Autor-Archive: Christa Issinger

Über Christa Issinger

geb. 1963 in Brixen (Südtirol), wohnhaft in Natz-Schabs, verheiratet, ein Sohn. Veröffentlichungen in versch. Anthologien und Literaturzeitschriften, 2014 Preisträgerin des Hildesheimer Lyrikwettbewerbes, Autorin des Buches: Die Liebe ist nicht rot.

haare im wind

Von | 15. Mai 2021

an den meisten tagenwar die kindheit verwaschendie farben verloren sichauf dem heimwegein blasses kindlügt sich geschichtenan die wandsagen siemanchmal pochendie worte im kopfauf gut passt mutauf brot passt notmutter trägt eine karierte schürzedarauf reimt sich nichts nachts schleichenvanilleträume ums haussprachfetzen aus zimtund weißer schokoladetürmen gedankenbergeein freches kindsagen sieimmer das letzte wortungereimtes schon im stammbaumhaare im… Weiterlesen »

Späte Jahre

Von | 14. Mai 2021

Wir haben eine Katze und einen Regenschirm. Wir haben einen Raum für glückliche Momente und einen Raum für die Einsamkeit. Vom Fenster aus kann man die schneeverhangenen Berge sehen. Zu weit, sagst du manchmal, viel zu hoch für so kleine Leute wie wir. Dann nimmst du den Schirm und machst eine Runde ums Haus. Du… Weiterlesen »

vergnügungen

Von | 19. August 2020

der sommer hat ausgeatmet der dunst der tage legt sich auf mein gemüt wir hatten die felder bestellt und den regen besungen nun werfen wir uns schatten zu gedüngt sind die momente des letzten jahres halte meine hand nur noch ein einziges mal

vater

Von | 19. August 2020

im unterhemd saßt du mit dem bleistift in der hand eine geschichte im kopf mich auf dem schoß und in diesem augenblick flog die sehnsucht über den horizont das blei des stiftes kratzte am papier der schweiß deines körpers roch nach einem harten tag und ich auf deinem schoß der baum auf dem papier ragten… Weiterlesen »

zeichensprache

Von | 19. August 2020

im späten licht des tages fallen regenstriche zwischen uns wir falten wortfragmente zusammen und legen sie zur erinnerung eines tages sagst du wirst du dankbar sein über die beschirmenden worte und den regen in meinem blick

eisgrau

Von | 18. Mai 2020

fächelt der atem aus dem mund fiebert die nacht nach unverbrauchten worten vor das fensterbrett habe ich ein sehnsuchtsnest gelegt aus der stimme des letzten frühlings forme ich mir eine zeit für danach

grauzeiten

Von | 29. November 2019

nun entblättert sich der baum still ist es draußen in der dämmerung atmen wir frieden berühren unsere sprache mit den küssen des fallenden regens ich erzählte dir von den herbsttagen der wind torkelte ums haus und auf dem tisch lagen gedichte von Hesse und Kästner die sehnsucht hängt schief im raum nächte fallen ins leere… Weiterlesen »

wolkenschnee

Von | 5. August 2019

dort wo ich deinen raum betrete in einer sprache die aus den augen fällt sozusagen ein liebesschweigen genau dahin möchte ich wie ein morgengedicht das den tau auf den lippen trocknet und die stürme des vergangenen sommers

natürlich

Von | 31. Mai 2019

könnte ich dir aus liebe ein gedicht schreiben und dich und mich in einen vers pressen und sagen das wäre unser glück so gemeinsam auf einem blatt verewigt natürlich sagst du könntest du das

distanz

Von | 4. Juni 2018

zuerst schliefen sie zusammen dann in getrennten betten später in eigenen zimmern in unterschiedlichen stockwerken danach in zwei häusern in verschiedenen orten auf anderen kontinenten schlief sie am nordpol er am südpol

in aller stille

Von | 4. Juni 2018

oft zählte ich deine  lidschläge wenn wir uns gegenüber standen wir zerredeten das alltägliche planten unmögliches schwiegen ohne uns weh zu tun lachten laut zu laut manchmal doch immer liebte ich dich die jahre hindurch in aller stille

tischgespräche

Von | 27. November 2017

die gabel sticht in das brot der mann wartet auf den aufschrei die zeitung liegt gefaltet neben der einsamkeit das messer wartet auf den dritten akt die suppe wird kalt sagt die frau in der küche und schlägt die stille entzwei

oktoberblue

Von | 20. Oktober 2016

wie spät ist es der nordwind kennt keine grenzen kalt ist mir innen und außen der herbst liegt auf dem trottoir in den blicken trüben sich die farben eines ganzen jahres frühsommer wäre schön ein bisschen geld fürs vergnügen und ein wochenende am see mit dir wenn du da wärst und mich lieben würdest wie… Weiterlesen »

verfallen

Von | 24. Juli 2015

neulich tauschte ich mein langweiliges leben gegen eine packung kekse im sonderangebot mehr sei es nicht wert sagte die dame an der kasse die mit dem violetten Lippenstift

und ruhen in frieden

Von | 29. November 2014

manchmal schlage ich auf dem friedhof die zeit tot mit denen die es schon sind sie ruhen in frieden im glauben an die auferstehung wie sie da liegen und ich hoffe keine ewigkeit lang ruhen zu müssen will ich doch tanzen und gedichte schreiben vom leben da unten wie wir uns trafen und vergaßen zu… Weiterlesen »

in einem anderen gedicht

Von | 27. Oktober 2014

in einem anderen gedicht herrscht krieg ein regensturm fegt über die straße und jonas fängt einen bunten schmetterling in einem anderen gedicht verabredet sich das  laute mit dem leisen hängen worte an kondensstreifen am horizont und keiner liest in einem gedicht ist es möglich zu sterben und zu leben winke ich dir vom bahnsteig zu… Weiterlesen »

blaue planetin

Von | 6. Juli 2014

alte dame im rhythmus von tag und nacht schwindelfrei und barfuß im kreis lauf um die sonne du gute drehst dich drehst dich um dich selbst du dicke alte im flatterkleid junges Mädchen gestern noch und tausend leben tanzend

faltenzeiten

Von | 19. Juni 2014

mit blauer tinte gegen das vergessen schreiben von den lauten und gebrochenen flüchtet die zeit wortgekleidet in eine große liebe mit blauen augen ein leben im Wartezimmer die kinder aus dem haus am fensterbrett blühen blasse erinnerungen und hinter den faltenlidern sein gesicht