Finsterbergen

Von | 13. Juli 2012

Vielleicht hätte ich den Computerkurs damals nicht machen sollen. Vielleicht hätte ich es von Anfang an wie Norbert, der Nichtsnutz aus dem Nachbarhaus, halten sollen, der bis heute nicht einmal einen Anrufbeantworter in seinem Haus duldet. Der meint, dieses technische Zeugs mache uns lebensuntüchtig und wäre im Grunde überflüssig. Schon Lem hätte in den Siebzigern vorausgesehen wie uns Elektronikkonzerne gehirnmäßig weltweit abhängig machen würden. Aber wahre Größe hänge nicht von Elektronik ab, die Ägypter hätten ihre Pyramiden schließlich auch ohne Handy gebaut.
Irgendwie hat er wohl recht, aber seit es das Internet gibt, fühle ich mich auch in Finsterbergen mit der ganzen Welt verbunden, ohne dass ich mich einen Zentimeter bewegen muss. Das hat auch Vorteile. Norbert hat gut reden, er hat seit Jahren schon seine Hübsche und Arbeit als Fremdenführer im Schaubergwerk. Ich aber hänge rund um die Uhr am Netz, egal ob zuhause oder unterwegs. Bevor noch der Morgenkaffee in der Tasse dampft, bin ich schon zweimal bei den Pyramiden und einmal hinterm Mond gewesen und wieder zurück.

Kategorie: Trauersymmetrie

Über eisenhans

Martin Jankowski: geb. 1965 in Greifswald, lebt in Berlin. Songs, Gedichte, Essays, Erzählungen, Roman. Zuletzt göttliches vergnügen auf erden und kosmonautenwalzer (Lyrik, beide aphaia Verlag 2014).

2 Gedanken zu „Finsterbergen

  1. Gesche Blume

    ergänze: richtig! es gibt sowohl finsterwalde als auch finsterbergen! einleuchtend – denn schließlich sind wir hier in dunkeldeutschland…

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