Jahrtausendruhe

Im Süden streichelt das Libysche Meer

Den samtenen Sand : wo Schildkröten 

Ihre Eier vergraben : damit die Sonne sie

Ausbrütet : die Menschenkinder tollen 

Umher : im Handstand zappeln ihre Füße

Durch die Luft : hinterm Meeresstrich

Verabschiedet sich das Licht 

Mit einem arabischen Teppich : auf ihm

Kannst du fliegen : es genügt

Die Augen zu schließen : schon landest du

Im Norden : wo das Meer gegen die Felsen

Brandet : die Silhouette eines erloschenen

Vulkans zeichnet seinen Kegel scheinbar

Friedlich auf die sich verdunkelnde 

Himmelsleinwand : was sind schon ein paar 

Jahrtausende Ruhe in der Erdgeschichte

Theodor Holz
geb. in Dresden im Herbst 1989, hab die Wendewirren mit der Muttermilch aufgesogen, Pflastersteine wurden aus dem Bahnhofsvorplatz gerissen und flogen knapp an meinem Kinderwagen vorbei, meine Mutter konnte ihren Beruf als Jungpionierleiterin auf dem Albrechtsberg nicht mehr ausüben, sie nahm an einer Umschulung zur Altenpflegerin teil, während ich brav die Kreuzschule besuchte.

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