schläferstadtbewegung
erflüstert gesternsprach,
schnitzt bleiern szenen
alpverhallas ab
–
herdenstempel eingebrannten fleischs
zischt quälend hoch –
niemals ver-
tiert!
schläferstadtbewegung
erflüstert gesternsprach,
schnitzt bleiern szenen
alpverhallas ab
–
herdenstempel eingebrannten fleischs
zischt quälend hoch –
niemals ver-
tiert!
kleckern? dann streichen
wirin % klebt: wirin > zeichnet ab–
–arbeitsweg aus sozialkontinenz
beispiel-loser schwebebalken
einsatz § augenscheinlich
uns erträglich entdienen Sie
ia verherrschen:
_
gänglheit & cokg
Die Sonne ist eine Ampel
auf meinem Fußrücken
und die Ewigkeit lebt
Malvenrot
Gedrungene Lüfte
vom Laternenglanz geöltes Straßenpflaster
nach dem Regenkuss
Zerschmetternde Leichtigkeit
Nachts zittern die Atembetten der Häute
Aufbruch. Geräumige Zeiten vereisen
Wir sind nur Stimme
und Neon Götter flüstern das Blut
Apex: Schrift auf Schienen
im Nirgendwo der Syntax
Wagons voller Sterne
Splitternackter, weißer Rauch am Horizont
alle Wege führen dahin. Fahren
wir den Sprachhof befrieden
Ich liebe doch
alle Menschen
Die parallele Ausbreitung von Inhalten, die scheinbar nur der Form halber zueinander in Bezug stehen, offenbart von Zeit zu Zeit „gangbare Pfade“, Denkspurrillen die dabei helfen können, auf imaginative Weise zu einem tieferen Verständnis von Natur, Geschichte und Selbst zu gelangen.
Diesem unbewußten, gewissermaßen intuitiven, „automatischen“ Lernen – in Analogie zum „automatischen“ Schreiben – möchte ich in einer zusehends durchgeplanten und konkretisierten Gesellschaft wieder mehr Platz einräumt sehen, denn ein „gerüttelt Maß“ an konstruktivem Chaos schützt vor Stagnation und Regress.
Zwischen den Zeilen lesen zu können ist heute vielleicht notwendiger als je zuvor in der, unser aller Lebenswege verrührenden Postmoderne.
–
Unerhörte Ahnungen, lachhaft bare Gedankenblitze, farbige Gefühlsbilder:
die letzten Rückzugsorte des Menschlichen in einer automatisierten Welt, in der zuweilen aus Unwissenheit und Neid heraus Systemautonomie mit Verrat gleichgesetzt und präventiv sanktioniert wird – minimal durch Ignoranz, maximal (zur Abschreckung) mittels öffentlicher Vernichtung…
—
DB-420: Elektrotriebzugbaureihe
–
4.20. Hitler hatte (nach amerikanischer Kalenderzählung) Geburtstag – einige Male zuviel, wie die Geschichte zeigt.
–
Absatz 4 von Art. 20 des Grundgesetzes behandelt das sog. Widerstandsrecht –
es verleiht den Bürgern die Erlaubnis sich gegen Umtriebe zur Wehr zu setzen, die das Ziel haben, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu zerstören. Durch die Einschränkung „sofern andere Abhilfe nicht möglich ist“ wurde allerdings sehr wage formuliert. Ob das ein indirekter Hinweis darauf ist, im Falle des Falles lieber nach dem großen Bruder zu rufen, anstatt zu handeln? Was, wenn der große Bruder selbst der Täter ist?
—
„4/20“ Hippieslang fürs Grasrauchen. Ein paar Jugendliche trafen sich 1971 häufig nachmittags, 16:20, um nach Schulschluß zu kiffen. Da einige von ihnen mit der einflußreichen Band „The Grateful Dead“ bekannt waren, verbreitete sich der Code amerikaweit. Der 20. April ist heute „Marihuana Holiday“ und wird auf fast jedem College Campus gefeiert.
–
420: zehnfach genauere Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.
—
420 v.Chr. Protagoras, der große vorsokratische Philosoph stirbt 70-jährig, in Pompeji und Cumae fallen die Samniten ein.
Polyklet, Bildhauer u. Vater des „Doryphoros“, sowie Verfasser eines in der Antike berühmten Kanons über die idealen Maßverhältnisse des menschlichen Körpers, steht in Athen auf dem Höhepunkt seines Schafffens –
im Gegensatz zu Phidias, Praxiteles und Skopas bilden in seinem Werk nicht die Götter, sondern Menschen den Mittelpunkt.
–
vierzweinull.de „Encoding und technische Beratung in der Welt digitaler Medienformate“
—
420 n. Chr. Kirchenvater Hieronymus, Theologe der „Alten Kirche“ stirbt.
Augustinus rechtfertigt die staatliche Todesstrafe in „De civitate Dei“
(Über den Gottesstaat).
–
„4,20 m hoch: aufblasbarer Riesen-Osterhase“ advertisingfriends.de
—
4 20 M Plus – Elektro-Hochdruckreiniger von Kärcher
–
4×20 (quatre-vingt): [hab]acht[!]zig auf französisch
O so alive! today she feels,
will even jump and prance;
a tiny, curly lock
may
fall right down and play
with angel-eyes in France
Asparagus‘ scent is worth
a dozen windy smiles;
just now thy earthly things
can stay
beneath her greenish ties
In dusty haze
when moons show up
a bird will quietly sing
of Eleanor,
the happy nun, in love with God in spring
Sanft und lockend muss es sein,
mit feinen Noten wildern –
von Muskat und Zeder
über Myrrhe und Zibet;
Orangenpfeffer im Nachklang
Flakon aus kristall’nem Pinienzapfen,
zum Danke eines Lehens um Akkon
Strahlendes Gewand – buntes Seidentuch
bestickt mit verschlungenen Arabesken;
es wallt und wallt und wallt noch mehr –
im Sattel sitzt, mit lichtem Gold benetzt,
löwenherzig Saladin,
Herr der Wüsten, Eroberer heiliger Lande
und gähnt zufrieden
„Das ist irgendwie alles ganz durchschnittlich“, grunzte der Lektor.
„Und überhaupt – es passt nicht in diese Zeit.
Heute ist, was zieht, schneller, lauter, greller, kühler.
Heute weiss der Leser, dass es keine Hoffnung mehr gibt,
er lacht also mit dem Tod, nicht über ihn.“
Löwenthal erblasste. Seine Traktate über das Prädikat des Rätselhaften,
die heimliche, befreiende, egalitäre Bürgerlichkeit des Mystizismus,
unfassbar sphärenhohe Singsangbläue
nichts als Allerweltsgesäusel von vorgestern?
Und überhaupt: warum mit dem Tod lachen,
wenn er dieser Tage geruch- geschmack- und fleischlos daherkam und doch so konkret am Arsch?
Wo blieb das Ungefähre, das Vielversprechende, das Sehnsuchtsvolle –
erbarmungslose Sinnerhöhung, Verklärung als entzückende Katharsis,
ja, ehrfurchtsvoll Gerauntes als friedensstiftender Widerhall des Unaussprechlichen,
Heiligkeit als Metapher für die Fähigkeit inmitten -trotz!- aller Entfremdung (noch) lieben zu wollen – !! Hoffen-denken-sühnen-lehren—
Die Zerzeitigungen verhießen nichts Gutes:
„Mystischer Anarchismus: Von Rating-Agenturen auf Schrottniveau herabgestuft“,
„Hedonistische Internationale: Heftige Flügelkämpfe, Spaltung wahrscheinlich“.
Löwenthal war niedergeschlagen, heftige Zuckungen durchliefen seinen
verkrampften Astralkörper.
Plötzlich, erst langsam, dann aber immer schneller, bewegte er sich, hüpfte, nein es war als flösse er die Gösse hinab.
Sein weiterer Werdegang ist kurz zu fassen: Nach dem Erwerb eines Ipads meldete er sich bei Facebook, Twitter und Instagram an, trat der Merkel-Gedenk-Union bei, drehte ein hinterhältig-subliminales Video über die Segnungen der kohl’schen geistig-moralischen Wende, das er bei „yodude“ hochlud, nahm einen Beraterposten einer hippen, transatlantischen Panzerdenke an, heiratete unter Hypnose eine transgender AI (#dududu) und starb endlich, durchaus glücklich, während einer Puppenspiel-Aufführung von Gogols „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ mit einem Glas Victory-Gin in der Hand.
Fahl steht die Sonne hinterm Dunst noch unbefleckter Tage.
Fahl auch die Gesichter der Jungen;
alte, knochendürre Männer fluten mit
den Stummelwald. Türmen werden nur Wolken heut sich
und Leiber.
Die Schmalen schultern zwei starre Fäuste,
als Hostie ein Stück Panzerschokolade im Schlund.
Erbrochenes Strafgericht: grinsend, taumelnd, schief –
letzte Orgelmusik
zerfetzenden Fellen.
Alles schwimmt davon;
der Himmel: ein dreckiger, rotbrauner Fluss nun.
Müde und Fohlen ertrinken
begerbt mit Tränen hilfloser Wut und
zittrigen Wehs.
Mne malo nado!
Krajusku chleba
I kaplju moloka.
Da eto nebo,
Da eti oblaka!
Wenig brauch ich!
Ein Ärschlein Brot,
‚N Tröpfchen Milch.
Aber diesen Himmel
Mit diesen Wolken!
Schreiben, den ganzen Tag nur Schreibseln.
Ab(sch!)reiben, ver(sch!)reiben, fort(sch!)reiben;
grammaromatisch devote Silben-Symphen akkumulieren salzigen Interest,
bis allem Gesätzten wohlig-übel wird davon,
die Staben sich zu Büchern scharen.
Oh satte Lyrik!, oh wütende Zeilen!
Ob klebrig-antagonistischer Schmiss oder episch-nüchternes Worttheater:
alles wird gewissenhaft beizeiten gezeugzigt.
Das Wort Knusperhäuschen: ein kratziges Schreibeisen, das knarrende Laute zu leisem Sprachmehl bricht.
Kurzgeschichten am Morgen, Essays zu Mittag, Kolumnen abends,
Nachts dann eine traumhafte Novelle;
et de temps en temps, comme amuse-gueules, des vers sacralisée.
Knorrige, windende Äste;
in Erwartung eines reichen Sommers
recken ihre Knospen
tief hinein in weite Frühlingshimmel
Wenn Abend naht, neigt still
Zephir sein kräuseliges Haupt,
das Licht summt aus;
es bleibt der Duft von jungem Grün
Viele Leute arrangieren sich mit dem Status Quo. Sie sind keine besonders dummen, keine besonders ängstlichen Mitbürger. Nein, ihre Affirmation speist sich aus dem „Never change a running system“-Gefühl.
Wohlgemerkt nicht: „Never change a winning team“.
Denn Gewinner gibt es immer weniger. Aber man möchte noch nicht wirklich etwas riskieren um Veränderung hervorzurufen, geschweige denn für ein diffuses Solidaritätsgefühl solche Einbußen in Kauf nehmen müssen, die über die graduelle Erhitzung des Froschkochtopfes hinaus gehen (denn man hat lange und durchaus traumatisch gelernt, dass die guten Vorsätze im Endeffekt doch von den Falschen ausgenutzt werden und zieht die abverlangten strengen, aber scheinbar überschaubaren Härten der herrschenden Herren vor) .
Dann also doch lieber auch zukünftig das eingespielte Untertanentum zelebrieren, soll heißen: in der prekären Mitte wird weiter nach unten getreten, selbstverständlich nicht persönlich gemeint, nur aus präventivem Sozialneid heraus, man will was besseres bleiben, auch als privilegierter Sklave;
ganz Unten aber – blind aufgrund geschwollener Augen und lahm aufgrund gebrochener Rippen, soviel Pathetik sei mir gegönnt – wird bettelnd am Wegesrand verharrt, von Brücken gesprungen oder über ausgestreckte Kürzungs-Klingen.
Die alten Katalysatoren dieser Mittelschicht jedoch, ob transatlantische Mietschreiber, grenzdebile Sternchensänger oder oligarchietrunkene Politdarsteller, versagen sie vielleicht auf einer entscheidenen, latent unbewußten, weil nicht selbstreferentiellen Ebene?
Der Verfall dieser, wenn schon nicht „heilen“, so doch (noch) sedierenden Umwelt — wird er unübersehbar in den nicht mehr ausblendbaren Widersprüchen des Technologiezeitalters mit seinen unzähligen individualisierbaren Oberflächen und diskursiven Schauplätzen einerseits und der Eindimensionalität der tradierten Konsenssoße andererseits?
War es früher, zumindest im Westen, nicht nötig direkt zu zensieren, so steht auch dort dieses Gespenst wieder vor der Tür und erschreckt, bis zu einem gewissen Grad, auch diejenigen, die selbst noch im permanenten Buckeln und Kriechen „die beste aller Welten“ zu erkennen glauben, „für Deutschland“, selbstvertständlich. Ewiger Wachstumszwang hin oder her.
Erinnern wir uns an den Verlust der Meinungshoheit der herrschenden Klasse im untergehenden Nazireich.
Waren es die Zerstörungen, also die pure Not selbst oder das zusehends dumpfere, hoffnungslosere Klima der Zivilbevölkerung das letztlich die Propaganda vollends untergrub?
Waren es vielleicht die persönlichen Verluste, die immer apathischere Trauer eines Großteils des völkischen Volkes, die eine Atmosphäre schuf, in der letztlich (endlich!!) eine erst stille, dann allegorische, zuweilen humoristische Übereinstimmung zur Häresie zu erblühen vermochte, während die Totalität der Ideologie noch einmal mit aller Raffinesse und Gewalt die letzen Reserven an Gehorsam herauszukitzeln ersuchte?
Und, übertragen in diese, unsere Gegenwart: kann es sein, dass die transatlantische, neoliberale Meinungsbeeinflussung zusehends ebenfalls totalitäre Züge aufweist, in Koordination und Präsenz, in Teilen wie die Staatspropaganda zu Goebbels Zeiten?
Anders: tritt also auch hier eine Ermüdung ein, die im Endeffekt sogar auch die utopische Blindheit (und hier auch: Angst derer, die sich mit dem permanenten Schmerz arrangiert haben, ohne ihn nicht mehr sein wollen, ja können?!) vor einer gerechteren und wahrheitsliebenden Gesellschaft zu kurieren vermag?
Wollen wir es hoffen; die Vorraussetzungen sind – ehrlicherweise – sicher besser als zu Zeiten der Nazis: noch gibt es gewisse Möglichkeiten der Meinungsäußerungen im öffentlichen Raum, obschon der ausschließliche Austausch im privaten Rahmen („stille“ Übereinstimmung) sicherlich auch heutzutage davor schützt auf schwarzen Listen von schwarzen Muttis zu landen (nein, Schwarzgeld gibts dafür leider nicht, auf solchen Listen zu erscheinen, und nein, liebe AntirassistInnen, ich meine keine „People of Colour“-Muttis).
Machen wir uns jedoch nichts vor: selbst wer friedlich demonstrieren geht wird erfasst (Gesichtserkennung), sein Handy dort sowieso; jedes Telefonat jedes noch so harmlosen Bürgers wird verdachtsunabhängig gespeichert und innerhalb gewisser Zeiträume mittels Spracherkennungssoftware in kleinere Textdateien formatiert (wenn nicht von unseren dann von denen von über dem Teich, die es dann unseren zur Verfügung stellen wenn die bei ihren [Dienst]Herren drum betteln).
Und, es ist leider anzunehmen, obleich Dementis naturgemäß erfolgen dürften, an „geheimen“ Orten wird der ganze Wust genau solange gespeichert, wie ein System herrscht, das diese Stasis (Stasi, plural Stasis!!) des postdemokratischen Zeitalters benötigt (selbstverständlich nur zu ihrem Besten, verehrte/r Leser/in).
Wer nicht eines Tages mit einem Chip im Kopf und einer dazugehörigen gedanklichen Fußfessel aufwachen möchte, den bitte ich im Bekanntenkreis zu agitieren: für ein tieferes Erfassen der Prozesse, also eine souveräne, psychologische Mündigkeit als Bürger zu werben.
Denn nicht das Böse ist der größte Feind des Guten, nein es ist die Masse
– derer, die gaffen ohne zu handeln,
– solcher, die vorbeiziehen ohne verstehen zu wollen,
– jener die zuhaus bleiben obschon sie verstehen,
– und vieler die handeln ohne nachzudenken.
1944 ist 70 Jahre her, wird der Frieden nun wieder in Rente geschickt, liegt die Einsicht
schon im Koma – wohnen wir dem Todeskampf der Freiheit bei oder aber ihrer diffizilen Neugeburt?
Warmer Wind, der pfeift;
in allen Nischen: Hauch
von Minze und Jasmin
Auftauchende Salzkrusten;
sanft wiegende Ornamentik
über samtener Zimthaut
freude
in aquarell
wie die sonne schon beizt
leben
gut und schnell
mit jeder wolke sie geizt
malen
doll und nass
meine poren aufgeheizt
es ist kühl
ach lass
ich träumte … ach,
ich träumte. vom christian, dem morgenstern. welch‘ hübscher mann!
ich träumte … ach,
ich träumte. vom theobald, dem tiger. welch‘ schönes tier!
ich träumte … ach,
ich träumte.
und als das licht in streifen kam
war aller traum
war zeit
hippo hippo krates
krater pater & empedokles
dreht sich die sandale?
padres sokra ßokrates
sokra : soko krakra, vindibus per veni
michail gorbatschow verschenkte die sowjetunion
um die welt besser zu machen
george bush nahm das geschenk an
ohne die welt besser zu machen
topp : oppa hoppa thomas hobbes
magnitudo quantitas
quanti quanti magnitudo
magni magni addidas
chanti chanti verbo liudo
verba verba quantitas
quanti quanti verbliudo
magnitudo addidas
addidas nix verbo judo
chanti chanti koka yuko
koka brujo magnitudo
ippon nippon
chantitas, quanti chanti
resto liubo
in flammenden Stunden
reisen geräumig zitternde Baumvölker
Kunden
– Schlange.
was schlagen die
110
Silben in Not?
– Wasserschluchten
ohne Belange.
zügig grüßen die Geruchlosen.
Eingetreten zweimal, aber ausTreten Geht nur für immer Wie regiren Sie das orchiester? x Lauter : ihr Dampfbolzen y Schneller : Säcke & Tüten z Höher, höher
Posthume Antwort: am besten gar nicht – – mini – art 🙂
Der Dresdner Rede von Sybille Lewitscharoff vorzuwerfen, die Menschenwürde zu verletzten, ist ein Hohn, denn gerade um deren Rettung geht es ihr ja.
Liest man die Artikel, die in den letzten Tagen erschienen sind, in einem Zuge, so gewinnt man den Eindruck, die beflissenen Exegeten haben die Rede gar nicht gelesen, sondern schlicht voneinander abgeschrieben. Die in undifferenzierter Weise gegen sie ausgelegten Zitate gleichen sich aufs Haar. Jene Vorwürfe, welche direkt ins Herz des derzeit politisch Korrekten zielen, genügen offenbar, um sich gar nicht erst weiter mit ihren Gedanken auseinander setzen zu müssen, sprich, den gesellschaftlichen Sprengstoff, den sie beinhalten, getrost ignorieren zu dürfen.
Abgesehen von den jeweiligen Inhalten einer Polemik ist es stets ein armseliges Schauspiel, wenn jedermann plötzlich laut und vernehmlich in ein und dasselbe Horn stößt. Leider hat diese niederste Mechanik menschlichen Zusammenlebens derzeit Konjunktur. Erinnert sei in diesem Zusammenhang nur an die mediale Genüsslichkeit, mit der unlängst die öffentliche Schlachtung des wehrlosen Cornelius Gurlitt zelebriert wurde.
Menschenverachtung ist aus dieser Rede wahrlich nicht herauszulesen – im Gegenteil.
Endlich, so mein unmittelbarer Eindruck, jemand, der den Mut hat, in einer gesellschaftlichen Atmosphäre, die sich der bedingungslosen Huldigung technologischen Fortschritts verschrieben hat, an die Unantastbarkeit des Lebens, seinen geheimnisvollen Ursprung und sein geheimnisvolles Dahinscheiden zu erinnern und so einen Horizont wieder aufscheinen zu lassen, vor dessen nuanciertem Hintergrund der Mensch nicht als allmächtiger homo faber, beziehungsweise munteres Multi-Tasking-Männchen vergegenwärtigt wird, sondern in seiner all seiner unvollkommenen, jederzeit anfechtbaren Geschöpflichkeit.
Eigentliches Anliegen der Rede ist es, zu „warnen und zu wehren“ – ganz im Sinne von Rainer Maria Rilkes Gedicht „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“, in dem dieser bereits vor hundert Jahren den Machbarkeitswahn zukünftiger Generationen hellsichtig antizipierte: „Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern./ Die Dinge singen hör ich so gern./ Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm./ Ihr bringt mir alle die Dinge um.“
Eben diese Fähigkeit zur Einfühlung und zum Einhalten jedoch, zum intuitiven Erkennen der natürlichen Grenzen des Denkens und Handelns ist es, die dem heutigen Menschen weitgehend abhanden gekommen ist. Anders kann ich mir nicht erklären, dass die Vorstellung, ein menschliches Wesen mittels einer anonymen Samenspende in den Leib einer Frau hinein operieren zu lassen, nicht auf viel größere innere und äußere Widerstände stößt.
Vollkommen zu Recht erinnert Lewitscharoff in diesem Zusammenhang an die psychische Dimension der Menschwerdung, welche ihre Entwicklung vom Augenblick der Zeugung an gewissermaßen „grundiert“.
Welch ein Ursprung, stimuliert durch das Betrachten eines Pornoheftes in die Welt, beziehungsweise einen Plastikbecher „geworfen“ zu werden! Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie man jemandem, dem es hier nicht graut, erklären kann, weshalb es einem hier grauen sollte.
Im Laufe meines Lebens habe ich zwei Menschen kennen gelernt, die aufwuchsen ohne ihre Wurzeln zu kennen. Diese Unkenntnis war in einem Fall eine fatale, im anderen eine höchst problematische Prägung. Das eine Leben zerstörte sich im permanenten Kampf gegen die Schatten selbst, das andere erhielt sich einzig durch das Talent zur Poesie.
Im Grundgesetz heißt es, die Würde des Menschen sei unantastbar. Doch ist sie es wirklich? Oder befinden wir uns bereits auf der Schwelle zu einem neuen Menschenbild, im Rahmen dessen der Begriff der Würde obsolet geworden ist, da man ihn nicht mehr mit Inhalt zu füllen vermag?
Was wird die Mutter ihrem Kind dereinst sagen, wenn dieses sie nach seiner Herkunft fragen wird? Wie wird es damit leben, wenn es erfährt, dass seine Mutter sich professionell „besamen“ ließ?
Leben soll sein auf Erden. Doch die Natur, die allemal klüger ist als der Mensch, der nur ein Teil von ihr ist, weiß genau, wann Leben schlechterdings nicht sein kann, wann es so schutzlos zur Welt kommt, dass es ohne die moderne Medizintechnik nicht überleben kann.
Ich denke in diesem Zusammenhang an das sechzehnjährige Mädchen, dass eine Freundin als Behindertenlehrerin betreut. Chiara ist ein Fünfmonatskind. Bei ihrer Geburt wog sie 500 Gramm. Ehrgeizige Ärzte setzten alles daran, um diese Handvoll Kind zu „retten“. Und sie hatten Erfolg. So auf jeden Fall würde man es gemeinhin formulieren. Im Alter von einem Jahr musste Chiara das linke Bein abgenommen werden. Laufen hat sie deshalb niemals gelernt. Seit sie denken kann sitzt im Rollstuhl. Ihre Finger und Füße sind verkrüppelt. Das Greifen fällt ihr schwer.
Schreiben kann sie nur unter größten Anstrengungen. Ihr Gesicht ist entstellt, und ihr Geist ein großes schreckliches Durcheinander von Gefühlen, Ängsten und der immer wieder einmal aufblitzenden Einsicht in die vollkommene Aussichtslosigkeit ihrer Lage. Unlängst hat sie sich zum ersten Mal verliebt, wohl wissend, dass sie niemals zurück geliebt werden wird. Der Valentinstag, so meine Freundin, war für sie der schlimmste Tag überhaupt.
Die Rede von Sybille Lewitscharoff will eher Fragen aufwerfen als fertige Antworten liefern, denn Gewissheit kann es auf diesem unsicheren Terrain auf keinen Fall geben.
Was angesichts der Polemik erschreckend deutlich wird, ist, welch unschätzbare Größe hier en passant in die Mülldeponie der Geistesgeschichte entsorgt werden soll: Unser vom abendländischen Denken geprägter Begriff nämlich vom Menschen überhaupt.
Ist der Mensch tatsächlich nichts als Materie, die nach Belieben hergestellt und modifiziert werden kann? Ein, wie die modernen Neurowissenschaften es formulieren, „Behältnis für Informationen“, oder ist er nicht doch jenes faszinierend-unberechenbare Wesen, in dem die wunderbarsten und furchtbarsten Möglichkeiten auf engstem Raume widerspruchsvoll beschlossen liegen?
Die Lebenserfahrung eines erwachsenen Menschen genügt, um sich in dieser Frage entschieden auf die Seite der Ungewissheit zu schlagen. Jeder einzelne Mensch reicht so weit über seine äußere Gestalt hinaus, dass nur ein bereits weit fortgeschrittener gesellschaftlicher Desensibilisierungsprozess die Evidenz zu leugnen vermöchte, dass er weit mehr ist als die Summe seines Handelns.
„Ich bin mir selbst zum Rätsel geworden“. Dieser unglaublich moderne, vor geistig-seelischer Unruhe nachgerade zitternde Satz, steht in Augustinus’ „Bekenntnissen“, die dieser im vierten Jahrhundert nach Christus niederschrieb und damit überhaupt erst die Voraussetzungen für das schuf, was viele Jahrhunderte später zur modernen Bewusstseinsphilosophie gerinnen sollte.
Keine Philosophie und keine Wissenschaft haben es indes je vermocht, abschließende Antworten auf die ewigen Fragen nach Geburt und Tod zu formulieren.
Eingedenk jenes Rätsels, das jedermann für sich selbst ist und, getreu seiner ontologischen Bestimmung bleiben soll, können wir diese nur immer wieder aufs Neue gedanklich umkreisen. Verlieren wir bei diesem unendlichen Annäherungsprozess an das Unfassbare jedoch das Gefühl für das grundsätzliche Abhängigkeitsverhältnis, in dem der Mensch als Geschöpf zur Schöpfung steht, so verlieren wir uns selbst in der Überfülle der Pseudo-Möglichkeiten, die ein auf unendliches Wachstum angelegtes System permanent ersinnt, um seine Protagonisten vom Nachdenken über sich selbst, seinen Ursprung und seine Bestimmung, abzulenken.
Die zahmen Felle schweben –
hyroglyphengleiche Noten auf dem Meeresgrund.
Tausendfach gezählte Muscheln fallen aus den Händen.
Wohlgeborgen, unerreichlich kreißt der düstere Blick der Wolken
auf zerfließend violetten Tulpenknospen.
Gedankenfontäne –
Mondküsse flanieren auf dem Boulevard der Niemandsreisenden.
Das war der einzige Dichter, der von der Halbwelt /angenommen/ und /ins Licht gestellt/ wurde, von jenen, welche doch Verse insgesamt nicht schätzen.
Später machten die Peers ihn zum /Klassiker/ – mit Hochachtung von ihm zu sprechen wurde eine Sache des guten Tons unter den Dieben.
Solche Gedichte wie /Fließ über, Quetsche/, /Wieder wird hier getrunken, gestritten, geweint/ kennt jeder gebildete Halunke. /Brief an die Mutter/ ist sehr bekannt. Die /Persischen Motive/, die Poeme und frühen Verse dagegen kennt so gut wie niemand.
Warlam Schalamow
Komik : sagt man : sei Tragödie plus Zeit
Diese Mädchen mit den blaugeschlagenen Augen
Auf dem Karneval : alles nur Schminke
Sie spielen ihren Missbrauch nach : die Jungs
Gestreift : spielen Sträfling oder Scheich
Träumend : vier Häschen im Schlepptau
Der Boden klebt von Bier & Konfetti : die ersten
Schnapsleichen fallen um : mit ihrem Hauch mir an den Hals
Polizistinnen schieben Wache : Kinderfasching
Für Erwachsene : unterm Eisbärpelz kommt nach Mitternacht
Das Deutschland-den Deutschen-T-Shirt zum Vorschein
<> für Alain Badiou
1
In den Himmeln hinter unseren Blicken
Wohnen die Dinge. Nicht die Dinge
Zwischen unseren Fingern, nicht die
Dinge zwischen unseren Augen –
Die Ideen der Dinge. Welcher Dinge?
Dinge aus Klängen gemacht, Dinge
Die man abtastet mit den Stimm-
Bändern, Dinge die vibrieren. Es
Sammeln sich die Klänge zu
Unfassbarer Ähnlichkeit. Ähnlichkeit?
Die Dinge seien verwandt, sagt man.
Alle Dinge sollen verwandt sein. Und
Doch treten sie auseinander, treten
Sie ein in den Raum vor unseren Augen:
In die Himmel hinter unseren Blicken.
2
Wir verbinden die Dinge mit Fäden
Damit sie sich nicht voneinander
Entfernen. Wir sind verbunden
Mit Fäden, damit wir uns
Nicht voneinander entfernen.
Selbst sind wir Fäden, gewoben
Zwischen die Dinge, damit sie sich
Ihrer Ähnlichkeit gewiss bleiben.
Fäden zwischen den Dingen sind wir
Die Welt einhüllende Gespinste.
Wir wohnen zwischen den Dingen
Die uns umgeben wie wir die Sonne.
Wir wohnen mit den Dingen auf
Einer rotierenden Scheibe, und ihr
Kreisen macht uns der Sonne ähnlich.
3
Das Kreisen in der Brust ist ein
Strudel im Herzen. Die unsichtbare
Bewegung erregt unser Mitgefühl
Mit den unsichtbaren Dingen
Denen wir ähnlich sind. Ähnlich?
Das Ziehen der Wolken am Himmel
Lässt uns zurück in Erwartung der
Bilder, gestochen scharfe Kontur, die
Mit dem Licht verschwindet, so
Wie auch wir verschwinden im Schlaf.
Ähnlich? Im Schlaf werden wir uns
Ähnlich, Elemente eines abstrakten
Ganzen, unterschieden wie die Dinge
Und doch gleich, Dinge neben Dingen
In einem Gespinst unsichtbarer Fäden.
Drei der Teigtaschen in Sahnesauce getränkt finden heute nicht den Weg in meinen Magen, die restlichen jedoch wagen den Sprungseilakt und hüpfen ein Guten Tag dortin zurück, woher sie gekommen sind. Mein Freund ist das Glück per se, strahlt seine ganze Ontologie auf den Mittagstisch. Das Gänseblümchen in der beschichteten Vase liegt wie eine kleine rosarote Sonne zwischen seinen Fingern. Tausendschön, sagte meine Mutter, als ich ihr ein Sträußchen pflückte. Damals zählten meine Geschenke noch etwas. Hier kann ich davon Reden zaubern, und es ist ein Zeichen meiner Deutungslosigkeit, dass ich die Hoffnung nie verlor. Seine Happyness schwebt hinweg, tändelt rasch und unentschlossen wie ein Lichtreflex zwischen der Lebendigkeit der Blume und der hauchdünnen Siliciumplatte, die seine geheimsten Geheimnisse beherbergt: Nerd is the new sexy. Ich bin verwirrt, orientierungslos und habe den Zweck meiner Bestimmung längst verloren. Ein trister Betonklotz vor dem hohen Fenster spricht von diktatorischer Gerechtigkeit. Das Glas Wein hat alle restliche Klarheit im Kopf hinweggespült. Nomaden sind wir, auf eine Spur gesetzt und mit einem Strohband verflochten.
Denken, die Augen springen hinter den Worten her und versuchen ruhig zu werden
Träumen, die Worte haben sich in Stimmen aufgelöst die etwas sagen, was nicht zu verstehen ist
Denken, ob das etwas zu bedeuten hat, ob das Ganze nun in Ruhe oder in Bewegung ist, in welche Richtung die Ruhe noch zu wachsen vermag
ob überhaupt Stimme, kein Traum
Auf dem Land hörst du die Stille : wenn ein Vogel
Schreit : der den Abflug nach Süden verpasst hat
Berlin ist nah : und doch bekämpfst du das Verlassensein
Mit Arbeit : Tierefüttern : Ausmisten : Kochen und Trinken
Das ist das Hobby der Nachbarn : sie hocken unter roten Lampions
Und löten sich die Rübe zu : du könntest Gitarre spielen
Oder Theater : die Kohlhaasbühne steht auf dem Anger
Doch es gibt tausend Gründe : die dagegen sprechen
Es gibt keine Kultur : wo Agrikultur herrscht
Früher war alles anders : früher gab es Feste und Stickereien
Tänze und Musik : da war der Bauer abends Musikant
Nicht nur Produzent : so konventionell
Ich verkläre die Vergangenheit : damit sie dient
Es ist ein erstaunliches Gefühl, meine ich –
aus einer Musikbox, ganz weit zurück, kommt Rock’n’Roll-Musik und lässt mich die lateinische Übersetzung vergessen – –
Zwischen den weißen, frischen, zusammengelegten Bettlaken im Schlafzimmerschrank lag immer eine kleine mattschwarz glänzende Pistole, bequem für eine Handtasche.
Das Lernen macht weiter.
Der Schallplattenspieler, repariert, macht weiter. Auch die Interpretationen machen weiter. Es sind die Bücher.
Als ich in einem gräßlich eingerichteten Apartment in Austin morgens gegen fünf Uhr auf dem vollgepackten Koffer kniete und die Kofferschlösser zuzukriegen versuchte, hörte ich aus dem Radio ein Lied, das mir sofort, nachdem es angefangen hatte, gefiel.
Der Beifall macht weiter, die Wörter machen weiter, die Knöpfe machen weiter, der Stoff macht weiter –
Die teueren Vororte sind durch Stille gesichert.
Utopia ist eine Kiste.
*
Ich hätte gern viele Gedichte so einfach geschrieben wie Songs. Leider kann ich nicht Gitarre spielen, ich kann nur Schreibmaschine schreiben, dazu nur stotternd, mit zwei Fingern. Vielleicht ist mir aber manchmal gelungen, die Gedichte einfach genug zu machen, wie Songs, wie eine Tür aufzumachen, aus der Sprache und den Festlegungen raus.
**
Was für Entzückungen eine Straße entlangzugehen, während die Sonne scheint.
***
Der Raum macht weiter. Ich mache die Augen auf und sehe ein weißes Stück Papier.