Mösengezwitsxcher.

 

 

* Brauchen uns kaum noch aus den Gläsern zu schöpfn, dem auffellln, was uns ums Gewissen schleicht. Dieses leichte Zeitsein. Aus dem Gekränktsein schlüpfen. Auf die Insel des scheugeklappten Verrats. Es war Liebe. Unumstössliches dein Denken. Wie Einfühlen, aus Treiben aus Kopfen aus kaum dem Gedichtverlassen und damit der Welt dennoch Gehorchen aus Leiben wsie Schwitzen gefiederter Lüstling mein Umwuchern.

Einschreiben

…endlich halte ich es in meinen Händen: das güldene Buch der traumaverspielten Inskriptionen Nr.5. Wow! Danke, liebe Plapper-Klapper-Kritzel-Kratzel-Winde-Schling- und Kletter-Pflanzen, grimmsch‘ bezopfte Turmbewohner-Innen -; halbstarke, vollwaise, plastischphantastische Mitwesen und -bewohner –Innen – virtueller Wiesen, Weiden und Welten. Muh!

strick stracks

außer mist und essen und vögeln und farben, gings hier in diesen löchern und huckelpisten doch auch schon mal ums stricken. oder ist mir da eine masche entglitten ? jedenfalls liegt da wieder mal so ein edles garn herum, es schimmert und schimmert, so vor sich hin, man ist bereits bestrickt, doch nackt !! (applaus applaus vom grimmschen märchenhaus.) also konkret, ich sprech es aus : „in der zukunft ist es nicht schöner als zuhaus.“ wer strickt mir einen paletot daraus ?

Ein Blatt, dreilagig

ein schwaches stück für den an konstipation leidenden dukaten-esel

Wenn Hirsch und Kuh sich trennen

und alle Leute rennen

dann schau auf dieses Käseblatt:

wer (diesen) Mist geschrieben (und eingestellt) hat.

setzen!

noch einen drauf im biologischen

(sonntag im park)

was ist hier los ? wo führt das hin ? niemand liebt sein fell mehr so, wie es gewachsen ist. wo ist der bisamratten ruh ? das dünne blond muss rosa strähnchen tragen. das warme erdenbraun, brünett genannt, wird kaltes schwarz. das sanfte grau wird aufgebrannt zu kringelwurz und haubenstiez. ich sehe enten, sehe elstern, die ammer und den wiedehopf.

Hinfort

Ich fühle mich frei. Ein bonbonfarbenes Licht kreuzt meinen Sehnerv. Darüber liegt Dunkel. Gisbert Dunkel. Er ist eine Erfindung, die aus strömendem Licht besteht. Es sengt sich heraus aus der Hirnspirale. Selbst Herr Morgenrock kann es nicht davor retten. Ich drücke seine Klingel. Er ist noch beim Frühstück, Käsebrötchen mit schwarzem Kaffee. Jetzt, da die Sonne warm scheint, der Zugang zum Balkon wieder Lust und nicht Frost. Schauer bereitet. In der Zukunft ist es nicht schöner als zu Haus. Ich kräusele hinein und happs, ist das Käsebrot hinfort.

Achilles Schildkrötenjäger in der Mannigfaltigkeit seiner Speere

i. mem. G. Del.

Das ist also das Leben: eine Halbkugel, die sich in der Zeit zu einem einzigen Punkt zusammenzieht. Eigentlich ist das nur das halbe Leben – die Existenz im eigenen Körper. Aber was außerhalb dessen ist, wird permanent eingemeindet. Mein Licht, deine Liebe. Unser Kosmos, o du wildes Dunkel.

Manchmal träume ich Tangenten. Kaum merklich ihre Berührungen in der Mechanik des ewigen Kreislaufs, nur am Scheitelpunkt wird der seltene Augenblick spürbar. Durch die Luft schwimmende Wesen streifen ihren Schuppenkörper ab auf der Höhe eines adäquat gedachten Gedankens. Das wäre also auch Leben: eine Halbkugel  mit Tangentialebene.

Das Laub wie meine conditio sine qua non.

* Das Laub errötete in deiner grausamen Zärtlichkeit. Darumherum frische Liebes(ge)schwüre. Wie vorher schon aus deinem Strandkorb. Aufeinander zu dein Vermeeren. Und an den Rändern deine fast vereiste Gleichgültigkeit (siehe auch Kap. 44). Ah, mit unseren Egalen kommen wir noch nicht zurecht. Halbes Abgestumpftsein von Geburt an als conditio sine qua non. Komm, fang mich an. Aufgekrampftes Element. Abendlaune dazu. Ohne dein Greifverlangen, weisst dus nicht, geht der Tag nie zu Ende. Aus dem Wasser verschwinden. Aber nicht in die Nacht. Morgens: da kam mir der Gedanke. Noch nie, dass ich verstehn werde. Wenn ich mich deoch früher, viel früher verführt hätte. Und mich nun erst schmecke, wie auf dich zugelebt. Dass du aus der Nachwelt kommst. Dein Geheimnis. So verloren und unversucht. So abgestreift und neu entdeckt. Aus diesem verlassenen Hinterhof. Begriffen hatt ich nie, dass du mich längst ausgemalt hast. Mit deinem langen Umwimpern. Lies mich auf. Aus. Löschen. Wie bedacht du ins Wasser gehst, fast meine Andacht.

en passant schlagen

Es ist an der Zeit, Fräulein Pikante Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Als junges Mädchen war sie charmant. Sie turnte mit den Jungen auf den hölzernen Gerüsten im Sandkasten, spielte als Libero Fußball, erkannte beim Schach die Züge, bei denen sie en passant schlagen konnte. Ja, sie war ein schlaues Mädchen. Ihr erster Freund: ein Draufgänger und Motorraddieb. Sie kurvte auf dem Sozius mit, bis der Tank leer war. Dann ließ der Freund das Motorrad im Graben liegen. Sie mußten 50 Kilometer zurück nach Hause laufen. Das fand sie dann doch blöd und sie streckte den Arm aus. Rasch wurde sie per Anhalter mitgenommen. Sie war ein scharfes Mädchen. Vor allem, wenn man sie im Gegenlicht sah. Der Freund konnte getrost weiterlaufen. Nach Hause würde er ohnehin nicht kommen, vor der Tür wartete die Polizei auf ihn. Das war das Ende. Für Fräulein Pikante: ein neuer Anfang. Der nächste Freund wurde der Vater ihrer Tochter. Er wußte davon nichts. Sie hatten sich platonisch im Schachclub kennengelernt und am frühen Abend ist etwas Tieferes daraus geworden. Als sich Fräulein Pikante an jenem denkwürdigen Tag im April die Gewißheit verschaffte, schwanger zu sein, trennte sie sich. Sie würde es schon allein schaffen. Allein gäbe es auch nur halb so viel Diskussionen, oder gar keine.

graustrich

es schifft vielmals ein, die temperaturen sind im vergleich zu denen der tropischen planeten niedrig. natürlich lebensfreundlich. vor hitze schnaufen ist zum fremden zustand geworden. dennoch gibt es orte, an denen die artenfielfalt mehr beiträge liefert. bunte schleifentapire, goldspitzbarden, rüsselmigranten – all das bekommen wir hier nicht zu sehen. gisbert dunkel: „leider fallen die lebensformen in dieser witterung eher klein und farbneutral aus. ein großteil macht nur monotone geräusche und verhält sich auch so. das bringt der graustrich mit sich.“ der graustrich also. unter zeltplanen streichlen wir die ganzjährig befellten braunbandstrolche. sie fiepen leise und verlangen nach wasser. zum beißen haben sie schon lange keine lust mehr. keine bange, raus aus dem zelt mit ihnen und unter den freien himmel. da können sie sich gründlich abduschen.

recycling, retro und retour

jedenfalls irgendwas mit zurück. alle guten vorsätze taugen nichts. das vertikale streben. das wird nichts mehr. 10 tage abstinenz. ich sitze da wie ein paket. erinnerung mit schleifchen. was war da noch. ist das die nahende demenz. oder einfach nur die schlichte aufforderung, mir die schuhe zu binden. ach und ach. guten tach.

Zum Mund.

    * Der freche Junge aus dem anderen Grün, der Spiegel, der sich so wölbt, schwarz bemalte Haut vom Süsschen, deren herausbrechende Tränen alles abwaschen, aus Wut zögern wir noch, uns in weisse Holzrahmen zu zwängen und vor lauter Selbstwelt aus den Weihwassern der frischen Inseln zu saufn, verschluckn wir uns an Gelächter übers Verzweifeln, wie vor der Zeit, als ich mich ohne deine Nacht durchschlagen musste, als du dein Herz noch nicht vor mir versteckt hast, mit all deinem zarten Fleisch, wie schöhn, wenn du nicht aufwachen willst, uh du bist mir längst auf den Atem geschlagen, schleifst mich ein und spuckst mich aus, ohne Hals, auch wenn du dich schämst vor dir selber: dem Güllegeruch neben deinen Zungen. Du wolltest gestern nach dem Schatten greifn. Nun leg ich mich in deine aufgeniederten Gründe. Mit meinem andern Grün. So wie morgen früh, wenn ich mich wieder in deinen Mund grabe.

Gesicht aus Dreck.

* Dein 3-eck aus kaum zerbröckelndem Abgrund. Dein Vergraben. Dein Vergeben. Dein ständiges Vergeben. Aus lauter kleinen Lügen. Immer grösseren Gerüchen. Niemand sagt es dir. Jeder will sein junges Gesicht aus Dreck behalten. Begehrst du dein weisses Schweigen. Oder dein versteinertes Unterleiben. Kaum erlöst vom Überhaupt. Es fällt dir immer schwerer, dich in Zusammenhänge zu verstricken. Es quillt dich. Verstört dich. Deine Wege sind aus trockenem Regen. Abgemähte Septembersonne. Dann interessieren dich auch deine Finger nicht mehr, die du in andere Gesichter tauchen willst. Schreist in deine Starre. Kornbefreit. Aus dem Dreck hast du dich doch neu erfunden. Aus den zerplatzten Gesängen, die dich über die Lilienzweige hoben. Aufgeritzte Haut. Das Blut fliesst viel zu langsam. Früher schoss es aus dir heraus. Und hast es mit deinem Lachen wieder eingefangen. Verstör dich, meine Liebe, leise an mich heran. 

Abgesplittert.

In der Genüge aufgehoben, indem er nicht mehr dem Atem seiner Worte gehorchte. Aus seiner Schicksalshaft entlassen, verfuhr er mit sich nicht bröckelnd genug, nein, stiess er bloss immerzu auf sich selbst. Der Wald mochte ihn nicht. Zuletzt die abgesplitterte Ecke der Marmorplatte am Grab seiner Mutter. Gewissheit: wie ein Atmen im Zwischenlaub danach. Jedes Knistern ein neues Zweifeln. Seine Lust musste er selbst daraus erfinden. Aber in dem Wort, in dem Moment, in dem du es schreibst, geht, wenn es das Gewöhnliche übersteigt und dich berührt, eine ganz neue Kraft aus: Es überspringt dann eine Welt und du darfst nicht erwarten, dass es zu dir zurückkommt. 

Finsterbergen

Vielleicht hätte ich den Computerkurs damals nicht machen sollen. Vielleicht hätte ich es von Anfang an wie Norbert, der Nichtsnutz aus dem Nachbarhaus, halten sollen, der bis heute nicht einmal einen Anrufbeantworter in seinem Haus duldet. Der meint, dieses technische Zeugs mache uns lebensuntüchtig und wäre im Grunde überflüssig. Schon Lem hätte in den Siebzigern vorausgesehen wie uns Elektronikkonzerne gehirnmäßig weltweit abhängig machen würden. Aber wahre Größe hänge nicht von Elektronik ab, die Ägypter hätten ihre Pyramiden schließlich auch ohne Handy gebaut.
Irgendwie hat er wohl recht, aber seit es das Internet gibt, fühle ich mich auch in Finsterbergen mit der ganzen Welt verbunden, ohne dass ich mich einen Zentimeter bewegen muss. Das hat auch Vorteile. Norbert hat gut reden, er hat seit Jahren schon seine Hübsche und Arbeit als Fremdenführer im Schaubergwerk. Ich aber hänge rund um die Uhr am Netz, egal ob zuhause oder unterwegs. Bevor noch der Morgenkaffee in der Tasse dampft, bin ich schon zweimal bei den Pyramiden und einmal hinterm Mond gewesen und wieder zurück.

Duell

Es muss einfach schneller gehen/ höher/ töter/ röter/ wütericher, Duda!

Ein Gedicht/ ein elendes Lebensrettergedicht im Dschungel dieses lebensbeschwerlichen Tages zu schreiben – zu schreien – meinetwegen daherzustammeln – zu rotzen – zu wassern – zu klammern – und los!

Schieß doch, Duda! Schieß doch Dein Wortschwadron ab gegen mich! Kein einziges Gedichtes darin/ nichts Leichtes, nichts Lichtes!

Das kriegst Du zurück, Du Wichter, dumm und wumm/ Schneller, schneller muss das gehen/ hör mir zu! Endlich einmal rein in Dein Ohr/ mein Wurm, mein Wissen, meine Weisheit//

Dich und mich nehm’ ich mit/ in den Gedichteschießwald

Mittwoch im Café

durch wirres Gezweig ein Leben// unbedingt vermeiden: Worte mit zappelnden Fingern// will nicht sagen morsch/ bei dem Versuch, das Dickicht zu durchdringen/ zu ordnen/ hautgeschunden, ich/ weh, weh/ durchsichtig die Kuppelwunden// dort oben zeigte sich Licht über dem Dicht-Gezweig// Blitzkrieg/ ein Resonanzgewitter// Eulenaugen/ kuller, kuller/ warum das bollert durch diesen irren Raum// bei dem Gequatsche kann sich niemand konzentrieren/ beim besten Willen nicht/ es ist unmöglich// bleib, wo Du bist/ im Dick-Dickicht/ in der Mittwoche/ da //

Fräulein Pikante

Fräulein Pikante hatte einen ehrgeizigen Plan: Sie wollte mit Hilfe der „Neos Demokratos“ die Macht erobern. Nicht die Macht im Lande, das kam vielleicht später. Erst einmal ging es um die Macht an der Schule, die Macht über das Kollegium und den Lehrplan. Wie passend, daß die Aufsichtsbehörde die Schule damit erschreckte, aus der Weltstadt Petit Paris, seit Jahrhunderten bekannt für seinen Handel und Trödel, aufs Land zu verschicken, in die Provinz, in ein entlegenes Kuhdorf. Der alte Directeur, der dem Weiß seiner Haare nach kurz vor der Pensionierung stand (der Eindruck täuschte, er hatte noch etliche Jahre bis dahin abzuleisten, der Dienst färbte ihm die Haare weiß) hatte die Kollegen treubrav von den Sandkastenspielen der Behörde unterrichtet und dabei nicht seine Ohnmacht der Obrigkeit gegenüber verschwiegen. Die Ehrlichkeit sollte ihm zum Verhängnis werden.

Fräulein Pikante gründete die Partei „Neos Demokratos“, die in Wirklichkeit keine Partei war, sondern ein loser Wählerverein für die kommende Schulwahl, auf der das Directeurspöstchen neu bestimmt wurde. „Neos Demokratos“ bediente sich der üblichen Mittel, die dazu dienen, die Mehrheit zu ergattern, und sich der rechtlichen Prüfung entziehen: Absprachen am Telefon, Gespräche in Cafés und vor allem üble Nachrede über nichtanwesende Kollegen in der Mensa. Das Ergebnis war eine veritable Spaltung des Kollegiums. Die neue „Hausmacht“ reichte Fräulein Pikante, um die Wahl zu gewinnen – 6 zu 4, eine Stimme Mehrheit. Nach der Wahl begann die Qual, denn nun galt: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Kampfspruch der Haudegen, die von „Demokratie“ schwätzen und „ich“ meinen – natürlich im Namen aller.

Wer behauptet, er wolle niemanden ausschließen, hat mit Sicherheit die ersten Leichen im Keller gebunkert. So funktionierte es in der deutschen „demokratischen“ Republik und in der „demokratischen“ Republik Kongo: Beschwörung der „Demokratie“, um die Willkür zu bemänteln, „Demokratie“ als die Verschleierung der Tatsache, daß die Mehrheit von der Mitbestimmung ausgeschlossen wird, indem man ihr den Glauben schenkt, sie könne mitbestimmen. Der Diktatur der Rassen hatte die Demokratie als Steigbügelhalter gedient, die Diktatur der Klassen hielt sich für die Vollendung der Demokratie. Doch das war alles Geschichte. Hieß es nicht, wir hätten damals im 20. Jahrhundert zwei Diktaturen zu erleiden gehabt. Die Demokratie, die wir jetzt hatten, war eine Diktatur der Massen. Des Massengeschmacks. Es regierte der Durchschnitt, das Verkäufliche, Absetzbare. Fräulein Pikante versprach schon etwas Neues: Nach den Rassen, Klassen und Massen verkündete sie die Diktatur der Blassen. Mit Schönreden würde sie Wunder bewirken.

Auf dieser Klaviatur vermochte Fräulein Pikante vorzüglich zu spielen. Übrigens war sie kein Fräulein mehr, sie hatte bereits eine halbwüchsige Tochter, besaß dazu aber keinen Mann, was bei der Fräuleinhaftigkeit ihres Gebarens niemanden wunderte, aber niemanden abhielt, sie zur Provinzfürstin zu küren, die der Verlegung der Schule in die Provinz Einhalt gebieten sollte. Für diese Unternehmung spannte sie die gleichen „demokratischen“ Kräfte ein wie einst für ihren (knappen) Wahlsieg. In der Mensa und im Café redete sie so übel sie konnte von der Ministerialdirigentin, die der Aufsichtsbehörde vorstand. Im Gespräch mit ihr aber verteilte sie Honig, benutzte alle psychologischen Tricks, zu täuschen und sich einzuschmeicheln, die ihr zu Gebote standen. Und tatsächlich fand sie rasch heraus, daß es gar keine ernstgemeinten Verlegungspläne gab, die die Schule aus Petit Paris in die Provinz befördern sollten. Es gab nur Überlegungen, Erwägungen und die allgemeinen Sparzwänge – das war aber noch lange kein Handlungsplan. Das Beste sei es, nichts zu tun, sagte Frl. Pikante im kleinen Kreis. Vor versammelter großer Runde blies sie lautstark ins Horn, man müsse sich wehren, protestieren und die eigenen Fähigkeiten preisen. Hochglanzprospekte wurden gedruckt, Verbündete in der Kommune rekrutiert, die Schüler wurden für eventuelle Demos in Stellung gebracht – die „Neos Demokratos“ entfaltete Schlagkraft.

fragment eines gedichts für oderausflügler

ruderboote massieren den fluß.

biber basteln assemblagen aus sperrholz.

angler üben das lippenpiercing für fische:

sie stehen da und warten auf

die letzte ziehung

doch zur zeit sieht man nur die

schnippischen ärsche der bärsche,

die hier & da mit kleinen lobs

das wasser verwirbeln.

[…]

geben ( zu-, an-, ab-, auf-, er-, be-, ver-, bei-, mit-, durch-, )

es ist ein wenig ermüdend, dieses cowboyhafte stöckelnde orpheische denken mit pfiffigen einschlägen und schamlosen ausfellen. liebe dünnhäuter und liebe dickbrettbohrer, eine kleine sommerpause, gut genutzt, ist eine geschenk. ja eine gabe.

dem auffellln.

 

 

* Brauchen uns kaum noch aus den Gläsern zu schöpfn, dem auffellln, was uns ums Gewissen schleicht. Dieses leichte Zeitsein. Aus dem Gekränktsein schlüpfen. Auf die Insel des scheugeklappten Verrats. Es war Liebe. Unumstössliches dein Denken. Wie Einfühlen, aus Treiben aus Kopfen aus kaum dem Gedichtverlassen und damit der Welt dennoch Gehorchen aus Leiben wsie Schwitzen gefiederter Lüstling mein Umwuchern.

schamlos

das klappt nicht immer so – mit dumm und länger leben. dumm – ist einfach ein gegebner baustein im system. ganz ohne schuld. nur die mit dem groben raster, die mit dem großmaschigen sieb, die mit der schwarte, die dicht behaarten mit dem undurchdringlichen vlies, die leben länger. egal wie hell die birne leuchtet oder nicht.
die pfiffigen versuchen es mit brennessel. oder mit birke. das stärkt den haarwuchs. und linde beruhigt. lass uns linden plündern. das tut gut. manche riechen wie honig, satt und reif. andere wie blumen, mehr so jung und grün. jedenfalls liegt da viel trost in der luft. man muss nur schamlos die nase benutzen.

Denken an Orpheus

„Wie kultiviere ich die Freiheit bei dem Zwange?“

„Über die Erkenntnis der Illusion, Urheber der eigenen Handlungen zu sein.“

„Aber inwiefern denn Erkenntnis?“

„Stell dir vor, an deiner Schläfe sei eine Mücke. Kannst du das Jucken spüren?“

„Noch nicht: sie sticht gerade. Da ist nur die Erwartung.“

„Ich wünsche ihr, sie möge sich im Verrinnen der nächsten Minute wieder in die Luft erhoben haben zum Tanz.“

dein stöckeln.

*  Aus deinen Berührungen wollte der Tag gekrochen sein. Noch nie ein Aufbäumen. Ein Gelingen bis tief ins Zerschnittene, Übergangne, Entstirnte. Dein Stöckeln wie an anderen Abgründen. Nun gehen wir nicht mehr ans Ufern. Verlang dich aufs Geheime zu. Schnauf mich aus und finde den Atem weit hinter der Stirn. Du sollst breitbeinig verrecken. Selbst der Abend, so verlassen, schluckt dich nicht mehr. So rot, so zart, ganz von sabberndem Sonnenmund gesogen. Geleckt. Gelangweilt. Danach dieses viel zu grandiose Grün das aus seinem Schädel kroch. Ihm wurde dabei kalt.

mistkäfer, flieg

„und die käfer, kritze-kratze, kommen schnell aus der matratze“

ein kinderlied für xx oder xy

dick und schwarz surrt er. brummelt noch herum. offenbar eingemottelt. ihm steht der sinn nicht nach fliegen. die alte kleist, die da mist einstellt. stellt den mist gegen die windrichtung, ein kleistscher fladen mist, eine lehmwand. erfinde ein kinderlied, brummelt er, kraftlos und wenig siegessicher, vom boden herauf. auf welcher erde man da liegt, gleich wie. ist sie doch ähnlich braun, brünett, ocker oder tonfarben. ich stupse den mistkäfer mit dem strohhalm an, das ist die taktik, mutmachmethode. ich bin so wenig von gutem rat bepflastert wie mein balkon mit chrysanthemen im sommer. ziehe mich ein und zusammen wie der da. rolle mich wieder aus. vor einigen minuten wurde meine haut vom rüssel einer libelle besucht. heute nacht wird sie an waden und armen gepiekt. ringelmücke heißt das ungetüm. der mistkäfer sucht den weg nach draußen. auf den mit kothäufchen bespickten hof. ein kleinsäuger ist dort in seinem revier. dass mistkäfer, glaube ich, nur schwerfällig fliegen können, bohrt sich fest. ich dehne meine haut über den bettrand. schwarzer samt hängt vor dem fenster. samtig sind auch die mistkäferbeine, glatt und glänzend sein rücken. meine körperoberfläche hält hochzeit mit den bläulichen libellenflügeln, dem stabförmigen hinterleib. maikäfer flogen 1990 in marburg, einer hieß willi, der andere frieda. kritze-kratze. dies kinderlied ist der mittlere teil eines herausgerissenen insektenbeines.

xxx

Denn irgendwann, inmitten eines Gesprächs vielleicht, weisst du es nicht mehr, oder in einem glücklichen Zustand, ging dir auf, dass du die immer gleichen Wörter und Vermeintlichkeiten als doppelte Halbwahrheit von dir gegeben hast, und das schon seit geraumer Zeit, ob du des nächtens nicht mehr alleingelassen werden oder die Stadt mit ihren Lichtern überfluten wolltest. Dein fluchender Speichel. Nur, warum zerfetzte dich dein Nervenrhythmus nicht mehr so wie früher? Als du glaubtest, dass der Mond dir immer noch ein Auge zugezwinkert hat. Als du also noch versuchtest, auf einem wehenden Flügel zu überwintern und heruntergerutschte Prosa schriebst. 

das süße kleid leben

das süße kleid leben

klebt mit bitterkeit an denen,

die das süße lied des lebens singen

ich mäandere durch täler, wälder und welten

mein blick ein astronomisches gerät,

irre und schwirre ich durch die zeit, die leben heißt

wortschwärme verdichten und verdunkeln den moment

die tiefe ruft

Günstige Bedingungen

Es scheint, als sei es der Natur wesensimmanent – das Warten auf günstige Bedingungen. Wobei natürlich(!) der Begriff des Natürlichen an und für sich hinterfragungsbedürftig ist. Wenn wir das Natürliche etwas trivial mit dem Biologischen gleichsetzen, so finden wir überall im Kosmos den Zustand des Vorläufigen. Und Orte, an denen das Vorläufige bereits in den Zustand des Tatsächlichen übergegangen ist. Eine Kaffee-Freundin berichtet von der Palme im Wohnzimmer, deren Wachstum durch das schwülwarme Wetter offenbar kräftig angeregt wurde. Neuerdings hat die Palme die Gewohnheit angenommen, im Übermaß Blätter zu entrollen, ein Programm, das unter hoher Luftfeuchtigkeit und dunstigem Himmel zu einem temporär raschen Ablauf animiert wird. Der Freundin scheint dieses üppige Wachstum allmählich unheimlich zu werden. Recht hat sie. Auch Thomas Mann schreibt im Zauberberg von einem Bazillus, der sich ausbreitet, sofern ihm ein Körper günstige Bedingungen bietet. Und kein Emporkömmling des Organischen strebt per se danach, die einmal gefundene Komfortzone wieder zu verlassen. Der Grundsatz von der Trägheit aller Materie hat nicht nur im Physikalischen, sondern auch im Biologischen seine Gültigkeit. Aber was, wenn die Pflanze sich durch die Wand bohrt? Hier droht sich das Natürliche ins Unheimliche zu steigern – eine tektonische Verschiebung. Alles ins Übermaß gesteigerte, so die Freundin, gehöre in den Bereich des Unheimlichen. Während sie das sagt, schaue ich ab und zu aus dem Fenster. Der schwefelgelbe Himmel heute abend weicht von der auf diesem Planeten üblichen Himmelsfärbung ab –  zumindest von der mitteleuropäischen. Ich weiß meine Komfortzone zu schätzen. Durch den Anblick der gelben Himmelsfarbe erfährt die Verbindung von Exotismus und Ästhetizismus in meinem Gehirn wenigstens eine auffrischende Anregung. Auch das Alien hat lange in seinem Kokon warten müssen, bis die Bedingungen günstig wurden. Wenn mancher meint, dass Benutzung die Qualität erhöht, so ist möglicherweise auch die Zähigkeit des Wartenkönnens ein Zeichen von Lebenstüchtigkeit. Hoffen wir, dass die Umgebung, in die es sich eingenistet hat, auch die passende Komfortzone ist – wohltemperiert und etwas dunstig.

Sommerfest, früher

Ach Kind, wat ham wia früha imma jefeiert! , sagt Omma: Die Buttakrem Tage vorher jeschlagen, Fenster jeputzt, Lockenwickler in die Haare, Röcke jekürzt. Und jewartet aufm Liebsten! Und wenn der nich kam, der Liebste, dann war dat Jeplärre groß. Aba Mutta sachte: „Wer nich zur Sonnenwend kommt, der iset nich wert, meine Tochter zu kriechen! Andre Mütta ham auch schöne Söhne!“ Recht hattse. Wat warn die schön! Bin imma janz uschich jewesen, früha. Hab ja viel Milch jetrunken. Dat macht den Busen größa. Wenn ick mia dat so bei dia ankiecke… Mein Jott, iß doch nich imma so viel Pudding, Kind, ’s ist langsam jut da vorne!

 Ach Omma, das ist deine Französisch Creme, die schmeckt doch so gut!

Aus der Rubrik: Was immer schon mal gesagt werden musste

1. Geh mir vom Sack

Freitag morgen in der Bäckerei. Kurz nach sieben steht einem der Sinn nach Kaffee. Mit Zucker. Mehr nicht. Ein Brot vielleicht? Nein. Danke. Das ist aber ganz frisch. Und gesund. Wir nennen es die Eiweißspritze. Nein danke, die hatte ich gestern abend. Verständnisloses Lächeln. Sie ist drall, straff und gut gebräunt. Ja dann vielleicht was Süßes? Nein. Nur Kaffee. Mit Zucker. Mehr nicht. Die Dralle schaut enttäuscht: Das müssen Sie schon selbst erledigen. Spender stehen dort. Während ich das Kleingeld abzählte, sinnierte ich über den Zusammenhang von Eiweißspritze und Spender. In einer Bäckerei. Das Geld klimperte auf dem Teller. Herzlichen Dank und einen schönen Tag noch für Sie. Die Dralle schaut mich bei ihren Worten schon nicht mehr an. Und was darf ich Ihnen Gutes tun? Ich nehme Platz auf dem Barhocker rechts von der Theke und beobachtete einen Kaffee lang das Schauspiel. Ich vermute, das „Sinnentleerte Freundlickeitsfloskeln“ zum Curriculum von Bäckereifachangestellten gehören. Es ist unerträglich. Ich verlasse die Bäckerei. Auf dem Weg zur Arbeit grüßt der Nachbarsjunge überschwenglich.