Alltag, 2

Vyvyan stach ein Stück vom Lachs ab. Das Fleisch gab nach, rosig, fast widerstandslos. Er führte die Gabel zum Mund, kaute, ließ sich Zeit.
Eduard legte ihm die Hand auf den Unterarm.

»Nun, Viv?« fragte er. »Wie ist er?«

Vyvyan schluckte. Ein kurzes Zögern. Dann ein Lächeln.
»Nun ja«, sagte er, »Er gibt sich Mühe.«

crysantheme
Vyvyan. Der Name allein war schon eine Pose, ein Kostüm. Ich dachte an die Dandys des 19. Jahrhunderts, jene Männer, die sich nicht kleideten, sondern inszenierten. Baudelaire hatte sie als Priester der Schönheit beschrieben, Wilde als Märtyrer der Eleganz. Und während Eduard sprach, sah ich in Vyvyan genau dieses Erbe.

3 Kommentare

    1. Ich habe lange nichts von dir gehört, Christiane. Schön, dass Du hier bist. Schreib mir mal wieder. Es küsst dich hart,
      die Crysantheme. (evtl. Kuss des Todes, denn wir wissen ja: Crysanthemen sind Totenblumen … nur meine Haut, wird jeden Tag jünger….)

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