Autor-Archive: Federico Palatino

Über Federico Palatino

geb. 1949 in Frankfurt als Sohn eines Stempelfabrikanten geboren, der seinen Sohn zu Ehren Goethes auf den Namen „Federio“ taufen ließ – nomen est omen.

Berliner Ballhaus

Von | 6. August 2019

Das also ist Berlin : ein Hinterhof Berliner Ballhaus : schwarz Biergarten : innen verwirbelt Farbig : alle Kontinente tanzen Hier : außer Australien Skepsis weicht der Sepsis Lächeln weicht dem Schwächeln Schnelle Schritte : fitte Mitte Zehweh dreht ums Viehknie Der Drink ist ein Wink : link Morgens um drei sind wir dabei Warten… Weiterlesen »

Syrakus

Von | 14. Oktober 2018

Auf Sumpf gebaut : vom Meer umspült Sicher nach drei Seiten : die Wellen Tänzeln um die Mauern : wir schweben Lautlos zwischen den Fischen Bewundern die Geometrie : die konvexe Schönheit der Farben : den Hebel Haben auch wir nicht gefunden Um die Welt aus den Angeln Zu heben : nur unser Gewicht Wird… Weiterlesen »

Tbilisi : am Ende

Von | 26. Februar 2018

Es gibt Berge und einen Fluß Frische Luft oben im botanischen Garten : Kletterpartien Solange die Bagger die Berge Noch nicht beseitigt haben Für neue Häuser : während Die Altstadt einstürzt : hier und da Leben noch Menschen In den Ruinen : tatsächlich Gab es hier Krieg : die Kriege Zogen an Tbilisi vorbei In… Weiterlesen »

Im Schwefelbad

Von | 11. Februar 2018

Dicke Autos parken am Abend Vorm Tor : in der maurischen Mauer : Mosaike : zwei Diener Ein Junge : ein Mädchen Huschen mit Wischzeug Bewaffnet über den Flur Der Chef im maßgeschneiderten Anzug schaut von Zeit zu Zeit Vorbei : Familien treffen sich Müde Mütter in Konkurrenz Zu aufreizenden Töchtern Die pickeligen Söhne Interessiert… Weiterlesen »

Im Kleinen Kaukasus

Von | 30. Januar 2018

In der Schlucht zwischen kargem Gestein Hat Sergo seine intakte Familie eingerichtet Vierzig Schafe : zehn Kühe : acht Kälber Hühner : ungezählt : den Großvater Die Ehefrau : einen Sohn : eine Tochter Jeder hat seine Aufgabe : er baut Und holt die Gäste von der Straße ab Durchs Geröll mit dem Jeep :… Weiterlesen »

Rauhreif

Von | 2. Januar 2017

Wie wird das Licht vor den Bergen vom Rauhreif Zerstreut : als schaute ich auf eine Wüste : die kahlen Bäume verdorrt : doch hier ist es kalt & schön Als Silberfaden zieht sich der Fluß durch Die Landschaft : eine Frau aus Arak : dreifache Mutter Hört Musik voller Sehnsucht : die Töchter Lernen… Weiterlesen »

Ostwestfalen Lippe

Von | 26. März 2016

Auf Pirsch durchs Städtchen : das verschlafen In den Abend dämmert : Spielhallen : Kneipen Hier drehen sich die Türen : das Pflaster Ruht : vereinzelt klappern Schuhe Wer ist noch unterwegs : in dieser Frühe Der Fluß strömt dunkel schweigend vor sich hin Er wüßte zu erzählen : wer über die Brücke ging Wer… Weiterlesen »

Al Andalus

Von | 1. März 2016

Hier sind sie eingetroffen : mit flatternden Wimpeln : am Fuß der Berge gelandet Wie grüßen die Wälder : die Bäume Winken : mit offenen Armen Dunkle Krieger verließen das Schiff Unbeeindruckt von Sonne und Mädchen : plünderten Sie Dörfer und Siedlungen Richteten die Säulen der Römer Auf : zum Zeichen der Herrschaft Über das… Weiterlesen »

hüftnah einspinnen

Von | 15. Februar 2016

Efim Jurist schwebt durch Klänge : Piazzolla Reißt sie in Fetzen : ich blicke auf deine ruhig Übereinander geschlagenen Knie und sehe Die Schwere nicht : ich spüre den Knoten Mit dem wir uns hüftnah einspinnen Um Mitternacht : den Fluchtweg Immer im Blick : vergessen haben wir Den Ausgang : die Lust am Entknoten… Weiterlesen »

Adria

Von | 29. März 2012

verlockendes Meer : Pleonasmus welches Meer lockt nicht : den nordalpinen Erdwürmern ist alles recht : Hauptsache Süden : hier stürzt der Fels steil ins Wasser der Wind dreht tags mit der Sonne : zärtliche Wellen : im Schatten der Steine erwartet der Priester den Knaben : das Ornat abgelegt für ein verdientes Schläfchen :… Weiterlesen »

Halbmonde

Von | 9. Februar 2012

halb geschlossene Augen : halb geöffnet die Pupillen unterm Lid versteckt : sichtbar zwei Halbmonde Augenweiß : verraten Genuß : während die Finger wissen was zu tun ist : immer wissen die Hände mehr als der Kopf : mit Ausnahme des Mundes : der sucht : was dem Kind abhanden kam : verlassen zur Fortsetzung… Weiterlesen »

Salona

Von | 17. Januar 2012

an schroffe Berge geschmiegt : nah der Küste : ehrfürchtig gegen das Meer griechisches Städtchen : bevölkert von Illyrern : Ägyptern : Römern : Albanern : Juden von den Karten verschwunden : Diokletian hat dich gesucht : außerhalb des Palastes gruben die Christen ihre Katakomben geheimer Gottesdienst : öffentlich genug daß der Geheimdienst davon erfuhr… Weiterlesen »

Zug in Kampanien

Von | 29. Dezember 2011

mit finsteren Brauen hockt der Patron nahe der Tür & läßt seinen Blick über die Wortwolke wandern : die Gladiatoren tragen Lederjacke sind bewaffnet mit Schlips & Computer : die Rhetoriker stecken ihre Nasen in Heftchen zur Java-Umgebung währenddessen umrundet der Zug den Vesuv blonde Damen recken den Kopf nach Ruinen : nichts zu sehen… Weiterlesen »

Cinque Terre

Von | 17. Dezember 2011

ich liege auf warmem Stein : auf dem Dach eines verfallenen Hauses : moosbewachsen flach : geduckt in einen verwilderten Garten der Pflaumenbaum : umgestürzt am Hang überm Meer : weit oben genug : um drüber hinweg zu blicken faltenreiche Buchten : am Tag verschwommen im Dunst : am Abend tauchen sie auf aus dem… Weiterlesen »

Piazza Santa Maria Novella

Von | 4. Dezember 2011

Wettrennen um zwei marmorne Obelisken : sündhaft enger Raum die Spucke flog zentrifugal aus den Mäulern der Rosse : gesegnet vom winzigen Kreuz auf der grünweißen Fassade der Santa Maria Novella anno 1470 : heute lagern Spieler & Dealer auf dem dürren Gras : die Rennbahn ist asphaltiert : für die Motorroller ihr Knattern :… Weiterlesen »

Fernanda’s Haus

Von | 16. November 2011

unscheinbar : in die Häuserreihe gefügt mit sieben Schlössern gesichert gegen Diebe & Katzen : der Schatten Fernanda’s verstorbener Mutter bevölkert die Zimmer : vom Vater ist nichts bekannt : alles blieb wie es war : nur die Pflanzen im Garten wuchern wilder : die Wege verfallen : die Farbe blättert von den Schränken :… Weiterlesen »

die Gerechtigkeit

Von | 2. November 2011

(im Giardino dei tarocchi) schwarz : weiß : gestreift : kariert gesichtslos : blind : außerirdisch wägt die Gerechtigkeit ab : Gleichstand die Waagschalen : Brüste : halb geöffnet : weibliche Konsequenz thronend hinter der Hohepriesterin : immer im Blick der Herrscherin : Unglückliche : im Zebragewand du erhebst dich über den Stein : maulwurfsgleich… Weiterlesen »

Arno 4

Von | 9. Oktober 2011

wen hast du gesehen : die Etrusker buckelten dir Floße voll Gerste & Stahl auf den Rücken : die Römer plätteten deine Ufer mit den Füßen der Legionäre : die Langobarden zogen das Wasser aus dir auf ihre Mühlen & Felder : die Medici wurden von dir verbannt : um dich nach ihrer Rückkehr in… Weiterlesen »

Arno 3

Von | 7. Oktober 2011

träges Gewässer : grün schimmernd als würdest du schimmeln : die Bauherren trauen dir keine Größe zu : einmauern ließen sie dich : laß es dir nicht gefallen : steig über die Ufer flute die Altstadt & belebe das Geschäft der Restauratoren

Arno 2

Von | 5. Oktober 2011

den Fischen wachsen Bärte im angereicherten subtropischen Biotop : die Städte hinterlassen das ihrige in dir : Arno : du sammelst den Uringeruch der Gassen & das Rumoren der Alleen wohin du fließt : ist nicht zu erkennen : du kreist der Wind täuscht die entgegengesetzte Richtung vor

Arno 1

Von | 3. Oktober 2011

Unbekannter : zweiteilend die Orte die aufgereiht liegen an dir wie an einer Kette : ruhig Strömender : phlegmatisch braun : flach : in Firenze verbreitert : damit die prachtvolle Ponte Vecchio über dich aufgespannt werden konnte : von Goldschmieden bewohnt : die weniger stinken als Viehhändler : stimmt’s : Cosimo Gold stinkt so wenig… Weiterlesen »

Fiorentino

Von | 11. September 2011

als Taubgeborener könntest du nicht mit den Vögeln am Morgen erwachen ungestört könntest du dein Auge weiden an den Hügeln der Toscana / Lärm wird ausgebrütet von der Zivilisation abgeholzt / karg / von schnellen Begierden zerknattert / wer fischt noch im Tümpel nach einem klaren Gedanken

bei Regen

Von | 12. August 2011

zu viert am Tisch : umringt im Halbkreis von einem Rudel Zuschauer : der barhäuptige Alte schielt : welche Trümpfe der Athlet in der Hand hält : tief in die Stirn hat der Motorradhengst die Basecap gezogen : er will nichts sehen die Karten knallen auf den Tisch : im Rhythmus des Regens : allabendlich… Weiterlesen »

mediterran 1

Von | 23. Juli 2011

einer Gazelle gleich schleicht der Bischof unter den Pinien am Ufer entlang die Bucht : ein natürlicher Hafen keine Wellen : nicht mal bei Sturm hier läßt es sich streifen durchs Unterholz der Robe beraubt : das sieht jedermann nach diese Hitze : um den Hals baumelt angekettet das Kreuz : im Gleichtakt mit dem… Weiterlesen »

Venedig

Von | 3. Juli 2011

die Schlauen sind fort : die Kaufleute & Generäle : Kramhändler zieren Gassen & Plätze : Damenschuhe klappern : Amerikaner suchen vergeblich nach ihren Wurzeln : Kinder : in Gruppen angereist : singen längst vergessene Schlager : ein Murmeln : das nachhallt hörbar über dem Schlagen der Wellen bringt die hautkranken Häuser zum Bersten wie… Weiterlesen »

Pompeji

Von | 13. Juni 2011

verkohlte Wände : verstohlene Blicke Epikurs Lebensfreude : Priapus vorm Haus Gebete um Fruchtbarkeit : nicht zur Einkehr lüsterne Blicke der Stoiker auf dichtes Wohnen der Lust gewidmet : nicht der Rechnung Mikrokosmos : Zeugnis einer glücklicheren Zeit wäre nicht der Vesuv räschend über sie hergefallen

Neapel

Von | 31. Mai 2011

wie geschaffen sind die die Uferpromenaden für Motorinos : die Stadt lebt mit dem Meer für frische Luft ist kein Platz in den Gassen Hanibals Elefanten passen nicht hindurch bunter Plunder liegt ausgebreitet uns zu Füßen Haijin-Container stapeln sich am Hafen : Burgen die Stadt wird belagert & hungert aus : im Museum gibt es… Weiterlesen »