Ideen

IDEEN

Gute Ideen reifen

 heran. Menschen, die dies begreifen,

 werden bevorzugt von Geistesblitzen befallen.

 Ideen fühlen sich unwohl in Fabrikhallen

 und Büros. Außerhalb von geschlossenen Räumen

 suchen sie sich Leute, die ihren Tagträumen

 in ihren Gedanken gewisse Plätze einräumen.

 Ideen kommen gern beim Spaziergang zwischen Bäumen.

Machtmenschen beweisen,

dass Gedanken auch nur um Geld kreisen

 können, ganz ohne eigene Ideen.

 Weil sie sich darauf oft bestens verstehen.

 Wann und wo nimmt dich gelegentlich

 ein Geistesblitz

 in Besitz?

 Kannst du, ohne lang zu überlegen,

 Leute nennen, die mit Ideen etwas bewegen?

 Wie viele Prominente sind kreativ

 und wurden von allen erst einmal schief

 angeschaut?

 Doch dann haben sie ein Imperium aufgebaut.

 Manch kluger Kopf hat sich einfallsreich

 in seinem Bereich

 nach oben gekämpft. Der eine Sportartikelhersteller

 bringt gute Ideen schneller

 auf den Markt und mancher Modedesigner

 oder Musiker fing als kleiner

 Mann an, seinen Ideen Leben

zu geben.

Vom Auto bis zur Glühbirne:

 Hier boten Erfinder den anderen die Stirne.

 Mancher Mensch mit Erfindergeist

 beweist

 erstaunlich viel Ausdauer und Mut.

 Bis er damit gut

 ankommt, kann längere Zeit vergehen.

 Ausdauernde verstehen

 es bestens, Krisen und Rückschläge zu meistern.

 Vielleicht können sie ja bald viele begeistern,

 mit ihrer Genialität.

 Bekanntlich ist es ja nie zu spät.

mond über marzahn

siehst du den mond

über marzahn

feuermalrot

meine füsse gequetscht

in diese spitzen schuhe

zum grünen kleid

erkennst du die weissen

flügel ohne vögel

überm landsberger tor

gütiger himmel

wie grundlos

du hier bist

ich sehe ihn liebster

aus dem autosessel

erstklassiger mond ja wirklich

hättest deine höhenangst vor mir

nicht langsam abwürgen können

wie ich meine liebe zu dir

vorbei am lindencenter

the very best of dire straits

das phantom

in meinem kopf immer

mehr eingedickt

während du

seesterne zählst

zwischen den schenkeln

am liebsten seh ich dich

von hinten liebster mond

meine lippen fahren

deine haaransätze entlang

mark knopfler pränatal

tigerkrallenwehen rumoren

in meinem unterleib

ahnst du nichts

von der sturzgeburt

eines gefühls

wärmeverlust

zypressungen gezählter tage die trauervögel halten spielaffenfeil und hören nicht mehr auf uns nirgendsmünder alle herzen auf dich gerichtet ein schuss ins blut wird mir dann ewig so klamm sein wütendes sonst du vergehst mir im abklang
ich brauche beobachtungszeit

Ein anderes Lied

Dieses Buch ist meine eigentliche Entdeckung auf der Leipziger Frühjahrsmesse des Jahres 2013. Es hat keinen Preis gewonnen, kein Kritiker hat es hochgelobt oder verrissen, das Mainstream-Feuilleton hat es ignoriert. Lediglich auf einer in Eigenregie von linken Verlagen kuratierten „Bühne“ wurde es kurz vorgestellt. Wodurch sticht dieses Buch – trotz seiner unspektakulären Aufmachung – heraus?

Balabanoff

Dieses Buch erklärt das zwanzigste Jahrhundert. Es ist weder eine Biographie noch ein Geschichtsbuch, es erzählt Geschichte nicht im Stil der neueren britischen Historienlegenden à la Montefiore. Es erschlägt den Leser weder mit Anekdoten noch mit einseitigen, parteilichen Ideologien. Dieses Buch ist die Lebensbilanz einer der wohlhabendsten, großbürgerlichen Töchter der Ukraine, die als junge Frau ihre Familie verließ, um für die Freiheit und Gleichheit der Menschen einzutreten. Geboren 1869, aufgewachsen in einem Schweizer Internat, trat Angelica Balabanoff 1900 in die vier Jahre zuvor gegründete sozialistische Partei Italiens ein. Dank ihrer Sprachbegabung vermittelte sie in der Schweiz zwischen Sozialisten unterschiedlicher Länder: Rosa Luxemburg und Leo Jogiches aus Polen, Clara Zetkin und Karl Liebknecht aus Deutschland, Trotzki und Lenin, dem menschewistischen und dem bolschewistischen Emigranten aus Rußland. 1907 nahm sie am Londoner Parteitag der russischen Sozialdemokraten und am Stuttgarter Treffen der II. Internationale teil. Von 1912 an gab sie mit Benito Mussolini, als dieser noch links war, den Avanti! heraus.

Als die Mobilisierung 1914 den Männern das Überschreiten der Staatsgrenzen in Europa unmöglich werden ließ, organisierte sie mit Clara Zetkin ein Antikriegstreffen von Frauen: Wie konnte es sein, daß die sozialdemokratischen Parteien Europas, die sich jahrzehntelang dem Internationalismus verschworen hatten, nun für den Krieg stimmten, auf die nationalistische Schiene umschwenkten, Burgfrieden mit den Bürgerlichen schlossen, die Arbeiter statt gegen die Ausbeuterei gegeneinander ins Feld schickten und in den Parlamenten eine Staatsverschuldung befürworteten, die den Waffenherstellern enorme Gewinne bescherten?

Während den angeblich „vaterlandslosen Gesellen“ der Sozialdemokratie Verrat am Vaterland vorgeworfen wurde, verrieten die Sozialisten das völkerverbindende sozialistische Ideal. Die mitteleuropäische Aristokratie bäumte sich ein letztes Mal auf und ließ den Nationalismus überkochen. Die patriotische Euphorie, die auch die Sozialisten erfaßte, bildete ein Rätsel: Sie widersprach aller bisherigen Theorie und Praxis der Sozialdemokratie und führte zur Abspaltung der linksextremen Gruppierungen, die sich mit dem Lavieren und Taktieren nicht länger zufrieden geben wollten. Mit dem Schweizer Robert Grimm rief Balabanoff die Zimmerwalder Bewegung ins Leben. Sie vereinte Kriegsgegner aus europäischen Ländern und sollte der Internationale neue Geltung verschaffen.

Torpediert wurde dieses Bemühen von Lenin. Bereits lange vor der russischen Revolution entwickelte er Techniken des Verzögerns, Verleumdens und der Haarspalterei, um gemeinsame Resolutionen gegen den Krieg zu verhindern. Lenins – anfänglich noch verstecktes – Ziel bestand darin, die Sozialisten zu entzweien, damit er beweisen konnte, daß er mit seiner Theorie der Revolution recht behalten würde. Dafür war Lenin kein Preis zu hoch und kein Mittel zu schade. Am Ende stellt Balabanoff fest: „Der Bolschewismus wurde erfunden, um den Sozialismus zu vernichten.“ (S. 174)

Während Historiker dazu neigen, Lenin im Kontext der russischen Revolution und als geschichtliches Phänomen zu betrachten, hält Balabanoff an einer psychologischen Sichtweise fest. Lenin ist für sie ein Mann mit speziellen Charaktereigenschaften: Schon im Schweizer Exil zeigte sich sein Hang zur Rechthaberei. Er gab vor, allein zu wissen, wie die proletarische Revolution zu vollziehen sei. Es wäre primitiv, Lenins Beharrlichkeit als Ausdruck der Rache für seinen rebellischen, vom Zarenhof hingerichteten Bruder anzusehen. Vielmehr speist sich Lenins Unerschütterlichkeit aus der mit Argumenten untermauerten Überzeugung, er habe die einzig richtige Theorie der Menschheitsbefreiuung entwickelt.

Aus dieser Überzeugung – die knapp zeitversetzt auftrat zum Unfehlbarkeitsdogma der Päpste von 1870, aber mit diesem nicht zu verwechseln ist, da Lenin, wenn ihn die Umstände zwangen, weiterhin bereit war, sich selbst zu korrigieren – resultierte der revolutionäre Eifer, den andere auch Fanatismus nennen. Erste Kostproben seines Besserwissertums gab Lenin am Rande der Frauenkonferenzen gegen den Krieg, die Clara Zetkin und Balabanoff in der Schweiz zusammenriefen. Lenin entsandte Nadeshda Krupskaja und Sinowjews Frau als Delegierte, doch sie durften weder selbständige Beschlüsse fassen noch frei abstimmen, sondern mußten fortwährend zu Lenin laufen, der nebenan im Café saß und die Linie vorgab. Dies störte die Konferenz gewaltig, doch der Wunsch, Einstimmigkeit im Votum gegen den Krieg zu erzielen, bot Lenin die Steilvorlage, seine extremen Forderungen einzubringen oder die Kriegsgegner zu entzweien. Bei anderen Konferenzteilnehmern flossen Verzweiflungstränen wegen Lenins Starrsinn; er war stolz auf seine Unbeugsamkeit (S. 47 ff.).

Kapitalistische Demokratie produziert Größenwahn: Die Illusion politischer Freiheit verbindet sich mit der Illusion grenzenloser materieller Machbarkeit. Im Verbund spülen sie Zeitgenossen an die Macht, die von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt werden und zu deren Kompensation durch Gewalt und Größenwahn neigen. Hitler, Stalin und Mussolini sind die bekanntesten Vertreter dieser Sorte Emporkömmlinge. Die Linke hat, ohne es zu beabsichtigen, zu ihrem Karrieredreh von links unten nach rechts oben beigetragen. Lenins Strategie der Ab- und Ausgrenzung, die sich die Bolschewiki im Umgang mit Mitstreitern und Personal zu eigen gemacht hat, ließ begeisterte Mitstreiter „für die Sache“ plötzlich in der Gunst fallen, wenn sie nicht mehr gebraucht wurden, anders dachten oder gar ihre abweichende Meinung äußerten. Mit Häme und Härte verfolgt, gesellten sich die Enttäuschten nicht selten voller Haß auf die Linke zum einstigen „Klassenfeind“.

Es gab zwei Anlässe, um bei Lenin in Ungnade zu fallen und zu den Abtrünnigen gezählt zu werden: durch Äußern eigenständiger Gedanken, die Lenins Monopol auf die Wahrheit infrage stellten, und durch einen plötzlichen Interessewandel der Revolutionsführer, durch den die Mitarbeit nicht mehr nützlich, ja sogar überflüssig oder als lästige Konkurrenz erschien. Viele glühende Sozialisten liefen, nachdem die „Avantgarde“ oder „Partei neuen Typs“ sie ausgenutzt und abgehalftert hatte, zu den Nazis und Faschisten über. Ein Beispiel dafür war der französische Sozialist Henri Guilbeaux. Er wurde von Lenin benötigt, um mit einer Stimme Mehrheit einen Beschluß der Kommunistischen Internationale zu fassen und wurde dafür extra mit einem Sonderzug nach Moskau gefahren. „Doch als die Bolschewiki ihn nicht mehr benötigten, überließen sie Guilbeaux seinem Schicksal. Nachdem er ernst genommen hatte, was sie ihm vorher über die Wichtigkeit seiner Person zu verstehen gegeben hatten, war er zutiefst verletzt und verließ Rußland als ein erbitterter Feind. Er starb einige Jahre später in Deutschland als Antisemit und Faschist.“ (S. 71)

Wer nicht zum Faschismus überlief, wurde in Rußland ins Lager gesteckt oder ermordet. So erging es Trotzki, Kamenew, Sinowjew, Karl Radek, Fritz Platten, Willi Münzenberg, Krestinski, Gorbunow, Hugo Eberlein, Bucharin, Bratman-Brodowski, um nur die prominentesten zu nennen. Vernichten oder verleumden – andere Alternativen gab es nicht. Um den aufrichtigen Sozialisten Serrati, der den Bolschewiki mit Hilfsgütern in der Bürgerkriegszeit geholfen hatte, als angeblichen Konterrevolutionär zu denunzieren, wurde ihm ein angeblicher Kommunist als Vertreter der italienischen Linken gegenüber gestellt: Bombacci war ein „oberflächlicher, ehrgeiziger, prinzipienloser Mensch, den die Bolschewiki als Werkzeug für ihre Intrigen gegen Serrati gebrauchten … Als die Bolschwiki ihn nicht mehr brauchten, enthoben sie Bombacci all seiner Ehrenämter und kümmerten sich nicht mehr um ihn. Als er merkte, daß man ihn als Werkzeug benutzt hatte und keine Aussicht mehr für ihn bestand, eine Rolle in der Internationale zu spielen, verließ er Rußland und wurde zum heftigsten Feind der Bolschewiki und der Arbeiterbewegung überhaupt. Er bot Mussolini seine Dienste an und wurde einer seiner begeistertsten Jünger.“ (S. 101 f.) Am Ende wurde er zusammen mit Mussolini und dessen Freundin hingerichtet und an einer Tankstelle zur Abschreckung der Leute mit dem Kopf nach unten aufgehangen.

Noch Gorbatschow ließ als Generalsekretär keine Gelegenheit aus, die Besinnung auf Lenin zu predigen, der ihm dank seines frühen Todes als reiner Verfechter der gerechten Sache erschien. Wer glaubt, die brutale Verfolgung von Linken durch Kommunisten habe erst unter Stalin begonnen, dem singt Balabanoff ein anderes Lied. Im Unterschied zu heutigen Historikern kannte sie Lenin persönlich, als Mitstreiterin; sie war ihm wohlgesonnen und konnte ihm auf Augenhöhe begegnen. Nur im Kontrast zum Massenmörder Stalin erschien der Zynismus Lenins weniger gravierend. Lenin war es, der, um Recht zu behalten, Menschenwürde und Moral geopfert hat. Eine Bewegung, die sich die Verbesserung der menschlichen Verhältnisse auf die Fahne schreibt, aber im Kampf den Menschen nicht Mensch sein läßt, sondern als Mittel zum Zweck benutzt, muß verlieren. Sie wirkt sich um so verheerender aus, je mehr ihre Verfechter das Gute glauben.

Und wodurch wird Balabanoffs Buch zur Entdeckung? Sie schrieb es nach der Niederschlagung des Aufstands in Ungarn 1956. 1959 wurde es erstmals veröffentlicht: in Italien. Im Alter von 90 Jahren übersetzte es die polyglotte Frau selbst ins Deutsche und es erschien 1961 in einem Hannoveraner Verlag: im Westen nahezu unbeachtet, im Osten wäre es verboten worden. Daß der Dietz-Verlag diesen gesunkenen Schatz erneut geborgen und in überarbeiteter Fassung herausgebracht hat, eröffnet die Chance, ihn erstmals wahrzunehmen.

Angelica Balabanoff: Lenin oder Der Zweck heiligt die Mittel, Berlin: Karl Dietz, 2013

Mistkäfer im Glas – flieg!

Für Maris

Als Viviane noch klein war, mussten ihre Eltern alle Kleintiere vor ihr verschlossen halten. Denn Viviane aß alles auf: Motten, Fruchtfliegen, Mistkäfer, Scheißhausfliegen. Sie sammelte sie in einem kleinen Glas mit Schraubverschluss, das sie ihrer Mutter unter Bitten und Betteln abgerungen hatte. Darin summte und brummte es alsbald geschäftig vor wild und panisch gewordenem Viehzeug. Sobald die Panik ihren Höhepunkt zu erreichen drohte und die krabbelnden und brummenden Tierchen sich allmählich gegenseitig lästig zu werden begannen, hatte Vivianes Lebensfreude ebenfalls ein bemerkenswertes Hoch erreicht. Sie schüttelte das Glas in ihrer linken Hand, sie hüpfte auf und nieder wie ein Zirkuspferd im Galopp und öffnete ihren kirschroten Kindermund. Die kleinen Zähnchen schimmerten weiß und glänzend, die zierliche Zunge schnellte hervor, während Viviane das Glas öffnete, und mit äußerst geschickter Bewegung einen Mistkäfer ein fing. Der Mistkäfer, goldbraun und behäbig, mit einer Art Lesebrille auf der Nase, ahnte was ihm bevorstand. Er war lange Zeit Professor für Philologie an der Privatuniversität für alle Mistkäfer des Landkreises Braunschweig-Wolfenbüttel gewesen. Viviane hingegen war ein eitles und dummes Menschengeschöpf und hatte keinerlei Sinn für den vollendeten Geist eines promovierten Mistkäfers, der zudem noch eine Art Lesebrille auf den Fühlern trug. Mistkäfer – besonders intelligente – tun sich in der Regel recht schwer. Denn sie glauben stur an die Möglichkeit, es im Guten, also im Gespräch mit Kindern wie Viviane zu versuchen. Ach, Viviane war im Guten nicht beizukommen! Sie sperrte ihre Mutter mitten im Winter auf dem Balkon aus, öffnete unerlaubt Türchen vom Adventskalender und malte Kreise und Spiralen, häßlich und absonderlich, in bizarren Farben auf die Kinderzimmertapete.

Der böse Prinz

Die Lesebrille

Eine Geschichte für Maris

Die verlassene Stadt lag hinter einem Berg. Dieser Berg wurde von einem Zwerg bewacht, der nur deshalb einer war, weil sich Berg auf Zwerg reimt. Der Zwerg war einen Meter sechzig hoch und hatte graue Haare. Heute Mittag, es war so ein grauer Tag mit Matsch und Schnee, schälte der Zwerg Pilze. Diese Pilze kamen später in ein Schälchen und wurden dem bösen Prinzen dargereicht. Der böse Prinz war alt, dunkelhaarig und trug eine Lesebrille. Diese Lesebrille war sein ganzer Stolz, er hatte sie bei Rossmann gekauft, und sie stand ihm überhaupt nicht. Sie war klobig, eckig und rutschte ihm ständig von der Nase. Der böse Prinz war ein besonders eifriger Leser. Der Zwerg las hingegen recht wenig; er schälte lieber pilze, scheuerte die Toilette oder wusch Strümpfe in einem viel zu kleinen Waschbecken mit viel zu viel Waschpulver, so dass es oft schäumte in dem Berg. Schon von weiten sah man dann riesige Schaumberge aus dem inneren des Berges quellen, sie überschwemmten die Dörfer; und schon Tage bevor man auch nur ahnte, dass der Zwerg wieder einmal Waschtag halten würde, musste die Feuerwehr anrücken und sämtliche Dörfer evakuieren. Manchmal gelang es ihr auch nicht, und so sind schon viele Menschen in den Schaummassen ertrunken. Der Zwerg kicherte leise vor sich hin bei diesem Gedanken. Ja ja, sagte er sich, so rein zu sterben muss eine wahre Wonne sein. Dabei weichte er ein neues paar Strümpfe ein.

Der böse Prinz las und merkte von alledem nichts. Er verließ den Berg nur selten, seit er pensoniert war, und wenn er ihn verließ, so geschah dies nur, wenn er gerade eine neue Brille brauchte oder der Zwerg ihn zum Schneeschippen beordert hatte. Also sah man ihn meist im Winter. So auch heute. Der Zwerg rülpste und schimpfte über das Wetter, der böse Prinz saß fett auf der Couch und las, als ihn der Zwerg mit der Schneeschaufel zum Apell rief. Nachdem er einen kleinen Gang frei geschaufelt hatte, das Wetter noch trüber und düsterer geworden war und der Zwerg die Schneeschaufeltechnik des bösen Prinzen zur Genüge bemängelt hatte, verzehrten sie gemeinsam die Pilze, die der Zwerg geschält und in ein Schälchen getan hatte.

In der verlassenen Stadt leuchtete es. Sie war nicht so verlassen wie sie hieß, obwohl jeder das dachte, denn es ist schwer, den Berg zu überwinden, der von einem Zwerg bewacht und einem bösen Prinzen bewohnt wird, der ständig liest und Lesebrillen bei Rossmann kauft.

Vergeblich

Vergeblich

zeit los

was morgen zu spät

ist heute zu früh

wenn das so ist

ist alles vorbei

und die zukunft

hat die vergangenheit

schon lange

vergessen

Wetterleuchten

Wenn dich etwas drückt

wenn dich etwas stört

wenn dich was ärgert

wenn etwas

nicht so bleiben soll

oder etwas bleiben muss

:du kannst es ändern.

Aber manchmal geht

es nicht von heute

aber meistens

geht es nicht allein.

Und immer nie

geht es ohne dich

wenn sich etwas ändern soll.

Und überhaupt

:es dauert eine zeit

und sowieso

:nicht immer ist sie deine.

Deine zeit

ist unsere,

:nur wenn

wir begreifen:

Unten gegen

oben

Wenn nicht zusammen

wie denn sonst

sonst geht es nie

was bleibt ist?

Deine zeit ist

unsere ist deine

:bald!

© Niko2602012

Wörtermörder

Ganz normale Wörtermörder

 

Nein sie hat veabscheuend +

… verschiedenes gesagt aber

nie wie du gemeint weil

es war donnerstag und hinterher auch nicht

streit wo immer keiner was

immer einer meinte ganz kausal

:nie banal + definitiv deshalb

authentisch, nicht genitiv

zumindest ichnichtich

es gibt assoziationsketten

total vergessen?

 

Dreimal geraten du schizzo wörterauseinander

zusammenfallen alles durcheinander weil

nein nicht immer für alles eine erlaubnis

für welche sprache früher

ging vieles schon mal gar nicht

 

weil schizzo fetzen wörter

setzen kann doch jeder

bloss rein linguistisch

deskriptiv

war alles einfach?

 

geh mir weg mit sickofsick

nie normativ spinnen geht so

schon mal gar nicht

und immer gibt es einen sinn

 

sonst heißt es wieder

jeder spinnt für sik of

sik allein

sik o soft?

 

mal wieder

die asche

in die tonne treten

die tage folgen

 

fast auch gestorben

die letzten tage

mit drohenden türen

 

zeigen sich

:verschlossen

bastian hat nicht

 

gewonnen.

(Die Brüder Grimm sind erste Pflicht)

 

 

Gottlos

Die natur kommt ohne gott aus

wenn sie nicht sich hindern läßt

durch uns durch gläubige

geht sie ihren weg nach darwin &

lässt den glauben hinter sich

ach lasst uns leben einfach so

:sagen die kreaturen.

vor dem tiefdruckgebiet

im kopf taucht ab und

an der himmel zwischen

den wolken auf um luft

zu holen ist das haus mit

fenstern bebrillt die vögel

kehren heim ins exil ihres

gesangs

Früher, oder: die Zukunft im Glas

Bei vielem verspürt er ein zeitraubendes Gefühl. Früher war die Zukunft schöner – aber: in der Zukunft ist es nicht besonderer als zu Haus. Und deshalb nehmen Sie sich und andere nicht so ernst, das spart. Zeit und Energie, Masse und Bewegung. Sobald es stockdunkel ist, beginnt die Zirbeldrüse mit ihrer Produktion.

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zwei gründe

wie glücklich, der wer stirbt

und auf seinem grabstein steht

er hatte keine chance

:und trotzdem

wie tot sind jedoch alle

die jammern, wir doch

hatten keine chancen niemals

und deshalb …

Liebeserklärung

Liebeserklärung

Pinselstriche ins Gesicht

streicheln wortreich

:malen

kann ich leider nicht

mit meinen worten

mein ich dich

Rätsel

Rätsel

Lass mich zu hause sein, wenn ich dich besuche

und wenn du gegangen bist, nie ratlos rastlos

nie vergessen

meinen weg zurück zu dir

mir eine fremdvertraute

lass mich sein!

Lass dich zu hause sein, wenn du mich besuchst

und wenn ich geh, dann bleib bei dir

und wenn du gehst dann weiß ich

:du bleibst DU bei mir.

Fischschwanzschatulle

Ortho-Oxe Krallenpartie.
Perrythmie der Zungenlunge.
Daumenschmaus.
Lärchenknopf
Häm
e
am
Seilband
der
Küchenschwalbe.

Gesang eines Abwesenden

AusgeXt die Fontäne

Vor dem Schloss, die ehe-

Mals schwebende Kugel

Hängt zwischen Himmel & Erde

 

Goldener Ball, Quadratur des Lebens

Auf der blanken Fläche

Hinter der Grenze steckt

Die Verbindung der Teile zum Nichtigen

 

Nicht das Ganze & nicht der Teil

Suchen die Klumpen im Wesen

Mensch sich zu finden, drift-

End von Ost nach West

Süd nach Nord

 

XX

 

Diamantene Klarheit, geschliffenes

Wasser vom Grunde der Flut Fl

N – II

2. Teil einer Serie für Spezialisten in Weichteilchenphysik

Zwischenmenschliche, freundschaftliche oder auch erotisch-sinnliche Bande zu häuslichen Mitbewohnern können begütigend sein: hier wurde schon so manchem sehr geholfen – unter anderem. Nachts: Im Schlafanzug knapp vorm Geländer: Schwerpunktsenergie zum Quadrat. In der Morgendämmerung: Nackt im Aufzug: Bruchteil des maximal möglichen Longitudinalimpulses. Zur Mittagsstunde: In praller Sonne, mit dem Paar Hausschuhen auf dem Kopf, am Briefkasten: 3-Jet-Ereignisse: Indiz für die Existenz von Gluonen. Da hat sie ihn dann ganz sanft bei der Hand genommen, in die eigene Wohnung zurück geführt und psch-psch gemacht. Sie, ich und er wünschen Euch allen ein besonders schönes Osterfest.

Weiße Riesen

die tatsache
dass bisher
ichduersiees
noch keine freien
quarks gemessen
werden konnten
jajajajajaaaa
stellt eines
der größten
ungelösten
stupsrästsel
der nichtvirtuellen
weichteilchenphysik
dar

kein quark!
(w.z.b.w.)

Schwarze Löcher

Schwarze Löcher

deklinieren, konjugieren?

Ich stupse du stupst er stupst

sie und ES

In meinen virtuellen welten

bin ich nie einsam

und bilde mir

:ich bilde

bildest du wer

bildet mir

er und es & es & sie

ach himmel

stupst und wie

also noch einmal

wer bildet mit

ich&du&erersie&Es

und wir, wie bitte nie?

es bildet sich

was bitte?

im Weltraum

bilden wir uns ein

digital & virtuell

niemals

nicht mehr

einsam?

© Niko, 30122012

Wislawa in der Manteltasche

oder:
Die nützliche Reise
oder:
Das Ende der Selbstgespräche

Dem eigenen Vorgarten mal wieder entkommen. Das ist Glück. Von Zeit zu Zeit. Allem zu entkommen was allzu vertraut ist. Es gibt kein bessres Elexier. Sagte ich mir. Brich auf, brich ab, brich nicht den Stab. Über das Fremde. Das Rohe, das Graue, das Harte, das Weiche. Wird so viel geredet. Sagte ich mir. Such das Gespräch mit dem Stein. Und finde Hundert Freuden. Mitten im Winter. Im widrigen Winter. Und setzte den Fuß vor die Tür.
Je ost desto best. Hatte ich gesagt. Und promt bekommen, was ich verdiente. Den eisigen Ostwind. Ein tobendes Meer. Der Strand menschenleer. Eine erstarrte Wüste. Jeder einzelne Stein thronte festgefroren auf seinem eigenen Sandhügel, nach hinten (oder war es vorn?) mit einem kleinen Schweif versehn. Jedem sein Schiffchen. Dachte ich. Eine ganze Armada. Bereit. Wozu. Abweisend und stumm. Warum. Fragte ich mich. Ich klopfe an die Tür des Steins…Geh weg, sagt der Stein..ich hab keine Tür….
Na egal, sagte ich mir, rede ich eben mit den Wanderdünen. Aber die warfen mich ab. Wie eine lästige Ameise. Rückwärts rollend oder auf dem Bauch hinunterrutschend, mit lang ausgestreckten Armen zum Gipfel, endete jeder Versuch, sie zu erklimmen. Glatt, gefroren, unnahbar wie Pyramiden. So standen sie da und schwiegen.
Und das Wasser ? Das Wasser blähte sich auf und machte einen Höllenlärm. Doch sobald die Gischt das Ufer erreicht hatte, erstarrte sie zu Perlen. Ein stilles zartes Eisgewebe. Unter den tiefgefrorenen Sandschollen hingen Myriaden von Eiszapfen.
Wie wunderbar, sagte ich mir, und erweiterte den Sehschlitz zwischen Schal und Schapka um einige Millimeter.
Nach 2 Stunden aber hingen mir die Füße wie Eishufe am Bein. Ich erreichte mit Mühe die Krüppelkiefern und lahmte auf Elch- und Schweinepfad zurück ins Dorf.
Der Ort schien ausgestorben. Die Straßen leer, die Fischerbuden zugenagelt. Verriegelte Fensterläden, verschlossene Türen. Und überall das kleine Schild mit seiner großen Drohung: video monitoring. Mir wurde unbehaglich. Und hungrig war ich auch. Keine Sprotte weit und breit. Dafür schwarzer Rauch. Aus grauen Häusern.
Kein Rauch ohne Feuer. Sagte ich mir. Kein Feuer ohne Mensch. Meistens jedenfalls.

Bei Bigos und Wodka kam ich zu mir. Die erste Verklärung hatte sich schnell gelegt, sozusagen in Rauch aufgelöst. Stinkender Torfrauch. Wo war ich hingeraten. Dazu diese Sprache. Furchtbar. Nicht zu verstehen. Geschweige denn zu sprechen. Chrzaszcz brzmi w trzcinie. Ein Käfer zirpt im Schilf. Ich – verfiel in Schweigen. Wochenlang. Sagte ich mir nichts. Fragte ich mich nichts. Die Worte um mich herum blieben unverständlich. Und ich blieb stumm.
Selten so viel verstanden…Lob der Schwester…Meine Schwester schreibt keine Gedichte…

Emotionen im Glas

Dinge im Glas – Teil 2

Vor einem Jahr standen wir ratlos vor den Einmachgläsern: alte Kartoffeln, frischer Spargel von anno darzumal, Sauerkirschen, Erdbeeren mit Braunstich und dünnen Haaren, schrumpliger Haut, Gurken, die in ewiger Starre miteinander kämpfen. Heute wissen wir, dass es sich dabei um Emotionen handelt. Wer hätte das für möglich gehalten. Erzählen wollen wir davon, doch uns fehlen die Worte.

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Die Kapitänin verläßt das Schiff

Wir hatten es geahnt: Fräulein Pikante fühlte sich zu Höherem berufen und wir sollten vorsichtig sein in unserer Schilderung, um nicht ihren Argwohn zu erregen, an den sie sich gewiß erinnern würde, wenn sie einst Ministerin oder Ministerpräsidentin geworden war. Welch fernes Ziel am leuchtenden Horizont, welch Jubel unter den Spatzen und Möwen auf ihrem Weg durch den stolzen Himmel.

Noch aber träumte sie, die Schule sei ein edles, weißes Kreuzfahrtschiff, auf dem sich die Schüler als Passagiere fröhlich tummelten, und noch sei sie nur Kapitän, besser gesagt Kapitänin. Dabei war ihr nicht entgangen, daß das Schiff auf Grund gelaufen war, daß es festsaß, während auf dem Deck und den Zwischendecks gebadet und getanzt wurde. Der Steuermann, ein attraktiver Mann, der viel über den Wind und die Windrose zu reden wußte, aber wegen seines Heimwehs die nahen Seewege entlang der Küste bevorzugte, hatte die Felsen übersehen, die knapp unter der Wasseroberfläche lauerten. Er hatte die Passagiere auf die Schönheit der Landschaft hingewiesen, die von Bord aus bequem zu sehen war. Währenddessen tönte vom Kiel ein knirschendes Geräusch herauf.

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Die Kapitänin hatte es geahnt: Sie mochte ihren attraktiven Steuermann und blinzelte ihm gerne zu, aber sie vertraute ihm nicht, denn sie vertraute niemandem. Der Steuermann hatte Talent, schöne Geschichten zu erzählen, doch das Steuer zu bedienen, mit dieser Fähigkeit war er nicht gesegnet. Die Kapitänin, die ebenfalls die Arbeit scheute, sobald sie konkreten und unmittelbaren Charakter annahm, ahnte, daß zwei Schönredner auf der Kommandobrücke früher oder später ins Verderben führen würden. Für diesen Fall hatte sie vorgesorgt.

Nun geschah es: Es knirschte und das Schiff hing fest. Die Wellen plätscherten sanft an die Außenhaut, kein Grund zur Panik. Der Steuermann lächelte und behauptete, Herr der Lage zu sein. Die Kapitänin lächelte zurück und behauptete, man habe die Zukunft fest im Blick. Haha, die Zukunft. Wie ihr die Mannschaft und die Passagiere an den Lippen hingen! Entzückend, wie hörig sie ihr alle waren, fast alle.

Noch während sie sprach, erteilte sie ihrem Schiffsjungen flüsternd den Befehl, ein Rettungsboot loszutäuen. Jaja, die Retterin müsse sich, logisch, zuallererst selbst retten, sonst könne sie niemandem weiterhelfen. Nichts außer der Zukunft des Schiffes und der Reise stünde ihr im Sinn, flötete sie laut vernehmlich, um die verhaltenen Zweifler unter den Schiffsoffizieren zum Schweigen zu bringen.

Währenddessen hatte sie ihr Täschchen gepackt und gab vor, auf die Kommandobrücke zurückzukehren. Bog kurz davor ab und bestieg das Rettungsboot, das ihr Adjudant zu Wasser ließ, sich hineinschwang und mit ihr davonruderte, so rasch er konnte. Wußte er doch als erfahrener Leichtmatrose, welchen Abwärtssog das sinkende Schiff entfalten würde, wenn es einmal vom Felsen abrutschte in die Tiefe des Meeres.

Kaum waren sie zweihundert Meter entfernt, da kippte das Schiff, es neigte sich um zehn Grad, die Gläser fielen von den Tischen. Die Passagiere aber feierten weiter, als sei nichts geschehen. Sie waren wie Jugendliche derart betrunken oder berauscht, daß sie die Kippbewegung des Schiffes so wenig wahrnahmen wie das Klirren der Gläser.

Die Mannschaft aber war bestürzt. Eilends schickte sie den stellvertretenden Offizier auf die Kommandobrücke, damit er die Befehle der Kapitänin entgegennehme. Der stellvertretende Offizier suchte nicht lange nach ihr: Er hatte schon geahnt, daß sie verduften würde. Doch er sagte nichts; vielmehr erteilte er loyal die Befehle, als wäre seine Herrin noch auf der Brücke, niemand sollte ihr Fehlen bemerken.

Die Kapitänin ließ sich zum Festland rudern. Als sie beobachtete, wie das Schiff kippte, seufzte sie leicht, seufzte aufrichtig, und wandte sich entschlossen der Küste zu, wo die Berge verheißungsvoll im Sonnenlicht blinkten. Plötzlich erstarrte sie: Vor ihr, kurz vorm Ufer, erblickte sie ein zweites Rettungsboot. Darin saß nur ein Mann, der sich ungeschickt mit den Ruderblättern abquälte. Je näher ihm die Kapitänin kam, desto deutlicher zeigte sich auf ihrem Gesicht ein Lächeln: Da vorn ruderte der Steuermann, bald hatte er das Ufer erreicht.

Beide waren gerettet, während hinter ihnen ein langgestrecktes Zischen zu vernehmen war. Das Schiff rutschte schräg vom Felsen in die Tiefe. Die Passagiere sprangen kopfüber ins Meer. Die Mannschaft schrie wilde, unkoordinierte Befehle. Der stellvertretende Offizier blickte versteinert auf die sachten Wellen, die stoisch an die Bordwand plätscherten. So hatte er sich sein Ende nicht vorgestellt.

ronnie

dritter dienstag geköpfte topfpflanze du fädelst deine strichgewimmel wir schmulen unsren aufgespreizten fingerblick dein spitzes gelächter im nirgendwo durchstösst mein kummerkleid bevor ich die beine in die hand nahm und kaum mehr trost war das ungefügte in den tagen vor ronnie wird gefügig in sänften als ob das leben sinn ergäbe der grosse cy dir über die schulter lugt zwölfmal die schlacht von lepanto vier versuche deinen reissverschluss zu schliessen alle wörter wie schlieren immergleich versiegt

wider so schöhn

berührung schrei mich in deine aufgründe liebst du auch meinen gaumen obwohl ich die tiefroten rosen wie wenn du hinter mir gestanden hättest wieder zurückgestellt habe ich vermisste pracht ausgemurmelte verwehungen dein aufduften mit jedem tag aus denen man mich minütig schneidet vervollkommnet wahrannahme auserwacht du weisst dazwischen darf die sonne somnabuhlen mit meinen sich dahinschleppenden widerholungen lass es ohne e lass es ohne e hast du gesagt und wurdest immer lauter immer lauter wie mich fesseln wie dich an mir vertun abtropfen bei mir im erinnern war noch nie juni es straucht sich meist alles auf und dann erscheinen du-aufschreie warum muss ich immer alles zerstören 

sprachlos

Sprachlos

wieviel blut

in deinen schönen lippen

dein gesicht spricht bände

gesehen hab ich dich

nur einmal

vergessen?

Werd ich Dich

:nicht

sprachwut

ich sattel meine verse

lass worte rasen

:vokale springen

über meine klingen

konsonanten krachen

brechen grenzen

:lachen!

Das Ende nach dem Ende

Eigentlich war ja voriges Jahr schon alles zu Ende. Aber dann war da noch dieser Lichtblick mitten im fünften Kapitel: Du betratst den Raum. Es war eine von fernher vertraute Dünung. Nicht einmal der verstaubte Gestus hundertfünfzigjähriger Kulturkritik störte mich wirklich. Die Ansatzpunkte so real wie eh und je, die Suche so, wie wir sie kennen. Du hättest gut und gerne jener Bösewicht sein können, Maldoror, auf den sich die Meute stürzt, um ihn schließlich aufzuhängen. Sie taten es nicht, stattdessen übten sie sich in Integration. Wären wir noch im dritten Kapitel, könnte ich jetzt einen Exkurs über die Verknüpfung von Integration und Differenzierung montieren. Was soll’s! Stattdessen will ich, wie es sich für ein Fazit geziemt, Abschied nehmen. Ich nenne diesen Raum seit einiger Zeit Giovannis Zimmer. So viele verschiedene Menschen – und doch immer nur ein Feuer!! Die jetzt darum herum sitzen bleiben, haben die Verantwortung dafür zu tragen.

X1: Schulmädchenhafte Art, die Welt mit seiner Schwäche zu piesacken; großer Entwurf – Suche nach sich selbst.

X2: Der Augur-augurator; beschwert sich über die Möglichkeit der Kopie seines Stils – als ob allein die Möglichkeit Grund zur Angst wäre! Andere würden glücklich sein … Festhalten am Gefundenen wie an seinem Personalausweis … aber Freund – alles fließt.

Y1: Der eigentlich Neue. Leider nichts Neues. Schreibt immer über sich selbst. Mal beim Bäcker, mal auf der Couch – hat Kinder. Problem: „Kinder im Roman“ … hat seit Rousseau niemand mehr wirklich überzeugend hingekriegt. Nebenbei der Traumjob in der Politikberatung – in der Manteltasche des Ministers incognito UNTERWEGS. Das geschmuggelte  Kätzchen, Geheimcode Nachbarschaft. Scheint allergisch gegen sich verfärbendes Herbstlaub zu sein. Wird wohl auch noch lernen, Eichenlaub von Buchenlaub zu unterscheiden. Träumt manchmal wie in der Gartenlaube.

Der Text wird immer länger, Zeit aufzuhören. Die Avantgarde nach der Avantgarde steht im Rückstau: WEGUNTER Land, companero. Irgendwann sind wir alle tot. Das Gequatsche in den Zeitungen aber wird bleiben. Und Feuer brennt nieder,

politisch korrekt (aber nicht theoriefähig) mit abnehmender – Die Gedanken sind frei! – Hitze