göttlichkeit | das göttliche

für C. M.

tragen wir einen vers ins haus
legen wir ihn
neben die post die briefe
aus einem anderen lebenschuppt der himmel sein blau ab
die kindheit ihre letzten unbeschwerten tränen
sind des himmels treiben gratwanderungen
der kindheit verseaufschauend ins wolkenleere
gießt sich ein tag über den anderen
eine nacht über die andere
ein leben über eine kurze verschnaufpause

wolltest du dieses einerlei an rhythmischen störungen
feilst du zeile für zeile worte
treibst du sie wie man silber treibt
oder gras oder noch viel unerklärbarere dinge

wir zögern
warten auf ein klingeln an der tür
aber es kommt keiner
wieder nicht

trommeln die nachbarn ärzte herbei
magier schamanen sogar einen zwerg
der singen kann
schaurigschöne töne für die einsamkeit

rabenrufen am abendhimmel
gottgewimmer

.

[geschrieben im Sommer 2019, Waldkirch]

Dieser Beitrag wurde von Werner Weimar-Mazur am 7. Februar 2020 um 18:22 Uhr geschrieben.

Genre: Trauersymmetrie

1 Kommentar »

  1. wolltest du dieses…(text mit genau einem Satzzeichen, dem schluss/ß-pkt.)

    ?

    Irgendwann hatten sie die Regeln geändert. Von da an machte es wirklich keinen Spaß mehr: objektiv war man genötigt, Herakles zu geben, subjektiv aber dazu verdammt, sich von Herkules abzugrenzen. Auftrag: den Tiger reiten – die Satem/kentum-Grenze verwalten, als hand’le es sich um irgend’nen Tiefseegraben. Letztlich: Tiefe heucheln. Wo doch alles ganz flach war.
    Und mit der Reform war dann alles vorbei.
    Überall Krieg, Kleinstadtethi

    k

    Comment by Zweifel — 19. Februar 2020 @ 09:54

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