Ich ärgere mich, weil ich ihn trotzdem sehe

Von | 19. Mai 2020

Die hohen, englischen Fenster des Wohnraumes gingen auf ein verwildertes Grundstück hinaus, neben einem Schuppen lagerte Schrott, der aber von hier aus nicht zu sehen war.

Kategorie: Rezensionen

Über crysantheme

Wer eine Crysantheme verblühen lässt oder ihr den Kopf vor ihrer Zeit abschneidet, der erntet zur Strafe nur noch grünes Friedhofskraut. Gesche Blume: geb. 1967 in Wolfenbüttel, Studium der englischen und deutschen Literatur in Hannover, Marburg und London, Promotion über Irmgard Keun (Das kunstseidene Mädchen), Studium am Deutschen Literaturinsti-tut Leipzig, Romanwerkstatt bei Juli Zeh, Schreibcoach, Veröffentlichungen: Lilith im blauen Kleid. Erzäh-lungen (LLV 2005). Mit Illustrationen von Anna H. Frauendorf, Irmgard Keun: Schreiben im Spiel mit der Mo-derne, (Thelem 2005), Untemperiert. Hörbuch (ERATA 2009).

7 Gedanken zu „Ich ärgere mich, weil ich ihn trotzdem sehe

  1. Der sechste Sinn

    Ärgerlich, und zugleich merkwürdig ist, dass ich , wenn ich einen Mundschutz trage, weniger höre und sehe. „Wie beliebt’s?“, nie fragte ich häufiger.

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  2. Die Sprache

    Schuppen, Schrott, Schutt – so schöne Worte. Viel schöner als Follower oder Likes.

    Wir sollten diese Worte verbieten. Ja, Follower und Likes sollten verboten werden. Die breiten sich exponentiell aus und infizieren die Gedanken. Die Gehirne werden Matsch.

    Hingegen: Schuppen. Schrott. Schutt. Ach.

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  3. Fensterplatz

    Ich dachte, jetzt gewittert es da draußen. Ich stellte schnell meinen bequemen Ohrensessel auf den überdachten Balkon und stopfte meine Pfeife mit meinem besten Tabak. Aber leider, es war nur die Motorradgang. Oder einer von diesen scheppernden LKWs.

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  4. Mischung aus schlechter Laune, Zanksucht und Ressentiment

    Solange es nicht zum Exitus führt kann ich mich gerne damit überfordern. Streite schon beim Frühstück um kalten Tee, jemand erleidet einen Blutsturz.

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  5. Etwas Schönes

    Die Erleichterung die man verspürt, wenn man im Sumpf steckt, und akzeptiert, dass sich daran nicht ändern lässt.

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