Eugen Onegin: Kapitel zwei, siebendreißigste Strophe

Von | 7. Oktober 2008

Ganz seiner Stimmung hingegeben
Besuchte Lenski dieses Grab,
Um trüben Sinns den Blick zu heben,
Wo seines Nachbars Asche lag.
Und lange war ihm schwer ums Herz.
„Poor Yorick! flüstert‘ er im Schmerz,
Du hast auf Händen mich getragen,
Wie oft hörte als Kind ich sagen:
Hier – alle meine Ehrenzeichen!
Wladimir, Olga – seht mich an…
Wer kommt an diesen Schleier dran?
Was wird uns wohl zum Glück gereichen?“
Und wie ein Licht in dunklem Saal
Verfasste er ein Madrigal.

Kategorie: Realitätsschatten

Über Zhenja

Künstlername des aus Südrußland stammenden Dichters Jewgeni Sacharow; hob unter nickname Zhenja 2007 gemeinsam mit Gesche Blume und Viktor Kalinke den literarischen Blog www.inskriptionen.de aus der Taufe. Das seit 2009 verwendete Pseudonym stand dabei zunächst Pate für eine Reihe von Versuchen, sich zugleich die Bild- und Klangsprache des 1922 verstorbenen futuristischen Dichters Viktor Vladimirovic Chlebnikov und die Ausdrucksmöglichkeiten des Deutschen als literarischer Nichtmuttersprache zu eigen zu machen. Zunehmende Vermischung eigener Sprachschöpfungsprozesse mit dem Ideenfundus des russischen Avantgardisten bis zur „non-rem-fusion“. Sacharow lebt und arbeitet seit 2008 als Garderobier und freischaffender Autor in Frankfurt am Main. Projekt der beiden in Deutschland ansässigen russischen Dichter Jewgeni Sacharow und Sascha Perow, „Brüder im Namen“. Jewgeni beschäftigt sich seit 1990 mit Drama in - wie er es nennt - Außenprojekten, ich dagegen (Perow) versuche mich gelegentlich an Übersetzungen aus dem Russischen; mein Ziel: Erschaffung eines neuen Dialekts der Weltpoesie, der „Sternensprache“. Wichtig war für unser Inskriptionen-Doppelleben die Begegnung mit der deutschen Dichterin Hanna Fleiss im Winter 2012 in Berlin.

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