J.P. Sunshine

Auf Deckhauben vergessener Tücherbäume:

Die Sonne bläult. Rotrosafarben
stehen Wolken im Dickicht.
Im glasig, rauchigen Schwaden Lustraum.

Fern ruft das stille Haar:

Adieu, mein Kapitän
bis zum Vierten der Woche.
Ich reise immer nur allein.

Mit Sternschnuppen im Knie.

Blaues Fettkraut

Diese Pflanze produziert an ihren Blättern ein klebriges Sekret. Bleibt ein Insekt daran haften, so wird es von den Blättern eingerollt und anschließend verdaut. (Römers Garten)

schnee : verlorne

Erster schnee : verlorne liebe
Zur natur : hol dir die ohr-
Feige ab : alter dichter-
Sack : dafür daß du noch
Immer am wetter hängst
Wie andre am dysfunktionalen
Strukturalismus : dieses zarte
Weiß auf den zweigen hast du
Nicht verdient : schließ
Die augen : wenn du unter
Ihnen entlangfährst : landest
Du am nächsten baum und kannst
Deine unwiderrufliche Liebe
Mit deiner blechschnauze küssen

etwas wie ein eingeknöpfter akt

das ich zu hassen dich begann geliebter etwas wie ein ausgeglühtes grau das mein augenlicht betrübt eine willenskurve später ich stelle meinen mund auf tot bei dir und springe vom dach in den nebel mir fliegt die nacht davon im geseier der trösterinnen und stürbe in ihrem willkommensschrei einander schreiend geblieben

zur neige

schnuckilie gib mir ein kussilie dann werd ich zum roten füchselein und trage mein halsband aus knochen greif dir ins verknopfte halbgesicht schnuckilie gib mir ein kussilie das gedrechselte ist eckig und grünlich gelockt schüchtern in mir dein entfernter begleiter im schwarzen sack im schwarzen sack du kannst deine strumpfhosen ausziehn

 

Winterillusion

Schnee ist gefallen : zart ziert er das Geländer
Grellweiss : unbestechlich : kalt

Lädt er ein zur Berührung : das erste Mal
In diesem Jahr : das keinen Winter kennt

Ich trete näher : will ihn fassen
Es ist der Mond : der hier herabgerieselt ist

Fast Vollmond : täuschend : schneeweiß

M.2

Wie ein Vogelzwitschern wieseln deine Herzstaben durch meine Zimmer.

Wie der Gesang verwünschter Wundertüten rudert der Fährmann zwischen den Schenkelhügeln.

Wie eine Taube gurrt das Beisammensein in Flüsterranken durch die Aderflüsse.

Wie ein Versprechen zukünftelt das Lächeln deiner Worte.

Durch lange Stunden der Gegenwart, wie die Schmetterlingsflügel ruhend
auf orientalischem Baldachin.

ein klingeln an der tür

geht vorbei, vorbei geh!
die nacht der nebel dunkelheit

geh vorbei pfeif deinen weg
nur diesen einen schritt

mach dass du fortkommst
die angst ist treu.
© Niko 16012014

Landgang

Tankerflotte arktis
macht frei den weg

flocken schnee das eis
die nord-west-passage
bären kreuzen

fremde freunde fremdeln noch
jaja die bären aber
die natur geht ihren weg

wie schön, sagten sich die kontinente
das eis zwischen uns
: es ist gebrochen.

© Niko november 2013

Ein paar hundert Plädoyers

Der Abstieg hatte schon länger begonnen. Drinnen war jetzt ein Frisör, im Fenster ein kleiner Stern, der das Dunkle, Regenichte müde beleuchtete, ganz als hätte ein Arzt sich zur Untersuchung seines Patienten entschlossen und ein mit Schwachstrom betriebenes Instrument hervorgeholt. Das matte Plakat in Schwarzweiß mit dem schönen Jüngling war nur von feinen und geübten Augen zu erahnen – und meine Kurzsichtigkeit war mit einem Mal kein Manko mehr, sondern von lustvoller Zärtlichkeit gegenüber dem zweidimensionalen Objekt. Das Ramschlädchen mit den Stoffvorhängen, vor dem die Straßenbahn hielt, blieb dagegen in finsterer Nacht. Ein paar Haselnüsse blühten schon, der Regen fiel in transparenten Punkten gleichmäßig wie im Schlaf. Du hättest gesagt, das ist die Jahreszeit, zu der man in diese Bar nicht gehen kann. Ich denke, das hast du ja gar nicht gesagt. Ich denke, ich und du und unsere gemeinsamen Essen in dem auf dem Abstieg befindlichen Lokal sind so straff miteinander verwoben, dass eine Trennung unmöglich ist. Ein strenges Muster in einem abfälligen Gottesplan. Zum Würfeln hat er nie geneigt, der Alte, und wenn er es hier einmal getan hätte, drei Sechsen wären diese Stunden mit dir und mir, dem Putengenuss und deinem aufgestellten Patent sicher nicht gewesen. Ich blicke in den Regen, die Uhr an der Straßenbahnanzeige steht auf 07:07. Bei Schnappszahlen denkt ein Engel an dich. Minuten später steige ich in die Bahn und die Erinnerung klammert sich an meinem Rücken fest. Offenbar will sie mitfahren. Ich knipse den Fahrschein und lächle ihr zu.

Ausgabe und Arbeit [Verausgabung und Mühe], und Reibung,

Fließt aus dem See [zu dritt] der Drei!
Sache und Gabe [Werk und Geschenk] – aus dem [Zweier-] See der Zwei!
Das Gras behindert die Füße beim Gehen,
[_] Gift löscht die Seele, und kalt wird das Blut.
[.] Stumpfes Messer schneidet schwer.
[:] Sackgasse – der / ein Weg // mit negativem Faktor.
Offen wandelt den Weg der Freudige,
Schwierig und mühsam schleppt’s sich auf ’nem Pfad.
Der ausgeweidete / organlose Körper, des Geistes // der Seele beraubt,
Der reglose Leichnam, der Bewegung beraubt [erleichtert],
Die Belustigung / Satire – eine Wohnstatt für Tote,
In denen du dich nicht regst,-
Ihr alle entfließt der Drei,
Die gute Sache dagegen – der Zwei. [Diesem See…:]
Jungfrau und Geist, flügelbrausend von dort her.
Die Zwei zweigt / treibt, es drängelt / dringt die Drei.
Travi uzhi schreit man’s an der Wolga,
Dabei / damit die Katz‘ aufhaltend.

Gezeugt oder gehaucht? Und warum als Tier?

Venus im Pelz 2

Film von Roman Polanski

„Der Herr, der allmächtige Gott, aber hat ihn bestraft, ihn in die Hand einer Frau gegeben und ihn zuschanden gemacht.“  BUCH JUDIT (Jdt 16,7)

Polanski_Venus_im_Pelz

Sie stehen sich gegenüber in klar verteilten Rollen: der Mann hat die Macht, die Frau macht ihn an. Gerade ihre Unvollkommenheit, an der sie eindeutig schuld ist – Zuspätkommen, Nichtwissen, Rücksichtslosigkeit –, ist die vollkommene Tarnung als Unschuldige. Damit wickelt sie ihn ein, den armen, willensschwachen, zaudernden Autor, der in nächtlichen Stunden die Regieanweisungen in den Computer hackt. Dazwischen eine Phase der Unbestimmtheit: Ist das noch Vorspiel, proben sie noch oder spielen sie schon Theater? Lächerlich: diese Ausstiege aus dem Spiel, das Vergewissern, wer den Hut auf hat, das stylische Hundeband um den Hals trägt. Konsequent: am Ende ist das Spiel Realität, das Handy, das noch mit der „Verlobten“ daheim verbindet und die profane Alltagsliebe außerhalb der Bühne mit Wagnerklingelton zu Bewußtsein bringt, in den Saal geworfen. Die Bühnenbeziehung droht in einen Seitensprung zu kippen, den die Frau souverän, selbstbewußt, fehlerfrei befiehlt. Sie kippt aber nicht, sondern mündet in einer antiken Tragödie, die als Komödie trapiert ist: die Macht, die der Frau dank sexueller Energie verliehen ist, taugt nur zum Heldendrama. C’ est tout. Denkst du nicht, das sei sexistisch?

Schneider

Ich bin der Schneider des Lebens, und maße mir das Leben an.
Ich schneide auf, und schneide zu,
Und schneide ab den Faden.

Lieblingsdichter

am liebsten mag ich
diese weißen blätter
im herbst
wenn der nebel  über dem talkessel hängt
und der wind sich um das haus schleicht
wie ein alternder räuber

dann tauche ich ein
in dein gedicht
als könnte ich dich erkennen
in den wortspielen
und spüren was du nicht sagst

die botschaft

ereignis reich die nacht
liefen hunde zu einem sternbild
zusammen
hinter wolkengedröhn

mitten im kalten winter

fressen licht von der milch
straße schwarze löcher
ein bellen am himmel

wohl zu der halben nacht

ein streunen
und im fell stallgeruch

wie uns die alten sungen

kritik

bei aller fernsichtabsorbtion: ich erkenne unkonturiertes, das fett und schläfrig in seinem möglichkeitsbettchen ruht. das mag meiner fehlsichtigkeit geschuldet sein und besitzt keine allgemeinbildlichkeit. ich erinnere mich nur wieder einmal an träume: kinderzimmer, puppenkissen, fühlen, was drin ist, wattefüllung, aufschneiden und schlafen auf stroh, zuvor noch dünn umhüllt von blau-kariert, könnte, müsste, sollte –

http://www.physiologus.de/moegl_sinn.htm

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Für M.

Die Liebe hängt am Silberfaden
Leid und Klagewolken verhüllen
ihre klaren Scheiben

Ich willose leidlich. Die Geburt
der Zeit schreit abwärts
taumelnd: Wo bist Du?
Wo nur bist du, mein Herzstück?

Sie raubt den Verstand,
fesselt, zerstückelt, knechtet
– und fordert Erlösung.

Mein Jadestern, ich reiße
alle Himmelsdecken nieder
und flehe dir zu:
Vergebung!

Dämonen, Dämonen

Michael Jackson am Ende seiner Grundausbildung im Kampf für den Frieden.
Kommandant Leonidas: Immer kurbeln, ob rechts ob links, mit Mut gelingt’s.
Michael: Hä?
Leonidas: Wenn sie im Sichtfenster auftauchen, brauchst du am Anfang den Taschenrechner: Welche Note hattest du in Mathe?
Michael: Hm-hm.
Leonidas: Also nicht nachlassen. Damals an den Thermopylen hatten wir noch nicht mal Hallöfeln, um die Verzerrungen der Wahrnehmung wegzuschlürfen. Wir schaffen das schon, alles nicht so schlimm. Vorsicht! Diesen Knopf nicht. Den nehmen wir erst nächste Woche dazu.

Zwickau : Äußere Plauensche

Alles ist angemalt : alles ist ausgebaut
Sächsischer Barock : Bergbauinsignien
Die Mulde strömt eingezwängt durchs Tal
Liebliche Figürchen auf Säulen und Treppen
Sauber ist diese Stadt : adrette Menschen
In mittlerem Alter stöckeln ins Kino : ruhiger
Feierabend : und was sehe ich

Verfallene Straßen : die Äußere Plauensche
Das Dunkelgrauschwarz der Häuser : Klo
Halbe Treppe : Fliegengesumm über der Fallgrube
Hier hab ich gesessen als Kind und gefürchtet
Hinunter zu fallen durchs Loch
Des Aborts ins Grünglitschige : während
Die Eltern : Onkel und Tante weiterkauen
An Omas Karpfen Blau : während sie weitertrinken

Den unbestechlichen Klaren : der den Magen
Putzt : sie habens gut : müssen nicht mehr
Aufs Klo : mich haben sie vergessen und aus Protest
Schlucke ich einen Löffel Salz : nur einen kleinen
Aber der reicht : um zu kotzen
Und den Rest des Nachmittags überm Waschbecken
Zu verbringen : dann gehe ich hinaus
Und hänge selbstgemalte Verbotsschilder

Entlang der Straße auf : die keiner beachtet

Kommentar

zu: „Zukunft“

ich glaube, das hier wird so ähnlich wie der traum, (da wir nun schon bei dieser kategorienbildung angelangt sind): also der traum, in dem mein ehemaliger professor sagte, das exposee müsse komplett neu geschrieben werden, da es ohne methode sei, und wer immer noch den faltern im licht nachschaue, würde es in der ernst zu nehmenden wissenschaft nie zu etwas bringen. gut war, dass ich saß.

Das Tragische

Wie würdest du spüren
das ein Treffen mit dir

wie Weihnachten
für mich ist?

Wie konnte ich nur annehmen,
du würdest es fühlen ?

traumschutt

dem nachtschatten des 15. jährigen entsprang die idee:  ihr könnt nun eure beiträge traumschutt-kategorien zuordnen, hier ein erster wurf…

gibt es weitere vorschläge?

`Ab`!

Feldstimmen wandern langatmig über Silberkleckse zitternd gewebter Kinderfaden.

Fühlende Inschriften reisen in den pfadrosenden Heimlosnächten zwischen kalten Schenkeln.

Kalten Schenkeln. Füchse spalten rote Galgen auf holz – duftenden Rädern.

Fahle Wässer grasen auf Hufeisenschichten der Wundermühle.
Fünf zig mal krähte das Huhn.

Dreht sich die Raupe
in den Arkaden.

Feldspinnen riechen den Klang ferner Sommerkinderstimmen
in den Blumen.

Dörrobst

Zubereitung: Die Früchte und Nüsse schneiden, mit einem Teil der Milch anfeuchten und stehen lassen.

Die Idee ist gut. Sie macht sich fast von allein. Zeigt ihre Schärpen und Rüschen aus Apfelspalt und Birnenritze. Sie dreht sich einmal rund und schwingt dabei das Tellerröckchen aus Nüsschen und filletierten Appriköschen namens Lady Lilac. Hoppsapsa, freut sie sich, und der Gesundheit zu liebe. Doch dann: stehen lassen? Da fühlt sich die Lady ganz schön angepisst. Wackelt über die Tanzfläche und legt sich eine Dörrpflaume in das Stolzenfels-Sektchen.

Das Schlimmste war das Haarewaschen

Mein Freund wohnt in einer Gegend, die von Geiern umkreist wird. Es sind Tiere, keine Siliciumwesen (das wäre ihm sicher besser zu passe gekommen), sie treten in Schwärmen auf. Zu ganz bestimmten Uhrzeiten (schämen Sie sich!) bekunden sie laut und aktiv ihr Dasein, während sie fressen und scheißen. Das ist wie eine Rutschbahn auf der man runtersaust, dieses Satzende. Spinntanpoetik, würde Eisenhans, wäre er noch unter den Blogern, hierzu sagen. Ich mache das Fenster zu, bevor ich schreibe. Denn vor meiner Balkontür kreisen die Geier, die Bibliothek haben sie schon im Griff, und das, was dort auf der Straße in kleinen Schüben und Klecksen dicht beieinander aufgetragen ist und im Auge glänzt, ist Vogelkacke der unterschiedlichsten Trockungsgrade. Erst jetzt kommt mir das zu Bewusstsein, ich hinke anscheinend mit allem etwas hinterher. Stehe auf dem Schlauch oder auf der langen Leitung, je nachdem, ob gebaut, bewässert oder gedüngt wird. Ich stelle mein Fahrrad ab. Die Sonne lacht, die Luft ist frisch und kalt. Kleine Vorboten des Guten. Auch die Autos links und rechts neben dem Bürgersteig sind vollgeschissen. In der Mittagszeit (also, Sie haben wirklich kein Schamgefühl…) ruhen die Geier, sie sind abwesend, und Stille erfüllt die drei Dimensionen des Raumes. Ja, Sie hören richtig, des Raumes. Die Stadt ist ein Raum, von Materie unterteilt. Im Großen wie im ganz Kleinen. Raum genug, um tief Luft zu holen. Es ist wenig Verkehr und der Kopyshop hat noch geöffnet. Noch ist nicht Kochzeit (Sie sind die Verdorbenheit per se), daher bleibt die Luft neutral. Obwohl ich Entzugserscheinungen verspüre, geht es mir gut. Ich denke, dass mein Freund dort drüben in dem Café sitzt und arbeitet. Denken reicht mir. Ich biege in den Kopyshop ab. Letzte Woche trat mein Freund schon morgens um sieben aus dem Haus und wurde mit Vogelkacke auf das seidige Haupthaar beglückt. Das bringt Geld, denke ich, etwas, wovon er eigentlich nicht noch mehr braucht, worüber er sich aber trotzdem freut. Aber das Schlimmste war das Haarewaschen.

Die früh Verwöhnten

Die früh Verwöhnten kuscheln brav

Im Bett : am Bildschirm

hocken sie die halbe Nacht : der Vollmond

 

Interessiert sie nicht & nicht der Sturm : der

Durch die Esche rauscht : das ist zuviel Natur

Ein Schritt zuviel vors Haus : sie warten ab

 

Beim Nachbarn brennts : die Flammen

Greifen über : solang das Sofa

Steht : herrscht keine Not

 

Wenn sie sich doch bewegen müssen : hat

Ein andrer schuld : so ists bequem

Mag draußen Regen quirlen : der Kuchen

 

Schmeckt & Krieg gibts nur im Spiel : da

Wird geschossen : was die Maus hergibt

Los : räum ab : ich hab den kleinen Finger

 

Grad nicht frei : Mama wirds mir richten

Weihnachtsmänner

Als die Atemnot im Rossmann so stark wurde, dass ich kaum noch gehen konnte, kam ein Brief von Dir an. Ich öffnete die Botschaft und blieb auf dem Fleck stehen, auf dem ich mich regenerieren wollte, hoffend, nicht innerhalb der nächsten zehn Sekunden umzukippen und von einer der Kassiererinnen vom Fußboden aufgekratzt zu werden. Und mit Tatütata wäre es auch schon in die Notfallklinik gegangen. Infusionen, Tabletten Spritzen – reines Cortison, du kennst das von mir. Sonntags in der Elsterbar trug ich lange Ärmel wegen der Sonne, die dunkelblaue Brille über Stirn und Augen. Was willst du mit dieser kranken Frau, fragte ich mich, nur schreiben kann sie, deine Fiktionen aufhübschen, rennovieren, das ist alles. Da kann sie ruhig gegen jedes Stäubchen allergisch sein, wusstest du, ich bete ihren Geist an, bedecke ihr sanftes Gesicht mit blütenweißen Gazefiltern, teuer erstanden im Sanitätswarenladen. Du, ja ich weiß, du opferst dich für mich, obwohl deine Gefühle von Natur aus eher schwach sind. Warum schien damals nur die Sonne und ich habe dich mir angelacht. Nun stehe ich mit Atemnot am Regal neben den Bioklamotten, dem grünen Thee, den geriebenen Vanilleschoten, dem Chai Latte aus irgendwelchen korrekten Anbaugebieten, dem Tee, den du irgendwann am Anfang mal gern für mich da gehabt hättest – und lese. Du wünschst mir ein gutes, ein schönes – nein nicht nur ein gutes, nicht nur ein schönes – ein besonders schönes Weihnachtsfest. Später zerschlage ich Blumentöpfe und klebe ihre Scherben kunstvoll wieder zusammen. Crashe die Christbaumkugeln mit der bloßen Hand. Aber am Regal mit dem Bioobst, den Theedüften, denke ich, mein Weihnachtsmann in rotem Zelluphan, es knistert, die Schokolade ist süß da drinnen, der Himmel abschüssig und du kommst gerade auf einem Edelholzschlitten herabgesaust zu mir, direkt in diesen Rossmann. Nein, Sie dürfen den Krankenwagen wieder abbestellen. Mit mir ist wirklich nichts.