Samt und Cotton

Sie haben sich den Schal heruntergerissen, dann geraucht. Aber weshalb die Grauen? Wissen Sie denn nicht, dass die voller Teer sind? Gerade die Grauen, und Sie, Sie mit ihren gezierten Worten über gesunde Ernährung und rauchfreie Zonen, greifen zu diesem Ascheton. Die Braunen sind aber noch schwerer und voller Stickoxyde. Da mögen Sie Recht haben. Das sind eben die Braunen. Bei Braun, da denke ich an Kaffee, Kakao, Einspänner, braune Stutzer und braune Schäker, auf jeden Fall: an Zügelloses. Aber die Grauen.

Alles gritzegrau im Leben, meinen Sie wohl, warum sollte es im Rauchen anders sein? Und nun schlucken Sie schön einen Löffel braunen, cremigen Hustensaft. Den mit dem Opium. Der macht Sie entspannt. Entspannt sind Sie? Wie Sie so daliegen, glaube ich Ihnen das fast. Heißt Ihre Zigarette etwa nach der Freundin, die Ihnen den Mantel, den Sie da tragen und der Sie nicht wärmt – den Schal haben Sie sich heruntergerissen. Und Sie ziehen sich Sachen an, in Samt und Cotton, Stiefel, die Ihnen nicht gehören, nur um ein anderes Lebensgefühl zu kosten? Geben Sie mir Ihre Hand, Madame. Immer das Rauchen. Ich rate Ihnen zu den Zigaretten, die Ihre Freundin raucht, die Freundin, in deren Mantel Sie sich räkeln, die Ihnen die Sachen geliehen hat, die Sie da anhaben. Sie raucht Chateau. Die mit dem Himmelsschlösschen. Mit denen sie Figürlein pusten kann. Die Blauen. Chateau raucht man gern mal gegen zwei Uhr nachts, die sind so leicht, dass Ihre Lunge aufatmet.

crysantheme
Vyvyan. Der Name allein war schon eine Pose, ein Kostüm. Ich dachte an die Dandys des 19. Jahrhunderts, jene Männer, die sich nicht kleideten, sondern inszenierten. Baudelaire hatte sie als Priester der Schönheit beschrieben, Wilde als Märtyrer der Eleganz. Und während Eduard sprach, sah ich in Vyvyan genau dieses Erbe.

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