dachte rudi

sollte ich mal fast-tot da liegen (irgendwo), dachte rudi,

holt keinen arzt: öffnet einfach nur die sicherheitsnadel in meinem ohrläppchen + stecht sie mir ins zahnfleisch

Off-Geklatscht

bertraum g. (aus dem off) stata, tiralala! und wieder hundert meta! wieda eina offjeklatscht!

theo f. (direkt in die kamera) brrt ssst! huiiii! schlottamaja!!!

gerda s. (anhebend neben dem brunnenrand) ftt ftt trr. was ä rohr! 

Die Musik geht weiter. Das Radio trilliert matt und schiege Töne. Der Hering schmort in der Pfanne. Hinter dem Vorhang säuselt eine Mücke. Ihren Stachel hat sie in H. verloren. Das Herz aus Holz pocht ans stille Geört. Auf dem heiligen Sofa puffen Dreckbart und Edelgans. Vorsichtig schiebt Luna das Scheibengardinchen von zu Seite. Auf der linken Fensterhälfte ist ein Vogel offgeklatscht. Aus Papiersperber. Dobarg Humpe dreht sich den Schnurrbart tiefer. Das Druckgebiet wirft dunkle Flecken auf den Teppich und bespringt in die Sonne. Luna zählt die Pfeffermünzen in ihre Zuckerpackung. Mit dem Ferndirex justiert Dobarg Humpe das Ssst-tata. Der geeichte Rhythmus a la Biotur schlägt ihm auf die selbige. Wer bei diesem Lied das nicht kapiert, hat im Sexualkundeunterricht nicht offjepasst. S-etzen.

zweite tür. rechts.

also „eigentlich“ ist ja an sich schon ein dämlicher Schreibanfang. und eigentlich wollte ich auch nichts zu diesem winterweihnachtsplätzchenstollenmist schreiben. es geht mir nämlich auf die ketten, dieses klebrigsüße gefühl zum jahresende. schuld daran ist mein asozialer nachbar – ein arschloch, um ihn beim namen zu nennen. keine ahnung vom bundesimmissionsschutzgesetz, der sack. heizt wie eine besengte sau. mit seinem kamin. belastet mich und die umwelt mit gesundheitsgefährdenden asche- und rußpartikeln. sagt das gesetz. und ich huste mir lunge aus dem leib. der immer klappriger wird. ich gehör wohl zu den altersziegen. sacht muttern. es gibt kühe und ziegen oder apfel- und birnentitten. die ist immer so vulgär, die alte. ich hab sie ausgeladen. advent ohne muttern, weihnachten ohne muttern. ist besser so. ihr anblick schlägt mir sowas von auf den magen. plisseegefaltetes gesicht. trübe augen. silbergraue lamettahaare. warm waren ihre finger noch nie. hat sich vererbt. da kann ich tausendmal den ostfriesenklatsch machen, meine hände werden einfach nicht warm. den teebecher heute morgen habe ich fest umklammert, die füße standen auf einer wärmflasche. und der nierenschutz läuft gegen vier bei ebay aus. raus will ich nicht, da draußen ist so ein ekliges regenschneegraupelfeinstaubgemisch. l. kommt vom adventsspaziergang nach hause. kannst drin bleiben, sacht er. alles erstarrt da draußen. winterschlaf. und dann diese gerippten daunenklamotten! bevorzugt in schwarz und braun. abgesetzt mit oliv. das schlägt aufs gemüt. ich hab eine winterdepression, sacht l. und läßt seine gelbe jacke fallen. kanarienvogelpostbotengelb. das ist so ein asoziales arschloch, mein nachbar. morgen hetz ich ihm den schornsteinfeger auf den leib. soll er mir doch endlich mal glück bringen,der schwarze mann, der.  ich geh jetzt mal tee machen.

Warmes Plätzchen

350g Dinkelvollkornmehl
½ TL(Weinstein-)Backpulver
1 Prise Salz
200g weiche Butter(z.B. gut&günstig Deutsche Markenbutter)
80g Apfelkrautsirup(oder anderen Sirup)
1 Ei (Größe M)
2 EL brauner Zucker
und vor allem: Mehl für die Arbeitsfläche

An Weihnachten

An Weihnachten, auf dem baugerüst, als ich den farbeimer umstieß, die ganze farbe floss die hauswand hinab, die frau im zweiten stock öffnete gerade die fensterläden, ich hatte nicht aufgepasst, war unachtsam gegen ihn gestoßen, er kippte sofort, die farbe rann zuerst über das brett, dann die wand, und unten die frau, der laden quietschte beim öffnen, alte läden mit flügeltüren zum öffnen wie fenster, nur nicht nach innen sondern nach außen, und die farbe, zähflüssig und dick die wand hinab, in breiten und schmalen streifen, über die graffiti, das fenstersims, den wandvorsprung im dritten stock, und später schrien leute, was macht der da, was soll das, wer ist das, seht nur die farbe … aber du hast gelacht, einfach nur gelacht, so ein buntes geschenk hattest du noch nie bekommen, es war Weihnachten, mein einziges geschenk für dich, dein einziges geschenk, dein erstes überhaupt, noch nie hatte dir einer geschenke gemacht, hast gelacht, laut gelacht, so fröhlich hatte ich dich noch nie, und dann die frau im zweiten stock … das war ein spaß, über ihre frisch geputzten fenster, ich hatte sie am tag vor Heiligabend beobachtet, wie sie … und dann sind wir weggerannt, um die nächste straßenecke und haben uns nur geküsst … alles war bunt. So konnten wir getrost die stadt verlassen, für immer, und wussten, dass wir nie zurückkehren würden. Nie mehr waren wir später noch einmal so glücklich.

Verschnupft (Eine Erkältung im Anzug)

Herr Holle, der Mann von Frau Holle, schüttelte am Dienstagmorgen, wie übrigens jeden Morgen, die Federbetten aus. Weil sie aber noch nass waren, er hatte sie nach der Wäsche zu früh von der Leine genommen, regnete es an jenem Tag anstatt, dass es schneite. Frau Holle, die an besagtem Dienstagmorgen nicht zu Hause war, sie hatte einen Termin beim Hals-, Nasen-, Ohrenarzt, bemerkte den Lapsus ihres Mannes erst, als sie gegen Mittag wieder nach Hause kam. Unterwegs, auf dem Weg vom Arzt zur Wohnung, war sie schon einem Mann mit einem Schiff und vielen Tieren darauf begegnet. Der Alte hatte sich als ein gewisser Herr Noah ausgegeben.

„Du Karl“, Herr Holle hieß mit Vornamen Karl, „wir müssen miteinander reden!“
Herr Holle, also Karl, antwortete: „Worüber?“

Durch das offene Fenster grüßte unterdessen Herr Noah ins Schlafzimmer der Holles: „Guten Tag, ganz schön viel Regen heute! Am Morgen dachte ich noch, es würde Schnee geben, und ich würde mit meinen Tieren Ski fahren anstatt Boot, aber dann dieser Regen! Übrigens, Ihr Federbett hängt noch aus dem Fenster. Holen Sie es besser rein, sonst wird es noch nass.“

Herr und Frau Holle schauten sich stumm an. Unterdessen trieb Herr Noah schon die Straße weiter abwärts.

„Was hat er gesagt, der Arzt?“ fragte Herr Holle seine Frau.
„Nichts Schlimmes!“ antwortete Frau Holle. „Nur, ein Schnupfen oder eine Erkältung im Anzug!“

Mit Wehmut (Vorweihnachtszeit)

Es geht wieder auf Weihnachten, und da sind in mir, wie jedes Jahr, die Vorfreude und die Erinnerungen besonders groß. Ich denke an Mutter. Und daran, wie sie immer sagte, dass ich ein ganz besonderes Kind wäre. Im alljährlichen Krippenspiel der Schulaufführung spielte ich am liebsten den Stern von Bethlehem. An einem Stahlseil befestigt und mit einem Bettlaken bekleidet, auf dem Sterne aus goldenem Stanniolpapier aufgeklebt waren, hing ich über der Bühne, eine brennende Kerze in der Hand. Das ganze Publikum, alle haben nur auf mich geschaut. Niemand beachtete das Jesuskind, eine Puppe, unter mir oder Maria und Josef oder den Esel neben der Krippe, den immer mein Freund Thomas spielte. Beim Abtritt und den Verbeugungen erhielt ich den lautesten und längsten Beifall. Nur Mutter schüttelte den Kopf und weinte. Ja, so war das damals in der Vorweihnachtszeit. Ein bisschen Wehmut überfällt mich deshalb jedes Jahr im Dezember.

Lejafeld

Es dampft von den Steinen. Heute, am Sonnabend, haben die Anwohner Wischwasser über das Pflaster in den Rinnstein gekippt. Ich bin um viertel sechs aufgestanden. Habe gepackt. Und die Sonne knallt. Ich kann gar nicht richtig sehen. R., gib mir mal die Sonnenbrille aus dem Auto. Aber lass die anderen Sachen drin. Ich muss erstmal schnaufen. Die plötzliche Hitze. Das Thermometer zu Hause ging ruckartig hoch. Ich hab draufgeklopft. Schon morgens die Fliegen an der Fensterscheibe. Ich ran mit dem Toilettenpapier und die Biester vernichtet. Oben im zweiten Stock wohnt sie. Da müssen wir rauf. Schwer pusten müssen wir. R., gib mir mal meine Tasche. Nein, nicht die mit den Flaschen. Ja, den Kaffee. Lass doch noch was in der Kanne drin. Sitz nicht so im Auto rum. Kannst auch schon mal was rausholen. Das ganze Papier muss da rauf. Wo sie nur bleibt. Ich klingle jetzt irgendwo. Da kommt jemand aus der Tür. Ein Lederkoffer, aber jünger als wir. Guten Tag, sind Sie Herr S.? Wir warten auf unsere Tochter. Sie hat viel von Ihnen erzählt. Ihre Musik. Dass Sie Wagner mögen. Und ihn am Abend, nach elf, aufdrehen. Ja, sie hat gute Ohren und ein gesundes Trommelfell. Sonst könnte sie diesen Job gar nicht machen. Ja, wir wollen rein. R., komm her. Vielen Dank. Mädchen, sage ich später zur ihr, dein Nachbar sieht ja aus wie Karl Lejafeld.

Unter den Linden.

Unendlich. Unnachgiebig. Unter den Linden. Ein schweifendes Auge. Um sich herum noch der tiefe Schrei. Auf anderer Wiese dann zyklopenhaftes Insichhineinschauen. Auf den Abwässern der letzten Jahre: ihr Lachen ihr nicht einschlafen können ihre Zunähe suchen. Auf den Abwässern ihres kleinen Herzens schnaubt sich späte und frühe Liebe aus. Umbrafarbnes Hirn. Sie wird sich mit ihren fremden Tönen anfreunden. Austränen.

knick und knack. punkt

den zeilen heng ich nach. und henge dran. bei regen in der dämmerung. das aufgeschlürfte wasser fällt von oben. und schafft ein herrlich leeres blatt. zum drübergehn. und drübermalen. alle iche schon im schrankbett. klappe auf und affe tot. welche wohltat. mein auge zu. ich will dich gar nicht sehn. ich will verstehn. und glaube – überflüssig – ist rein gar nichts. auch abgeknickte spiralzweige ergeben ein passables füllmaterial. in der allzugroßen gleichung.

Cy Twombly.

Cy.

 

Wie über mich drübergehn. Sabbern. Mich zwischen meine eigene Haut zu drängen. Als obs von innen fein regnet. Oder sich etwas regt. Wie ein von sich selbst Ablösen. Ich spiele nur mein Empfinden als mein einzigstes Instrument. Verstehe sonst nichts vom Leben. Längst hat mein Berühren eine eigene Sprache gefunden. Wie ich dich suche.

abgeknickt.

Würde ich mich als gefestigtes, einigermassen klares Ich selbst an keiner Stelle anders wahrnehmen als andere, so wäre ich überflüssig.

Würde ich mich nicht als überflüssiges, ständig gelangweiltes Trotzdem-Ich mehr denn je und schöhn innebegreifen, so blieben Spiralzweige abgeknickt.

Gegenstand der Empfindung. 

Alternazis Praxis

Wir waren ganz normale Nazis – Teil 3

„Hose hoch! Hinten anstellen!“ Ich höre zu, hinter der Wand. Gestern habe ich Geburtstag gefeiert. Das Eis war aufgetaut, die Suppe voller Fliegendreck. Als Lisa sich mit Thomas Dankmann unterhielt. Haben sie über mich gelacht. Ich habe es gehört. Ihre Mutter sagte, das sei Mumpitz, meine Einladung. Was sie bei diesem Idioten solle. Dabei weiß ich, dass sie gern nach B. kommt. Gohlke hat tief gesungen. Er brachte dann Bohnensuppe mit Speck. Die war aus der Dose. In der Wohnheimküche haben wir sie aufgewärmt. Bifi mit der Brille hat Lisa auch angebaggert. Die Gretel mit den Zöpfen blieb dagegen wie immer standhaft. Ihr Vater führt zu Hause Volkstänze auf. Er beobachtet Gretel. Wenn sie die Zöpfe vor den Männern öffnet, kriegt sie eine geklatscht. Dabei studiert sie längst und macht alles mit eins. Mein Schrank wurde heute morgen so schwer, dass er mitsamt der ganzen Tigel und Töpfe einfach umgefallen ist. Auf mein frisch bezogenes Bett. So stramm hatte ich das Laken gezogen. Dass Lisa wenigstens bei mir hätte übernachten können. Doch sie ließ sich mit dem Auto nachhause fahren. Das musste ich. Sonst hätte sie mich für eine Bestie gehalten. Bestie mit Brille und Deichmannschuhen.

egodual

wir sind so bescheuert
wir laufen uns ständig selbst übern weg
und glauben es wäre der andere
wir sehn nur die eigenen zehenspitzen
tamaris oder auch panama jack
und sagen: hallo herr nachbar
können sie mal ihre zwillinge hier wegnehmen

Meine Fäuste

Zurück zu unserer erfolgreich gescheiterten Heldin, Klara Klarsack, die sich schmollend aus dem Rennen um einen Platz im akademischen Lehrbetrieb zurückzog, nachdem schon beim ersten Anlauf ihr authentisches Praxiswissen so schnöde verschmäht worden war. Um nach ihrem autodidaktischen Höhenflug nicht in eine Depression abzustürzen, stürzte sie sich ins Nachtleben des Städtchens, verunsicherte Clubs und Hauspartys, wo sie eine gern gesehene Gesprächspartnerin darstellte. „Die Frau, die viel spricht“, wurde sie insgeheim genannt, von den einen voller Bewunderung, von anderen mit etwas angestrengter Miene. Im privaten Rahmen hatte es Klara leicht, bei ihren Verehrern anzukommen, hier spielte es plötzlich keine Rolle, ob sie einen akademischen Hintergrund hatten oder einen soliden Beruf ausübten. Wer sich mit ihr amüsieren wollte und wem es gelang, ihre Aufmerksamkeit zu erringen, der konnte mit intersexuellen Herausforderungen von ihrer Seite rechnen. Wenn er sie meisterte, dann hatte er die Chance, ihr Geliebter zu werden.

Klara sprach jedoch nicht von ihren Geliebten, sie sprach von „meinen Fäusten“. Sich selbst sah sie als Gretchen an, jedoch, ihrem Lieblingsthema entsprechend, in Rollenumkehr. Sie stellte die Männer auf die Probe. Den einen hieß sie, sich zu verkleiden und als Leibniz auf der Party zu erscheinen, um zu testen, ob die Anwesenden auch Bescheid wußten über die sphärische Trigonometrie, die in seligen Zeiten den Zehn-Mark-Schein zierte, oder ob damals schon die Meute nur auf den Wert des Geldes gestarrt habe. Zum Dank für dieses Rollenspiel wanderte sie mit dem Verehrer auf die Toilette, wo er zuschauen durfte, wie sie ihre Notdurft verrichtete.

Dem zweiten befahl sie, zunächst ein Mädchen im Kreis der Partygäste zu entjungfern, damit sie sich von seinen Qualitäten überzeugen konnte, bevor sie ihm erlaubte, an ihr Hand anzulegen. Sie erwies sich seiner Kunst erkenntlich, indem sie ihm einen Blick auf ihren entblößten Busen gestattete.

Der dritte mußte Erde fressen, damit er Adam glich, dem Mann aus Lehm, aus dem alle anderen hervorgegangen waren. Denn sie sehnte sich nach Ursprünglichen und gab sich mit täglich geduschten und gegelten Fratzen nicht zufrieden. Im Gegenzug durfte er zugegen sein, wenn sie sich klitorial selbst zum Höhepunkt brachte.

Der vierte durfte wild durchs Wohnzimmer springen, sich auf dem Fußboden herumkugeln und animalische Laute ausstoßen als Gesang zum Osterspaziergang. Zum Dank ritzte sie ihm mit dem stumpfen Küchenmesser die Eier.

Der fünfte Faust im Bunde hatte die Rolle des Teufels zu spielen: Mit Schlips und Nadelstreifen schickte Klara ihn ins Rektorat, um dort als Vertreter des Ministeriums die Kürzungspläne für die kommenden zwanzig Jahre zu verkünden. Der Schock saß. Die Rektorin bereute bitterlich, die Berufung von Mr. Rumpel durchgewunken zu haben. Nun würden sich die erhöhten Personalausgaben rächen. Wie erst, wenn Mr. Rumpel den Beamtenstatus erlangt hatte. Zur Strafe schickte ihn die Rektorin auf eine Fachhochschule auf dem Lande – und Klara verneigte sich ehrfürchtig vor ihrem Verehrer, der so gut den ministerialen Mephistopheles zu mimen verstand.

Obwohl unsere verspielte Klara behauptete, mit keinem ihrer fünf Fäuste „Verkehr gehabt“ zu haben, wurde sie kurze Zeit nach Beginn ihrer Partyphase schwanger. Nein, sie wurde nicht nur schwanger, sie erwartete Fünflinge und wurde als medizinische Ausnahmeerscheinung in allen Zeitungen abgebildet. Binnen kurzem hatte sie eine landesweite Berühmtheit erlangt. Zahllose Gynäkologen wetteeiferten darum, sie betreuen zu dürfen. Tatsächlich stellte die Entbindung der fünf Faustbabys die Klinik vor erhebliche logistische Aufgaben. Im Fünfminutentakt erblickte eines nach dem anderen das Licht der Welt. Es mußte aufgefangenn, von Blut und Mutterkuchen gesäubert und gewickelt werden. Wenn es sich um Babys von üblichem Gewicht und gewöhnlicher Körpergröße gehandelt hätte, wäre das alles leicht zu handhaben gewesen. Die fünf Faustbabys, die Klara Klarsack gebar, besaßen jedoch bereits das Format ausgereifter erwachsener Männer (wenn das kein Widerspruch in sich ist), sie kamen mit Vollbart und Brille aus dem ballonartig geschwollenen Bauch Klaras hervor – was auch den letzten Vertreter der Hochschule davon überzeugte, daß die Berufungskommission sich geirrt haben mußte: diese Frau besaß ein schier unglaubliches akademisches Potential.

Heloise

Häng Dich doch an Deinem halbkriminellen Eddy auf

Oder häng ihn Dir um den Hals

Schieß Dich ab

Oder lass es bleiben

Was hat das alles mit uns zu tun

auch du…

wirst mich einmal  betrügen, auch du. Die Leute sollten das Grammophon abstellen, man kann das süße Schmalzzeug nicht immer vertragen. Das ist mir zu süß. Ich habe sie nicht gegessen. Ich ess das nicht. Das nicht. Naja, Mutter will nicht, dass ich so dick werde. Das ist mir zum Glück erspart geblieben. Gut nach Hause gekommen? Eigentlich nicht. Und es könnte zu Missverständnissen führen, wenn ich Mutti erzähle, wir hätten die Liegesitze ausprobiert.  Ich habe sie zur Kenntnis genommen. Zur Kenntnis genommen. Zur Kenntnis.

manche, ohne falten. noch.

sie hören ihn doch wirklich gern,
den alten sänger. das relikt.
das ist erstaunlich.
und geht wohl nur ganz ohne schädel.
das ist geradezu :
ein von der welt abrücken.

blondine.

:: schädellos sass ich nun die ganze woche an diesem tisch; plötzlich erkenn ich im spiegel mehr falten als meine erinnerung mir vormachte … als ich mich fühlen würde: würd mir ne heikle blondine ne frage stellen … weniger krächzend, eher aus dem unterlaib … wär ich aufgeschmissen: ein von der welt abbeissen 

Nuance.

Regenverschafftes Davongleiten: dein dich selbst aus dem Blick nehmen. Nun gewinnst du dich aus der Zusammenlosigkeit … uuhh warum schnaubst du so auf? Natürlich sollte es Zusammenhanglosigkeit heissen. Ich vermiss dich so, wenn du mit deinem Mund nur bei dir bist. Ich mach’s jetzt wie mit mir früher.

iiihhh

mundschenk mir worte und küss mich ein wenn du mut hast ungeschälte gegenwart wartet im vorübergehn eine strenge seele in der menschenkühle zerspaner und rohrkrepierer führen zu erzählverkrampfung

aahhh

auf dem fahrrad. ah. und ja. immer dasselbe. immer auf der wiederholspur. aber im vorbeigleiten ist alles zu ertragen. und der wind weht so gut. und wir sind, daß wir denken, wir wären wer. am besten wir denketen gar nicht mehr.

uuhhh

vor 3 Minuten

meine saftige sinnlichkeit soll das getue erobern, das ich zu sein vorgebe, wenn ich rede + durch die kante schleiche … übergossen mit honig oder champagner

Nicht Gekanntes, nicht Genanntes

Wer angefangen hat, weil er etwas mit ihr anfangen kann, bleibt bei Else Lasker-Schüler hängen. Netter formuliert: Sie/Er sind ihr treu. Ohnehin haben die Hüter der deutschen Literatur die Poetin im Parnaß bestens platziert. Allen Bedenken zum Trotz. Die gelten eher der Person als ihrer Poesie. Ihre Mitmenschen erschreckte die Bürgertochter durch unbürgerliche Eskapaden. Kafka nannte sie ein „Schreckgespenst“. Kafka eben! Besser kamen Bekannte, Freunde, Geliebte mit der wechselhaften Natur der Frau zurecht. Als da waren die Herren von Benn über Hille, Kraus und Kerr bis Zech. Einschließlich des Herwarth Walden, mit dem Lasker-Schüler (1869-1945) zeitweise Haus und Bett teilte. Die Genannten sitzen am Tisch der Essayistin in dem Band „Die kreisende Weltfabrik“.
Gesuchtes und Gefundenes ist versammelt, das eindeutig und korrekt als „Berliner Ansichten und Porträts“ genau umschrieben ist. Texte wurden ausgewählt, die, zumeist und zuerst, All-Tags-Skizzen voller Assoziationen sind. Was zu Personen und Stätten angedeutet ist, sind eher knappe Andeutungen statt schmückende Ausführungen. Alles ist Anregung fürs Denken, Nachdenken, Überdenken. Die Autorin hält die Leser nicht auf. Das Innehalten erwartet sie. Für´s kurzweilige Vergnügen steht nicht zur Verfügung, was von der Verfasserin kommt. Else Lasker-Schüler hat für die langsam Lesenden geschrieben.
Das weiß und respektiert Heidrun Loeper, die Herausgeberin der Ausgabe. Sie hat ein Nachwort verfaßt, das ebenfalls nicht für´s Nebenherlesen da ist. Das ist in jeder Hinsicht was Seltenes. Ein Nachwort in, zu einem Buch ist wahrlich eine Rarität geworden. Der Herausgeberin (und dem Verlag) muß man die Hand drücken. Mit der Art der Publikation wird so etwas für die nachwachsende Generation möglicher Lasker-Schüler – Leser getan.
Die Schriftstücke zu den berlinischen Szenen, zu den der Verfasserin nahen Künstlern, sind Stücke einer Entdeckerseele. Sie schaut in andere Menschenseelen, ohne sie zu sezieren. Selbst oft eine Verletzte, hat Lasker-Schüler Annäherung an Andere auch etwas mit dem Abstandhalten zu tun. So möchte sie den Ein- und Überblick nicht verringern, der Ein- und Übersicht mindern würde. Lasker-Schüler ermittelt für sich und ihre Leser, um Überraschendes, Unerwartetes zu erkennen. Da ist kein Platz für Wiederholungen. Schon gar nicht für´s wiederholen der Wiederholungen. Nicht Gekanntes, nichts Genanntes des Berlins vor 100 Jahren schimmert auf.
Die Texte in „Die kreisende Weltfabrik“ sind Mischungen aus Essay und Dichtung. Reales wird Dichterisch, Dichteresches real. Bisweilen ist die Schreiberin spöttisch, bisweilen eine sarkastische Polemikerin. Eigene Marotten und die der sie Umgebenen sind für sie Anlaß gewesen, die knappen Aufzeichnungen möglich und nötig zu machen.
So auch einer der umfangreichsten Texte des Bandes, der „Mein Junge“ überschrieben ist. Welch ein Text einer Mutter, der mit den kargen, klaren Worten beginnt: „Und doch gerade bemühe ich mich, wahrheitsgetreu über ihn zu schreiben“. Was heißt hier „wahrheitsgetreu“? Es heißt aufrichtig, nicht anklagend, nicht wehklagend über den Verlorenen zu sprechen. Heißt, den Talentierten ohne Überschwang zu rühmen und zu ehren. In der kurzen Geschichte des kurzen Lebens ihres Sohnes Paul (1899-1927) ist genug von der Geschichte der Else Lasker-Schüler. Wie in allen Texten von „Die kreisende Weltfabrik“. Sie sind eine gute Gelegenheit, gelegentlich gelesen zu werden. Stück für Stück. Unbedingt!
Else Lasker-Schüler: Die kreisende Weltfabrik. Berliner Ansichten und Porträts. Hrsg., Nachwort Heidrun Loeper. Transit Buchverlag: Berlin 2012. 128 Seiten. Geb., ISBN 978-3-88747-282-5

Wie zwischen den Zehen.

es ist nur ein ständiges sich gegen die Leere Wehren, ein ständiges sich gegen die Leere Leeren, ein an den Lauten und Blicken der Menschen Erschöpftseyn, eine Grausamkeit, ein Angespucktwerden, ständiges Werden in ihrer Spucke, wie wenn man heftigst gegen sich selber schreit nur um zu gehorchen nur um weiter an diesem Leben teilzunehmen nur seine angeebbte Scham abzutragen solange man nur des anderen klägliches Stummen und noch kläglicheres Züngeln irgendwie erträgt auf spitzen Schulterblättern oder so aneinander geklebt wie im Wald Einsamkeit suchen die man nur in Hundeaugen findet nur in deiner Sinnestäuschung denn zwischen den meisten Ich und der Welt giebt es keine Saugkraft mehr : es giebt kein Entgegen mehr und auch keine Anziehung, hätte früher Liebe geheissen

noch fragen ??

* Lilienschnee schlägt wie umkräuselt so nah an mein gelerchtes Ohr. Ins Gefällige reinstechen. Hab mir einen anthrazitnen Wollmantel gekauft. In den Innentaschen alles kleine Zettel mit derben Ausdrücken. In Tinte. Wenn ich meine Zunge drüberlaufn lass, giebts ein verschmiertes Lächeln. Wie dieser zur Masse gehörende Intellektuelle dorthinten. Im Vorbeigehn steck ich ihm meinen Zettel ans enthaarte Revers. Unerschrocken hör ich mir fast das gleiche verschmierte Wort an. Und drück ihm eine Heftzwecke/Zecke in die Wange.  

beton.

Stell dir vor: dein Leben beim Beizen … die Ablösung der Dinge nicht nur von ihrer (un-)Wichtigkeit, sondern die der Bedeutung von dem, was du sagst … meine Zahncrème hiess plötzlich: test-a-ment …