Du könntest Gitarre

Von | 12. Februar 2014

Auf dem Land hörst du die Stille : wenn ein Vogel
Schreit : der den Abflug nach Süden verpasst hat
Berlin ist nah : und doch bekämpfst du das Verlassensein

Mit Arbeit : Tierefüttern : Ausmisten : Kochen und Trinken
Das ist das Hobby der Nachbarn : sie hocken unter roten Lampions
Und löten sich die Rübe zu : du könntest Gitarre spielen

Oder Theater : die Kohlhaasbühne steht auf dem Anger
Doch es gibt tausend Gründe : die dagegen sprechen
Es gibt keine Kultur : wo Agrikultur herrscht

Früher war alles anders : früher gab es Feste und Stickereien
Tänze und Musik : da war der Bauer abends Musikant
Nicht nur Produzent : so konventionell

Ich verkläre die Vergangenheit : damit sie dient

Kategorie: Trauersymmetrie

Über Theodor Holz

geb. in Dresden im Herbst 1989, hab die Wendewirren mit der Muttermilch aufgesogen, Pflastersteine wurden aus dem Bahnhofsvorplatz gerissen und flogen knapp an meinem Kinderwagen vorbei, meine Mutter konnte ihren Beruf als Jungpionierleiterin auf dem Albrechtsberg nicht mehr ausüben, sie nahm an einer Umschulung zur Altenpflegerin teil, während ich brav die Kreuzschule besuchte.

Ein Gedanke zu „Du könntest Gitarre

  1. rapunzel

    früher gab es lange schlangen vor dem einzigen bücherladen in der nächstgelegenen kreisstadt … und „harzer grubenlicht“ für die kehle, damit auch der letzte geistesblitz erlischt. kunst fand im hinterraum statt, kultur auf der bühne im „willi agatz“. ich diener, du diener, wir diener. in der dunkelheit hat sich so mancher ver-gangen.

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