Archive for the ‘Rezensionen’ Category

The Egoism of Genius (I)

Samstag, April 14th, 2018

Trägheit
Völlerei
Eitelkeit

Hodenkunst

(… bei wem-auch-immer
es staubig ist …)

? Personen trinken Kaffee für
1 € pro Tag. Payable Psychiatrie.

Neid. Testaments-Vollstrecker.

(Knorpelfische sollten dichten)

oweh Aquarium Marienheim.

A Day In The Life (Flucht und Wiederkehr XXI)

Donnerstag, März 22nd, 2018

“Elle est de Livron-sur-Drôme”, flüsterte ein Geist. “Liesville-sur-Douve!” ein anderer, “Les Sables-d’Olonne!” der Dritte. Oh, das kenne ich, da war ich schon, erinnerte  sich der Zeitreisende mit großen Augen und ein Sommer streichelte seine Neuronen.

Die Sonne schien hell, ein Wesen – mir zutiefst ähnlich und doch fremd, eines lebendigen Spiegelbildes gleich – saß in der Küche am Fenster und im gleißenden Licht tanzten kleine Staubpartikel freundlich flirrend umher, während im Garten, hinter der Terrasse, silbrige Gräser wie Harpien durch Februarwind nach Beute jagten. Alles schien synchron, Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.

Das Bad, dessen hellrosa Granit atmete und zerfloss, ihr Haar, einen Körper umschmeichelnd, dessen Umrisse Botticellis Venus nie ähnlicher gewesen waren, Reflexionen des schaukelnden Wassers, überall Lachen, ein Lachen voll des Glücks ob des Lebens, voll der Angst ob des Todes, ein Lachen, alles zu vergessen und für ewig in Wellen aufzugehen.

Die Gedanken an Verrottung durch Alterung, an Rettung, Unsterblichkeit – Galaxiehaufen umfassende Superzivilisationen erstanden auf und versanken – Ahnungen vom Größten im Kleinen, Synapsenclustern und Frieden des Atmans; schwebender Staub im warmen Sonnenschein hinter einer, den Winter aussperrenden Scheibe — die Gedanken.

Haugemer Fasnacht

Montag, Februar 12th, 2018

andere sii welle

d’ kinder un au d’ erwachseni
alle verkleidet
wie wenn se andere sii welle
als sie sin’
vielliicht sin’ sie’s au
für e stund oder zwei
wer ka’s wüsse

.

d’ gugge

d’ gugge trommle un bloose
ä lärme
wie numme sälde im läbe
spöter
wenn d’ heimgohsch
isches numma no still

.

do schtohsch

du wirfsch es konfetti in d’ höh
s’ werde träum
rosani orangeroti schwarzi un wissi
sie falle z’ruck
dir grad vor d’ fieß
do schtohsch
vor dine eigene träum

.

(* Der Dialekt wurde lektoriert von Elfra Sandmann, Lörrach, der ich herzlich dafür danke!)

.

Oijoijoijoijoi, wo hab ich denn jetzt bloß de Brille

Donnerstag, Februar 8th, 2018

So gehts los. Jedesmal geht es so los. Du bist fröhlich, gut vorbeitet, willst jetzt endlich loslegen. Und dann kommt es: “Oijoijoi, wo hab ich denn jetzt bloß de Brille. Oijojojoj, wo hab ich denn jetzt bloß de Numma.” Du spürst, wie deine gute Laune in Wut umschlägt und der Blutdruck nach oben geht. “Ach wissense, ick seh so schlecht.” Dein Herz fängt an, stärker zu pumpen. Du merkst, dass du einen Körper hast, und der tut weh. “Is so dunkel hier. Warten se mal, ick muss ma ans Fensta gehn. Oijoijoj, wo hab ick se bloß…” Du rutscht unruhig auf dem Stuhl herum. Von draußen drängt die Sonne herein und macht “dreieckiges Handtuch” auf der Pappwand vor dir. Du denkst an die Pappnase vom letzten Dienstag und lächelst, jetzt sichtlich besser gelaunt, schadenfroh in dich hinein. Der am anderen Ende hat immer noch keine Brille und keine Numma und raschelt nervös mit Papieren. Du lachst. Du lachst, erst leise, dann herzhafter. Kleine Fliegen kommen dir aus dem nächstgelegenen Blumentopf entgegen und kreiseln, im letzten Lebensdrittel angekommen, vor dir auf dem Tisch. Du lachst. Die Sonne brennt sich in die Fensterscheibe, lässt sich nicht mehr durch Rolläden und schmieriges Glas ausbremsen. Du lachst und wächst aus dir heraus, du zeigst es allen, du drängst aus dir heraus und mit geballter Lebenslust schallt es aus dir: “Macht nichts. Dann schaffen wir es eben ohne Brille und ohne Numma.”

Skylarking (Flucht und Wiederkehr XX)

Montag, Februar 5th, 2018

Da Menschen des Stromes aus ihren konditionierten Träumen erwachen, ist der junge Tag noch gehüllt in den Leib der Nacht; doch rufen Trommeln aus dem fernen Tempel, die Kontinuität des Seins und der Zeit zu ehren. Die Fellachen hoffen auf Verkündigung des heliakischen Aufgangs – der Rückkehr des Sirius nach siebzig Tagen – und mit ihr, nährender Milch gleich, des reichen Schlammes ihrer Felder.

Kahle, geschminkte Priester vibrieren in Trance, andere verteilen eine starke Tinktur des blauen Lotus. Es ist kalt, gemurmelte Gebetsformeln perlen wie Tau aus Kehlen, da mehr und mehr Versammelte sich übernatürlichen Gesängen ergeben, die nun wie Honig aus dem Inneren des Heiligtums fließen, ja zu tanzen scheinen. Nach und nach, ähnlich einer kollektiven, hypnotischen Verwandlung, invertiert ihr Bewusstsein von Alltag und Überlieferung. Dann, kurz vor der Morgendämmerung, beginnt  der Tempel, die Ankunft der Götter verheißend, magisch zu glühen.

Die Hohepriester, kundig des mittels mystischer Symbolik kodierten Wissens der Anderweltentränke, architektonisch hervorrufbarer Tonfrequenzüberlagerungen, wie auch jener elektrischen Effekte unterschiedlich leitender Baumaterialien oberhalb riesiger, unterirdischer Wasserkavernen, treten nun, verliebt in die eigene Allmacht und als Halbwesen gekleidet, flüchtig im Halbschatten tausender Jahre auf.

Gummigemüse

Donnerstag, Januar 18th, 2018

http://www.anonymekoeche.net/ , 24. Mai 2009 / Claudio

Im Moment haben wir einfach nur Wetter, Wetter, Wetter. Man kommt ja gar nicht mehr zum Bloggen ob den vielen Grillfeuern, die entfacht und Freunden, die warm gehalten werden wollen. Den Türken sei Dank gibt es einen Salat, der schlichter nicht sein könnte: Patcan Salatas. Im Sommer ein perfekter Begleiter zu gegrilltem Fleisch. Ansonsten auch als erfrischende Vorspeise (Mezze) zu orientalisch angehauchten Menüs.

Es gibt, zugegeben, verschiedene Zubereitungsarten für diesen Salat. Mit Jogurt oder ohne, mit unterschiedlichen Gewürzen, Knoblauch, Zwiebeln, Zitronensaft und Öl. Kann man alles weglassen. Über die Jahre habe ich zu einer ergreifend einfachen Version gefunden. Es gibt übrigens auch verschiedene Auberginen: Bitte keine dieser spanischen Attrappen (vgl. franz.: attrape = Falle). Die sehen auch nach Wochen rumliegen noch aus, als wären sie aufblasbares Gummigemüse: makellos und aufgepumpt. Ich kaufe meine nach Möglichkeit beim türkischen Gemüsehändler. Sie sind von der Form her etwas schlanker und weisen da und dort unbedeutende Makel auf.

Die Aubergine waschen, trocken tupfen und unzerteilt in den 200 Grad heissen Ofen legen. Übervorsichtige stechen sie mit der Gabel mehrmals ein, weil sie sonst platzen könnte – am ehesten wohl die spanischen …Nach 30 bis 40 Minuten ist die Aubergine gebacken und die Haut schön schrumplig geröstet. Am nussigen Duft erkennt man sofort, ob es eine gute Aubergine ist. Eine Hors-Sol-Wasserbombe würde nur auslaufen und nach Düngemittel riechen. Die Haut lässt sich sehr leicht abziehen. Wenn sie etwas ausgekühlt ist sogar ohne, dass man sich dabei die Finger verbrennt. Anschliessend das Fruchtfleisch in kleine Stücke schneiden.

Zum Schluss wird einzig und allein Naturjogurt unter das Auberginenfleisch gehoben.

[schneeweiß]

Donnerstag, Dezember 28th, 2017

der himmel legt sein leichentuch über die erde
frau holle macht überstunden
herr holle indes nimmt reißaus
fliegt er mit seiner geliebten in den süden
ins land des ewigen frühlings
ins land der klavierstimmer
die blockflöte spielen lernen
schneeweiß
werden seine haare
auch dort

Eingetaucht

Freitag, Dezember 22nd, 2017

In die Armut der Welt
Lassen wir Smaragde wachsen,
Bringen dem nichtigen
Chlorophyll eine Huldigung
Gefilterter, polarisierter
Worte

Was die trägen Verbünde
Heterogener Moleküle
Nicht vermögen -
Unsere Lichtgitter
Schenken es der
Sprache

Eingetaucht bleiben wir
Unter Wasser, amphi
Bolische Balinesisch
Chinesische Wörter
Zähler ohne Wasser
Strom,

Gas – das Licht fällt
Immer in dunkelste
Ecken, wo Amphibien
& Schmetterlinge
Sich Gute Nacht
Wünschen

Wasser & Strom in der
Hochzeit ihre Elemente
Lassen es knistern,
Worte werden am
Doppelspalt gebeugt
Verstärkt &

“Denn an der Verbindung von Astronomie und Nächstenliebe hängt die Würde des Menschen.” (Tschüss! Philosophische Poetik 1)

[ohne titel]

Samstag, Dezember 9th, 2017

steine liegen im feld
das ist präzis und
der wind trägt die luft
bulgariens her
medeas heimweh über das schwarze meer
die liebe verschmäht nicht
das felsental auf deinen schultern

Guinea-Bissau (Djiu di Galinha)

Samstag, November 25th, 2017

für Super Mama Djombo, Dulce und Sylvain

es gibt keine anderen als politische gedichte
keine anderen als vom kampf
für das lesen
die bildung
und die liebe
des kindes zu seinem huhn
erleuchtete den ganzen himmel
und das gesicht der mutter
mit stille
bescheidenheit
rührung
und als der tag sich in der nacht versteckte
war auch das huhn tot

#Me2 (Flucht und Wiederkehr XIX)

Freitag, November 17th, 2017

I have been failing all of you,
no ambiguity of what about and who.
Boo! Me too.
‘Cause I was stoked I poked,
to quickly stick the dick,
to calm the palm too tall,
I fapped and grabbed you all -
eh, uh, me too!
Yes, everlasting shame:
it’s finally fair game
and in the deepest depths of hell
remorse is swelling oh! so well -
choo-choo!
A devil laughs within us men,
his dick is big, his morals thin,
shall he now burn and mourn
and never ever sin or grin
again – he too.

Fasten in der Vorweihnachtszeit

Samstag, November 4th, 2017

Mc Geiz war die Avantgarde der Saison. Zwischen Bügelstärke, Kochwäsche, Scheibengardinchen, Plastikrosen, Chefhasser-Kaffeetassen, Persipan mit extra viel Süßstoff, Barbiepuppen und Frauenarzt Dr. Mühsal entdeckte ich eine Paperbackausgabe mit der Photographie echter, malvefarbener Tulpen auf einem grünem Umschlag. Der darin enthaltene Text, so verhieß die Titelaufschrift, war das Meisterwerk der literarischen Décadence, Joris Karl Huysmans Roman Gegen den Strich, gut und gerne zu erlesen bei germanistisch bedingter, durch nachhaltige Inferioritätskomplexe chronisch am Gedeihen gehaltener Antriebslosigkeit in abrissreifer Jugendstilvilla im über 30 Quadratmeter großen Salon ohne Zentralheizung – aber mit Wanne und fließend Wasser… Allen dumpfen und weltfremden Träumern, die Fragen um ihrer selbst willen stellen, zum Trotz: Bei Mc Geiz liegen mögliche Antworten.

walisische nächte (zweiter gesang)

Sonntag, Oktober 29th, 2017

zwischen den häusern spazierten
menschen neben zebras und antilopen
auf der suche nach einer wasserstelle
dürsteten alle nach wissen
am grunde des meeres
bewegten sich träume im trilobitengang
vorwärts

zeichneten starenschwärme und bienen
flugbilder an den himmel
im kommen und gehen
unterschieden sie sich
nicht

von irgendwoher drang gesang
in die gassen und hinterhöfe
eines faulen sonntagnachmittags
roch es nach gewürzen nach fisch
gedünsteten kräutern
gebratenem gemüse und fleisch
ich folgte den blicken der mädchen
aus augen wie karseen
die jemand liegen gelassen hatte
zwischen häusern einer stummen vorstadt
und fernen dörfern eines felsengebirges am horizont
schwappten verse über die dächer
in einer fremden sprache
im rauch der kamine
stiegen die wörter hinauf in die wolken
eines plötzlich unbekannten himmels
streifte deine hand eine wegwarte
die aufblühte zwischen den heimwehen
nach dem letzten frühlingsmond

wir übten uns in asche
schlenderten polizisten im einsatz
durch lyrische städte
streiften bargänger auf der suche
nach einem whiskey
on the rocks unten am fluss
bei den mädchen
im mondschein
wiegte das wasser die planken
gegen die kaimauer drückte ich dich
meine hand ruhte aus
auf deiner brust
der atem der möwen
spiegelte sich im licht
dein heller hals
legte sich in die gesänge der nacht
und blieb [in den quecksilberträumen]

Replik

Dienstag, Oktober 17th, 2017

Nazis hocken. Quaderartige, in Blöcken geteilte Landschaft. Das Wetter ist gut. Die Sonne beleuchtet die Blöcke wie auf einer Bühne für Giganten. Tableaus aus Sandstein. Riesig, aus einem anderen Erdzeitalter. Die Sonne scheint rein und an bizarre Steinkultur. Ach nein, das ist ja Natur. Das geht nicht so richtig. Steinnatur. Klingt nicht gut, sieht auch nicht gut aus. Ob ich es diesmal auch kann? Ich bin mir nicht sicher. Gar nicht mehr so sicher. Ich muss mal ranzoomen, ein paar größere Feldsteine vor das geistige Auge zitieren, doch ich sehe nur kleinere Findlinge, von Abendrot beleuchtet. Karl Kraus wusste da Bescheid: Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten. Das kriegt jetzt wieder so einen grimmigen, fast märchenhaften Anstrich. So einen Glow. Ein Glimmen. Ich mag das. Das geht schon so in Richtung crysantheme, doch das soll es ja nicht, da muss ich den Geist rasch wieder weglenken. Hinter jedem Steind hockt ein Nazi. Stein d? Sind die Steine hier nummeriert? Stein a, Stein b, Stein c, Stein d? Sind das Hausnummern, Grundbesitzer?

Krieg um Schönheit

Dienstag, Oktober 17th, 2017

Die Nachkömmlinge putzen ihre Werkzeuge, der Adlatus
Zurückgelehnt: I han min, Gerechtigkeit.

Vater und Mutter ruhen, warte nur
Balde, in Bälde, immer und immer

* * *

Zu zeugen Bewegung, das Leben sich

Ein schwarzer Anker,

Dienstag, Oktober 17th, 2017

Herz unter Flügeln

* * *

Sie gleicht Goldfischen, die in der Sonne spielen, aber in ein mit Jauche gefülltes Aquarium gesetzt wurden.

Hallo Freunde,

Montag, Oktober 2nd, 2017

in den 80ern gab es ja eine Menge. Kennt zufällig jemand von Euch eine tiefenpsychologische Deutung von “Rumpelstilzchen”?

das Dunkel

Sonntag, Oktober 1st, 2017

es gibt ihn
vom ersten Herzschlag
bis zum Einsturz der Skyline
DEN WILLEN

was wollte das Dunkel
auf der endlosen Treppe dann:
den Atem einfrieren?
die Schatten weiter schwärzen?

wohl nichts anderes
als in den Straßen überall
Lichtungen ernten

(das Dunkel)

Plong!

Dienstag, September 26th, 2017

Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy! Holy!
______________________________________________________ Allan 1955

Sie unterhielten sich, sie kopulierten. Sein Gang war ihr eine Erinnerung an bessere Zeiten, ihre Brüste ihm ein Sahnebaiser. Sie traten gemeinsam auf an der Place de la Concorde. Sie feilschten und sie schlugen sich. Sie ondulierten, postulierten, definierten und reüssierten. Sie postulierten, dass es die Menschheit wirklich gebe. Sie wurden gemeinsam dreizehn.

Plong plong plong plong plong plong
Plong plong plong plong plong plong
Plong!

Sie setzten das mit zehn Begonnene fort
Das mit acht
Mit fünf das
Mit drei nie Begonnene

Blattmatsch (Flucht und Wiederkehr XVIII)

Montag, September 25th, 2017

Ja-Gen‘.

Ein dackelhaftes, mit sabberndem Eifer kravattiertes Wort. Genaugenommen bezeichnet das Ja-Gen eine oft sozialdarwinistisch aufgeladene Befürwortung biologischer Beißreflexe.

Das Ja-Gen ist gleichzeitig ein Euphemismus und findet nur deshalb Verwendung, weil die Anhänger des Ja-Gens die u.a. von Soziologen postulierte Existenz bzw. die damit einhergehende Signifikanz eines ‘Nein-Gens’ vehement ignorieren (ein Bestreiten ist nicht möglich, da dies dem als Beweis für die Existenz des Nein-Gens gelten könnte).

Wenn beispielweise ein Propagandist des Ja-Gens dieses öffentlich bewirbt, etwa bei Wahlen, begründet er sein Engament damit, dass das ‘Volk’ ohne ein kontinuierliches einzuimpfendes Ja-Gen immer schwächlicher würde (eine implizite Anerkennung eines Nein-Gens??!). Nur durch das Ja-Gen entspringe original völkisches ‘Ja-Wohl’.

Im nahen Osten Deutschlands ist die Konzentration des Ja-Gens landesweit am Höchsten – vielleicht konnten Wissenschaftler deshalb in jenen Gebieten auch keine nennenswerte Anzahl quasi neophytischer Nein-Gene auffinden.

Angeführt werden sollte noch, dass sich 27% aller wählenden Sachsen zum Ja-Gen bekennen (über einen 85-Jahre-Zeitraum  recht stabil – Leipzig, 1932: 31%), und die näselnden unter ihnen die Ersetzung des Bundesadlers durch einen Dackel fordern, sowie – und auch dieser Vorschlag wurde von trachtelnden Bayern mit äußerstem Wohlwollen begrüßt – die Wiedereinführung des Kornkranzsymbols der DDR-Fahne, diesmal jedoch in Form eines Stacheldraht- und Selbstschussanlagenemojis.

Lichterscheinungen über der Salzwüste

Montag, September 25th, 2017

Pferde und Menschen in den Tiefen der Geschichte, Tiere allein mit ihren Gedanken und ein Gefühl als ob die Dinge ihr Universum einfach abgestreift und es einmal gewendet hätten wie einen alten Mantel. Seine Unterseite war gefüttert, ein Sternenmuster prangt nun über unseren Köpfen und scheint sagen zu wollen: Ihr seid nun außen vor. Was dahinter sei, wird nie auch nur ein einziges Bild füllen – selbst Worte in der ganzen Kraft ihrer Negativität vermögen nicht dahin zu reichen. Wir sind nun außen vor. Ausgeschlossen vom Geheimnis, darin der nächste Blick der Würfelaugen bereits ein Gesicht hat. Mann und Frau bei Tische, die Sonne außen vor. In diesem Dunkel hier erfindet sich die Welt erst, erst einmal müssen die Regentropfen den Weg über die Brücke des Reflexbogens finden.

* * *

Samstag, September 23rd, 2017

Son Scheiß Leben, nachher muss ich noch zu Rewe, und dann holen wir den Sand aus der Wand.

Zum Beispiel: “wat mut dat mut”

Samstag, September 23rd, 2017

http://l-lv.de/neu/product_info.php?info=p1079_katkus–laurynas–moskauer-pelmeni.html

XXX

die Menschheit: eine irre Oberfläche, die sich mittlerweile selbst imitiert; der Mensch im Theater nach Entsorgung aller seiner Götter. Oder war da noch etwas? Eine Zahnlücke im Denken? Eine Zaunslatte im Gehirn? Oder gar ein Zaunpfahl?

Nur ein Faun, der seinen Nachmittag genießt
Opfer der SCHÖNEN ERINNERUNG

jaaaah, schön! muss es sein.

Ande (Flucht und Wiederkehr XVII)

Donnerstag, September 21st, 2017

“Am Anfang der meisten Projekte steht ihr Ende – denken, handeln, erfüllen.

Manche Projekte sind jedoch einer solchen Natur, dass ihr letztendliches Ziel, gar das Bewußtsein von ihrer Existenz, erst im Laufe ihres Wirkungsraumes erkennbar wird.

Am Ende der meisten Projekte steht ein neuer Anfang. Einige Projekte kennen kein Ende.
Und die Mehrzahl scheitert. Wenn ein Projekt wirklich erblüht, verändert es die Welt und ihre Zeit. Projekte können Dornen entwickeln, Schlüsseln gleichen oder Teleskoprüsseln.

In vieler Hinsicht sind Projekte wie Menschen, obschon Projekte, wie Platon argumentieren würde, sicher ganz gut auch ohne Menschen in ihren Spähren immanieren.
Projekte sind ewig – um jegliche Projekte zu bannen, bräuchte es ein noch umfangreicheres Projekt.”

Der Projektionist schaute von dem Textgebet auf und verließ die virtuelle Kapelle.

Heutzutage war es ehrlicher, als zu den Zeiten, als man noch der Illusion anhing, die Projekte dienten den Menschen und nicht umgekehrt. Als Götter, soziale Konstrukte, das Recht des Stärkeren noch bedeckten, was sich nach und nach gezeigt hatte: Projektion. Als vom Kapitalismus die Rede war und der Selbstausbeutung humaner Produktionsmittel. Nein, immer ging es um Projektionen bezüglich dessen, was für die Projekte getan werden muss, nicht gedurft oder ersollt.

Der Projektionist stellte sich vor, ganz still in seinen Gedanken zu werden und spürte noch, wie sich überall Projekte zusammenbrauten. Die drückende Pflicht zur Veränderung aller Welten zerbarst vorerst und sein Atem vertiefte sich.

“Von daher ist Ästhetische Theorie tatsächlich Gebetsmühlendynamik.” (chlebnikov)

Mittwoch, Juli 26th, 2017

Gebetsmühlendynamik, seltsames Wort, aus Gebet und Mühle und Dynamik, natürlich ist das deutsche Wort “Mühle” bloß eine Übersetzung, hier wird ja gerade nichts gemahlen, keine Körner in Pulver verwandelt, hier ist es ein Mantra, eine heilige Silbe, ein heiliges Wort oder ein heiliger Vers, der außen auf einem Rad, eine Rolle oder Walze geschrieben steht, und entweder dreht man sie, indem man sie in die Hand nimmt und duch geschickte Bewegung der Hand zum Drehen bringt, oder man lässt sie sie vom Wind drehen oder vom Wasser, und hier geht es um das Erkennen, um zur Erleuchtung zu gelangen und dann zur Erlösung, ins Nirwana, ins Verwehen, also sich ins Große und Ganze aufzulösen, und irgendwie geht es ja auch darum, dieses Denken hier endlich aufzulösen, diesen Denken hier im Samsara, diesem Kreislauf aus Werden und Vergehen, endlich Schluss zu machen mit dieser Trennung zwischen Denken und Bedachten, dass also das Denken und das Bedachte endlich eins sind, dass man keine Worte mehr braucht und keine Vorstellungen, letztlich sind auch Namen nur sinnliche Materie, und jede Drehung eines Gebetsrads bringt uns Erkennen und Erlösung und Erleuchtung näher, und nicht nur den, der dreht, sondern ja auch alle anderen, auch die Kühe und die Krokodile und die Käfer und die Kornblumen und den Knöterich, und in der Dynamik geht es ja um Macht, um Macht mittels Kräften, also ist Gebetsmühlendynamik ein Begriff für eben diese Kräfte, die entfaltet werden durch das Drehen der Mantras, diese gewaltigen geistigen Kräfte hin zum Erkennen und Verlöschen und Verwehen, und Ästhetische Theorie beschäftigt sich ja mit einer Theorie der Kunst, also ob die Kunst ein Träger von Wahrheit ist, eine Wahrheitsprozedur würde Alain Badiou sagen, dass ein Kunstwerk zu Wahrheiten führt die ohne Begriffe auskommen, und diese Wahrheiten der Kunst sind nicht mehr oder weniger Wert als die Wahrheiten der anderen Wahrheitsprozeduren, wie Mathematik, Liebe, Philosophie oder Politik, alle diese Wege sind ja ganz eigene Wege zu Wahrheiten, und in der Kunst sollen ja die Wahrheiten irgendwie verrätselt sein, soll ja das Allgemeine im Besonderen aufscheinen, zeigt sich die Wahrheit eines ganzen Lebens in einem Paar Bauernschuhe, aber die Liebe ist ja nicht weniger verrätselt als die Kunst und die Politik und die Philosophie, und selbst die mathematischen Räume sind ja voller Rätsel, eigentlich ist ja die ganze Mathematik ein einziges Rätsel, bis heute weiß man ja nicht, was Zahlen eigentlich sind, da gib es nur irgendwelche Hilfskonstruktionen dass das Zeichen für die Nullmenge ja ein Zeichen ist und schon haben wir die eins herbeigezaubert, so einfach ist das, dann also, wenn die Ästhetische Theorie tatsächlich Gebetsmühlendynamik ist, dann ist also die Ästhetische Theorie etwas, was die Kraft eines Gebetsrades entfaltet, die Theorie wird hier zu dem, was zum Erkennen und Erleuchten und Verwehen führt, und das ist ja auch richtig so, zeigen sich doch in der Theorie selbst Wahrheiten, sie entfalten sich dort, genauso wie in jeder Theorie, wie in jedem Kunstwerk, wie in jeder Politik und in jeder Rechnung und in jeder Liebe, so ist also nicht nur die Ästhetische Theorie Gebetsmühlendynamik, oder besser Gebetsradsdynamik, sondern eben jede der Wahrheitsprozeduren, die Ästhetische Theorie ist Gebetsradsdynamik und die Mathematik ist Gebetsradsdynamik und die Poltik ist Gebetsradsdynamik und die Philosophie ist Gebetsradsdynamik und die Liebe ist Gebetsradsdynamik, jede Form der Wahrheitsprozedur ist Gebetsradsdynamik, und jetzt dreht sich diese Zeile, und hier sieht man auch, dass es ja keine Trennung zwischen Gefühl und Denken gibt, dass dies ja eins ist, und jetzt, am Ende dieses Textes, wenn wir diesen Text wie eine Leiter benutzt haben, ihn an ein Staubkorn Erkenntnis gelehnt haben und hinauf gestiegen sind, ein winziges Stückchen der Erleuchtung näher sind, jetzt müssen wir die Leiter wegwerfen, denn all diese Sätze sind ja unsinnig.

Auf der Halde (5)

Dienstag, Juli 25th, 2017

Kein Fazit, keine Theorie der Ritualbeobachtung, höchstens ein kleines Gluonengewitter zum Ausklang der Sommermeisterschaft. Im Winter hatten diese Häuser noch Stiefel an, jeder Schaft ein abgehackter Mensch, damit die einhellig erzählte Geschichte auch auf ihr Brennholz kommt, wenigstens das Feuer nicht ausgehen lässt, Licht in der Dunkelheit, trübes Scheinen. Worauf es ankam war die Wärme auf der Haut. Nun jedoch geht es ums Manövrieren. Wie kommen all diese Kleidungsstücke an ihre Besitzer? Schuhe an Ästen, wohin wächst es? Nach oben hin ist immer genug Licht, sobald die Alleinstellungsmerkmale durch die Datenbanken offiziell beglaubigt sind, ewiger Schmott. Nach unten hin bleibt genug Dunkelheit für jeden, den kleinen wie den großen Tod. Wiedergeburt garantiert: durch den Willensakt, dessen Wollen eine Art Ereignislogik, Sterben auf Raten, also Leben unter umgekehrtem Vorzeichen generiert. Und natürlich, Auftauchen war schon immer Abtauchen ins Unbekannnte. Den Kleidungsstücken ist egal, in welche Richtung sie sich bewegen. Sie kennen nur den Unterschied von innen und außen:
Materie sucht Ich,
Sinnliche Materie
Sucht neue
Form der Anschauung.
Nach vorn und hinten, rechts und links hin geht es ums Gesicht. Wer wahrt wen, wessen Schein hat das Sagen in den Datenbanken … einzig die Drehung vermag das Vorwärts- oder Rückwärts-, das ewige Ausgestoßensein zu durchkreuzen. So wäre das Kreuz eine Idee, unverhoffte Begegnung zweier Linien auf ihrem Weg wer-weiß-wohin. Von daher ist Ästhetische Theorie tatsächlich Gebetsmühlendynamik, wenn nicht artistische Abweichung vom Geraden so doch wenigstens selbstlose Vermeidung des Krummen, Undefinierbaren.
P.S. War die Müritz nicht jener Ort, Wasser bis an den Rand, an welchem Klein-Heiner immer verprügelt worden ist? Oder war sie umgekehrt gerade jenes Meer, dessen Grenzen einen an den Onega-See denken lassen, eine Art Gewässer, dessen Inseln noch immer nicht alle einen Namen tragen, und wozu wäre der auch gut im Zeitalter der Koordinaten und ihrer kunstvollen Transformation? Letztlich sind auch Namen nur sinnliche Materie – und was heißt hier nur! wenn sie ein Unbegrenztes auf eine Weise zu bezeichnen die Kraft haben, die es in der Fülle seiner Begrenzungen zu einem Etwas, zu etwas Wahrnehmbarem werden lässt, oder umgekehrt das Lassen nur als Aufforderung stimmig vorstellbar bleibt, vorausgesetzt, der den Willensakt Denkende bliebe bei alledem ruhig, so ruhig etwa wie man es dem Auge des Zyklons immer noch nachsagt, und sei es auch nur eine angedichtete Ruhe inmitten rasender Bewegung, die als solche irgendwann endet, viel besser dagegen in der Art Frage, die der russische Dichter Lermontov mit jenem Segel verbindet, das immer einmal kurz im Nebel auftaucht, welcher selbst nur in Momenten die helle Bläue des Meers verdeckt – “Es blinkt ein einsam Segel…” – das die hiesigen Längengrade wohl bisher nur im Buckower Konjunktiv zu erreichen die Kraft hatte.

Willi warf Fleischstücke in den Schutt

Mittwoch, Juli 12th, 2017

Da das Imperfekt die vollendete Gegenwart ist, fragen wir uns, was in den letzten drei Tagen mit den Fleischstücken geschehen ist, die Willi in den Schutt geworfen hat. Wurden sie gegessen? Waren sie zum Zeitpunkt des Reinwerfens überhaupt noch genießbar? Wessen Fleisch wurde da in Stücke gerissen, zerschnitten, zerteilt, um als Köder für Ratten im Schutt zu landen? Woher wusste Willi so genau, dass es Ratten sein würden, die er anlockte – oder war hier der Wunsch Vater des Gedankens? Nun. Vielleicht ist das irrelevant, vielleicht bin ich ein Korinthenkacker. Willi warf Fleischstücke in den Schutt. Punkt. Wenn mich nur nicht permanent das Zipperlein der Unruhe und Ungeduld mit Willis Tun plagen würde. So eine Empfimpfung, dass es einfach nicht ausreicht, Fleischstücke in den Schutt zu werfen und abzuwarten, bis die Ratten kommen. Dass gleich der kürzeste Weg des Widerstandes gegangen wird, indem angenommen wird, dass die Ratten schon vorher da waren. Hiermit verhält es sich wie mit den Rätselbildern in der Hörzu: “Hier stimmt was nicht!” Und der durchschnittliche Hörzu-Leser verbrachte manchen Freitag Mittag damit, des Rätsels Lösung zu finden. Hier stimmt was nicht. Dieser Satz führt nahezu immer zu einer zwanghaften Beschäftigung mit Dingen, die eigentlich nutzlos sind. Ob sie das Hirn auf Trab bringen, sei dahin gestellt.

Schutt (3)

Dienstag, Juli 11th, 2017

Willi stand im Schutt. Unter einer Peitschenlampe. Die Ratten hatten sich um ihn versammelt. Ihnen hielt er folgende Rede:

In früheren Zeiten waren wir grausam zu euch. Haben euch gejagt, erschlagen und mit vergifteten Ködern getötet. Wir hatten unsere Gründe. Ihr trugt den Schwarzen Tod in euch. Ihr habt unsere Vorräte gestohlen. Ihr zahltet keine Steuern. Wir wollten unsere Häuser und Straßen für uns allein. Ihr ward einfach da. Irgendwelche Gründe eben. Wir wissen, daran habt ihr keine Schuld. Ihr habt euch in der Nacht versteckt, im Hinterhof, im Mauerwinkel, im Keller, unter dem Gullydeckel. Wir haben euch zu dem gemacht, was ihr seid. Wir glaubten, dass wir klüger sind als ihr. Wir glaubten, dass die Berge und das Gold und die Himbeeren und die Heringe und die Wurzeln und der Regen nur für uns gemacht wurden. Doch wir wollen diese Erzählung nicht mehr erzählen. Erzählt uns eure Erzählungen. Wir hören zu. Es gibt genug Vorräte. Wir impfen euch. Die Stadt ist riesig. Darin ist genug Platz für so große Wesen wie den Baumarkt oder die Straßenbahn oder den Ahorn, und so kleine wie die Schmeißfliege und die Gladiole und die Kellerassel. Überlegt es euch. Sagt uns in drei Tagen, ob ihr einverstanden seid. Wenn drei Tage nicht genügen, so warten wir fünf. Wenn fünf Tage nicht genügen, so warten wir sieben. Dann fragen wir euch wieder. Seid ihr einverstanden, so bleiben wir. Wenn ihr aber wollt, dass wir gehen sollen, dann gehen wir. Wenn ihr denkt, dass wir leer und und ohne Vernunft sind, dann gehen wir. Dann ziehen wir ab. Wir werden euer Urteil annehmen. So ist das.

Das Erotische ist ein Störgeräusch

Samstag, Juli 8th, 2017

Heute: Sie pfiff aus dem Bauch.

herzen und ammoniten

Samstag, Juli 8th, 2017

die berufskrankheiten der dichter ziehen sich zurück
in die städte auf die wiesen
vor den städten die felder
und wälder jenseits des flusses
malt der himmel flugbilder von zugvögeln

fast reimlos
zeichnet mein mund
die konturen deines körpers nach
die linie deiner schulter deines nackens
pulst gegen den morgen

[wir dachten an vergangenes]
lyrisches fleckfieber