Monatliche Archive: Juli 2016

Flucht und Wiederkehr VI

Von | 30. Juli 2016

Jenes Mädchen, dessen geheimnisvoller Blick schon während des Gelages die Aufmerksamkeit des Großkönigs auf sich gezogen hatte, fuhr ihm nun mit vorsichtigen Händen über den Hals und die Schultern. Sein Hofmeister, oberster Diener, der jede Nuance seines Fühlens und Denkens teilweise noch vor ihm selbst zu erkennen vermochte, hatte sie ihm im Anschluß an die… Weiterlesen »

Spaziergang I

Von | 27. Juli 2016

Der Morgenregen hat das Fallen eingestellt, erste Hitze in der Stadt und ich fremd im fremden Viertel. Bejahrte Wesen joggen sich jung, jemand schließt resignierend das Fenster, eine Haustür schnappt ins Schloss. Katzen streunen, unzufriedene alte Männer queren die Straße. In den Betten die Nachtvögel jetzt, erschöpft von Geschäften. Durchs Vierteljahrhundert mein Schritt, unter frischgetünchten… Weiterlesen »

Go Tan

Von | 26. Juli 2016

* * * Rjuriks Sensentruppe Leibwache des Kaisers gebar dem Land Bauern & Hirten: Hirt, verteile alle in Raum & Ebene gib jedem seinen Platz in der Ebene, damit ihm genug Raum bleibt & schau! Bauer, vergrabe deine Wurzeln hinterm Haus, verstreue die Samen unter der Sonne – und der Rest für die Reben &… Weiterlesen »

* * *

Von | 20. Juli 2016

Tan Go Einmal werde ich meinen hölzernen Mantel anlegen, um mich zu verbünden mit allen niederen Wesen dieser Welt. Einmal werde ich meinen feurigen Umhang antun, um mich zu verschwören mit allen höheren Wesen dieser Welt

Flucht und Wiederkehr V

Von | 19. Juli 2016

Der Himmel lächelte milchig blau zur Nacht. An seinem Rand verwischten, verführerisch in seidenes Orange gehüllt, rosa Streifen – blässlich, verschämt und doch verheißungsvoll. ‚Ach, Sommer – Wie bist du mir ein Schwerenöter und Freund zugleich!‘, dachte ein alternder Mann, der langsam einen jener begrünten Kanäle entlang wanderte, die die wohlhabenden Viertel seiner friedlichen Stadt… Weiterlesen »

Trostlos

Von | 19. Juli 2016

Stille, gleichmütig. Das Schweigen ist auf den Mund gefallen. Ein trauriger Wind weint in den Pappeln, die Blätter stellen das Rascheln ein. Düfte der Erde aus Katakomben der Würmer. Auf leisen Sohlen schleichen die Stunden heran, Stunden, die kommen und vergehen, spurenlos, wie niemals gewesen.

Pan und Panik

Von | 13. Juli 2016

Gott bleibt im Geheimnis. Und wenn er einmal aus dem Geheimnis hervortritt, tritt er kurz darauf wieder hinein.   Er packte seinen Knotenstock fester und schritt aus. Die Sonne war sehr heiß. Jeder Schritt von ihm wirbelte eine Staubwolke auf, so dass man ihn schon von Weitem an der länglichen Wolke als Wanderer erkennen konnte.… Weiterlesen »

Ahnen, was kommen kann

Von | 13. Juli 2016

Wo ich daheim bin, blicke ich in die Welt der hundert Fenster und siechender Straßenbäume, die mich vor der Idiotie des Straßenverkehrs schützen sollen. Ich weiß, niemand und nichts wird mich schützen, auch nicht vor dem Krieg, der mit großer Selbstverständlichkeit vorbereitet wird, als handle es sich um eine Tortenschlacht. Und mich schmerzt es, dass… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr IV

Von | 12. Juli 2016

Ejnes Tages fjel ein Buchstabe jm Kampf um das Wort ejnes Tages war er frej und fort – ganz ohne iegliches Gehabe Ein Bekannter will nun anfangen zu schreiben, erzählte er mir kürzlich am Telefon. Auf WikiHow, einer Online-Ratgeberplattform könne man hilfreiche Tipps zur Konstruktion eines Romans aufrufen. Charakterdesign, Setting und so weiter und so… Weiterlesen »

Flucht und Wiederkehr III

Von | 12. Juli 2016

Eine Milbe schaut die Sonne, ein Blatt reitet Sturm – wenn hoch das Lauschen aufsetzt, rauscht leis ein Unterton und tief in Traumtambourengeistern, groß wie klein, hallt lachend, voller Mond, Unendlichkeit herein.   „Und? Was halten sie davon? Ist es nicht interessant?“ „Hm.“ Frau Altermann-Zupf schaute den Doktoranden mit ernster Miene an, unterdrückte dabei ihr… Weiterlesen »

Schmockymocky, das jüngste, die erste

Von | 12. Juli 2016

„Vom Gletschereis werden alle Farben außer Blau absorbiert. Nur das Blau wird noch reflektiert, und das ist der Grund für das herrliche blaue Schimmern oder sogar Leuchten der Gletscher. Man sagt, das Eis verblaut bei zunehmender Dichte.“ (Gerhard Falkner, Bruno, S. 35)   Immer schön, wenn ’ne exe cu tante die Vollmachten hat, das Büro… Weiterlesen »

Bruno

Von | 10. Juli 2016

26.06.06 Schweiz – Ukraine 0 : 0, 25.06. „Abschussgenehmigung erteilt“ Knuths großer Bruder (BärlinBärlin) leider größer, in „Freiheit“ aufgewachsen & von and er er fell far be

Berlin, Scheunenviertel

Von | 9. Juli 2016

Geschichte alter Berliner Straßen dümpelt in muffigen Kellern, in kohlenstaubschwarzem Dunkel, wo fette Ratten das Pfeifen einstellen, sobald die verängstigte Hausfrau die Szene betritt. In den Straßen noch der Geruch armer Leute. Fassaden, bunt, wollen Geschichte vergessen machen, Geschichte, die nicht vergehen kann, sich einnistet ins Mauerwerk als Mal des Jahrhunderts. Und du weißt, deine… Weiterlesen »

Glashaus

Von | 6. Juli 2016

Sie trug ein Haus aus Glas um ihren Körper. Alles, was sie empfand, prallte daran ab, drang nicht nach außen. Doch immer wieder stieß es an die harten Wände und schmerzte, wenn es im Ausfallswinkel zu ihr zurückkam. Eines Morgens hörte sie ein leises Klopfen an der Tür. Der durchdringende Klang ließ die Kuppel sanft… Weiterlesen »

Berlin inmitten

Von | 1. Juli 2016

Stadt, die mir zugefallen, gestorben im Inferno und wieder auferstanden, Stadt mit ihrem Gestöhn in den Nächten, dem Wolkenmeer über Häusern, dem grauenden Tag. Als sei mir jeder Bordstein bekannt, als sei selbst das Unwetter über den Dächern ein Du. Und doch, fremd die Stadt, fremder noch als die eigene alternde Haut. In den Höfen… Weiterlesen »