nachmittagsgrau im februar

das schneelicht fällt aus dem boden, imprägniert die augen mit kältebissen. füsse walzen den knarzenden grund ins schweigen der luft: fossile echos, die konsonantisch und dumpf durch eine zellwand aus eis dem wintergrab entweichen. angeplatzte knospen starren aus den buschzweigen, kleine sonden, die in die nächste wärme reisen, halblind nach innen wachsen. schon jagt der wind in böen das dunkel heran.

umgeniessen.

Palimpsest

 

Cy.

 

Wie über mich drübergehn. Sabbern. Mich zwischen meine eigene Haut zu drängen. Als obs von innen fein regnet. Oder sich etwas regt. Wie ein von sich selbst Ablösen. Ich spiele nur mein Empfinden als mein einzigstes Instrument. Verstehe sonst nichts vom Leben. Längst hat mein Berühren eine eigene Sprache gefunden. Wie ich dich suche.

Wie tief du mich kränkst, wenn du sagst, dass ich dir nur deshalb an den weissen See gefolgt bin, weil du ein laut- und gesichtsloses Liebeszeichen abgegeben hast, ohne zu bedenken, dass ich sechs Jahre allein war, es hätten auch noch elf Jahre sein können, kannst du nicht in einem einzigen Halbsatz alles (emp)finden?

Umgeblättert liege ich nun am Ufer deiner Vernachlässigung. Umzugeniessen. Wie wenn ein Grashalm umknickt, wenn ich mich auf ihn lege. Wie wenn ein Sandkorn kichert am Strand. Wie wenn ein Leben noch ohne Text ist.

Also geht es nur um zweierlei: Die Sichtbarmachung der herzuzeigenden Unbehaustheit. Oder um die Ohnmacht des sich Abfindens (Auffindens). Vorsicht: Die conditio sine qua non ist der Rausch, der sich an immer mehr Momente des Lebens heranschleicht.

Schmeißfliegen aus nah und fern

Er stellt sich dichter ans Fenster, denn da kann er besser kucken. Seine braune Beute hält er bereit. Drinnen hängen die Büsten-Halter nahezu konturlos am Wäscheständer. Draußen schwimmt der Nebel wie ein Schleier des Maya vor der Sonne und verhüllt das Tatsächliche: Nämlich das Datum der Schmeißfliege, das unaufhaltsam näher rückt. Echte Politik, eben.

Senf

Das beste hier ist doch der Mustard, der an den Kommentaren klebt wie der Bär am Honigfaß. Oder sind die Comments mistbehaftet und ziehen deshalb Schmeißfliegen aus nah und fern an? Klärt mich mal jemand auf?

Und wieder grüßt der Kuckuck

Da geht es ja schon los. Es ist das Unterbewusstsein, welches das Verhalten steuert. Und das einem gehörig auf den Zeiger geht. Es gibt den Ton an, es düpiert die bewusste Aktion. Diese scheißige Kuckucksuhr! Dieser mistige Frühlingsanfang auf dem Kalender, der Biorhythmus der Amsel, der nur noch durch Schneemassen von uns fern gehalten wird. Die ganze Terrasse liegt voller Vogelfutter, Kiesberge türmen sich, ohne dass sie jemals weggeräumt worden wären. Man hat ja auch gar keine Zeit, sich mit der Vogeluhr zu beschäftigen. Hektisch flatternde Tiere, hektisch flatternde Nerven. Vogelkacke auf dem Schneeschieber. Der Blutdruck fährt ins Obergeschoss. Herrgott, kann uns diese Jahreszeit nicht endlich mal erspart bleiben. Der Klimawandel machts im Moment noch möglich.

Bio mit Braunstich

Angesichts dieser Überschrift im Neuen Deutschland vom 16.03.2013 erhält die matschige Banane aus dem Bio-Markt an der Ecke eine neue Bedeutung. Rechtsextreme nutzen ökologische Ideen für ihre Propagandazwecke, heißt es und dass rechte Gruppen unter dem Deckmantel scheinbar harmloser Themen wie Umwelt- und Tierschutz die Gesellschaft zu unterwandern versuchen. »Naturschutz ist Heimatschutz«, blökt das Parteiprogramm der NPD und, die Bemerkung sei mir gestattet, einzig allein das Blöken eint alle Programme dieser Art. Was auf den ersten Blick nach grünen Forderungen bei der NPD aussieht, verhüllt lediglich die rechten Thesen von einer Blut- und Bodenpolitik heißt es weiter: Braune Öko-Siedler kaufen Bauernhäuser auf, um unter dem Deckmantel der Bio-Landwirtschaft Gemeinden und Vereine zu unterwandern. Das glaub ich gern und schaue mir die matschige Banane an. Sie ist nicht von uns, ist artfremd in Deutschland, ein Spaßobjekt (man kann damit „Rumballern“ spielen oder es für andere hier nicht näher erwähnte Zwecke gebrauchen) und sie war sogar für kurze Zeit  ein Synonym für eine gewisse Klasse hier in unserem Lande (ich sage nur: Gabi…). Nun nähert sich die Banane dem rechten Flügel unserer Gesellschaft, denn auch sie trägt ihre Gesinnung nicht immer offen zur Schau: Sattgelb gestern, braunstichig heute und innendrin sogar ein schwarzes Ende! Bio mit Braunstich eben.

Figurenlexikon – Nr. 5

Heute: Informationen, die nirgendwo ankommen

Schon vor einiger Zeit ließen wir uns gar nicht mehr stören. Wir hatten die Informationsverarbeitung weitgehend eingestellt, und doch gab es da eine Figur, die ununterbrochen Informationen an uns zu senden versuchte. Diese landeten mit nicht nachlassender Regelmäßigkeit im Nirwana. Derjenige, der sie versandte, meint bis heute, man habe ihm gut zugehört. Das glaubt er daran zu erkennen, dass sein Ohr ungefähr eine halbe Minute nach der letzten Aussendung zu jucken beginnt. Das Ekzem am Ohr ist für ihn also ein untrügliches Kennzeichen, dass da irgendwann irgendetwas bei irgendjemandem angekommen sein müsste. Müsste.

mein paul yeah

wir: unter uns

oder lieben wir uns beide irgendwie davon ??

als wärst du noch da … den angewinkelten arm unterm koppe …

oda machn wir ein’n auf wein … ich mit meiner gelenkkomik + du mit deiner ehrlichkeit … wie im leben immer eins in die fresse …

an die erde … zwar zwischen den zehen…

an die verlogenheit … zwar zwischen den …

Traum eines lächerlichen Menschen im Centraltheater

Die „Festspielarena Leipzig“: das ist das letzte ekstatische Aufbäumen der Hartmann-Kompagnie, die den Leipzigern zeigt, was sie mit ihr verlieren. Schon der Bühnenbau wirkt fulminant: ein Amphitheater, das auf Bühne und erstem Rang des Stadttheaters temporär aufmontiert ist, vollkommen im universellen Weiß.

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Hier bewegt sich der Schauspieler im Mittelpunkt, die Orchestra gehört ihm, als Sprechraum und Spielraum. Stets ist er von von allen Seiten zu sehen, von vorn, hinten, links und rechts. Auf den Hinterkopf des Sprechers während eines melodramatischen Monologs zu blicken, relativiert jedes Pathos. Jederzeit kann der Spieler das Publikum anrufen, nicht nur in der ersten Reihe, die die Spielfläche begrenzt, auch die Zuschauer der oberen Reihen sind mit von der Partie.

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Das Stück beginnt und endet in vollkommener Dunkelheit. Aus ihr hervor quellen – wie akustische Raketentriebwerke – sechs Posaunen schicken von der oberen Diazomata anschwellende Töne hinab. Manche Besucher halten sich die Ohren zu.

Als es wieder hell wird, steht ein einsam junger Mann auf der Bühne, in tadellosem Anzug, im Seidenhemd, eine Augenweide. Lächelnd beginnt er den „Traum eines lächerlichen Menschen“ aufzusagen. Ein Spießbürger, so schien es, eine von Komplexen geplagte Seele, die sich hier frei redet und dabei den Frauen im Rund tief in die Augen blickt. Das ist der harmlose Auftakt.

Bald schon trifft der lächerliche Mensch den folgerichtigen Entschluß, sich zu töten – was anderes sollte er tun? Der lächerliche Mensch spricht diesen Satz „Ich habe beschlossen, mich zu töten“ immer wieder, laut, leise, brüllend, tief, hinter vorgehaltener Hand, mit verstellter Frauenstimme, piepsig hoch – etwa dreißig oder vierzig Mal. Er gerät darüber in Verzweiflung, steigert sich derart in die fixe Idee, daß die Selbsttötung am Ende ausgeschlossen ist: auch sie erscheint lächerlich.

Inzwischen hat der Mensch das Publikum infiziert, ist die Sitzreihen hinaufgeklettert, hat sich an die Schulter des einen oder anderen Zuschauers gelehnt. Hinter mir hat er gesessen, spuckend und prustend gesprochen, seinen Kopf dicht neben meinen gehalten und den Blick in meine Augen gesucht, um mir aufdringlich zu sein und unvergeßlich. Schließlich tobt er wieder in der Mitte, rollt sich über die Sitze hinweg nach vorn auf die Orchestra. Welche machtvolle Stimme in diesem dünnen Männlein steckt.

Die Posaunen kündigen den Einzug ins Paradies auf einem fremden, noch unschuldigen Planeten an. Hier leben alle Wesen mit gleichem Recht, Bäume werden als Heiligtümer angebetet. Liebe und Harmonie senken sich dämpfend herab. Das Leben erscheint als Kinderspiel.

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Der lächerliche Mensch steht als Gast verzückt auf diesem Planeten, seine irdischen Gefühle hat er jedoch im Herzen bewahrt und mitgebracht: Sympathie und Hingezogensein, Begehren, aus dem Begehren erwächst Wollust, aus Wollust Eifersucht, aus Eifersucht Gewalt, aus Gewaltg Blutrache, aus Blutrache Ehrgefühl und Scham, aus Ehrgefühl und Scham Religion, aus Religion erwachsen Kriege. Am Ende ist der einst friedliche fremde Planet wüst und gefährdet wie die Erde.

Zum Glück erweist sich alles nur als Traum. Der lächerliche Mensch erwacht im Lehnstuhl. Er entpuppt sich als der Spießer, der er schon am Anfang war. Die Posaunenspieler verlassen die obere Diazomata, steigen majestätisch zur Orchestra herab, umringen den lächerlichen Menschen, der angesichts der Schönheit und Kraft der Töne zusammenbricht, sich auf dem Boden windet, sich aufbäumt. Ende.

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Es bleibt ein Bild, die Choreographie eines Zusammenbruchs, ein Gedanke, die Unmöglichkeit dauerhafter Harmonie, ein Gefühl, der Absturz. Nachwort: nicht nötig.

demnach.

In mein Nichts gelangt. Mit 1.000 Seiten halbtreuer Selbstbespeiung. Meine Zweifel so auflachelnd, dann so lächerlich, meine kreisrunde Tonsur traf mitten in meine Befindlichkeit: kleine Bestechlichkeit, aber unerbittlich. Der Hang zum Schmerz abgeschnitten wie eine Nabelschnur. Die ich dir nun um die Lachsblume klemme.

Mit mir der Weltgeist.

Als wollte uns kein Verlängerungswille mehr: Tram 12. Da gestanden. Schnee nicht nur um mich herum, sondern auch unter meinen billigen Schuhn. Es giebt keine Chance auszubrechen, dachte ich in diesem Moment, als die Tram 12 immer noch nicht kam. Es war ein ähnlich dunkelgelber Bus. Wieso fährt der vorbei? Er sieht doch, dass wir hier frieren … ich drück irgendeinen Knopf am Fahrscheinautomaten: 4,70. Münzen hab ich immer in der Hand. Werf was ein. 55 Cent fehlen. Ich schau mich um. Mit wem willst du ins Gespräch kommen. Mit nobody. Weltgeist auf Eis. Frage ausweglos. Obwohl sich jeder freut, wenn er angesprochen wird. Komische Welt. Noch ne Station. Warum sollte ich nicht hier schon aussteigen? Es giebt keinen Grund, es nicht zu thun. Ich machs. Friere. Aber schon drei Minuten später kommt die nächste Bahn. Die Nummer oben auf ihrer Stirn ist mir egal. Steige ein. Warm. Albertinenallee, sagt mir die freundliche Stimme aus dem Off. Ich weiss nicht, ob die andern das mitgekriegt haben. Natürlich, dass sie mir das gesagt hat. Obwohl ich noch gar nicht aussteigen wollte. Obwohl einige schöne Gesichter am Steig standen. Die Welt und das Leben dazu ist komisch: Seitdem für mich Wörter keine Rolle spielen, spielen nur noch Gesichter eine Rolle

das gewicht des lebens

verliert sich im nebel

bringe mir die welt
ins schweben
du
wie mich selbst

meine füße tragen mich
zu dicht am boden

bringe mir unruhe
in den lauf der dinge
du
tanze mit mir
an das ende der liebe

verliere dich mit mir im nebel
du
getragen
von unserem gewicht des lebens.

Hähnchen und Porno

Dienstag kam sie früher als sonst nach Hause. Schon im Hausflur spürte sie, dass etwas nicht stimmte. Sie hörte, dass der Fernseher lief. Frank sah sonst tagsüber nie fern, selbst wenn er Zeit hatte. Leise schloß sie die Wohnungstür auf und ging ins Wohnzimmer.
Frank saß auf dem Sofa und bemerkte sie nicht. Er war nur mit einem weißen Hemd bekleidet, auf dem Tisch standen die Überreste eines gebratenen Hähnchens und zwei offene Bierflaschen. Im Fernsehen lief mit gedämpfter Lautstärke ein Film mit etlichen blutjungen Mädchen, die ein paar Burschen gerade genüßlich die glattrasierten Hoden und die gierig in die Luft ragenden fetten Schwänze leckten.  Frank bemerkte sie nicht.  Sie konnte zwischen Franks braunen Oberschenkeln seinen Penis sehen. Wie ein dicker gebogener Ast reckte er sich über die weißen Hemdzipfeln und leuchtete rot. Der Anblick war so überraschend, dass ihr meinte, sie hätte das alles noch nie gesehen. Frank hing abwesend lächelnd in einer der Sofaecke und vergnügte sich mit sich selber.
Stumm vor Überraschung lehnte sie im Türrahmen und betrachtete die Szene. Darauf war sie nicht gefasst.
Frank hasste es eigentlich, wenn vor acht Uhr abends der Apparat lief. Gebratene Hähnchen aß er sonst nie. Und Bier trank er nur, wenn sie ausgingen, niemals zu Hause. Im Fernseher quietschten die Mädchen, weil einer der Jünglinge ihnen gerade über die hüpfenden kleinen Brüste ejakulierte.  Für einen Moment überlegte sie, was sie jetzt tun sollte: Sich einfach zu erkennen geben, einschreiten oder mitmachen. Dann hörte sie Frank zufrieden stöhnen, sah, wie plötzlich ein weißer Blitz aus ihm herausschoß und sich über Brust und Bauch verteilte, wie sich seine Augen schlossen und er weich zu lächeln begann, als breite ein warmer Sonnenschein sich über ihn aus.
Lena wich leise zurück in den Flur und lehnte sich an die Wand. Das Schlimme für sie war nicht das Gejohle im Fernseher, war nicht Franks Heimlichtuerei. Dass er es sich auf seine Weise gemütlich machte, wenn sie nicht da war, geschenkt. Der wirkliche Schock war sein Gesichtsausdruck. Sie konnte sich nicht erinnern,  wann sie Frank das letzte Mal so hatte lächeln sehen. Leise schlich sie zurück in den Flur, öffnete, immer noch im Mantel und mit den Taschen in der Hand, noch einmal die Wohnungstür und ließ sie demonstrativ ins Schloß fallen.
„Liebling?“ rief sie, raschelte mit den Taschen und registierte, wie augenblicklich die Geräusche im Wohnzimmer verstummten. Mit leicht zittrigen Fingern knöpfte sie den Mantel auf und hängte ihn an einen Bügel. Als sie die Taschen in die Küche tragen wollte, kam Frank ihr aus dem Wohnzimmer entgegen. „Nanu?“ sagte er beinahe schläfrig, aber keineswegs verlegen. „Ich dachte, du kommst erst heute Abend?“ Er war barfuß, hatte sich eine Jeans übergestreift und hastig zwei Knöpfe des Hemdes geschlossen, es sah nicht übel aus.
„Ich hab den Sport heute ausfallen lassen.“ sagte sie, während sie mit den Taschen in die Küche ging. Behutsam stelle sie die Einkäufe auf dem Tisch ab. „Mir war nicht danach.“„Scheint ein schlechter Tag zu sein.“ meinte Frank, der ihr vom Flur aus zusah und die Arme verschränkte als wäre ihm kalt. „Ich habe es mir auf der Couch gemütlich gemacht. Mein Kopf schmerzt höllisch. Wahrscheinlich das Wetter.“ Sie blickte aus dem Küchenfenster, draußen türmten sich dicke Regenwolken über den blühenden Gärten.
Als sie spät am Abend vorsichtig ihren Arm hinüber auf seine Seite des Bettes schob, rückte Frank kaum merklich von ihr ab. „Was denn?“ knurrte er schläfrig. „Ich schlafe schon.“ Dann lauschte sie dem Rhythmus seines Atems. Minuten später schien er zu schlafen. Das leise Schnarchen, das sie sonst so rührte, schien ihr plötzlich bedrohlich. In ihrem Bett lag eine Drohne. Ein Blutegel, ein Parasit. Ein hinterhältiger Perverser, ein verpupptes verlogenes Ungeheuer, das hinter der Fassade eines freundlichen, gut aussehenden Mannes auf die Gelegenheit wartete, sich ihrer zu bemächtigen, sie auszusaugen, sie zur willenlosen Marionette seiner Wünsche zu machen.
Sie könnte ihn töten, es wäre gerecht, dachte sie, und sah vor sich wieder die abgenagten Knochen des Brathähnchens auf dem Couchtisch. Und Frank selig versunken mit geschlossenen Augen lächeln.
Dann versank sie in einem unruhigen Schlaf.

man weiss manchmal nicht wie nah nähe ist … man lebt aber meist gegen sein leben … sucht die schöhnen momente … es giebt sie ganz oft so nah bei dir … selbst da verliert sich zum glück dein begreifen …

man weiss manchmal nichts

Worte beim sich Anblicken.

Üw … mit der M13 in einer Neunziggradkurve an unserer Turnhalle vorbeigeschlittert … hätt ich dich da nicht untern Tisch … aba du warst ja geschlecht…ähgeschäftlich unterwegs … alles wie im Park … also nicht zwischen uns … ausser den schwingungen die nicht nachlassen zwischen gewissen menschen … bei denen geht man in den erinnerungen nicht ganz anders heran: die kommen immer wieder auf einen hinzu … geschlittert … oder so …

endlos treppen herunter …

 

Vice versa: Traum

Da ist es genau umgekehrt: da fehlt das Moment der Beherrschung. Da nimmst du jedes Rot eines Mundes oder läufst endlos Treppen herunter. Da hast du die existenziale Aufforderung endlich verloren, dich als Sinn zu fordern/formen/verlieren.

 

Ganz schwierige Ausgangslage immer wieder: bei jedem Satzanfang. Wie seine Gefühle verbergen, und wie allein nur noch die Achillesferse zum einzigen Atemorgan wird. Wie „das Leiden der Seele, die nicht ihren Sinn gefunden hat“ (Alfred Adler), in eine  halbwegs gelungene Gebärde hineinquetschen und aus der von innen arbeitenden Beschämung des Gesichts nehmen.

ich denke wir habn gute atemchancen.

Entweder man versteht mich falsch. Oder falscher. Beleidigt. Ängstlich. Mich beleidigt nur meine eigene Angst.             

Schreie. Schneie. In dich. Ein. Wen(d)igkeit, WiPf, meinte ich vorhin, als ich von diesem Buchstaben sprach, der mich zu einem Lachen führte zwischen uns. Denn wir müssen, müssen schon, uns nicht in der Wirklichkeit treffen. Sie beäugt uns nur.

Mittlerweile denke ich, dass wir unter einem zerbröckelnden Himmel ganz gute Atemchancen haben. 

am anhirn verlebt …

Wir schreiben uns unsere Verwundungen aus dem falschen Gesicht. Wir schleifen uns die Scham aus Tinte ins Blut. Denn nur dort waren wir eins. Nur dort haben wir uns berührt. Ohne Klang heimlich. Wie alles mit Resten von seiner Gehäutung.

Es bleibt aber auch das nicht ohne Hintertriebenheit. Es bleibt nichts von deinen geheimnis ohnezungen anhirn gelebten Verletzungen zurück. Jetzt kannst du ganz in Seele deine Träume fortsetzen. Nach 24 Jahren. 

Doch Gras Fressen.

Wir streifen uns in unseren Ängsten.

Mich liebkost gerade das Versehnte. Getränte. Zusammen Brechende. Alles nur ein Aufschub, ein von sich ohne Antwort bleiben, kein Einsamkeitswahn, ein Reformulieren eines selbstverleumderischen Zugeständnisses. Berlin bei Nacht: du solltest öfters den Tag Tag sein lassen. Wie Zungen, die sich später einmal begegnen werden. Wie auf Gras schlafwandeln, das die Kühe nicht fressen. 

Sachsenburg : Spinnerei

Verwunschener Ort : düster atmen die Fundamente
Der Baracken in den Nebel : blaugraues
Rauschen der Zschopau : es gibt sich Mühe
Die Erinnerung zu übertönen : hier war nichts
Als ein Bergwerk : Blei & Uran
Wo der Fluß sich teilt : am Fuße der Burg
Hörst du Kinderlachen : vergeblich mahnen die Angler
Den narzistischen Nachwuchs um Ruhe : niemand
Ahnt noch etwas von den Orgien der „Bewegung” : hier

halb frass.

und wolltest nur noch befreit werden von deinem letzten Verschlucken vielleicht hast dich gesucht und warst so weit weg von deinem Leib.

genugtuung.

Wie viel wenig Mitteilungsbedürfnis du mittlerweile hast. Die Welt klebt sich nun an dich. Du versuchst es ja nicht mal mehr. Leibst dich an ihr vorbei. Dein spitzer Dreischritt. Willst deine Verkommnis ehren. Wie dich selber aufspiessen. Niemand ahnte deinen Hinterhalt. Deine gebunkerten Gefühle. Aus denen du nun herausspringst. Ihr beide seid so feinsilbig.

1.

1.

 

    In einer abgedunkelten rosmarinfarbenen Mansarde lag Alban, unruhig träumend, auf seinem alten ausgelegenen Diwan, während der Klang der Mittagsglocken durch das geöffnete Fenster drang. Selbst die knarrenden Holzstufen der alten Eichentreppe, die einen Besuch ankündigten, ließ ihn seine Position auf der Couch, auf der er nun schon seit einigen Monaten unter derselben Decke lag, nicht verändern.

   Es wird Madeleine sein, dachte Alban, und beruhigte sich mit dem Gedanken, dass nur sie ihn so nenne. Aus einer Laune heraus, sagte er damals in der Schule seinem Banknachbarn, dass er sich seines normalen Namens entledigen wolle, schon lange fühle er sich nicht mehr angesprochen, wenn man ihn Bernhard nenne, erst recht nicht Bernhard Ohnegrund. Er schäme sich dessen, auch wenn er nicht so recht wisse, warum. Es sei halt so. Und kaum dass er den Satz ausgesprochen und damit eines seiner längsten Geheimnisse ihm entwichen war, begehrte Heinrich, sein Banknachbar, der es mittlerweile zu einem angesehenen Posten bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse gebracht hatte, mit schriller Stimme auf, indem er den Namen Alban laut in den Klassenraum schrie, Bernie heißt ab jetzt Alban, endlich heißt er Alban, und alle anderen wurden aufmerksam und warfen ihre Blicke auf den Tisch von Heinrich und … Alban, dachte Bernhard in diesem Augenblick selbst. Dabei kam er sich gar nicht einmal so verraten vor. Dennoch war er überrascht, mit welcher Entschlossenheit Heinrich auf diesen Namen kam.

   Es war Madeleine. Alban erkannte sie stets an ihren Schritten, so wie er eigentlich jeden an seinem Schritt erkannte. Es war Madeleine mit einem Brief in der Hand. Der hat, sagte sie in ihrer sanften Stimme, unten auf der Treppe gelegen… – auf der dritten Stufe, dachte Alban… – auf der dritten Stufe, sagte sie, so wie immer. Albans Hauswirtin Mia hatte sich mit der Zeit angewöhnt, all das, was für ihn bestimmt war, auf die dritte Stufe zu legen. Aber nicht nur postalisch, sondern auch zum Verhungern. Denn oft stand für ihn dort auch etwas zu essen auf einem Teller eingepackt in silbernes Lackpapier, das so herrlich rasselt, wenn man es berührt. Und er berührte so oft wie möglich das Papier, wenn er mit dem Essen die Treppe wieder hinaufging. Er liebte dieses Geräusch. Wie er auch Madeleines Stimme liebte; sie hatte auf ihn eine ungeheuer beruhigende Wirkung. So weich. Und liebevoll. Ganz nah bei ihm.  

halb lang.

Auf meinen Schultern ertrug ich nur die Unerträglichkeit. Hinter dem Kopfkissen schäm ich mich frühs in den Morgen. Danach steh ich auf als ein Toter. Ich war immer eine Lüge.

* Wache auf und wundere mich, dass ich so klar im Traum war, endlich angekommen auf der anderen Seite, heiliges Getue des Wirklichen wie eine Schlange abgestriffen, lieb dich in meine seufzende Träne, sie antwortet mir selbst immer wieder. Bis ich mich endlich erfand. Und mich so auf meine Matratze legte, wie Blumen nie auf das Grab meiner letzten Muse. Allerletztes Gelächter. Und nun fahr ich dich an, weil auch du mir den Himmel nicht nimmst. Schämst dich aus Lust, mich zu mütigen.