Dreh dich doch noch einmal um. Zeig es mal her, dein Gesicht. Ich kann dich doch gar nicht sehen. Was für ein plüschiger Lampenschirm. Fransen unten dran, geschwungen der untere Rand. Was für ein Stoff ist das. Gibt die Lampe Licht ab? Es scheint so. Immerhin ist dein Gesicht voller Kontraste. Dein Haar ganz glatt von Brillantine. Irgend so etwas Glättendes ist es jedenfalls. Fest wie eine Paste. Mensch, hast du unförmige Waden. Die passen nicht zu deinem zarten Gesicht. Deine spitze Nase. Warst du in der Sonne? Hast du dich an einen Palmenstrand gelegt? Oder warst du nur im Sonnenstudio. Nirgends, wirst du sagen. Meine Haut ist so. Nichts ist da gefärbt oder angebrannt. Ich bin von Natur aus. So. Was hast du dir da umgehängt? Soll das ein Tischtuch sein? Bist du ein gedeckter Tisch?
… Sie teilen mehr, als man auf den ersten Blick denkt:
Öffentliche Moral vs. privates Begehren:
Oscar Wilde im viktorianischen England, Jens Spahn in der christlich-konservativen Union—beide stehen (oder standen) mitten in einem Milieu, das offiziell sehr streng mit Sexualität und „Familienwerten“ umgeht, während ihr eigenes Leben diese Normen sichtbar irritiert.
Schwuler Mann im konservativen Umfeld:
Beide sind offen homosexuell und zugleich Teil eines Systems, das Homosexualität lange stigmatisiert hat. Wilde wurde dafür zerstört, Spahn wird dafür politisch verhandelt.
Stilbewusstsein:
Wilde als Dandy, Spahn als sehr bewusst auftretender Polit-Profi—beide wissen, wie man sich inszeniert, wenn auch mit sehr unterschiedlicher Eleganz.
Skandal als Biografie-Motor:
Wilde: Prozess, Gefängnis, „De Profundis“.
Spahn: Maskenaffären, Villa, Leihmutterschaft.
In beiden Fällen wird das Leben durch moralische Debatten und öffentliche Empörung erzählt.
Wenn man böse sein will:
Wilde schrieb über Heuchelei, Spahn lebt in einer Partei, die sie politisch verwaltet.