Autor-Archive: eisenhans

Über eisenhans

Martin Jankowski: geb. 1965 in Greifswald, lebt in Berlin. Songs, Gedichte, Essays, Erzählungen, Roman. Zuletzt göttliches vergnügen auf erden und kosmonautenwalzer (Lyrik, beide aphaia Verlag 2014).

flüchten und bleiben

Von | 8. August 2013

eintauchen in brombeerewigkeit in der mittagshitze vergessen wie der duft der büsche und das blühende gras sich schwankend zur leere des blauhimmels gesellen taumelnd die gedanken wie ziellose schmetterlinge ziehen lassen über sandig heißem sommergrund der gleiche wie vor jahrtausenden als dieser moment zum ersten mal verging und die baumkronen hitzig schwankten im dunst namenloser… Weiterlesen »

Tannenhitze

Von | 16. Mai 2013

Neben den sechs Tannen vor unserem Haus stand ursprünglich noch eine siebte. Im Jahr meiner Geburt war sie von Großvater Ernst gefällt und durch einen gusseisernen Fahnenmast ersetzt worden. Fortan flatterte zu allen Feiertagen die neue Staatsflagge mit Hammer und Sichel im Ährenkranz am eisernen Mast vor unserem Haus. Es war die Zeit des Aufbruchs.… Weiterlesen »

perpetuum mobile

Von | 22. April 2013

(zivile jagd) durch zimmer durch flure treppaufab durch gebäudetrakte straßenfluchten im zeitraffer über städte und dörfer durch länder inseln kontinente und zurück zick zack nimmermüde rastlos & blind wie die ameisenschatten der wörter in meinem kopf ruhlos noch in röchelndem halbschlaf ich & du meine nie versiegende triebkraft aus hunger & wut

Hähnchen und Porno

Von | 7. März 2013

Dienstag kam sie früher als sonst nach Hause. Schon im Hausflur spürte sie, dass etwas nicht stimmte. Sie hörte, dass der Fernseher lief. Frank sah sonst tagsüber nie fern, selbst wenn er Zeit hatte. Leise schloß sie die Wohnungstür auf und ging ins Wohnzimmer. Frank saß auf dem Sofa und bemerkte sie nicht. Er war… Weiterlesen »

dämonen (nachts)

Von | 9. Februar 2013

Das nächste Mal wurde ich wach, als sich neben mir etwas regte. Draußen war es noch dunkel. Zwischen den Kissen hörte ich Asja seufzen. „Asja?“ flüsterte ich. „Wo bist du gewesen?“ Asja richtete sich auf. „Was meinst du?“ fragte sie schlaftrunken. „Ich habe geschlafen. Wie ein Haufen Steine.“ Ich wusste nicht, was ich denken sollte.… Weiterlesen »

dämonen (2)

Von | 8. Februar 2013

Als ich die Balkontür zum Markplatz hin öffnete, begriff ich, was anders war. Draußen herrschte dichter Nebel. Ich sah weiße Schwaden aus meinem Mund aufsteigen und sich mit dem Nebel verbinden. Kaum konnte ich die Straßenlaterne erkennen, die unweit der Balkonbrüstung eine orangegelbe Lichtwolke ins wallende Nichts sickern ließ. In der Ferne heulte eine Sirene… Weiterlesen »

nachts

Von | 3. Februar 2013

Mitten in der Nacht erwachte ich und hatte das deutliche Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war. Vielleicht war es die Stille. Kein Auto war zu hören, kein Krakeelen von späten Passanten, selbst das Licht der Straßenlampen drang spärlicher als sonst durch die Vorhänge. Ich starrte eine Weile ins Dunkel des Zimmers und versuchte zu… Weiterlesen »

dämonen (1)

Von | 26. Januar 2013

Gegen Mittag erreichten wir, während ich auf dem Beifahrersitz im Halbschlaf von einer Horde grauer Lemuren träumte, die im Regen über die Straße tollte, die letzte Hügelanhöhe vor dem Städtchen. Es roch nach Staub und warmem Asphalt, bald würde eines dieser kurzen aber heftigen Augustgewitter über uns und unseren neuen Heimatort niedergehen. Asja saß angespannt… Weiterlesen »

risiken & nebenwirkungen

Von | 4. Januar 2013

beim lesen dieser zeilen wird unwillkürlich eine kopie des inhalts in ihrem hirn gespeichert bitte lassen sie dem autor eine entsprechende gebühr zukommen wann immer sie erneut an diesen text denken unentgeltliches wiederdenken ist untersagt in diesem falle muss die kopie vollständig aus ihrem kopf entfernt werden zuwiderhandlungen werden mit der vollen härte der geltenden… Weiterlesen »

kleines zitat (zum abschied)

Von | 18. Dezember 2012

„In der Schweiz hatte ich mal eine kleine Geschichte von drei Einsiedlern gehört: Jeder saß auf einem Viertausender, aber sie besaßen nur ein einziges Beil, um ihr Frühstücksholz zu zerkleinern. Also warfen sie sich das jeden Morgen von Berg zu Berg zu. Dazu erklärte mir ein gebildeter Mann, das sei eine total unlogische Geschichte: In… Weiterlesen »

Dezemberwetter

Von | 17. Dezember 2012

(alltagstitanischer banalcalypso) Die Brote liegen stumm in dem Regal, auf flachen Schirmen flimmert unsre Zeit. Geldkurse steigen auf und werden breit Und für die Künste – liest man – steigt der Preis. Der Strom ist grün, die Winterwinde zupfen am Glockenspiel, um hochbegabte Kinder zu entzücken. Die Menschen haben heuer keinen Schnupfen. Die Züge gleiten… Weiterlesen »

nix

Von | 17. Dezember 2012

(winseln & pinseln) konnte nicht gut ertragen dass die tippser freihändig schlierige meinungen nicht teilten pinselte immer weiter schlabberdoktrinen mit gelbem strahl in den breitschnee der bildschirme damit nichts anderes zu lesen sei als der kindliche flunsch & wunsch verdammt noch mal schnauze schnauze recht zu haben nützte gar nix kapierte aber auch nix also… Weiterlesen »

große kunst

Von | 17. Dezember 2012

(für w.s.) vielleicht ist auch alles ganz anders ganz klar und weniger selten vielleicht ist es einfach dieses mädchen in nahaufnahme die einen knopf an den mantel näht das studiopersonal läuft zusammen seht ihr das auch diese finger diese bewegung und das schmale handgelenk von wo kommt das bild was für aufmerksam versunkene blicke welch… Weiterlesen »

bleiben

Von | 10. Dezember 2012

(ballistische b&w bildbeschreibung) weißt du noch als wir schnee auf dem schirm hatten nachts zwischen den brettern die krallen der betten um unsere inseln aus gewebten geschichtsunterlagen in der geschwärzten gegenwart die streifen um uns herum wie schritte aus schach schuhen entwichen da guckten wir noch in die gleiche richtung statt uns an

schillernd im schnee

Von | 9. Dezember 2012

(schönheitsmutation, stibitzt) wie im tätigen handeln wird auch beim dichten der leichte sinn, das angenehme talent, die fröhliche gutmüthigkeit gern mit der schönheit der seele verwechselt da sich der gemeine geschmack nie über das angenehme erhebt, ist es derart niedlichen geistern ein leichtes, jenen ruhm zu usurpieren, der so schwer zu verdienen ist doch es… Weiterlesen »

gegenwartsdichter

Von | 31. Oktober 2012

sie misstrauen der sprache sie spalten silben (wie atome) sie brechen (regeln und formen) und erfinden neue perspektiven sie misstrauen der sprache aber lieben die sprachen sie spalten silben wie atome aber hassen den müll sie wollen nichts erklären sie wollen nichts beweisen sie wollen verunsichern und bewundert werden sie verknüpfen widersprüche sie verflechten unzusammenhängendes… Weiterlesen »

amsel

Von | 19. Oktober 2012

Auf einem Balkon etwas unterhalb, im Haus gegenüber, lehnt eine schmale Gestalt und raucht. Der safrangelbe Morgenmantel, die kurzen schwarzen Haare und ungewöhnlich weiße Arme, die über das Geländer ragen, lassen sie aus der Entfernung unwirklich aussehen. Eine rauchende Japanerin vielleicht. Falls es hier Japanerinnen gäbe. Die Gestalt blickt in eine andere Richtung. Die Amsel… Weiterlesen »

wörtliche lähmung

Von | 4. Oktober 2012

außen von schleim überzogen der sich ständig erneuert und innen versteinert produziert dieses tier ein lähmendes gift macht euch keine sorgen es tut dies in ständiger angst gefressen zu werden einfach nicht anfassen und links liegen lassen beim nächsten tauchgang im riff raff

ziertratschherbarium

Von | 17. September 2012

(altweibermutation) ein duft wie von kaffee & wurstgulasch hier tagesreste und gurkengerüchte blühen wieder wie wilde flecken auf mattschimmernden tischgebetstafeln melancholisch üppig überziehen klappernde attitüden & affirmationen kunstvoll bespuckte//bestickte bildschirme bunte einfalt in geilheit oh wir sängen fortwährend ein jeder ein geborgtes lied vor sich hin was eine hübsche krähenwiese nicht ersetzen kann

augenwinkeladvokat

Von | 11. September 2012

Ich kann es Ihnen auch einen Zacken schärfer machen, wenn Sie wollen. Ich könnte mir Hunderte spitzer Zähne wachsen lassen, Ihr Herz schlüge schneller, ich könnte Ihre Nerven mit warmem Honig bestreichen, Ihnen den Rücken zerkratzen. Fühlen Sie meine Fingerspitzen trotz des Wassers? Sie müssen außerordentlich empfindsam sein, denn ich berühre Sie kaum. Möglich, dass… Weiterlesen »

wie 1 sau vor die perlen

Von | 2. August 2012

Unnötige Unermüdlichkeit im verstrudelnden Geröchel. Auffelln, alkalisch. Diaboloid dir in dich selbst getaumelte Komischkeit gebote. Dann wähntest du sie stumm vor deinem Gebahren. Prosaische Blasen, Schwäche gegelt in drastischen Schwällen getippt und verloren. Du hattest Dir keine Ohren geträumt, nur Münder woraus das Wortgewringe unaufhörlich bricht immerdar. West schnaubend über schlüpfrigen Gelenkverrenkungstänzen, ohne Frage löchrig… Weiterlesen »

sildenafilsurrogat

Von | 31. Juli 2012

(samtene sinndeutung) silbenaffine schlagwortschlaffen sabbern süchtig schlorrigen schriftschlunz auf schimmernde scheiben. tastaturdiarrhö? computercholera? schreibschubladehemmungserlösung? seltene subsensation: schreibschlamm als sildenafilsurrogat.

Finsterbergen

Von | 13. Juli 2012

Vielleicht hätte ich den Computerkurs damals nicht machen sollen. Vielleicht hätte ich es von Anfang an wie Norbert, der Nichtsnutz aus dem Nachbarhaus, halten sollen, der bis heute nicht einmal einen Anrufbeantworter in seinem Haus duldet. Der meint, dieses technische Zeugs mache uns lebensuntüchtig und wäre im Grunde überflüssig. Schon Lem hätte in den Siebzigern… Weiterlesen »

der schaum der minuten

Von | 19. Juni 2012

(gaga ganzmenschs feierabendferse) die amphoren des gewöhnlichen schütteln sich im staub der familien dachböden und schäumen über im sommerbeben der fensterschwestern aus dem dritten stock segelt ein tuch händler und lächelt schweigend wunder gibt es immer nur an feiertagen oder in den ferien kolonien der delospermae