Archive for Oktober, 2008

Montag, Oktober 27th, 2008

LIEB                                                                                                                                                                                                

LIEBKOSUNG                                                                                                                                                                                                 LIEBKOSUNGEN

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LIEBKOSUNGEN

LIEBKOSUNG

LIEB

Das Haus

Sonntag, Oktober 26th, 2008

Es kostete mich viele Jahre, ein Haus zu entwerfen, das all meine Anforderungen erfüllte. Ich weiß nicht mehr, wie viele Entwürfe ich gezeichnet, wie oft ich einen Entwurf geändert habe. Allein die Zeichnungen der Treppen füllen mehrere Kisten. Das Haus als Sphäre oder als Kugel – ich habe mir unzählige Formen vorgestellt, habe ihre Vor- und Nachteile bis ins letzte Detail geprüft. Gefiel mir ein Holz, war es nicht fest genug, das Dach zu tragen, war ich mit den Zahlen zufrieden, fehlte es den Räumen an Klarheit. Einige Entwürfe habe ich sogar gebaut und bewohnt. Ich musste sie abreißen, früher oder später, weil sich irgendwann ein Mangel zeigte, den ich nicht übersehen konnte. Einmal stimmte alles, ich fand keinen Fehler, aber ich konnte in dem Haus weder wohnen noch arbeiten. Mit dem Haus, das ich zuletzt errichtete, war ich zufrieden. Hier hatte ich mein Leben eingerichtet.

Während eines Gewitters schlug ein Donner in mein Haus ein. Ich fand die Spuren des Blitzes. An der Seite eines Baumes hatte er die Blätter und die Rinde des Stammes abgesprengt. Wochen später hatte der Baum auch die übrigen Bätter verloren; er war längst tot. Dass der Blitz das Haus nicht getroffen hatte, war Glück. Ich sah, was geschehen konnte. Ein Sturm konnte die Scheiben einschlagen, eine Flut aus dem Boden heraufbrechen, und Eis konnte ebenso wie die Strahlen der Sonne die feinen Strukturen in den Steinen auftrennen. Irgendwann würde mein Haus einstürzen, so, wie auch das größte Gebirge eines Tages verschwunden sein wird. Es begann schon: aus dem Laub, das die Dachrinne verstopfte, wuchs ein Baum. An ein Gebirge wagte ich mich nicht, aber das Haus verdiente es, bewahrt zu werden. Ich suchte nach Lösungen, und einige gelangen mir.

Auch im Haus waren Gefahren. Spinnen wohnten in den Ecken, die Wände wurden dunkel, ein Rohr brach. Nichts blieb so, wie ich es geplant hatte. Es war nicht die Frage, ob etwas verderben würde, sondern wann. Ich konnte die Spinnweben entfernen, die Wände neu streichen, die Rohre auswechseln, aber das würde nichts ändern. Ich selbst zerstörte das Haus. Wenn ich atmete, kroch die Nässe meines Atems in die Wände. Ich wohnte nur noch in einem Zimmer, verstopfte die Spalten unter den Türen. Dass jeder meiner Schritte das Haus erschütterte, dass mit jedem Auftreten ein Molekül abbrach, das wusste ich.

Es war die Zeit, die das Haus abnutzte. Ich riss es ab, und ich konstruierte ein neues. Ich projizierte es es auf die Wiese, wo das alte früher stand. Ich habe ein Haus aus Licht gebaut, dem kein Gewitter, keine Wurzel, keine Spinne etwas anhaben kann. Jetzt waren die Schatten vergänglich, die der Wind durch das Licht trieb.

Keine Vehikel & keine Mittel : Gedichte

Freitag, Oktober 24th, 2008

Wir fliegen vorbei : wir fliehen

kein Kommunikationsmittel erreicht uns : was

für ein Wort : das paßt nicht

ins Gedicht : Gedichte sind keine

Kommunikation : Gedichte sind

Versuche (nein : ich wiederhole jetzt

nicht das abgeschmackte Spiel

um dieses Wort) Gedichte sind keine

Versuche : Gedichte sind vollkommen

vollkommene Ausdehnungen der Sprache

in die Musik : Gedichte loten

die Grenzen der Wahrnehmung aus : sprachlich

nicht mitteilbar : Gedichte sind

keine Vehikel & keine Mittel : Gedichte

wollen es wissen : Zwiegespräch sind sie

mit Höherem & Tieferen : sie fangen

dort an : wo Kommunikation aufhört

Wir

Dienstag, Oktober 21st, 2008

Aus den Marskanälen ließen sie das Wasser ab.
Air-conditioner überfluteten die Venus.
Mit dem Mondstaat schließen sie Verträge ab:
Eine neue Phase für den künftigen Aufbau;
Mit der Flut eindämmend zu reden,
Wo schon Ebbe ist, das Meer beschwören.
Nur der Vollmond ist noch immer rätselhaft,
Sein Verschwinden gilt als ausgemacht.

Montag, Oktober 20th, 2008

Aber im ersten Stockwerk blieb Hans Castorp plötzlich stehen, festgebannt von einem vollkommen grässlichen Geräusch [...] Es war
Husten, offenbar, – eines Mannes Husten; aber ein Husten, der keinem anderen ähnelte, den Hans Castorp jemals gehört hatte, ja mit dem
verglichen jeder andere ihm bekannte Husten eine prächtige und gesunde Lebensäußerung gewesen war, – ein Husten ganz ohne Lust und
Liebe, der nicht in richtigen Stößen geschah, sondern nur wie ein schauerlich kraftloses Wühlen im Brei organischer Auflösung klang.
“Ja“, sagte Joachim, „da sieht es böse aus. Ein österreichischer Aristokrat, weißt Du, eleganter Mann. Und nun steht es so mit ihm.

Montag, Oktober 20th, 2008

Katholische Kirche, Stinkende Kugelschreiber, faule Zähne, Ausflüge auf allen Vieren, Hallenbad. Mittags Rolladen, Ananas aus der Dose mit Schlagsahne zum Nachtisch. Bilder der Familien und der heiligen Jungfrau. Abwesende Väter, treusorgende, gutverdienende Söhne. Söhne ohne Ausbildung, Töchter auf Abwegen.

abfahrt : abfuhr

Montag, Oktober 20th, 2008

sie liegen zwischen ihren schönen frauen
fest eingewickelt & beim stich
können sie so süchtig nach dir schauen
& dir sagen : du : ich will nicht dich

es klingelt spät & sie ist wach
& wie ‘ne maus schnell an der tür
da steht der neue : flüsternd : schwach
er will sich vorstelln : du kannst nichts dafür

& sie löset ihre bänder & sie liegen sich
im arm & du siehst sie : funken
sprühn : berührung : du erinnerst dich
anfang : hey : was gibt es da : zu unken

Eugen Onegin: Kapitel drei, erste Strophe

Samstag, Oktober 18th, 2008

Sie war ein Mädchen, und sie war verliebt.
Malfilatre

“Wohin? So sind sie, die Poeten!”
- Mach’s gut, Onegin, ich muss los.
“Ich halt’ dich nicht, nur sag mir: wo denn
Soll’s hingeh’n so Hals über Kopf?”
- Zu Larins. – “Das ist eigenartig.
Mein Gott, wie viele Jahre war ich
Nicht mehr bei denen! Rotz und Gicht,”
- Schweig, Bruder! – “Ich versteh’ das nicht.
Ich sehe dort nur Kraut und Rüben:
Als erstes (Sag mir, hab’ ich recht?)
Wie war das Essen? War nicht schlecht.
Danach der Rundgang: Kommt, Ihr Lieben,
Hier also seht Ihr unser Vieh,
Gespräche, die vergisst du nie…”
 

Bücherwelt

Freitag, Oktober 17th, 2008

Ein Zauberkuss
der dich berührt.
Ein neues Buch,
das dich verführt.

Tritt ein in die
Welt der Phantasie!
Komm mit in die
Zeit der Harmonie!

Ein Gleiswechsel
in eine neue Dimension.
Ein neues Blatt
gleicht keinem and’ren Ton.

DIE PANZERKOMMANDANTEN HABEN NEIN

Freitag, Oktober 17th, 2008

DIE  PANZERKOMMANDANTEN HABEN NEIN
Gesagt, der Zug nach Prag fuhr in den toten
Oktober, Knast und Medizin nach Noten.
Das Bürgertum am Hang kämpfte allein. 

Gedichte von Bukowski, Biermann: Zittern,
Ob Republiken sich das bieten liessen,
Das Heldenepos vorher abzuschliessen:
Armeezeit, süsse Krankheit Gestern. Schlittern

In neue Aussichtslosigkeit, absurde
Groteske: Persönlichkeitsverklärungen
Im Westen Anlässe für Ehrungen.
Die DDR weiss nicht, was aus uns wurde. 

Nach zwanzig Jahren ist noch nichts zu Ende.
Erwarte nächstes Jahr Texte zur Wende.

12. Oktober 2008

Dienstag, Oktober 14th, 2008

Neben rostrotem Farn

und der schwarzen Suhle

eine Jahreszahl.

Steißvogel (3)

Dienstag, Oktober 14th, 2008

Es ist Herbst. Sagte der Gärtner. Zeit – das Fleisch in die Erde zu bringen. Schon ? Fragte der Lehrling. Als hätte er nicht längst das gelbe Blatt auf seiner Schulter liegen sehn. Ja. Sagte der Gärtner. Und vergiss nicht : Ein Targifuß braucht Wüstensand, das Schottenauge – Moorheide, und wenn du die russischen Lebern nicht zweimal angießt, wird es nichts. Ich weiß. Sagte der Lehrling. Und machte sich an die Arbeit.

Widerwärtig. Rief ich aus. Einfach ekelhaft. Und schaffte es gerade noch bis hin zu einer Birke. Ich flog hinauf und kotzte runter. Die letzte Schlacht auf dieser Welt wird unter einer Birke ausgetragen werden.

Klapp an. Der Lehrling holte aus. Du gehst mir auf die Nerven Vieh. Er warf mit Dreck nach meinem Vogel. Und das zu recht. Warum konnte ich meinen losen Schnabel nicht halten, während andere mit Chip und Spaten für Innovation sorgten. Das Projekt war einmalig. Der Gärtner ein Genie. Zweifelsohne. Die Erfindung der Glühbirne nichts dagegen. Wer würde nicht gern seine vergammelte Niere loswerden oder das Pappmaché im Kopf tauschen gegen frische graue Zellen. Den Stein in seiner Brust geben für ein heilig glühend Herz. Die ausgefranste Zunge endlich an den Nagel hängen.

Auch ich hätte ja nichts gegen einen neuen unverbrauchten Schnabel. Und vielleicht ein etwas filigraneres Hinterteil. Das täte meinem Vogel gut. Ich hab sogar schon dran gedacht mir einen ganzen neuen Vogel zuzulegen. Einen richtigen sozusagen. Lieber eine echte Meise als einen anmaßenden Hühnervogel.

Ja. Es ist Zeit.

Seeluft vitaminhaltig

Donnerstag, Oktober 9th, 2008

Hamburg : dammtordamm +++ große größe : der häuser & menschen +++ ist seeluft vitaminhaltig : wachstumsfördernd +++ seltsam hochgeschossen wirken die eng mit stoff +++ bespannten beine : die tief in stiefeln +++ stecken wie in keiner anderen stadt : haben sich +++ durchgesetzt auf dem beziehungsmarkt : unter den weiden an der außenalster

Das Fenster

Donnerstag, Oktober 9th, 2008

Wenn ich einen Satz, ein Kapitel oder ein Buch beendet habe, dann blicke ich oft aus dem Fenster der Bibliothek. Sie liegt auf einem Berg; ich sehe Wald und Felsen, ein Tal, und am Fuße der Berge eine Stadt.

Manchmal stelle ich mir vor, ich wäre auf der anderen Seite des Fensters, würde in die Bibliothek blicken und mir beim Schreiben, beim Lesen zusehen. Ich sehe mich, wie ich Zeitungen oder Bücher suche, sie aufschlage und sie wieder zurückstelle. Ich sehe, wie sie aus den Regalen genommen, nach draußen gebracht und mit anderen Büchern ersetzt werden. Vielleicht nach einem Jahrhundert ist die Bibliothek eine andere.

Und dann, eines Tages, sind die Bücher, ist die Bibliothek verschwunden. Zu beiden Seiten des Fensters: Berge, Himmel, Wind.

Eugen Onegin: Kapitel zwei, siebendreißigste Strophe

Dienstag, Oktober 7th, 2008

Ganz seiner Stimmung hingegeben
Besuchte Lenski dieses Grab,
Um trüben Sinns den Blick zu heben,
Wo seines Nachbars Asche lag.
Und lange war ihm schwer ums Herz.
“Poor Yorick! flüstert’ er im Schmerz,
Du hast auf Händen mich getragen,
Wie oft hörte als Kind ich sagen:
Hier – alle meine Ehrenzeichen!
Wladimir, Olga – seht mich an…
Wer kommt an diesen Schleier dran?
Was wird uns wohl zum Glück gereichen?”
Und wie ein Licht in dunklem Saal
Verfasste er ein Madrigal.

Gegenüber

Montag, Oktober 6th, 2008

Sieh meine Augen!

Bilder fallen hinein … ein

Riesiger Farbfleck.

Kürbiszeit

Sonntag, Oktober 5th, 2008

Verschwinde Sommer endlich geh – mit dir vertreib ich Zeit – die Boote bring an Land – die blauen Gondeln unters Dach – die Schaukel binde los vom Ast ich leg die Leiter an – sammle Früchte – staple Holz – auch Wolle soll mir nun ins Haus – die Morgen frisch der Abend kühl – nie klarer was zu tun ist Kürbiszeit

Die Posaunen von Jericho fliegen in den schwarzen Kosmos

Sonntag, Oktober 5th, 2008

Und wieder im Kopf so ein Glucksen
Womit vom gluckernden Bauch das
Ohr in der Stirn ausgeschaltet wird.

Dann Stille, zischend so stumm
Dass der Fische strudelnder Reigen
Nicht sichtbar die Netzhaut durchdringt.

Dann – nichts. Die Gedanken ringeln
Sich als Regenwürmer im Gedächtnis:
Schweigen, das den schwarzen Asphalt aufheizt.

Bis die Sprache am Ende des Sommers
Abgeerntet ist, mit Mondsicheln eingelagert
In die papiernen Sargdeckelschichten der Bäume.

Der Stift im Notizbuch ein Leuchtpunkt am Himmel:
Cursor irgendeines falsch programmierten Computers -
Liniengeplapper der Tinte in Liebe zum gestorbenen Papier.

liebenglieb

Samstag, Oktober 4th, 2008

ich bin     liegengeblieben auf dem teppich habe mich nicht

gerührt als imaginärer staub meine linke schläfe kitzelte habe

nicht gezuckt als mein rechtes bein langsam kribbelnd einschlief vor

mir die ich hellwach liegenblieb

bis du     in mich eingedrungen bist von hinten in meinen schädel

durch die glieder gefahren taubheit zu schmerz gesteigert hast

mich zum stehen brachtest damit ich mir in die augen sehen kann

Rettet unsere Seelen!

Freitag, Oktober 3rd, 2008

Trink, Junge. So eine Geschichte
Hörst du nicht nochmal: Wir
Hingen kurz über dem Meeresgrund,
Rotglühende Augen starrten aus
Der Tiefe, im Raum gab es
Nur noch den Blick – unsere
Kleinen Bullaugen noch kaum
Geöffnet, pulsierende
Nabelschnur (und der Funker
Wie immer übernächtigt) da
Wurden wir urplötzlich überrollt
Von einer dröhnenden Feuerwalze, so
Muss wohl Latein-
Amerika entstanden sein,
Großer Gesang
Brennender Worte unter Wasser
Kurz über einem Gebirgskamm
Im Dunkel, schlammiger Stein
Araukanien – nicht mehr gefroren
Und noch nicht aufgetaut, Wind
Weißt du: diese neunzig Prozent
Wasserstoffsäure (…polar) aus den
Archiven des Weltalls entnommen