haare im wind

an den meisten tagen
war die kindheit verwaschen
die farben verloren sich
auf dem heimweg
ein blasses kind
lügt sich geschichten
an die wand
sagen sie
manchmal pochen
die worte im kopf
auf gut passt mut
auf brot passt not
mutter trägt eine karierte schürze
darauf reimt sich nichts

nachts schleichen
vanilleträume ums haus
sprachfetzen aus zimt
und weißer schokolade
türmen gedankenberge
ein freches kind
sagen sie
immer das letzte wort
ungereimtes schon im stammbaum
haare im wind
ein verwittertes kind

Christa Issinger
geb. 1963 in Brixen (Südtirol), wohnhaft in Natz-Schabs, ein Sohn. Veröffentlichungen in versch. Anthologien und Literaturzeitschriften, 2014 und 2022 Preisträgerin des Hildesheimer Lyrikwettbewerbes, Autorin des Buches: Die Liebe ist nicht rot.

5 Kommentare

  1. Das Reimende Kind tut es der Mutter nach: Verschleierung / Befreiung der gestamm-bäumten Wirklichkeit.

    Selbstverteidigung,

    Grandios! So einfach

  2. und vater ein halt
    der keiner war
    haltestelle
    in der wüste

    wo ist der berg
    dessen weiße
    spitze mit schoko
    lade unter
    füttert

  3. Sehr berührend, das Gedicht gefällt mir sehr gut. Bin auf einem Hinweis darauf in einer Zeitung nachgegangen. Es hat sich gelohnt!

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