Featuring : Brinkmann : 74 : Funktion _ Denken

Von | 6. Februar 2014

Es ist ein erstaunliches Gefühl, meine ich –
aus einer Musikbox, ganz weit zurück, kommt Rock’n’Roll-Musik und lässt mich die lateinische Übersetzung vergessen – –
Zwischen den weißen, frischen, zusammengelegten Bettlaken im Schlafzimmerschrank lag immer eine kleine mattschwarz glänzende Pistole, bequem für eine Handtasche.
Das Lernen macht weiter.
Der Schallplattenspieler, repariert, macht weiter. Auch die Interpretationen machen weiter. Es sind die Bücher.
Als ich in einem gräßlich eingerichteten Apartment in Austin morgens gegen fünf Uhr auf dem vollgepackten Koffer kniete und die Kofferschlösser zuzukriegen versuchte, hörte ich aus dem Radio ein Lied, das mir sofort, nachdem es angefangen hatte, gefiel.
Der Beifall macht weiter, die Wörter machen weiter, die Knöpfe machen weiter, der Stoff macht weiter –
Die teueren Vororte sind durch Stille gesichert.
Utopia ist eine Kiste.
*
Ich hätte gern viele Gedichte so einfach geschrieben wie Songs. Leider kann ich nicht Gitarre spielen, ich kann nur Schreibmaschine schreiben, dazu nur stotternd, mit zwei Fingern. Vielleicht ist mir aber manchmal gelungen, die Gedichte einfach genug zu machen, wie Songs, wie eine Tür aufzumachen, aus der Sprache und den Festlegungen raus.
**
Was für Entzückungen eine Straße entlangzugehen, während die Sonne scheint.
***
Der Raum macht weiter. Ich mache die Augen auf und sehe ein weißes Stück Papier.

Kategorie: Realitätsschatten

Über J. W. Rosch

geb. 1967 in Charkiv, lebt in Frankfurt am Main. Gedichte, Prosa, Roman. Bisher bei LLV erschienen: Jokhang-Kreisel. Gedichte und kurze Prosa mit Zeichnungen von Anna H. Frauendorf (2003), Goðan Daginn. Gedichte. Mit Radierungen von Mechthild Mansel (2010).

2 Gedanken zu „Featuring : Brinkmann : 74 : Funktion _ Denken

  1. frau kleist

    Ich ging heute in der Sonne. Der Raum macht weiter. Und was macht die Zeit? Utopia ist manchmal eine Kiste, meist aber ein Koffer. Wenn ich ihn mit mir rumschleppe, würde er mich belasten, sobald ic h ihn aber stehen lasse (erinnern Sie sich noch: stehen lassen?, fühlt das die Lady auch.

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