Motten

Ich wählte meine Kleider diesmal noch sorgfältiger aus. Als ich den
Kleiderschrank öffnete, fiel mir der Wintermantel entgegen. Er war
voller Löcher, eine frisch geschlüpfte Motte kroch aus dem Pelzkra-
gen. Angeekelt ließ ich den Mantel auf das Parkett fallen. Ich schob
die übrigen Kleider auf der Stange auseinander, die verschiedenarti-
gen Empfindungen an den Fingern und die Farben narkotisierten
mich. Ich lief zum Fenster, öffnete einen Flügel. Wärme kam mei-
ner Hand entgegen und versprach eine laue Nacht.

Dieser Beitrag wurde von crysantheme am 14. Dezember 2017 um 14:03 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

2 Kommentare »

  1. Motten hatten wir hier schon einmal. Die fliegen, wie hier gelernt haben, zum Mond. Gestern leuchtete übrigens die ganze Nacht der Mond silberhell zu meinem Dachfenster herein. Bis ich bemerkte, dass sich der Mondlichtschatten meiner Orchidee gar nicht bewegte. Das hat eine Weile gedauert, bis ich das begriffen hatte. Die Arbeiter hatten nebenan in der Grube einen Kran errichtet. Oben am Ausleger ist ein viereckiger Mond angeschraubt. “Steinerle Bau” steht da drauf. Die ganze Nacht. Da fliegen die Motten jetzt hin.

    Comment by Eleadora Stein — 16. Dezember 2017 @ 19:15

  2. Gestern, der Engel im Weihnachtstheaterstück, die hatte nur noch einen Flügel. Sie hat sich ganz schön die Treppe hochgequält. Im Palais von Augustus.

    Comment by da fehlte der zweite Flügel — 16. Dezember 2017 @ 19:25

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