Herren mit Niveau

„Sie sind nicht berechenbar, aber immer noch viel zu gut, um gekündigt zu werden. Das wissen Sie, und deshalb starten Sie von vorn und erwarten Sie das nächste freundliche Angebot.“

Eine rhythmisch behaarte Männerhand legte drei Münzen auf das Tablett und jemand ihr gegenüber am Tisch verneigte sich altmodisch. Im Funkeln der Lüster fühlte sie sich genarrt. So ein Taschentrickspieler. Dicke Brillengläser und schwarzer Rollkragenpullover und so ein musternder, versierter Blick. Ein Alter mit einem jungen Gesicht, gegenüber ein Blonder, die beiden sahen aus wie die Schachbrettkekse, die man zur Adventszeit überall kaufen konnte. Herren beim Abendessen, sicher eine Homoannonce, dachte sie bissig. Herren mit Niveau.

crysantheme
Vyvyan. Der Name allein war schon eine Pose, ein Kostüm. Ich dachte an die Dandys des 19. Jahrhunderts, jene Männer, die sich nicht kleideten, sondern inszenierten. Baudelaire hatte sie als Priester der Schönheit beschrieben, Wilde als Märtyrer der Eleganz. Und während Eduard sprach, sah ich in Vyvyan genau dieses Erbe.

Ein Kommentar

  1. „Sie hatten die ganze Zeit schweigend zugehört. Nun sah er die Bewegung. In ihren Gesichtern: oje, seine Verdauung gemahnte ihn an Gestern. – Sie sind viel zu gut für diese Welt.“

    Nachdem Arthur ihnen die Texte vorgelesen hatte, zog er sich zurück und schrieb ein Gedicht über sie. Irgend sowas mit Barmherzigkeit und Schwestern…

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