Autor-Archive: evawal

Über evawal

geb. 1966 in Hamburg, Ausstellungen, Lesungen und Konzerte, Klang- und Rauminstallationen, Video, Film, Performances. Lyrik, Prosa und andere Abenteuer. www.evawal.blogspot.com

Alice

Von | 18. Februar 2013

Mein Fahrrad klappert über das Kopfsteinpflaster. Es ist ein relativ freundlicher Februarmorgen, an dem die Sonne von Ferne das Grau durchscheint. Ich fahre die Heerstraße entlang in Richtung Kölnstraße. Hier parken die Autos immer besonders blöd; immer in zweiter Reihe, so dass man ständig anhalten und auf dem Stück Einbahnstraße entgegenkommenden Autos ausweichen muss. Eine… Weiterlesen »

Abschied und Unruhe

Von | 1. Februar 2013

Am Steuer meiner Arche stehe ich Hoch spritzt die Gischt Ich lecke das Salz von meiner Haut Schweiß aus der Tiefe der Luft De profundis spricht das Meer Ein grüner Zweig Gewissheit blüht am Horizont   Ich höre den Eichelhäher und die Unruhe des Windes Ein Fiepen, ein Puls Ein Wummern und Schreien Glocken und… Weiterlesen »

Intensivstation

Von | 24. Dezember 2012

 Ich sehe meinen Atem als beschrifteten Luftballon davoneilen, über den Gang hasten, hin- und herrollen, zur Ruhe kommen mit dem Nabel am Boden.   Ein unruhiger Wind geht auf Reisen. Geisterklang mit Licht.   Der Wind ist eifrig; bläst durch die Flure des Krankenhauses und rüttelt an allem, was er zu fassen bekommt. Heult und… Weiterlesen »

Tau tau

Von | 4. November 2012

Ich sehe mich im heimatlichen Wald. Ruhe kehrt ein zur Nacht. Dunkelheit umhüllt mich wie ein fest gewebter Mantel. Die Kälte klirrt. Das Licht weißer Sterne zuckt durch die Zweige. Mitten im Wald habe ich ein Feuer gemacht.   Knacken.   Jemand oder etwas bahnt sich den Weg durchs Gehölz; kommt näher und näher… Die… Weiterlesen »

Fragmente/ Das Reh am Abgrund

Von | 24. Oktober 2012

I will have spent my life trying to understand the function of remembering, which is not the opposite of forgetting, but rather ist lining. We do not remember. We rewrite memory, much as history is rewritten.  Chris Marker, Sans Soleil FRAGMENTE Unter einem Wunderbaum, Platane genannt, sitze ich in der letzten goldenen Herbstsonne. Sanft zieht… Weiterlesen »

tier

Von | 24. Oktober 2012

hier drinnen bilden die spinnenfäden ein netz unter dem boden das licht strömt an den dielen vorbei vorbei geht jeder klang auf kalkigen füßen dabei höre ich felltatzen tänzeln   ich sehe dich, mein tier!

Bruder Ernst, Bruder Alfons

Von | 1. August 2012

Gestern war die Beerdigung von Dr. Ernestus Nettesheim. In einer stattlichen Kirche am großen Fluss wurde die Messe gelesen. Viele Menschen waren gekommen. Seine ehemaligen Kollegen hatten einen Bus gemietet, um ihrem vor einem guten Jahr an Krebs erkrankten Freund und Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Vor dem Altarraum ein Bild des Verstorbenen, lächelnd,… Weiterlesen »

Liebesbesuch

Von | 30. Juli 2012

Die Liebe lehnt an einem Baum Die Liebe ist ein Baum Unversehens glänzt die Schuppe dieses gewöhnlichen Wunderbaumes an mich heran, bar jeder Gegenwart Transformierte Stimmen, in den Strom der Sprache gewoben, streichen, kriechen, schmeicheln sich in meine Ohren Offen alle Poren, die Ein- und Ausgänge wie Blüten im Gebirge Du erreichst mich, hier an… Weiterlesen »

Verwirrte Venus oder Himmels-Wissenschaft als Selbstversuch

Von | 27. Juli 2012

Erwache in Morgenstarre, feuchter Musenkuss, wo auf meinem schweren Schlafleib, wo? Erweckt und auf eine ziemlich kreisrunde Umlaufbahn geschossen (wer wagt es, an meiner Bahn herumzubiegen?). Neigungswinkel gering, Exzentrik gering (was heißt das?). Oberfläche flach, dunkel (maximal 5000 Lux), rotglühend, heiß. Leichte Brise, keine Jahreszeiten. Terrestrisch, Kruste vorhanden. Vulkane mit Windfahnen. Crèmefarbene Wolkenschicht über Atmosphäre.… Weiterlesen »

Einschreiben

Von | 25. Juli 2012

…endlich halte ich es in meinen Händen: das güldene Buch der traumaverspielten Inskriptionen Nr.5. Wow! Danke, liebe Plapper-Klapper-Kritzel-Kratzel-Winde-Schling- und Kletter-Pflanzen, grimmsch‘ bezopfte Turmbewohner-Innen -; halbstarke, vollwaise, plastischphantastische Mitwesen und -bewohner –Innen – virtueller Wiesen, Weiden und Welten. Muh!

Duell

Von | 12. Juli 2012

Es muss einfach schneller gehen/ höher/ töter/ röter/ wütericher, Duda! Ein Gedicht/ ein elendes Lebensrettergedicht im Dschungel dieses lebensbeschwerlichen Tages zu schreiben – zu schreien – meinetwegen daherzustammeln – zu rotzen – zu wassern – zu klammern – und los! Schieß doch, Duda! Schieß doch Dein Wortschwadron ab gegen mich! Kein einziges Gedichtes darin/ nichts… Weiterlesen »

Mittwoch im Café

Von | 11. Juli 2012

durch wirres Gezweig ein Leben// unbedingt vermeiden: Worte mit zappelnden Fingern// will nicht sagen morsch/ bei dem Versuch, das Dickicht zu durchdringen/ zu ordnen/ hautgeschunden, ich/ weh, weh/ durchsichtig die Kuppelwunden// dort oben zeigte sich Licht über dem Dicht-Gezweig// Blitzkrieg/ ein Resonanzgewitter// Eulenaugen/ kuller, kuller/ warum das bollert durch diesen irren Raum// bei dem Gequatsche… Weiterlesen »

das süße kleid leben

Von | 3. Juli 2012

das süße kleid leben klebt mit bitterkeit an denen, die das süße lied des lebens singen ich mäandere durch täler, wälder und welten mein blick ein astronomisches gerät, irre und schwirre ich durch die zeit, die leben heißt wortschwärme verdichten und verdunkeln den moment die tiefe ruft

ich schreibe so dahin (die zerbrochene glocke zeit)

Von | 7. Mai 2012

winzige weiße häuser wachsen aus den spalten und ruinen dieser ungemütlichen welt eine vorstadt der sehnsucht   in den häusern wollte ich zuhause sein, wären sie bewohnbar und nicht ein von weißen spinnen gewebtes schloss   hellgrüne fingerkuppen und blaue meisen kreuzen meine lichte, stürmische unruhe   die von meinen gezeiten bewegten wasser werden an… Weiterlesen »

Colibri

Von | 29. Februar 2012

Im Ort gibt es das Café Colibri. Genauer gesagt heißt es „Pastelarias Colibri II“.Colibri II liegt an einer Verkehrsinsel mit drei Palmen und wenigen Verkehrsschildern. Von hier aus geht es zum Supermercado Apolónia und auch ins etwas größere Nachbardorf Guia. Dort findet man Pastelarias Colibri I.Colibri II bildet die Ecke eines „Centro Commercial“, das keines… Weiterlesen »

Horizont

Von | 25. Februar 2012

Ich schaue in den makellos blauen Himmel über einem weißen Dorf. Keine Menschenseele ist zu sehen weit und breit. Das Meer rauscht in die Stille hinein. Mein Blick streift über den Horizont, eine Katze auf weichen Pfoten. Die Fläche hinter dem Dorf bis zum Horizont ist mit Meer angefüllt. Blau an Blau liegen Meer und… Weiterlesen »

Strandläufer

Von | 20. Februar 2012

I Ich habe die Strandläufer entdeckt: Es sind kleine Vögel, die an der Wasserlinie entlang rennen. Mit ihren dünnen Füßchen können sie unglaublich schnell rennen. Kommt eine Welle, fliegen sie nicht auf, sondern rennen ihr voran wie kleine Herolde, das Ende der Welle voraussagend. Sie tragen dieses Wissen in sich, die Wellen-Vorhersage. Ich beobachte einen… Weiterlesen »

Coccolithophoriden

Von | 18. Februar 2012

CoccolithophoridenIch drücke meinen Rücken in das weiße Bett. Unter mir die Matratze, über mir weiße Bettdecken, zwei übereinander, darüber eine Wolldecke. Ich ruhe, ich träume, ich denke. Ich halte die Augen geschlossen. Hinter meinen Lidern wandern Gedanken hin und her. Sie hinterlassen Spuren, Abdrücke. Feiner Kalkstaub rieselt herab. Herab an meinen Meeresgrund sinkt er und… Weiterlesen »

Der graue Wind

Von | 13. Oktober 2011

hatte zu mir gesprochen in der häuslichen Einsamkeit meiner Gedanken. Grau war der Wind wie ein Fell und mir wohl bekannt. Er hatte gesagt, dass mir morgen, um fünf Uhr dreißig, ein Schnabel wachsen würde aus meinem schönen Gesicht. „Nein“, sagte ich. „Ich brauche keinen Schnabel, und ich werde dir keinen Glauben schenken“. Punkt fünf… Weiterlesen »

Muschelkriegsmusik

Von | 2. Oktober 2011

Muschelkriegsmusik da capo al fine  Muschelplaneten/ kunterbuntsüßes Spielzeugcocktail voller Brausegift und Heilbomben/ Alienskindergarten/ Todesstreifen/ nächtlicher Dämmermorgenstreifen/ Samenspiel/ schöne Gefahr/ Freudenkriegstanz/ Traumaspiele/ bunter Reigen der überwasserirdischen Muschelballons/ verrottete Totenkopf-Kommandos/ Aufstieg…/ Weggeschossener Triumphball/  bunte Buchstaben //: Hossa! Lass rein die Freude, lass die Stimmungsbomben einschlagen in den Todeswasserhorizont hinter meiner Unterwasserlust/ Muschelcocktail in meinem Kopf und Leib… Weiterlesen »

nächtlicher fluss

Von | 15. September 2011

nächtlicher fluss // heute nacht schlafe ich nicht/ hellwach drückt sich mein kopf ins kissen/ und ich warte darauf, dem regen zuzuhören/ mein rückgrat kriecht die matratze entlang/ meine hände sind ins weiße laken eingegraben/ nachtfinger wachsen daraus hervor/ schlagen wurzeln im federbett/ nachtknollen/ schlaftriebe/ traumgeflatter// deine hand liegt auf meinem bauch/ auf meiner brust/… Weiterlesen »

Ehtoma (Sommerstück von einem finnischen See)

Von | 16. August 2011

Ich halte die Augen geschlossen und sehe einen See. Alle Gedanken, alles Spürbare, Fühlbare, alle Erfahrung, alle Erinnerung scheinen aus diesem See aufzusteigen. Hinter meinen Augen ist der See und füllt mein Inneres aus; geht weit über die Grenzen meines Körpers, meiner Haut, die nach See und warmem Stein riecht. Ich liege auf einem Stein… Weiterlesen »

Monolog im Schnee

Von | 30. Dezember 2010

I Alles ist weiß geworden und bleibt es nun auch. In der U-Bahn sehe ich Menschen und Werbung. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Menschen sehe. Ich bin mir sicher, dass ich Werbung sehe, aber ich weiß nicht, wofür. Ich verstehe die Werbung nicht und will sie nicht verstehen. Ich schließe die Augen. Ich… Weiterlesen »