Global – International – Final 2

Die pietistischen Kreise von den westlichen Zipfeln des Abendlandes, die sich ebenfalls auf die Suche nach der Neuen Welt begeben hatten, haderten mit den imperialen Attitüden sowohl des britischen Empire als auch des spanischen, portugiesischen und französischen Kolonialismus. Die Gründerväter der Vereinigten Staaten schrieben im Grunde eine antiglobalistische oder wenn man so will antiimperialistische Zielsetzung in die amerikanische Verfassung: „God save America“ – ein Wahlspruch, der heute als hegemoniales unipolares Großmachtstreben mißverstanden wird –, behauptete  die Unabhängigkeit, sprich Souveränität gegenüber der Krone, sprich dem Empire. Es galt, der Welt ein Beispiel zu geben, daß die Loslösung vom oligarchischen Allmachtsanspruch möglich ist, nicht indem andere Länder und Kontinente unterjocht werden, sondern um ihnen einen Weg in die Unabhängigkeit zu zeigen. Nur haben die imperialen Kolonisatoren Amerika mit dem Unabhängigkeitstag nicht verlassen. Sie sind nur vorübergehend in den Hintergrund getreten, nicht einmal in den Untergrund – sie haben in akademischen Debatierklubs überlebt, sich organisiert, Unmengen Kapital angehäuft und bilden jene scheinbar unsichtbare Kaste der Mächtigen hinter den Kulissen der politischen Bühne, die als Vertreter des deep state die Strippen ziehen. Spätestens mit dem Atombombenabwurf in Japan sind sie wieder ins Rampenlicht getreten und scheuen sich nicht, ihr Streben nach globaler Alleinherrschaft als Verteidigung von Freiheit und Demokratie zu maskieren. Allein die Tatsachen sprechen eine andere Sprache: Korea- und Vietnamkrieg, die Unterstützung Pinochets, die Kubakrise, das Totrüsten der Sowjetunion, die beiden Golfkriege und schließlich die lancierten Farbrevolutionen im ehemaligen Ostblock, in der Ukraine und in Georgien, der weltweite „Krieg gegen den Terror“, die Einsätze in Afghanistan, Syrien und Libyen, Obamas Drohnenkriege – all dies wurde im Namen der Freiheit initiiert und diente allein dem Zweck, die Abhängigkeit von Amerika herzustellen oder zu festigen. Westeuropa segelte im Windschatten der neoimperialen Ambitionen.  Die europäischen Eliten glaubten, sie könnten Amerika ein Schnippchen schlagen, indem sie sich unter seinen (Raketenabwehr-) Schirm stellen, das eigene Militär abrüsten, im Stillen aber weltweite Geschäfte machen (Stichwort: „Export­welt­meister“, aber das ist passé). Amerika hat sich verkalkuliert. Und mit ihm das westliche Europa. Der Kapitalismus hat mit seinem internationalistisch-globalistischem Optimierungswahn, sprich Profitstreben, die Substanz seiner Produktivkräfte nach Asien, vor allem nach China, ausgelagert und nicht mit der dialektischen Weisheit und zugleich stoischen Konsequenz der Chinesen gerechnet. Die Produktion in der Sonderwirtschaftszone Guangdong war um Größenordnungen billiger als im Mittleren Westen, in Chicago oder im Ruhrgebiet. Die Aussicht, asiatische Wander­arbeiter für die Weltproduktion einzuspannen und unter der roten Fahne des Kommunismus auszubeuten, schien verlockend. Nur ist der Westen seit Deng Xiaoping in eine schleichende, im Ergebnis totale Abhängigkeit von China geraten. Wallmart, VW, Apple, BASF – um nur ein paar Sahnehäubchen zu nennen – erwirtschaften ihre Gewinne nicht mehr in ihren Ländern, sondern in China. Die Exportweltmeister von einst sind in Wirklichkeit Auslagerungsweltmeister, Outsourcinghelden, die im Westen Produktionswüsten und deindustralisierte Landschaften hinterlassen.

Theodor Holz
geb. in Dresden im Herbst 1989, hab die Wendewirren mit der Muttermilch aufgesogen, Pflastersteine wurden aus dem Bahnhofsvorplatz gerissen und flogen knapp an meinem Kinderwagen vorbei, meine Mutter konnte ihren Beruf als Jungpionierleiterin auf dem Albrechtsberg nicht mehr ausüben, sie nahm an einer Umschulung zur Altenpflegerin teil, während ich brav die Kreuzschule besuchte.

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