Autor-Archive: Theodor Holz

Über Theodor Holz

geb. in Dresden im Herbst 1989, hab die Wendewirren mit der Muttermilch aufgesogen, Pflastersteine wurden aus dem Bahnhofsvorplatz gerissen und flogen knapp an meinem Kinderwagen vorbei, meine Mutter konnte ihren Beruf als Jungpionierleiterin auf dem Albrechtsberg nicht mehr ausüben, sie nahm an einer Umschulung zur Altenpflegerin teil, während ich brav die Kreuzschule besuchte.

gefuselt : gefaselt

Von | 31. Januar 2015

Abhängen : müde wischen die Finger übers übersensible Glas : das die Gesichter beleuchtet : was hat man sich Noch zu sagen : alles flimmert und schimmert irgendwie Auf : Orkus tanzender Buchstaben : zerknautschtes Sternchenkostüm : da hetzt sich noch einer mit wirr Klarem Blick : eilig die Nachricht gefuselt : gefaselt Auf den… Weiterlesen »

neujahr in florenc

Von | 3. Januar 2015

unter den gleisen der hochbahn liegen wir sie schwebt davon auf dem gewölbten bett rote speisewaggons : blaue für rollstuhlfahrer in grünen sitzen lauter Niemand : braune güterwagen hasten polternd vorüber die alarmsirene eines autos : dem sich jemand zu dicht näherte : weckt die einst torkelnden kinder im laufschritt : im zickzack wackeln sie… Weiterlesen »

Vergessengeglaubte : Schlünde

Von | 12. November 2014

Der Herbst fängt sachte an : die Wärme Wächst noch Tag um Tag : die Nächte nur Sind kälter : pastellfarben schmücken sich Häuser mit Blättern : halb verfallen Sind Mauern und Bäume : halb sind sie Frisch gestrichen : der Absturz kommt Das ungewohnte Wecken : Polizisten Brechen durch die Tür : umringen Das… Weiterlesen »

aufrecht gebogen

Von | 22. September 2014

ich bin nur noch selten allein : sehe den sonnenuntergang hinterm baumgewölbe : das der wind von westen her kahl geschoren hat : wie sind die äste aufrecht gebogen : wie sterben sie ab mit der zeit : wenn sich blökend das schaf meldet aus der nachbarlichen einsamkeit : ich bin nicht selten ein schaf… Weiterlesen »

das mädchen

Von | 10. September 2014

wohnt im sommer am see : es hat seine wohnung im bauwagen : die fenster vernagelt mit sperrholz kehrt es um mitternacht heim : wenn am see alles still ist außer den springenden karpfen die ins wasser klatschen : wenn die trinker heimgetorkelt sind : schleicht sie im dunkeln zum wagen : öffnet das schloß… Weiterlesen »

der angler

Von | 16. August 2014

der angler liebt die nacht : mit lichtern sucht er im see : was sich im dunkeln locken läßt : ruhlose geduld darin üben sich die männer : reglos scheints : im liegestuhl : die angel aufgespannt wie ein gewehr : das zielt ins nichts : die frauen schleppen eimerchen und brötchen hinterher und dann… Weiterlesen »

Das Wochenende

Von | 13. August 2014

am wochenende rücken sie an : in dichten kolonnen kreuzen die wagen die bahn : parken auf schürfiger heide : bevorzugt der platz am see : blick aufs andere ufer : sehnsuchtsvoll düster vernebelte berge : dafür lohnt es sich daß mama und papa werktags vorausfahren die stelle besetzen : den wagen abstellen die trutzburg… Weiterlesen »

im sommer

Von | 31. Juli 2014

im sommer tun alle das gleiche : ins grüne fährt selbst der schwarzseher : selbst technikgläubige werfen ihre kinder in die luft : lahme mütter toben über wiesen platziern am strand die sonnenbrille rettend im gesicht : niemand will erkannt werden im strom : niemand hört auf zu genießen niemand will der erste sein :… Weiterlesen »

Lang vorbei

Von | 3. Juli 2014

Der Messebleistift ragt durchs Laub : im Gras Spazieren Schwäne : sie fauchen furchtbar Nahst du dich den Jungen : die Menschenkinder Schaukeln jauchzend : die Flüsse überfluten Öfter dieses Fleckchen Land : im Sommer Wenn die Gletscher schmelzen : steigt das Wasser Die Hoch + Tief : Betriebe stört das nicht Sie ragen blechern… Weiterlesen »

Zittern : drei Uhr

Von | 14. Mai 2014

Um Mitternacht : Vollmond Wir sehen ihn nicht : wir sehn im Film einen Verrückten : der An „Stürme“ glaubt : wie wir An das „Guten Morgen“ : wir schalten Ab & an : wie’s uns gefällt : unterm hölzernen Dachboden : beinahe familiär diese Runde Einander fremder Menschen : die sich hier Zum Filmegucken… Weiterlesen »

sich : unmerklich

Von | 7. Mai 2014

manche Träume fliehen : im Licht des Morgens sind sie fort wer vermag es : ihnen zu folgen : manche Träume verkleinern und verstecken sich : in den Seiten eines Buchs nur der Geist vermag : sie einzufangen : mit ihnen zu spielen : manche Träume vergrößern sich : unmerklich werden sie zu einem Stück… Weiterlesen »

land : fleisch : fasten

Von | 3. März 2014

Komik : sagt man : sei Tragödie plus Zeit Diese Mädchen mit den blaugeschlagenen Augen Auf dem Karneval : alles nur Schminke Sie spielen ihren Missbrauch nach : die Jungs Gestreift : spielen Sträfling oder Scheich Träumend : vier Häschen im Schlepptau Der Boden klebt von Bier & Konfetti : die ersten Schnapsleichen fallen um… Weiterlesen »

Du könntest Gitarre

Von | 12. Februar 2014

Auf dem Land hörst du die Stille : wenn ein Vogel Schreit : der den Abflug nach Süden verpasst hat Berlin ist nah : und doch bekämpfst du das Verlassensein Mit Arbeit : Tierefüttern : Ausmisten : Kochen und Trinken Das ist das Hobby der Nachbarn : sie hocken unter roten Lampions Und löten sich… Weiterlesen »

schnee : verlorne

Von | 24. Januar 2014

Erster schnee : verlorne liebe Zur natur : hol dir die ohr- Feige ab : alter dichter- Sack : dafür daß du noch Immer am wetter hängst Wie andre am dysfunktionalen Strukturalismus : dieses zarte Weiß auf den zweigen hast du Nicht verdient : schließ Die augen : wenn du unter Ihnen entlangfährst : landest… Weiterlesen »

Winterillusion

Von | 19. Januar 2014

Schnee ist gefallen : zart ziert er das Geländer Grellweiss : unbestechlich : kalt Lädt er ein zur Berührung : das erste Mal In diesem Jahr : das keinen Winter kennt Ich trete näher : will ihn fassen Es ist der Mond : der hier herabgerieselt ist Fast Vollmond : täuschend : schneeweiß

Zwickau : Äußere Plauensche

Von | 6. Dezember 2013

Alles ist angemalt : alles ist ausgebaut Sächsischer Barock : Bergbauinsignien Die Mulde strömt eingezwängt durchs Tal Liebliche Figürchen auf Säulen und Treppen Sauber ist diese Stadt : adrette Menschen In mittlerem Alter stöckeln ins Kino : ruhiger Feierabend : und was sehe ich Verfallene Straßen : die Äußere Plauensche Das Dunkelgrauschwarz der Häuser :… Weiterlesen »

Die früh Verwöhnten

Von | 30. Oktober 2013

Die früh Verwöhnten kuscheln brav Im Bett : am Bildschirm hocken sie die halbe Nacht : der Vollmond   Interessiert sie nicht & nicht der Sturm : der Durch die Esche rauscht : das ist zuviel Natur Ein Schritt zuviel vors Haus : sie warten ab   Beim Nachbarn brennts : die Flammen Greifen über… Weiterlesen »

wir dichter

Von | 11. Oktober 2013

wir dichter sind freundliche schafe : lassen uns herumführen von ort zu ort : immer einen scherz auf der zunge : dabei sind wir melancholisch nur aufzuheitern durch gutes essen : bitte drei gänge und ein paar gläser wein oder zwei flaschen bier damit sind wir schon zufrieden und lassen uns herumkutschieren : kreuz und… Weiterlesen »

die akazie am haus

Von | 17. September 2013

die akazie am haus trägt erste gelbe blätter : braune schalen knorriger samen hängen herab wespen flirren aus ihren verstecken : der regen floh in den teich : pflaumen fallen geräuschvoll zur erde und geben im gras kleinen tieren ein fettes mahl und die menschen : schlafwandlerisch treten sie aus ihren hütten die kapelle ist… Weiterlesen »

Blick über die Dächer

Von | 8. September 2013

Lady Belgrad ist verschont geblieben : Titos schwarze Muse am Rande der Stadt : sie zeigt uns ihren kleinen Finger welche Botschaft sie sendet : wir wissen es nicht den Generalstab hat es getroffen : ein paar Meter weiter die Ruine : ein Blickfang für Reisende aus dem Westen nur wenige zieht es hierher :… Weiterlesen »

seltsame : gebärden

Von | 2. September 2013

wir männer : wie verfallen wir dem weib und brüsten uns mit macht : potenz und narretei wir knien nachts vor ihrem schoß der doch verschlossen bleibt und bloß ein lächeln ernten wir und lächeln schmerzverzerrt zurück : nichts wissen wir von schmerzen : ein scherz wars nur : ein balgen : schlaffe säfte früh… Weiterlesen »

individualisierter : massenbetrieb

Von | 9. August 2013

alle drei stunden : ein neu geborenes alle drei minuten : jähes schreien alle drei tage : eine andere bettenbelegung und jederzeit : verklärte blicke sachtes schlurfen der frisch entbundenen beim ersten gang über den gang verhaltenes flüstern kräftiger männer alle drei sekunden : huscht eine schwester in rosa vorbei : majästetisch wehen die offenen… Weiterlesen »

Buch : Messe

Von | 21. Juli 2013

Die Hügel mit Hallen von Bauhaus bebaut : rotweiß Die Leuchtschrift : dahinter vom Schnee besprenkelte Bäume : wohin wendet der Blick sich Noch ist nicht die ganze Ebene verbaut : wem flüstert Der Dichter sein Herzwort ins Ohr : kein Haßwort : kein Hetzwort : in wessen Hand Liegt das Wort : wenn es… Weiterlesen »

das wars : also

Von | 21. Juni 2013

eingeschlafen mit blick auf eine gelöcherte decke : grauweiß : kunststoff auch mein schlaf ist künstlich : fein dosiert der cocktail fließt durch den handrücken direkt ins blut : im rachen steckt eine röhre ich bekomme von all dem nichts mit die schwestern umschwärmen die betten wie stewardessen : wo bin ich : zur getakteten… Weiterlesen »

old : timer

Von | 12. Juni 2013

so bin ich unter die alten autos gegangen das hintere rad krachte : achsenbruch mensch : dreiundvierzig : das ist doch kein alter für so ‘ne maschine : verschleiß- teile austauschen : weiter geht die fahrt : hinauf : hinab : schneller vollbremsung : wenns doch so einfach wäre : was kaputt ist zu ersetzen… Weiterlesen »

frühjahr : rochade

Von | 5. Juni 2013

in diesem frühjahr bleibt der himmel trübe : die büsche wachsen nicht : der baum bleibt klein die wiese wandelt sich : in einen sumpf die fliegen kriechen lahm am fenster lang : der regen fällt : er fällt und fällt : wir schließen uns in flache hütten ein : die flut springt hoch die… Weiterlesen »

die : vögel

Von | 3. Juni 2013

kehren nach dem regen auf die bäume zurück : wo haben sie sich vor den tiefliegenden wolken versteckt : die tagelang schwarz über unseren köpfen kreisten : um ihre feuchte fracht abzuladen : die ihnen das mittelmeer aufbürdet : im sommer kennt das wasser keine grenzen : die flüsse verwandeln sich in seen : habe… Weiterlesen »

soziales : wesen

Von | 30. Mai 2013

der mensch ist ein soziales wesen : versammelt sich ums feuer : ob christ : ob atheist gemeinschaftlich gegrilltes ißt sich besser : wenn erst die korken fliegen und die frauchen jauchzen dann steigt das fest : wer steigt dann nicht voll freude übern nachbarn her : wer zieht die einsamkeit des zimmers vor :… Weiterlesen »