat angst, auch die anderen reisenden haben angst, ich beobachte alles mit neugier. Die geschenke, die wir unseren verwandten mitbringen wollen, werden ganz genau kontrolliert. Alles dauert sehr lange. Als die kontrollen vorbei sind, dürfen wir wieder hinaus auf den bahnsteig mit unserem gepäck, auch die anderen reisenden kehren auf den bahnsteig zurück. Wir dürfen wieder einsteigen, alle, und man hat die lok gewechselt, eine alte dampflok ist jetzt vor die waggons gespannt, und der zug setzt sich in bewegung und rollt eine weile, bis er richtig fahrt aufnimmt. Ich strecke den kopf aus dem fenster, schaue den zug entlang nach vorne zur lok, die ich in den kurven sehe. Ich schmecke den rauch.
Warum rattern und schlagen die waggons? frage ich mutter, und sie antwortet: weil die schienen alt sind und schlecht aneinander liegen!

Ich schaute in den rückspiegel, war schon lange vorbei an dem wachturm, sah nur landschaft, autobahn, keine grenze. Und der wachturm war der wachturm, war nicht der wachturm, der meine gedanken bewacht hatte, der die grenze bewacht hatte und wieder nicht, die meine eigene grenze gewesen war, sie nicht gewesen war. Alles war in mir gewesen, aus mir heraus gekommen und wieder in mir verschwunden. Ein übrig gebliebener, schmuckloser grauer betonbau.
Wo war die wachmannschaft? Wohin waren die offiziere gegangen, die der mannschaft befohlen hatten? Kein stein war auf dem anderen geblieben. Ich fuhr weiter auf der A 72 in richtung osten.

Es ist kalt, ein kalter wintertag. Eine frau sitzt im zug, der von ost nach west fährt. Bei sich hat sie ihr kleines kind, ein säugling noch. Alles ist vorbereitet und genau durchdacht. Es gibt nichts, das sie im osten hält. Die frau ist im besitz einer erlaubnis zum besuch ihres bruders, sie hat ein visum für sich und ihr baby. Sie wird die rückfahrkarte nicht mehr brauchen und erst einmal für eine weile bei ihrem bruder bleiben, bis sie eine arbeit und eine wohnung im westen gefunden hat.
Ihr mann wird wenig später über Berlin nachkommen. Er wird im ostsektor der stadt in die s-bahn steigen und im westsektor aussteigen. Ja, gefährlich ist es schon, es ist nicht erlaubt. Die bahnhöfe werden kontrolliert. Man muss aufpassen, dass man nicht erwischt wird und ins gefängnis kommt, es ist republikflucht. Aber alles geht gut.
Später, beim bau der mauer werden sich die frau und der mann an ihre flucht erinnern. Dann werden sie froh sein über ihren schritt. Als flüchtlinge werden sie nie anerkannt werden, sie waren nicht verfolgt gewesen. Sie hätten genauso gut drüben bleiben können, es gab keinen grund zum weggehen, ihr leben war nicht bedroht, werden sie während des antragsverfahrens auf den behörden zu hören bekommen.

Und die autobahn führte mich weiter auf meiner reise, vorbei an Plauen, Zwickau, Chemnitz, Dresden. Wilde Sau, Wilder Mann, Dresden Flughafen, dann nach norden auf der A 13, richtung Berlin, und rechts hinter den kiefern- und birkenwäldern tauchte der erste tagebau auf, man sah nur die obere spitze des auslegers, ahnte nur den dazu gehörigen, riesigen bagger und das gigantisch große loch, in dem er stand. Neben der autobahn lagen die stahlrohre für das viele wasser, das weg muss aus dem loch, und am himmel der formationsflug von kranichen, die nach süden zogen, in wärmere gefilde. Dreieck Spreewald war erreicht, rechts einordnen tempo 100, rechts abbiegen tempo 80 in der überleitung. Irgendwo links in der ferne musste der Spreewald liegen.Und nicht lange, da tauchte der nächste tagebau auf, diesmal ganz nahe der autobahn. Davor, in freiem feld, der neu errichtete nachbau einer slawenburg, sie war noch nicht eröffnet, wie ich später erfuhr. Die autobahn in richtung Polen war fast leer, mein ziel Cottbus ganz nah.

Sinnbettungen

Donnerstag, Oktober 3rd, 2019

Bewußtseinspreziosen
voller Herz
in Fabeln;
nacherzählend
vom Tränenflug
im Rätselspruch

El año de los niños sagrados

Montag, September 30th, 2019

In der Grundschule, die ich heute im Rahmen einer Veranstaltung besuchte, hingen selbstbemalte Pappen aus. Die Sechs-bis Zehnjährigen, die sie erstellt hatten, besaßen offensichtlich ein ausgeprägtes Gespür für den ihren Alltag beherrschenden Zeitgeist und seine massenmedialen Abgesandten.

Mir wurde ein wenig kulturrevolutionär zumute, als ich die Kunstwerke näher zu betrachten begann und erahnte, was sie wohl gesellschaftspolitisch Bedeutsames zu verraten schienen.

Da war es, ein eher seltenes Gefühl, das sich in der oberen Magengegend einstellt, wenn einer Person bewußt wird, dass gerade etwas Wichtiges bezeugt wird, etwas, das prägend ist und die Wahrheiten jener Zeiten für immer tief in ihre Seele brennt.

Das Bonmot, die Revolution fresse ihre Kinder im Sinn, lief es mir eiskalt den Rücken herunter. Diese Grundschulkünstler: die Revolution, ich: ihre Kinder. Was ihre Plakate implizierten, war deutlich. Das neue Gebot: Fahrräder (grüner Haken). Die Verbote: Fleisch, Käse, Autos, Kreuzfahrtschiffe, Flugzeuge und dass Schlangen Plastik fressen.

Soweit, so radikal. Als ich jung war, kamen mir Gleichaltrige oft zu unpolitisch vor, zu konsumgeil und zu gemein.

Doch in den Hinterlassenschaften der hiesigen demographischen Repräsentanten schwelte offensichtlich noch etwas weitaus Düstereres – Angepasstheit, gepaart mit gleichgeschaltetem Eifer. War es eine junge Lehrerin vom Bund deutscher Meisenliebhabex, die das Feuer entfacht hatte? Oder vielleicht ein Geschwisterkind in der Hipsterjugend? Ihre glutenbefreiten, veganen Mütter? Schwer zu sagen. Der fanatische Eindruck bekommt jedenfalls ein identitär-religiöses Göring-Eckhardt-Moment: “Wir gehen auf die Straße und sagen: Bitte Klima! Verzeih uns doch!”

Ich muss einschieben, ich bin keiner von den “eigentlich bin ich ja keiner von denen”-Typen.
Wenn also die forenflutenden Rechtspopulisten, diese saublöden Arschlöcher, mit Stichworten wie “Klimareligion” polemisieren, dann triggert das nicht, oder würde mich das mit Wut im Herzen unterschreiben lassen. Aber dieser Begriff kam mir nun tatsächlich in den Sinn.

Ist da vielleicht etwas Messianisches im Gange? Mit Greta existiert immerhin eine Prophetin, inklusive Autismus – anstelle der klassischen Epilepsie – als modernes “Gott-nah-sein”, die das Wasser überquert hat, dazu die Verklärung einer, von den Anhängern als Dogma anerkannten, jedoch kaum en detail nachvollziehbaren Wissenschaft und, last but not least, die Hinwendung zu einer inquisitorischen Durchdringung aller Gesellschaftsbereiche mittels der reinen Lehre. Den neuen Kinderkreuzzug nicht zu vergessen.

Ich lebe in einem Bezirk, in dem die Grünen die absolute Mehrheit errungen haben und bin insofern einiges gewohnt. Gerade gestern habe ich etwa erfahren, dass die umgebenden Straßen für Durchgangsverkehr gesperrt werden und auf allen größeren Straßen Tempo 30 herrschen soll, an Wochenenden allerdings Tempo 0, da dort dann Spielstraßen auf eimsbüttler Biomütter mit ihren kleinen Emils und Lenas im Schlepptau warten. Wie Schwerter zu Pflugscharen, werden Nebenstraßen nach und nach zu Sackgassen umgewidmet. Und jedes neugebaute Haus muss nun eine Solaranlage vorweisen, sonst wird der Zutritt zur schönen, neuen grünen Wohnwelt von bauamtlichen Hohepriestern verwehrt.

Was mir sauer aufstößt, was mich wirklich nachdenklich macht, ist, dass die ursprüngliche Verzweiflung “todkrank ist dein Weltenerbe!” sich in Wahn verwandeln kann “und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt”, dass sich ein Mitläufertum, das den Totalitarismus begünstigt, herausbildet und Antistagnativ-Anarchisches in Kindern mithilfe frömmelnder Zombies (Mangelerscheinungen) früh, allzu früh erstickt.

Selbst wenn mit den Grundlagen und Zielen hunderprozentig übereingestimmt wird, wenn also die Differenzen nur den Stil betreffen würden, so ist es doch dieser Stil, der am Ende die Gesellschaft nicht nur umweltpolitisch, sondern gesamtheitlich – eben auch und gerade – verhaltensoktroyierend transformiert.

Die schwarze Pädagogik, hat sie sich ein grünes Fell übergezogen, lauert der Ökofaschismus tatsächlich hinter der nächsten Fahrradstraße?

Das sicher nicht, nur ein Aufmarsch der grünen Garden.

[Ich hatte Zweifel, diese Polemik zu schreiben, habe mich aber aus gegenwartsgeschichtlichen Gründen dafür entschieden. Und aus Gründen der Selbstkritik.]

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für (drei gedichte, gewidmet)

Dienstag, August 13th, 2019

für Jürgen Becker

                                          und
es ist ein gröbkörniger tag
wie sand kies moränen im blick auf den einen schatten
der lange still steht und sich dann
plötzlich bewegt
ums haus
über die straße vor dem haus
bis er weitergeht
in eine andere fotografie

[die im abend verschwimmt
mit deinem eigenen leben]

auf der du keinen mehr kennst

.

für Nicolas Born

unterwegs die häuser alle hatten weiße fenster
gelbe drehkreuze in den scharnieren
eine rote zeichnung unter dem neuen lack
schaut piwitt aus rom herunter auf die straße
ich beobachte die radfahrer mit ihren gefetteten ketten
wie sie am flussufer gegen die strömung fahren
talwärts ziehenden lastkähnen entgegen
beladen mit schwermut die einen
die anderen mit leichtem licht aus den bergen
lang fallen die schatten der lenker und räder
hinaus auf die treibende flut
ich gedenke dem wasser
der stadt

.

für Pier Paolo Pasolini

die zeichnung auf dem käferflügel wies scharfe konturen auf
filmschnitte im grauen chinin
marschierten junge faschisten durch ein drehbuch pasolinis
er schrieb es in erinnerung an ein treffen in weimar
später am strand von ostia
die stelle ist bekannt
fehlte ihm die zeit für ein letztes gebet
[verschwamm im abendhimmel
graues chinin]

matrix: eine diktatur

Dienstag, August 13th, 2019

blaskapelle gehirn:

austritt(s) – und eintrittselemente: durchzug. ungelenkig, (immer morgens; im schlafanzug), kommt (mich) (das) an. danach: fließend. wartend. (und immer diese ungeduld beim essen). der geist ist unruhig, aber das fleisch muss

wir sind alle
gebaut nach einem
programm:

und die programm-
gestaltung
lässt uns. nachgehen.

(aber mit diesem gehirn)

Featuring : M. Ju. Lermontov : Das kleine und das große Glück (“Ein Segel”)

Mittwoch, August 7th, 2019

Es blinkt ein weißes Segel, leer
Im bläulich-grauen Nebelstück!..
Was sucht es draußen auf dem Meer?
Was ließ es hinter sich zurück?..

Es knallt der Wind mit voller Wucht
Ins Tuch, bis dass der Baum sich biegt…
Uf! Glück ist’s nicht, wonach es sucht,
Und Unglück nicht, wovor es flieht!

Darunter – himmelblauer Strom,
Darüber – Spiegelglanz des Meers…
Und es, das Wilde, fleht um Sturm,
Als ob darinnen Ruhe wär’!

pomeriggio

Montag, Juli 15th, 2019

schläfrig
liegen die katzen im hausschatten
vom vergangenen jahr
vater hatte vergessen
den hof zu kehren

bauhaus

Donnerstag, Juni 20th, 2019

fallen in die straßen kinder
blaue augen braune
kohlenstaub
wachsen aus den gärten
glas beton un vent
les vents reviennent aux soleils
svetlana

[warten auf den winter deine hände]

Parque De Las Memorias

Samstag, Mai 25th, 2019

für Bernardo Serrano Velarde, 1949-2016

ich kam nicht bis Cochabamba
noch nie über das meer
an seine andere seite
nicht über den äquator zu anderen sternbildern
inti heißt dort die sonne
irgendwo im dschungel in einem dorf
haben sie den Che erschossen
vielleicht hörtet ihr denselben wind
dieselben stimmen aus der rinde des quebrachobaumes
die euch warnten weiter zu gehen
du erzähltest mir einmal von der reise der schwäne
sicher sind es singschwäne
ich höre die melodie auf einer knochenflöte
den pullover aus alpakawolle gibt es nicht mehr
irgendwann trug ihn noch meine frau
vientos y rosas nanntest du deine poeme
ich hatte sogar angefangen spanisch zu lernen
einmal im leben wollte ich nach Cochabamba
nach La Paz vielleicht ein stück weit auf den illimani
und um den see
mit einem schilfboot übersetzen in das andere land
aus dem panzer eines gürteltiers weht ein lied herüber
bis in den friedwald nach Cochabamba
du liebtest lieder auf guitarren und trompeten
solche von der mexikanischen art
morgen gleich in der früh
werde ich winde und rosen lesen
die zeit ist die antwort

Maximilian Woloschin : Die Maschine (Anfang)

Sonntag, Mai 12th, 2019

1.
Wie es keinen Erfinder gibt, der
Eine Maschine zeichnend, nicht davon träumte,
Den Menschen zu bereichern/ zu verbessern,
So gibt’s keine Maschine, die nicht der Welt gebracht hätte
Drückendste Armut und
Ganz neue Form der Knechtschaft.

2.
Solang’ die Hand gedrückt hielt einen Hebel,
Und Wasser
Das Mühlrad drehte, waren
Ihre Kräfte
Im alten, uralten Gleichgewicht.
Jedoch der Mensch
Ergriff den Schlüssel zum ewigen Geheimnis
Und setzte die gefang’nen Riesen
frei (den Golem, die verborgenen Kolosse.)

3.
Der Geist, im Innern Raum ergreifend, errichtet einen Körper:
Dampf, Funkenenergie und Pulver
Beherrschend
Denken und Gefühl des Menschen
Bauten für sich
Eiserne Körper
In Übereinstimmung mit
Ihrer Natur: Öfen und Kessel,
Turbinenräume,
Antriebe und Schmelzen.

Abwedeln nicht vergessen

Montag, April 1st, 2019

Nebel überzieht die Landschaft mit Zucker
Mein und dein : bürgerliche Kategorien
In den Mistelzweigen nisten die Vögel
Damit wir uns küssen und vögeln können

Vogelfrei : gehören wir niemandem
Ein paar Schnappschüsse vom Abenteuer entfernt
In deinen analogen Welten dauert die Entwicklung
Eines Bildes eine Stunde : abwedeln nicht vergessen

Verstecken wir uns im Schilf : schwanken im Wind
Kräuseln die Lippen wie Wellen : die Landschaft
Ist kein Zuckerschlecken : ihre Bitterkeit
Ruft die Endlichkeit in Erinnerung : mit der wir

Vergeblich dem Unendlichen entgegenwinken
Glitschig entgleitet sie uns : gleißend verglühen wir

Vom Tod erwachen

Mittwoch, März 20th, 2019

Gemütlich : warm : eingerollt
Auf dem Boden : vom Stuhl gestürzt
Nach zwei Tagen Fieber : Fasten
Ein Süppchen gab mir

Den Rest : den Schuß : Ernüchterung
Als ich aufblicke : eine Traube
Menschen : um mich geschart
Eben noch sah ich sie an ihren Tischen

Sitzen und löffeln : fröhlich : nun
Ziehen sie besorgte Gesichter
Bestellen ein Wasser für mich
Rufen den Krankenwagen : wenigstens

Der Puls soll gemessen werden : ob ich
Epileptiker sei : ich träume : eingerollt
Auf dem Boden : Vater fährt nackt
Auf dem Hometrainer : eine Kamera

Rückwärtsgewandt auf dem Schutzblech
filmt : wie er schwitzt
Am Geschlecht : davon wußte Mutter
Nichts : zumindest sprach sie nie

Davon : ich erhebe und schüttle mich
Leere das Glas und radle davon
Bevor mich die tönende Blaue Blume
vom Krankenwagen küßt

Re: Reflexionen aus dem beschädigten Leben (Flucht und Wiederkehr XXIX)

Mittwoch, Februar 20th, 2019

Archie tänzelt, hält das Spielzeuggewehr erst vor die Brust, dann über die Schulter, als schieße er eine Bazooka ab, schließlich hält er es sich vor das Geschlecht, “Phew, phew, phew”, seine Stimme klingt hoch, es wirkt absurd.
Um ihn herum lacht die Menge, wirft Münzen. Archie, dessen Sonnenbrille schief über seinem fehldenden Auge sitzt, simuliert noch einen Kopfschuss und tritt einer imaginären Leiche gegen den Kopf, steht dann urplötzlich stramm und grüßt, Hand an der Stirn.

Archie trägt auch heute wieder eine saubere Flecktarnuniform, er wohnt mit seiner Mutter, erzählt er nach der Straßenvorstellung, sein Vater sei vor seinen Augen getötet worden, als er neun Jahre alt war.
Auf die Frage hin, ob er davon träume etwas anderes zu machen, beginnt er zu weinen.

Sein Dilemma: das Trauma ist zugleich Einkommen. Über den rauchenden Trümmern seiner Kindheit spukt die ewige Wiederkehr. Archie Toulee, einst Soldat im Dienste verrohter Männer, die rituelle Kleinkindtötungen zur Stärkung der Kampfmoral der Sippen vollzogen und das Fleisch ihrer Feinde aßen, um Macht zu demonstrieren, die auf den Straßen Monrovias hungrigen, zehnjährigen Klebstoffschnüfflern Kalashnikovs an die Hände banden, dieser Archie Toulee tanzt alle Tage den Special Forces-Tanz.

Der Filmemacher entschuldigt sich bei ihm. Die Sequenz endet, indem wiederholt erst Archies Tanzschritte und anschließend Archivbilder von Kämpfen und Hinrichtungsszenen gezeigt werden. Identisch das Tänzeln, Treten, Zielen, die Salven, die Bazooka, das Schiessen von unten. Kinder, die den Schwerpunkt des Gewehres verlagern mussten, weil sie so jung waren. Kein Lachen, nur Sprachlosigkeit ob der Sinnlosigkeit, der fehlenden Gerechtigkeit eines kalten Universums.

Korn das keimt, aber der weitere Regen bleibt aus, eine Gazelle, die Sekunden zu spät geboren wird und noch nicht zu rennen vermag, das ausgesetzte Kind, dessen Mutter vor Hunger keine Milch mehr geben konnte. Und Archie, Mahnmal einer Generation, die im Sog der Katastrophe wie ein kalter Wind um die aufreizend unsichtbaren Kleider des moralischen Menschen stob.

Denjenigen, die erwidern, es gäbe ja auch Gutes, es gäbe inmitten des Scheiterns auch trotzendes Glück, übersehen, dass kein getränkter Halm, kein trabendes Kitz, kein sabbernder Wonneproppen und kein glücklicher Archiebald jemals darüber hinwegtäuschen könnten, dass die einzige Ebene, auf der gerechter Friede zu herrschen vermag der Gedanke eben daran ist – geprägt in einer Welt des Leids, deren Gesetze Ambitionen dessen abbilden, was sie gebar. Der freie Wille ist tot, lang lebe der freie Wille.

 

Rio Reiser – Menschenfresser Menschen

Archie Toulee (in: Larry Charles Dangerous World Of Comedy E1+2)
Archie Toulee

Annonce nicht

Freitag, Februar 8th, 2019

Anschauung sucht

Keine Form, endo

Plasmatisches Nicht

Retikulum, Rati

Bor unterm Stein

Edita deditora, pa

Dam, Damm, ä/e

wir waren atomdichter

Sonntag, Dezember 16th, 2018

wir waren atomdichter
und sprachen mit den basalten
unsere eltern zogen über die gletscher
unseren kindern gaben wir namen
wie sonnenschein zukunft oder hoffnung
auf ein besseres leben warten wir noch

auf den schneefeldern hinter dem fjord
landeten drohnen geophysikalische messungen
der schwere und des magnetfelds von spalteneruptionen
einer paläoerde trieben fremde forscher ins land
ein paar sind geblieben
sie verliebten sich in unsere elfen

skaldendichter sangen verse über feuchten torf
zeichen aus flechten und gletscherschliffe auf steinen
ein mann eine frau eine hauswiese
auf ihr grasten schafe und pferde
im wollgras das sich im wind wiegte ruhten stimmen
der jeep vor dem haus hatte kein benzin mehr

im jahr des großen ascheregens verfinsterte sich der himmel
kinder verhungerten frauen und männer
eine insel wurde geboren
flugzeuge verloren die orientierung und fielen vom himmel
du summtest ein wiegenlied
in ihm trockneten stockfisch und walfleisch in klarer luft

am Anfang war das Licht

Freitag, Dezember 7th, 2018

Häuserzeilen bewohnter Worte
eine Silbe ein Schritt verzaubert die Welt
nachts verstummen Laternen
Erinnerungen taumeln durch Straßen
fragen nach der Reise der Aale
nach Meteoriten und Lichtjahren
/ und aus bist du
noch lange lange nicht
sag mir erst /
wie soll ich leben
ohne Licht

Salomenia (Flucht und Wiederkehr XXVIII)

Samstag, November 17th, 2018

Das junge Mädchen wandelte, des ewig brennenden Himmels reich, Welten,
verschwebte inmitten halb rauwinkliger, halb erträumter Städte,
passierte gelb und blau mit einer Lilaterne,
schwamm hungersüß als Morgengrau, hetzte geifernd um die Schluchten.

Rückwärtig schwärmwankte die Prozession im Gleichschritt,
schrillte verzerrt umspulte Liturgien, eine obsidiannadelnde Klangwolke,
die Tiefenwahn umschlang, versank vor fahlem Springgiftlicht.

Um keine Angstdurft verlegen, fieberte ihre weichgezeichnete Masse
nach Ohren, die ihr hölzernes Stöhnen erhören mochten,
der einen Stimme, die sie ihr salziges Dürsten vergessen ließe,
nach dem letzten Ziel ihrer pechschwarzen, an die wüsteste Ferne verlorenen Masada-Augen.

Einen Sturm ohne Regen verkündeten Posaunen am Totenmeerhang,
es wurde Helltag und still, braungeronnen Bäche entrückten Bluts und
auf der Rampe versickerten Tränen eines abkriechenden Schattens.

promenades des faunes

Dienstag, November 13th, 2018

mit hingabe an die nacht
zähle ich münzen
schlafen im schatten der platanen seidene papillen
auf einem see der ruhe
treiben schweigend die flügelschläge von nebelfaltern
dahin
zittern deine lippen in den wogenden bewegungen von wörtern
atemberührungen von streulicht
für einen schreck eine sekunde
tasten fingerkuppen zeile für zeile
die blindenschriften der liebe
4 7 21 silberlinge häufe ich zu stelen
zittert jetzt deine stimme

wir schwimmen mit den fischen
sanliurfa
trinken das heilige wasser
sanliurfa
befehlen ibrahim zu bleiben
zu nehmen die magd zur zweitfrau
sanliurfa
sarah kann bleiben

hall stadt
besuchte ich
das beinhaus
lagen nicht nur bein an bein
auch arm an arm
schädel an schädel schulter an schulter
rumpf an rumpf und die füße
beieinander wie liebende
nach dem letzten kuss in der nacht
schliefen im gletscherbett die plätten
unter dem salz
behütete sie dach stein
legte sich nebel zwischen die leiber

in die traurigkeit flüstern sie flüssigen safran
mit erde vermischt bildet er dein mahl
sag den trotzigen kindern etwas von liebe

grenadierplatz
ist die wohnung des bäckers voller brot
wollen seine kinder kommen
ist die frau tot
liegt sie aufgebahrt in der stube
bleibt der laden heute geschlossen
trägt der nussbaum im garten dieses jahr reich
flackert das fernsehbild
fährt ein auto vor

ist wieder niemand gekommen

medeal

Dienstag, November 13th, 2018

für Bela und ihre Apfelbäume

aus dem kaukasus kamen deine vorfahren
unbekannte gegenden mit wilden tieren
und menschen mit harten bräuchen
vom schwarzen meer kamst du
folgtest einem elenden verführer
halfst ihm stehlen und rauben
wurdest durch ihn zur mörderin
[wollten uns seine nachfahren mit einer anderen weismachen]
fallen ließ er dich
du erhieltest keinen dank
ach hättest du das goldene widderfell für dich behalten
es versteckt in deines großvaters haus
im entlegenen gebirgsstall
gleich hinter der passhöhe unter den gletschern
wo nur die ziegenherden und hirten den weg kennen
wo die krummhörner mit dem wind um die wette blasen
wo die mädchen scheu aus den fenstern der hütten lugen
wenn ein fremder prinz vorüber reitet
auf der suche nach einem alten geheimnis
wo die dichterin die felsen besingt
den fluss das meer in den der fluss fließt
die fische die nicht zurückkehren
wenn sie den silbernen wal getroffen haben
mit seinem mondmund
der so groß und schön ist wie der himmel
über der dachluke der felsenburg
in einem bunten kaftan könntest du liegen
im frühsommer unter einer linde
dein geliebter küsste dir den honig vom leib
das blut der kirschen mischte sich mit deinem
ach hättest du dem elenden verführer
die doppelklinge der bergbewohner ins herz gestoßen
das schwarze meer wäre noch dunkler geworden von seinem blut
[doch kein dichter hätte dich dafür besungen]

gesang dreizehn

Dienstag, November 13th, 2018

die mohntage waren mir die liebsten
wenn der schlaf die wunden bedeckte
und deine lider taumelten durch die nacht
zwei drei kriege lang ging das schon so
oder auch mehr
deine finger ertasteten die durchlässige zeit
und wenn ein hund sie leckte
schmeckten sie nach verrat und tod

sirenen sangen um zu vernichten
die umhertreibenden und getriebenen
schiffbrüchige in geist und seele
ließ sich der held an den mast binden
um zu hören die weisheit von der vergänglichkeit
trieb es ihn heim zu frau sohn und vater
den mächtigen gott des meeres hatte er zum feind
und nur eine steinkäuzin zum schutz

du aber wähltest die gesänge von faltern
ihre flügel streiften haar schultern hals
den du einzogst hinter dem sternum
sahst du der herbst machte kein geschrei
ob des gemetzels
als der held sich den freiern der gattin zu erkennen gab
schwiegen die sirenen wie die götter
trankst du vom mohn
und sangst um die wette mit faltern

9. November

Freitag, November 9th, 2018

Wendepunkt in meinem Leben. Sachen gepackt, Stadt verlassen, Heimat gesucht. Und gefunden. Bis heute ein bitteres Gefühl: damals um bald zwei Jahrzehnte betrogen. Einmal im Jahr sehe ich meine alten Eltern, wie sie sich immer enger aneinanderlehnen, um nicht auseinanderzufallen. Vier Jahrzehnte Leben damals. Drei Jahrzehnte nun. Verständnislosigkeit, auf beiden Seiten.

Youth of Today (Flucht und Wiederkehr XXVII)

Samstag, Oktober 27th, 2018

Schweine suhlen sich im Schlammbad, sie grunzen laut, rempeln und beißen, werden mit Abfällen gemästet und schließlich geschlachtet. Der Schweinebraten auf meinem Brötchen schmeckt heute ungewöhlich saftig, was wohl eher der Butter, denn der Qualität des Fleisches zuzuschreiben ist.

In der U-Bahn, die aus der Innenstadt kommend Richtung Langenhorn fährt, sitzen zwei Jungen, denen dieser Genuß bisher wohl verwehrt blieb. Ihr aufgeregtes Gespräch thematisiert, dass sie 12 und 13 Jahre alt sind. Einer von ihnen heißt Mo und der andere Mu. Sie tauschen sich in einer altersüblichen, ungefähr fünf Satzbauteile umfassenden Sprache mit einem sch-lastigen, Zweit- oder Drittgenerationsakzent aus. Jenseits von ununterbrochenen, gegenseitigen Drohscherzgebärden sind ihre Themen der Deutschlehrer, der den Eltern von ihrem Rumhängen berichtet hat, Boxtraining (“Diesmal aba auf Kopf, isch schwör!”) und Musik. Hier zählt für sie insbesonders, welches Lied schon 35 Millionen Aufrufe erreicht hat, um dessen Signifikanz nachzuweisen und am Abglanz ein klein wenig teilzuhaben. Sie reden laut, sehr laut, da ihre Kopfhöhrer, die die Umgebung  mit der disputierten Retortendancemusik unangenehm passivbeschallen, die Kommunikation untereinander ziemlich erschweren.

Die deutliche, allzudeutliche mundwinkelverzogene Ignoranz im Sinne eines unendlich lauten Schweigens der sie Umgebenden ihnen gegenüber löst keine sichtbare Reaktion aus – spüren sie wirklich nicht, wie die Mitmenschen im gefüllten Waggon sie wahrnehmen und, wie sie zurecht vermuten dürften, angewidert gewähren lassen?

Wenn doch, dann lassen sie es sich in keiner Weise anmerken, sie müssen verdammt gute Schauspieler sein und latent nur darauf warten, dass jemand die Geduld verliert und sie anspricht, um sie so noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen. So oder so, ihr den Erträglichkeitskodex öffentlicher Verkersmittel brechendes Verhalten verleiht ihren nach Zuspruch lechzenden Egos in Kombination mit Undercutfrisuren und Trainingsanzügen eine teerige Ersatzsubstanz zu psychosozialem Anpassungsdruck.

Während meine Gedanken die Mos und Mus dieser Erde reflektieren und den ihnen gemeinen, die soziale Entkoppelung kaschierenden Kit – mit nationalistischen und religiösen Zusätzen versehener, kapitalistischer Kulturfastfood – kommt mir in den Sinn, wie sehr sie sich gleichen, von Hamburg bis Wien, Marseille bis Manchester und Atlanta bis Guadalajara. So indokritniert wie sie sind, brauchen sie, bereit sich die Köpfe einzuschlagen, kein Sparring mehr, um nach althergebrachtem, spartanischen Ritus ihren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen. Nichts, verinnerlichten sie, wird geschenkt, alles muss verdient werden; Rechte, welche Rechte? Dog-matismus, Hunde wir, alles Hunde.

Und Hypokriten. Als ich jung war, habe ich manchmal die Beine auf Sitze gelegt und auf meinem Diskman laute Rockmusik gehört. Ende der Neunziger rauchte meine Clique spätnachts in einem fast leeren Waggon weit hinten einen Joint und (unsere nach Zuspruch lechzenden Egos) hofften, die Mittvierziger am anderen Ende würden zu uns rüberkommen und um einen Zug bitten, so viel zum “Erträglichkeitskodex öffentlicher Verkehrsmittel”, naja, in einem gefüllten Abteil hätten wir das wohl nicht durchgezogen. Damals wollte ich ein Hippie sein, da ich dafür aber über dreizig Jahre zu spät geboren war und da kognitive Dissonanz keines meiner Talente darstellt, konnte ich die Erkenntnisse der Folgezeit nicht aus meinem Denken ausblenden – was mich dieser Tage zu einem relativ schlechten Alternativen (in Deutschland) macht – und eine gleichgeschal…gepolte Interaktion mit der heutigen, urbanen Szene erschwert.

Da ich zudem des traditionellen Lamentierens der Alten über die Jungen gewahr bin – der Titel dieses Textes ist im Übrigen ein wunderbares Musikstück (allerdings ohne 35 Millionen Aufrufe – ebenso wie dieses andere Stück der selben Band, dessen Schlussminuten genau das erkennen lassen, was m.E. fehlt)-, versuche ich jenseits eines kaum vermeidbaren, zynischen Subtextes die Frage zu stellen, ob Verrohung und die mehr oder weniger unbewußte Reaktion darauf nicht vielleicht nur subjektiv zunimmt.

Der Vergleich meiner Jugend mit der von Mo und Mu ist natürlich nicht mehr als intuitiv, Geschichte mag sich reimen, aber sie wiederholt sich nicht. Was mich wirklich stört, ist einerseits das von Mo und Mu unartikulierbare Gefühl von Ohnmacht der Gesellschaft und der eigenen, fragilen Substanz gegenüber und anderseits das Unvermögen von mir, in der Lebenswelt von Mo und Mu etwas zu entdecken, woraus ich die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft ableiten kann.

Mir scheint, es ist keine Brücke möglich. Meine Rebellion bediente sich der Symbole der idolisierten Vorgänger, es bestand eine gewisse Kontinuität des Aufbegehrens – Jazz, Rock der 50er, die psychedelischen 60er, der progressive Sound der 70er, Funk, Reggae, sogar Hardrock der 80er und Grunge der frühen 90er hatten alle eine gemeinsame, mit den Vorgängern kompatible Hintergrundschwingung.

Dann, als wäre sie ein Echo des zusehends neoliberaleren Zeitgeistes, setzte mit der Technobewegung und Statussymbolhiphop der Bruch ein und wurde durch die austauschbare Dancemusik der Millenials verstärkt, Mo und Mu sind die Kinder dieser Epoche, die mich krank machte. Ich schreibe bewußt ‘machte’, nicht ‘macht’, denn das ist seit zehn Jahren vorbei.

Als sie jedoch Mitte der Nullerjahre geboren wurden, fühlte ich mich mehr und mehr entfremdet, spürte, dass die Zeit, nach der ich mich immer gesehnt hatte nicht wiederkommen würde, dass ich schrecklich einsam am Rand der Geschichte strandete. Ich versank für zwei, drei Jahre in Depressionen, bevor es einer ebenfalls aus der Zeit gefallenen Frau gelang mein Herz aus dem Sumpf zu ziehen. Interessanterweise setzte um diese Zeit die Neo-Psychedelic-Welle ein und verband, scheint es, Teile der Generationen musikalisch wieder etwas.

Nur Mo und Mu erreichte deren Gischt nie, und nun ist es heutzutage so, dass ich Mo und Mu wie durch leichtes Milchglas wahrnehme, sie sitzen mir gegenüber und ich bin durchaus fähig Empathie zu empfinden, doch steht etwas zwischen ihnen und mir, das unüberwindbar ist – eine aufgrund der fehlenden, gemeinsamen, kulturellen Erzählung unvernarbte Kluft. Sie können mich sehen, aber erkennen mich nicht, sie können mich hören, doch verstehen nicht, woraus ich schöpfe, worauf ich mich beziehe.

Auf meiner Seite hingegen herrscht die abgeschmackte Vermessenheit vor, ihr scheinbar oberflächliches Dasein zu durchschauen, durch die vermeintlich seichten Pfützen ihrer Antriebe navigieren zu können. Wie falsch ich damit liege, ist mir nur allzu bewußt, denn was weiss ich von ihrer kranken Tante, von ihren liebevollen Familienritualen, von ihrer leisen Art am Abend? In Wahrheit ist der Anfang des Textes nichts als eine polemische Fingerübung, oder, nach Juvenal: „da fällt es schwer, keine Satire zu schreiben“. Nein, Verachtung und Ignoranz, die wohl häufigste erste Reaktion der meisten Mitmenschen auf die Begegnungen mit den Mos und Mus dieser Welt, stellen ebenso wie Mitleid keine Lösung dar.
Was tun?

Liebes Publikum, los, gib dir selbst nen Schuss,
du stehst doch auch enttäuscht und siehst betroffen
den Vorwand da und alle Münder offen.

Uporigination (Flucht und Wiederkehr XXVI)

Donnerstag, September 27th, 2018

In der Traumzeit suchte, der Morgen graute
fern vom Stamm am großen Fels,
der Geist des ersten halbnackten Wesens,
euch Jungen gleich, malend nach den Ahnen.

Warum, fragte er, seid ihr nicht mehr als bloße Erinnerung,
strahlt durch euer Vergehen meine eigene Endlichkeit an
und lehrt mich euer Scheitern Demut oder
ermahnt es mich, eure Ohnmacht zu verfluchen?

Nicht kann ich jenseits meiner Gedanken Zeitenräume  durchschreiten,
dem ungewollten Tod in die Arme der Jugend entfliehen,
stets werde ich zurückgeworfen in den öden Busch, unter die gleißende Sonne,
stets ist alles was mir widerfährt Durst und Verzweiflung.

Die Zeit zu vermessen bedarf der Kenntnis des Raumes,
sie tanzen miteinander wie Fluten im Lauf des Mondes;
viele Wanderungen, endlose Jahre des Wachens unter Sternen,
unzählige Geschichten, Initiationen und das Wissen keimt.

Wie eine verborgene Wurzel in flirrender, rötlicher Weite aufzuspüren,
graben dessen Schüler unermüdlich nach den Geheimnissen der Beschaffenheiten,
finden Zeichen, entwickeln Sätze für das Kleinste, das Größte, für das Mischen von Stoffen,
formen Sprachen, beschreiben Dinge, die aus Natur und doch nicht heimisch in ihr sind.

Erfahrungen betten sie in den Zeitenregen wie Ameisen ihre Eier auf lebendige Flöße retten,
ihre Errungenschaften werden riesenhaft und bergesschwer,
Krokodilszähne der immer im Wandel begriffenen Gestalten fressen tief im Leib der Erde,
und ihr sumpfiger Atem legt sich als Schleier über klare Himmel -

Verzweiflung wird sie treiben und Durst, denn ich bin ihr Vater.

Ein Weltenbrand umstürmt ihre Erde und wie uns die Asche der Buschfeuer frisches Gras schenkt,
durchbricht Hoffnung ihre Trümmer, die Geister des Morgen verweben alle Träume,
alle Wirklichkeiten, erschaffen im Wissen um die Erzählung das Bewußtsein darin neu.

Was uns Hütern des Lichtes und der Wärme ein Feuerstein, ist ihnen die Zeitenhütte,
was uns die Sonne, ist ihnen ein Sandkorn,
was uns das Leben, ist ihnen ein Moment des Vergessens inmitten kreißender Ewigkeit.

Sie winken über einen breiten, anschwellenden Strom, gefährlich und verführerisch,
arrogant, unwissend, doch neugierig und liebenswert zugleich,
erlangen Macht über den Ursprung der Gedanken -

gießen sich Schlüssel zur Zeit, durchdringen Manifestationen aller Räume
und wenn wieder das Größte ins Kleinste eingeht, das Kleinste dann birst,
werde ich sie und sie euch, ihr Ahnen, geboren haben, wie ihr zuvor mich.

 

[1] , [2] , [3]

Dr. Zsäsegs Mind Machine (Flucht und Wiederkehr XXV)

Mittwoch, September 5th, 2018

Versuchen Sie einen Text zu imaginieren, in der eine Protagonistin handelt, ohne auf einen Mann angewiesen zu sein.

Eine Geschichte, die von vorne bis hinten auf jeglichen Anflug reaktionärer Zynik verzichtet, in der keine von Herkunft, Aussehen und Bildung ausgehenden Vorurteile kolportiert werden, keine Reduktion auf Geschlecht, Weltanschauung oder Geschmack vorgenommen wird –

eine Geschichte vielleicht, in der Klarabella ihre Milch an den Nachwuchs der fürsorglichen, gleichgeschlechtlichen Partner von nebenan verschenkt, Ulrike etwas sucht, das sie niemals finden wird, während sich das Idealismuskarussell immer weiter um ihre vielen Identitätsmerkmale dreht, obwohl das natürlich positiv ist, da sie es immerhin versucht, das Kopfverdrehen;

eine Handlung, in der Ruth einst Kevin war, jetzt aber total happy und Markus früher Marion, sich nun aber wieder nach ihrem alten Körper sehnt. Irre-relevant, da Inklusivität selbstverständlich allumfassend ist und auf detailliertere Ausführungen aus Triggergefahr verzichtet wird.

Ein Text also, dessen Safe Space Ihnen selbstbewußt ins Gesicht faucht, wie eine Kampflesbe einex transgender Homophobex, dex eine Antidiskriminierungsbeauftragte, welche leidenschaftlich die Anschaffung von Gartenzwergen verteidigt, vergeblich liebt. Gut, vergessen Sie das Letzte bitte ganz schnell wieder, es klingt wohl alles noch ein wenig zu privilegiert.

Dr. Zsäseg blickte von dem Manuskript auf. Braunlich verdörrten die Kastanienbäume vor seinem Fenster und verschandelten ihm die ansonsten so erquicklich gedeihende Aussicht.

Die Einsendung faszinierte ihn nur auf eine spezielle Weise, rechtfertigte er sich. Etwa wie schwarzer Humor zuweilen die eigene Borniertheit erfrischend entlarvt und transzendiert – Satire darf, nein sollte! immerhin alles. Und doch stieß ihn dieser dahingerotze Dreck zugleich wie selbstverständlich ab. Er fragte sich  kurz, ob es sich nur um seine fingerzeigende, übergestreifte, gesellschaftliche Moral handelte, der er – nicht zu vergessen – seine Position zum Teil verdankte, nein schuldete! – und unterließ eine Antwort.

Hätte er ohne die Exotik seines Namens die Position erklimmen können, aus der heraus er heute richtete – Wächter über die Verbeitung  gehaltvoller Texte, Verfechter der reinen Lehre?
Aber da war etwas. Dieses Fight-Club-Gefühl, das sich, wie er erinnerte, aus lauten Sommernächten, aus Wut und Frust, Hoffnung im Verbund mit Abenteuerlust, aus Durst und Überdurst schöpfte. Jugend, ewige  Jugend und neu mach die Welt.
Unwirklich milde und zynisch zugleich blickte er auf die Seiten. Oldschool per Post. Wahrscheinlich ein 25jähriger Retro-Knirps, der weder Menschen verachtete, noch Diskriminierung verteidigen wollte. Ihn störte wohl die gängelnde In-Your-Face-Mentatlität einer permanenten Sprachregelung durch doppeldenk Gleichstellungszombies.
Warum konnte der sich bloß nicht damit abfinden? Es war doch nicht allzu schwer, sich der Leere anheimzugeben. Dr. Zsäseg verfiel in leichte Trance.

Mindsetting.. Sprache, nur Sprache.. aber ohne Einfluß auf Gefühle?.. fühl wie du willst.. nimm alles offen an.. alles Offene ist gut.. wir..
Er kämpfte sich ruckartig hoch, griff hastig den Mauszeiger und öffnete seine Mails, um sich abzulenken, obgleich ihn wegen des Abruchs des Clearings ein schlechtes Gewissen plagte. Zwei neue Mails, bestenfalls Strandgut, miesepeterte er.

Ein Fingerhut

Es ist Sommer – ein Sommer ohne Frischeperioden. Hitze, Schweiß, lüsterne Gedanken den lichten Tag lang. Obgleich der Alltag stattfindet, scheint das Land seit Monaten wie nach einem erschöpfenden Akt langsam vor sich dahinzuwälzen. Die Themen dieses Sommers sind unter-, die Süße der Früchte hingegen überirdisch – wohl dem, der Zugang zu Gärten hat. Meine Urgroßeltern verloren vor fünfundsiebzig Jahren im Feuersturm ihr Geschäft. Kleinwaren, Stoffe, Knöpfe Nadeln. Ein überkommenes Geschäftsmodell, das Gedenken?

Natürlich nicht, aber irgendwie verdächtig. Weiter.
Die nächste Mail, ein kurzes Gedicht, ließ ihn innehalten. Er las vorsichtig, als ob eine alte Melodie aus dem Nichts in seine Eingeweide gefahren wäre und seine Gesichtsmuskeln erweckt hätte.

Herbstgeburt

Am Ende aller Wellen steh’n Welten, wenn es spricht:
von riesenhaften Flatterfarnen, Ruinen bei der Au,
von Kronengrün und Wiesengelb, von Schollenbraun
und tausendfachem Blau.

Auf liebevolle Weise verführt das Sommerlicht,
zieht reifend Kreise, bis es
errötend bricht.

Dr. Zsäseg erging sich in Gedanken. Ließ sie laufen, spazierte dahin, schwebte, staunte, lächelte, wütete, schnaubte, Dr. Zsäseg weinte und schmiss ihnen jene entgegen, die er gefangengehalten hatte, ohne sie je vergessen zu können, halbverfaulte, zerlumpte Gedanken, Proletarierprologe, Faschofragmente und Mittemäander verklumpten und bildeten das Epizentrum des schwarzen Loches, das in seinem Geist rotierte. Wie gut es tat loszulassen. Wie wunderbar sich Freiheit anfühlte. Obszön? Nein ehrlich, falsch und doch wahr. Insanity? Unsanity! Dreckig aber wohlgemut, lebendig. Er badete im Mist und wusch sich mit Liebe. Er verstand.

In eine Sanitärdenkblase gepresst dahin zu vegitieren, Verdenkmaschine, nicht Mensch zu bleiben war zukunftslos; nur eine solche, wusste er, könnte das kleine Gedicht verachten, und nur ein jenes könnte sie von sich selbst befreien.

[Untermalung 1,2,3]