Kategorie-Archive: Trauersymmetrie

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Von | 8. Februar 2020

Wind – Gesang Wessen wovon? Kindes Gang Durch die Sehnsucht des Schwerts, Schmerz zu sein. Die Menschen hegen den Tag des Todes Untrüglich: Liebster Blüte Duft Hohe Saiten, glaubt mir, In der Hand des Ostens Lassen heute erzittern die Luft. Und sein kann es, dass neuen uns Mut die Mutter vom gleißenden Berge Schenkt, und,… Weiterlesen »

göttlichkeit | das göttliche

Von | 7. Februar 2020

für C. M. tragen wir einen vers ins haus legen wir ihn neben die post die briefe aus einem anderen lebenschuppt der himmel sein blau ab die kindheit ihre letzten unbeschwerten tränen sind des himmels treiben gratwanderungen der kindheit verseaufschauend ins wolkenleere gießt sich ein tag über den anderen eine nacht über die andere ein… Weiterlesen »

kreide fressen

Von | 7. Februar 2020

hinter den tellerrändern warten die suppen die brühe kocht in meinem stadtviertel liest einer diogenes alles für die tonne ein essenstreff schließt ein neuer öffnet spezialität: braune soße! ich gehe weiter einmal um den block der wart grüßt barsch beäugt er mich seit langem wo ich wohl meine mahlzeit nehme sicher nicht bei dir mein… Weiterlesen »

Fische und Fahrzeuge

Von | 15. Dezember 2019

Der Fisch hat Stoff Der Fisch bringt Stoff zum Menschen Der Mensch speist Stoff Der Mensch arbeitet Der Mensch stellt Dinge her Dinge aus Stoff Dinge verteilen sich Dinge werden erworben Werbung wirbt Menschen werben Menschen heiraten Die Dinge werden verteilt Die Dinge verteilen sich Und werden Stoff Der Stoff ist ein Teil Der Stoff… Weiterlesen »

vorbereitung

Von | 13. Dezember 2019

versehentlich wurde ein wolf angeschossen gestern am nachmittag in der fußgängerzone zwischen dem gebäude der warenhauskette und dem feinkostimbiss erschraken die kauflustigen passanten und fremden weihnachtsmarktbesucher beim knall des schusses beim anblick des blutes verschüttete ein mann seinen glühwein versehentlich gestern fing es kurz darauf an zu schneien die spur des angeschossenen tieres führte in… Weiterlesen »

ramstein und gomorrha

Von | 25. Oktober 2019

nur ein rauschen hören wir nur ein rauschen des windes in den blättern der bäume des baches unter den bäumen des regens in den bäumen und im bach ein rauschen des alls sonst nichts es ist nacht [15. Oktober, 01:09 uhr] die toten haben sich abermals schlafen gelegt

Nothhaas trifft Kohlhaas im Himmel

Von | 21. Oktober 2019

erinnerung : vater johannes – Wir sollen das Dehnungs-h abschaffen. – Was? Nein. Das geht nicht… – Kolhaas, ich soll es dir sagen. – Wer schickt dich? – Er. – Und Sie? – Weiß davon. – Ah – äh – aa. Aha. (Pause) Und die doppelten Selbstlaute? – Kommen erst mit Hofmanns Erzählungen dran. –… Weiterlesen »

Hilde

Von | 3. Oktober 2019

Hilde wohnt jetzt im Briefzentrum 39. Gestern kam ein brief von ihr, und mein erster blick geht immer auf den poststempel. Sie reist viel und ist immer unterwegs. Hilde schreibt über die zurückliegende landtagswahl, den zunehmenden egoismus in der politik, den rechtsruck, die rückkehr der faschisten: ein spiegelbild der zeit und der zeit zwischen den… Weiterlesen »

El año de los niños sagrados

Von | 30. September 2019

In der Grundschule, die ich heute im Rahmen einer Veranstaltung besuchte, hingen selbstbemalte Pappen aus. Die Sechs-bis Zehnjährigen, die sie erstellt hatten, besaßen offensichtlich ein ausgeprägtes Gespür für den ihren Alltag beherrschenden Zeitgeist und seine massenmedialen Abgesandten. Mir wurde ein wenig kulturrevolutionär zumute, als ich die Kunstwerke näher zu betrachten begann und erahnte, was sie… Weiterlesen »

Hum.b*UG

Von | 19. September 2019

– Was man nicht alles gelesen haben muss, um dazu-zu-gehören – Die Regeln der Kommasetzung, Getrenntzusammen- und Kleinschreibung, bes. nicht am Anf. – Die Zeichensetzung als Beispiel für das Verfahren der Setzung, zus. die Fristenregelungen im Wid.falle – Die Gebührenordn. – Manches andere, der Allseitigkeit wegen – Plusminusmalgeteilt und den Dreisatzansatz – Wie man Dinge… Weiterlesen »

Endlich Strammeln

Von | 16. September 2019

Frühmorgens kommt der Stinkefuß Verpaßt mir einen Hinkekuß Es trillerpfeift ein kleines Maul „Papa : lieg nicht rum so faul“ Ob tot : ob foht oder lebendig sind sie Meine Kinder : Mara : Ulf & Thomas Wenn sie sich um mich versammeln „Papa : hör jetzt auf zu gammeln“ Spätabends wenn ich fallend lalle… Weiterlesen »

Berliner Ballhaus

Von | 6. August 2019

Das also ist Berlin : ein Hinterhof Berliner Ballhaus : schwarz Biergarten : innen verwirbelt Farbig : alle Kontinente tanzen Hier : außer Australien Skepsis weicht der Sepsis Lächeln weicht dem Schwächeln Schnelle Schritte : fitte Mitte Zehweh dreht ums Viehknie Der Drink ist ein Wink : link Morgens um drei sind wir dabei Warten… Weiterlesen »

Parque De Las Memorias

Von | 25. Mai 2019

für Bernardo Serrano Velarde, 1949-2016 ich kam nicht bis Cochabamba noch nie über das meer an seine andere seite nicht über den äquator zu anderen sternbildern inti heißt dort die sonne irgendwo im dschungel in einem dorf haben sie den Che erschossen vielleicht hörtet ihr denselben wind dieselben stimmen aus der rinde des quebrachobaumes die… Weiterlesen »

Re: Reflexionen aus dem beschädigten Leben (Flucht und Wiederkehr XXIX)

Von | 20. Februar 2019

Archie tänzelt, hält das Spielzeuggewehr erst vor die Brust, dann über die Schulter, als schieße er eine Bazooka ab, schließlich hält er es sich vor das Geschlecht, „Phew, phew, phew“, seine Stimme klingt hoch, es wirkt absurd. Um ihn herum lacht die Menge, wirft Münzen. Archie, dessen Sonnenbrille schief über seinem fehldenden Auge sitzt, simuliert… Weiterlesen »

kabul

Von | 6. Januar 2019

wieder für Granaz Moussavi wir sprachen farsi und schnitten zweige aus den kirschbäumen im garten blühten reine verse auf der straße vor dem haus ratterte ein alter motorroller und ahmad schlug auf seinen esel ein schneeluft wehte von den bergen sangen mädchen im radio sirisirin du bliebst stehen die menge rannte weiter einer steinigung hinterher… Weiterlesen »

wir waren atomdichter

Von | 16. Dezember 2018

wir waren atomdichter und sprachen mit den basalten unsere eltern zogen über die gletscher unseren kindern gaben wir namen wie sonnenschein zukunft oder hoffnung auf ein besseres leben warten wir noch auf den schneefeldern hinter dem fjord landeten drohnen geophysikalische messungen der schwere und des magnetfelds von spalteneruptionen einer paläoerde trieben fremde forscher ins land… Weiterlesen »

Salomenia (Flucht und Wiederkehr XXVIII)

Von | 17. November 2018

Das junge Mädchen wandelte, des ewig brennenden Himmels reich, Welten, verschwebte inmitten halb rauwinkliger, halb erträumter Städte, passierte gelb und blau mit einer Lilaterne, schwamm hungersüß als Morgengrau, hetzte geifernd um die Schluchten. Rückwärtig schwärmwankte die Prozession im Gleichschritt, schrillte verzerrt umspulte Liturgien, eine obsidiannadelnde Klangwolke, die Tiefenwahn umschlang, versank vor fahlem Springgiftlicht. Um keine… Weiterlesen »

Liebe – Versatzstücke

Von | 12. November 2018

Liebe atmet: Ein. Aus. Füllen. Leeren. Ein ungutes Gefühl und der kalte Luftzug des Misstrauens bahnt sich seinen Weg, bis er auf die Liebe trifft, das nebulöse Etwas, das das Herz umhüllt. Kalte und warme Luftmassen. Inga denkt an die Lehrbuchseite: Ein dicker blauer Keil schiebt sich unter ein rotes Feld, drückt es nach oben.… Weiterlesen »

Youth of Today (Flucht und Wiederkehr XXVII)

Von | 27. Oktober 2018

Schweine suhlen sich im Schlammbad, sie grunzen laut, rempeln und beißen, werden mit Abfällen gemästet und schließlich geschlachtet. Der Schweinebraten auf meinem Brötchen schmeckt heute ungewöhlich saftig, was wohl eher der Butter, denn der Qualität des Fleisches zuzuschreiben ist. In der U-Bahn, die aus der Innenstadt kommend Richtung Langenhorn fährt, sitzen zwei Jungen, denen dieser… Weiterlesen »

Syrakus

Von | 14. Oktober 2018

Auf Sumpf gebaut : vom Meer umspült Sicher nach drei Seiten : die Wellen Tänzeln um die Mauern : wir schweben Lautlos zwischen den Fischen Bewundern die Geometrie : die konvexe Schönheit der Farben : den Hebel Haben auch wir nicht gefunden Um die Welt aus den Angeln Zu heben : nur unser Gewicht Wird… Weiterlesen »

Uporigination (Flucht und Wiederkehr XXVI)

Von | 27. September 2018

In der Traumzeit suchte, der Morgen graute fern vom Stamm am großen Fels, der Geist des ersten halbnackten Wesens, euch Jungen gleich, malend nach den Ahnen. Warum, fragte er, seid ihr nicht mehr als bloße Erinnerung, strahlt durch euer Vergehen meine eigene Endlichkeit an und lehrt mich euer Scheitern Demut oder ermahnt es mich, eure… Weiterlesen »

vaterland – mutterland

Von | 9. September 2018

vaterland – mutterland für im süden der acker seine krume krümmte sich unter deinem rücken der staub lag bis zum nächsten sturm auf den trockenen ähren abseits ruhten in ihren gräbern soldaten freunde wurden sie jetzt fern der heimat und leicht wuchsen flügel aus knochen alle welt sprach von gefiedertem frieden