Autor-Archive: Go Tan

Das Ende nach dem Ende

Von | 20. März 2013

Eigentlich war ja voriges Jahr schon alles zu Ende. Aber dann war da noch dieser Lichtblick mitten im fünften Kapitel: Du betratst den Raum. Es war eine von fernher vertraute Dünung. Nicht einmal der verstaubte Gestus hundertfünfzigjähriger Kulturkritik störte mich wirklich. Die Ansatzpunkte so real wie eh und je, die Suche so, wie wir sie… Weiterlesen »

Arbeit für Erzengel

Von | 19. Februar 2013

Durchstoßen Durchleuchten Wie Pflanzen wachsen In der Architektur des Wassers Die Seele zwischen Glück und Gutsein Auf der Nadelspitzen ewigem Vektorgeklüft Hämmert das menschliche Herz Einen Weg durch die Himmel In Zwiebelhäuten gewachsene Gedanken Im Gedächtnis eingebrannt Bis die Sonne aus ihrer Bewegung heraus Fällt Wohin der Raum ihr den Weg weist

Drei Sätze

Von | 4. Januar 2013

Michaela breitete aus, was unter ihrer Bettdecke Platz fand. Verloren lag es neben ihr und träumte. Nebenan die Kinder hatten jedes ein Zimmer für sich.

Heloise

Von | 24. November 2012

Häng Dich doch an Deinem halbkriminellen Eddy auf Oder häng ihn Dir um den Hals Schieß Dich ab Oder lass es bleiben Was hat das alles mit uns zu tun

John Locke in Russland (1)

Von | 28. September 2012

Im Sommer 1680 reiste er überraschend für seine Freunde in Richtung Holland ab. Was er dort wollte ist nicht überliefert. Vermutlich trieb ihn eine der immer zu gewärtigenden Kampagnen aus dem Land, mit denen Gerichtsprozesse vorbereitet wurden. Er interessierte sich nicht sehr für China, aber die Richtung seiner Fluchtgedanken ließ ihn dieses Mal nicht an… Weiterlesen »

Nach dem Ritterroman : zwischen Herbst und Venus

Von | 6. September 2012

Hegel – ein geschichtsphilosophischer Unfall: Romantik statt politischer Theorie. Was die Junghegelianer und späteren dialektischen Historiker von ihm übernahmen, war mit dem unglücklichen Bewusstsein ein romantischer Gestus von Selbstbeschreibung. Es ist der anarchistisch konstituierte freie Wille der ästhetischen und politischen Avantgarde des 19. und 20. Jahrhunderts. Vorher hatte es so etwas nicht gegeben, die moderne… Weiterlesen »

Denken an Orpheus

Von | 7. Juli 2012

„Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?“ „Über die Erkenntnis der Illusion, Urheber der eigenen Handlungen zu sein.“ „Aber inwiefern denn Erkenntnis?“ „Stell dir vor, an deiner Schläfe sei eine Mücke. Kannst du das Jucken spüren?“ „Noch nicht: sie sticht gerade. Da ist nur die Erwartung.“ „Ich wünsche ihr, sie möge sich im Verrinnen der… Weiterlesen »

Das Studium

Von | 19. März 2012

Am Anfang, so heißt es dort, gab es nichts. „Da war nicht Erde unten noch oben Himmel, Gähnung grundlos, doch Gras nirgend.“ Nördlich und südlich des Nichts erstreckten sich eisige und feurige Welten, Nebelheim und Muspellheim. Die von Muspellheim ausgehende Hitze brachte das Eis von Nebelheim zum Schmelzen, und aus den herabfallenden Tropfen entstand ein Riese… Weiterlesen »

Schnitt „Neuer Eintrag

Von | 1. März 2012

Die Viererbande aus Versen hat es Schlimm getrieben in der Welt: Pause Vor Pause vor Pause vor Pause, die Letzte als schlimmste von allen – Jahrtausende alte Mischung des Menschen, Gerechtigkeit aus dem Bauch Heraus, aus dem knurrenden … Kopf Ab! Dann geht’s weiter, etwas hat sich Geändert: Mitten im Vers tauchen Zäsuren auf, rhythmische… Weiterlesen »

Anbeipause

Von | 22. Juli 2011

Sehr geehrte Leser! Nach reiflicher Überlegung eröffnen wir heute im Inskriptionen-Reich eine neue Rubrik. Die Redaktion erhofft sich von dieser Maßnahme ein neues Stück Pergamentpapier.

Gedanken aus der Sägemühle

Von | 23. Februar 2010

Was soll ich dort, wo ich hin will! Ich fahre trotzdem weiter. Das Gras erzitterte… Ob es einmal gut wird, dort? Zunächst Übungen, Was will ich dort, wo ich hin soll? Ich fahre erstmal weiter. Trotz alledem! *** Als Mühlrad dann wie Müller sein, Shakespeare-Kleksographie Kafkaschen Ausmaßes Gesungen unterm Rauschen des Wassers In den Cobble… Weiterlesen »

Wir

Von | 21. Oktober 2008

Aus den Marskanälen ließen sie das Wasser ab. Air-conditioner überfluteten die Venus. Mit dem Mondstaat schließen sie Verträge ab: Eine neue Phase für den künftigen Aufbau; Mit der Flut eindämmend zu reden, Wo schon Ebbe ist, das Meer beschwören. Nur der Vollmond ist noch immer rätselhaft, Sein Verschwinden gilt als ausgemacht.

Kleine Geschichte: Christian und Brigitte

Von | 27. September 2008

Am Anfang alles ganz harmlos. Küsse, Worte, Speichelfäden. Allmählich Wolken, schneller & schneller. Der Himmel wird sich bald zuziehen, wie eine Schlinge sich über vielen Köpfen zusammenzieht. Leben, überleben & drunter durchtauchen. Nur keinen Fehler machen – der schlimmste von allen. Ein Gedicht ist was übrig bleibt, wenn alle Messen gesungen, alle Tage gezählt, die… Weiterlesen »

Der Himmel Anfang September

Von | 1. September 2008

Gegenglück auf der Umlaufbahn, Trinker Starren nach oben. Knirschen, Geschiebe. Es quietschen die Achsen des Astrolabs – Kunstblume an vergangene Zukunft: „Ich Ich, der Astronom … “ Hinterm Rücken Gescharre zwischen Möhrchen & Rübchen, Schnabelkehlen rufen den Abend herbei. Was Rhythmus sei? Antireim Im Kurztraumgedächtnis, die Nullen Addieren sich zum Nichts: … , Vorhang.

Königsgambit

Von | 20. August 2008

Ich hieß damals Paul und war mit Capablanca auf Zigarren. Sie nannten mich Morphy. Wir waren jung und schon ziemlich kaputt. Unser Gedächtnis war ein ewiger Worksong – keine Weltgegend, in der die singenden klingenden Hammerschläge nicht in irgend jemandes Traum widerhallten. Oh Amigo, weißt du noch, diese Partie im „Ambassador“ – und der Onkel… Weiterlesen »

Stilles Murmeln

Von | 16. März 2008

Ein kleiner Junge sitzt auf seinem Bett. Im Kinderzimmer, das ganz im gedämpften Licht des Morgens schwimmt, liegt eine Stille wie von Jahrhunderten. Das Fenster an der Schmalseite des Raums ist mit Vorhängen zugezogen, deren orangebraune Färbung alles Anwesende in eine melancholische Stimmung taucht. Der Junge sitzt auf der Bettkante und betrachtet seine Hände. Da… Weiterlesen »

Als Lichtstrahl unterwegs

Von | 20. November 2007

Den Knorpel einer menschlichen Pupille durchquerend wurde ich zum erstenmal gebrochen. Es zwang mich in jenen Hautsack hinein, dessen Hinterseite von so ekelhafter Beschaffenheit ist, daß es einen bei Berührung dieses knotigen Himmels zicken und zucken läßt, als sei der Gott der Lichtquanten ein Ziegenbock mit zwei verschieden langen Maßhörnern. Später sollte ich auch die… Weiterlesen »

Wenneigen

Von | 27. September 2007

Wenn die Sonne den Himmel berührt, entstehen Phänomene. Wenn ein Auto Fahrt aufnimmt, wird die Luft wieder etwas dünner. Wenn eine Haustür zuschlägt, gehen oft mehrere Zimmertüren auf. Wenn es Herbst wird, beginnen die Vögel des Nordens sich umzuwenden. Wenn es dunkel wird, verschwinden viele Photonen gleichzeitig aus den Augen. Wenn ich den Atem anhalte,… Weiterlesen »

Nachbar

Von | 16. September 2007

Ein ferner Husten, ein Schluck Wasser      Ineinander verkrümmt wie Wolken      Über der Wüste, Traum      Vom Duschen im Paradies – so      Träumt der Junge vom Krieger Der aus der Schlacht heimkehrt      Mit Krusten Schlamm & Flüchen      Den wiederkehrenden Detonationen      Im Ohr das von einer Frauen- Stimme träumt, Vogelsang     … Weiterlesen »