„… verse näher an sich heranlassen …“

für Christoph Meckel (* 12. Juni 1935, † 29. Januar 2020) 

wir halten die wasser an
den wind
wir halten den schnee an
wir unterbrechen die blutspur des pumas in den bergen
wir folgen dem formationsflug der kraniche
auf der gekräuselten wasseroberfläche eines fremden meeres
wir lauschen dem surren eines immenvogels
im kelch einer glockenblume
sie läutet den frühling den herbst
im sommer ruht sie sich aus
wir stimmen ein in die wintergesänge
die uns wecken aus unserem letzten schlaf
zwischen fischen
kastanien akazien
in deren schatten sie sich sonnen
mit dem durchdringenden licht der poesie
wir heben an zu einem abschied
am grab eines unbekannten poeten
geben ihm steine mit auf die reise
damit sie leichter wird für ihn.

.

[geschrieben am 31. Januar 2020, Freiburg-Herdern]

Dieser Beitrag wurde von Werner Weimar-Mazur am 7. Februar 2020 um 18:24 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

3 Kommentare »

  1. Mögen die Poesie, die Kraniche und das Licht immer mit ihm sein. Gute Reise.

    Comment by ein Kranich — 7. Februar 2020 @ 18:44

  2. Meine Verneigung!

    Comment by Erinnerung an eine Begegnung im Mai 98 (Lesung im Wolkenbügel) — 8. Februar 2020 @ 08:19

  3. Kernsatz

    “Dann versuchen Sie es doch noch einmal!”

    Und genau dieser grammatische Prozess führte zum Ergebnis, das wir kennen.

    Comment by Erinnerung — 11. Februar 2020 @ 09:25

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