Und der Wanderer trat an das Ufer und hob an. Er sprach wie folgt die Sätze, die den Sturz des Drachen besiegelten:
„Gehörnte Ratte, nimmermehr wirst du es zu Etwas bringen. Böses durch-und-durch, nicht an-und-für-sich zwar, denn ein Böses kann nie Grund aus einem Ursprung sein, der gut bezeugt. Frohlocket ihr, die da kommen möget, denn gefallen ist das Ungetüm, dass die Schätze des Himmels, die für die Schwachen bestimmt waren, auf die Erden holte und sie in das Ohr der Reichen flüsterte. Gefallen ist das Tosen, das die Meere erfasste und Berghänge schleifte. Bezwungen ist der Anschein, denn ein jeder wird dich an deiner Übelkeit erkannt haben werden.“ Und er nahm ein Stück Kreide und rahmte das Überbleibsel mit dem Stern der Erlösung, wie ihm der Friedefürst geheißen, obwohl sich nun mancher fragen mag, wie denn das Böse rechtmäßig vom Gefühl der Sorglosigkeit erfasst werden sollte. Nicht zu Recht wird es kommen und schon gar nicht zu Wort. Nein, gebannt haben wird man es. Sichtbar mahnend, denn die Wunde, die es in den Kosmos riss, brennt lichterloh. Wer vermag es sie zu löschen, den finde im Himmel oder auf der Erde? Die Kleinsten, denen durch das Böse das Leiden aufgezwungen, sind es, die die Flammen der Höllenglut zu bewässern trachten. Doch steckt nicht im Versuch die Versuchung der Tatsache zu erliegen, sich auf Zeit zu überfordern? Fürwahr, das Böse mag kein Ende kennen. Geschieden sei es vom Guten, das zu einem Abschluss in der Heiligung kommt. Das Ufer markiert eine Grenze von der einen Welt zur Anderen, wohl wie es mein Bannkreis hier tut. Aber es wäre ein leichtes das Böse in eine andere Zeit oder in einen anderen Raum Jenseits unserer Vorstellungskraft zu versetzen. Und da es sich selbst zur Schau stellt und doch im Verborgenen plant, muss es hier den Moment mit mir ausharren, bis ich es entlasse. Es ist nicht scheu. Es vermeidet den Blick von Angesicht zu Angesicht nicht. Es will nicht anders als gesehen zu werden. Aber es schaut nie von allein auf das Selbst hin; lediglich auf Etwas. Das Verlangen könnte einer seiner Antriebe sein. Im Trachten nach dem Trotz manifestiert es sich womöglich. Doch auch der Trotz ist Scheideweg an der Gemarkung zum Selbstwerden. Es muss doch Flächen geben, die nicht nur das Selbst spiegeln. So vielleicht in der Heiligung, der ich dem Schauen des Anderen ausgesetzt bin, nicht aber seinem Denken, welches ein Böses kundtun würde. Das Heilige an-und-für-sich bildet sich in der Heiligung nicht, denn diese erwirkt wohl einen Zweck. Der Zweck heiligt die Mittel, heißt es aus so mancher Zunge. So strebt denn alles Heilige einem Ziel entgegen? Sind der guten Mächte und Gewalten ein Denken ohne Bewusstsein zugrundeliegend, so handelt es sich, in ihrer Umkehrung der Gestalten, wohl mit den Bösen um ein Bewusstsein ohne Denken? Ohne Sinn und Verstand. Aber zur Bannung dessen betrachten wir die Zwecke und Mittel etwas genauer, um zur reiferen Erkenntnis über das Heilige zu gelangen.
Der Heiligung steht eine Auswahl an Mitteln zu Verfügung, die in ihrer Gesamtheit sie selbst zum Zweck haben. In dieser Umdrehung ergeben sich rein äußerliche Gestalten. Zur inneren Gestalt vorgedrungen, stellt sich das Geheiligte in den Vordergrund. „Hört das traktieren denn nie auf!“, äffte das Ungeheuer im Bannkreis meinen Tonfall nach. „Schweig, du Unkraut. Du bist Abfall.“ „Ein müder Geist lässt sich so leicht reizen“, säuselte es. „Ich bin nicht deinetwegen hier, denn es vermag nur eine unsichtbare Gestalt dich zur Bewegung zu zwingen.“ „Auch hier stößt du wohl an die Grenze des Aushaltbaren. Schöne Reden schwinge auch ich.“ „Wage es nicht.“ „Wer soll schon zusehen; der liebe Gott?“ „Ich ziehe den Kreis nun enger.“ Zwar fauchte das Drachentier im Kreidekäfig laut auf, doch durch ein paar Vorkehrungen war es mir möglich den zweiten Schutzring sauber zu formen. Nun…Es ist wohl im Sinne der inneren Gestalt, von der Heiligung um des Geheiligten wegen abzusehen und sich der Qualität des Heils anzunähern. „Das für dich natürlich bestimmt ist.“ „Vergifte mich nicht.“ Das Heil ist in seiner Bestimmtheit maßgeblich durch den Zweck gesetzt, den es zuvor erzeugt hat. Nicht übersehen werden darf aber das Vermögen es herbeizuführen. „Auch ich kann mir Heil zusprechen.“, zischte das Böse. „Zusprechen lassen.“ Das Heil verlangt das Heilsame. Nicht das Unausweichliche oder Zögernde. Deshalb verlangt es Mittel, die es fassen, um Maß zu halten, damit seine fragile Gestalt nicht ausbricht und in schrankenloser Weise die Scheidung verdirbt, die den Menschen über das Böse erhebt. „Wir sind beide unsereiner schöne Kerkermeister.“ „Ich kann warten…und es vergnügt mich deinen Verfall anzusehen.“
„Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.“,
flüsterte ich. Der Drache lachte nur laut und donnerte gleichauf mit offenem Maul gegen die Wand zwischen uns beiden.
Nur einen Fehltritt entfernt das aufeinandergeschichtete Weiß zu verwischen. „Du willst also alles über die Geheimnisse wissen, die durch dein faules Gebet nicht an die Mauern des Himmels dringen?“ „Ich will nicht wissen. Glauben, gesetzt jemand überzeuge mich davon, dass dem nicht so ist, entspräche meinem Stand besser.“, warf ich ihm entgegen. „Störe ich dich bei deinem Vorhaben. Bin ich nicht leibhaftiger?“ „Erkennst du auch das Antlitz des Menschen an? Oder trieft aus deinen Augen die Galle deines Neides über unsere Vorzüglichkeit? Hat dein Schöpfer dich ohne Gestalt aus dem Himmel geworfen, um unter uns zu wandeln? Wüste bist du, die durch ein dünnes Nadelöhr sickert.“ „Und ihr meint den Rahmen vorzugeben? Höchst zynisch!“, antwortete mir das Ungetüm glucksend. „Deine Zeit ist abgelaufen und du wirst dich verantworten müssen, der du dich in die Kleider der Großmutter wirfst!“ „Was ist mir denn vorzuwerfen, war es doch stets zu deinem Besten? Ohne mich stehst du allein da. Wer soll dir zur Hilfe kommen? Wer dein Leben finanzieren, wenn es nicht bald Öl vom Himmel regnet?“ „Schweig. Du hast keine Macht. Weder über meinen Geist, noch über meinen Körper! Lass deinen Griff von mir. Mit der Kraft der Weisung in meiner Hand bist du fortan gebannt. Nimmermehr wirst du einer wunden Seele Gewalt antun. Nimmermehr wirst du deine Einsamkeit an mir auskosten. Und nie wieder wird sich deine Hand um mein Geschlecht legen. Niemals sollst du wieder mit der Schwere deines Leibes die Luft aus meiner Lunge drücken. Ich bin stark und unabhängig und ich brauche dich nicht. Du brauchst nur dich selbst und die anderen, um dich in die Höhe zu schwingen. Du stehst auf den Trümmern ihrer Existenzen und tanzt auf ihren gebrochenen Körpern. Du suchtest bei ihnen, was du selbst an dir vermisst. Ein Gewissen. Fort mit dir in die Unterwelt, auf dass sie für immer versiegelt werde.“