Monatliche Archive: September 2008

Eugen Onegin: Kapitel zwei, dreißigste Strophe

Von | 29. September 2008

O rus! Horaz O Dorf! Sie liebte wirklich Richardson: Nicht im Ergebnis von Lektüre, Nicht weil sie schließlich Grandison Statt Lovelace huldvoll winken würde; Weil ihre Moskauer Cousine, Die schöne Großfürstin Aline, Ihr oft genug davon erzählt. Sie hatte damals sich erwählt Zum Küssen einen Bräutigam, Den sie nicht liebte; jede Nacht Hat einen andern… Weiterlesen »

Der Mann mit Fellmütze seufzt und lässt sich erschöpft auf die selbstgebaute hölzerne Bank sinken

Von | 29. September 2008

/…/ Tfuh, alle Sinne zerstreut über die dampfende Erde, murmelt das Bächlein ihm seine Amouren zu; er nimmt’s gelassen & freut sich über das klare Plätschern, dieses Geheimnis soll lange so plätschern im Blut! Plätschern durch himmlische Nieren – nun begossen wie der Pudel Europa, den die atlantische Missis an der Leine zum Frühstücksfest führt,… Weiterlesen »

Kleine Geschichte: Christian und Brigitte

Von | 27. September 2008

Am Anfang alles ganz harmlos. Küsse, Worte, Speichelfäden. Allmählich Wolken, schneller & schneller. Der Himmel wird sich bald zuziehen, wie eine Schlinge sich über vielen Köpfen zusammenzieht. Leben, überleben & drunter durchtauchen. Nur keinen Fehler machen – der schlimmste von allen. Ein Gedicht ist was übrig bleibt, wenn alle Messen gesungen, alle Tage gezählt, die… Weiterlesen »

gib mir das. gib mir das

Von | 24. September 2008

gib mir das. gib mir das aus deinem Mund. Worte wie heruntergefallene Brösel Krümel. Samen. deren Herkunft keiner mehr kennt. die ich in meinem Gehör versenke Innerkopfleitung ins Geheim die ich zusammenstecke. kreuze züchte. scharfe Mutationen an denen ich kaue. wiederkäu die ich verdaue. die nachts in schwarzem Tutu über mein Kissen gehn

Balance und Révérence

Von | 22. September 2008

Nicht die Balance verlieren – vor allem das – plié – tendu – relevé – Tanz mit der Zeit – Verbeugung – und immer wieder die Grundposition einnehmen – beiseite mit Spagat und Arabèsque – zu weit der Kopf vom Fuß entfernt – dann lieber rond de jambe par terre – die Beine auf dem… Weiterlesen »

der dichter ist : ein diktator

Von | 21. September 2008

Dichten : dictare +++ der dichter ist : ein diktator +++ er gebietet über seine hand : die sklavin +++ & den stift : seinen kuli +++ dann hörts auf : sklavisch ist er +++ ergeben dem hirn & dem traum : nur von ihnen +++ läßt er sich was diktieren : der dichter

Eugen Onegin: Kapitel eins, erste Strophe

Von | 19. September 2008

Er lebte eilig und fühlte hastig. Fürst Wjasemski „Mein Onkel, als man ihn gesalbt, Rief zu sich seinen einzigen Neffen, Zwang sich zur Achtung seiner selbst Und konnte es nicht besser treffen. Sein Tod gilt andern als gelungen; Aber mein Gott! für diesen Jungen – Welch eine Ödnis, Tag & Nacht Hat er am Sterbebett… Weiterlesen »

Herr Klopsig und Frau Edelsüß (3)

Von | 16. September 2008

Der Großschriftsteller Frau Edelsüß führte wirklich ein abwechslungsreiches Le­ben. Der fehlende Zwang, sich einer Erwerbstätigkeit zu­zu­wen­den, verleitete sie zu einer professionellen Sprung­haf­tigkeit, die in früheren Zeiten Universal­ge­lehrt­heit genannt wurde. Jetzt er­blickte man in einer solchen Vielseitigkeit das si­chere An­zei­chen für Dilletantismus. Frau Edelsüß – sich ihrer vor­nehmen Herkunft bewußt – zeigte sich gegen derartige niedere… Weiterlesen »

Mein Gott, Gottfried…

Von | 15. September 2008

Trage die Reime durch Raum & Zeit, Schütte die Seime aus Vorvergangenheit Nun ruhig ins Wasser, Grashalm blüht, Solange das Verslein im Hirnstamm glüht. Zertreten die Trauben fließend vor Lust – So erzittert die Zeile neu in der Brust, Wo Reime, Seime & Vorvergangenheit Sich neu kombinieren in Raum & Zeit. Die Neuheit, das Neue… Weiterlesen »

Muggel

Von | 12. September 2008

Ach Harry, diese Muggel. Die Menschen ohne magische Begabung. Wie schwer es ist, mit ihnen umzugehn. Sie zu umgehn ist besser. Welcher G – Schlüssel hat mich geritten, in dieses Torhaus zu fahren. Die Hoffnung auf eine gute Narretei ? Der Wunsch nach einem magischen Moment an einem tristen Sonntagnachmittag ? ( Das wärs. Doch… Weiterlesen »

Tussing

Von | 10. September 2008

Sie nörgelt. Den ganzen Tag nörgelt sie. Egal ob es zum Frühstück Brötchen oder Brot gibt, ob der Eierlöffel angelaufen ist, oder das karierte Deckchen die grüne Farbe hat. Noch am Nachmittag nörgelt sie. Wir sind zu siebt. Wir arbeiten dagegen, dafür ist nicht dagegen, wir schaffen es nicht. Am Abend gurken wir in die… Weiterlesen »

Mr. Klopsig und Mrs. Edelsüß, Wonderbra-Teil 31

Von | 5. September 2008

Frau Klöpser beim Einsatz Eigentlich mag ich keine Klopse, Königsberger schon gar nicht. Wenn es zu Hause was mit Kapern gab, stand ich demonstrativ vom Tisch auf, die empfangenen Ohrfeigen konnten mich nicht beeindrucken. Lieber zwei Watschen im Gesicht als eine Kaper mit Klops zwischen den Zähnen und deren Geschmack auf der Zunge.  Was ich… Weiterlesen »

Im Innern gefrorener Schuhe [12]

Von | 4. September 2008

und beim erwachen war er stets vor der lampe und begriff sich als einen offensichtlich vorhandenen selbsterlösenden garten Gennadij Ajgi, Blumen von mir für mich Aber was ist nun ein Vektorraum, was eine Ringstruktur … gibt es Idealteiler? (Februar 1990) Wir zelteten zwei Kilometer oberhalb der Sängerwiese, knapp neben der Burg. Und es war alles… Weiterlesen »

Träumen [11]

Von | 4. September 2008

Nun waren wir also im Wald. Nebenan jenes Zimmer, in welchem du mir dein Leben erzählt hattest, das mich schweigend angeblickt und stumm gefragt hatte, ob … – weiter hinten der Bahnhof, auf welchem wir uns begegnet waren wie zwei Schiffe auf hoher See. Unsere Mütter nun ganz in weiß gehüllt – eine Stille so… Weiterlesen »

* * *

Von | 4. September 2008

Auf einen Berg steigen & in Gedanken hinunterspringen : bis auf den Grund, ins Meer Einen Stein in Bewegung setzen & zusehen, wie er hinunterrollt : in Gedanken weiterrollen, wenn er dann zur Ruhe kommt Irgendwann hinabsteigen & sich gleichzeitig vorstellen, die Augen wären geschlossen : mit offenen Augen nach innen schauen, bis ins poröse… Weiterlesen »

Bei Gudrun war immer alles dunkel

Von | 3. September 2008

Kannst du jetzt erkennen, was das für eine Bude ist? Hohe Decken, große Fenster. Da mussten erstmal die Wände raus, da kannste von der Terassentür bis auf den Hof kucken. Nun gut, der Ausblick auf den Papiercontainer ist nicht schön. Aber da kommt ein Zaun hin. Ob die das gestört hat? Die hatten doch Vorhänge… Weiterlesen »

Versuchsreihe: Herr Klopsig und Frau Edelsüß (83. Folge)

Von | 2. September 2008

Die Insulinspritze Der Vormittag im Braunschweiger Cafe Wagner war immer etwas Besonderes. Herr Klopsig hatte sich auf einem Stuhl niedergelassen, der seinen schwerfälligen Körper nicht zu unterstützen schien. „Hm“, dachte er, „da werde ich mich wohl noch an Frau Edelsüß‘ Oberschenkel festklammern müssen, um ein Umfallen meiner Person zu verhindern.“  Dickliche Wurstfinger krallten sich in… Weiterlesen »

Der Himmel Anfang September

Von | 1. September 2008

Gegenglück auf der Umlaufbahn, Trinker Starren nach oben. Knirschen, Geschiebe. Es quietschen die Achsen des Astrolabs – Kunstblume an vergangene Zukunft: „Ich Ich, der Astronom … “ Hinterm Rücken Gescharre zwischen Möhrchen & Rübchen, Schnabelkehlen rufen den Abend herbei. Was Rhythmus sei? Antireim Im Kurztraumgedächtnis, die Nullen Addieren sich zum Nichts: … , Vorhang.

Die Maschine

Von | 1. September 2008

Als ich die Maschine vollendet hatte, wusste ich nicht mehr, welche Aufgaben sie erledigen konnte. Ich hatte keine Ahnung, wie man sie bediente, verstand nicht, wo und wie man etwas auf-, unter- oder hineinlegen konnte. Ich wäre schon froh gewesen, wenn ich gewusst hätte, was die Maschine verarbeiten konnte. Eigentlich wollte ich eine der in… Weiterlesen »

Steißvogel (2)

Von | 1. September 2008

Gut gekräht – Hähnchen. Und nun ? Herunterkommen zum Hofgetier ? Hier sein. Beim Gras sein. Beim niederen Kraut. Nicht im wirren schwirrenden Flug hirngespinstfeiner Fäden verheddert im Netz im Nu – wie der fette Brummer ( wieso heißt der F l i e g e – und dann noch d i e ? ) –… Weiterlesen »