Die Maschine

Von | 1. September 2008

Als ich die Maschine vollendet hatte, wusste ich nicht mehr, welche Aufgaben sie erledigen konnte. Ich hatte keine Ahnung, wie man sie bediente, verstand nicht, wo und wie man etwas auf-, unter- oder hineinlegen konnte. Ich wäre schon froh gewesen, wenn ich gewusst hätte, was die Maschine verarbeiten konnte.

Eigentlich wollte ich eine der in der Halle stehenden Maschinen verbessern. Irgendwann hatte ich begonnen, mich nicht mehr an die Konstruktionspläne zu halten. Warum, weiß ich nicht, es war wohl keine bewusste Entscheidung. Es hat sich wahrscheinlich in der Arbeit ergeben, dass ich eine Schraube etwas anders setzte als geplant, dann folgte ein anders verdrahteter Kontakt, und so ging es weiter.

Ich habe versucht, die Maschine mit allem zu füttern, was ich in meiner Werkstatt finden konnte, mit Holz, mit Elektronen, selbst mit einigen Informationen. Ich beschädigte lediglich einige Organe der Maschine, ich habe sie ausgewechselt.

Dennoch, eine Maschine ist sie ohne jeden Zweifel. Ich weiß es, ich habe sie gebaut. Sie ist eine vollkommene Maschine, es gibt nichts, was an ihr verbessert werden könnte. Sie arbeitet leise, sie erzeugt weder Staub noch giftige Strahlen. Ich habe einen Summer eingebaut, der bei jedem Fehler schmerzhaft krächzen würde. Bisher blieb die Maschine stumm.

In einer schlaflosen Nacht habe ich es erkannt. Die Maschine gehört zu einer möglichen Zukunft. Dann wird man den Sinn der Maschine verstehen. Es ist möglich, dass die passende Zeit eintritt, weil ich die Maschine gebaut habe. Ich frage mich, wie ich die Maschine bauen konnte, ich, der in einer zu fernen Vergangenheit lebte. Vielleicht, weil die zukünftige Existenz der Maschine die Gegenwart verändert hatte.

Kategorie: Trauersymmetrie

Über Patrick Beck

geb. 1975 in Zwickau, lebt nach Aufenthalten in Leipzig, Speyer und London in Dresden. Erzählungen, Essay und Dramatik u.a. in den Zeitschriften „randlos“, „Der Maulkorb“, „Die Brücke“ und „Ostragehege“ sowie am Staatsschauspiel Dresden. Swantegard (Hörspiel), ERATA 2008.

2 Gedanken zu „Die Maschine

  1. Stanislaw L., Summa T.

    Kann die Maschine sehen oder hören? Oder gar beides? Dann wäre sie ja ein in sich selbst zurückgenommener Film; die Möglichkeiten vor und hinter aller Wirklichkeit … Ist die Maschine allein im Universum, das sie als ihr Schöpfer erschaffen hat? Dann wäre sie ja die Staub, nein, die Form gewordene Raumzeit, die zu Ausdehnung und Dauer zerfallene, ja, zerfallende Ewigkeit; eine Nichtigkeit also … wenn also nicht: wie sieht die MTS dazu aus? Eine Spurenerzeugungsmaschine; die Grammatik will ich sehen; und hören – oder besser, beides! Aber bitte, bitte keine Turing-Automaten, die sind langsamer als ein menschlicher Satz denken kann … cogito ergo sum, ergito cogi rex.

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